Tracklist
01. Beyond the Pleasure Principle
02. Born in Grave Wax
03. Dissection of Consciosness
04. Meconium Eater
05. Confessions of a Dead Poet
06. Clite Skinner
07. Extract of Rotting Fetus
08. Bloody Picasso
09. Autophagous Erection
10. Slaughter to the Bones
11. Necromonger [Instrumental] (CD-Bonus)
12. Necrocannibal Polution (Kassetten-Bonus)
Besetzung
Pigman – Gesang
Agrogrinder – Gitarre und Bass
Quill Rat – Schlagzeug
Goregrind, Death Metal und fauliger Keller-Sound sind nicht gerade die Zutaten, mit denen man beim Sonntagskaffee die Schwiegermutter beeindrucken möchte. Für die bulgarischen Necromonger ist genau dieses musikalische Biotop jedoch Heimat, Spielplatz und Tatort zugleich. Mit »Emanation Of The Dying Perceptions« legt das Trio aus Pleven sein erstes vollständiges Album vor und serviert zehn reguläre Stücke, die weniger auf technische Hochglanzakrobatik als auf schleppende Brutalität, makabre Grooves, tiefe Growls und eine bewusst modrige Atmosphäre setzen.
Hinter der Band stehen Musiker aus dem bulgarischen Underground, unter anderem mit Verbindungen zu Fecal Body Incorporated, Cocklush und Concrete. Veröffentlicht wird das Debüt über Xtreem Music, was angesichts der musikalischen Ausrichtung hervorragend passt. Necromonger bewegen sich tief im alten Death-Metal-Untergrund der frühen Neunziger. Carcass, Impetigo, Mortician, Autopsy, General Surgery, Haemorrhage und stellenweise Pungent Stench sind sinnvolle Orientierungspunkte. Allerdings ist »Emanation Of The Dying Perceptions« kein reines Hochgeschwindigkeits-Goregrind-Gemetzel. Die Band arbeitet auffällig häufig mit Midtempo, Death-Doom-Schwere, Horror-Samples und längeren, zähen Spannungsaufbauten. Genau darin liegt der Reiz, aber auch der wichtigste Streitpunkt dieser Platte.
LUSTPRINZIP IM VERWESUNGSKELLER
»Beyond the Pleasure Principle« eröffnet das Album mit einer düsteren Sample-Atmosphäre, bevor sich ein schwerer, fast schleppender Death-Metal-Groove aus dem Nebel schiebt. Statt sofort mit blastendem Grindcore loszulegen, setzen Necromonger auf Druck, Wiederholung und zähflüssige Bedrohung. Das zentrale Riff bewegt sich langsam, aber unerbittlich. Agrogrinder spielt keine komplizierten technischen Figuren, sondern baut seine Gitarrenarbeit auf massiven Anschlägen, tiefen Akkorden und klar gesetzten Pausen auf.
Gerade diese Reduktion ist entscheidend. Die Musik wirkt nicht deshalb brutal, weil sie permanent rasend schnell wäre, sondern weil sie kaum Ausweichmöglichkeiten lässt. Quill Rat legt am Schlagzeug ein schweres Fundament, das den Song stärker in Richtung Death Doom und moderaten Goregrind drückt. Die Snare sitzt trocken, die Bassdrum arbeitet drückend und die Becken werden nicht überstrapaziert. Dadurch bleibt genügend Raum für den fauligen Gitarrenton.
Pigman fügt sich mit tiefem, gurgelndem Gesang perfekt in dieses Klangbild ein. Seine Stimme klingt weniger wie eine normale Growl-Performance als wie ein zusätzlicher Teil der rhythmischen Masse. Verständlichkeit steht nicht im Mittelpunkt. Der Gesang soll nicht erzählen, sondern den körperlichen Ekel und die Horrorfilm-Atmosphäre verstärken. Das funktioniert ausgezeichnet, kann aber Hörer abschrecken, die stärkere Artikulation oder mehr vokale Abwechslung erwarten.
Der Opener zeigt bereits die besondere Stärke und Schwäche des Albums. Necromonger erzeugen eine überzeugende, modrige Atmosphäre und besitzen ein klares Gespür für schwere Grooves. Gleichzeitig entwickelt sich der Song sehr langsam. Wer schnelle Goregrind-Abrissbirnen erwartet, muss sich erst an diese zähe Vorgehensweise gewöhnen.
KURZE AUSBRÜCHE AUS DEM GRABWACHS
Mit »Born in Grave Wax« wird das Tempo deutlich angezogen. Die knapp zwei Minuten lange Nummer wirkt wie eine konzentrierte Entladung nach dem langsameren Einstieg. Das Riffing ist direkter, das Schlagzeug drängt stärker nach vorn und Pigmans Stimme bellt mit mehr unmittelbarer Aggression durch den Mix. Hier zeigen Necromonger, dass sie auch kompakter und körperlicher zuschlagen können.
Der Song lebt von seiner Einfachheit. Agrogrinder spielt ein grobes, stark rhythmisiertes Riff, das sich sofort im Schädel festsetzt. Die Gitarre wirkt stumpf, aber effektiv. Sie will nicht glänzen, sondern schieben. Quill Rat hält das Stück eng zusammen und setzt gerade genug kleine Übergänge, damit die Nummer nicht vollständig statisch wird. Der Bass ist als Teil des tiefen Gesamtfundaments spürbar, tritt aber nicht als virtuoses Einzelelement hervor.
»Dissection of Consciosness« geht anschließend in die entgegengesetzte Richtung. Mit mehr als sieben Minuten zählt der Song zu den ausgedehnten Stücken des Albums und verbindet schwere Death-Metal-Riffs mit Horror-Pausen, langsamem Aufbau und einer deutlich psychotischeren Atmosphäre. Schon der offiziell so geschriebene Titel deutet an, dass es hier weniger um akademische Genauigkeit als um kaputte Wahrnehmung geht.
Die ersten Minuten entwickeln eine beinahe filmische Wirkung. Samples, schleppende Gitarren und Pigmans manische Vocals lassen den Song wie den Soundtrack eines alten, schlecht beleuchteten Splatterfilms erscheinen. Erst nach und nach zieht die Band den Druck stärker an. Die Riffs sind simpel, besitzen aber eine unangenehme Wirkung, weil sie weniger nach klassischem Songwriting als nach wiederholten Stichen in dieselbe Wunde klingen.
Hier wird auch deutlich, weshalb einige Kritiken die Platte nicht nur als reine Goregrind- oder Death-Metal-Veröffentlichung wahrnehmen. Necromonger nutzen die Länge, um Atmosphäre aufzubauen. Das ist mutig, weil es dem Genreklischee widerspricht. Gleichzeitig hätte »Dissection of Consciosness« in der Mitte etwas straffer ausfallen können. Der Spannungsaufbau funktioniert, doch einige Wiederholungen liefern mehr Stimmung als tatsächliche Entwicklung.
KURZ, EKLIG, DIREKT
»Meconium Eater« ist wieder ein kurzer Schlag in die Magengrube. Die Nummer kommt ohne lange Vorrede, ohne große dramaturgische Umwege und ohne versteckte Feinheiten. Das ist in diesem Fall ein Vorteil. Nach dem ausgedehnten Vorgänger wirkt der knapp anderthalbminütige Track wie eine notwendige Entlüftung.
Das Riff ist primitiv, die Drums treiben simpel, aber effektiv, und Pigmans Vocals rollen tief durch den Song. Necromonger reduzieren ihren Ansatz hier auf das Wesentliche: ein grober Groove, ein widerlicher Titel und ein unmittelbarer Schlag ins Gesicht. Solche Stücke sind nicht dazu gedacht, eine längere Analyse zu tragen. Sie müssen funktionieren, bevor man überhaupt groß über sie nachdenkt. Genau das gelingt.
Mit »Confessions of a Dead Poet« folgt erneut ein längeres Stück. Die Band kehrt zu schleppender Schwere, Samples und massiveren Death-Doom-Anteilen zurück. Der Kontrast zwischen kurzem Goregrind-Ausbruch und zäher Langform gehört zu den prägenden Eigenschaften des Albums. Necromonger wollen nicht nur möglichst schnell möglichst viel kaputtschlagen. Sie setzen auf eine krankhafte Atmosphäre, die sich langsam ausbreitet.
Die Gitarrenarbeit besitzt hier mehr Tiefe als zunächst auffällt. Agrogrinder variiert das Hauptmotiv in kleinen Schritten. Einzelne Akkorde werden länger gehalten, während kurze rhythmische Figuren den Song immer wieder nach vorn ziehen. Die Drums bleiben überwiegend schwer und vermeiden unnötige Geschwindigkeit. Dadurch bekommt Pigmans Gesang viel Raum, was der Horrorwirkung dient, aber auch etwas ermüden kann.
»Confessions of a Dead Poet« gehört zu den atmosphärisch stärkeren Momenten. Der Song baut eine bedrückende Stimmung auf und zeigt, dass die Band ihre Gore-Thematik nicht nur durch plakative Titel bedient. Trotzdem wäre auch hier eine etwas kompaktere Form wirkungsvoller gewesen. Die Idee ist stark, aber sie wird sehr ausgedehnt ausgespielt.
GROOVE STATT SCHÖNHEITSPREIS
»Clite Skinner« setzt stärker auf Groove und dürfte im Livekontext zu den unmittelbarsten Nummern gehören. Der Song bewegt sich in einem mittleren Tempo, das sofort in den Nacken geht. Die Gitarren sind stumpf, schwer und effektiv. Quill Rat spielt dazu einen Rhythmus, der weniger auf technische Finesse als auf körperliche Wirkung ausgelegt ist.
Hier zeigt sich, dass Necromonger ihre Einfachheit bewusst einsetzen. Das Material ist nicht schlicht, weil die Musiker nichts anderes könnten, sondern weil diese Art von Death/Gore Metal von roher Direktheit lebt. Jede zusätzliche Verzierung würde den gewünschten Effekt eher schwächen. Die Band interessiert sich nicht für progressive Ausarbeitung, sondern für einen Sound, der wie ein rostiges Werkzeug funktioniert.
»Extract of Rotting Fetus« schlägt anschließend wieder schneller und kürzer zu. Die Nummer erinnert stärker an klassischen Goregrind und liefert einen der kompaktesten Momente der Platte. Drums und Gitarre arbeiten enger zusammen, während Pigman mit gurgelnder Stimme über die Instrumente gelegt wird. Das Stück ist kurz genug, um nicht zu ermüden, und roh genug, um den alten Underground-Geist glaubwürdig zu transportieren.
Beide Songs zeigen, dass Necromonger dann besonders stark sind, wenn sie ihre Ideen auf den Punkt bringen. Die kurzen Nummern besitzen weniger Atmosphäre als die langen Stücke, dafür aber deutlich mehr Schlagkraft. Genau diese Mischung hält das Album über weite Strecken am Leben. Ohne die kurzen Attacken würden die langsameren Songs zu schwerfällig wirken.
BLOODY PICASSO UND DIE KUNST DES HÄSSLICHEN
»Bloody Picasso« gehört zu den besseren längeren Songs der zweiten Albumhälfte. Der Titel ist grotesk, die musikalische Umsetzung erstaunlich kontrolliert. Das Stück beginnt mit einem schweren, fast walzenden Riff, das sofort eine finstere Wirkung entfaltet. Agrogrinders Gitarren besitzen hier mehr Bewegung als in einigen vorherigen Songs. Kleine Verschiebungen und kurze melodische Ansätze sorgen dafür, dass der Track nicht ausschließlich auf stumpfer Wiederholung basiert.
Quill Rat bringt zusätzliche Dynamik ein. Die Drums bleiben zwar weiterhin im moderaten Tempo verankert, wechseln aber häufiger die Betonung. Dadurch bekommt das Stück einen stärkeren inneren Puls. Pigmans Vocals bleiben erwartungsgemäß tief und krankhaft, fügen sich aber besser in den Song ein als in manchen überladenen Passagen der ersten Hälfte.
Der Track entwickelt eine Art morbiden Swing. Natürlich ist das weit entfernt von klassischem Groove Metal, doch die Art, wie Riff und Schlagzeug ineinandergreifen, erzeugt eine unangenehm mitwippende Bewegung. Genau darin liegt die Stärke. Necromonger machen keine Musik, die beeindrucken möchte. Sie machen Musik, die mit möglichst wenig Mitteln eine möglichst schmutzige Wirkung erzeugen soll.
»Bloody Picasso« zeigt außerdem, dass die Band innerhalb ihrer begrenzten Ausdrucksmittel durchaus Unterschiede setzen kann. Der Song klingt nicht einfach wie eine längere Version der kurzen Goregrind-Tracks, sondern besitzt eine eigene, langsamere und stärker atmosphärische Identität. Hier funktioniert die Midtempo-Strategie überzeugender als in einigen anderen Momenten.
AUTOPHAGIE IM MODERATEN TEMPO
»Autophagous Erection« bleibt im schweren Bereich und führt die Death-Doom-Seite der Platte weiter. Das zentrale Riff besitzt eine massive, fast schleppende Wirkung. Der Song drückt mehr, als dass er schneidet. Genau dadurch entsteht eine unangenehme, körperliche Atmosphäre.
Der Bass verdickt den Gitarrenklang, während die Drums bewusst viel Raum lassen. Dieses Arrangement funktioniert, weil die Band nicht versucht, jeden Takt mit Aktivität zu füllen. Die Leere zwischen den Anschlägen ist ebenso wichtig wie die gespielten Noten. So entsteht ein zäher Sog, der weniger nach explosiver Gewalt als nach langsamem Verfall klingt.
Pigmans Gesang bleibt ein wichtiger Faktor. Seine Stimme ist dauerhaft extrem, aber nicht besonders variabel. Auf einem Album dieser Länge wird das zu einem zweischneidigen Schwert. Einerseits ist sein gutturales Organ ein klarer Teil der Bandidentität. Andererseits fehlt in manchen Songs eine zusätzliche Ebene, die den vokalen Ausdruck stärker differenzieren würde. Mehr Wechsel zwischen extrem tiefen, heiseren oder gesprochenen Passagen hätten einzelnen langen Songs gutgetan.
Musikalisch ist »Autophagous Erection« solide, aber nicht der stärkste Beitrag. Das Riff besitzt Gewicht, die Atmosphäre stimmt, doch der Song tritt im Mittelteil etwas auf der Stelle. Er passt zum Gesamtbild, liefert aber weniger Überraschungen als »Dissection of Consciosness« oder »Bloody Picasso«.
BIS AUF DIE KNOCHEN
»Slaughter to the Bones« beendet die reguläre Albumfassung mit einem weiteren schweren Midtempo-Brocken. Nach einer kurzen Ruhephase setzt die Band erneut mit massivem Riffing ein. Der Song besitzt grundsätzlich alle Merkmale, die Necromonger ausmachen: tiefe Vocals, schwere Gitarren, langsame Brutalität, Horroratmosphäre und eine bewusst primitive Grundhaltung.
Trotzdem gehört die Nummer nicht zu den stärksten Momenten. Das Hauptriff funktioniert, wird aber sehr ausgiebig wiederholt. Nach den vorherigen neun Tracks hat man die wesentlichen Tricks der Band bereits kennengelernt. Gerade deshalb hätte der Abschluss entweder kürzer und brutaler oder deutlich überraschender ausfallen dürfen. So wirkt »Slaughter to the Bones« etwas generischer als die besten Stücke der Platte.
Das bedeutet nicht, dass der Song schlecht wäre. Der Klang ist weiterhin mächtig, Pigman liefert zuverlässig ab und Quill Rat hält das Material sauber zusammen. Im direkten Vergleich fehlt jedoch der besondere Widerhaken. Als einzelner Track funktioniert die Nummer, als Finale hätte sie mehr eigene Identität benötigt.
Die physischen Editionen bieten zusätzliches Material. Der CD-Bonus »Necromonger« ist ein langer Instrumentaltrack, der die atmosphärische Seite der Band weiter ausbaut. Die Kassettenversion enthält mit »Necrocannibal Polution« einen weiteren langen Zusatzsong. Beide Boni richten sich klar an Hörer, die gerade die zäheren, unheilvollen Passagen der Band schätzen. Wer vor allem die kurzen Goregrind-Attacken bevorzugt, wird hier weniger zwingendes Material finden.
SCHMUTZIGER SOUND ALS PROGRAMM
Die Produktion von »Emanation Of The Dying Perceptions« ist bewusst roh und weit entfernt von modernem Hochglanz-Death-Metal. Die Gitarren besitzen eine dicke, leicht matschige Oberfläche, ohne vollständig unlesbar zu werden. Der Bass liegt tief im Fundament und verstärkt die schleppende Wirkung. Das Schlagzeug klingt direkt genug, um die Songs zu tragen, aber nicht so steril, dass die Underground-Atmosphäre verloren geht.
Gerade dieser Klang ist entscheidend. Würde man diese Songs mit klinischem Trigger-Sound, überproduzierten Gitarren und polierten Vocals ausstatten, ginge ein wesentlicher Teil der Wirkung verloren. Necromonger klingen nach Keller, Tape, altem Splatterfilm und feuchtem Beton. Das ist nicht hübsch, aber konsequent.
Die Samples tragen zur Horrorwirkung bei, werden jedoch nicht immer ideal dosiert. Einige Einsprengsel verstärken die Atmosphäre. Andere ziehen die Songs unnötig auseinander und bremsen den Fluss. Besonders bei den längeren Stücken hätte eine etwas strengere Auswahl geholfen. Die Band versteht zwar, wie man Unbehagen erzeugt, vertraut dem Mittel aber gelegentlich zu sehr.
Instrumental ist das Album simpel, aber nicht schlampig. Agrogrinders Riffs sitzen, Quill Rat spielt kontrolliert und Pigman besitzt genau die Art von Stimme, die dieses Material verlangt. Technische Virtuosität steht nicht auf dem Speiseplan. Dafür gibt es Groove, Schwere und eine konsequente Verweigerung moderner Glättung.
ZWISCHEN GOREGRIND UND DEATH DOOM
Die interessanteste Eigenschaft des Albums ist seine Zwischenposition. Auf dem Papier klingt Death/Gore Metal nach kurzer, schneller und extrem stumpfer Gewalt. Necromonger erfüllen diese Erwartung nur teilweise. Songs wie »Born in Grave Wax«, »Meconium Eater« und »Extract of Rotting Fetus« liefern genau diese kompakte Brutalität. Die längeren Stücke setzen dagegen stärker auf Atmosphäre, Midtempo und Death-Doom-Schwere.
Das macht die Platte eigenständiger, aber auch sperriger. Wer von Beginn bis Ende Vollgas erwartet, wird einige Passagen als zäh empfinden. Wer hingegen alte Death-Metal-Grooves, kaputte Horror-Stimmung und primitive Riffs mit viel Raumwirkung schätzt, bekommt ein Album, das mehr Charakter besitzt als viele reine Goregrind-Routinen.
Die besten Momente entstehen, wenn beide Seiten zusammenfinden. »Dissection of Consciosness« verbindet Horrorwirkung und schwere Riffs überzeugend, »Bloody Picasso« bringt Groove und Atmosphäre in Einklang, und »Born in Grave Wax« zeigt, wie effektiv die Band in kurzer Form sein kann. Schwächer wird es dort, wo die Midtempo-Ideen zu lange wiederholt werden, ohne dass sich genug verändert.
Vergleiche mit Mortician, Impaled, General Surgery, Autopsy, Carcass und Impеtigo drängen sich auf. Necromonger erreichen nicht die kompositorische Raffinesse der größten Klassiker, besitzen aber eine glaubwürdige, erfreulich unmoderne Bösartigkeit.
FAZIT:
»Emanation Of The Dying Perceptions« ist ein fauliges, schweres und konsequent ungeschliffenes Debüt, auf dem Necromonger Death/Gore Metal, Goregrind und Death Doom zu einem modrigen Horrortrip verbinden. Das bulgarische Trio setzt nicht permanent auf Geschwindigkeit, sondern häufig auf Midtempo, zähe Grooves, Samples und eine bedrückende Kelleratmosphäre. Gerade dadurch hebt sich das Album von vielen stumpfen Goregrind-Veröffentlichungen ab.
»Born in Grave Wax«, »Dissection of Consciosness«, »Bloody Picasso« und »Autophagous Erection« gehören zu den stärksten Momenten. Die kurzen Tracks liefern unmittelbare Schlagkraft, während die längeren Stücke den morbiden Charakter der Band stärker ausarbeiten. Pigmans gurgelnde Vocals, Agrogrinders schwere Riffs und Quill Rats kontrollierte Drums ergeben ein stimmiges Gesamtbild.
Ganz frei von Problemen ist die Platte jedoch nicht. Einige Sample-Passagen bremsen den Fluss, manche Midtempo-Ideen werden zu lange ausgewalzt und »Slaughter to the Bones« bleibt als regulärer Abschluss etwas hinter den stärkeren Songs zurück. Auch der Gesang könnte über die Albumlänge etwas variabler sein. Dennoch besitzt »Emanation Of The Dying Perceptions« genügend Charakter, Schmutz und Groove, um Death-Metal-Fans mit Vorliebe für alte Gore-Schulen und faulige Underground-Atmosphäre zufriedenzustellen. Kein schönes Album, aber ein verdammt konsequentes.






