Crown The Beast - Judgement - cover artwork

Band: Crown The Beast 🇩🇰
Titel: Judgement
Label: Emanzipation Productions
Herkunft: Odense, Dänemark
VÖ: 15.05.2026
Genre: Death Metal / Groove Death Metal / Modern Death Metal
Format: Digital EP

Tracklist

01. Ruins Of Babylon
02. Human Target
03. Judgement

Besetzung

Jason Campbell – Vocals
Søren Rønnebech Grønning – Guitars
Simon Skyrme – Guitars
Lars Von Løvendal – Guitars
Jens Moseholm – Bass
Mikkel Øllgaard Bjelke Laursen – Drums

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Crown The Beast legen mit »Judgement« keine EP vor, die sich lange mit höflicher Vorrede aufhält. Drei Songs, knapp vierzehn Minuten Spielzeit, ein apokalyptischer Grundton und eine Produktion, die sofort deutlich macht: Hier wird nicht dekoriert, hier wird gerichtet. Die dänische Death-Metal-Formation aus Odense packt groovigen Modern Death Metal, oldschoolige Schwere und eine ordentliche Ladung Endzeitstimmung zusammen und formt daraus ein kompaktes Werk, das trotz kurzer Laufzeit erstaunlich geschlossen wirkt.

Die EP fühlt sich an wie ein Blick auf eine Menschheit, die ihr Urteil bereits erhalten hat, aber noch nicht ganz verstanden hat, dass die Vollstreckung längst begonnen hat. Crown The Beast arbeiten dabei nicht mit filigranen Schnörkeln, sondern mit Druck, Groove und einer dunklen Atmosphäre, die zwischen religiösem Strafgericht, Zivilisationsverfall und menschlicher Selbstzerstörung pendelt. Andere Kritiken haben bereits hervorgehoben, dass diese drei Songs ordentlich Druck machen, zugleich aber auch Atmosphäre besitzen. Genau darin liegt die Stärke von »Judgement«: Das Material prügelt, aber es denkt beim Prügeln noch mit.

Crown The Beast - Judgement - YouTube Playlist

Babylon fällt nicht lautlos

Mit »Ruins Of Babylon« eröffnen Crown The Beast diese EP nicht kopflos, sondern mit schwerer Entschlossenheit. Der Song baut sich zunächst methodisch auf, wirkt beinahe wie das Anrollen einer Kriegsmaschine, bevor Tempo, Drums und Riffing spürbar anziehen. Hier wird nicht einfach nur losgeprügelt, sondern ein Untergangsszenario aufgebaut, das musikalisch ebenso massiv wie kontrolliert wirkt.

Die drei Gitarren sind ein entscheidender Faktor. Søren Rønnebech Grønning, Simon Skyrme und Lars Von Løvendal sorgen nicht für unnötige Überladung, sondern für ein breites, drückendes Klangbild. Darunter arbeiten Jens Moseholm am Bass und Mikkel Øllgaard Bjelke Laursen an den Drums als wuchtiges Fundament, auf dem der Song seine apokalyptische Architektur errichtet. Gerade das Zusammenspiel von Groove, schweren Gitarren und kurzen Geschwindigkeitsschüben macht den Einstieg so effektiv.

Inhaltlich lässt sich »Ruins Of Babylon« als Bild für den Zusammenbruch einer dekadenten, selbstgerechten Zivilisation lesen. Babylon steht hier nicht nur für einen historischen oder biblischen Ort, sondern für Hochmut, moralischen Zerfall, Machtmissbrauch und eine Welt, die sich selbst für unangreifbar hält. Der Song schaut auf diese Welt nicht mit Mitleid, sondern mit kalter Konsequenz. Wenn diese Mauern fallen, dann nicht durch Zufall, sondern weil ihr Fundament längst verfault ist.

Besonders tiefgründig wird der Song dadurch, dass er nicht bloß Zerstörung feiert. Unter der Oberfläche steckt eine fast alttestamentarische Frage: Was passiert, wenn eine Gesellschaft so lange auf Ausbeutung, Gewalt und Selbstvergötterung baut, bis sie unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht? Crown The Beast beantworten diese Frage nicht mit Philosophie-Seminar, sondern mit Death Metal. Und manchmal ist das die deutlichere Sprache.

Der Mensch als Zielscheibe

Mit »Human Target« greifen Crown The Beast zu einem Cover von Six Feet Under. Das passt auf dieser EP erstaunlich gut, denn der Song bringt den Blick vom großen Zivilisationsgericht auf den einzelnen Körper. Wo »Ruins Of Babylon« auf Ruinen, Reiche und moralischen Verfall schaut, geht es hier direkter, körperlicher und brutaler zur Sache.

Musikalisch bleibt die Band dem Geist des Originals treu, drückt dem Stück aber klar den eigenen Stempel auf. Der Groove sitzt schwerer, der Sound wirkt moderner, und die dänische Version besitzt diese massive, bullige Präsenz, die sehr gut zu Crown The Beast passt. Das ist kein Cover aus Pflichtgefühl, sondern eine Neuformung. Man merkt, dass die Band diesen Song nicht nur nachspielt, sondern durch ihren eigenen Fleischwolf dreht.

Textlich kreist »Human Target« um Entmenschlichung, Gewalt, Überleben und den Zustand, in dem der Mensch nicht mehr als Person, sondern nur noch als Ziel wahrgenommen wird. Das ist im Death Metal natürlich kein neues Motiv, bekommt im Kontext von »Judgement« aber eine zusätzliche Bedeutung. Nach dem Fall Babylons steht hier nicht mehr die Stadt im Mittelpunkt, sondern der Mensch selbst: verletzlich, brutalisiert, benutzt und am Ende nur noch Objekt eines tödlichen Spiels.

Gerade dadurch fügt sich das Cover sinnvoll in die EP ein. Es wirkt nicht wie ein Fremdkörper, sondern wie ein zweites Kapitel: Erst wird die Zivilisation gerichtet, dann der Mensch selbst auf seine Gewaltförmigkeit reduziert. Das ist nicht schön, aber konsequent. Und ja, die Version knallt amtlich. Die Prügel werden nicht nur rausgeschmissen, sie werden mit Quittung zugestellt.

Das Urteil ist gesprochen

Der abschließende Titeltrack »Judgement« ist das eigentliche Zentrum der EP. Hier bündeln Crown The Beast die apokalyptische Idee, die bereits in den beiden vorherigen Songs vorbereitet wurde. Die Band selbst beschreibt das Stück sinngemäß als hasserfüllten letzten Blick auf die Menschheit vor dem Ende der Welt. Genau so klingt der Song auch: nicht wie eine Warnung, sondern wie eine bereits laufende Vollstreckung.

Musikalisch kommt »Judgement« schneller, aggressiver und direkter aus den Boxen. Die Gitarren arbeiten mit groovender Härte, die Drums treiben das Stück nach vorne, und Jason Campbell liefert eine vokale Performance ab, die zwischen Anklage, Zorn und Vernichtungsansage pendelt. Seine Stimme klingt nicht wie ein Erzähler von außen, sondern wie die Verkörperung des Urteils selbst. Das ist wichtig, weil der Song sonst leicht in platte Endzeitpose kippen könnte. Stattdessen wirkt er ernst, schwer und entschlossen.

Inhaltlich geht es um den Moment, in dem die Menschheit nicht mehr erklären, rechtfertigen oder verhandeln kann. Der Richter tritt auf, sieht den moralischen Zerfall und spricht das Urteil. Die religiöse Bildsprache wird dabei nicht als frommer Trost genutzt, sondern als Waffe. Engel des Todes, göttlicher Wille, Verfall des Menschen: All das formt ein Szenario, in dem Erlösung nicht mehr im Raum steht. Nur Abrechnung.

Gerade hier wird »Judgement« tiefgründiger, als man bei einer kurzen Death-Metal-EP vielleicht erwartet. Es geht nicht nur um Ende, Tod und Vernichtung, sondern um Verantwortung. Die Menschheit wird nicht ausgelöscht, weil ein Monster zufällig schlechte Laune hat, sondern weil sie über lange Zeit selbst an ihrem Urteil mitgeschrieben hat. Das macht den Song stärker: Er ist nicht bloß apokalyptisch, sondern moralisch aufgeladen.

Fazit

»Judgement« ist eine kurze, aber sehr wirkungsvolle EP. Crown The Beast liefern drei Songs, die nicht einfach nur nebeneinanderstehen, sondern thematisch und atmosphärisch zusammenarbeiten. »Ruins Of Babylon« zeigt den Fall einer verrotteten Welt, »Human Target« richtet den Blick auf den entmenschlichten Einzelnen, und »Judgement« spricht am Ende das große Urteil über eine Menschheit, die sich selbst an den Rand geführt hat.

Musikalisch überzeugt die EP durch massiven Groove, moderne Produktion und oldschoolige Schwere. Die drei Gitarren machen ordentlich Alarm, ohne das Material zu überfrachten. Der Bass sorgt für Tiefe, die Drums treiben mit klarer Wucht, und Jason Campbell gibt dem Ganzen eine Stimme, die nicht um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie sich einfach nimmt. Besonders stark ist, dass Crown The Beast ihre Brutalität nicht nur als Selbstzweck einsetzen. Hinter dem Druck steckt eine Atmosphäre, und hinter der Atmosphäre steckt ein Gedanke.

Kleine Einschränkung: Mit nur drei Songs ist die EP natürlich eher ein Appetizer als ein vollständiges Festmahl. Gerade weil »Ruins Of Babylon« und »Judgement« so gut funktionieren, wünscht man sich fast noch zwei eigene Songs mehr, um diese Endzeitvision weiter auszubauen. Das Six Feet Under-Cover ist stark umgesetzt, nimmt aber eben auch Raum ein, den man gerne noch mit eigenem Material gefüllt gesehen hätte.

Schlusswort

Unterm Strich ist »Judgement« eine starke, brachiale und atmosphärisch dichte Death-Metal-EP geworden. Crown The Beast zeigen hier nicht nur, dass sie grooven, drücken und vernichten können, sondern auch, dass sie ein klares Gefühl für Stimmung und thematische Verdichtung besitzen. Diese EP ist kurz, aber sie hinterlässt Spuren.

Wer groovigen modernen Death Metal mit oldschooliger Schlagkraft sucht, sollte Crown The Beast definitiv auf dem Schirm haben. »Judgement« ist kein netter Gruß aus Odense, sondern ein apokalyptischer Vorschlaghammer mit moralischem Unterton. Das Urteil ist gesprochen. Und es klingt verdammt schwer.

Crown The Beast - Judgement

Internet

Crown The Beast - Judgement - EP Review

Vorheriger ArtikelKEOPS – Bitter Story For Humanity