Ditheist - Cosmic Liar - cover artwork

Band: Ditheist 🇺🇸
Titel: Cosmic Liar
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 06.06.2026
Format: Digital / CD angekündigt
Genre: Death Metal / Deathgrind

Tracklist

01. Cosmic Liar – 02:17
02. Evil To Live – 03:20
03. Kill The Priest – 04:09
04. Nyarlathotep – 04:05
05. Apoplectic Delirium – 03:49
06. Covenant Ov Torture – 04:12
07. Mouth Of Hell – 03:38
08. Singularity – 03:35

Besetzung

Matt „Chesterfields“ Wright – Gesang, Texte
Konrad Lysak – Gitarre, Texte
Brian Frost – Gitarre, Bass
Narcyz Fortuna – Schlagzeug

Briant Daniel – Gitarrensoli bei »Nyarlathotep« und »Covenant Ov Torture«
Thomas Moore – Oud-Intro bei »Nyarlathotep«
Mad Chad Chanfield – Irish Low Whistle bei »Nyarlathotep«

Chris Wisco – Aufnahme, Mix, Mastering, Produktion
Konrad Lysak – Produktion
Tatomir Pitariu – Coverartwork

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Uldra Brudaler Death Metal alder! Mit »Cosmic Liar« melden sich die Chicagoer Todesmetaller Ditheist nach mehr als einem Jahrzehnt mit ihrem zweiten vollständigen Album zurück und schmeißen euch ohne lange Vorwarnung die Prügel raus. Acht Stücke, knapp 30 Minuten Spielzeit und keinerlei Interesse an musikalischer Rücksichtnahme: Das Quartett setzt auf rasende Riffs, Blastbeats, sägende Soli, gutturalen Gesang und eine Grundhaltung, die irgendwo zwischen klassischem amerikanischem Death Metal, Deathgrind und technisch kontrollierter Verwüstung liegt.

Seit dem 2015 erschienenen Debütalbum »Eternity Of Nothingness« ist reichlich Zeit vergangen. Ditheist klingen auf ihrer Rückkehr jedoch nicht eingerostet, sondern deutlich konzentrierter und aggressiver. Die Musiker greifen Einflüsse von Deicide, Vader, Morbid Angel, Decapitated und Atheist auf, ohne sich vollständig einer technischen oder brutalen Unterkategorie des Death Metal zu unterwerfen.

Das Material wird von kurzen, griffigen Riffmotiven getragen, die mit ständigen Tempowechseln, Blastbeats, Doublebass-Attacken und überraschend melodischen Gitarrensoli verbunden werden. Inhaltlich bewegt sich »Cosmic Liar« durch Blasphemie, religiöse Heuchelei, kosmisches Grauen, existenzielle Abgründe und die üblichen finsteren Orte, an denen christliche Erlösung garantiert keinen Parkplatz findet.

Albumstream:

DER KOSMISCHE LÜGNER SCHLÄGT ZUERST ZU

Der eröffnende Titelsong »Cosmic Liar« benötigt lediglich etwas mehr als zwei Minuten, um die Marschrichtung des Albums festzulegen. Ein kurzes Gitarrenmotiv wird von Blastbeats überrollt, während Matt „Chesterfields“ Wright seine gutturalen Befehle durch die Instrumente drückt. Der Song funktioniert weniger als ausgedehnte Komposition denn als gezielte Eröffnungssalve.

Die Gitarren von Konrad Lysak und Brian Frost setzen auf kompakte, tief gestimmte Riffs. Statt einzelne Motive minutenlang auszuwalzen, werden sie schnell ausgetauscht oder rhythmisch verschoben. Dadurch entsteht bereits im Opener eine nervöse Bewegung, die das gesamte Album prägt.

Wrights Stimme bewegt sich überwiegend in einer mitteltiefen gutturalen Lage. Seine Worte werden nicht vollständig von der Gitarrenwand verschluckt, sondern bleiben vergleichsweise verständlich. Der Gesang funktioniert dabei fast wie ein zusätzliches Rhythmusinstrument. Kurze Phrasen werden eng mit den Riffs verbunden und verstärken deren schlagende Wirkung.

Der Titelsong könnte durchaus länger sein. Gerade als sich die einzelnen Elemente vollständig miteinander verzahnen, endet die Nummer bereits. Gleichzeitig verhindert diese Kürze jede Form von Leerlauf. Ditheist treten die Tür ein, hinterlassen einen Krater im Eingangsbereich und gehen sofort zum nächsten Raum über.

DAS BÖSE LEBT RÜCKWÄRTS UND VORWÄRTS

»Evil To Live« beginnt mit einer kurzen akustischen Passage und schafft damit einen deutlichen Kontrast zur unmittelbaren Gewalt des Openers. Die Ruhe ist allerdings schnell vorbei. Nach wenigen Augenblicken setzt die gesamte Band ein und verwandelt den palindromischen Songtitel in einen erstaunlich eingängigen Death-Metal-Refrain.

Inhaltlich richtet sich das Stück gegen religiöse Doppelmoral, moralische Überlegenheit und eine angebliche Reinheit, die durch Gewalt und Unterdrückung erzwungen werden soll. Die christliche Symbolik wird umgedreht, während Leviathan und dämonische Kräfte als Gegenbilder zur scheinheiligen Ordnung angerufen werden.

Der Refrain bleibt durch seine einfache Wiederholung unmittelbar hängen. Das ist für Death Metal keine Selbstverständlichkeit. Ditheist beweisen hier, dass brutale Musik nicht auf Wiedererkennungswert verzichten muss. Die zentrale Phrase wird so lange in den Schädel gehämmert, bis selbst der örtliche Exorzist unfreiwillig mitspricht.

Musikalisch besitzt der Song mehr Groove als der hektische Auftakt. Die Rhythmusgitarren wechseln zwischen beschleunigten Anschlägen und schwereren, klar akzentuierten Bewegungen. Das Schlagzeug begleitet diesen Wechsel mit präzisen Doublebass-Figuren und kurzen Blastbeat-Schüben.

»Evil To Live« gehört zu den stärksten Stücken des Albums, weil Härte, Eingängigkeit und textliche Aussage besonders sauber ineinandergreifen. Die akustische Einleitung bleibt nicht bloß ein bedeutungsloser Effekt, sondern sorgt dafür, dass der folgende Angriff noch massiver erscheint.

DER PRIESTER STEHT AUF DER ABSCHUSSLISTE

Bereits der Titel von »Kill The Priest« lässt keine umfangreiche theologische Debatte erwarten. Ditheist greifen die blasphemische Tradition des Death Metal auf und kleiden sie in eine der längeren Kompositionen des Albums.

Das Stück arbeitet stärker mit Riffs, die an Vader erinnern. Die Gitarren sind schnell und präzise, besitzen aber genügend Gewicht, um nicht in konturlosem Geschredder zu verschwinden. Besonders gelungen sind die Übergänge zwischen den rasenden Passagen und den schwereren rhythmischen Einschüben.

Aufgebaut auf einem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren von Lysak und Frost gekonnt aufgebettet. Während eine Spur den rhythmischen Angriff zusammenhält, können melodische und technisch anspruchsvollere Figuren darübergelegt werden. Der Bass bleibt dabei überwiegend eng an den Gitarren, sorgt aber für den nötigen Druck im unteren Frequenzbereich.

Wright variiert seinen Vortrag etwas stärker als zuvor. Einzelne Worte werden länger gezogen, während andere als kurze gutturale Schläge auf die Riffs gesetzt werden. Diese Phrasierung verleiht dem Song zusätzliche Dynamik.

Das Gitarrensolo zeigt die technischen Fähigkeiten der Musiker, wirkt jedoch etwas deutlich vom übrigen Songkörper abgetrennt. Es setzt plötzlich ein, liefert eine schnelle Demonstration handwerklicher Sicherheit und verschwindet wieder. Etwas stärker in die vorhergehenden Melodien eingebunden, hätte es eine nachhaltigere Wirkung entfalten können.

Trotzdem gehört »Kill The Priest« zu den stärkeren Nummern der ersten Albumhälfte. Der Song ist brutal, gut strukturiert und besitzt genügend Tempowechsel, um seine vier Minuten ohne Ermüdungserscheinungen zu überstehen.

NYARLATHOTEP ERWACHT IN CHICAGO

Mit »Nyarlathotep« öffnet sich das Album erstmals deutlicher in Richtung Atmosphäre. Der nach einer Figur aus dem kosmischen Grauen von H. P. Lovecraft benannte Song beginnt mit Oud und Irish Low Whistle. Die ungewöhnliche Instrumentierung erzeugt den Eindruck eines uralten Rituals, bevor die Death-Metal-Maschinerie einsetzt.

Für das Intro sind Thomas Moore und Mad Chad Chanfield verantwortlich. Ihre Beiträge heben die Nummer deutlich von den übrigen Stücken ab. Statt direkt mit Blastbeats loszuprügeln, nehmen sich Ditheist einen kurzen Moment, um eine fremdartige und bedrohliche Stimmung aufzubauen.

Nach dem Intro brechen massive Riffs hervor. Das Schlagzeug wechselt zwischen rasender Geschwindigkeit und kontrollierten, schwereren Passagen. Die Gitarren nutzen diese rhythmischen Veränderungen für eine der abwechslungsreichsten Kompositionen der Platte.

Der von Briant Daniel eingespielte Gastbeitrag verleiht dem Song zusätzliche melodische Schärfe. Sein Solo ist technisch anspruchsvoll, bleibt aber kompakt genug, um die Atmosphäre nicht durch ausgedehnte Griffbrettakrobatik zu zerlegen.

Die fremdartigen Instrumente werden nach dem Intro allerdings kaum weiter in die Komposition eingebunden. Hier verschenkt die Band etwas Potenzial. Eine Wiederaufnahme der Oud- oder Flötenmelodie im Mittelteil oder am Ende hätte »Nyarlathotep« noch stärker als eigenständiges Stück definiert.

Dennoch ist die Nummer ein Höhepunkt. Die Riffs besitzen Größe, das Tempo wird sinnvoll variiert und die kosmische Thematik erhält tatsächlich eine musikalische Entsprechung. Wo die vorherigen Songs hauptsächlich mit körperlicher Gewalt arbeiten, kommt hier erstmals ein Gefühl unbegreiflicher Bedrohung hinzu.

APOPLEKTISCHER KONTROLLVERLUST

»Apoplectic Delirium« kehrt anschließend zum direkteren Death Metal zurück. Der Song beginnt ohne atmosphärische Einleitung und stürzt sich sofort in beschleunigte Riffs, Blastbeats und gutturale Ausbrüche.

Der Titel beschreibt bereits den Grundzustand der Nummer. Die Musik wirkt wie ein kontrollierter Anfall, bei dem jede Bewegung kurz davorsteht, vollständig aus der Spur zu geraten. Ditheist halten das Geschehen jedoch mit großer rhythmischer Disziplin zusammen.

Besonders Narcyz Fortuna sorgt dafür, dass die zahlreichen Wechsel nicht auseinanderfallen. Seine Doublebass-Figuren sitzen präzise unter den Gitarren, während kurze Fills neue Abschnitte einleiten. Die Blastbeats werden nicht pausenlos eingesetzt, sondern dienen als gezielte Steigerungen.

Die Gitarren wechseln zwischen dissonanten Figuren und klassischen Palm-Mute-Riffs. Dadurch entsteht ein rauer technischer Einschlag, ohne dass der Song in mathematische Komplexität abdriftet. Ditheist demonstrieren ihre Fähigkeiten, vergessen dabei aber nicht, dass ein Death-Metal-Riff auch körperlich wirken muss.

Im Vergleich zu »Nyarlathotep« fällt die Nummer konventioneller aus. Es gibt weniger atmosphärische Besonderheiten und keine ungewöhnliche Instrumentierung. Dafür liefert »Apoplectic Delirium« einen konzentrierten Angriff, der die zweite Albumhälfte mit ordentlich Schub eröffnet.

DER BLUTVERTRAG DER FOLTER

»Covenant Ov Torture« verbindet klassischen amerikanischen Death Metal mit einer besonders scharfen, beinahe thrashigen Riffarbeit. Der Song besitzt eine hohe Grundgeschwindigkeit, wird aber immer wieder von schweren Akzenten und kurzen rhythmischen Verschiebungen unterbrochen.

Die bewusste Schreibweise mit „Ov“ bedient eine bekannte extremmetallische Tradition und weist zugleich auf die finstere, rituelle Ausrichtung der Nummer hin. Inhaltlich lassen Titel und Gesamtzusammenhang einen Bund erkennen, der nicht durch Vertrauen oder Glauben, sondern durch Schmerz und Unterwerfung geschlossen wird.

Fortuna liefert erneut eine herausragende Leistung. Seine Füße arbeiten fast ununterbrochen, ohne dass das Schlagzeug zu einem gleichförmigen Maschinengewehr verkommt. Kurze Wechsel zu triolischen Figuren verändern den Bewegungsfluss und verhindern, dass die Musik ausschließlich geradeaus rast.

Briant Daniel übernimmt auch hier ein Gastsolo. Der Beitrag besitzt melodische Konturen und bildet einen wirkungsvollen Gegensatz zu den kompakten Rhythmusgitarren. Wie schon bei »Nyarlathotep« zeigt sich, dass Ditheist nicht nur auf stumpfe Brutalität setzen, sondern ein deutliches Interesse an klassischer Leadgitarrenarbeit besitzen.

Die Nummer erinnert stellenweise an Vader, während die brutalen Gesangsrhythmen und dunklen Harmonien stärker in Richtung Deicide weisen. Eigenständige Neuerfindung klingt anders, doch die Umsetzung besitzt ausreichend Energie und handwerkliche Qualität.

DAS MAUL DER HÖLLE STEHT OFFEN

»Mouth Of Hell« gehört zu den kompromisslosesten Titeln des Albums. Die Gitarren setzen mit messerscharfen Riffs ein, während das Schlagzeug den Song beinahe ununterbrochen nach vorne treibt. Ruhepausen werden hier offenbar als Zeichen menschlicher Schwäche betrachtet.

Das Stück trägt eine deutliche Deicide-Färbung. Besonders die Verbindung aus schnellen, tief gestimmten Rhythmusgitarren, blasphemischer Grundhaltung und melodischen Solopassagen erinnert an die spätere Phase der Florida-Legenden.

Die Leadgitarre zeigt dabei einen Einfluss, der an den verstorbenen Ralph Santolla denken lässt. Schnelle Tonfolgen treffen auf melodische Bewegungen, die über dem brutalen Unterbau stehen, ohne dessen Wirkung abzuschwächen.

Wright klingt hier besonders aggressiv. Seine Stimme sitzt deutlich im Zentrum des Mixes und wird nicht unter den Gitarren begraben. Dadurch bleibt der Song trotz seiner hohen Dichte nachvollziehbar.

Die Struktur ist geradliniger als bei »Nyarlathotep« oder »Covenant Ov Torture«. Das macht »Mouth Of Hell« nicht unbedingt originell, aber ausgesprochen wirkungsvoll. Der Song ist ein schneller Schlag gegen den Schädel, der weder eine Entschuldigung noch einen Eisbeutel hinterlässt.

DIE SINGULARITÄT VERSCHLINGT DEN REST

Mit »Singularity« endet das Album auf einem seiner stärksten Momente. Die Band verbindet hohe Geschwindigkeit mit schwereren Halbzeitpassagen und gibt den Riffs dadurch mehr Raum zur Entfaltung.

Fortunas Schlagzeugspiel steht erneut im Mittelpunkt. Schnelle Doublebass-Bewegungen werden mit triolischen Figuren und abrupten Wechseln kombiniert. Der Schlagzeuger demonstriert technische Präzision, ohne den Song in eine reine Leistungsschau zu verwandeln.

Die Gitarren profitieren besonders von den langsameren Abschnitten. Wenn das Schlagzeug in einen schwereren Rhythmus wechselt, treten die harmonischen Spannungen und tiefen Akkorde deutlicher hervor. Die Musik öffnet sich für einen Moment, bevor der nächste Geschwindigkeitsausbruch alles wieder unter sich begräbt.

Der Titel verweist auf einen Punkt, an dem bekannte Regeln zusammenbrechen und alles in einer einzigen Kraft verdichtet wird. Musikalisch passt das hervorragend zur Funktion des Songs. Die unterschiedlichen Elemente des Albums – Blastbeats, Doublebass, kompakte Riffs, melodische Leads und schwere Grooves – werden noch einmal zusammengeführt.

Dass Ditheist eine ihrer stärksten Nummern an das Ende stellen, ist eine gute Entscheidung. »Singularity« hinterlässt einen deutlich nachhaltigeren Eindruck als ein beliebiges Outro oder eine langsam ausklingende Instrumentalpassage.

DIE RHYTHMUSSEKTION SCHMEISST DIE PRÜGEL RAUS

Die herausragende Leistung auf »Cosmic Liar« liefert Narcyz Fortuna. Sein Schlagzeugspiel bildet nicht nur das Fundament des Albums, sondern steuert einen erheblichen Teil seiner Dynamik. Blastbeats, Doublebass-Figuren, Triolen und schwere Halbzeitpassagen werden präzise miteinander verbunden.

Fortuna spielt schnell, aber nicht eindimensional. Er verwendet Geschwindigkeit als Werkzeug und nicht als permanenten Selbstzweck. Besonders bei »Nyarlathotep«, »Covenant Ov Torture« und »Singularity« verändert sein Spiel die Wirkung der Gitarren entscheidend.

Der von Brian Frost eingespielte Bass bleibt im Mix zurückhaltender. Er sorgt für Druck und verdichtet die Rhythmusgitarren, entwickelt aber nur selten eine deutlich eigenständige Stimme. Gerade in den langsameren Passagen hätte das Instrument stärker hervortreten können.

Trotzdem funktioniert die Rhythmussektion als stabiles Fundament. Die schnellen Gitarren können ihre zahlreichen Wechsel nur deshalb überzeugend durchführen, weil Bass und Schlagzeug das Material zuverlässig zusammenhalten.

RIFFS ZWISCHEN PRÄZISION UND KONTROLLIERTEM CHAOS

Die Gitarrenarbeit von Konrad Lysak und Brian Frost bewegt sich zwischen klassischem amerikanischem Death Metal und technischeren Ansätzen. Die Musiker verwenden kurze Riffmotive, verändern deren Akzentuierung und wechseln häufig das Tempo.

Dadurch entsteht eine hohe Informationsdichte. Selbst kurze Songs enthalten mehrere rhythmische Ideen und Gitarrenfiguren. Die Band verliert sich jedoch selten vollständig in technischer Komplexität. Immer wieder tauchen einfache, griffige Riffs auf, die den Stücken körperliche Direktheit verleihen.

Die Soli besitzen einen deutlich melodischeren Charakter als die Rhythmusgitarren. Diese Trennung funktioniert grundsätzlich gut, wirkt stellenweise aber etwas blockartig. Manche Leadpassage scheint über einen bereits vollständigen Riffabschnitt gelegt worden zu sein, anstatt organisch aus ihm hervorzugehen.

Besonders bei »Nyarlathotep« gelingt die Verbindung besser. Dort tragen Atmosphäre, Rhythmus und Leadgitarren gemeinsam zur Dramaturgie bei. Andere Songs präsentieren ihre Soli stärker als eigenständige technische Einschübe.

Handwerklich gibt es wenig auszusetzen. Lysak und Frost spielen präzise, schnell und mit einem sicheren Gespür für klassische Death-Metal-Spannung. Die große stilistische Überraschung bleibt aus, doch die Riffs besitzen genügend Schärfe, um das Album über seine kompakte Laufzeit zu tragen.

GUTTURALE BEFEHLSAUSGABE

Matt „Chesterfields“ Wright setzt nicht auf extrem tiefe, kaum noch menschlich erkennbare Geräusche. Sein Gesang bewegt sich stärker in einer mittleren gutturalen Lage und bleibt dadurch innerhalb des dichten Mixes vergleichsweise präsent.

Diese Entscheidung passt zur rhythmischen Ausrichtung der Musik. Wright phrasiert viele Zeilen wie Befehle und setzt Silben eng auf die Gitarrenbewegungen. Der Gesang begleitet die Riffs nicht nur, sondern verstärkt deren rhythmische Wirkung.

Seine Stimme besitzt Aggression, Druck und ausreichend Wiedererkennungswert. Eine größere Bandbreite aus tieferen Growls, höheren Schreien oder geflüsterten Passagen hätte einzelnen Songs dennoch zusätzliche Konturen verliehen.

Gerade auf einem Album, dessen instrumentale Grundsprache bewusst eng zusammengehalten wird, könnten stärkere vokale Kontraste für mehr Abwechslung sorgen. Wright erfüllt seine Aufgabe überzeugend, verlässt seinen bevorzugten Ausdrucksbereich aber nur selten.

KLARE PRODUKTION OHNE PLASTIKPANZER

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde »Cosmic Liar« von Chris Wisco im Belle City Sound in Racine, Wisconsin. Gemeinsam mit Konrad Lysak übernahm Wisco auch die Produktion.

Der Klang verbindet moderne Klarheit mit ausreichender organischer Härte. Die Gitarren sind stark komprimiert, bleiben aber voneinander unterscheidbar. Das Schlagzeug besitzt einen sehr klaren Attack, besonders bei der Bassdrum, ohne vollständig nach programmiertem Plastikgewitter zu klingen.

Wrights Stimme steht deutlich im Zentrum. Selbst während schneller Blastbeat-Passagen bleibt sie hörbar und wird nicht von Becken oder Gitarren überlagert. Der Bass besetzt den tieferen Frequenzbereich, ohne den gesamten Mix in undefiniertes Brummen zu verwandeln.

Die Produktion unterstützt Fortunas präzises Spiel besonders gut. Doublebass-Figuren und rhythmische Wechsel lassen sich jederzeit nachvollziehen. Gleichzeitig bleibt genügend natürliche Bewegung erhalten, um nicht den Eindruck einer vollständig am Raster ausgerichteten Studioübung zu erzeugen.

Einige Hörer könnten sich eine dreckigere und weniger kontrollierte Produktion wünschen. Die moderne Klarheit nimmt der Musik stellenweise etwas von jener unberechenbaren Gefahr, die klassischer Death Metal entwickeln kann. Dennoch passt der Mix zur technischen Ausrichtung der Band.

DIE UNGEWÖHNLICHEN INSTRUMENTE BLEIBEN GÄSTE

Akustische Gitarre, Oud und Irish Low Whistle bringen interessante Klangfarben in das Album. Sie sorgen dafür, dass einzelne Stücke nicht vollständig nach demselben Schema beginnen. Besonders das Intro von »Nyarlathotep« erzeugt sofort eine eigene Atmosphäre.

Diese Instrumente bleiben jedoch überwiegend kurze Gäste. Sie eröffnen einen Song, verschwinden anschließend aber fast vollständig aus der Komposition. Dadurch wirken sie stärker wie dekorative Übergänge als wie entscheidende Bestandteile des Songwritings.

Das ist verschenktes Potenzial. Eine wiederkehrende Oud-Melodie, eine Flötenlinie über einem langsameren Riff oder eine stärkere Verzahnung mit den Gitarren hätte dem Album mehr Eigenständigkeit verleihen können.

Die Band zeigt, dass sie bereit ist, über die klassische Besetzung hinauszudenken. Der nächste Schritt müsste darin bestehen, solche Elemente nicht nur als Einleitung, sondern als tragende kompositorische Werkzeuge einzusetzen.

BRUTALITÄT INNERHALB BEKANNTER GRENZEN

Die größte Stärke des Albums liegt in seiner Konsequenz. Ditheist wissen genau, welche Form des Death Metal sie spielen möchten. Schnelle Riffs, Blastbeats, Doublebass, gutturaler Gesang und melodische Soli werden in acht kompakte Stücke gepresst.

Gleichzeitig liegt darin die zentrale Schwäche. Viele Songs verwenden ähnliche Bauteile und unterscheiden sich stärker durch einzelne Riffs als durch grundlegend verschiedene Dramaturgien. Nach der Hälfte des Albums sind die meisten Werkzeuge bekannt.

»Nyarlathotep« fällt deshalb besonders positiv auf. Die ungewöhnliche Einleitung und der atmosphärischere Aufbau verleihen dem Stück eine klarere Identität. Auch »Singularity« profitiert von seinen markanten Halbzeitpassagen.

Weitere Ausbrüche dieser Art hätten »Cosmic Liar« noch stärker gemacht. Die Band muss ihren Death-Metal-Kern dafür nicht aufgeben. Bereits kleine Veränderungen in Instrumentierung, Tempo oder Gesangsform könnten die Songs deutlicher voneinander abgrenzen.

Aufgrund der knappen Spielzeit entwickelt sich die Ähnlichkeit allerdings nicht zu einem schwerwiegenden Problem. Nach etwas mehr als 29 Minuten ist die Schlacht beendet, bevor sich die Wiederholungen vollständig abnutzen können.

EIN COVER ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE

Das von Tatomir Pitariu gestaltete Cover fügt sich hervorragend in die Themenwelt des Albums ein. Eine geisterhafte, beinahe religiöse Szenerie zeigt blutende Engelsgestalten, leidende Seelen und eine dämonische Figur, die auf die Verderbtheit himmlischer Macht verweist.

Das Artwork wirkt nicht wie eine gewöhnliche Ansammlung aus Schädeln, Pentagrammen und Feuer. Es besitzt eine malerische Qualität und verbindet sakrale Bildsprache mit kosmischem Grauen.

Damit greift es die zentralen Motive des Albums auf: Religion erscheint nicht als Quelle der Erlösung, sondern als Machtapparat voller Gewalt, Täuschung und verborgener Bosheit. Himmel und Hölle sind keine klaren Gegensätze mehr, sondern Bestandteile derselben verdorbenen Ordnung.

Die Gestaltung von Logo und Albumtitel wirkt gegenüber dem detailreichen Gemälde etwas schlicht. Das eigentliche Motiv besitzt jedoch genügend Kraft, um diesen Schwachpunkt weitgehend auszugleichen.

FAZIT:

»Cosmic Liar« ist eine kompakte und technisch starke Death-Metal-Rückkehr. Ditheist überzeugen mit präzisen Riffs, Fortunas herausragendem Schlagzeugspiel und Höhepunkten wie »Evil To Live«, »Nyarlathotep«, »Mouth Of Hell« und »Singularity«.

Mehr kompositorische Ausbrüche und eine stärkere Einbindung der ungewöhnlichen Instrumente hätten dem Album zusätzliche Eigenständigkeit verliehen. Wer jedoch eine halbe Stunde kontrollierte Brutalität zwischen Deicide, Vader und modernem Deathgrind sucht, bekommt hier ordentlich die Prügel rausgeschmissen.

Official Music Video: Nyarlathotep

Internet

Ditheist - Cosmic Liar - CD Review

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