Die chilenischen Veteranen DEATH YELL kehren nach sieben Jahren mit ihrem zweiten Studioalbum zurück. Eine Band, die in den 80ern ein Demo veröffentlichte, das Kultstatus erlangte, dann über 20 Jahre von der Bildfläche verschwand – nun erleben sie eine neue Jugend und versuchen, an vergangene Erfolge anzuknüpfen.
Vielversprechender Start, dann freier Fall
Typische Old-School-Akkorde, episch, atmosphärisch – so beginnt das Album. „Overture“ kommt als Intro, klingt, als würde sich die gesamte Band für eine gute Performance aufwärmen. Und tatsächlich bringt „The Parish“ ein neues Level an Aggression – sehr verzerrter und furiöser Song. Mit starken Riffs und komplexem Solo, düsteren, wütenden Vocals irgendwo zwischen Growls und Shrieks oder Screams – rau, harsch. Die melodische Linie ist ziemlich simpel und direkt, ohne unnötige Komplikationen, aber dennoch mit epischer Dimension. Ein starker und vielversprechender Albumstart.
„Offering to the Priest“ behält denselben wütenden Ansatz bei, nicht sehr melodisch, etwas für Black Metal charakteristische Tremolo-gepickte Leadgitarre gemischt mit galoppierendem Riff, eher im Heavy-Metal-Stil. Die Vocals halten die infernalische, höllische Atmosphäre aufrecht. Ein Song, aufgeteilt in zwei unterschiedliche Melodien, die sich abwechseln – aber insgesamt bleibt ein gemischtes Gefühl, und als Endprodukt beeindruckt der Song nicht wirklich, zu sehr in Stücke zerbrochen.
DEATH YELL stammen aus Santiago, der Hauptstadt Chiles. Als Veteranen des Extreme Metal und Legenden des lokalen Underground wurden sie Mitte der 80er gegründet und entstanden als eine der ersten Kräfte des südamerikanischen Death und Black Metal – sie halfen, das Genre im Land und der Region zu verbreiten. Nur wenige Jahre aktiv, bevor sie 1991 plötzlich aufgelöst wurden, reformierten sie sich 2012. Drei der Originalmitglieder sind noch in der aktuellen Besetzung: das Gitarren-Duo Watiu und Pollo sowie Vocalist Galleta. Später kamen Bassist Chato und Drummer Lúcuma hinzu, um die Band zu vervollständigen, wie sie jetzt ist.
Fehlende Struktur und Produktionsprobleme
Langsamerer Start und technischer in „Predatory Preacher„, wo die Leadgitarre die Kontrolle über den Song übernimmt. Doch nach dem melodischen Eröffnungsteil folgt ein sehr disharmonischer und uninteressanter Teil – nur Rage und keine Melodie oder Struktur. Nicht der inspirierteste Song. „Conjuring Asmodeus‘ Seed“ umgekehrt – startet dissonant und versucht, im Verlauf einen freundlicheren Sound zu bringen. Bleibt aber aggressiv und kein wirklicher Höhepunkt. Eine klare melodische Linie fehlt, wieder scheint es, als würden sie um jeden Preis aggressiv sein wollen, aber das Resultat ist ein wirklich disharmonischer und chaotischer Sound. Das Ende des Songs mit Glocken und freundlichen melodischen Klängen setzt die Hauptmelodie in einem verspäteten Versuch fort, den Song melodischer und zugänglicher zu machen.
Einige Produktionsprobleme sind leicht zu erkennen. Das Intro ist viel klarer als die restlichen Songs, auch bei anderer Lautstärke. Dasselbe gilt für Eröffnungspassagen oder akustische Momente. Roher und ziemlich matschiger Sound, zu viel Akzent auf Vocals zum Nachteil interessanterer Instrumente. Insgesamt unausgewogen und inkonstant – die Produktion bringt ein weiteres Problem neben dem Mangel an Struktur und Songwriting-Fähigkeiten.
Derselbe Sound basierend auf purer Aggressivität kommt in den nächsten Songs: „The Unholy See“ mit dominanter, für Black Metal typischer Gitarre oder „Seal of Confession“ mit noch furiöseren Vocals, aber keiner sehr kohärenten Musik, die sie unterstützt. Chaotische und desorganisierte Kompositionen.
„Bastards of God“ bringt erneuerte Wut, die messerscharfen Gitarrenakzente bringen etwas Neues in den Gesamtsound. Verhallte, distante Schreie aus den Solos, aber die lenken nur vom Rest der Instrumentierung ab. Nicht völlig überzeugend, aber eine kohärentere Komposition, die einer ziemlich klaren Melodie und Struktur folgt. Der finale Song „Altar Servers‘ Wrath / Finale“ bringt am Anfang etwas Heavy-Metal-Vibe zurück, kehrt aber bald zu den Lieblings-Verzerr-Sounds der Band ohne viel Substanz zurück. Eine Kakophonie von Geräuschen, ein enttäuschendes Ende – und wieder werden Glocken eingebracht, die melodisch klingen sollen, um ein sanfteres Ende zu versuchen.
Wut ersetzt keine Kompositionsfähigkeit
Insgesamt keine überzeugende Arbeit – es fehlt an kompositorischen Fähigkeiten, die durch Wut und Aggression ersetzt wurden. Kein angenehmes Hörerlebnis, es wirkt auch, als fehle eine kohärente Vision. Zu viele zusammenhanglose Stücke ohne einen einheitlichen Ansatz, um sie zusammenzuhalten. Stilistisch zwischen Black Metal – gebracht durch die Leadgitarre – und Death Metal vom Rest der Band hängen sie unentschieden, ohne dass ein Genre dominant wäre. Das markiert wahrscheinlich auch den kompositorischen Stil: musikalische Fragmente, die einfach nebeneinander platziert werden.
Der Eröffnungssong ist der einzige erwähnenswerte – von da an befindet sich das gesamte Album im freien Fall. Nicht melodisch genug, aber auch nicht rhythmisch genug – ein Album voller Kontraste. Nie eine melodische Band, aber auf älteren Werken zeigten sie eine kohärente Vision. Ihr bestes Werk bleibt ihr 89er-Demo „Vengeance from Darkness“ – visionär, originell und besser komponiert.
Fazit: Fragmentiert und ohne klare Richtung bleibt DEATH YELLs neues Album „Demons of Lust“ nur ein Schatten ihrer älteren Werke.
Tracklist
01. Overture
02. The Parish
03. Offering to the Priest
04. Predatory Preacher
05. Conjuring Asmodeus‘ Seed
06. The Unholy See
07. Seal of Confession
08. Bastards of God
09. Altar Servers‘ Wrath / Finale
Besetzung
Watiu – Guitars
Pollo – Guitars
Galleta – Vocals
Chato – Bass
Lúcuma – Drums

