Tracklist
01. High Mountain
02. Happy Satan’s Reign
03. Blood Transfusion
04. Anatoliosis
05. MSAZ-20
06. BBSBBQ
07. The Sun King
08. Mind Assault
Besetzung
Leonard Traynor – Vocals, Guitar & Flute
Ben McMahon – Bass
Damian Lovazzano Razmilic – Guitar
Josefine Lukschy – Keyboards, Lap Steel & Vocals
Cash Hutchinson – Drums
Zwischen Fuzz, Wahnsinn und kosmischer Schwere
Mit ihrem Debütalbum »Doppelgänger« melden sich GO MAHHH lautstark aus der Berliner Underground-Szene. Das Quintett verbindet Psychedelic-Rock mit Shoegaze-Flächen, staubigem Fuzzrock und einer angenehm schrägen Note, die irgendwo zwischen spacigem Jam-Keller, doomiger Schwere und kontrolliertem Kontrollverlust pendelt. Die Bandbesetzung wirkt dabei wie ein bewusst chaotisches Kollektiv. Leonard Traynor übernimmt Gesang, Gitarre und Flöte, Ben McMahon den Bass, Damian Lovazzano Razmilic die zweite Gitarre, Josefine Lukschy steuert Keyboards, Lap Steel und zusätzliche Vocals bei, während Cash Hutchinson am Schlagzeug den oft ausufernden Klanggebilden Struktur verleiht.
»Doppelgänger« ist kein Album für nebenbei. Die Platte fordert Aufmerksamkeit, Geduld und eine gewisse Bereitschaft, sich auf repetitive Klangspiralen einzulassen. Gleichzeitig besitzt das Material genug Eigenständigkeit, um neugierig zu machen. Gerade für ein Debüt zeigt die Band Mut, ihre Songs nicht nach klassischen Rockmustern aufzubauen.
Fuzzwände und hypnotische Grooves
Schon der Opener »High Mountain« macht klar, wohin die Reise geht. Schwerer Fuzz, hallgetränkte Gitarren und eine fast tranceartige Rhythmik schieben den Song langsam nach vorne. Der Gesang wirkt dabei eher wie ein zusätzliches Instrument im Mix, statt sich dominant in den Vordergrund zu drängen. Genau das passt jedoch zur Grundstimmung der Platte.
Mit »Happy Satan’s Reign« wird es verspielter und gleichzeitig unberechenbarer. Der Track taumelt zwischen psychedelischer Lockerheit und dunklerem Unterton hin und her. Besonders die Gitarrenarbeit von Traynor und Razmilic sorgt hier für starke Momente, weil sich beide immer wieder gegenseitig umkreisen, ohne sich gegenseitig zu überladen.
»Blood Transfusion« gehört anschließend zu den intensiveren Nummern des Albums. Der Song lebt von seiner rohen Energie und einem beinahe aggressiven Grundgefühl. Gleichzeitig verstecken sich unter der lärmenden Oberfläche einige interessante Details, etwa die subtil eingesetzten Keyboardflächen oder die kurzen melodischen Einsprengsel der Lap Steel.
Zwischen Experiment und Orientierungslosigkeit
Die größte Stärke von »Doppelgänger« liegt eindeutig in seiner Atmosphäre. GO MAHHH schaffen es mehrfach, dichte Klangräume aufzubauen, die an frühe Psychedelic-Rock-Experimente erinnern, dabei aber nie völlig retro wirken. Vor allem »Anatoliosis« entwickelt einen beinahe hypnotischen Sog. Der Song zieht sich langsam auseinander, verliert sich kurzzeitig im Nebel und findet dann doch wieder zurück zu einem greifbaren Groove.
Allerdings zeigt sich hier auch das Hauptproblem des Albums. Nicht jede Idee wird konsequent zu Ende gedacht. Manche Passagen wirken unnötig ausgedehnt, einige Übergänge verlieren an Spannung. Besonders »MSAZ-20« mäandert stellenweise etwas ziellos vor sich hin. Der experimentelle Ansatz ist zwar nachvollziehbar, doch der Song hätte von mehr Fokus profitiert.
Ähnlich verhält es sich mit »BBSBBQ«, das zunächst mit einem lässigen Groove startet, sich später jedoch etwas in seinen eigenen Wiederholungen verliert. Genau an solchen Stellen merkt man, dass GO MAHHH großes Potenzial besitzen, dieses aber noch nicht immer präzise bündeln können.
Die starken Momente bleiben hängen
Trotz kleiner Schwächen bietet das Album mehrere Tracks, die nachhaltig Eindruck hinterlassen. »The Sun King« entwickelt eine angenehm düstere Stimmung und kombiniert Shoegaze-artige Flächen mit einem beinahe stoischen Rhythmus. Gerade hier funktioniert auch der mehrstimmige Gesang besonders gut.
Der Abschlusstrack »Mind Assault« bringt schließlich noch einmal viele Elemente der Platte zusammen. Schwerer Fuzz, hypnotische Gitarrenlinien und eine latent bedrohliche Atmosphäre sorgen für ein intensives Finale. Der Song zeigt gleichzeitig, wohin sich die Band künftig entwickeln könnte, etwas fokussierter im Songwriting, aber weiterhin mutig genug, Konventionen zu ignorieren.
Ein Debüt mit Ecken, Kanten und Charakter
»Doppelgänger« ist kein makelloses Album, aber genau darin liegt auch ein Teil seines Reizes. GO MAHHH präsentieren sich als Band, die lieber Risiken eingeht, statt geschniegelt und glatt zu klingen. Die Platte lebt von ihrer dreckigen Energie, ihren psychedelischen Ausbrüchen und dem Willen, Songs auch einmal bewusst ausfransen zu lassen.
Nicht jede Idee zündet vollständig, manche Komposition hätte straffer ausfallen dürfen. Dennoch besitzt dieses Debüt genug Charakter, um neugierig auf kommende Veröffentlichungen zu machen. Besonders Fans von fuzzlastigem Psychedelic Rock mit Shoegaze- und Krautrock-Einflüssen dürften hier einiges entdecken können. GO MAHHH liefern mit »Doppelgänger« ein interessantes erstes Lebenszeichen aus dem Berliner Underground. Noch nicht komplett ausgereift, aber definitiv eigenständig.
Fazit: »Doppelgänger« markiert den Einstieg von GO MAHHH in die Psychedelic/Fuzz Rock Shoegaze Musikszene.






