Tracklist
01. Anbeginn
02. Puppenspieler
03. Kleiner Mann
04. Morgenrot
05. Der Nimmersatt
06. Spieglein, Spieglein
07. Nur weil ich es sag‘
08. Aus Einem hab ich Zwei gemacht
09. Gegenwind
10. Die letzte Sinfonie
Besetzung
Benny – Vocals
Poldi – Guitar
Kutte – Guitar
RW – Bass
John Doe – Drums
Zwischen Härte und Melodie
Mit ihrem neuesten Werk »Widerschein« setzen ABROGATION ein klares Statement im Bereich des Melodic-Death-Metal. Die Band, bestehend aus Benny (Vocals), Poldi (Gitarre), Kutte (Gitarre), RW (Bass) und John Doe (Drums), präsentiert ein Album, das sowohl klassische Genre-Elemente als auch eigene Akzente miteinander verbindet. Produziert wurde das Werk in den renommierten Fascination Street Studios, wo Ricardo Borges und Jens Bogren für den Mix verantwortlich waren, während Tony Lindgren das Mastering übernahm. Das Ergebnis ist ein klarer, druckvoller Sound, der die komplexen Arrangements gut zur Geltung bringt.
Ein atmosphärischer Auftakt
Das Intro »Anbeginn« stimmt die Hörer atmosphärisch ein und zeigt bereits die Handschrift der Band. Sanfte Keyboard-Flächen treffen auf gedämpfte Gitarren, ehe ein rhythmischer Drive die Spannung aufbaut. Es ist ein kurzes, aber effektives Intro, das neugierig auf die folgenden Songs macht.
Die Themen der Macht
Mit »Puppenspieler« schlagen ABROGATION eine deutlich aggressivere Richtung ein. Poldi und Kutte liefern wuchtige Riffs, die von RW und John Doe präzise unterstützt werden, während Benny seine Stimme in allen Facetten einsetzt. Mal wütend, mal resigniert. »Kleiner Mann« folgt diesem Konzept, greift gesellschaftliche Mechanismen auf und kombiniert eingängige Melodien mit knallharten Breaks. Hier zeigt die Band ihr Gespür für Dynamik und Timing.
Vielfalt im Arrangement
Die mittleren Tracks »Morgenrot« und »Der Nimmersatt« stehen für die melodischeren Momente des Albums. Vor allem bei »Morgenrot« wird die melodische Ader der Gitarren deutlich, die harmonische Leads mit aggressiven Rhythmen verbinden. »Der Nimmersatt« überrascht mit einem ruhigeren Einstieg, bevor die Songstruktur in treibende Passagen übergeht. Diese Kontraste geben dem Album einen frischen Charakter, ohne dass der rote Faden verloren geht.
Texte mit Biss
Bei »Spieglein, Spieglein« und »Nur weil ich es sag’« zeigt sich die lyrische Seite von ABROGATION. Die Texte sind direkt, teilweise sarkastisch und transportieren gesellschaftliche Kritik. Musikalisch setzen die Gitarren hier verstärkt auf harmonische Leads, während das Schlagzeug die komplexen Taktwechsel sauber trägt. Benny liefert in diesen Tracks besonders variantenreiche Vocals, die zwischen Growls und klarem Gesang wechseln.
Experimente in der Struktur
Mit »Aus Einem hab ich Zwei gemacht« wagen ABROGATION kleine stilistische Experimente, indem sich ungewöhnliche Rhythmuswechsel und tempowechselnde Gitarrenparts abwechseln. »Gegenwind« hingegen ist ein klassischer, kraftvoller Melodic-Death-Metal-Track, der den Hörer mit treibenden Riffs und einem eingängigen Refrain packt. Die Band beweist hier, dass sie ihre musikalische Identität klar kennt und trotzdem offen für neue Ideen ist.
Schlussakkord mit Nachdruck
Das abschließende »Die letzte Sinfonie« rundet das Album stimmig ab. Orchestrale Elemente treffen auf harte Gitarren, während Benny noch einmal sämtliche Facetten seiner Stimme einbringt. Es ist ein würdiger Abschluss, der das Album zu einem runden Hörerlebnis macht.
Klarheit trifft Wucht
Der Mix von Ricardo Borges und Jens Bogren schafft eine Balance zwischen den aggressiven Metal-Elementen und den melodischen Passagen. Jede Instrumentenlinie bleibt klar erkennbar, während das Mastering von Tony Lindgren den nötigen Druck liefert. Die Produktion lässt Raum für Details, die man bei wiederholtem Hören entdeckt, sei es ein dezenter Gitarren-Harmoniepart oder ein subtil eingesetztes Percussion-Element.
Mit 3,5 von 5 Punkten zeigt sich »Widerschein« als ein solides Melodic-Death-Metal-Album, das sowohl Fans des Genres als auch neue Hörer anspricht. ABROGATION kombinieren eingängige Melodien mit treibender Härte und einer gut durchdachten Songstruktur. Einige Tracks hätten an Tiefe oder Abwechslung gewinnen können, insgesamt hinterlässt das Album aber einen positiven Eindruck. Wer die Mischung aus Melodie und Aggression mag, findet hier ein hörenswertes Werk.
Fazit: »Widerschein« ist ein vielversprechendes Album, das die Stärken von ABROGATION unter Beweis stellt.

