Tracklist
01. In Too Deep
02. Parasite
03. Event Horizon
04. Screaming at the Stars
05. When Fate Forgot Me
06. Center of the Universe
07. Ascension
08. Voidbound
09. The Gentleman
10. The Judge
11. The Weight of the Ocean
Besetzung
Hideo Schwartz – Gesang
Zach Buddie – Gitarre
James Tedesco – Gitarre
Ronald Salazar – Bass
Tim Smith – Schlagzeug
Progressiver Metalcore aus dem Hudson Valley, der keine Angst vor großen Melodien, tief gestimmten Gitarren und einem Überangebot an Breakdowns besitzt: Mit »In Too Deep« veröffentlichen Weeping Angel ihr erstes vollständiges Album. Das amerikanische Quintett verbindet die Härte von Currents, Fit For A King und Wage War mit Djent-Rhythmik, Deathcore-Ausbrüchen, melancholischem Klargesang und vereinzelten symphonischen Elementen. Dabei entstehen einige ausgesprochen starke Momente. Gleichzeitig zeigt sich eine junge Band, die gelegentlich zu viele Ideen innerhalb weniger Minuten unterbringen möchte.
Die Geschichte von Weeping Angel begann 2022 als Soloprojekt des Gitarristen Zach Buddie. Unter dem früheren Namen Circles of the Burial entstanden die ersten musikalischen Entwürfe, bevor das Projekt schrittweise zu einer vollständigen Band ausgebaut wurde. Bereits im Dezember 2022 erschien eine frühe Fassung des Titelsongs, im Februar 2023 folgte »Demo Reel 1«.
Mit Sänger Hideo Schwartz, Schlagzeuger Tim Smith und weiteren Musikern entwickelte sich daraus eine feste Besetzung. Im März 2025 erschien die selbstbetitelte EP mit vier Stücken, die nun ebenfalls auf dem Debütalbum vertreten sind: »In Too Deep«, »Event Horizon«, »Screaming at the Stars« und »The Weight of the Ocean«.
Anschließend wurden »The Judge«, »Ascension« und »Parasite« als weitere Singles veröffentlicht. Das Debüt ist folglich nicht in einem einzigen kurzen Aufnahmeprozess entstanden. Es dokumentiert mehrere Entwicklungsschritte und führt älteres Material mit neuen Kompositionen zusammen. Dennoch klingt die Platte durch Randy Pasquarellas moderne und ausgesprochen kompakte Produktion weitgehend geschlossen.
Pasquarella, selbst Mitglied der Metalcore-Band If I Were You, kennt die Anforderungen dieses Klangbildes. Gitarren und Schlagzeug besitzen einen enormen Druck, elektronische Ebenen erweitern die Atmosphäre und der Gesang steht deutlich im Vordergrund. Diese Konsequenz sorgt für Wucht, kostet dem Album allerdings gelegentlich Dynamik und verdrängt Ronald Salazars Bass in mehreren Stücken zu weit in den Hintergrund.
IN TOO DEEP: ZU TIEF IM KREISLAUF DER GEWALT
Der Titelsong eröffnet das Album mit tief gestimmten Gitarren, verschobenen rhythmischen Akzenten und einer unmittelbar bedrohlichen Atmosphäre. Zach Buddie und James Tedesco verbinden mechanisch gespielte Djent-Figuren mit flächigen Melodien, während Tim Smith die Wechsel zwischen kontrollierter Spannung und brachialer Entladung präzise zusammenhält.
Hideo Schwartz präsentiert früh die gesamte Bandbreite seines Gesangs. Seine rauen Shouts besitzen ausreichend Aggression, die tieferen Growls setzen einzelne Akzente und der Klargesang öffnet den Refrain melodisch. Gerade diese klar gesungenen Passagen gehören zu den Stärken der Band. Schwartz klingt verletzlich, ohne die Härte der umgebenden Musik aufzugeben.
Inhaltlich betrachtet der Song eine Welt, in der Gewalt längst jede Grenze überschritten hat. Krieg, Massaker und religiöse Verzweiflung bilden den Hintergrund einer Erzählung, in der es keine klassischen Helden mehr gibt. Die Frage nach einem Gott, der seine eigene Schöpfung verlassen haben könnte, bleibt unbeantwortet. Aus dem Überlebenden entsteht stattdessen ein Wesen, das selbst von Rache und Zerstörung geprägt wird.
Der Titel beschreibt damit nicht allein eine ausweglose äußere Situation. Er verweist ebenso auf den Punkt, an dem sich ein Mensch bereits so tief in Hass und Vergeltung verstrickt hat, dass eine Umkehr kaum noch möglich erscheint. Diese Verbindung aus persönlichem und gesellschaftlichem Kontrollverlust macht »In Too Deep« zu einem wirkungsvollen Einstieg.
Der abschließende Breakdown ist erwartbar, erfüllt jedoch seinen Zweck. Das zentrale Motiv wird zunehmend reduziert, bis nur noch Rhythmus, Stimme und massive Akkorde übrig bleiben. Revolutionär ist dieser Aufbau nicht. Die entschlossene Umsetzung und der starke Refrain gleichen die Vertrautheit des Schemas weitgehend aus.
PARASITE: ZWEI MINUTEN KONTROLLIERTE VERACHTUNG
»Parasite« benötigt lediglich 137 Sekunden, um seine Botschaft zu vermitteln. Der Song richtet sich gegen einen Menschen, dessen Lügen, Selbstsucht und zerstörerisches Verhalten eine Beziehung endgültig vergiftet haben. Statt die Trennung melancholisch zu verarbeiten, entscheidet sich die Band für eine direkte Abrechnung.
Musikalisch rückt der Hardcore-Anteil stärker in den Vordergrund. Kurze Riffs, abgehackte Rhythmen und ein ruheloser Aufbau lassen kaum Raum zum Durchatmen. Schwartz verzichtet weitgehend auf die melodische Offenheit des Titelsongs und trägt die Worte mit einer Mischung aus Shouts, Growls und wütender Anklage vor.
Elektronische Geräusche und schrille Gitarreneffekte durchbrechen das Arrangement. Einige dieser Elemente erhöhen die nervöse Wirkung, andere erscheinen eher wie zusätzliche Verzierungen, die der Song aufgrund seiner Kürze kaum benötigt. Auch der Bass bleibt unter den stark komprimierten Gitarren und dem dominanten Schlagzeug schwer auszumachen.
Die kompakte Spielzeit verhindert dennoch, dass sich »Parasite« in Wiederholungen verliert. Der Song ist kein vielschichtiges Herzstück, sondern ein kurzer Ausbruch. Gerade innerhalb eines Albums, das später komplexere und längere Kompositionen bietet, funktioniert diese Konzentration ausgezeichnet.
EVENT HORIZON: EMOTIONALE SCHWERKRAFT UND DJENT-RHYTHMIK
Mit »Event Horizon« wird die Musik wieder melodischer. Der Ereignishorizont dient als Bild für eine Beziehung, aus deren Anziehungskraft sich das lyrische Subjekt nicht befreien kann. Sämtliche Versuche, den anderen Menschen zu erreichen, verschwinden in emotionaler Gleichgültigkeit. Nähe und Leere bestehen nebeneinander.
Die Gitarren übersetzen diesen Zustand in wechselnde Bewegungen. Schwere, präzise gesetzte Akkorde werden von helleren Flächen und melodischen Linien unterbrochen. Der Refrain öffnet das Klangbild, bevor die Strophen erneut in die tief gestimmte rhythmische Enge zurückfallen.
Hideo Schwartz überzeugt besonders in den Übergängen zwischen Klargesang und harscher Stimme. Beide Ausdrucksformen wirken nicht wie voneinander getrennte Rollen. Sie zeigen unterschiedliche Zustände derselben Person: Hoffnung, Frustration, Trauer und schließlich Resignation.
Der Song besitzt einen nachvollziehbaren Aufbau, doch die Band kann der Versuchung eines weiteren Breakdowns nicht widerstehen. An dieser Stelle wird erstmals deutlich, dass Weeping Angel ein bewährtes Mittel etwas zu häufig einsetzen. Die einzelnen Zusammenbrüche sind druckvoll produziert, verlieren innerhalb des Albums aber an Wirkung, weil sie wiederholt an ähnlichen Positionen erscheinen.
SCREAMING AT THE STARS: TRAUER ZWISCHEN LICHT UND ABGRUND
»Screaming at the Stars« gehört zu den emotional zugänglichsten Stücken der Platte. Der Song handelt vom Verlust eines nahestehenden Menschen und der Schwierigkeit, dessen Abwesenheit zu akzeptieren. Die Sterne werden zum unerreichbaren Adressaten einer Trauer, die keine Antwort erhalten kann.
Die Gitarren verzichten zunächst auf reine Konfrontation und entwickeln eine hellere, beinahe hoffnungsvolle Melodie. Das Schlagzeug hält sich in den ruhigeren Momenten zurück, während der Refrain von Schwartz’ Klargesang getragen wird. Seine Stimme besitzt keine klinische Perfektion, vermittelt die Unsicherheit und Verletzlichkeit des Textes dafür umso glaubwürdiger.
Weeping Angel vermeiden eine einfache Auflösung. Der Gedanke, dass das Leben weitergeht, steht neben der Erkenntnis, dass die entstandene Leere bestehen bleibt. Musikalisch zeigt sich dasselbe Verhältnis: Aufwärtstrebende Melodien werden immer wieder von schweren Gitarren unterbrochen.
Gerade weil der Song weniger aggressiv beginnt, treffen die späteren Ausbrüche stärker. Die Band beweist hier, dass sie keinen dauerhaften Höchstpegel benötigt, um Intensität zu erzeugen. »Screaming at the Stars« zählt deshalb zu den gelungensten Verbindungen aus melodischem Metalcore und persönlicher Emotionalität auf dem Album.
WHEN FATE FORGOT ME: KLAVIER, VERZWEIFLUNG UND EIN SCHWIERIGER ÜBERGANG
Ein zurückhaltendes Klavier eröffnet »When Fate Forgot Me«. Der Song betrachtet Einsamkeit, Heimatlosigkeit und das Gefühl, vom eigenen Schicksal vergessen worden zu sein. Familie, Freunde und jede erkennbare Perspektive sind verschwunden. Übrig bleibt die Hoffnung, dass irgendein Fremder eine Hand ausstrecken könnte.
Hideo Schwartz legt über das Klavier zunächst eine raue Stimme. Dieser Kontrast besitzt eine nachvollziehbare Absicht, klingt in der konkreten Umsetzung jedoch etwas unbeholfen. Die tiefen Growls und die empfindsame Klavierbegleitung scheinen anfangs gegeneinander zu arbeiten, bevor Gitarren und Schlagzeug einsetzen und den Zusammenhang herstellen.
Anschließend entwickelt sich einer der symphonischsten Titel des Albums. Klassisch gefärbte Akkordfolgen, flächige Hintergründe und eine größere melodische Dramaturgie unterscheiden das Stück von den stärker rhythmisch ausgerichteten Vorgängern. Der Refrain fasst die Verzweiflung in einer zugänglichen Melodie zusammen, ohne den Song in eine gewöhnliche Metalcore-Ballade zu verwandeln.
Nicht jeder Übergang gelingt vollkommen. Weeping Angel wechseln innerhalb von gut drei Minuten zwischen Klavier, Growls, symphonischer Atmosphäre, Melodie und schwerem Breakdown. Diese Fülle zeigt den Ehrgeiz der Musiker, nimmt den einzelnen Gedanken jedoch teilweise die notwendige Zeit zur Entfaltung.
Das instrumentale »Center of the Universe« bildet danach eine kurze Atempause. Atmosphärische Klänge und ein ruhigerer Aufbau trennen die persönlich geprägte erste Hälfte von den düsteren Macht- und Erlösungsfantasien der folgenden Stücke. Mit knapp eineinhalb Minuten bleibt das Intermezzo kompakt und erfüllt seine dramaturgische Funktion.
ASCENSION: AUFSTIEG ÜBER EINEN BERG AUS LEICHEN
»Ascension« kehrt mit deutlich größerer Schwere zurück. Das Tempo wird reduziert, die Gitarren erhalten zusätzlichen Raum und das Schlagzeug arbeitet mit massiven Akzenten. Im Hintergrund liegende Flächen verleihen der Komposition einen beinahe cineastischen Charakter.
Der Text wird aus der Perspektive einer Figur erzählt, die ihre eigene Erhebung über das Leben anderer stellt. Aufstieg bedeutet hier keine spirituelle Befreiung, sondern Machtgewinn durch Opfer, Zerstörung und die Ablehnung jeder Reue. Der selbst ernannte Herrscher betrachtet die Toten als notwendige Grundlage seiner Verwandlung.
Schwartz wechselt zwischen herrischen Shouts, tieferen Growls und einem melodischen Refrain. Diese Kombination passt hervorragend zur Figur. Die harschen Stimmen vermitteln deren Größenwahn, während die klare Melodie den Aufstieg beinahe triumphal erscheinen lässt. Dadurch entsteht ein interessanter Widerspruch zwischen anziehender musikalischer Erhabenheit und moralischer Verkommenheit.
Die Gitarrenarbeit gehört zu den stärksten des Albums. Buddie und Tedesco beschränken sich nicht auf rhythmische Schläge, sondern ergänzen das schwere Fundament durch kleine harmonische Bewegungen. Der Song erreicht seine Wirkung langsam und nutzt seine beinahe fünf Minuten sinnvoller als einige der kompakteren, aber überladeneren Kompositionen.
Der Breakdown ist erneut deutlich vorhersehbar. Seine enorme Wucht und der vorangegangene Spannungsaufbau sorgen dennoch dafür, dass er nicht wie eine bloße Pflichterfüllung erscheint. »Ascension« ist einer der Höhepunkte von »In Too Deep«.
VOIDBOUND: WENN BESITZANSPRUCH ALS LIEBE VERKLEIDET WIRD
»Voidbound« führt die düstere Erzählweise weiter. Im Mittelpunkt steht eine Person, die Gewalt, Kontrolle und Besitzanspruch als angebliche Liebe rechtfertigt. Der Text lässt keine romantische Zweideutigkeit zu. Die dargestellte Beziehung ist von Besessenheit geprägt und entwickelt sich zu einer unmittelbaren Bedrohung.
Musikalisch kombiniert der Song melodische Gesangslinien mit einer besonders schweren Rhythmusarbeit. Die Gitarren bewegen sich zwischen schleppenden Akkorden und schnelleren, abgehackten Figuren. Der Refrain wirkt zunächst eingängig, erhält durch den Inhalt jedoch einen verstörenden Unterton.
Schwartz gestaltet diese Perspektive überzeugend. Seine Stimme kippt wiederholt von scheinbarer Verletzlichkeit in offene Aggression. Dadurch wird hörbar, wie schnell die Selbstrechtfertigung der Figur in Gewalt umschlägt. Der Gesang kommentiert die Handlung nicht aus sicherer Entfernung, sondern übernimmt die Rolle des unzuverlässigen Erzählers.
Das Arrangement wirkt geschlossener als bei »When Fate Forgot Me«. Die verschiedenen Gesangstechniken, elektronischen Hintergründe und harten Rhythmuswechsel folgen einer klaren Entwicklung. Weeping Angel lassen die Bedrohung schrittweise anwachsen, bis sämtliche melodische Wärme unter der Schwere der Gitarren zusammenbricht.
THE GENTLEMAN: VERGESSEN IM NEBEL
Mit »The Gentleman« richtet sich der Blick auf eine geisterhafte Figur, die nach einer verlorenen Schlacht durch einen endlosen Nebel wandert. Der Körper ist nur noch eine leere Hülle, während die Erinnerung an gefallene Gefährten bestehen bleibt. Der Erzähler lebt weiter, obwohl er sich längst nach einem endgültigen Ende sehnt.
Das Stück verbindet Dark-Fantasy-Bilder mit nachvollziehbaren Gefühlen von Überlebensschuld, Isolation und innerer Gefangenschaft. Die Erzählung lässt sich deshalb unabhängig von ihrem fantastischen Rahmen verstehen. Der vermeintliche Gentleman ist kein souveräner Held, sondern ein gebrochener Zeuge, der die Geschichten der Toten bewahren muss.
Hideo Schwartz verlangt seiner Stimme hier besonders viel ab. Hardcore-nahe Shouts gehen in Klargesang über, anschließend folgen tiefere Growls und kurze Deathcore-Ausbrüche. Einzelne Wechsel wirken eindrucksvoll, in ihrer schnellen Abfolge jedoch gelegentlich hektisch. Der Song möchte innerhalb weniger Takte mehrfach seine emotionale Farbe verändern.
Auch die Instrumente folgen dieser Unruhe. Gitarren und Schlagzeug wechseln zwischen melodischen Passagen, harten Unterbrechungen und rhythmischen Verschiebungen. Das hält die Komposition in Bewegung, erschwert aber den Aufbau eines klaren Höhepunktes. Weniger unterschiedliche Gesangstechniken hätten der eigentlichen Geschichte möglicherweise mehr Raum gegeben.
Dennoch besitzt »The Gentleman« eine starke Atmosphäre. Die Mischung aus Trauer, Nebel, körperlichem Verfall und nicht endender Erinnerung passt hervorragend zum Bandnamen. Weeping Angel klingen hier tatsächlich wie eine steinerne Figur, die zum Leben erwacht ist und ihr eigenes Grab nicht mehr finden kann.
THE JUDGE: DARK SOULS IM METALCORE-GEWAND
Der mit 5:19 Minuten längste Titel greift unverkennbar Motive aus Dark Souls auf. Eine sterbende Welt, der Kreislauf aus Tod und Wiederkehr, das Verknüpfen der Flamme und abwesende Götter bilden den erzählerischen Hintergrund von »The Judge«. Der Protagonist kämpft sich durch eine Welt aus Asche, um die bestehende Ordnung zu beenden oder selbst ein neues Zeitalter einzuleiten.
Diese Vorlage passt ausgezeichnet zum Klang von Weeping Angel. Das Hauptmotiv ist schwer, unerbittlich und zyklisch. Gitarrenfiguren kehren in veränderter Form wieder, während das Schlagzeug den Eindruck eines ständig neu begonnenen Kampfes erzeugt. Kurze melodische Öffnungen wirken wie vorübergehende Hoffnung, bevor die Musik erneut in ihre dunkle Grundbewegung zurückfällt.
Schwartz findet eine überzeugende Balance zwischen harschem und klarem Gesang. Die aggressiven Passagen vermitteln den Kampfeswillen der Figur, während der Refrain deren Erschöpfung und Wunsch nach Erlösung erkennen lässt. Der Richter ist gleichzeitig Henker, Befreier und Gefangener des Kreislaufs.
Das längere Format kommt der Band zugute. Ideen müssen nicht im Abstand weniger Sekunden gewechselt werden, sondern können sich entwickeln. Selbst der erwartbare Breakdown erhält durch den dramaturgischen Zusammenhang eine klare Aufgabe. Er markiert keine beliebige Unterbrechung, sondern den endgültigen Zusammenstoß zweier gegensätzlicher Willen.
»The Judge« gehört gemeinsam mit »Ascension« und »Screaming at the Stars« zu den stärksten Kompositionen des Albums. Der Song zeigt, wie überzeugend Weeping Angel klingen können, wenn Atmosphäre, Erzählung und technische Härte dieselbe Richtung verfolgen.
THE WEIGHT OF THE OCEAN: EIN KURZER BLICK AUF DAS OFFENE MEER
Das abschließende »The Weight of the Ocean« reduziert die Musik auf zwei Minuten. Der nahezu instrumentale Ausklang stellt dem vorausgegangenen Kampf eine schlichte Sehnsucht nach Leben, Freiheit und dem offenen Meer gegenüber. Nach den dichten Arrangements der vorherigen Titel wirkt diese Zurückhaltung beinahe befreiend.
Ronald Salazars Bass tritt deutlicher hervor und erinnert daran, wie viel Tiefe dieses Instrument dem gesamten Album hätte geben können. Gitarren und Schlagzeug verzichten auf unnötige Eskalationen. Das kurze Gesangsmotiv bleibt bewusst fragmentarisch und lässt die Platte ohne abschließende Erklärung enden.
Als eigenständiger Song ist »The Weight of the Ocean« kaum vollständig ausgearbeitet. Innerhalb der Dramaturgie funktioniert er jedoch als Epilog. Nach Gewalt, Verlust, Besessenheit und ewigen Kreisläufen bleibt ein einfacher Wunsch bestehen: weiterzuleben und einen anderen Ort zu erreichen.
VIELE IDEEN, STARKE STIMME UND ZU VIELE BREAKDOWNS
»In Too Deep« besitzt einen modernen und ausgesprochen druckvollen Klang. Randy Pasquarella stellt Gitarren, Schlagzeug und Gesang klar in den Mittelpunkt. Die tief gestimmten Riffs bleiben selbst in dichten Passagen nachvollziehbar, während elektronische und symphonische Elemente den atmosphärischen Raum erweitern.
Der Preis dieser Härte ist eine stark verdichtete Dynamik. Viele Stücke bewegen sich dauerhaft auf einem hohen Lautstärke- und Kompressionsniveau. Der Bass wird häufig von Gitarren und Kickdrum überlagert, obwohl gerade »The Weight of the Ocean« zeigt, wie wirkungsvoll Salazars Spiel sein kann.
Hideo Schwartz ist das auffälligste Mitglied der Band. Seine Klargesänge besitzen Melodie und glaubwürdige Emotionalität, während Shouts und Growls ausreichend Gewicht entwickeln. Nicht jeder schnelle Wechsel zwischen diesen Techniken funktioniert. Besonders bei »When Fate Forgot Me« und »The Gentleman« entsteht zeitweise der Eindruck, dass sämtliche vorhandenen Möglichkeiten innerhalb eines einzigen Songs demonstriert werden sollen.
Ähnliches gilt für die Arrangements. Der progressive Anspruch zeigt sich in Taktverschiebungen, ungewöhnlichen Übergängen und einer breiten stilistischen Auswahl. Weeping Angel überschreiten damit jedoch nicht grundsätzlich die bekannten Grenzen des modernen Metalcore. Viele Songs folgen weiterhin dem Wechsel aus aggressiver Strophe, melodischem Refrain und abschließendem Breakdown.
Diese Vertrautheit wäre weniger auffällig, wenn die Band das Stilmittel sparsamer einsetzen würde. Auf »In Too Deep« kündigen sich einige Zusammenbrüche bereits deutlich an. Die stärksten Stücke sind folgerichtig jene, bei denen der Breakdown aus einer erzählerischen oder musikalischen Entwicklung entsteht und nicht lediglich als obligatorischer Höhepunkt eingefügt wird.
Trotz dieser Schwächen besitzt das Album eine erkennbare Identität. Die dunklen Fantasy- und Science-Fiction-Bilder, persönliche Texte über Verlust und Isolation sowie Schwartz’ vielseitiger Gesang heben Weeping Angel von vollständig austauschbaren Genreproduktionen ab. Buddie, Tedesco, Salazar und Smith erweisen sich zudem als technisch versierte Musiker, die auch komplexere rhythmische Konstruktionen sicher beherrschen.
FAZIT:
Mit »In Too Deep« legen Weeping Angel ein ambitioniertes Debüt zwischen progressivem Metalcore, Djent, Hardcore und cineastischer Melodik vor. Starke Höhepunkte, vielseitiger Gesang und eine druckvolle Produktion treffen auf überladene Übergänge, einen zu leisen Bass und eine deutliche Abhängigkeit vom Breakdown. Das vorhandene Potenzial ist unüberhörbar, benötigt künftig jedoch etwas stärkere Konzentration. Dreieinhalb von fünf Punkten.






