Tracklist
01. Memory
02. Somewhere, Sometime
03. A Moment in Eternity
Besetzung
All lineup, production, mixing & mastering information is not published.
Die ukrainische Black-Metal-Institution DRUDKH kehrt nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von “Shadow Play” mit neuem Material zurück. Diesmal handelt es sich um eine kürzere Veröffentlichung, eine EP mit dem Titel “Thaw” („Відлига“), die während derselben Aufnahmesession entstand. Während das vorherige Album dazu einlud, sich mit der eigenen inneren Dunkelheit auseinanderzusetzen und Schönheit in der Trostlosigkeit zu entdecken, wirkt „Thaw“ eher wie eine ruhigere Meditation über Übergänge und inneres Exil – Musik, die sich im feinen Raum zwischen Stillstand und Bewegung entfaltet.
Melancholischer Auftakt mit typischer DRUDKH-Atmosphäre
Die eröffnenden Akkorde des ersten Songs „Memory“ tragen sofort den unverwechselbaren Klang von DRUDKH in sich: emotionale, tief melancholische Klanglandschaften treffen auf verzweifelte Vocals und stellenweise harsche, wütende Instrumentierung. Ein vertrauter Sound, der zugleich eine kalte, traurige Atmosphäre erzeugt. Eine schöne Gitarrenmelodie, von Keyboards gedoppelt und mit Echo sowie Hall versehen, bildet das Fundament. Hinter der scheinbar einfachen Struktur verbirgt sich jedoch eine vielschichtige Instrumentierung, in der zahlreiche Melodien miteinander verwoben sind. Das Ergebnis ist eine bewegende und zugleich verstörende Klanglandschaft, die den Hörer mit einer überwältigenden Traurigkeit konfrontiert – ein typischer, aber überzeugender Beginn.
DRUDKH gehören zu den Bands, die bewusst darauf verzichten, ihre Mitglieder öffentlich zu benennen. Dennoch hat die Gruppe nach mehr als zwanzig Jahren Aktivität längst einen festen Platz in der Szene erreicht und ist weit weniger anonym, als sie es vielleicht ursprünglich wollte. Aus Respekt vor dieser Haltung bleibt der Fokus auf der Musik selbst – und diese besitzt bei DRUDKH eine starke, unverwechselbare Stimme.
Atmosphärische Instrumentalpassagen und rohe Produktion
Mit einer dunklen und kalten Atmosphäre beginnt der nächste Song „Somewhere, Sometime“, zunächst getragen von akustischen Gitarren. Allmählich gewinnt der Klang an Gewicht, verzerrte Gitarren und Keyboards erweitern das Klangbild. Die gleiche melancholische Grundstimmung bleibt bestehen, während ambientartige Hintergründe die gesamte desolate und ätherische Atmosphäre verstärken. Zahlreiche Effekte und elektronisch verfremdete Klänge verleihen dem Stück zusätzliche Tiefe. Es handelt sich um ein rein instrumentales Stück – atmosphärische Musik, die vielleicht etwas weiter vom klassischen Bandsound entfernt wirkt, aber dennoch klar als DRUDKH erkennbar bleibt.
Die Produktion ist bewusst roh gehalten. Sie wirkt nicht überpoliert, bringt aber dennoch die vielen musikalischen Schichten mit ausreichender Klarheit zur Geltung. Gitarren und Vocals stehen klanglich im Vordergrund, doch die Musik funktioniert stets als Gesamtgefüge. Dass die Band ein rein instrumentales Stück integriert, zeigt zudem ihr Vertrauen in die Wirkung von Atmosphäre ohne die üblichen kontrastierenden Elemente. Insgesamt entsteht ein ausgewogen produziertes Werk mit der gewünschten emotionalen Wirkung.
Der abschließende Song „A Moment in Eternity“ kehrt schließlich zu verzerrten Gitarren zurück und verankert den Klang stärker im Black Metal. Dennoch bleibt die bewegende Atmosphäre das dominierende Element. Langsame Akkorde und scheinbar einfache Strukturen schaffen erneut eine düstere und melancholische Stimmung. Hypnotische Gitarren und feine Melodien stehen im Kontrast zu infernalischen Schreien, während das Tempo allmählich anzieht und das Schlagzeug den Klang vervollständigt. Wieder entsteht eine unverwechselbare Komposition, typisch für eine Band, die zu den großen Meistern melancholischer Klangwelten im Black Metal zählt.
Ruhige, emotionale Ergänzung zur Diskografie
Mehr als nur eine Sammlung von Songs, die auf dem Vorgängeralbum keinen Platz fanden, zeigt „Thaw“ eine ruhigere und emotionalere Seite der Band, ohne den charakteristischen Klang zu verlieren. Die EP besitzt eine eigene Identität und wirkt nicht lediglich wie eine kurze Zwischenveröffentlichung.
DRUDKH beweisen erneut, wie sicher sie mit Emotionen umgehen können – und wie ehrlich diese musikalisch transportiert werden. Die Musik fließt und bündelt ein breites Spektrum an Stimmungen. „Thaw“ ergänzt die umfangreiche Diskografie der Ukrainer auf überzeugende Weise. Es ist keine überraschende Veröffentlichung, sondern eher eine konsequente Fortsetzung der emotionalen und atmosphärischen Klangwelt der Band.
Fazit: Atmosphärische und melancholische EP, die DRUDKHs ruhige Seite zeigt – weniger wuchtig, aber voller Emotion und typischer Klangdichte.






