Tracklist
01. Afterlife
02. Blood Diamond
03. Synthetic
04. Is This What You Wanted
05. L’Appel Du Vide
06. Kill The Light
07. No Longer Human
08. Dead People Scare Me (but the living make me sick)
09. Personal Judas
10. Hell Is A State Of Mind
Besetzung
Samy Elbanna – Vocals, Guitars
Arttu Lesonen – Guitars
Mirko Lehtinen – Bass
Tapani Fagerström – Drums
Mit „Hell Is A State Of Mind“ treten Lost Society Anfang März wieder auf den Plan. Zehn neue Tracks, selbstbewusst angekündigt, bereit, vom ersten Moment an zu zünden – zumindest dem Begleittext zufolge.
Darin ist von abgeschlossener Findungsphase die Rede, vom Ende des Experimentierens. Man habe nun endgültig zu sich selbst gefunden, heißt es, praktiziere ab sofort kompromisslos das, was man am besten könne: ganz man selbst zu sein. Große Worte. Entsprechend hoch die Erwartung.
Nach dem ersten Durchlauf jedoch macht sich Ernüchterung breit. Die vollmundigen Versprechen wirken im Rückblick eher wie wohlformuliertes Marketing als wie eine künstlerische Zäsur. Ob hier überambitionierte PR oder ehrliche Selbstüberzeugung am Werk war, bleibt offen. Entscheidend ist das Resultat – und das fällt zwiespältig aus.
Thrash Metal scheint endgültig Geschichte, stattdessen dominiert ein moderner Metal-Sound. Das muss ja grundsätzlich kein Nachteil sein. Lost Society beherrschen ihr Instrumentarium und verstehen es durchaus, Songs zu strukturieren. Besonders die orchestralen Elemente stechen hervor: breit angelegt, episch inszeniert, mit einem Gespür für Dramaturgie. Auch die Shouts und Screams wirken authentisch, getragen von spürbarer Intensität.
Doch nicht jede Idee geht auf. Der metalcore-lastige Klargesang wirkt streckenweise forciert, beinahe angeklebt. Noch irritierender sind die eingestreuten Hip-Hop-Anleihen, die mehr nach kalkulierter Stilöffnung klingen als nach organischem Wachstum. Vielfalt kann bereichern – hier entsteht jedoch der Eindruck, dass einzelne Bausteine nicht vollständig durchdacht ineinandergreifen. Gute Ansätze verlaufen im Sand oder verlieren unterwegs an Klarheit.
Mein Fazit: „Hell Is A State Of Mind“ hat Momente, in denen Lost Society eindrucksvoll zeigen, was in ihnen steckt: starke orchestrale Spannungsbögen, überzeugende Härte, solide Melodieführung. Gleichzeitig untergraben weichgespülte Passagen und stilistische Ausflüge die innere Geschlossenheit des Albums. Unterm Strich bleibt ein durchwachsener Eindruck. Weniger ein endgültiges Ankommen bei sich selbst als vielmehr ein weiteres Kapitel im Prozess der Umstrukturierung. Vielleicht ist genau das die eigentliche Wahrheit hinter diesem Album.
