Band: As Bright As The Stars 🇮🇩
Titel: Celestial Ascension
Label: Flowing Downward
VÖ: 31.07.2026
Format: CD / Digital
Genre: Blackgaze / Atmospheric Post-Black Metal / Post-Rock

Tracklist

01. A Lost Shadow – 08:08
02. Twillight Grey – 06:44
03. Void Of Light – 07:45
04. Untouched – 06:01
05. Eyes Of Dawn – 06:09
06. Crystal Light – 06:28
07. Celestial Ascension – 05:07

Besetzung

H. – sämtliche Instrumente und Gesang

Febri Antonia – Aufnahme, Mix und Mastering im Orvius Soundlab
Muhamad Khabibi – Covergestaltung
Rivanka Soulless – Logo

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Vom verlorenen Schatten bis zum Aufstieg zwischen die Sterne: As Bright As The Stars wählen für ihr erstes vollständiges Album keinen kleinen gedanklichen Rahmen. Hinter dem indonesischen Einmannprojekt steht der Multiinstrumentalist H., auch als Bangoen bekannt, der auf »Celestial Ascension« sämtliche Instrumente und Stimmen übernimmt. Sieben lange Stücke und gut 46 Minuten verbinden Blackgaze, atmosphärischen Post-Black Metal, Shoegaze und Post-Rock zu einer Reise durch Dunkelheit, Dämmerung und neues Licht. Dabei lebt die Platte von schimmernden Gitarrenwänden, entrücktem Klargesang, heiseren Schreien und plötzlichen Blastbeat-Ausbrüchen. Die musikalische Himmelfahrt gelingt nicht vollkommen schwerelos, führt aber deutlich höher, als der lange Stillstand des Projekts erwarten ließ.

SIEBEN JAHRE ZWISCHEN ABSENZ UND AUFSTIEG

As Bright As The Stars traten 2019 mit dem Split-Album »Presence In Absence« gemeinsam mit Lament in Erscheinung. Danach wurde es lange still um das Projekt aus Blitar in Ostjava. H., der außerdem mit Dusk In Silence verbunden ist und in weiteren indonesischen Metalformationen aktiv war, ließ sieben Jahre vergehen, bevor das erste vollständige Album Gestalt annahm. Diese Pause ist »Celestial Ascension« anzuhören, allerdings nicht als Unsicherheit, sondern als geduldige Verdichtung einer bereits damals erkennbaren Idee.

Das Album beschreibt nach Angaben des Labels eine spirituelle Reise zu den Sternen und beschäftigt sich mit Transzendenz. Die Abfolge der Titel zeichnet dazu eine nachvollziehbare Bewegung: Ein verlorener Schatten führt durch graue Dämmerung und völlige Lichtlosigkeit, bevor Morgenaugen, kristallines Licht und schließlich der himmlische Aufstieg erreicht werden. Konkrete Texte liegen nicht im Vordergrund der Veröffentlichung; die Musik übernimmt deshalb einen erheblichen Teil der Erzählung.

H. setzt dabei auf ein Vokabular, das seit Alcest, Lantlôs, Heretoir und Les Discrets fest im Blackgaze verankert ist. Helle Tremologitarren treffen auf verhallte Flächen, ruhige Post-Rock-Aufbauten auf harsche Black-Metal-Entladungen. Eigenständig wird das Album weniger durch neue Klangfarben als durch die Konsequenz, mit der Dunkelheit und Licht über die gesamte Spielzeit gegeneinander verschoben werden.

A LOST SHADOW: DER LANGE WEG BEGINNT IM NEBEL

Mit 08:08 Minuten ist »A Lost Shadow« nicht nur der längste Titel des Albums, sondern auch dessen umfassendste Einführung. Sanfte Gitarren lassen zunächst eine neblige Fläche entstehen. Der klare Gesang bleibt weit hinten im Raum und wirkt weniger wie eine führende Stimme als wie die Erinnerung an etwas, das sich bereits entfernt hat. Diese bewusste Distanz gibt der Einleitung ihre schwebende Wirkung.

Nach und nach verdichten sich die Gitarrenspuren zu einer breiten Shoegaze-Wand. Wenn Schlagzeug und Schreie schließlich ausbrechen, kommt der Wechsel nicht als willkürlicher Härtegradtest, sondern als notwendiger Riss durch die vorherige Ruhe. Die Blastbeats treiben das Stück an, während die Melodien weiterhin über der Rhythmusgruppe schweben. Selbst im aggressivsten Abschnitt bleibt ein heller Kern erhalten.

Ein minimalistischer Zwischenteil nimmt die Spannung erneut zurück und gibt dem folgenden Aufbau umso mehr Gewicht. Inhaltlich erscheint der verlorene Schatten als Ausgangspunkt einer Identitätssuche: Nicht das Licht fehlt allein, sondern selbst das dunkle Abbild des eigenen Daseins ist nicht mehr sicher. Der Song löst diesen Zustand noch nicht auf. Er öffnet lediglich den Raum, in dem die folgenden Stücke nach Orientierung suchen.

TWILLIGHT GREY: ZWISCHEN TAG UND NACHT

Der auf dem Album tatsächlich mit doppeltem L geschriebene Titel »Twillight Grey« bewegt sich in einer Zwischenzone. Die Musik wirkt unmittelbarer und mächtiger als im Beginn des Openers, behält jedoch dessen ätherische Grundfarbe. Gitarrenharmonien und Rhythmus greifen eng ineinander, sodass weder der Black-Metal-Angriff noch die flächige Atmosphäre allein die Führung übernimmt.

Der Klargesang liegt erneut tief im Mix. Das kann als Stilmittel gelesen werden, weil die Stimme dadurch Teil der Klanglandschaft wird. Gleichzeitig zeigt sich hier bereits eine Schwäche, die im Verlauf des Albums wiederkehrt: Einzelne vokale Linien verlieren an Kontur, sobald sämtliche Instrumente gleichzeitig aufziehen. Wer einen bissigen, deutlich hervortretenden Frontmann erwartet, wird mit H.s entrückter Behandlung der Stimme kaum glücklich werden.

Als Übergang funktioniert der Song dennoch ausgezeichnet. Das Schlagzeug erhöht gegen Ende den Druck und führt beinahe ohne Unterbrechung in die vollständige Lichtlosigkeit des nächsten Titels. Grau ist hier keine Farbe der Langeweile, sondern der letzte Zustand, in dem Nacht und Morgen noch nicht voneinander getrennt werden können.

VOID OF LIGHT: IM ZENTRUM DER FINSTERNIS

»Void Of Light« beginnt schneller und entschlossener. Tremoloriffs, Becken und Doublebass bilden einen Strom, in dem die Melodie nicht verschwindet, sondern ständig ihre Form verändert. H.s Schreie klingen aus der Tiefe des Mixes, als kämen sie aus beträchtlicher Entfernung. Dadurch wirkt das Stück weniger körperlich als ein klassischer Black-Metal-Angriff, entwickelt aber eine starke räumliche Sogwirkung.

Die Komposition beruhigt sich kurz und lässt beinahe klagende Stimmen durch den Hintergrund ziehen. Wer in diesem Moment bereits sicheren Boden erwartet, wird umgehend wieder in den nächsten Ausbruch gerissen. Gerade diese kontrollierten Wechsel machen »Void Of Light« zum stärksten Titel des Albums. Die ruhigen Stellen dienen nicht als bloße Pausen, sondern sammeln Energie für die nächste Welle.

Der vollständige Mangel an Licht wird musikalisch nicht als Endpunkt verstanden. Vielmehr wächst aus der Finsternis eine Bewegung nach oben. Darin liegt die spirituelle Aussage des Albums besonders klar: Überwindung bedeutet nicht, Dunkelheit zu überspringen, sondern sie vollständig zu durchqueren. Ein Keyboardmotiv öffnet am Ende die Tür zu »Untouched« und verbindet beide Stücke zu einem der geschlossensten Abschnitte der Platte.

UNTOUCHED: DIE RUHE HÄLT NICHT LANGE

Zurückhaltende Tasten und wenige Gitarrentöne geben »Untouched« zunächst eine beinahe fragile Gestalt. Das Arrangement wirkt leerer, der Raum zwischen den Tönen wird zum eigentlichen Instrument. Diese Zurücknahme hält jedoch nicht lange. Leicht dissonante Riffs brechen herein und werden von einer Rhythmik gestützt, die deutlich unruhiger ausfällt als die flächige Oberfläche vermuten lässt.

H. wechselt zwischen heiseren Schreien und kurzen klaren Passagen. Letztere verleihen dem Stück eine menschliche Verletzlichkeit, bevor das Finale wieder sämtliche Schutzschichten abträgt. Der Titel lässt mehrere Deutungen zu: Unberührt kann ein innerer Kern sein, der trotz Dunkelheit erhalten bleibt; ebenso kann damit etwas gemeint sein, das unerreichbar und damit jeder Veränderung entzogen ist.

Mit knapp über sechs Minuten gehört der Song zu den kompakteren Beiträgen. Das hilft ihm, denn der vertraute Ablauf aus ruhigem Beginn, stürmischer Verdichtung und großer Entladung wird nicht überdehnt. »Untouched« beweist, dass H. seine Wirkung nicht ausschließlich aus maximaler Spielzeit ziehen muss.

EYES OF DAWN: DER MORGEN ÖFFNET SICH

In »Eyes Of Dawn« verändert sich die Blickrichtung des Albums. Die Gitarren bilden weiterhin einen dichten Vorhang, doch hinter ihm ist erstmals ein klarer Morgen zu erahnen. Post-Rock-Melodien steigen über den Rhythmusgitarren auf, während das Schlagzeug mit kräftigen Akzenten verhindert, dass die Komposition in bloße Verträumtheit abgleitet.

Besonders gelungen ist das Verhältnis zwischen Aggression und Weite. Die harschen Abschnitte wirken intensiver, weil ihre Melodien ein erkennbares Ziel besitzen. Umgekehrt gewinnt die ruhige Seite an Bedeutung, weil sie sich ihren Platz gegen Blastbeats und verzerrte Gitarren erarbeiten muss. Das Stück ist weder hoffnungsvoll im einfachen Sinn noch vollständig von seiner vorherigen Finsternis befreit.

Die Augen der Morgendämmerung markieren vielmehr einen ersten Perspektivwechsel. Licht wird sichtbar, aber es bleibt fern und unsicher. Diese Ambivalenz bewahrt den Song vor übertriebener Erhabenheit. Gleichzeitig setzt hier die zweite Hälfte des Albums zu ihrem deutlichsten Aufstieg an.

CRYSTAL LIGHT: LICHT MIT SCHARFEN KANTEN

»Crystal Light« stellt die hellsten Gitarrenfiguren der Platte neben schroffe, dunkle Passagen. Das namensgebende kristalline Licht besitzt keine warme, beruhigende Farbe. Es bricht sich in scharfen Kanten und lässt dadurch auch jene Dinge erkennen, die zuvor im Schatten verborgen waren. Die Produktion unterstützt diesen Eindruck mit klar getrennten Melodieschichten über einem raueren Fundament.

Ein abrupter Abbruch sorgt für einen kurzen Moment völliger Ruhe. Danach kehren Schlagzeug und Gitarren mit Blastbeats und voller Lautstärke zurück. Dieser einfache Kunstgriff funktioniert, weil die Pause genau lang genug ist, um den vorherigen Fluss zu unterbrechen. Die erneute Entladung erhält dadurch mehr Gewicht, als eine bloße Steigerung innerhalb des bestehenden Arrangements erzeugt hätte.

Allerdings zeigt sich auch hier, wie eng H. an den bewährten Dramaturgien des Genres arbeitet. Ruhiger Aufbau, schimmernde Melodie, heftiger Ausbruch und erneute Öffnung wurden auf dem Album bereits mehrfach verwendet. »Crystal Light« setzt diese Bausteine sehr wirkungsvoll zusammen, überrascht aber weniger als »Void Of Light« oder der Opener.

CELESTIAL ASCENSION: EIN AUFSTIEG OHNE TRIUMPHMARSCH

Ausgerechnet das Titelstück ist mit 05:07 Minuten die kürzeste Komposition. »Celestial Ascension« versucht nicht, das Album mit einem überlangen Finale und immer weiteren Klangschichten zu überbieten. Stattdessen wechseln Ruhe und viszerale Intensität in rascher Folge. Die gesamte Dramaturgie der Platte erscheint dadurch noch einmal in konzentrierter Form.

Die hellen Gitarren besitzen nun mehr Raum, ohne die dunklen Elemente vollständig zu verdrängen. Der Aufstieg wird nicht als Sieg über die Vergangenheit dargestellt. Schatten, Leere und Dissonanz bleiben Teil der Musik, haben aber ihre beherrschende Stellung verloren. Genau diese Entscheidung macht den Abschluss glaubwürdig: Transzendenz bedeutet hier keine Flucht, sondern eine neue Sicht auf dasselbe innere Material.

Am Ende verklingt der Song, anstatt mit einem endgültigen Akkord eine Tür zuzuschlagen. Das Ziel bleibt dadurch offen. Die Reise zu den Sternen führt nicht zu einer festen Ankunft, sondern in einen Zustand fortdauernder Bewegung. Für ein Album, das so stark von Übergängen lebt, ist dieses unaufdringliche Verschwinden der passende Schluss.

EINMANNPROJEKT MIT GESCHLOSSENER VISION

H. übernimmt Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards und sämtliche Stimmen. Eine solche Arbeitsweise kann schnell dazu führen, dass alle Instrumente nur den gleichen kompositorischen Gedanken verdoppeln. Auf »Celestial Ascension« besitzen die Ebenen jedoch meistens klare Aufgaben. Das Schlagzeug treibt die Ausbrüche voran, die Rhythmusgitarren erzeugen Gewicht und die helleren Leads tragen Melodie und räumliche Weite.

Besonders überzeugend fällt das Gitarrenspiel aus. H. setzt nicht auf Soli im klassischen Sinn, sondern auf übereinandergelegte Linien, Tremolomotive und lange Akkordflächen. Die Melodien entwickeln sich langsam und bleiben selbst unter den dichtesten Verzerrungen erkennbar. Bass und Keyboards treten seltener einzeln hervor, stützen aber die Übergänge zwischen körperlicher Härte und schwebender Atmosphäre.

Der Gesang ist zugleich Stilmerkmal und Streitpunkt. Die hohen Schreie sind rau genug, um den Black-Metal-Anteil glaubwürdig zu tragen, bleiben jedoch häufig weit im Hintergrund. Auch die klaren Stimmen werden eher als zusätzliche Klangfarbe denn als erzählerisches Zentrum behandelt. Das passt zur entrückten Ausrichtung des Albums, nimmt manchen Höhepunkten aber die letzte Schärfe und erschwert es den einzelnen Liedern, über eine prägnante Gesangslinie sofort wiedererkannt zu werden.

DRUCKVOLLE PRODUKTION, VERTRAUTE STERNBILDER

Febri Antonia hat »Celestial Ascension« im Orvius Soundlab aufgenommen, gemischt und gemastert. Die Produktion ist breit und dicht, ohne die Musik zu einer undurchdringlichen Fläche zusammenzupressen. Schlagzeug und verzerrte Gitarren besitzen ausreichend Druck, während die schwebenden Melodien oberhalb dieses Fundaments Platz behalten. Besonders Kopfhörer machen hörbar, wie sorgfältig die einzelnen Gitarrenschichten im Stereobild verteilt sind.

Nicht jede Entscheidung überzeugt vollständig. Die zurückgesetzten Stimmen passen zwar zum Shoegaze-Anteil, verlieren in den massiven Passagen aber zu viel Präsenz. Zudem ähneln sich einige Klangkurven: leise Einleitung, langsame Verdichtung, Blastbeat-Ausbruch, kurzer Rückzug und großer Schluss. Bei einem einzelnen Song funktioniert dieser Aufbau hervorragend; über 46 Minuten führt er stellenweise dazu, dass Übergänge und Höhepunkte ineinander verschwimmen.

Auch die Vorbilder stehen deutlich am Firmament. Die Mischung aus verträumter Melancholie und Black-Metal-Raserei erinnert unweigerlich an Alcest, Lantlôs, Heretoir und Les Discrets. H. beherrscht diese Sprache und versieht sie mit einer glaubwürdigen spirituellen Ausrichtung, erfindet ihre Grammatik aber nicht neu. Das ist kein schwerer Makel, begrenzt jedoch den Eindruck von Eigenständigkeit.

Dem stehen eine geschlossene Dramaturgie, starke Melodien und ein bemerkenswert sicheres Gespür für Dynamik gegenüber. Das von Muhamad Khabibi gestaltete Cover passt mit seiner himmlischen, zugleich intimen Bildsprache hervorragend zu dieser Verbindung aus kosmischer Weite und persönlicher Suche. »Celestial Ascension« wirkt deshalb trotz kleiner Wiederholungen wie ein vollständiges Album und nicht wie eine zufällige Sammlung langer Blackgaze-Stücke.

FAZIT:

»Celestial Ascension« ist ein starkes Debütalbum, das Blackgaze, Post-Black Metal und Post-Rock zu einer schlüssigen Reise aus dem Schatten ins Licht verbindet. H. überzeugt vor allem mit vielschichtiger Gitarrenarbeit, wirkungsvollen Dynamikwechseln und einer über 46 Minuten nachvollziehbaren spirituellen Dramaturgie. Der weit zurückgesetzte Gesang, wiederkehrende Spannungsbögen und die deutlich hörbaren Genrevorbilder verhindern den Sprung zur Höchstwertung. Vier von fünf Punkten.

Anspieltipp: Void Of Light

Internet

As Bright As The Stars - Celestial Ascension - CD Review

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