Band: VILLAGERS OF IOANNINA CITY 🇬🇷
Titel: Venceremos
Label: Napalm Records
VÖ: 18/09/26
Genre: Heavy Rock/Progressive Folk Metal

Tracklist

01. Alienation
02. Home
03. Ghosts in the Sky
04. Venceremos
05. The Ruiner
06. No Fear
07. Here and Now
08. Epitaph
09. Requiem

 

Besetzung

Alex Karametis – Vocals, Guitars, Synths
Akis Zois – Bass
Aris Giannopoulos – Drums
Dimitris Brentas – Winds

 

Bewertung:

4/5

„Gut Ding braucht Weile“ – ein Sprichwort, das für „Venceremos“, dem neuesten Werk von VILLAGERS OF IOANNINA CITY, auf mehreren Ebenen passend ist. Seit ihrem international hoch gepriesenem „Age of Aquarius“ (2019) sind sieben Jahre vergangen. Diese Zeit haben die Griechen offenbar gut genutzt, um uns einen würdigen Nachfolger vorzulegen. Das Sprichwort kann man zudem generell auf die Kompositionen der Band anwenden, denn diese dauern im Schnitt sieben Minuten.

Kurzer Überblick über die musikalische Entwicklung

VILLAGERS OF IOANNINA CITY stammen aus Griechenland, eben jener Stadt, nach der sie sich benannt haben. Charakteristisch für ihren Sound sind die Verschmelzung von griechischer Folk-Musik und Rock sowie der Einflechtung progressiver und atmosphärischer Elemente. Obwohl dieser Stil-Cocktail im Kern geblieben ist, hat sich die Band von Album zu Album deutlich weiterentwickelt. Ihr Debüt „Riza“ (2014) hatte starke Stoner-Rock-Charakteristika. Die verträumten, sich immer weiter steigernden Lieder konnten aber damals schon den Hörer in seinen Bann ziehen. „Age of Aquarius“ erschien fünf Jahre später und verzauberte die Rock- und Metal-Szene mit genau dieser Mischung, aber mit noch mehr Feingespür für Details und Dynamik. Die Stoner-Elemente rückten in den Hintergrund, während progressive Rhythmen den allgemein rockigeren Sound definierten. Dieses Album ließ bereits erahnen, dass sich VILLAGERS OF IOANNINA CITY künftig musikalisch in noch wilderes Terrain begeben könnten – „Venceremos“ gibt eine Antwort auf diese Vorahnung.

Erste Eindrücke – was hat sich verändert…

„Venceremos“ ist weniger schwermütig als der Vorgänger. Vergleicht man die beiden Alben merkt man, dass „Age of Aquarius“ doch noch stärker von den Stoner-Wurzeln genährt wurde. „Venceremos“ ist stellenweise lebendiger und eingängiger (z. B. „Here And Now“, Refrain in „Ghosts in the Sky“). Die Kompositionen auf „Venceremos“ wirken insgesamt weniger ausschweifend und fokussierter als am Vorgänger. Statt rein auf Folk-Instrumente für die atmosphärische Gestaltung der Lieder zurückzugreifen, wurden an manchen Stellen auch elektronische Klänge eingeflochten (z. B. in „Ghosts in the Sky“). Außerdem finden sich härtere Passagen, die mehr in Richtung Metal gehen (z. B. „The Ruiner“, „No Fear“).

… was ist geblieben?

Im Kern haben die Griechen an ihrem Stilmix kaum etwas verändert. Geblieben ist das Feingespür für Dramaturgie und Dynamik. Bis auf wenige Ausnahmen dauern die Lieder jeweils über sechs Minuten. Die Spieldauer ist fast immer gerechtfertigt (mehr dazu später), denn in den Liedern wird Schritt für Schritt eine Stimmung aufgebaut, die einen sofort fesselt. Die Songstrukturen sind recht simpel, aber das Detailreichtum und die progressiven Rhythmen machen das Hörerlebnis interessant und grenzen es von einem durchschnittlichen Rock-Album ab.

Hörerlebnis

„Venceremos“ erlaubt dem Hörer, sich komplett in der Musik zu verlieren. Die zugänglichen Kompositionen bekommen durch die folkloristischen Elemente eine fesselnde Dynamik. Progressive, eigentümliche Strukturen wie z. B. in „Home“ liefern den Gehirnzellen etwas Neues, ohne zu überfordern. Die technische Raffinesse liegt in der Einflechtung von Details, die groovig genug sind, um auch für Leute zugänglich zu klingen, die mit weniger geradliniger Musik nicht vertraut sind. „No Fear“ demonstriert z. B. die Herangehensweise der Band sehr gut. Es startet mit ausgefeilten Schlagzeugtechniken und verführerischen Gitarrenmelodien, die sofort in den Bann ziehen. Man wartet förmlich auf die energetische Entladung des Songs und wenn sie kommt, wird sie mit jeder Note aufgesogen.

Stilistische und kompositorische Überraschungen

Darüber hinaus gibt es immer wieder Überraschungsmomente in den Liedern, die für Abwechslung sorgen. Die Tempobeschleunigung in der Mittelpassage von „Requiem“ kommt z. B. recht plötzlich. Man hat sich nach den ersten vier Minuten bereits so in die ruhige Atmosphäre hineingefühlt, sie willkommen geheißen wie eine warme Kuscheldecke an einem nebeligen Herbsttag. Auf einmal leitet das Schlagzeug ein flottes Solo ein und die Stimmung wird heiter, als hätte sich der Nebel binnen Sekunden verzogen und seinen Kampf gegen die Sonne endlich aufgegeben. Der flotte Thrash-Beat in „No Fear“, der fast schon als Blast-Beat durchgeht, gibt dem Lied zum Schluss noch einen überraschenden Twist. Er demonstriert gleichzeitig den Mut der Band, sich auch in unbekannten Terrains auszutesten.

Schwache Momente

So sehr man sich auch in den hypnotischen Kompositionen von „Venceremos“ verlieren kann, muss man zugeben, dass nicht jedes Lied ein Volltreffer ist. „Here And Now“ ist mit beinahe zwölf Minuten das längste Lied. Die Instrumental-Passage vor dem Solo bis inklusive dem kurzen Gesangspart danach fügen sich nicht so gut in das restliche Lied ein. Diese zwei Minuten brechen mit der Harmonie und Atmosphäre des Lieds.

Für das Lied „Venceremos“ verließen VILLAGERS OF IOANNINA CITY ihre kompositorische Komfortzone. Statt den Song schrittweise aufzubauen, offenbaren sie nach einem kurzen Intro sofort die Strophe und den Refrain, der sehr eingängig ist. Die Strophen bestehen  allerdings nur aus kurzen, lang gezogen gesungenen Versen, die nicht sonderlich überzeugen. Das Lied wird ab der Hälfte jedoch in eine andere Richtung gelenkt und endet in einem großartigen Finale. In „The Ruiner“ experimentiert die Band mit härteren Stilelementen. Die lauernden Strophen sind gut, der Refrain hingegen schwach, da auch hier nur einzelne Wörter lange gesungen werden und musikalisch nicht viel geboten wird.

Fazit: VILLAGERS OF IOANNINA CITY liefern mit „Venceremos“ ein progressives Rock-Album mit fesselnden Kompositionen, die durch Folk-Elemente und emotionale Intensität eine immersive Dynamik bekommen.

Internet

VILLAGERS OF IOANNINA CITY – Venceremos

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