EISREGEN – Leblos

Eisregen - Leblos album cover

Band: Eisregen
Titel: Leblos
Label: Massacre Records
VÖ: 19/06/20
Genre: Extreme Metal
Bewertung: 5/5

Auch nach 25 Jahren wissen EISREGEN noch so gut wie am ersten Tag, wie man die grausamsten Geschichten auf schönste Weise erzählen kann. „Leblos“ ist so melodisch wie brutal mit reichlich schwarzem Humor, für den die Thüringer Meister der Todespoesie bekannt sind.

Das mittlerweile 14. Studioalbum von EISREGEN beginnt sehr ruhig mit „Ruhet sanft“, das einer düsteren Ballade gleicht. Meiner Meinung nach war dieses Lied nicht die beste Wahl als Einstieg, weil es einen nicht wirklich mitreißt. Es ist der Song, mit dem ich am wenigsten warm geworden bin.

Pechschwarz“ sorgt für mehr Stimmung und Nostalgie. Man hört richtig schön den altbekannten Charakter von Eisregen heraus: M. Roths Gesang wandert zwischen Dämon und Teufel, während Melodien sich mit harten Riffs abwechseln. Den Text muss man sich sehr aufmerksam anhören, um zu verstehen, worum es in dem Song geht, aber auch ohne Verständnis ist das Lied ein richtiger Ohrwurm.

Erstschlag“ beginnt unheilverkündend und entpuppt sich schließlich als eines der schnellsten und härtesten Lieder auf „Leblos“. „1000 Jahre Nacht“ ist wieder ruhiger und sehr melodisch mit einer Geschichte, die einen von Anfang bis Ende fesselt. Der raue Gesang und die symphonischen Klänge harmonisieren einfach unglaublich gut miteinander.

Der gleichnamige Titel „Leblos“ besticht durch einen flotten Rhythmus und einer Menge schwarzen Humor. „Schlachtraum“ ist einer meiner absoluten Favoriten: in dem Lied geht es um einen Mörder, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass der Text teilweise auf wahren Begebenheiten basiert. Man bekommt Einblicke in die Taten und das Schicksal des Mörders. Was aber noch viel besser ist, ist der Plot-Twist gegen Ende! Begleitet wird das Lied durch harte Riffs und einer irrwitzigen Melodie, die sich durchs ganze Stück zieht.

Auch der Text von „Atme Asche“ ist genial und hält einige Überraschungsmomente parat. Das Lied wechselt zwischen eher ruhigen Passagen und einem schnellen Blastbeat-lastigen Refrain.

Mein Leichenwerk“ zählt zu den härteren Songs mit einem abermals krank-genialen Text, den man sich sehr genau anhören sollte. Ähnlich wie „1000 Jahre Nacht“ ist auch „Wangenrot“ ruhiger und sehr melodisch. Die Geschichte hat etwas Romantisches an sich und projiziert einem einen Film in den Kopf, der perfekt von der Musik untermalt wird.

So verstörend und genial die Lieder bis jetzt gewesen sind, „Mutter schneidet“ übertrifft in meinen Augen noch mal alles. Die bedrohliche Anfangsmelodie und die ersten vier Wörter, die M. Roth ausspuckt, genügen, um zu wissen, dass dieses Lied einem jeden Eisregen-Fan viel Freude bereiten wird. Es ist wieder ratsam, ganz genau auf den Text zu hören, damit man die Hintergründe der Gräueltaten in einem anderen Licht sieht. Die Musik passt sich der Story perfekt an: langsam und düster mit gespenstischer Klaviermelodie wird Spannung aufgebaut, die am Schluss zur Anfangsmelodie zurückfindet.

Zu guter Letzt legen Eisregen noch einen drauf mit „Drauß‘ vom Häuten komm‘ ich her“. Der Titel lässt ahnen, worum es geht. M. Roths gequältes Stöhnen zu Beginn und Ende jagen einem einen kalten Schauer den Rücken runter. Der Song ist ein Mix aus Death und Black Metal mit sehr markanten Passagen, die einem länger im Gedächtnis bleiben – ich sag‘ nur „Haut“.

Die Räudigen Rennsteigrebellen: Ein Säufer-Bonus zum Jubiläum

Anlässlich des 25-jährigen Bandjubiläums haben sich Eisregen etwas Nettes ausgedacht und einfach mal vier Säuferlieder rausgehauen. Bei „Deutsches Bierlied“ und „Grünes Herz“ denkt man sich im ersten Augenblick wirklich, dass sie einem nur mit ein paar Promille im Blut gefallen können. Wenn man sie dann ein paar Mal gehört hat, erfreut man sich auch im nüchternen Zustand darüber und bekommt Lust auf ein Bier… oder vier… oder mehr. „Zeit zu saufen“ ist mit seinen fast 5 Minuten und einem Text, der etwas mehr Aufmerksamkeit benötigt, besser geeignet zum Vorglühen oder zur Appetitanregung.

Insgesamt ein schöner Kontrast zum düsteren Hauptwerk, das die Thüringer noch sympathischer macht. Außerdem können Fans ab jetzt beim Feiern Sauflieder von Eisregen selbst hören und lallend mitsingen!

Fazit: EISREGEN sind die ungeschlagenen deutschen Meister der Todespoesie: „Leblos“ beweist, dass die Thüringer nach 25 Jahren noch immer ihr Handwerk verstehen und uns mit den grässlichsten Geschichten, den schönsten Melodien und härtesten Riffs so packen wie am ersten Tag!

Tracklist

01. Ruhet sanft
02. Pechschwarz
03. Erstschlag
04. 1000 Jahre Nacht
05. Leblos
06. Schlachtraum
07. Atme Asche
08. Mein Leichenwerk

09. Wangenrot
10. Mutter schneidet
11. Drauß‘ vom Häuten komm‘ ich her
12. Deutsches Bierlied (Bonus)
13. Grünes Herz (Bonus)
14. Wenn es draußen dunkel wird (Bonus)
15. Zeit zu saufen (Bonus)

Besetzung

M. Roth (Gesang)
Yantit (Gitarren, Drums, Programmierung)
M. Stock (Bass, Leadgitarren)
Frau N. Feind (Violine)

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EISREGEN – Leblos CD Review

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