Gravery - Purified In Blood - cover Artwork

Band: Gravery 🇮🇹
Titel: Purified In Blood
Label: Upstate Records / Blood Blast Distribution
Herkunft: Mailand, Italien
VÖ: 15.05.2026
Genre: Downtempo Deathcore / Beatdown / Deathcore
Format: EP / Digital

Tracklist

01. Icon of Sin
02. Purified In Blood
03. Fragments of Life
04. An Ode To Death

Besetzung

Luca “Pigo” De Simone – Vocals
Luca Cocconi – Guitars
Francesco Marenghi – Bass

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Schmeißen sie euch die Prügel raus! Anders kann man den Einstieg in »Purified In Blood« von Gravery kaum passend beschreiben. Die italienische Downtempo-Deathcore-Formation aus Mailand kommt nicht mit Samthandschuhen, nicht mit vorsichtigem Herantasten und schon gar nicht mit freundlicher Begrüßungsmusik um die Ecke. Hier werden die Verstärker angeschoben, die Boxen bekommen direkt Druck auf die Membran, und nach wenigen Sekunden ist klar: Diese EP will keine langen Erklärungen liefern, sondern einschlagen.

Nach ihrer ersten EP »Everything That Is Born Must Die« und mehreren Singles zeigen Gravery auf »Purified In Blood«, dass sie ihren Sound weiter verdichtet haben. Vier Songs, knapp über zwölf Minuten Spielzeit, keine unnötige Luft im System. Das Material bewegt sich zwischen Downtempo Deathcore, Beatdown-Schwere und grob gehauenen Death-Metal-Anteilen. Wer also nach filigranem Schöngeist sucht, ist hier falsch abgebogen. Wer aber gerne tief gestimmte Gitarren, bösartige Breakdowns und eine Atmosphäre zwischen Aggression, innerem Verfall und düsterer Katharsis sucht, bekommt ordentlich Futter.

Gravery - Purified In Blood - YouTube Playlist

Wenn die Sünde direkt die Tür eintritt

Mit »Icon of Sin« starten Gravery ohne Umwege. Der Song wirkt wie eine Ansage aus Beton: schwere Gitarren, ein tief pumpender Bass und ein Gesang, der nicht bittet, sondern befiehlt. Luca “Pigo” De Simone klingt dabei wie jemand, der seine Stimmbänder nicht schont, sondern als Werkzeug benutzt, um Druck aufzubauen. Die Growls und Shouts sind massiv, roh und direkt, ohne dass sie im Mix untergehen.

Inhaltlich lässt sich »Icon of Sin« als Blick auf Schuld, Verfall und eine beinahe kultische Selbstzerstörung lesen. Der Titel deutet auf eine Figur hin, die nicht nur sündigt, sondern selbst zum Symbol der Sünde geworden ist. Das passt zur musikalischen Gestaltung: Der Song wirkt nicht wie eine Erzählung über moralischen Konflikt, sondern wie dessen körperliche Entladung. Besonders die Breakdowns sitzen dabei wuchtig und geben dem Stück diese unbarmherzige Wirkung, die moderner Deathcore braucht.

Blutritual mit schwerem Fundament

Der Titeltrack »Purified In Blood« geht noch stärker in eine rituelle Richtung. Schon der Titel arbeitet mit einem paradoxen Bild: Reinigung durch Blut. Das klingt nicht nach Erlösung im hellen Sinne, sondern nach einer gewaltsamen Form von Läuterung. Hier wird nichts sauber gewaschen, hier wird etwas durch Schmerz, Opfer und Gewalt transformiert.

Musikalisch setzen Gravery auf eine niederwalzende Struktur. Aufgebaut auf ein standfestes Fundament aus Bass und Gitarren schiebt der Song langsam, aber mit massiver Wirkung nach vorne. Luca Cocconi legt die Gitarren nicht einfach als Lärmteppich aus, sondern setzt die Riffs gezielt wie Schläge. Francesco Marenghi sorgt am Bass für zusätzliche Tiefe und lässt den Sound richtig aus dem Bauch heraus arbeiten.

Genau hier zeigt sich, warum diese EP funktioniert. Gravery sind nicht angetreten, um besonders viele Farben zu malen. Sie setzen auf wenige, aber sehr wirkungsvolle Mittel: Druck, Wiederholung, Breaks und eine finstere Grundstimmung. Der Titeltrack ist dabei das Zentrum der EP, weil er musikalische Gewalt und thematische Dunkelheit am klarsten zusammenbringt.

Reste eines Lebens zwischen Druck und Leere

»Fragments of Life« bringt im Vergleich eine etwas andere Färbung hinein. Der Song bleibt schwer, bleibt kompromisslos und bleibt klar im Deathcore verwurzelt, wirkt aber in seiner Stimmung etwas zerrissener. Schon der Titel legt nahe, dass es um Bruchstücke, Erinnerungsreste oder ein Leben geht, das nicht mehr als Ganzes wahrgenommen wird.

Inhaltlich kann man »Fragments of Life« als Auseinandersetzung mit innerem Zerfall lesen. Es geht weniger um äußere Gewalt als um das Gefühl, dass etwas Menschliches in Einzelteile zerfällt. Die Musik unterstützt diesen Eindruck durch einen Wechsel aus stampfenden Passagen und kurzen Bewegungen, die den Song etwas dynamischer wirken lassen. Hier zeigt die Band, dass sie nicht nur eine einzige Prügel-Temperatur kennt.

Besonders stark ist der Bass, der den Song nicht nur unten absichert, sondern ihm eine eigene Schwere gibt. Zusammen mit den Gitarren entsteht eine Wand, die nicht schön sein will, aber effektiv arbeitet. Gravery bleiben dabei angenehm direkt: kein übertriebener Aufbau, kein künstliches Drama, sondern klare Ansage und dann ab dafür.

Eine Todeshymne ohne Weihrauch

Mit »An Ode To Death« endet »Purified In Blood« auf konsequente Weise. Der Titel klingt zunächst fast feierlich, doch musikalisch wird hier nichts verklärt. Diese Ode ist kein getragenes Abschiedslied, sondern ein weiterer schwerer Schlag aus dem Maschinenraum. Die Riffs arbeiten mächtig, die Breakdowns kommen mit ordentlich Gewicht, und der Song gibt der EP einen Abschluss, der nicht versöhnt, sondern noch einmal nachsetzt.

Inhaltlich steht »An Ode To Death« für eine direkte Konfrontation mit Tod und Endlichkeit. Nicht als poetische Betrachtung, sondern als harte Tatsache. Gerade dadurch passt der Song sehr gut ans Ende. Nach Sünde, Blutritual und Lebensfragmenten steht hier das letzte Motiv: Tod als Endpunkt, als Schatten über allem und vielleicht auch als einzige Gewissheit in einer Welt, die bei Gravery ohnehin nicht gerade freundlich gezeichnet wird.

Musikalisch ist das Stück einer der stärksten Momente der EP. Die Riffs wirken massiv, die Rhythmik zieht schwer nach unten, und Luca “Pigo” De Simone liefert noch einmal eine vokale Vorstellung, die keine Gefangenen macht. Das ist nicht subtil, will es aber auch nicht sein. Gravery schließen die EP so, wie sie sie begonnen haben: mit maximalem Druck und klarer Zielrichtung.

Fazit

»Purified In Blood« ist kurz, hart und auf den Punkt gebracht. Gravery liefern hier keine ausufernde Reise, sondern vier kompakte Schläge aus Downtempo Deathcore, Beatdown und dunkler Death-Metal-Schwere. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber die Italiener wissen sehr genau, welche Werkzeuge sie einsetzen müssen, damit das Ergebnis funktioniert.

Besonders stark sind der direkte Einstieg mit »Icon of Sin«, die rituelle Wucht des Titeltracks »Purified In Blood« und der massive Abschluss »An Ode To Death«. »Fragments of Life« bringt zusätzlich eine leicht andere Stimmung hinein und verhindert, dass die EP zu gleichförmig wirkt. Die Produktion ist modern, druckvoll und lässt genug Raum für Bass und Gitarren, damit die Songs nicht nur laut, sondern auch körperlich spürbar wirken.

Natürlich darf man hier keine große stilistische Überraschung erwarten. Gravery setzen auf direkte Gewalt, tiefe Stimmung und langsame Einschläge. Wer damit nichts anfangen kann, wird nach wenigen Minuten die weiße Fahne schwenken. Wer aber auf Bands wie Bodysnatcher, Cell, Heavy//Hitter oder Volatile Ways steht, bekommt mit »Purified In Blood« eine EP, die ordentlich die Statik im Raum prüft.

Schlusswort

Gravery liefern mit »Purified In Blood« eine starke zweite EP ab, die genau weiß, was sie sein will: kurz, schwer, finster und kompromisslos. Die Band zeigt noch Luft nach oben, gerade wenn es um mehr Abwechslung innerhalb der Songstrukturen geht, aber das Fundament stimmt. Für Fans von modernem Downtempo Deathcore ist das hier ein amtlicher Brocken.

Internet

Gravery - Purified In Blood - EP Review

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