Band: PYRE OF DESCENT 🇩🇪
Titel: Albedo
Label: Independent
VÖ: 23/09/26
Genre: Gothic/Occult Rock

Tracklist

01. Akeldama
02. Die For Us
03. Love’s Sombre Death (Canto II)
04. Aphotic Light
05. At Sea
06. Fever The Depths Of Creation

 

Besetzung

Dave S. – guitar
Daniel S. – vocals & bass guitar

 

Bewertung:

4/5

Manchmal landet eine Platte auf dem Tisch, bei der schon nach den ersten Minuten klar ist: Das hier will nicht gefallen, sondern Atmosphäre erzeugen. „Albedo“ von PYRE OF DESCENT gehört genau in diese Ecke. Kein Hochglanz-Rock für die nächste Mainstream-Playlist, sondern sechs Stücke, die sich lieber in dunklen Räumen herumtreiben und dabei ziemlich entspannt ihre eigene kleine Welt aufbauen.

PYRE OF DESCENT wurde Ende 2010 von Dave S. gegründet. Die Idee dahinter war, Musik als Werkzeug für die Reise in innere Sphären und jene Bereiche zu benutzen, die irgendwo hinter dem Offensichtlichen liegen. Klingt erstmal nach einer verdammt schweren Nummer. Auf „Albedo“ wird daraus aber kein verkopfter Kunstfurz, sondern eine Mischung aus Vintage Hard Rock, Gothic und psychedelischen Abgründen.

Dave S. bedient die Gitarre, Daniel S. übernimmt Gesang und Bass. Zwei Leute also, die mit erstaunlich wenig Personal ziemlich viel Atmosphäre auf die Beine stellen.

Alte Verstärker, dunkle Ecken

„Akeldama“ eröffnet die Scheibe mit einem angenehm düsteren Grundton. Die Gitarren klingen nicht geschniegelt und auf Hochglanz poliert, sondern dürfen ordentlich Atmosphäre verbreiten. Dazu kommt Daniel S.s Gesang, der sich nicht ständig in den Vordergrund drängt. Gut so. Hier geht es nicht um den großen Rockstar-Auftritt, sondern um Stimmung.

„Die For Us“ packt anschließend etwas mehr Rock in den Koffer. Der Song kommt direkter daher und zeigt, dass PYRE OF DESCENT durchaus Druck entwickeln können. Trotzdem bleibt diese leicht morbide Note erhalten. Man könnte sich die Nummer ziemlich gut in einem verrauchten Kellerclub vorstellen, irgendwo zwischen alten Verstärkern, schwitzenden Wänden und einer Bar, deren klebriger Boden schon bessere Zeiten gesehen hat.

Danach wird es mit „Love’s Sombre Death (Canto II)“ wieder deutlich düsterer. Der Song zieht seine Wirkung aus Melancholie und Atmosphäre. Nichts wird unnötig aufgeblasen. Stattdessen darf die Nummer einfach vor sich hin brodeln. Genau solche Momente machen „Albedo“ interessant.

Psychedelischer Trip statt Standardprogramm

„Aphotic Light“ gehört für mich zu den stärkeren Nummern des Albums. Hier kommt der psychedelische Untergrund ordentlich zum Vorschein. Die Gitarren schweben stellenweise fast über dem Song, während Bass und Gesang für die nötige Erdung sorgen.

Das Schöne dabei, PYRE OF DESCENT versuchen nicht, aus jedem Riff einen vermeintlichen Hit zu basteln. Es gibt keine aufgesetzten Stadionrefrains und keine musikalische Dauerwerbesendung nach dem Motto „Jetzt kommt unser großer Moment“. Die Band lässt ihre Songs atmen.

Das kann allerdings auch mal nach hinten losgehen. „Albedo“ ist kein Album für Leute, die nach dreißig Sekunden den nächsten Höhepunkt brauchen. Manche Passagen entwickeln sich verdammt langsam. Wer dafür nicht die nötige Geduld mitbringt, könnte sich zwischendurch durchaus fragen, wann hier endlich der nächste Tritt in den Hintern kommt.

„At Sea“ macht aus dieser Langsamkeit beinahe ein eigenes Konzept. Der Song wirkt entrückt, weit und ein wenig verloren. Genau dadurch funktioniert er. Statt hektisch von einem Punkt zum nächsten zu springen, bleibt PYRE OF DESCENT einfach in ihrer Atmosphäre hängen. Und manchmal ist genau das der richtige Weg.

Mit „Fever The Depths Of Creation“ geht das Album schließlich seinem Ende entgegen. Hier werden noch einmal die wichtigsten Zutaten zusammengeworfen: dunkler Hard Rock, Gothic-Schlagseite, psychedelische Elemente und eine ordentliche Portion Mystik.

Nicht perfekt, aber verdammt eigenständig

Natürlich ist „Albedo“ nicht frei von Schwächen. Die konsequent gedämpfte Stimmung sorgt dafür, dass manche Passagen etwas zu ähnlich wirken. Ein paar zusätzliche Dynamiksprünge hätten der Platte durchaus gutgetan. Auch der Einstieg in einzelne Songs könnte etwas bissiger ausfallen.

Aber genau hier trennt sich für mich die interessante Underground-Platte von der glatt produzierten Durchschnittsware. PYRE OF DESCENT haben eine eigene Handschrift. Das Album klingt nicht so, als hätte man vorher eine Checkliste mit zehn aktuellen Genre-Trends abgearbeitet.

Stattdessen gibt es Vintage-Hard-Rock, Gothic-Düsternis und Psychedelic Rock, die sich gegenseitig ordentlich auf die Füße steigen. Und das funktioniert erstaunlich gut.

„Albedo“ ist keine Platte, die dir beim ersten Durchlauf sofort die Fresse poliert. Sie arbeitet subtiler. Sie setzt sich fest, bleibt im Hintergrund hängen und entfaltet ihre Wirkung eher dann, wenn man ihr tatsächlich zuhört.

Wer auf dunklen Rock mit psychedelischem Einschlag steht und mit etwas weniger Tempo kein Problem hat, sollte PYRE OF DESCENT definitiv eine Chance geben. Hier gibt es keine Hochglanzfassade und keinen künstlichen Bombast. Dafür sechs Songs, die ihren eigenen Weg gehen und dabei angenehm unangepasst bleiben. Nicht perfekt. Nicht immer sofort zugänglich. Aber verdammt stimmungsvoll.

Fazit: Mit „Albedo“ beweisen PYRE OF DESCENT, dass sie zu den bedeutendsten Vertretern des Gothic/Occult Rock gehören.

Internet

PYRE OF DESCENT - Albedo CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.