Band: Element of Fate 🇺🇸
Titel: Dreamfall
Label: Bravemusic
VÖ: 27.07.2026
Format: CD / Digital
Genre: Melodic Heavy Metal / Gothic Metal / Progressive Metal

Tracklist

01. Alone in the Dark
02. Shadow Self
03. Night Winds
04. Dreamfall
05. Whispering Tree
06. Fire Bird
07. Warhorse Fire Horse (Bonustrack)

Besetzung und Produktion

Carol Phillips – Gesang, Texte und Gesangsmelodien
Scott Loose – Gitarren, Bass, Keyboards und Schlagzeugprogrammierung

Produktion, Mix und Mastering: John Mario (JBG Records)
Artwork und visuelles Konzept: Carol Phillips
Spielzeit: 36:23 Minuten

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Melodischer Heavy Metal zwischen Gothic-Atmosphäre, progressiven Strukturen, klassischer Riffarbeit und einer deutlich ausgeprägten Fantasy-Ästhetik: Mit »Dreamfall« veröffentlichen Element of Fate heute ihr lang vorbereitetes Debütalbum. Die häufig genannten Vergleiche mit Nightwish oder Epica greifen allerdings zu kurz. Das amerikanische Duo klingt wesentlich rauer, eigenwilliger und stellenweise näher an traditionellem Heavy Metal, atmosphärischem Doom und psychedelischem Hard Rock. Nicht jede Idee erreicht dabei vollständig ihr Ziel, doch eine austauschbare Veröffentlichung ist diese Platte gewiss nicht.

Albumstream:

Hinter Element of Fate stehen die Sängerin, Texterin und bildende Künstlerin Carol Phillips sowie der Gitarrist und Multiinstrumentalist Scott Loose. Das 2022 gegründete Projekt arbeitet zwischen Portland und Washington, D.C. Phillips entwirft nicht nur die Texte und Gesangsmelodien, sondern verantwortet ebenso die visuelle Welt der Band. Cover, Videos und begleitende Fantasy-Kunst bilden deshalb keinen nachträglichen Zusatz, sondern gehören zum Gesamtkonzept.

Scott Loose verfügt wiederum über eine lange musikalische Vergangenheit. Seit den frühen Neunzigerjahren war er an zahlreichen Veröffentlichungen beteiligt, spielte unter anderem bei Brave, While Heaven Wept, As the Sea Parts, Day of Departure und Stellar Death und tourte durch die Vereinigten Staaten und Europa. Auf »Dreamfall« übernimmt er Gitarren, Bass, Keyboards und die Programmierung des Schlagzeugs.

Die ersten Grundlagen für das Album entstanden bereits mehrere Jahre vor seiner Veröffentlichung. »Night Winds« erschien 2023 als zweite Single, der Titelsong folgte im August desselben Jahres. 2024 veröffentlichte das Duo »Basilisk« und die ursprüngliche Fassung von »Warhorse«. Die Debütplatte verbindet somit ältere Kompositionen mit neuem Material und überarbeiteten Fassungen bereits bekannter Stücke.

Finanziert wurde das Projekt teilweise durch eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne. Diese Entstehungsgeschichte ist hörbar. »Dreamfall« besitzt nicht den vollkommen geglätteten Klang einer großen internationalen Symphonic-Metal-Produktion. Stattdessen bleibt die Platte handgemacht, manchmal beinahe eigensinnig und in einzelnen Momenten technisch unvollkommen. Gerade darin liegt ein erheblicher Teil ihrer Persönlichkeit.

ALONE IN THE DARK: KURZER ABSTIEG IN DIE EIGENE FINSTERNIS

Mit 2:41 Minuten ist »Alone in the Dark« der kürzeste reguläre Titel der Platte. Ein schweres Riff, düstere Keyboards und langsam anwachsende rhythmische Akzente führen unmittelbar in die fantastische Welt des Albums. Element of Fate verzichten auf ein separates instrumentales Intro und verwenden stattdessen einen kompakten, vollständig ausgearbeiteten Eröffnungssong.

Scott Loose hält die Gitarren zunächst tief und kontrolliert. Einzelne Akkorde stehen lange im Raum, bevor das Arrangement an Gewicht gewinnt. Der Einfluss klassischen Heavy Metals bleibt erkennbar, wird aber durch doomige Schwere und eine leicht psychedelische Atmosphäre verändert. Das Resultat erinnert stellenweise eher an Huntress, The Neptune Power Federation oder die theatralische Seite von King Diamond als an den polierten europäischen Symphonic Metal.

Carol Phillips führt ihre Stimme unmittelbar als wichtigstes Erkennungsmerkmal ein. Sie singt kraftvoll, dunkel und deutlich tiefer als viele Sängerinnen des Genres. Ihre Stimme besitzt einen dramatischen, stellenweise fast beschwörenden Ausdruck. Gleichzeitig wird bereits hier deutlich, dass sie nicht nach kontrollierter Perfektion strebt. Einige Töne werden bewusst stark gedehnt und mit rauen Verzierungen versehen.

Inhaltlich eröffnet der Song die innere Reise des Albums. Die Dunkelheit ist kein rein äußerer Schauplatz, sondern beschreibt Isolation, Unsicherheit und die Begegnung mit verdrängten Ängsten. Anstatt sofort eine Lösung anzubieten, verbleibt das Stück in diesem Zustand. Dadurch funktioniert »Alone in the Dark« ausgezeichnet als Prolog für das wesentlich umfangreichere »Shadow Self«.

SHADOW SELF: BEGEGNUNG MIT DEM VERDRÄNGTEN ICH

Das 6:36 Minuten lange »Shadow Self« bildet den ersten großen Höhepunkt. Der Titel greift die Vorstellung eines verborgenen Persönlichkeitsanteils auf, in dem unterdrückte Ängste, Wut und unerwünschte Eigenschaften weiterleben. Die Konfrontation mit diesem Schatten erscheint nicht als Niederlage, sondern als notwendiger Schritt zur Selbsterkenntnis.

Musikalisch entwickeln Element of Fate ihre bisher breiteste Verbindung aus epischem Heavy Metal, Gothic und progressiven Elementen. Loose wechselt zwischen schweren Akkorden, beweglicheren Gitarrenfiguren und melodischen Leads. Die Keyboards bleiben im Hintergrund und verstärken die Atmosphäre, ohne das eigentliche Metal-Fundament unter einer orchestralen Fläche zu begraben.

Phillips gestaltet den Song wie ein kleines musikalisches Schauspiel. Ruhigere, beinahe geflüsterte Passagen gehen in hohe Ausbrüche und dunklere Gesangslinien über. Einzelne Momente besitzen die unheimliche Theatralik von King Diamond, während andere an die rauere Seite von Amorphis oder frühe, weniger opulent produzierte Nightwish erinnern.

Nicht jeder Übergang wirkt vollkommen flüssig. In den höchsten Passagen gerät Phillips gelegentlich an die Grenze ihrer Kontrolle und einzelne Silben erhalten eine übersteigerte Betonung. Dennoch passt die Unruhe zur Thematik. Eine makellos geglättete Stimme hätte die Begegnung mit dem verdrängten Selbst vermutlich weniger glaubwürdig vermittelt.

Die lange Spielzeit wird größtenteils sinnvoll genutzt. Gitarrenmotive kehren in veränderter Gestalt zurück und wirken dadurch wie unterschiedliche Erscheinungsformen derselben Figur. Der Mittelteil könnte etwas konzentrierter ausfallen, doch die eigenständige Atmosphäre und die ausgezeichnete Riffarbeit machen »Shadow Self« zu einem der stärksten Stücke des Albums.

NIGHT WINDS: VERRAT, SCHULD UND EIN RITUAL DER VERGEBUNG

Mit 8:33 Minuten ist »Night Winds« die umfangreichste Komposition. Der Song erzählt von einer Frau, die nach einem verhängnisvollen Streit und dem Verlust ihrer Liebe in einen nächtlichen Wald flieht. Dort ruft sie die alten Geister ihrer Vorfahren an, um Wissen, Vergebung und einen Ausweg aus ihrer Schuld zu finden.

Die Handlung bewegt sich zwischen persönlicher Trauer, mystischem Ritual und dunkler Wiedergeburt. Die Erzählerin möchte nicht allein von einem anderen Menschen Vergebung erhalten. Sie muss ebenso lernen, sich selbst zu vergeben. Das angedeutete Opfer und der jahrhundertelange Schlaf verwandeln den inneren Konflikt schließlich in eine fantastische Geschichte über Tod und erneutes Erwachen.

Passend dazu arbeitet die Musik mit mehreren deutlich voneinander abgegrenzten Abschnitten. Zurückhaltende Gitarren und Keyboards erzeugen zunächst nächtliche Weite. Anschließend brechen härtere Riffs in das Arrangement ein, bevor melodische Passagen und erneute Steigerungen folgen. Loose lässt dem Song ausreichend Zeit, seine Bilder aufzubauen.

Carol Phillips übernimmt gleichzeitig Erzählerin, verzweifelte Suchende und beschwörende Ritualmeisterin. Ihre tieferen Register passen hervorragend zur geheimnisvollen Grundstimmung. Wenn sie die Stimme anhebt, wirkt der Gesang nicht immer sauber, transportiert aber die zunehmende emotionale Überforderung der Figur.

Das Schlagzeug bleibt der schwächste Bestandteil. Die programmierten Abläufe erfüllen ihren Zweck, reagieren jedoch nicht immer organisch auf die zahlreichen dynamischen Veränderungen. Gerade bei einer derart langen und erzählerischen Komposition hätte ein menschlicher Schlagzeuger zusätzliche Spannung erzeugen können.

Trotzdem rechtfertigt »Night Winds« seine Länge. Die Komposition entwickelt sich nachvollziehbar, besitzt mehrere einprägsame Gitarrenmotive und bündelt jene Verbindung aus Fantasy, persönlicher Erfahrung und klassischem Metal, die Element of Fate auszeichnet.

DREAMFALL: WENN DIE EIGENEN TRÄUME ZUSAMMENBRECHEN

Der Titelsong entstand ursprünglich bereits 2023 und wurde zum Mittelpunkt des Debüts. »Dreamfall« beschreibt den Moment, in dem Hoffnung, Selbstvertrauen und lang verfolgte Ziele zusammenzubrechen drohen. Die zentrale Antwort besteht nicht in passivem Optimismus, sondern in der Aufforderung, die Kontrolle zurückzugewinnen und trotz Angst weiterzumachen.

Gleichzeitig führt der Text eine zweite Stimme ein, die den verzweifelten Menschen nicht allein zurücklässt. Hoffnung entsteht deshalb nicht ausschließlich aus persönlicher Willenskraft. Sie kann ebenso durch jemanden zurückkehren, der den Weg durch die Dunkelheit gemeinsam geht. Diese Perspektive verhindert, dass der Song zu einer gewöhnlichen Durchhalteparole wird.

Musikalisch besitzt »Dreamfall« eine deutlich doomigere Grundbewegung. Das schwere, schleppende Riff und Phillips’ dunkler Gesang erklären die gelegentlich genannten Vergleiche mit Type O Negative. Hinzu kommen traditionelle Heavy-Metal-Gitarren, atmosphärische Keyboards und ein Refrain, der sich bewusst langsam entfaltet.

Scott Loose schreibt hier weniger technisch als bei »Shadow Self«. Die Wirkung entsteht aus Wiederholung, Gewicht und kleinen harmonischen Veränderungen. Der Bass bleibt deutlicher hörbar und verleiht dem Stück eine erdige Tiefe, die einigen anderen Teilen der Platte fehlt.

Phillips trifft im mittleren Register die richtige Balance aus Kraft und Verletzlichkeit. Erst gegen Ende überdehnt sie einzelne Passagen etwas. Dennoch gehört der Titelsong zu ihren überzeugendsten Leistungen. Ihre Stimme vermittelt, dass der beschriebene Kampf nicht aus sicherer Entfernung betrachtet wird.

Die Produktion könnte dem Refrain allerdings größere Weite geben. Gitarren, Keyboards und Gesang bewegen sich häufig auf derselben räumlichen Ebene. Ein differenzierterer Mix hätte den Zusammenbruch der Strophen und die hoffnungsvollere Öffnung des Refrains stärker voneinander getrennt. Die Qualität der Komposition bleibt davon unberührt.

WHISPERING TREE: AM KREUZWEG JENSEITS DER BERGE

»Whispering Tree« verändert den Charakter des Albums. Nach der Schwere des Titelsongs arbeitet das Duo mit einer zurückgenommenen, beinahe minimalistischen Atmosphäre. Die Reise über Berge und Meer führt zu einem geheimnisvollen Baum, der an einem Kreuzweg zwischen Erinnerung, Entscheidung und einer anderen Welt zu stehen scheint.

Der Baum lässt sich als Bewahrer vergangener Geschichten lesen. Seine Stimme kommt nicht mit einer eindeutigen Anweisung, sondern erreicht jene Menschen, die bereit sind, Stille und Natur überhaupt wahrzunehmen. Damit fügt sich der Song in das übergeordnete Thema des Albums ein: Orientierung entsteht erst nach der bewussten Begegnung mit Angst, Verlust und der eigenen Vergangenheit.

Loose beginnt mit weit geöffneten Gitarrenklängen und sparsamen Keyboardflächen. Die einzelnen Instrumente erhalten mehr Raum als in mehreren anderen Stücken. Später verdichtet sich das Arrangement, ohne die anfängliche Ruhe vollständig aufzugeben. Gerade dieses kontrollierte Wachstum macht den Song wirkungsvoll.

Phillips singt zunächst wesentlich zurückhaltender. Ihr dunkles Timbre wirkt in dieser reduzierten Umgebung besonders eindringlich. Erst im weiteren Verlauf greift sie auf kräftigere und rauere Ausdrucksformen zurück. Dieser Spannungsbogen funktioniert besser als einige abruptere Wechsel auf der ersten Albumhälfte.

Kritisch bleibt erneut der Klang des programmierten Schlagzeugs. Die zurückhaltenden Passagen hätten von feineren Anschlägen und natürlicherer Dynamik profitiert. Gleichzeitig gehört der Mix hier zu den transparentesten der Platte. Gitarren, Bass und Stimme konkurrieren deutlich weniger miteinander.

»Whispering Tree« ist kein sofortiger Refrainlieferant. Der Song benötigt Aufmerksamkeit und mehrere Durchläufe. Seine dunkle Ruhe, das starke Hauptmotiv und die schlüssige Entwicklung machen ihn dennoch zu einem besonderen Höhepunkt.

FIRE BIRD: GEMEINSAM AUS DER ASCHE AUFSTEIGEN

Mit »Fire Bird« erreicht das Album seinen unmittelbarsten und zugänglichsten Titel. Der Feuerphönix steht für Wiedergeburt, Hoffnung und die Fähigkeit, sich nach einer zerstörerischen Erfahrung neu zu erheben. Entscheidend ist dabei erneut der Gedanke des gemeinsamen Handelns. Die angesprochene Person soll nicht allein aufsteigen, sondern wird von einer zweiten Kraft getragen.

Ein markanter Bass eröffnet den Song, bevor melodische Gitarren und ein deutlich lebendigeres Schlagzeugmuster einsetzen. Die Strophen bewahren eine dunkle Grundfarbe, während der Refrain das Arrangement öffnet. Melodie und Schwere stehen dadurch nicht gegeneinander, sondern bilden zwei Phasen derselben Verwandlung.

Phillips verwendet ihre Stimme kontrollierter als bei mehreren früheren Titeln. Die tieferen Passagen besitzen Wärme, die kraftvollen Ausbrüche ausreichend Nachdruck. Ergänzende Growls bilden einen interessanten Gegenpol zum klaren Gesang und unterstreichen, dass Wiedergeburt zunächst durch Schmerz und Zerstörung führen kann.

Loose findet eine überzeugende Balance zwischen traditionellem Heavy Metal und modernerer melodischer Gestaltung. Die Gitarren bleiben griffig, ohne auf eine einfache Standardfolge reduziert zu werden. Kleine Leadfiguren begleiten den Gesang, während der Rhythmus kontinuierlich nach vorne arbeitet.

Der Refrain ist der eingängigste Moment von »Dreamfall«. Gleichzeitig wirkt er nicht losgelöst vom restlichen Album. Die Hoffnung, die zuvor nur mühsam gesucht wurde, erhält hier erstmals eine klare musikalische Gestalt. »Fire Bird« ist deshalb der logische Höhepunkt der inhaltlichen Entwicklung und die stärkste Wahl für ein Lyric-Video.

WARHORSE FIRE HORSE: MIT DEN GÖTTERN DURCH DAS FEUER

Der Bonustrack »Warhorse Fire Horse« basiert auf dem bereits 2024 veröffentlichten »Warhorse«. Die neue Fassung greift das chinesische Jahr des Feuerpferdes 2026 auf und verbindet es mit der Aufforderung, Unsicherheit, Zögern und Angst hinter sich zu lassen.

Musikalisch steht der Song am deutlichsten in der Tradition klassischen Heavy Metals. Ein galoppierender Rhythmus erinnert an frühe Iron Maiden, während schwere Gitarren und dunkle Keyboards die Gothic-Seite des Duos bewahren. Loose verzichtet auf komplizierte Umwege und konzentriert sich auf Bewegung, ein markantes Riff und einen unmittelbar verständlichen Aufbau.

Carol Phillips präsentiert sich kämpferischer. Klargesang, tiefe raue Töne und einzelne Growls verleihen der Figur des Feuerpferdes eine beinahe dämonische Energie. Die Stimme wird zum Antrieb einer Person, die nicht länger auf den vermeintlich richtigen Augenblick warten möchte.

Inhaltlich schließt der Song an »Fire Bird« an. Nach der Wiedergeburt folgt die Handlung. Die Figur tritt ins Feuer, akzeptiert das Risiko und setzt ihren Weg trotz ungewissen Ausgangs fort. Damit fasst der Bonustrack die Themen Verwandlung, Selbstüberwindung und Widerstandsfähigkeit noch einmal in kompakter Form zusammen.

Als Bestandteil der eigentlichen Dramaturgie wäre »Fire Bird« der schlüssigere Abschluss. »Warhorse Fire Horse« funktioniert deshalb tatsächlich am besten als Zugabe: direkter, traditioneller und weniger nachdenklich, aber mit ausreichend Energie für einen letzten kraftvollen Akzent.

CHARISMA STATT PERFEKTION

Die größte Stärke von »Dreamfall« ist seine erkennbare Persönlichkeit. Element of Fate versuchen nicht, eine weitere makellose Symphonic-Metal-Produktion nach bekanntem europäischen Muster herzustellen. Die symphonischen Elemente bleiben meist im Hintergrund. Im Vordergrund stehen klassische Heavy-Metal-Riffs, doomige Schwere, Gothic-Atmosphäre und gelegentliche progressive Erweiterungen.

Scott Loose erweist sich als vielseitiger Komponist. Seine Gitarrenarbeit reicht von langsamen, schweren Akkorden über traditionelle Galopp-Rhythmen bis zu melodischen Leads und längeren Spannungsbögen. Besonders »Shadow Self«, »Dreamfall«, »Whispering Tree« und »Fire Bird« besitzen eigenständige Hauptmotive.

Der Bass erhält nicht in jedem Stück den notwendigen Raum. Wenn er wie bei »Fire Bird« oder dem Titelsong deutlicher hervortritt, gewinnt die Musik unmittelbar an Tiefe. Die Keyboards erfüllen ihre atmosphärische Aufgabe, ohne die Gitarren zu verdrängen.

Problematischer bleibt das programmierte Schlagzeug. Die einzelnen Abläufe sind sauber gesetzt, wirken aber gerade in den langen und dynamischen Kompositionen häufig zu gleichmäßig. Natürlichere Anschläge, kleine rhythmische Schwankungen und ein weniger synthetischer Klang hätten dem Album zusätzliche Lebendigkeit verliehen.

Auch die Produktion besitzt Schwächen. John Mario hält die zahlreichen Ebenen grundsätzlich zusammen, doch dem Gesamtbild fehlt stellenweise räumliche Tiefe. Gitarren, Keyboards und Gesang stehen häufig sehr dicht beieinander. Dadurch erscheinen einige Höhepunkte kleiner, als es die Kompositionen eigentlich verlangen.

Carol Phillips wird die Hörerschaft voraussichtlich spalten. Ihre Stimme ist dunkel, kraftvoll, theatralisch und unverkennbar. Sie kann von warmem Klargesang zu beschwörenden Tönen, rauen Ausbrüchen und Growls wechseln. Gleichzeitig trifft sie nicht jede hohe Passage vollkommen und neigt gelegentlich dazu, Silben oder Verzierungen zu stark auszudehnen.

Diese Unvollkommenheit ist jedoch nicht mit Ausdruckslosigkeit zu verwechseln. Phillips klingt zu keinem Zeitpunkt beliebig. Ihre Stimme trägt die persönliche und fantastische Welt des Albums und verleiht selbst schwächeren Momenten einen eigenen Charakter. Etwas mehr Kontrolle und ein sparsamerer Umgang mit bestimmten Verzierungen könnten diese Wirkung künftig noch verstärken.

Mit 36 Minuten bleibt »Dreamfall« erfreulich konzentriert. Lediglich »Night Winds« und Teile von »Shadow Self« hätten geringfügig gekürzt werden können. Die unterschiedlichen Längen und Stimmungen verhindern dennoch, dass sich das Album in gleichförmigen Abläufen verliert.

FAZIT:

Mit »Dreamfall« veröffentlichen Element of Fate ein eigenständiges Debüt zwischen melodischem Heavy Metal, Gothic, Doom und progressiver Fantasy-Atmosphäre. Starke Kompositionen, Scott Looses abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und Carol Phillips’ charismatische Stimme treffen auf einen stellenweise flachen Mix, programmiert wirkende Drums und einige unsichere Gesangspassagen. Gerade Stücke wie »Shadow Self«, »Whispering Tree« und »Fire Bird« zeigen jedoch deutlich, welches Potenzial in diesem Duo steckt. Dreieinhalb von fünf Punkten.

Internet

Element of Fate - Dreamfall - CD Review

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