Tracklist
01. I Thought I’d Started To Make Progress Again
02. Torch The Lies
03. Under My Skin
04. Trace The Cracks
05. In This Body
06. Cut The Rot
07. Keep Trying
08. Anything Ahead
09. Echoes
10. No Future No Past
11. Buzz
Besetzung
Nik Petronijevic – Vocals/Guitar
Dominik Jucker – Drums
Simon Hirzel – Bass
ANGER MGMT. haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als kompromisslose Stimme zwischen Noise Rock, Post Punk und Punk erspielt. Das Trio um Nik Petronijevic (Vocals, Gitarre), Dominik Jucker (Drums) und Simon Hirzel (Bass) setzt auf rohe Energie statt kalkulierten Pathos. Ihre Songs wirken selten geschniegelt, sondern eher wie Momentaufnahmen innerer Zustände, festgehalten mit scharfem Blick und wenig Geduld für Schönfärberei.
Zwischen Wut und Selbstbeobachtung
Mit »Anger Is Eternal« knüpft die Band genau dort an, wo frühere Veröffentlichungen aufgehört haben. Der Titel ist kein bloßes Schlagwort, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Wut erscheint hier nicht als kurzer Ausbruch, sondern als dauerhafter Zustand, der sich mal offen zeigt, mal unterschwellig brodelt.
Schon der Opener »I Thought I’d Started To Make Progress Again« deutet an, worum es geht! Vermeintliche Fortschritte, die sich als brüchig erweisen. Musikalisch bleibt das Trio seinem Stil treu. Kantige Gitarren treffen auf treibende Drums, der Bass hält alles zusammen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Produktion von Yvo Petrzilek setzt auf Direktheit. Kein übermäßiger Feinschliff, stattdessen ein Sound, der bewusst Raum für Ecken und Kanten lässt.
Texte ohne Schutzfilter
Inhaltlich zeigt sich das Album bemerkenswert offen. »In This Body« sticht dabei besonders hervor. Der Song widmet sich einem zerrütteten Vater-Sohn-Verhältnis, ohne sich in Metaphern zu verstecken. Petronijevics Stimme wirkt dabei weniger wie ein Erzähler, mehr wie jemand, der mitten im Konflikt steht.
»Trace The Cracks« erweitert den Blick auf gesellschaftliche Brüche. Hier geht es nicht um große Parolen, sondern um die feinen Risse, die sich durch Beziehungen und Strukturen ziehen. »Torch The Lies« wiederum greift Unsicherheiten und Selbsttäuschungen auf. Die Texte bleiben dabei immer nah an persönlichen Erfahrungen, ohne sich im Privaten zu verlieren.
Ein besonderer Moment ist »Cut The Rot«, bei dem Thorsten Polomski als Gastsänger auftaucht. Seine Stimme bringt eine zusätzliche Schärfe ins Klangbild und sorgt für einen kleinen, aber wirkungsvollen Bruch im Albumfluss.
Klang zwischen Druck und Kontrolle
Musikalisch bewegen sich ANGER MGMT. weiterhin souverän im Spannungsfeld zwischen Noise Rock und Post Punk. »Under My Skin« und »Keep Trying« zeigen, wie gut die Band Dynamik einsetzen kann. Ruhigere Passagen kippen plötzlich in kontrollierte Ausbrüche, ohne chaotisch zu wirken.
»Anything Ahead« und »Echoes« nehmen etwas Tempo raus, ohne an Intensität zu verlieren. Gerade hier zeigt sich, dass das Trio nicht nur auf Lautstärke setzt, sondern auch auf Atmosphäre. Der Sound bleibt dicht, aber nie überladen.
Zum Ende hin verdichtet sich die Stimmung noch einmal. »No Future No Past« wirkt fast wie ein resignativer Kommentar, bevor »Buzz« das Album mit nervöser Energie abschließt. Kein klassischer Abschluss, eher ein offenes Ende, das hängen bleibt.
Kleine Schwächen im Gesamtbild
Bei aller Konsequenz schleichen sich auch kleine Schwächen ein. Einige Songs folgen einem ähnlichen Muster, was dem Album stellenweise etwas die Überraschung nimmt. Gerade im Mittelteil hätte ein stärkerer Bruch oder ein experimenteller Moment gutgetan.
Auch die Laufzeit wirkt minimal zu lang. Einzelne Tracks hätten von einer strafferen Umsetzung profitiert. Das fällt besonders auf, weil die Band eigentlich genau dann am stärksten ist, wenn sie ihre Ideen auf den Punkt bringt.
»Anger Is Eternal« ist kein Album, das gefallen will. Es fordert Aufmerksamkeit und belohnt dafür mit ehrlichen Momenten und einer klaren Haltung. ANGER MGMT. bleiben sich treu, ohne stehenzubleiben, auch wenn nicht jeder Song die gleiche Wucht entfaltet.
Die Mischung aus persönlichen Themen, gesellschaftlichen Beobachtungen und einem bewusst rohen Sound funktioniert über weite Strecken sehr gut. Kleine Längen und Wiederholungen verhindern eine höhere Wertung, ändern aber nichts daran, dass hier eine Band am Werk ist, die weiß, was sie sagen will.
Fazit: »Anger Is Eternal« von ANGER MGMT. ist ein kraftvolles, ehrliches Album, das die Abgründe menschlicher und gesellschaftlicher Konflikte offenbart.






