KALTENBACH OPEN AIR 20.08 – 22.08.2026 Spital am Semmering

Das idyllischste Festival Österreichs im schönen Kaltenbachgraben bei Spital am Semmering ist zumindest laut meinen Feeds auf Social Media absolut viral gegangen. Kein Wunder bei diesem Staraufgebot – sogar Alf Poier machte im Backstage seine Runden.

Aufgrund eines Aufenthaltes in den Weinbergen der Südoststeiermark am Donnerstag, konnte ich erst am Freitag in Spital am Semmering anreisen und schaffte es den letzten Klängen von Below Babylon in der VIP Camping Area unweit der Bühne zu lauschen. Rechtzeitig zum Auftritt der Kärntner Haudegen von Scion of Darkness, einer Klagenfurt-based Death Metal Band mit Black Metal sowie Hardcore Einflüssen fand ich mich auch schon vor der Bühne ein. Nach Kärntner Haudrauf Manier klopften und schrammten die vier jungen Herren um ihr noch so junges Leben. Es war eine Freude mit wieviel Inbrunst aufgespielt wurde und ich war wahrlich stolz auf das auch sehr ansehnliche Quartett meiner Landsmänner, hatte ich doch Kärnten vor gut 18 Jahren als meine Wahlheimat auserkoren.
Anschließend begaben sich die Mühlviertler und Linzer Anderwelt auf die Bühne.

Die im Jahr 2013 gegründete Post Metal Band aus Oberösterreich, meinem Heimat-Bundesland, imponierten dem Publikum mit gleichermaßen sauberen sowie verzerrten Celloklängen.
Ihre dystopischen Texte wurden mittels Screams aber auch klarem Gesang interpretiert. Diese Mischung aus Cello Metal und atmosphärischem Heavy Metal fügte sich sehr gut in die von Wäldern umgebene Lichtung ein. Dann wurde es auch schon international mit der 1997 gegründeten Melodic Death/Gothic Metal Band Agregator. Die ungarische Combo besang in deren Landessprache Themen wie die Liebe, den Tod sowie die Widrigkeiten des Lebens begleitet von einwandfrei gespielten klassischen Metal-Instrumenten. Somit wurden die Solos der Lead-Gitarre mit harmonischer Rhythm-Guitar sowie einem sich perfekt einfügendem Bass untermalt. Auch die Schlagzeugkünste sowie Vocals ließen Nichts zu wünschen übrig.
Als Nächstes stellte Helfró, eine Blackened Death Metal Band aus Island unter Beweis, dass sie absolut verdient bei Season of Mist unter Vertrag stehen. Die „hyper fast blastbeats“ knatterten nur so durch die Wälder des Hanges am Stuhleck und wurden von exaktem Riffing sowie nachhaltigen Screams begleitet. Die Death Metaller von Mercyless stellten dann eine passende Begleitung zur Party im Backstage-Bereich dar, tatsächlich konnte ich deren Anwesenheit auf der Bühne leider kaum mit eigenen Augen bezeugen. Zum Auftritt der Brasilianer von Thy Light traute ich mich wieder aus dem Backstage-Zelt und konnte mich Dank deren Introspective Black Metals wieder auf das Wesentliche bei einem Festival, nämlich einwandfreie musikalische Darbietung, rückbesinnen. Der nicht sehr brasilianisch anmutende Depressive Black Metal überzeugte mit atmosphärischem Sound sowie Melodien und tiefschwarzen, in sich gekehrten Texten.

Die Auftritte von Einherjer, Revocation und leider auch Finntroll fielen unglücklicherweise einem kompletten Erschöpfungszustand zu Lasten. Erst zum Late-Night Act der Extreme Black und Thrash Metal Band Irdorath fand ich wieder den Weg zur Bühne, wo die Stimmung großartig war und ausgelassen zu den thrashigen Klängen gefeiert wurde. Die drei Kärntner Metal-Urgesteine und der steirische Gitarrist (Ex-Hellsaw) überzeugten ihr Publikum auf voller Linie mit spielerischer Eloquenz. Der vielgerühmte Auftritt stellte einen würdigen Abschluss eines typischen Freitags am Kaltenbach Open Air dar, einziges Manko waren wohl die sich etwas zu früh schließenden Bars am Gelände sowie im Backstage-Bereich.
Den Samstag eröffnete sehr erfolgreich die Black Metal Band Verba Serpentis. Für ihre noch recht junge Existenz als Band (erstes Release EP Ophidic Gnosis, 2024) zauberten die vier Kärntner eine gnadenlose Performance mit absolut überzeugendem, schwarzmetallischem Sound, was wohl auch dem Ex-Hellsaw Schlagzeuger Tenebris zu Schulden ist. Jedoch auch die Herren an den Gitarren sowie am Bass, allesamt auch Mitglieder der Band vom Vortag Scion of Darkness bewiesen ihr spielerisches Können auf durchwegs beeindruckende Art und Weise. Selten wurde in den vergangenen Jahren am Kaltenbach es bereits um die Mittagszeit derart voll vor der Bühne.

Auch der Auftritt der Melodic Death/Black Metal Band Dismal Lumentis wurde trotz früher Spielzeit mit ordentlich Publikum belohnt. Die drei Wiener, welche bei keinem Label unter Vertrag stehen und bereits mit Bands wie u.a. Festering Flesh, Vermocracy oder Memento Mori auf der Bühne standen, bewiesen eindrucksvoll Virtuosität an ihren Instrumenten. Vor allem Gitarrist Denis Dincer stach mit kraftvollem Shouting heraus. Im Anschluss durfte die Steirer Death Metal Band Behind the Rails, ebenso unsigned, ihr Können unter Beweis stellen.
Die Tatsache, dass die fünf Musiker erst seit 2022 zusammen musizieren, ließen sie sich definitiv nicht anmerken und ließen ihren Sound über die sonnenbeschienene Lichtung unweit des Kaltenbachs brettern.
Die darauffolgende Italienische Thrash und Folk Metal Band Hellmetall verfolgte ich nur zu Beginn. Aufgrund weniger stark ausgeprägtem Interesses hatte ich mich zur allgemeinen Stärkung in die VIP Camping Area begeben und lauschte dort im Anschluss den Klängen der bereits seit 1991 aktiven, tschechischen Death Metal Band Tortharry. Die anschließend anstehende Band Devangelic fiel leider aus, wurde jedoch würdig durch die bereits am Vorabend auftretenden Isländer von Helfró vertreten. Diese lieferten wiederum einen einwandfreien Auftritt ab und wurden abgelöst von der Black Metal Band Varathron. Die bereits seit 1988 aktiven Griechen, welche wohlverdient bei Agonia Records unter Vertrag stehen, beschrien Themen wie Okkultismus, Dunkelheit und Mythos und auch deren spielerische Performance ließ diverse Black Metal Herzen höherschlagen.

Die Darbietung von Graveworm wurde nur zu Anfang von mir verfolgt, da ich mich schließlich wieder vor dem kultigen Met-Stand vom Meisterbetrieb der Imkerei Lorenz einfand, wo mir köstliche Liköre kredenzt wurden.
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Dies half maßgeblich meine Nervosität vor dem für jenen Abend ausgemachten Interview mit Sänger Ravn (1349) in den Griff zu bekommen. Gerade als ich mich für Firespawn vor die Bühne begeben wollte, bekam ich auch schon eine Whatsapp-Nachricht von Ravn höchstpersönlich und fand mich somit Backstage ein, wo er mir schon bald über den Weg lief.
Das Interview fand aus Lärmschutzgründen in einem Container statt und der charismatische Sänger beantwortete meine vorbereiteten Fragen ausführlich, geduldig und mit viel Pathos. Besagtes Interview wird demnächst hier auf metalunderground.at zu finden sein. Ganz berauscht von den vielen Informationen begab ich mich schließlich für die US-amerikanischen Trash Metal Urgesteinen von Sacred Reich aus Phoenix, Arizona wieder vor die Bühne, wo die Stimmung großartig war. Die Amerikaner feierten das motivierte Publikum gleichermaßen und ließen ihre abwechslungsreichen, trashigen Klänge über die Lichtung schallen.
Schließlich fanden sich die Norweger von 1349 auf der Bühne ein und starteten mit einem imposanten Intro. Es folgte ein atemberaubender Auftritt von Sänger Ravn, Schlagzeuger Frost, Gitarrist Archaon und Bassist Seidemann. Die Nordmänner fühlten sich wohl zu Recht an ihre heimatlichen Gefilde erinnert, hielten sich in keinerlei Weise zurück und beschallten das gesamte Festival mit apokalyptischem, dunklem Black Metal, der seinesgleichen suchte. Einziger Kritikpunkt kann hier an den soundtechnischen Einrichtungen gefunden werden, denn es war unheimlich laut vor der Bühne und der Sound überschlug sich ein wenig. Wenn man allerdings ein paar Schritte weiter zurückging, waren die Klänge wieder klarer und man konnte perfekt Hymnen wie „Nathicana“, „I am Abomination“ oder „Eyes of Stone“ lauschen.

Die Rausschmeißer an diesem Abend stellte die steirische Black Metal Band Blessmon dar, denen ich allerdings aufgrund meiner zunehmenden Präsenz beim legendären Met-Stand nicht mehr allzu viel folgen konnte.
Alles in allem war das Kaltenbach Open Air 2026, für viele Metal-Anhänger Fixtermin der österreichischen Festivallandschaft, absolut kultverdächtig. Leider war es mir nicht möglich alle Bands zu bezeugen, jene Gruppen die ich mir intensiver zu Gemüte führte, waren jedoch großartig und ich freue mich schon auf 2027 wenn es wieder heißt: „Der Metal-Berg ruft!“
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