Globulisierungs Verlierer Tour 2026
JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE, Vor die Hunde, Verrat, Bastard Peels
14.03.2026, Arena Wien
Allen Bands dieses Abends ist gemeinsam, dass sie sich mit einer Gesellschaft im Niedergang auseinandersetzen – und noch besser: sich über sie lustig machen. Eine Art dunkler Humor, der sie in einer gemeinsamen Haltung verbindet. Bastard Peels, Verrat, Vor die Hunde und Japanische Kampfhörspiele bringen an diesem Abend in die Arena Wien eine Ladung energiegeladener und gesellschaftskritischer Musik.
BASTARD PEELS
Eine willkommene Rückkehr auf die Bühne nach vielen Jahren Pause: BASTARD PEELS wurden vom Publikum begeistert empfangen. Anfangs noch überschaubar, doch je weiter ihr Set voranschritt, desto mehr füllte sich die Kleine Halle der Arena. Und sie zeigten eindrucksvoll, warum sie zu den geschätzten lokalen Bands gehören – musikalisch wie auch auf der Bühne ein bemerkenswerter Auftritt.

Der Einstieg ins Set erfolgte sehr direkt, mit einem soliden Rhythmus und der sympathisch lockeren Präsenz von Frontmann Engel Mayr, der zwischen den Songs scherzte und das Publikum unterhielt. Doch darüber hinaus überzeugte vor allem die Musik: kurze, sehr inspirierte Stücke, aggressiv und technisch zugleich. Während der Songs herrschte eine spürbar wütende Haltung, wie sie zu einem Grindcore-/Death-Metal-Konzert gehört. Die Vocals waren überzeugend, mit unterschiedlichen Ansätzen, die die gesellschaftskritischen Inhalte und den schwarzen Humor ihrer Musik selbstbewusst unterstrichen.
Auch der Bass beeindruckte – mit einer unkonventionellen Technik und einem wachen, stets präsenten Rhythmus durch die Songs. Ein weiteres Beispiel ihres musikalischen Könnens folgte, als sie mit Effekten spielten und eine gewaltige Noise-Klanglandschaft aufbauten. Doch alles blieb kontrolliert: Der Sound fand langsam zurück zu rasenden Rhythmen, mit druckvollen Drums und einem Bass, der sich schrittweise wieder in den Fluss einfügte. Ein authentischer und unterhaltsamer Moment.
Im Publikum standen viele langjährige Fans, und das gesamte Konzert fühlte sich an wie eine eng verbundene Gruppe von Menschen, die diese Musik wirklich schätzen. Gegen Ende des Sets brachte ein Saxophon einen unerwarteten Akzent in einem bluesigen Moment – live ein sehr schöner Einfall, der erneut das musikalische Können aller Beteiligten zeigte. Der finale Song, ein Cover von Ratos de Porão – „Crucificados Pelo Sistema“ – beendete den Auftritt auf einem Höhepunkt.
Ein gutes Set, das neue Songs aus der letzten EP „Scheiss auf dein Geld“ mit älteren Stücken aus dem Bandkatalog verband. Sehr gut zusammengestellt und mit diesem Gefühl eines oldschooligen, authentischen Konzerts. Beeindruckend, technisch stark, mit angenehmer Atmosphäre und einem wirklich guten Sound. Der Abend setzte mit BASTARD PEELS bereits eine hohe Messlatte.
Setlist
01. Vielen Dank
02. Wir sind tot
03. Propaganda
04. Ich scheiss auf dein Geld
05. Nicht du
06. Streuner
07. Nabel
08. Party
09. Geh weg
10. Aussteiger
11. 2314
12. Leben auf Zeit
13. Ich will Freude
14. Mein Feiertag
15. Wenn du gehst
16. Crucificados Pelo Sistema (Ratos de Porão cover)
VERRAT
Als nächste Band standen die Wiener Death- und Black-Metal/Crust-Punk-Musiker von VERRAT auf dem Programm – und sie versprachen einen sehr dynamischen und aggressiven Auftritt. Der Beginn war allerdings alles andere als erfreulich: ein Soundcheck ohne Ende, bei dem ständig die Monitorlautstärke angepasst und jede einzelne Einstellung noch einmal feinjustiert wurde. Liebe zum Detail – oder doch eher endlose Allüren?

Als sie schließlich loslegten und die ersten Songs anstimmten, zeigte sich allerdings ein sehr technischer, präziser und straffer Sound. Man konnte fast meinen, dass diese sorgfältige Vorbereitung tatsächlich notwendig gewesen war. Sehr aggressiv und laut, mit beeindruckenden Gitarren. Auch der Bass war deutlich zu hören und technisch gespielt; der Bassist beeindruckte zusätzlich mit seinen Backing-Vocals, die leidenschaftlich vorgetragen wurden und dem Sound genau die entscheidende zusätzliche Nuance verliehen.
Zwischen den Songs blieb es allerdings unerquicklich: Der Frontmann verlangte immer wieder neue Anpassungen am Sound, was mit der Zeit zunehmend nervig wurde. Das Publikum war längst zufrieden – sowohl mit dem Klang als auch mit der Musik, die VERRAT spielten: dynamisch, aggressiv und sehr kontrolliert. Die Menge reagierte positiv, mit Headbanging, Applaus und einem Moshpit direkt vor der Bühne, an dem sich immer mehr Leute beteiligten. Ein gutes Zeichen.
Gespielt wurden überwiegend Stücke aus dem Album „Das Credo der Angst“, ihrem letzten und sehr starken Werk. Viele beeindruckende Songs und insgesamt ein sehr professioneller Eindruck. Ein solider, lauter Sound mit sehr gut kontrollierter Dynamik, gute Musik und überzeugend auf der Bühne umgesetzt. Das Licht war – wie schon bei der vorherigen Band – schlecht, doch der Sound gehörte wahrscheinlich zum besten des gesamten Abends.
Der lange atmosphärische Teil im letzten Song funktionierte live allerdings nicht wirklich. Hallende Klänge und langgezogene Töne spiegelten nicht ganz die Intensität wider, die den Rest des Konzerts geprägt hatte. Ein starker Beginn, ein schwächeres Ende – insgesamt jedoch ein gutes Set.
Setlist
01. Der Hass aufs Leben
02. Spinning in Circles
03. If we fail
04. Jahre dunkler Verse
05. Gletschersterben
06. Dunkle Wolken
07. Lüge und Schein
08. Tag der Abrechnung
09. Verrat
VOR DIE HUNDE
Der Auftritt begann mit dem humorvollen filmischen Dialog – dem Intro des Songs „Auf gut Deutsch“ – und führte sofort in ernsthafte Musik über, wobei der schwarze Humor, der die Texte der Band durchzieht, präsent blieb. Mit „Propaganda“ entlud sich auf der Bühne sofort jene rasende Energie, für die Vor die Hunde bekannt sind.

Es folgte eine schnelle Abfolge kurzer, aber äußerst wirkungsvoller Songs – dynamisch und aggressiv. Die Energie von der Bühne wirkte ansteckend: Schon bald befand sich etwa die Hälfte der Halle in einem großen, wilden Moshpit. Ein weiteres Set also, das beim Publikum sehr gut ankam – und das völlig zu Recht, denn die Songs von VOR DIE HUNDE waren ebenso unterhaltsam wie energiegeladen. Der Frontmann sprang und rannte ununterbrochen über die Bühne, während sich die übrigen Mitglieder stärker auf das Spiel konzentrierten, aber ebenfalls ständig in Bewegung waren und ihre Musik sichtbar mit Leidenschaft lebten.
Auch in diesem Set blieb der Bass besonders präsent. Es schien fast, als hätten sich alle Bands des Abends darauf geeinigt, mit massiven Basslinien zu arbeiten, um den Sound noch explosiver und druckvoller zu machen. Doch auch der Schlagzeuger war äußerst energiegeladen. Ein kleines technisches Problem wurde schnell vom Frontmann überbrückt, der die Situation nutzte, um kurz über das neue Album zu sprechen. Nachdem der Schlagzeuger mit neuen Double-Bass-Pedalen zurückkehrte, konnte das Konzert weitergehen – eine Situation, die sehr professionell gelöst wurde.
Und sofort setzte der druckvolle Sound wieder ein. Erneut standen viele Songs ihres neuen Albums im Mittelpunkt, das einen Tag vor dem Konzert erschienen war – insgesamt eine weitere sehr gelungene Veröffentlichung der Band. „Weltmarktführer befiehl – wir EntFolgen!“ ist eine klare Empfehlung für Fans des Genres. Doch zurück zum Konzert: Der massive, rhythmische Sound ging weiter, begleitet von viel Gesellschaftskritik – sowohl in den Ansagen zwischen den Songs als auch in den Texten selbst. Der Frontmann ging vollständig in seiner Rolle auf und beeindruckte mit Energie, rohen Growls und einer enormen Bühnenpräsenz.
Der Moshpit verlangsamte sich während des gesamten Sets kein einziges Mal, und beim letzten Song wurde schließlich jeder hineingezogen – ob gewollt oder nicht. Chaos, aber ein Chaos, an dem das Publikum sichtlich Spaß hatte. Der Sound war allerdings nicht ganz so klar wie bei der vorherigen Band. Ein kleiner Schritt zurück: Die Gitarre lag etwas zu weit hinten im Mix, und insgesamt wirkte der Klang etwas matschiger als auf den Studioaufnahmen. Wirklich störend war das jedoch nicht – entscheidend waren Energie und Spielfreude. Ein gutes Set.
Setlist
00. Auf gut Deutsch – Intro
01. Propaganda
02. Gratisversand
03. Bonzenschussgerät
04. Deutscher Rasen
05. Siegheilpraktiker
06. ISO-Normkonform
07. Betriebsklimasünder
08. Irgendwas mit Daten
09. Privatsphärentransparenzverordnung
10. Gabaliersdelikt
11. Gib
12. Verbraucherschutzanzug
13. Kunstlederersatzimitat
14. Weltmarktführer befiehl – wir folgen
15. Keine Zeit
16. Gegen Anti
17. Subuntermensch
18. Die Kunde(n) von Vor die Hunde – Outro
JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE
Die Headliner JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE mussten ihren Auftritt mit deutlicher Verspätung beginnen – mehr als eine halbe Stunde später als geplant. Ursache waren zahlreiche technische Umstellungen der vorherigen Bands. Diese Verzögerung sorgte zunächst für etwas Spannung im Lager der Headliner, doch sie brachten alles schnell wieder in Ordnung, und das Konzert begann schließlich plötzlich und mit voller Energie.

Das Publikum begrüßte sie vom ersten Ton an mit offenen Ovationen – etwas, das den zunächst leicht genervt wirkenden Frontmann schnell beruhigte. Letztlich ist diese Band live vor allem eines: enorm unterhaltsam, und die richtige Haltung muss zur Musik passen. Auch die Band selbst genoss die frenetische Reaktion und hatte sichtlich Freude am Auftritt. Der Beginn bestand aus neueren Songs, doch alle im vertrauten Stil der Gruppe – diese spezielle, „gesunde“ Form von Grindcore, verbunden mit humorvollen Texten, die sich immer wieder auf den schwarzen Humor gegenüber der heutigen Gesellschaft beziehen.
Ein eigener Stil und eine äußerst dynamische Musik: Das Publikum nahm die Energie von der Bühne sofort auf. Der bereits bei den vorherigen Bands entstandene Moshpit wurde nun noch chaotischer und erreichte seine volle Intensität. Einige weniger reflektierte Stimmen im Publikum riefen „Schneller, du bist langweilig“, was einmal mehr zeigte, dass es auch auf solchen Konzerten immer wieder ignorante Kommentare gibt. Die Musik und der Sound waren jedoch sehr gut – dynamisch, präzise und tatsächlich sehr schnell. Das Set bestand hauptsächlich aus ihren bekanntesten und beliebtesten Songs, und wie auf den Alben zeigte sich auch live, wie viel Humor in dieser Band steckt.
In der Halle geriet die Situation langsam etwas außer Kontrolle. Der Moshpit entwickelte sich stellenweise zum kleinen Desaster, weil viele schlicht zu betrunken waren, um sich noch zu koordinieren. Es war spät am Abend, und die enorme Dynamik der Musik sowie die Atmosphäre forderten ihren Tribut. Als sich das Set dem Ende näherte, wurden „Abflussbestattung“ und „Alle wollen gut aussehen (und tun es nicht)“ mit großer Begeisterung aufgenommen – völlig verdient. Die abschließenden Songs „Gekochtes für Tiere“ und „Geräte hassen mich“ bildeten schließlich einen würdigen Abschluss.
Live sind JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE unglaublich schnell und zugleich extrem präzise – eine technisch sehr starke und professionelle Band. Und wenn sie einmal langsamere Stücke spielten, waren diese so schwer und druckvoll, dass die Geschwindigkeit fast keine Rolle mehr spielte. Einfacher, effektiver Grindcore – genau die Art von extremem Metal, die live besonders funktioniert. Die Deutschen verfügen zudem über eine sehr vielseitige Diskografie mit unterschiedlichen Ansätzen, und genau so abwechslungsreich war auch das Set des Abends.

BASTARD PEELS und VOR DIE HUNDE beeindruckten mit technischem Können und starker Bühnenpräsenz, während VERRAT eine solide Performance ablieferten. JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE beendeten den Abend mit ihrem charakteristischen, rasanten Grindcore und hinterließen ein Publikum in chaotischer, aber zufriedener Ekstase. Ein sehr gelungenes Konzert: Die Headliner bestätigten ihren Ruf, und der gesamte Abend war geprägt von Energie, Humor und wirklich guter Musik – mit einem überraschend starken Opener und einem Headliner, der eindrucksvoll ablieferte.
Setlist
01. Brutal Truth
02. Loyalitätsaufmarsch der Verlierer
03. Graue verkrüppelte Bäume
04. Die Schlachtung
05. Wir gehen in den Knast
06. Grillanzünder
07. Es klebt
08. Komm wir drehen einen Porno
09. Gesellschaft auf
10. Zieh die Jacke falschrum an
11. Zimmer 2.407B
12. Der Homo Sapiens
13. Ich habe keinen Körper
14. Wir haben nicht gewusst, dass es solche Lager gibt
15. Abflussbestattung
16. Alle wollen gut aussehen (und tun es nicht)
17. Fertigmensch
18. Confirmation Bias
19. Gekochtes für Tiere
20. Geräte hassen mich

