Akhoth - Of Might And Hierarchy - cover artwork

Band: Akhoth 🇦🇺
Titel: Of Might and Hierarchy
Label: Eigenveröffentlichung / Signal Rex
VÖ: 30.05.2025 / internationale CD-Neuauflage 05.06.2026
Format: Digital / CD / Vinyl angekündigt
Genre: Medieval Black Metal / Raw Melodic Black Metal

Tracklist

01. Fractured Divinity – 03:08
02. Veil of the Cosmic Night – 03:59
03. The Conjugation of Famine – 07:44
04. Oath of Iron and Blood – 00:53
05. Emperor’s Demise – 04:00
06. …Of Ambivalence and Iniquity – 05:02
07. The Ancient Betrayal (Mendacious Lord) – 05:26

Besetzung

Xieistnet – Gesang, Texte
Swamp Tyrant – Gitarren, Bass, Songwriting
LCF – Schlagzeug, Akustikgitarre, Songwriting

Akiva Ljungström – Aufnahme, Engineering, Mix
Gaslight Studios – Produktion
Tomek – Logo
LCF – Covergestaltung, Design

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Aus dem australischen Queensland erhebt sich mit Akhoth eine Formation, die für ihr Debütalbum keine gläsernen Hochhäuser, digitalen Überwachungsstaaten oder moderne Weltuntergangsszenarien benötigt. Auf »Of Might and Hierarchy« herrschen eiserne Schwüre, göttliche Macht, hungernde Reiche, verräterische Herrscher und eine gesellschaftliche Ordnung, die nicht durch Verträge, sondern durch Blut und Stahl aufrechterhalten wird.

Das ursprünglich im Mai 2025 veröffentlichte Album gelangte zunächst nur in einer kleinen Auflage in den Untergrund. Rund ein Jahr später hebt Signal Rex das Werk aus seiner relativen Verborgenheit und macht es einer größeren internationalen Hörerschaft zugänglich. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn Akhoth präsentieren auf diesen sieben Stücken keinen gesichtslosen Black-Metal-Aufguss, sondern eine temperamentvolle Verbindung aus roher Produktion, melodischer Gitarrenarbeit, mittelalterlich anmutender Erhabenheit und fast punkigem Vorwärtsdrang.

Die Australier klingen dabei weniger nach einem einsamen Schatten, der regungslos auf einem verschneiten Berggipfel steht, sondern nach einer bewaffneten Gefolgschaft, die mit wehenden Bannern auf das nächste Burgtor zustürmt. Die Musik ist scharf, rau und traditionsbewusst, besitzt gleichzeitig aber eine Lebendigkeit, die vielen absichtlich leblos produzierten Veröffentlichungen des Genres fehlt.

Albumstream:

DIE HIERARCHIE STEHT IN FLAMMEN

Bereits der Albumtitel macht deutlich, dass Akhoth nicht an persönlicher Selbstfindung oder alltäglichen Befindlichkeiten interessiert sind. »Of Might and Hierarchy« richtet den Blick auf Machtordnungen, göttliche Legitimation, Treue, Verrat und jene Gewalt, mit der Herrschaft errichtet und verteidigt wird.

Die mittelalterliche Ausrichtung erschöpft sich dabei nicht in Schwertgeklirr, Burgenromantik und einem passenden Covermotiv. Die gesamte Musik folgt einer Vorstellung von archaischer Größe. Wiederkehrende Melodien wirken wie Signale eines Horns, während die Rhythmusgruppe nicht selten den Eindruck eines hastigen Vormarschs erzeugt.

Anstelle moderner Präzision regiert eine rohe, aber kontrollierte Darbietung. Die Instrumente besitzen Ecken, Kanten und eine gewisse Unberechenbarkeit. Das Schlagzeug atmet, die Gitarren kratzen und der Gesang klingt nicht wie eine exakt bearbeitete Tonspur, sondern wie eine Stimme, die ausmitten eines brennenden Heerlagers gegen Sturm und Stahl anschreit.

Gerade diese Verbindung aus rauer Oberfläche und melodischer Klarheit macht den Reiz der Platte aus. Unter dem Schmutz liegen nachvollziehbare Riffs, wiedererkennbare Motive und Strukturen, die nicht im reinen Chaos verschwinden.

ZERBROCHENE GÖTTLICHKEIT

»Fractured Divinity« eröffnet das Album ohne langwierige Vorbereitungen. Die Band stürzt sich unmittelbar in ein Geflecht aus schneidenden Gitarren, drängendem Schlagzeug und dem zerrissenen Kreischen von Xieistnet. Der Song besitzt eine fast triumphale Grundhaltung, obwohl sein Titel bereits den Bruch einer vermeintlich unantastbaren Ordnung ankündigt.

Swamp Tyrant verbindet flirrendes Tremolo-Picking mit Riffs, die deutlich stärker auf körperlichen Vorwärtsdrang setzen. Manche Passagen besitzen beinahe eine Black-’n’-Roll-artige Direktheit. Der Kopf beginnt sich zu bewegen, bevor der Verstand überhaupt vollständig sortiert hat, welche Melodie gerade durch den Klangnebel schneidet.

Aufgebaut auf einem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren nicht zu einer undurchdringlichen Wand aufgetürmt, sondern in mehreren gut erkennbaren Schichten aufgebettet. Während eine Spur das rhythmische Gerüst zusammenhält, kann sich eine zweite mit helleren und bewusst schrilleren Bewegungen darüberlegen.

LCF bearbeitet sein Schlagzeug mit einer auffallenden Lebendigkeit. Statt lediglich das notwendige Gerüst unter die Riffs zu setzen, reagiert er auf die Gitarren, treibt sie an und bricht immer wieder mit kurzen Wirbeln aus dem gleichmäßigen Puls aus. Dadurch wirkt »Fractured Divinity« nicht wie ein sauber ablaufendes Programm, sondern wie ein tatsächlich stattfindendes Gefecht.

HINTER DEM SCHLEIER DER KOSMISCHEN NACHT

Mit »Veil of the Cosmic Night« folgt eine der unmittelbarsten Nummern des Albums. Der Song ist kompakt, griffig und besitzt mehrere Gitarrenbewegungen, die sich trotz der rauen Produktion schnell im Gedächtnis festsetzen.

Das Stück zeigt besonders deutlich, dass melodischer Black Metal nicht zwangsläufig weich, romantisch oder überproduziert klingen muss. Die Melodien werden nicht auf einem symphonischen Samtkissen serviert, sondern mit rostigen Nägeln in die Songstruktur geschlagen. Sie besitzen Widerhaken und eine fast körperliche Schärfe.

Der Bass verleiht den Gitarren zusätzlichen Druck, während das Schlagzeug zwischen treibenden Rhythmen und kurzen beschleunigten Ausbrüchen wechselt. Über allem liegt Xieistnets heiserer Gesang. Seine Stimme ist kein tiefes, dämonisches Grollen, sondern ein raues, stellenweise beinahe bellendes Kreischen, das erstaunlich viel Energie transportiert.

Der Titel öffnet das Album erstmals stärker in Richtung kosmischer und spiritueller Vorstellungen. Doch auch hier entsteht keine schwerelose Atmosphäre. Die Nacht ist bei Akhoth kein stiller Sternenhimmel, sondern ein Schleier, hinter dem sich Macht, Unheil und eine größere Ordnung verbergen.

Die knapp vier Minuten vergehen beinahe zu schnell. Einige Motive hätten durchaus länger ausgearbeitet werden können. Gleichzeitig ist gerade diese Kürze ein Teil der Wirkung. Der Song schlägt zu, setzt seine Haken und verschwindet, bevor die zentrale Melodie an Kraft verlieren kann.

DIE BESCHWÖRUNG DES HUNGERS

»The Conjugation of Famine« bildet mit fast acht Minuten das ausgedehnte Herzstück des Albums. Nach den beiden kurzen Eröffnungsangriffen nehmen sich Akhoth deutlich mehr Zeit, ihre Motive auszubreiten und unterschiedliche Spannungszustände aufzubauen.

Der Begriff Hunger erhält innerhalb der mittelalterlichen Bilderwelt eine besondere Bedeutung. Er kann körperliche Not beschreiben, steht aber ebenso für unstillbares Machtstreben. Reiche hungern nach Land, Herrscher nach Einfluss und Menschen nach einer göttlichen Ordnung, die ihrem Leiden einen Sinn geben soll.

Musikalisch entsteht dieser Eindruck durch beharrliche Wiederholung. Riffs kehren zurück, verändern jedoch ihre Wirkung, weil Schlagzeug und begleitende Gitarren neue Akzente setzen. Die Band setzt weniger auf abrupte Überraschungen als auf eine langsame Verschiebung der Kräfte.

Schärfere Tremolo-Passagen wechseln mit schwereren, beinahe marschierenden Abschnitten. Das Schlagzeug bleibt beweglich und verhindert, dass sich die lange Spielzeit in statischer Wiederholung verliert. Besonders die rhythmischen Übergänge geben dem Stück jene körperliche Spannung, die bei episch angelegtem Black Metal schnell fehlen kann.

Nicht jede Passage besitzt dieselbe Prägnanz. Im Mittelteil könnte die Komposition etwas straffer geführt sein. Manche Wiederholung verlängert die Atmosphäre stärker, als sie die musikalische Aussage vertieft. Dennoch rechtfertigt das Stück seine Position als längster Titel, weil es dem Album Größe und einen ersten echten Ruhepol innerhalb des bisherigen Ansturms verleiht.

EIN SCHWUR VOR DEM FEUER

Nach dem ausgedehnten Hauptstück folgt mit »Oath of Iron and Blood« ein gerade einmal 53 Sekunden langes akustisches Zwischenspiel. Leise Gitarren und das Geräusch eines Feuers unterbrechen die bisherige Raserei und erzeugen den Eindruck einer kurzen nächtlichen Zusammenkunft.

Der Titel lässt an einen Schwur denken, der nicht vor einem Gericht oder auf einem beschriebenen Pergament geleistet wird. Eisen und Blut bilden die Grundlagen einer Verbindung, die im Zweifelsfall mit dem eigenen Leben verteidigt werden muss.

LCFs Akustikgitarre erfüllt hier eine klare dramaturgische Funktion. Das Stück ist kein dekoratives Intro, das beliebig zwischen zwei Songs geschoben wurde, sondern markiert die Mitte des Albums. Nach Kampf, kosmischer Nacht und Hunger wird für einen Moment innegehalten, bevor die Hierarchie selbst angegriffen wird.

Gerade weil »Oath of Iron and Blood« so kurz bleibt, wirkt es. Eine mehrminütige Dungeon-Synth- oder Lagerfeuerpassage hätte den aufgebauten Schwung unnötig gebremst. So entsteht lediglich ein kurzer Atemzug – und danach wird die Axt wieder aufgehoben.

DER KAISER MUSS FALLEN

»Emperor’s Demise« setzt anschließend mit neuem Schwung ein. Das Schlagzeug übernimmt beinahe die Führung und peitscht die übrigen Instrumente durch einen der lebendigsten Songs der Platte. LCF nutzt schnelle Wirbel, wechselnde Akzente und kleine rhythmische Ausbrüche, ohne das Stück in technische Selbstdarstellung zu verwandeln.

Swamp Tyrant antwortet darauf mit kompakten Riffketten, die zwischen rohem Black Metal und räudigem Metal-Punk vermitteln. Das Stück besitzt einen dreckigen Rock-’n’-Roll-Kern, der unter den melodischen Gitarrenbewegungen deutlich hörbar bleibt.

Der Untergang des Kaisers wird musikalisch nicht als langsame Tragödie inszeniert. Hier stürzt eine Machtordnung lärmend zusammen. Die Band klingt beinahe ausgelassen, als würden die alten Banner bereits brennen und die Tore des Palastes von innen geöffnet.

Diese ungewöhnlich triumphale Energie verhindert, dass das Album vollständig in finsterer Gleichförmigkeit versinkt. Akhoth spielen Black Metal, der trotz aller Dunkelheit lebendig und stellenweise geradezu euphorisch wirkt. Die Musiker scheinen sich gegenseitig anzutreiben und auf die nächste Steigerung zu lauern.

Das hat mit steriler Perfektion wenig zu tun. Einzelne Töne stehen scharf hervor, Becken krachen und der Gesang scheint gelegentlich fast über den übrigen Instrumenten zu zerreißen. Genau darin liegt der Charakter des Songs. Ein glattgezogener Mix würde ihm einen beträchtlichen Teil seiner Wirkung nehmen.

ZWISCHEN ZWEIFEL UND FREVEL

»…Of Ambivalence and Iniquity« bringt eine melancholischere Färbung in die zweite Albumhälfte. Die Gitarren behalten ihren rauen Klang, richten sich jedoch stärker auf melodische Spannungsbögen aus. Zwischen den kämpferischen Bewegungen entsteht ein Gefühl von Unsicherheit.

Der Titel verbindet Ambivalenz mit moralischer Verfehlung. Macht erscheint nicht mehr ausschließlich als äußere Herrschaft, sondern als innerer Konflikt. Treue, Ehrgeiz, Glaube und Verrat lassen sich in einer hierarchischen Welt kaum sauber voneinander trennen.

Musikalisch ist das einer der Momente, in denen Akhoth über die reine Angriffslust hinausgehen. Die Melodien wirken nachdenklicher, ohne in romantische Weichzeichnung abzugleiten. Das Schlagzeug bleibt aktiv, lässt den Gitarren aber mehr Raum zur Entfaltung.

Besonders gelungen ist die Verbindung aus melancholischen Motiven und weiterhin festem rhythmischem Druck. Viele Bands trennen ihre atmosphärischen und aggressiven Passagen deutlich voneinander. Akhoth lassen beides gleichzeitig stattfinden. Die Gitarren können klagen, während Bass und Schlagzeug bereits den nächsten Angriff vorbereiten.

Xieistnets Gesang bleibt dagegen weitgehend in derselben harschen Tonlage. Das passt zur rohen Ausrichtung, begrenzt jedoch die dramatische Tiefe. Einige tiefere Stimmen, geflüsterte Passagen oder bewusster gesetzte Pausen hätten die ambivalente Stimmung des Titels noch stärker hervorheben können.

DER LÜGENHERR UND DER URALTE VERRAT

Mit »The Ancient Betrayal (Mendacious Lord)« endet das Album auf einem dunkleren und etwas langsameren Pfad. Die zuvor häufig triumphale Energie wird zurückgenommen. Statt eines siegreichen Abschlusses bleibt der Eindruck einer Ordnung, die auf Täuschung errichtet wurde und daher zwangsläufig erneut zerbrechen muss.

Die Gitarren verwenden ausdrucksstarke, bedrohliche Motive. Diese wirken weniger wie ein offener Sturmangriff und mehr wie eine Macht, die sich hinter den Mauern bewegt. Der Verrat ist bereits geschehen, seine Folgen werden jedoch erst allmählich sichtbar.

LCF bleibt auch im kontrollierteren Tempo ausgesprochen beschäftigt. Kleine Fills und rhythmische Verschiebungen halten die Musik in Bewegung. Das Schlagzeug begleitet nicht bloß, sondern kommentiert die Gitarren und verleiht einzelnen Übergängen zusätzliche Spannung.

Swamp Tyrant findet eine überzeugende Balance aus düsteren Akkorden und melodischen Linien. Die Motive besitzen genügend Wiedererkennungswert, ohne den Song in einen eingängigen Refrain zwingen zu müssen. Dadurch wirkt das Finale ernster und verschlossener als die vorherigen Stücke.

Der Schluss verweigert eine klare Auflösung. Die Hierarchie wurde offengelegt, ein Kaiser ist gestürzt und uralter Verrat trat zutage. Doch an die Stelle der alten Ordnung tritt keine neue Gewissheit. Macht bleibt ein Kreislauf aus Aufstieg, Herrschaft, Täuschung und Verfall.

SCHLAGZEUG STATT KLANGKÄFIG

Eine der größten Stärken von »Of Might and Hierarchy« ist das natürliche Schlagzeug. In einem Genre, das häufig zwischen absichtlich primitivem Gerumpel und klinisch bearbeiteter Präzision schwankt, findet LCF einen wesentlich lebendigeren Mittelweg.

Sein Spiel ist schnell, kraftvoll und detailreich, wirkt aber niemals wie eine Sammlung einzeln zusammengesetzter Schläge. Kleine Schwankungen und spontane Akzente vermitteln den Eindruck einer tatsächlichen Darbietung. Gerade dadurch erhalten die Stücke ihre punkige Unmittelbarkeit.

Besonders bei »Fractured Divinity« und »Emperor’s Demise« treibt das Schlagzeug die Gitarren vor sich her. In anderen Momenten reagiert es auf melodische Veränderungen oder bereitet einen neuen Abschnitt vor. Diese Wechselwirkung sorgt dafür, dass sich die Musik trotz wiederkehrender stilistischer Mittel nicht vollkommen statisch anfühlt.

Der Bass bleibt stärker im Hintergrund, erfüllt dort aber seine Funktion. Er verdichtet die rhythmischen Gitarren und gibt den Stücken einen robusten Unterbau. Eine etwas deutlichere Präsenz hätte dem Album zusätzlichen Körper verliehen, insbesondere in den langsameren Passagen des Schlussstücks.

GITARREN WIE ROSTIGE BANNER

Swamp Tyrants Gitarrenton gehört zu den markantesten Merkmalen des Albums. Er ist hell, rau und stellenweise bewusst schrill. Die höheren Linien schneiden durch den Mix, während die rhythmischen Riffs genügend Substanz besitzen, um nicht zu kraftlosem Hintergrundrauschen zu werden.

Die melodischen Figuren erinnern an alte Banner, deren Farben längst verblichen sind, die aber weiterhin über einem Schlachtfeld wehen. Sie vermitteln Größe, ohne gepflegt oder majestätisch poliert zu wirken.

Einige Riffs besitzen jene räudige Direktheit, die frühen Desaster auszeichnete. Daneben stehen flirrende Black-Metal-Linien, melancholische Motive und robuste Akkordfolgen, die stärker aus traditionellem Heavy Metal oder Punk gespeist scheinen.

Die Vielfalt entsteht somit nicht durch vollständige Stilwechsel, sondern durch unterschiedliche Gewichtung derselben Grundelemente. Mal steht das Tremolo-Picking im Vordergrund, mal ein einfacher, aber wirkungsvoller Rhythmus und gelegentlich eine melodische Figur, die mehrere Durchläufe lang im Kopf bleibt.

An manchen Stellen kippt der helle Ton in eine etwas anstrengende Schärfe. Besonders bei höherer Lautstärke können einzelne Gitarrenpassagen dünner wirken, als es die darunterliegenden Riffs verdient hätten. Eine geringfügig vollere Produktion hätte hier zusätzlichen Druck erzeugen können, ohne den rohen Charakter zu beschädigen.

EIN GESANG WIE EIN ZERRISSENER BEFEHL

Xieistnets Stimme passt hervorragend zur martialischen Ausrichtung des Albums. Sein Kreischen klingt rau, ungeschliffen und stellenweise beinahe überdreht. Er trägt die Texte nicht wie ein distanzierter Erzähler vor, sondern wirkt wie eine Figur innerhalb dieser Welt.

Der Gesang besitzt mehr triumphale Energie als reine Verzweiflung oder Menschenhass. Selbst in den finsteren Stücken klingt Xieistnet häufig nicht besiegt, sondern herausfordernd. Diese Haltung unterscheidet Akhoth von zahlreichen Bands, deren Sänger ausschließlich auf völlige emotionale Erstarrung setzen.

Auf Dauer bleibt die Ausdrucksweise allerdings etwas einheitlich. Die Stimme bewegt sich überwiegend innerhalb derselben zerrissenen Tonlage. Weil auch die Gitarren häufig mit hellen Frequenzen arbeiten, entsteht stellenweise Konkurrenz um denselben klanglichen Raum.

Etwas mehr Variation hätte den langen »The Conjugation of Famine« und das abschließende »The Ancient Betrayal (Mendacious Lord)« zusätzlich aufgewertet. Dennoch besitzt Xieistnet genügend Wiedererkennungswert, um nicht im allgemeinen Black-Metal-Gekreische unterzugehen.

ROH, ABER NICHT GEDANKENLOS

Produziert wurde das Album von den Gaslight Studios. Akiva Ljungström war für Aufnahme, Engineering und Mix verantwortlich. Das Ergebnis bewahrt die raue Untergrundwirkung, ohne die Kompositionen vollständig im Nebel verschwinden zu lassen.

Das Schlagzeug bleibt klar wahrnehmbar, die Gitarren lassen sich voneinander unterscheiden und der Gesang besitzt genügend Raum, um über die Instrumente zu schneiden. Gleichzeitig wurde nichts künstlich aufgeblasen. Die Produktion klingt nicht nach hundert übereinandergelegten Gitarrenspuren und auch nicht nach einem Schlagzeug, das in ein digitales Raster geprügelt wurde.

Diese Natürlichkeit unterstützt die mittelalterliche Atmosphäre. »Of Might and Hierarchy« wirkt nicht wie eine moderne Inszenierung über eine vergangene Epoche, sondern wie ein Fundstück, das mit genügend Sorgfalt freigelegt wurde, ohne jeden Rost zu entfernen.

Der Klang hat jedoch Grenzen. Der Bass könnte präsenter sein, manche Gitarrenspitzen wirken sehr dünn und die größeren melodischen Momente könnten räumlich breiter erscheinen. Wer druckvollen modernen Black Metal erwartet, wird die Platte möglicherweise als zu spröde empfinden.

Doch eine klinische Hochglanzproduktion wäre hier die deutlich schlechtere Entscheidung gewesen. Die Musik lebt von Reibung, Bewegung und dem Eindruck, dass die Beteiligten gemeinsam gegen die Grenzen der Aufnahme anspielen.

EIN STURM MIT ÄHNLICHEN BANNERN

Die größte Schwäche des Albums liegt in der begrenzten Abgrenzung einzelner Songs. Fast alle Stücke verwenden eine ähnliche Verbindung aus rohen melodischen Gitarren, harschem Gesang und lebendigem Schlagzeug. Die Energie bleibt hoch, doch dadurch konkurrieren manche Titel miteinander, anstatt klar voneinander getrennte Identitäten auszubilden.

»Oath of Iron and Blood« schafft als akustisches Zwischenspiel einen wichtigen Einschnitt. Weitere kurze instrumentale Übergänge oder deutlichere Tempowechsel hätten dem Gesamtwerk zusätzliche Konturen verleihen können.

Auch der lange »The Conjugation of Famine« könnte stärker von den kompakten Stücken abgehoben werden. Die zusätzliche Spielzeit allein erzeugt noch keine vollkommen andere dramaturgische Form. Einige Motive werden länger ausgeführt, doch ein radikalerer Ruhepunkt oder ein besonders schwerer Schlussabschnitt hätte seine Stellung als Zentrum des Albums noch deutlicher gemacht.

Auf der anderen Seite sorgt diese stilistische Geschlossenheit für einen ungebrochenen Fluss. Die Platte wirkt wie ein einziger Feldzug. Kaum ist eine Auseinandersetzung beendet, bewegt sich die Gefolgschaft bereits auf das nächste Ziel zu.

MITTELALTER OHNE MARKTSTAND

Erfreulich ist, dass Akhoth ihre mittelalterliche Ausrichtung nicht mit Dudelsack, Tavernengesang oder folkloristischer Fröhlichkeit verwechseln. Hier gibt es weder Met noch Tanzmusik und auch keinen singenden Händler, der vor dem nächsten Refrain seine Ledergürtel anpreist.

Das Mittelalter erscheint als Epoche von Mangel, Gewalt, Glauben und streng organisierter Macht. Selbst die triumphalen Passagen besitzen eine raue Kälte. Der Sieg einzelner Figuren bedeutet nicht automatisch Freiheit, sondern häufig nur die Errichtung der nächsten Hierarchie.

Diese ernste Herangehensweise bewahrt das Album vor unfreiwilligem Theater. Die Bildwelt ist deutlich, doch die Musik bleibt Black Metal und wird nicht zur Kostümveranstaltung.

Die Band verwendet historische Vorstellungen dabei nicht als dokumentarische Erzählung. Es geht weniger um konkrete Ereignisse als um archetypische Konflikte: Herrscher und Untertanen, göttlicher Anspruch und zerbrochene Legitimation, Schwur und Verrat, Hunger und Macht.

Gerade dadurch bleibt das Konzept über die mittelalterliche Oberfläche hinaus relevant. Hierarchien verändern ihre äußere Gestalt, doch der Kampf um Einfluss, Deutung und Kontrolle wiederholt sich.

DREI MUSIKER, EIN GEMEINSAMER ANGRIFF

Obwohl die Aufgaben klar verteilt sind, klingt das Album nicht wie das Produkt voneinander isolierter Einzelspuren. Gitarre und Schlagzeug reagieren unmittelbar aufeinander. Der Gesang sitzt nicht nachträglich über der Musik, sondern scheint gegen sie anzukämpfen.

Swamp Tyrant liefert das melodische und rhythmische Gerüst. Seine Riffs sind nicht unnötig kompliziert, besitzen aber ausreichend Bewegung und Wiedererkennungswert. Der Musiker versteht, dass eine prägnante Tonfolge im richtigen Moment stärker wirken kann als eine technisch überladene Konstruktion.

LCF ist der auffälligste Instrumentalist. Sein Schlagzeugspiel verleiht selbst einfacheren Riffs zusätzliche Dynamik. Gleichzeitig zeigt das akustische Zwischenspiel, dass seine Funktion nicht auf Geschwindigkeit und körperliche Wucht beschränkt bleibt.

Xieistnet gibt der Platte mit seiner rauen Stimme und den Texten ihre menschliche Perspektive. Er klingt nicht wie ein allwissender Chronist, sondern wie ein Teilnehmer der beschriebenen Ordnung – möglicherweise Krieger, Verräter, Untertan und Ankläger zugleich.

Diese gemeinsame Energie ist wichtiger als technische Perfektion. Akhoth wirken nicht wie drei Musiker, die um den größten persönlichen Moment kämpfen. Sie klingen wie eine Einheit, die geschlossen auf dasselbe Tor zustürmt.

DIE NEUAUFLAGE HOLT DAS WERK AUS DEM SCHATTEN

Dass Signal Rex das Album international neu auflegt, ist mehr als eine nachträgliche kosmetische Maßnahme. Die ursprüngliche Veröffentlichung war nur eingeschränkt erhältlich und verschwand entsprechend schnell in den tieferen Schichten des Untergrunds.

Die Neuauflage gibt dem Werk eine zweite Gelegenheit, ohne seinen ursprünglichen Charakter umzuschreiben. Das Album wird nicht mit Bonusmaterial überfrachtet, neu arrangiert oder in ein vermeintlich zeitgemäßes Klangbild gezwungen. Es bleibt dieselbe halbstündige Attacke.

Diese Konzentration ist eine weitere Stärke. Sieben Titel und gut 30 Minuten reichen aus, um die Welt der Platte aufzubauen, mehrere Kämpfe auszutragen und die Ordnung am Ende erneut infrage zu stellen. Kein belangloses Outro verlängert die Laufzeit, und kein überflüssiger Bonustrack verwässert den Abschluss.

Die angekündigte Vinylfassung passt besonders gut zur bewusst traditionellen Ausrichtung. Dennoch funktioniert das Album auch digital, weil seine Wirkung nicht allein von physischer Exklusivität oder Untergrundromantik abhängt. Unter der rauen Oberfläche befinden sich schlicht starke Riffs und eine Band mit spürbarer Energie.

FAZIT:

»Of Might and Hierarchy« ist ein lebendiges, raues und auffallend temperamentvolles Debüt. Akhoth verbinden mittelalterlich geprägte Erhabenheit mit melodischem Black Metal, punkiger Angriffslust und einer Rhythmussektion, die den Songs weit mehr Bewegung verleiht als das übliche mechanische Dauerfeuer.

Besonders »Fractured Divinity«, »Veil of the Cosmic Night«, »Emperor’s Demise« und das düstere Finale »The Ancient Betrayal (Mendacious Lord)« zeigen die Stärken der Australier. Die Gitarren besitzen griffige Melodien, LCF liefert ein hervorragendes und natürlich klingendes Schlagzeugspiel und Xieistnets zerrissener Gesang fügt sich glaubwürdig in die martialische Welt ein.

Die Songs könnten teilweise deutlicher voneinander abgegrenzt sein. Der Gesang bleibt über längere Strecken ähnlich gefärbt, der Bass steht zu weit im Hintergrund und einige Gitarrenspitzen geraten unnötig dünn. Auch das lange »The Conjugation of Famine« hätte seine ausgedehnte Spielzeit noch konsequenter für einen stärkeren dramaturgischen Bruch nutzen können.

Diese Schwächen ändern nichts daran, dass Akhoth ein eigenständiges und hörenswertes Werk vorlegen. Die Band behandelt Medieval Black Metal nicht als folkloristische Kulisse, sondern als musikalischen Feldzug durch Herrschaft, Hunger, Treue und Verrat.

Die Hierarchie wurde errichtet, der Kaiser gestürzt und der Lügenherr enttarnt. Zurück bleibt ein Album, das lieber mit rostiger Klinge kämpft, als sich hinter sauber polierter Rüstung zu verstecken.

Song: Veil of the Cosmic Night

Internet

Akhoth - Of Might and Hierarchy - CD Review

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