Tracklist
- Nomen Est Omen
- Nevermore
- Money Tree
- Human Masquerade
- Ancient Mirror
- Hourglass
- Abandoned
- Swan Song
Besetzung
Michael „Mike“ Heß – Guitars, Drums & Recording
Gonzalo Civita – Vocals
Henrik Schaller – Lead Guitar
Matías Takaya – Mixing & Mastering
Shannon Heß – Lyrics
Bernhard „Doomchild“ Tischler – Spoken Word
TALES OF MIKE ist kein Projekt, das aus einer Laune heraus entstanden ist. Hinter dem Namen steht Michael „Mike“ Heß, dessen musikalischer Weg eng mit persönlicher Trauer, Erinnerung und innerer Verarbeitung verbunden ist. Bereits die EP »Landscape Of Sorrow« war ein tief emotionales Denkmal für seinen verstorbenen Bruder Markus. Mit »Human« wird dieser Ansatz nun größer gedacht. Das Album bleibt persönlich, erweitert aber den Blick: Es geht um Durchhaltewillen, Gier, falsche Freunde, Masken, Vergänglichkeit, Verlust und die Frage, wie man als Mensch all diesen Dingen standhält, ohne selbst zu zerbrechen.
Musikalisch bewegen sich TALES OF MIKE irgendwo zwischen Epic Heavy Metal, Doom, US-Metal-Kante, Power Metal und gelegentlichen Thrash-Ausbrüchen. Das klingt auf dem Papier nach einer ziemlich vollen Werkzeugkiste, funktioniert auf »Human« aber erstaunlich geschlossen. Michael Heß komponiert und spielt den Großteil der Instrumente, Gonzalo Civita verleiht den Songs mit seiner variablen Stimme ordentlich Charakter, Henrik Schallersetzt die Soli, und Matías Takaya sorgt mit Mix und Mastering für ein stabiles Fundament. Die Texte von Shannon Heß geben dem Album zusätzlich eine klare emotionale Handschrift.
Ein Intro als dunkle Schwelle
Mit »Nomen Est Omen« beginnt »Human« nicht direkt mit der vollen Breitseite, sondern mit einer Art Eröffnungsszene. Die gesprochenen Worte und angedeuteten Klangfragmente wirken wie ein Vorhang, der langsam zur Seite gezogen wird. Man merkt sofort: Dieses Album will nicht einfach nur Songs aneinanderreihen, sondern eine Stimmung aufbauen. Das Intro ist etwas ungewöhnlich, aber gerade dadurch bekommt der Einstieg einen eigenen Charakter. Es wirkt wie ein Hinweis darauf, dass hier Name, Schicksal und Identität eng miteinander verknüpft sind.
»Nevermore« – Aufstehen, wenn der Boden nachgibt
Der erste richtige Song »Nevermore« ist direkt ein Statement. Textlich geht es um den Moment, an dem man ganz unten angekommen ist, sich alleingelassen fühlt und trotzdem nicht liegen bleibt. Der Song dreht sich um Widerstandskraft, Selbstbehauptung und den inneren Entschluss, sich von Spott, Niederlagen und negativen Menschen nicht kleinmachen zu lassen. Das ist keine sanfte Motivationskarte mit Sonnenuntergang, sondern eher ein metallischer Tritt in den eigenen Hintern.
Musikalisch passt das hervorragend. »Nevermore« baut Spannung auf, lässt die Gitarren wuchtig arbeiten und gibt Gonzalo Civita genug Raum, seine Stimme zwischen rauer Energie und melodischer Führung auszuspielen. Besonders stark sind die Gitarrenleads von Henrik Schaller, die nicht einfach nur Fingerakrobatik bieten, sondern den Song emotional anheben. Hier zeigt sich früh, dass TALES OF MIKE nicht nur Härte, sondern auch Dramaturgie können.
»Money Tree« – Gier als grünes Gift
Mit »Money Tree« zieht das Album das Tempo an und kippt deutlich stärker in thrashige Gefilde. Textlich steht hier die Gier im Zentrum. Geld wird nicht als harmloses Mittel zum Zweck beschrieben, sondern als etwas, das Menschen verformt, Beziehungen vergiftet und Persönlichkeit unter einer glänzenden Oberfläche verschwinden lässt. Produzieren, konsumieren, vortäuschen, unterdrücken – der Song zeichnet ein ziemlich bitteres Bild davon, was passiert, wenn Besitz und Status wichtiger werden als Charakter.
Musikalisch ist »Money Tree« einer der treibendsten Momente des Albums. Die Riffs haben Biss, der Groove packt sofort zu, und der Gesang wirkt besonders angefressen. Hier ist Gonzalo Civita nicht nur Sänger, sondern Ankläger. Das Stück hat eine deutliche Thrash-Schlagseite, bleibt aber im Kern songorientiert. Kein planloses Gebolze, sondern ein wütender Track mit klarer Richtung.
»Human Masquerade« – Der hässliche Maskenball
»Human Masquerade« nimmt sich falsche Freundschaften, Neid und soziale Fassaden vor. Der Text erzählt von Menschen, die zunächst freundlich auftreten, sich später aber als neidisch, charakterlos und manipulativ entpuppen. Besonders stark ist dabei der Gedanke, dass Erfolg oder persönliche Entwicklung oft genau jene entlarven, die vorher noch an deiner Seite standen. Sobald man aus der Reihe tanzt, fallen die Masken.

Gepostet mit freundlicher Genehmigung durch Mike
Der Song lebt von dieser Enttäuschung und Wut. TALES OF MIKE setzen das musikalisch mit ordentlich Druck um. Die Mischung aus Heavy-Metal-Wucht und Speed-Metal-Energie passt perfekt zu dieser Abrechnung. »Human Masquerade« ist kein feines Psychogramm mit Samthandschuhen, sondern eher der Moment, in dem jemand auf dem Ballsaal das Licht anmacht und alle plötzlich sehen, wer da wirklich tanzt.
»Ancient Mirror« – Wenn der Spiegel zurückschlägt
Mit »Ancient Mirror« wird es deutlich düsterer. Textlich arbeitet der Song mit dem Motiv eines Spiegels, der nicht Schönheit zeigt, sondern Sünden, Schwächen und das wahre Selbst sichtbar macht. Der Spiegel wird zum Richter, der Täuschung nicht duldet und die dunklen Seiten des Menschen ans Licht zerrt. Das ist fast schon Gothic-Horror im Metal-Gewand und passt hervorragend zur dunkleren Seite des Albums.
Musikalisch taucht »Ancient Mirror« tiefer in doomige und stellenweise fast death-doomige Bereiche ein. Die Growls, die schwereren Riffs und die unheilvolle Atmosphäre geben dem Song eine besondere Schwere. Gleichzeitig bleiben melodische Elemente erhalten, wodurch das Stück nicht nur finster, sondern auch greifbar bleibt. Einer der atmosphärisch stärksten Songs des Albums.
»Hourglass« – Die Sanduhr läuft für alle
»Hourglass« behandelt ein klassisches, aber immer wirksames Thema: Vergänglichkeit. Der Text macht klar, dass die Zeit für jeden läuft und niemand sich dauerhaft vor dem Ende verstecken kann. Gleichzeitig ist der Song nicht rein fatalistisch. Vielmehr steckt darin die Aufforderung, das eigene Leben bewusst zu nutzen, kein schlechter Mensch zu sein und sich nicht von Angst auffressen zu lassen.
Musikalisch überrascht »Hourglass« mit viel Energie. Nach den dunkleren Momenten wirkt der Song fast wie ein Aufbrechen aus dem Schatten. Die thrashigen Anteile geben dem Stück Tempo, während die Melodien dafür sorgen, dass der Gedanke hinter dem Song nicht untergeht. Besonders die Gitarrenarbeit bringt hier ordentlich Feuer ins Spiel. Das ist einer dieser Tracks, bei denen man merkt, dass TALES OF MIKE auch dann nach vorne gehen können, wenn das Thema eigentlich schwer auf den Schultern liegt.
»Abandoned« – Verlassenheit als innerer Kerker
»Abandoned« ist der emotionale Brocken des Albums. Textlich geht es um Einsamkeit, zerstörte Bindungen, innere Leere und das Gefühl, von allem verlassen zu sein, sogar von dem, woran man einst geglaubt hat. Der Song betrachtet aber nicht nur das passive Verlassenwerden. Er zeigt auch, wie Menschen selbst alles hinter sich lassen, andere verletzen und irgendwann in einer selbstgebauten Isolation landen.
Mit über sechs Minuten bekommt »Abandoned« den Raum, den dieses Thema braucht. Musikalisch ist der Song schwer, atmosphärisch und sehr eindringlich. Gonzalo Civita kann hier seine ganze Bandbreite ausspielen: gequälte Tiefen, klare Linien, dunkle Ausbrüche. Der Track wirkt wie ein Gang durch ein verlassenes Haus, in dem noch überall Spuren von früheren Beziehungen liegen. Kein leicht verdaulicher Song, aber einer der stärksten Momente auf »Human«.
»Swan Song« – Abschluss ohne Kapitulation
Der abschließende »Swan Song« wirkt wie ein Resümee der gesamten Platte. Textlich blickt der Song auf erlittene Verluste, Verrat und schwere Wege zurück, ohne in Resignation zu kippen. Es geht um Abschluss, um Gerechtigkeit, um das Entlarven falscher Menschen und um die Erkenntnis, dass eine Reise zu Ende gehen kann, ohne dass alles verloren ist.
Musikalisch bringt »Swan Song« noch einmal Energie und Melodie zusammen. Der Song fühlt sich nicht wie ein müdes Auslaufen an, sondern wie ein bewusster Schlussstrich. Was gesagt werden musste, wurde gesagt. Was wehgetan hat, wurde verarbeitet. Und auch wenn die Vergangenheit nicht verschwindet, verliert sie ein Stück weit ihre Macht. Ein starker Abschluss, der das Album nicht dunkel versiegelt, sondern eine vorsichtige Aufbruchsstimmung zulässt.
Vielseitigkeit mit rotem Faden
Was »Human« besonders gelungen macht, ist die Balance. Das Album springt zwischen Epic Heavy Metal, Doom, Power Metal und Thrash-Anteilen, verliert dabei aber nicht seinen Kern. Die Songs wirken unterschiedlich, gehören aber trotzdem zusammen. Das liegt vor allem an der emotionalen Grundhaltung, an Gonzalo Civitas markantem Gesang und an den durchgehend starken Gitarrenmomenten.
Die Produktion ist druckvoll und klar, ohne dem Material seine Schwere zu nehmen. Die Gitarren haben genug Raum, die Soli glänzen, der Bass stabilisiert das Ganze, und die Drums geben den Songs die nötige Durchsetzungskraft. Besonders stark ist, dass die Platte trotz ihrer Themen nicht im reinen Schwermut versinkt. »Human« ist dunkel, ja, aber nicht hoffnungslos. Es ist ein Album über Verletzungen, falsche Menschen und Vergänglichkeit, aber auch über Widerstand, Erkenntnis und Selbstbehauptung.
Ein persönliches Album mit metallischem Rückgrat
TALES OF MIKE machen auf »Human« nicht einfach nur Musik über schwere Themen. Man merkt dem Album an, dass hier persönliche Erfahrungen, familiäre Verbundenheit und echte Verarbeitung eine Rolle spielen. Gerade die Texte von Shannon Heß geben den Songs eine direkte, oft symbolische Sprache, die gut zu Michaels musikalischer Handschrift passt. Dazu kommen starke Gastbeiträge, allen voran der ausdrucksstarke Gesang von Gonzalo Civita und die gefühlvollen wie technisch sauberen Soli von Henrik Schaller.
Nicht jeder Übergang ist völlig glatt, und manchmal wirkt die stilistische Bandbreite fast etwas übermütig. Aber genau diese Mischung macht »Human« auch spannend. Das Album will nicht nur Doom sein, nicht nur Power Metal, nicht nur Thrash-Ausbruch. Es will menschliche Abgründe und Widerstandskraft in verschiedene metallische Formen gießen. Und das gelingt über weite Strecken sehr überzeugend.
Fazit: TALES OF MIKE schaffen mit »Human« ein emotional aufgeladenes, vielseitiges und stark gesungenes Album, das Epic Heavy Metal, Doom, Thrash und Power-Metal-Anteile zu einem persönlichen Gesamtbild verbindet. Die Songs erzählen von Schmerz, Gier, falschen Masken, Vergänglichkeit und dem Willen, trotzdem weiterzugehen. Kein einfacher Stoff, aber genau deshalb ein Werk mit Substanz.






