Moloser - Moloser - cover Artwork

Band: Molosser 🇳🇿
Titel: Molosser
Label: Gutter Prince Cabal
VÖ: 11.05.2026
Format: Digital / CD / MC
Genre: Death Metal / Blackened Death Metal / Death Doom

Tracklist

01. Strychnine Hill
02. Ogre Column
03. Vengeance Manifest
04. Indomitable Force

Besetzung

A.K. – Gesang
J.A. – Gitarre / Leads
J.H. – Gitarre
C.J. – Bass / Effekte
A.M. – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Aus dem schönen Ländle Neuseeland kommt auf euch etwas ganz cremiges zu und zwar volle Kanne Hoschi! Wobei „cremig“ hier natürlich nicht nach Sahnetörtchen klingt, sondern eher nach einer tonnenschweren Abrissbirne, die vorher noch in schwarzem Pech gebadet wurde. Molosser aus Wellington liefern mit ihrer selbstbetitelten Debüt-EP vier Tracks, knapp 18 Minuten Spielzeit und keine Sekunde Wellnessprogramm. Das ist Death Metal gehüllt in schwarzen Nebel, doomiger Schwere und einem klaren Auftrag: rein, runterdrücken, fertig.

Der Name passt dabei ziemlich gut. Ein Molosser ist historisch gesehen kein Schoßhündchen für den Sonntagsbraten, sondern ein massiger Kampfhundtyp mit Kraft, Gewicht und Vorwärtsdrang. Genau so tritt auch diese EP auf. Molosser wollen hier nicht elegant um den Hörer herumtanzen. Sie setzen an, beißen zu und lassen erst los, wenn die vier Songs durch sind. Das ist primitiv im besten Sinne: nicht dumm, nicht schlampig, sondern reduziert auf Wirkung. Kein Firlefanz, kein „Schaut mal, wir können auch Jazzakkorde“, sondern Muskel, Dreck, Druck und ein sehr klares Verständnis davon, wie man Death Metal kurz und böse hält.

(Hört hier »Molosser« von Molosser)

VIER SONGS, KEIN SITZKISSEN

»Strychnine Hill« tritt die Tür ein und stellt sofort klar, dass Molosser keine lange Vorrede brauchen. Der Song arbeitet mit massiven Riffs, wuchtigen Downbeats und einem Wechselspiel aus stumpfer Gewalt und schwarzmetallisch angehauchter Raserei. Das wirkt nicht poliert, aber sehr bewusst gebaut. Die Gitarren schieben mit breiter Schulter, das Schlagzeug hämmert martialisch, und der Gesang liegt darüber wie ein tiefes, unverständliches Kommando aus irgendeinem Bunker. Freundlich ist anders. Aber freundlich war hier hoffentlich auch niemand einkalkuliert.

Gerade der Opener zeigt schon, warum die ersten Kritiken Vergleiche zu Diocletian, Heresiarch, Caveman Cult oder Primitive Warfare ziehen. Molosser spielen nicht einfach nur Death Metal, sie setzen auf eine fast kriegerische Körperlichkeit. Trotzdem ist »Strychnine Hill« kein reiner Lärmklumpen. Zwischen den Attacken blitzen kleine Wendungen auf, die dem Song mehr Profil geben, als man beim ersten Durchlauf vielleicht erwartet. Der Hoschi-Faktor ist also hoch, aber eben nicht hirnlos.

DER OGRE KOMMT NICHT ZUM KAFFEE

»Ogre Column« hält den Druck oben und macht seinem Titel alle Ehre. Der Song wirkt wie eine langsamer marschierende Kolonne, die nicht rennt, weil sie es schlicht nicht muss. Das Tempo variiert, die Riffs bleiben schwer, und die Band lässt genug Raum, damit die einzelnen Schläge wirklich einschlagen. Hier zeigt sich die doomigere Seite von Molosser, ohne dass die EP plötzlich zur Zeitlupenveranstaltung wird. Es bleibt brutal, nur eben mit mehr Gewicht auf dem Rücken.

Besonders stark ist die Rhythmusarbeit. A.M. prügelt nicht nur nach vorne, sondern setzt die Akzente so, dass die Stücke trotz ihrer primitiven Grundhaltung nicht beliebig wirken. C.J. liefert mit Bass und Effekten zusätzlichen Unterbau, der dem Ganzen eine finstere Tiefe gibt. Das ist kein technischer Zirkus, aber solides Handwerk mit klarem Ziel. Kurz gesagt: Die Band weiß, wo sie hinwill. Und sie nimmt den kürzesten, hässlichsten Weg dorthin.

KURZ, FIES UND MIT MESSER ZWISCHEN DEN ZÄHNEN

»Vengeance Manifest« ist mit unter drei Minuten der knappste Song der EP und funktioniert wie ein konzentrierter Angriff. Hier wird nicht groß ausgebaut, hier wird zugeschlagen. Die Nummer startet mit bedrohlicher Spannung, bricht dann auf und hetzt durch Blastbeats, stakkatoartige Riff-Angriffe und wimmernde Lead-Spitzen. Das ist der Moment, in dem die EP am deutlichsten ihre kurze Form ausnutzt: kein Fett, keine Dehnung, kein „wir hängen noch zwei Minuten hinten dran, weil wir es können“.

Der Song ist vielleicht der direkteste Beweis dafür, dass Molosser auf dieser Debüt-EP sehr gut mit knapper Dramaturgie umgehen können. Viele junge Extreme-Metal-Bands wollen sofort alles zeigen, was sie können. Molosser machen das Gegenteil: Sie zeigen genug, um zu überzeugen, und lassen den Rest als Drohung im Raum stehen. Gar nicht blöd. Für eine neue Band sogar ziemlich abgebrüht.

DER LANGSAME SCHLUSS MIT SCHWEREM SCHÄDEL

»Indomitable Force« ist der längste Track und gleichzeitig der Punkt, an dem die Death-Doom-Komponente am stärksten nach vorne tritt. Die Nummer kriecht nicht einfach langsam dahin, sondern baut eine schwere, fast zeremonielle Spannung auf. Cleanere Gitarrenansätze gehen in massive Verzerrung über, das Schlagzeug bleibt methodisch, und die Riffs bekommen viel Raum, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Das ist kein Song für Ungeduldige. Aber wer Geduld mitbringt, bekommt hier den stärksten atmosphärischen Moment der EP.

Auch hier gilt: Molosser machen nicht viel, aber das, was sie machen, sitzt. Die Band verzichtet auf große Überraschungen und vertraut stattdessen auf Druck, Wiederholung und Konsequenz. Das kann schnell eintönig werden. Wird es hier aber nicht, weil die EP kurz genug ist und weil »Indomitable Force« als Finale genau den richtigen Kontrast zur direkten Gewalt der vorherigen Songs setzt. Nach dem letzten Ton ist man nicht erschlagen von Länge, sondern eher geneigt, das Ding direkt noch einmal zu starten. Gute EPs können sowas.

SOUND, WIRKUNG UND KLEINE GRENZEN

Die Produktion von Dan Lowndes im Resonance Sound Studio trifft den Stil sehr gut. Der Sound ist tief, massiv und roh genug, um nicht klinisch zu wirken, aber sauber genug, damit Riffs, Drums und Bass nicht in einem einzigen braunen Geräusch verschwinden. Die Gitarren haben Körper, die Drums drücken, der Bass macht sich bemerkbar, und die Vocals bleiben schwer verständlich, aber wirkungsvoll. Bei dieser Art Death Metal muss man nicht jedes Wort verstehen. Man muss glauben, dass es schlechte Nachrichten sind.

Was die EP besonders stark macht, ist ihre Kürze. Vier Songs, knapp 18 Minuten, klare Ansage. Molosser überziehen nicht. Keine überflüssigen Zwischenspiele, keine langgezogene Selbstbespiegelung. Die Band kommt, liefert und geht. Das ist in Zeiten, in denen manche Debüts direkt auf 54 Minuten aufgeblasen werden, fast schon eine Wohltat. Lieber vier richtig feste Schläge als zwölf halbgare Umarmungen mit Stacheldraht.

Ganz perfekt ist das natürlich noch nicht. Der eigene Charakter ist vorhanden, aber noch nicht vollständig ausformuliert. Die Einflüsse stehen deutlich im Raum, und wer mit neuseeländischem oder australischem War-/Death-Metal-Underground vertraut ist, wird viele Bezugspunkte sofort erkennen. Auch dynamisch könnte die Band künftig noch etwas mehr eigene Handschrift nachschärfen. Aber für eine Debüt-EP ist das Jammern auf hohem Niveau. Der erste Eindruck sitzt.

FAZIT:

»Molosser« ist ein sehr überzeugender Erstschlag einer neuen Death-Metal-Band aus Wellington. Die EP liefert primitive Härte, blackened Tremolo-Kälte, doomige Schwere und eine Produktion, die genau weiß, wie viel Dreck und wie viel Klarheit diese Musik braucht. Molosser wollen nicht charmant sein. Sie wollen einschlagen. Mission erfüllt.

Die stärksten Momente sind »Strychnine Hill« und »Indomitable Force«, weil sie die beiden Pole der Band am besten zeigen: rohe Attacke und langsame Vernichtung. »Ogre Column« und »Vengeance Manifest« halten das Niveau stabil und sorgen dafür, dass die EP keinen Durchhänger bekommt. Das Ding ist kurz, brutal und konzentriert genug, um mehrere Durchläufe am Stück zu vertragen.

Für Fans von Diocletian, Heresiarch, Caveman Cult, Primitive Warfare, Death Worship oder allgemein finsterem, körperlichem Death Metal ist »Molosser« eine klare Empfehlung. Noch nicht die große Vollendung, aber ein verdammt starker Start. Wenn das nur der Anfang ist, sollte man diesen Hund besser nicht ohne Leine laufen lassen.

Molosser EP Stream:

Internet

Molosser - Molosser - EP Review

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