Band: USERS 🇩🇰
Titel: Welcome To Civilisation
Label: Spektakle
VÖ: 01/05/26
Genre: Punk/Post-Punk/Alternative

Tracklist

01. Tales of Massacre
02. Heretic
03. Thirst for Blood
04. Whispers of Death
05. Echoes of the Fallen

Besetzung

Fred Element – Guitars
Stephane Filion – Lead Guitars
Charles Etienne Lafrance – Drums
Derek Heynekemp – Vocals

Bewertung:

4/5

Zugegeben, das Coverartwork, das der geneigte Rezensent mit „Bullenschwein auf Gaul“ umschreiben würde, ist alleine schon eine Klasse für sich. Doch was die Punk-, beziehungsweise Post-Punk-/Alternative-Formation USERS auf ihrem Debütalbum Welcome To Civilisation vorlegt, ist nicht einfach nur eine zynische Illustration gesellschaftlicher Schieflagen. Dieses Album klingt wie der Soundtrack zu einer Zivilisation, die sich selbst für fortschrittlich hält, während unter der hochglänzenden Oberfläche längst der Putz von den Wänden bröckelt.

Getreu dem Motto: Außen Hui, innen Pfui lassen USERS eine amtliche Gesellschaftskritik los und liefern keine glattpolierte Punkrock-Platte für den schnellen Nebenbeikonsum. Welcome To Civilisation ist rau, kantig, unbequem und dabei erstaunlich fokussiert. Zwischen treibenden Rhythmen, knurrendem Bass, kratzenden Gitarren und einem Gesang, der mehr anklagt als schmeichelt, entsteht ein Werk, das seinen Zorn nicht versteckt, aber auch nicht stumpf herausbrüllt.

PUNK MIT HALTUNG UND POST-PUNK-NERVOSITÄT

Musikalisch steht Welcome To Civilisation auf einem Fundament aus treibenden Drums und einem Bass, der oft wie das eigentliche Rückgrat der Songs wirkt. Darüber legen sich Gitarren, die nicht nach Schönklang suchen, sondern nach Spannung, Reibung und Druck. Mal schiebt das Ganze klassisch punkig nach vorne, mal wirkt es kühler, düsterer und stärker vom Post-Punk geprägt.

Gerade diese Mischung macht das Debüt interessant. USERS klingen nicht wie eine Band, die einfach nur alte Punkformeln wiederkäut. Die Songs besitzen Direktheit, aber auch eine nervöse, urbane Atmosphäre. Es ist Musik zwischen Demo, Kellerclub, Betonwand und innerem Aufstand.

ZWISCHEN DRUCK UND ROUGHNESS

Der Opener »Gentrification« bringt die Richtung schnell auf den Punkt. Der Song kommt unruhig, schroff und mit ordentlich Druck aus den Boxen. Auf einem Fundament aus treibenden Drums und knurrendem Bass ziehen die Gitarren eine lärmende Wand hoch, die weniger nach sauberem Punkrock-Lehrbuch klingt als nach bröckelnder Hauswand kurz vor der Räumung.

Mit »Working Ants« wird der gesellschaftliche Druck noch greifbarer. Der Song wirkt rhythmisch bohrend und passt mit seinem Titel perfekt zur Grundstimmung des Albums. Arbeit, Wiederholung, Erschöpfung und unterschwellige Wut werden hier in einen nervösen Punkrahmen gepresst, der nicht nach Arbeiterromantik klingt, sondern nach müden Knochen und zu wenig Luft zum Atmen.

Der Titeltrack »Welcome To Civilisation« führt diese Energie weiter. Der Titel klingt zunächst wie eine Begrüßung, wirkt im Kontext des Albums aber eher wie eine bittere Bestandsaufnahme. Musikalisch bleiben USERS roh und direkt. Der Song schiebt nach vorne, ohne sich im reinen Krach zu verlieren. Gerade diese Mischung aus Tanzbarkeit und Wut macht das Album stark.

BULLENSCHWEIN AUF GAUL

»Pigs On Horses« ist schon durch Titel und Coverbezug einer der zentralen Momente des Albums. Das Bild ist grotesk, satirisch und direkt verständlich. Musikalisch besitzt der Song genau die richtige Mischung aus Spott und Aggression. Der Bass drückt, die Gitarren kratzen, und der Rhythmus wirkt wie ein unruhiger Marsch durch ein System, das mehr nach Druck als nach Schutz riecht.

»Pride« und »My Dear« zeigen anschließend, dass dieses Album nicht nur aus äußerer Wut besteht. Hier wird der Blick etwas persönlicher, die Songs wirken weniger frontal, aber nicht weniger angespannt. Gerade solche Momente geben Welcome To Civilisation mehr Tiefe, weil sie zeigen, dass hinter der Systemkritik nicht nur Parolen stehen, sondern Menschen mit echten Bruchstellen.

WAKE-UP-CALL STATT WOHLFÜHLPLATTE

»BLU-109« klingt schon vom Titel her kühl und bedrohlich. Der Song wirkt härter und schroffer, fast wie ein Einschlag im ohnehin brüchigen Klangbild des Albums. USERS halten die Spannung hoch und zeigen, dass sie nicht auf eine einzige Klangfarbe festgelegt sind.

»Wake Up« macht seinem Namen alle Ehre. Der Song funktioniert wie ein Weckruf gegen Gleichgültigkeit und Anpassung. Die Band formuliert das nicht freundlich, sondern mit Druck und Unruhe. Man soll hier nicht bequem zuhören, sondern aufmerksam werden.

Mit »Plastic Models« richtet sich der Blick auf künstliche Oberflächen und vorgeformte Rollen. Der Song kratzt musikalisch stärker an der post-punkigen Seite der Band und lässt der Nervosität im Sound mehr Raum. Den Abschluss bildet »Idea Of A Man«, das als kantiger, nachdenklicher Schlusspunkt funktioniert und das Album nicht mit einem versöhnlichen Lächeln entlässt.

PRODUKTION UND WIRKUNG

Klanglich ist Welcome To Civilisation rau, aber nicht planlos. Die Produktion lässt genug Dreck im Sound, damit die Songs glaubwürdig bleiben, hält aber alles zusammen, damit die Platte nicht im eigenen Lärm zerfällt. Der Bass ist präsent, die Drums treiben, die Gitarren schneiden, und der Gesang bleibt immer nah genug am Hörer, um die Botschaft nicht im Krach zu verlieren.

Die Stärke des Albums liegt in seiner Atmosphäre. USERS klingen wütend, aber nicht kopflos. Sie klingen politisch, aber nicht belehrend. Sie klingen unbequem, aber nicht künstlich sperrig. Das Debüt besitzt diese Mischung aus Energie und Abgeklärtheit, die man nicht erzwingen kann.

FAZIT

Welcome To Civilisation von USERS ist ein starkes Debüt zwischen Punk, Post-Punk und Alternative, das seine gesellschaftskritische Haltung nicht als Beiwerk versteht, sondern als inneren Motor. Die Band verbindet rohe Direktheit mit urbaner Nervosität, politischen Untertönen und einem Klangbild, das bewusst aneckt.

Nicht jeder Song will sofort gefallen, und genau darin liegt ein Teil der Qualität. USERS machen keine Wohlfühlmusik für den gepflegten Hintergrund. Dieses Album kratzt, drückt und lässt an manchen Stellen bewusst Dreck unter den Fingernägeln zurück.

Welcome To Civilisation ist roh, bissig, rhythmisch stark und atmosphärisch geschlossen. Ein Debüt, das nicht um Aufmerksamkeit bettelt, sondern sie sich mit Haltung, Lärm und Substanz verdient.

Schaut hier den Clip: Centrification

Internet

USERS - Welcome To Civilisation

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