CNOC AN TURSA - A Cry For The Slain - album cover

Band: CNOC AN TURSA 🇬🇧
Titel: A Cry For The Slain
Label: Apocalyptic Witchcraft Recordings
VÖ: 23/04/26
Genre: Black/Folk Metal

Tracklist

01. Na Fir Ghorma
02. The Caoineag
03. Cailleach And The Guardians Of The Seven Stones
04. Baobhan Sith
05. Am Fear Liath Mòr
06. Alba In My Heart
07. Address To The Devil
08. The Nine Maidens Of Dundee

 

Besetzung

Alan Buchan – Vocals
Rene McDonald Hill – Guitars, Keyboards
Bryan Hamilton – Drums

 

Bewertung:

4/5

Rückkehr aus den schottischen Nebeln

CNOC AN TURSA melden sich nach acht Jahren Stille zurück. Die Band aus Schottland hat sich seit jeher zwischen Black-Metal und folkloristisch geprägter Erzählkunst bewegt und genau dort setzt auch ihr neues Werk »A Cry For The Slain« an. Statt bloßer Nostalgie liefert das Trio eine atmosphärisch dichte Beschwörung von Geschichte, Mythologie und landschaftlicher Identität.

Die Besetzung bleibt stabil und konzentriert. Alan Buchan führt mit markantem, oft ruppigem Gesang durch die Stücke, während Rene McDonald Hill an Gitarren und Keyboards das melodische und zugleich rohe Fundament formt. Bryan Hamilton am Schlagzeug sorgt für das notwendige Gewicht zwischen epischem Fluss und eruptiver Härte. Diese reduzierte Konstellation wirkt bewusst gewählt, nichts klingt überladen, alles folgt einer klaren Linie.

Produziert wurde das Album mit dem feinen Gespür von Jaime Gomez Arellano, der bereits für Acts wie PARADISE LOST oder PRIMORDIAL gearbeitet hat. Seine Handschrift ist deutlich spürbar! Der Sound besitzt Tiefe, wirkt organisch und dennoch präzise geschärft. Gerade die Balance zwischen rauem Black Metal und weitläufigen Folk-Elementen profitiert von dieser Produktion enorm.

Zwischen Mythos und Landschaft

CNOC AN TURSA bleiben ihrem konzeptionellen Kern treu. »A Cry For The Slain« ist weniger klassisches Songwriting als vielmehr eine Sammlung von Beschwörungen schottischer Mythen, Geistergeschichten und historischer Bruchstücke. Das Album entfaltet sich wie eine Wanderung durch Nebel, Ruinen und alte Legenden.

Bereits das Intro »Na Fir Ghorma« setzt den Ton, reduziert, mystisch und als Türöffner in eine Welt, die sich nicht sofort offenbart. Danach entfaltet sich mit »The Caoineag« ein Stück, das zwischen klagender Melodie und aggressiver Verdichtung pendelt. Die Band versteht es, Spannungen aufzubauen, ohne den Fluss zu verlieren.

»Cailleach And The Guardians Of The Seven Stones« gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Hier treffen folkloristische Motive auf klassische Black-Metal-Riffs, während die Keyboards nicht dominieren, sondern eher wie ein ferner Wind durch die Komposition ziehen. Die Struktur wirkt erzählerisch, fast wie ein Kapitel aus einer alten Sage.

Zwischen Aggression und Erzählkunst

Mit »Baobhan Sith« und »Am Fear Liath Mòr« wird die düstere Seite des Albums weiter ausgearbeitet. Beide Stücke greifen bekannte Figuren der schottischen Folklore auf und übersetzen sie in musikalische Bilder von Bedrohung und Unruhe. Besonders auffällig ist dabei die rhythmische Arbeit, Bryan Hamilton spielt nicht nur treibend, sondern oft erzählerisch, fast dialogisch mit den Gitarren.

»Alba In My Heart« bricht diese Dunkelheit kurzzeitig auf. Hier zeigt sich eine melancholische, fast hymnische Seite der Band. Der Song wirkt wie ein Moment der Erinnerung, weniger aggressiv, stärker getragen von einer emotionalen Grundierung, die sich langsam entfaltet.

»Address To The Devil« zieht das Tempo wieder an und bringt eine direktere, unversöhnliche Härte ins Spiel. Es ist eines der geradlinigeren Stücke, das bewusst auf atmosphärische Ausschweifungen verzichtet und stattdessen auf rohe Energie setzt.

Den Abschluss bildet »The Nine Maidens Of Dundee«. Ein epischer, weit ausgreifender Song, der viele der zuvor angerissenen Motive bündelt. Hier zeigt sich noch einmal deutlich, wie sehr CNOC AN TURSA auf narrative Struktur setzen. Das Stück wirkt wie ein Finale, das nicht abrupt endet, sondern langsam ausklingt.

Klangbild und Wirkung

Was dieses Album besonders macht, ist die Konsequenz in der Umsetzung. CNOC AN TURSA versuchen nicht, sich neu zu erfinden, sondern ihre bestehende Identität zu schärfen. Der Black-Metal-Anteil bleibt rau und ungeschönt, während die folkloristischen Elemente nie dekorativ wirken, sondern integraler Bestandteil der Komposition sind.

Die Produktion unterstützt diese Balance. Nichts klingt steril, gleichzeitig verliert sich kein Detail im Mix. Besonders die Gitarrenarbeit profitiert von dieser Klarheit, da sie sowohl Druck als auch Melodie transportieren kann.

»A Cry For The Slain« ist kein Album für schnelle Durchläufe. Es verlangt Aufmerksamkeit und Geduld, belohnt dafür aber mit einer dichten, konsistenten Atmosphäre. CNOC AN TURSA zeigen sich nach acht Jahren Pause fokussiert und stilistisch gefestigt. Die Mischung aus Black-Metal-Härte und schottischer Folklore funktioniert hier nicht als Konzept, sondern als gelebte musikalische Sprache.

Mit 4 von 5 Punkten positioniert sich das Album klar im oberen Bereich. Kein radikaler Schritt nach vorn, aber eine überzeugende Vertiefung dessen, was die Band ausmacht.

Fazit: Nach einer langen Pause kehren CNOC AN TURSA mit »A Cry For The Slain« zurück, das sowohl Fans des Genres als auch Liebhaber schottischer Folklore begeistert.

Internet

CNOC AN TURSA - A Cry For The Slain - CD Review

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Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.