Rina - Miekka Ja Vaqrjo - cover Artwork

Band: RIENA 🇫🇮
Titel: Miekka ja Varjo
Label: Signal Rex
VÖ: 05.06.2026
Format: CD / Kassette / Digital
Genre: Raw Black Metal / Finnish Black Metal / Second Wave Black Metal

Tracklist

01. Intro
02. Tuhkana Käsissämme
03. Jotka Yössä Kulkevat
04. Käärmeen Kuiskauksia
05. Kun Usva Maan Peittää
06. Outro (Pedon Sanat)

Besetzung und Produktion

Woewrb Korpinsiipi – Gesang, Rhythmusgitarre, Songwriting, Texte
Draghn – Leadgitarre, Bass, Schlagzeug

Aufgenommen im Februar 2025 auf vier analogen Spuren im Duumilaakso Studio, Oulu
Trollhouse Audio – Mastering
Vhan Artworks & Printing – Covergestaltung

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Olkd School Black Metal ist immer noch Krieg! Während diverse Genrefusionen und Post Black Metal auftaucht beruht sich RIENA auf »Miekka ja Varjo« den Wurzeln des Genres, bzw. den Wurzeln der 2. Welle des Black Metal. Das finnische Duo lässt bewusst jene Phase wiederaufleben, in der Black Metal als Gegenbewegung zur zunehmenden Kommerzialisierung des Genres verstanden wurde: roh aufgenommen, feindselig vorgetragen und ohne moderne Hochglanzproduktion. Der Titel bedeutet übersetzt ungefähr „Schwert und Schatten“ und beschreibt die beiden Seiten dieser EP treffend: offene Konfrontation auf der einen, verborgene Finsternis und okkulte Symbolik auf der anderen.

Full Album Stream: Miekka ja Varjo

ZURÜCK IN DEN UNTERGRUND

RIENA wurden erst 2025 gegründet, klingen auf ihrem ersten öffentlichen Lebenszeichen jedoch so, als hätten sie ihre Instrumente seit Ende der Neunziger in einem feuchten finnischen Proberaum eingeschlossen. Woewrb Korpinsiipi, der auch bei Iätön aktiv ist, und Draghn interessieren sich nicht für eine zeitgemäße Neuinterpretation des Black Metal. Sie wollen an einen Zustand anknüpfen, in dem das Genre abweisend, geheimnisvoll und bewusst unkomfortabel wirkte.

Dabei orientiert sich das Duo nicht ausschließlich an der bekannten norwegischen Schule. Auch der finnische und französische Black Metal der späten Neunziger hinterlässt deutliche Spuren. Die Riffs galoppieren, brechen in langsamere Passagen ein und werden von Leadgitarren durchzogen, die dem Material neben aller Rohheit eine melodische Tiefe geben.

Der Bandname bedeutet auf Finnisch „Blasphemie“. Entsprechend konsequent drehen sich die Texte um Satanismus, Antichristentum, Dunkelheit, Tod und die Verachtung religiöser Unterwerfung. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit Glaubenssystemen ist dabei nicht das Ziel. RIENA formulieren ihre Position als Angriff.

DAS TOR WIRD GEÖFFNET

Das von Draghn komponierte »Intro« ist kein eigenständiger Song, sondern eine kurze Vorbereitung auf das folgende Material. Es zieht den Hörer aus der Gegenwart und führt in eine bewusst rückwärtsgewandte Klangwelt. Die reduzierte Produktion, die räumliche Distanz und die dunkle Grundstimmung geben bereits vor dem ersten eigentlichen Riff vor, welche Regeln für die kommenden 28 Minuten gelten.

Das Intro erfüllt damit eine ähnliche Funktion wie die kurzen instrumentalen oder synthetischen Einleitungen vieler Veröffentlichungen der zweiten Black-Metal-Welle. Es soll nicht beeindrucken, sondern einen Übergang markieren. Nach knapp zwei Minuten wird dieser Übergang mit »Tuhkana Käsissämme« abgeschlossen.

ASCHE IN UNSEREN HÄNDEN

Der Titel »Tuhkana Käsissämme« lässt sich ungefähr mit „Asche in unseren Händen“ übersetzen. Inhaltlich ist das Stück eine offene antichristliche Kampferklärung. Die beschriebene Dunkelheit erscheint nicht als Zustand des Verlustes, sondern als ersehnte Macht, die Licht, Gebet und die Vorstellung eines christlichen Erlösers endgültig vernichten soll.

Der Text zeichnet den Untergang des christlichen Glaubens als militärische und spirituelle Niederlage. Gebete verlieren ihre Wirkung, religiöse Rituale werden als heuchlerisch und nutzlos dargestellt, und am Ende bleibt lediglich schwarze Asche zurück. Die zentrale Gegenkraft ist Satan, verstanden als Symbol für Widerstand, Rache und die Ablehnung religiöser Schwäche.

Musikalisch nutzt das über sieben Minuten lange Stück seine Laufzeit sinnvoll. Aufgebaut auf einem standfesten Fundament aus Draghns Bass und Schlagzeug legt Woewrb eine Rhythmusgitarre darüber, die zwischen vorwärtsdrängenden Akkordfolgen und langsameren, schwereren Passagen wechselt. Der Song beschränkt sich nicht auf pausenloses Tremolo, sondern lässt den Riffs ausreichend Raum.

Woewrbs Gesang kommt als raues, aus der Tiefe des Mixes dringendes Krächzen. Seine Stimme steht nicht klar vor den Instrumenten, sondern ist in den Gesamtsound eingebettet. Dadurch gehen einzelne Worte verloren, die Atmosphäre gewinnt jedoch an Geschlossenheit. Der Gesang wirkt weniger wie ein Erzähler und stärker wie eine weitere Schicht innerhalb der Musik.

DIEJENIGEN, DIE IN DER NACHT GEHEN

»Jotka Yössä Kulkevat« bedeutet „Diejenigen, die in der Nacht gehen“. Da kein vollständiger offizieller Text veröffentlicht wurde, lässt sich der Titel vor allem als Fortführung der zentralen Bildwelt lesen. Die Nacht gehört bei RIENA jenen Gestalten, die sich außerhalb religiöser, gesellschaftlicher und moralischer Ordnung bewegen.

Das Stück klingt entsprechend weniger wie ein konkreter Bericht und stärker wie eine Beschwörung. Die Gitarren bauen eine dunkle Bewegung auf, während das Schlagzeug zwischen treibenden und zurückgenommenen Passagen wechselt. Gerade diese Dynamik verhindert, dass der Song in einer einzigen Geschwindigkeit feststeckt.

Draghn zeigt hier, wie wichtig seine Arbeit für die EP ist. Er spielt nicht nur Schlagzeug und Bass, sondern setzt mit der Leadgitarre gezielte Gegenstimmen zu Woewrbs Rhythmusarbeit. Diese melodischen Linien sind nicht schön im klassischen Sinn, geben den Songs aber Wiedererkennungswert und verhindern, dass die rohe Produktion sämtliche Details verschluckt.

Die nächtlichen Wanderer lassen sich als Außenseiter, als Anhänger des Okkulten oder als Sinnbild jener Menschen verstehen, die sich bewusst von der Welt des Tages entfernt haben. RIENA liefern keine eindeutige Handlung, sondern schaffen ein Bild von Gemeinschaft innerhalb der Finsternis.

DAS FLÜSTERN DER SCHLANGE

»Käärmeen Kuiskauksia« heißt übersetzt „Das Flüstern der Schlange“ und ist der stärkste Song der Veröffentlichung. Innerhalb satanischer und antichristlicher Symbolik steht die Schlange für Erkenntnis, Versuchung, Auflehnung und das Überschreiten einer religiös festgelegten Grenze. Ihr Flüstern bietet keine sichere Erlösung, sondern eine Alternative zu Gehorsam und Unterwerfung.

Musikalisch besitzt das Stück die größte Bandbreite. Galoppierende Passagen wechseln sich mit stärker getragenen Abschnitten ab, während die Leadgitarre immer wieder über der Rhythmuswand erscheint. Das dritte Riff des Songs stammt von Draghn, der damit auch unmittelbar am kompositorischen Kern beteiligt ist.

Die Gitarrenarbeit erinnert an eine Zeit, in der Melodie im Black Metal nicht automatisch Zugänglichkeit bedeutete. Die Leads öffnen den Song, machen ihn jedoch nicht freundlicher. Sie verstärken vielmehr seine unheilvolle Atmosphäre und geben dem Material eine Tiefe, die über reine Klangzerstörung hinausgeht.

Auch Draghns Schlagzeugleistung fällt positiv auf. Er beschränkt sich nicht auf permanente Höchstgeschwindigkeit, sondern arbeitet mit Tempowechseln, geradlinigen Rhythmen und kurzen Beschleunigungen. Dadurch bleibt der Song über sechs Minuten in Bewegung.

WENN DER NEBEL DAS LAND BEDECKT

»Kun Usva Maan Peittää« bedeutet „Wenn der Nebel das Land bedeckt“. Der Titel löst sich etwas von der offenen religiösen Konfrontation und richtet den Blick stärker auf Landschaft, Dunkelheit und Wahrnehmung. Der Nebel verdeckt bekannte Formen und macht aus einer vertrauten Umgebung einen unsicheren Ort.

Im Zusammenhang mit dem restlichen Material lässt sich dieser Nebel als Übergang in eine andere Ordnung verstehen. Das Licht verliert seine Orientierungskraft, Grenzen lösen sich auf und der Schatten übernimmt den Raum. Der Song beschreibt diesen Zustand nicht mit einem ausgearbeiteten Handlungsverlauf, sondern über Stimmung und wiederkehrende musikalische Motive.

Gerade hier erreicht Draghns Leadgitarrenspiel seinen stärksten Moment. Die Melodien schweben über dem rauen Fundament, ohne sich vom restlichen Arrangement abzusetzen. Sie zeigen zugleich, dass RIENA zukünftig über die reine Rekonstruktion alter Vorbilder hinausgehen könnten.

Woewrbs Rhythmusgitarre bleibt dagegen bewusst einfach und konsequent. Er setzt auf Akkordfolgen, die sich langsam im Gedächtnis festsetzen, statt durch technische Komplexität aufzufallen. Diese Arbeitsteilung funktioniert: Die Rhythmusgitarre errichtet das Gerüst, während die Leadgitarre innerhalb dieses Gerüsts Schatten und Bewegung erzeugt.

DIE WORTE DES TIERES

Das kurze »Outro (Pedon Sanat)«, also „Die Worte des Tieres“, beendet die EP wie der Abschluss eines Rituals. Nach den vier längeren Hauptstücken wird keine weitere große Komposition benötigt. Das Outro sammelt die zuvor aufgebauten Themen und führt sie in einen letzten, dunklen Zustand.

Das Tier kann innerhalb des Albums als satanische Gegenfigur zum christlichen Erlöser verstanden werden. Es steht für Instinkt, Herrschaft, Widerstand und die Verweigerung jener moralischen Ordnung, gegen die sich bereits »Tuhkana Käsissämme« richtet. Die Worte des Tieres sind damit keine zusätzliche Geschichte, sondern das letzte Echo der gesamten Veröffentlichung.

Die Rahmung durch Intro und Outro gibt »Miekka ja Varjo« einen geschlossenen Charakter. Die EP beginnt mit dem Eintritt in ihre eigene Welt und endet, nachdem diese Welt ihre Regeln ausgesprochen hat.

ZWEI MUSIKER, KLAR VERTEILTE AUFGABEN

Woewrb Korpinsiipi ist für die ideologische und rhythmische Grundlage verantwortlich. Seine Gitarrenarbeit verzichtet auf technische Selbstdarstellung und konzentriert sich auf Wiederholung, Atmosphäre und kontrollierte Steigerung. Gerade im Black Metal ist diese Disziplin entscheidend. Ein gutes Riff muss nicht ständig verändert werden, wenn seine Wiederholung einen Sog entwickelt.

Sein Gesang besitzt die notwendige Rohheit, bleibt aber innerhalb des Mixes teilweise sehr weit zurückgesetzt. Das passt zur historischen Ausrichtung der EP, verhindert jedoch gelegentlich, dass einzelne vokale Akzente ihre volle Wirkung entfalten. Dennoch vermittelt Woewrb glaubwürdig Hass, Verachtung und rituelle Strenge.

Als Texter formuliert er eine kompromisslose antichristliche Position. Besonders »Tuhkana Käsissämme« lässt keinen Interpretationsspielraum hinsichtlich seiner Haltung. Die Texte arbeiten weniger mit philosophischer Analyse als mit Bildern von Dunkelheit, Vernichtung, Rache und religiöser Niederlage.

Draghn trägt eine noch breitere instrumentale Verantwortung. Seine Schlagzeugarbeit hält die langen Songs zusammen und wechselt sicher zwischen galoppierenden Rhythmen, schnelleren Angriffen und schwereren Abschnitten. Das Spiel klingt organisch und vermeidet jene sterile Gleichförmigkeit, die bei bewusst rückwärtsgewandtem Black Metal sofort auffallen würde.

Am Bass erfüllt Draghn überwiegend eine stützende Funktion. Das Instrument bleibt im rauen Mix häufig hinter den Gitarren, verleiht ihnen aber die notwendige Tiefe. Seine stärkste Leistung liegt eindeutig in der Leadgitarre. Gerade bei »Käärmeen Kuiskauksia« und »Kun Usva Maan Peittää« erweitert er die Songs mit Melodien, die das historische Vorbild respektieren, aber zumindest andeuten, wohin sich RIENA noch entwickeln könnten.

VIER ANALOGE SPUREN STATT DIGITALER PERFEKTION

Die Musik wurde im Februar 2025 im Duumilaakso Studio in Oulu auf vier analogen Spuren aufgenommen. Diese Entscheidung ist kein beiläufiges Produktionsdetail, sondern bestimmt den gesamten Charakter der EP. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen nicht klinisch voneinander getrennt im Raum, sondern verschmelzen zu einem gemeinsamen Klangbild.

Das Mastering von Trollhouse Audio bewahrt diese Rohheit, verhindert aber, dass die Musik vollständig in dumpfem Rauschen versinkt. Die Instrumente besitzen ausreichend Raum, um ihre Funktionen erkennen zu lassen. Besonders die Leadgitarre bleibt trotz der begrenzten Aufnahmeästhetik nachvollziehbar.

Die Produktion klingt damit authentisch nach einer Veröffentlichung, die aus dem Underground der späten Neunziger stammen könnte. Das ist einerseits eine große Stärke, andererseits Teil des zentralen Problems. RIENA rekonstruieren ihren historischen Bezug so genau, dass sich die Frage nach einer eigenen Identität beinahe zwangsläufig stellt.

TRADITION ALS STÄRKE UND BEGRENZUNG

»Miekka ja Varjo« funktioniert hervorragend, wenn man von Black Metal keine Innovation, sondern Konsequenz erwartet. Das Duo versteht die musikalische Sprache, auf die es sich beruft. Die Riffs sitzen, das Schlagzeug bleibt dynamisch, die Stimme trägt die notwendige Feindseligkeit und die Produktion passt zum Konzept.

Die EP ist mit rund 28 Minuten außerdem genau richtig bemessen. Das Material erhält genügend Zeit, um Atmosphäre aufzubauen, endet aber bevor die bewusst traditionellen Strukturen ermüden. Besonders »Käärmeen Kuiskauksia« und »Kun Usva Maan Peittää« zeigen, dass die Band über ein gutes Gespür für lange Spannungsbögen verfügt.

Gleichzeitig ist der Einfluss der finnischen und französischen Black-Metal-Schule so dominant, dass RIENA noch nicht durchgehend als unverwechselbare Band erscheinen. Viele Riffs, Tempowechsel und Klangentscheidungen wirken vertraut. Das ist offensichtlich Absicht, begrenzt aber die Eigenständigkeit.

Die Leadgitarre weist bereits einen möglichen Weg aus dieser nostalgischen Bindung. Würde das Duo diese melodische und leicht abenteuerlichere Seite auf zukünftigen Veröffentlichungen stärker ausbauen, könnte aus der überzeugenden Rückbesinnung eine eigene Handschrift entstehen.

FAZIT:

»Miekka ja Varjo« ist eine konsequente Rückkehr zum rohen finnischen und französischen Black Metal der späten Neunziger, getragen von starken Riffs, glaubwürdigen Vocals und auffälliger Leadgitarrenarbeit. Woewrb Korpinsiipi und Draghn beherrschen die Sprache der zweiten Welle, müssen künftig aber deutlicher zeigen, was RIENA von ihren historischen Vorbildern unterscheidet. Für Traditionalisten ist dieses erste Ritual dennoch eine hörenswerte Angelegenheit: 3,5 von 5 Punkten.

Trackpremiere: Tuhkana Käsissämme

Internet

RIENA - Miekka ja Varjo - EP Review

Vorheriger ArtikelPLAGUEPREACHER – Abyssol