Tracklist
01. You Will Know Them by the Reek of Defeat
02. Transcendent Rebellion
03. An Uncarved Block
04. The Release and Descent
05. Armed With Countless Daimons Seeking Abode
06. Rebirth in the Name of Reprisal
07. Unswerving Strife, Unyielding Will
08. A Furnace for the Stars
09. There Comes the Light
Besetzung
Andreas Lind – Gesang
Joel Geffen – Gitarren und Bass
Gastmusiker:
David Ekevärn – Schlagzeug
Apocryphos – Atmosphären und Ambient-Klänge
Sieben Jahre sind seit dem Debütalbum »Charnel Heart« vergangen. Eine lange Zeit, in der Flykt ihren orthodoxen Black Metal nicht grundsätzlich neu erfunden, aber deutlich erweitert haben. »Sinister Strain« bleibt fest in der schwedischen Tradition verwurzelt: rasende Blastbeats, schneidende Tremolo-Gitarren, giftiger Gesang und eine kompromisslos finstere Atmosphäre bilden das Fundament. Zwischen den erwartbaren Angriffen öffnen sich jedoch dissonante Passagen, schwere Midtempo-Blöcke und ausgedehnte Ambient-Flächen. Inhaltlich versteht die Band das Album als Werk über Rückzug und Wiedergeburt, über das Abstreifen der bisherigen Haut und das freiwillige Opfer als Weg zu einer neuen Form. Das klingt pathetisch, passt aber ausgezeichnet zu einer Platte, die sich wie ein kontrollierter Zerfall mit anschließender Neuordnung anfühlt.
DIE FLUCHT BEGINNT MIT DEM GERUCH DER NIEDERLAGE
»You Will Know Them by the Reek of Defeat« eröffnet das Album mit einem zweiminütigen Aufbau aus verzerrten Klängen, Stimmen und wachsender Unruhe. Der Einstieg lässt bereits erkennen, dass Atmosphäre auf »Sinister Strain« eine größere Rolle spielt als auf dem Debüt.
Der eigentliche Angriff beginnt mit »Transcendent Rebellion«. David Ekevärn treibt die Nummer mit schnellen Blastbeats voran, während Joel Geffen scharfkantige Tremolo-Riffs und bösartig flirrende Leads darüberlegt. Zwischen der melodischen Finsternis von Watain und der präzisen Zerstörungswut von Marduk finden Flykt einen überzeugenden Einstieg.
Andreas Lind setzt auf heisere Schreie und giftige Rasps, die nicht vollständig über der Musik stehen, sondern wie eine zusätzliche raue Schicht in das Arrangement eingebettet sind. Gerade in den dichtesten Passagen wirkt die Stimme weniger wie ein Erzähler als wie ein weiteres Instrument.
»An Uncarved Block« fällt geradliniger aus. Der Song beschäftigt sich mit Tod und Wiedergeburt sowie dem freiwilligen Abstreifen der eigenen bisherigen Form. Musikalisch wird diese Idee mit wiederkehrenden Tremolofiguren und kurzen Tempowechseln umgesetzt.
Die Komposition ist zugänglicher als einige der späteren Stücke, ohne ihre Aggression zu verlieren. Kalte Melodien treffen auf einen stabilen Rhythmus und einen Aufbau, der nicht permanent neue Bestandteile einführen muss. Gerade diese Konzentration macht den Song zu einem der stärksten Titel.
ABSTIEG, DÄMONEN UND WIEDERGEBURT
»The Release and Descent« reduziert das Tempo und zeigt die schwerere Seite des Albums. Die Gitarren arbeiten mit langsamer gesetzten Akkorden, während das Schlagzeug den zuvor dominierenden Sturm vorübergehend zurücknimmt.
Der Song trägt das zentrale Thema von Tod und Wiedergeburt weiter, klingt dabei aber weniger triumphal als bedrückend. Die Melodien entfalten sich langsam und erzeugen eine Atmosphäre, die stellenweise an die dissonanteren Bereiche der französischen Black-Metal-Schule erinnert.
Mit »Armed With Countless Daimons Seeking Abode« folgt die vollständigste Verbindung aller Elemente. Rasende schwedische Aggression, dissonante Gitarren, Midtempo-Schwere und atmosphärische Ausläufer greifen ineinander.
Die beinahe acht Minuten werden nicht ausschließlich mit Geschwindigkeit gefüllt. Flykt lassen einzelne Motive wachsen, brechen sie wieder ab und führen anschließend in eine andere rhythmische Richtung. Das Stück verlangt Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit einem der abwechslungsreichsten Arrangements des Albums.
»Rebirth in the Name of Reprisal« kehrt danach zur kompakten Form zurück. Die Nummer stürmt direkter nach vorn und wirkt zwischen den längeren Kompositionen wie ein kurzer, kontrollierter Gewaltausbruch.
Die Band beherrscht diese geradlinigen Angriffe ebenso überzeugend wie ihre atmosphärischen Entwicklungen. Gerade deshalb ist es schade, dass einige spätere Abschnitte deutlich länger ausfallen, als ihre grundlegenden Motive tragen können.
UNBEUGSAMER WILLE UND EIN OFEN FÜR DIE STERNE
»Unswerving Strife, Unyielding Will« erinnert am deutlichsten an klassischen schwedischen Black Metal. Flirrende Gitarren, schnelle Drums und eine bösartige Melodik führen zurück zu den Wurzeln von Flykt.
Trotz seiner siebeneinhalb Minuten wirkt der Song weitgehend geschlossen. Wiederkehrende Riffs geben dem Stück einen klaren Kern, während Tempowechsel und langsamere Passagen für ausreichend Bewegung sorgen.
Die Produktion lässt auch bei hoher Geschwindigkeit genügend Raum zwischen den Instrumenten. Das Schlagzeug besitzt erhebliche Durchschlagskraft, verdeckt aber nicht die feinen Bewegungen der Gitarren.
»A Furnace for the Stars« ist ein kurzes atmosphärisches Zwischenstück. Dunkle Flächen und Geräusche lösen den unmittelbaren Angriff auf und bereiten das Finale vor.
Der Übergang ist sinnvoll, auch wenn der instrumentale Abschnitt für sich genommen wenig Eigenständiges bietet. Seine wichtigste Funktion besteht darin, vor dem abschließenden Longtrack einen Moment der Leere zu erzeugen.
DANN KOMMT DAS LICHT – ALLERDINGS SEHR LANGSAM
Mit mehr als 14 Minuten ist »There Comes the Light« das mit Abstand längste Stück. Repetitive Riffs, schwere Rhythmen und eine bedrückende Atmosphäre führen das Album in deutlich langsamere Regionen.
Die ersten Abschnitte funktionieren hervorragend. Flykt bauen Spannung nicht durch permanente Geschwindigkeit, sondern durch Wiederholung und allmähliche Verdichtung auf. Der Song erinnert stellenweise an die pessimistische Ausdauer von Mgła, ohne deren Stil vollständig zu übernehmen.
Im weiteren Verlauf verliert sich das Finale jedoch zunehmend in Ambient-Flächen. Apocryphos gestaltet diese Klanglandschaft sorgfältig, doch die letzten Minuten ziehen sich und werden vermutlich nicht bei jedem Durchlauf vollständig gehört.
Hier zeigt sich die größte Schwäche des Albums. Einige Motive werden länger wiederholt, als es für ihre Wirkung notwendig wäre. Eine gekürzte Fassung hätte den abschließenden Wandel von Dunkelheit zu Licht wahrscheinlich deutlicher hervorgehoben.
Trotzdem besitzt der Longtrack eine wichtige dramaturgische Funktion. Das Album endet nicht mit einem weiteren Blastbeat-Angriff, sondern löst seine vorherige Wut langsam in Leere und Atmosphäre auf.
SCHWEDISCHE TRADITION MIT DISSONANTEN ÄSTEN
Die wichtigsten Bezugspunkte sind deutlich erkennbar. Watain liefern die finstere Melodik, Marduk die Geschwindigkeit und Präzision, während Deathspell Omega, Abigor und Mgła in den dissonanten oder ausgedehnteren Passagen durchscheinen.
Vollständig neu ist diese Verbindung nicht. Flykt verwenden eine musikalische Sprache, deren zentrale Bestandteile im Black Metal seit Jahren etabliert sind.
Im Vergleich zum Debüt wirkt die Mischung dennoch eigenständiger. Tempowechsel und Midtempo-Blöcke sind nicht lediglich kurze Unterbrechungen, sondern prägen den Aufbau ganzer Songs. Die atmosphärischen Bestandteile wurden ebenfalls stärker in die Kompositionen integriert.
Am überzeugendsten ist das Album, wenn Aggression, Dissonanz und Atmosphäre gleichzeitig einem klaren Song dienen. »An Uncarved Block«, »The Release and Descent« und »Armed With Countless Daimons Seeking Abode« erreichen dieses Gleichgewicht besonders gut.
Weniger stark sind jene Momente, in denen Wiederholung zum Selbstzweck wird. Bei einer Spielzeit von rund 55 Minuten hätte eine strengere Kürzung dem Gesamtwerk zusätzliche Schlagkraft verliehen.
KLARER KLANG OHNE VERLUST DER BOSHEIT
Karl Daniel Lidén, bekannt durch seine Arbeit mit Craft, Bloodbath, Demonical und Katatonia, sorgt für einen klaren und druckvollen Mix.
Die Gitarren bilden eine dichte Wand, ohne ihre schneidenden Details zu verlieren. Besonders die hohen Tremololinien bleiben auch über den schnellen Drums hörbar.
Ekevärns Schlagzeug klingt massiv und kontrolliert. Blastbeats besitzen Geschwindigkeit und Präzision, während die langsameren Passagen ausreichend Gewicht erhalten. Der Mix wirkt modern, aber nicht steril.
Linds Gesang sitzt etwas tiefer im Gesamtbild als bei vielen anderen Black-Metal-Produktionen. Diese Entscheidung unterstützt die Atmosphäre, nimmt einzelnen Textzeilen jedoch etwas von ihrer unmittelbaren Wirkung.
Insgesamt passt die Produktion hervorragend zum Material. »Sinister Strain« klingt groß genug, um die ausgedehnten Arrangements zu tragen, behält aber jene aggressive Schärfe, die orthodoxer Black Metal benötigt.
FAZIT:
»Sinister Strain« ist eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber dem Debüt. Flykt verbinden schwedische Black-Metal-Aggression mit dissonanten Gitarren, schweren Tempowechseln und atmosphärischen Flächen. Besonders »An Uncarved Block«, »The Release and Descent« und »Armed With Countless Daimons Seeking Abode« zeigen die gewachsene Eigenständigkeit des Duos. Die druckvolle Produktion und das rasende Schlagzeugspiel verleihen dem Album erhebliche Durchschlagskraft. Abzüge gibt es für einige ausgedehnte Wiederholungen und das überlange Ambient-Ende von »There Comes the Light«. Wer Watain, Marduk, Mgła oder die dissonantere französische Schule schätzt, erhält dennoch ein intensives und ausgesprochen finsteres zweites Album.






