LIVE SPRING 2026
DISILLUSION , AN ABSTRACT ILLUSION
07.05.2026, Viper Room Wien
Ein weiterer Abend, an dem zwei Konzerte aus sehr ähnlichen musikalischen Bereichen gleichzeitig stattfanden und die Wiener Progressive-Metal-Fans in zwei Richtungen teilten. Nach dem außergewöhnlichen Album „The Sleeping City“ fiel die Entscheidung für AN ABSTRACT ILLUSION allerdings leicht, auch wenn die Parallelveranstaltung ebenfalls mit einem starken Release aufwartete. So wurde dieser Abend mit AN ABSTRACT ILLUSION und DISILLUSION zu einem Konzert voller Melodie, progressiver Songstrukturen, aber ebenso voller Härte.
AN ABSTRACT ILLUSION
AN ABSTRACT ILLUSION waren als Special Guests angekündigt, für viele Besucher jedoch die eigentlichen Headliner des Abends. Nach einer Reihe von Alben auf höchstem Niveau bringt die schwedische Band in ihrer Livebesetzung alles mit, was Progressive Metal ausmacht: Melodie, Komplexität, technische Klasse und Härte.

Sie eröffneten den Abend mit einigen ihrer emotionalsten Songs. „Silverfields“ funktionierte hervorragend als Einstieg, beinahe wie ein langes Intro. Live klang der Song dichter und natürlicher als auf Album, mit besseren Drums und weiterhin stark präsenten Keyboards, während die Gitarren nach und nach den Sound ergänzten und daraus ein deutlich schwereres Klangbild machten.
Frontmann Christian Berglönn warnte das Publikum vorab, dass die Band „Death Metal und lange Songs“ liebe – und genau darum ging es bei diesem Auftritt. Die typische Melodik der Alben wurde live deutlich verändert, und stellenweise wirkte AN ABSTRACT ILLUSION eher wie eine Progressive-Death-Metal-Band. Dichter Sound, getragen von einem permanent präsenten und sehr überzeugenden Bass, dazu zwei Gitarren, weiterhin melodisch, aber wesentlich aggressiver eingebunden, sowie ein unnachgiebiges Schlagzeugspiel.
Massive Akkorde bestimmten auch „Blackmurmur“, ebenfalls vom aktuellen Album. Live wirkte der Song noch komplexer als erwartet. Wenn auf Album manchmal die Keyboards dominieren, kam das Gewicht des Sounds hier viel stärker von den übrigen Instrumenten.
Der Viper Room war ordentlich gefüllt, auch wenn er nicht überlaufen wirkte. Durch die enthusiastischen Reaktionen entstand dennoch das Gefühl eines komplett begeisterten Publikums. Und das absolut verdient, denn die Performance war vom ersten bis zum letzten Ton beeindruckend. Progressiver Metal aus Schweden, aber mit so viel Leidenschaft gespielt, dass das Publikum völlig in der Musik aufging.
Es folgten „Slaves“ vom gefeierten Album „Woe“, einem Release, das für viele mindestens auf dem Niveau von „The Sleeping City“ steht. „Frost Flower“ wurde mit einer persönlichen Widmung angekündigt und brachte viel Melancholie und Sensibilität mit sich, gleichzeitig aber auch heftige Dynamikwechsel und aggressive Ausbrüche schwerer Akkorde innerhalb derselben polyrhythmischen und verzweigten Strukturen.
Jeder Musiker hätte große Anerkennung verdient, doch neben dem Sänger ragte besonders Karl Westerlund mit seinen technisch starken, aber gleichzeitig emotionalen Solos heraus. Ebenso wichtig für den typischen Sound der Band war Robert Stenvall an Keyboards und Backing Vocals. Mit Ausnahme des zweiten Gitarristen beteiligten sich alle Musiker am Gesang – eine Hauptstimme und vier zusätzliche Vocals. Kein Wunder also, dass der Sound so vielschichtig wirkte. Auch der Bassist trug nicht nur rhythmisch, sondern ebenso gesanglich enorm viel zum Gesamtbild bei. Und eigentlich war die Bühne für diese Band deutlich zu klein.
Nach jedem Song reagierte das Publikum begeistert, überhaupt war die Stimmung an diesem Abend eine der intensivsten, die man in Wien erleben kann. Endloser Applaus nach jedem Stück, völlig verdient. Komplexe Musik, perfekt live umgesetzt. Nach dem melancholischen „Emmett“ endete das Set mit „In the Heavens Above, You Will Become a Monster“, einer Reise in die härteste Seite der Band. Ein langer Song, ein weiteres Beispiel technischer Klasse und diesmal unnachgiebiger Progressive Death Metal – wütend, komplex und intensiv. Ein würdiger Abschluss eines außergewöhnlichen Auftritts.

Setlist
01. Silverfields
02. Blackmurmur
03. Slaves
04. Frost Flower
05. Emmett
06. In the Heavens Above, You Will Become a Monster
DISILLUSION
DISILLUSION feierten an diesem Abend das zwanzigjährige Jubiläum ihres Albums „Gloria“, was sich massiv in der Setlist widerspiegelte. Während die Band ursprünglich als Progressive/Melodic-Death-Metal-Gruppe begann, markierte das zweite Album einen bewussten Bruch mit dem früheren Sound. Ein bis heute polarisierendes Werk wegen seiner deutlichen Abkehr vom klassischen Death Metal.

Und genau dieser Sound dominierte den Beginn ihres Auftritts: eine Mischung aus Industrial Metal, Progressive Metal und Electro-/Rock-Elementen. Die Atmosphäre wirkte fast „techno-gothic“, voller poppiger Momente, und der stilistische Spagat der Band wurde sofort deutlich.
Vor dem Konzert wirkte die Band auffallend angespannt. Normalerweise waren sie auf dieser Tour der Opener, und eine gewisse Nervosität war spürbar. Der Wechsel von der dichten Atmosphäre des vorherigen Auftritts fiel abrupt aus. „Gloria“ ist ohnehin nicht ihr stärkstes Werk, und die vielen gesprochenen Passagen, industrial- und gothicartigen Elemente sowie der dramatische Gesang entfernten sich deutlich von dem, was man an diesem Abend eigentlich erwartete. Metal im klassischen Sinn war das nur bedingt.
Der Opener „Don’t Go Any Further“ wurde immerhin von dem deutlich härteren „The Great Unknown“ abgelöst, bevor die Band erneut zwischen den unterschiedlichen Ansätzen wechselte. Dieser Song passte wesentlich besser zum Abend: schwerer, melodisch und deutlich näher am Progressive/Melodic Death Metal. Gleichzeitig zeigte sich hier auch der starke Kontrast zwischen den beiden Sänger/Gitarristen – der Frontmann eher klassisch rockig in seiner Bühnenpräsenz, der zweite Musiker deutlich stärker im Metal verwurzelt. Dieser Gegensatz spiegelte sich ebenso in ihren Bewegungen wider: auf der einen Seite fast Rock’n’Roll-artige Gestik, auf der anderen Seite heftiges Headbanging und klassische Metal-Attitüde.
Danach kehrte die Band wieder stärker zum Industrial-Sound zurück, um weitere Stücke von „Gloria“ zu präsentieren. Clean Vocals im beinahe gesprochenen „Telefonstil“, viel Synthesizer, während Gitarren und Bass oft eher begleitend wirkten, repetitive Strukturen und eingängige Passagen. Live funktionierten diese Songs immerhin deutlich härter als auf Album.
Doch sobald der Jubiläumsteil vorbei war, änderte sich die Atmosphäre spürbar. Der Sound blieb melodisch, wurde aber wesentlich schwerer und traditioneller im Melodic-Death-Metal verankert. Hier überzeugte besonders der Gitarrist/Growler mit starken Vocals, eindrucksvollen Gitarrenparts und auch akustischen Passagen. Mit „…And the Mirror Cracked“ kam schließlich einer der stärksten Songs des Abends – progressiv, technisch anspruchsvoll und zurecht einer der beliebtesten Titel der Band.
Die abschließenden Songs vom aktuellen Album „Ayam“, darunter „Driftwood“ und „Tormento“, zeigten erneut die schwerere Seite von DISILLUSION, kombiniert mit viel Melancholie und emotionalem Klargesang. Eingängige Songs, mit denen die Fans vollkommen zufrieden wirkten. Insgesamt eine interessante Band, deren Stilvielfalt den Auftritt abwechslungsreich machte und immer wieder unerwartete Wendungen im Sound brachte.
Setlist
01. Don’t Go Any Further
02. The Great Unknown
03. The Black Sea
04. Alea
05. Gloria
06. ….And the Mirror Cracked
07. Between
08. Save the Past
09. Am Abgrund
10. Driftwood
11. Tormento






