Band: SIDEBÜRNS 🇩🇪
Titel: »Beer Füeled Bastard«
Label: Sidebürns / Self Release
VÖ: 10.04.2026
Genre: Rock ’N’ Roll / Punk ‚N‘ Roll / Metal

Tracklist

01. All In
02. Not What Used To Be
03. Lifestyle
04. Hit The Ground
05. Whiskey Driven Beer Fueled Bastard

Besetzung

Ralf Sideburn – Gesang, Gitarre
Katja BAroneSS – Gesang, Bass
Ronny G. Hämmer – Schlagzeug

Bewertung:

3/5

Im Rock ‚N‘ Roll sind Kotletten oder auch Sideburns absolut ein Klischee und diesem Klischee Widmet die Folgende Band gleich mal ihren Namen. Doch Klischees Hin oder Her, SIDEBÜRNS aus Weimar stehen seit über zwei Jahrzehnten für genau das, was man im besten Sinne ehrlichen Rock ’N’ Roll nennen darf: laut, schnell, direkt und ohne irgendeinen unnötigen Zierrat. Über 200 Shows, Festivalauftritte unter anderem beim Party.San Open Air sowie Supports für Supersuckers, Thundermother und V8Wankers sprechen da eine ziemlich deutliche Sprache. »Beer Füeled Bastard« ist dabei keine auf Hochglanz gebügelte Szene-Geste, sondern ein kurzes, knackiges und sehr bewusst fokussiertes Statement einer Band, die genau weiß, wie sie klingen will.

Roh, schnell und ohne Schnörkel

Schon „All In“ macht klar, dass SIDEBÜRNS keine Zeit für langes Vorgeplänkel verschwenden. Der Song geht schnurstracks nach vorne, tritt die Tür ein und stellt sofort die Weichen für eine EP, die echten Rock ’N’ Roll nicht als nostalgisches Accessoire versteht, sondern als lebendige, schwitzende und lärmintensive Angelegenheit. Eine Gewisse Homage an MOTÖRHEAD ist nicht abzustreiten. Auch „Not What Used To Be“ hält dieses Niveau und schiebt die Platte weiter an, ohne dass dabei der Eindruck entsteht, hier würde einfach nur stumpf durchgebolzt. Das Material ist schnell, ja, aber nie beliebig. Genau darin liegt eine große Stärke dieser EP.

Kompromissloses Sounddesign mit echter Schärfe

Ein ganz dicker Pluspunkt ist das kompromisslose Sounddesign. »Beer Füeled Bastard« klingt trocken, direkt und so herrlich ungeschönt, wie diese Songs es verlangen. Hier wird nichts weichgezeichnet, nichts mit unnötigem Studio-Parfüm überdeckt. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen mit ordentlich Druck im Raum, und der Gesang sitzt genau da, wo er sitzen muss. Diese Produktion will nicht geschniegelt wirken, sondern packen, drücken und knallen. Und genau das tut sie. Der Sound hat Kante, ohne ins Chaotische zu kippen, und hält die Energie der Band hervorragend fest.

Mehr als nur Haudrauf-Rock

Bei aller Rotzigkeit wäre es aber zu billig, SIDEBÜRNS einfach nur als reine Draufgänger-Kapelle abzuhaken. Denn unter der rauen Oberfläche steckt hörbar eine minutiöse, fingerfertige Komposition, die man dieser Art von Musik gern einmal vorschnell abspricht. Die Songs sind auf den Punkt geschrieben, sauber gebaut und wirken nie wie zufällig zusammengekippte Riffbrocken. Gerade das macht »Beer Füeled Bastard« so stark: Die EP klingt nach Dreck, arbeitet aber mit Präzision. „Lifestyle“ nimmt das Tempo leicht zurück, ohne die Spannung zu verlieren, und öffnet damit das Klangbild an genau der richtigen Stelle. Das ist klug gesetzt und sorgt dafür, dass die Platte nicht einfach in einem einzigen Dauerrausch vorbeiballert.

Starke Dynamik auf engem Raum

Auch „Hit The Ground“ zeigt sehr schön, dass SIDEBÜRNS trotz klarer Vollgas-Mentalität genug Gespür für Dynamik mitbringen. Der Song zieht wieder an, bringt zusätzliche Schärfe hinein und hält die EP in Bewegung. Überhaupt ist das vielleicht der größte Vorteil dieses Releases: Es gibt auf gerade einmal fünf Songs keine Leerlaufminute. Jeder Track erfüllt seinen Zweck, jeder Song hat seine eigene Funktion im Gesamtbild. Das wirkt nie aufgeblasen, sondern angenehm fokussiert. Genau so sollte eine EP funktionieren.

Gesang, Groove und Dampf im Kessel

Ralf Sideburn verpasst den Songs mit seiner Stimme genau den richtigen Tonfall. Das klingt rau, angefressen und nach viel Straße, ohne in Karikatur abzurutschen. Dazu kommt mit Katja BAroneSS am Bass und Gesang ein wichtiger Gegenpol, der dem Sound zusätzliche Farbe gibt. Gerade wenn sich die Stimmen ergänzen oder kleine Kontraste setzen, gewinnt die EP noch einmal an Profil. Ronny G. Hämmer treibt das Ganze am Schlagzeug mit ordentlich Nachdruck nach vorne und sorgt dafür, dass diese Songs nicht einfach nur flott, sondern auch körperlich spürbar wirken. Das Trio spielt eng, zielgerichtet und mit einer Spielfreude, die man der Platte jederzeit anmerkt.

Titeltrack mit Ansage

Am Ende steht dann noch „Whiskey Driven Beer Fueled Bastard“, und schon der Titel macht deutlich, dass SIDEBÜRNS hier nicht auf Bescheidenheit setzen. Musikalisch passt das Stück perfekt als Abschluss, weil es noch einmal alles bündelt, was diese EP ausmacht: Rock ’N’ Roll, Punk-Attitüde, metallischen Druck und diese dreckige Selbstverständlichkeit, mit der die Band ihre Songs durchzieht. Das ist kein Kunstprodukt, kein kalkulierter Retro-Move und auch kein anbiederndes Szene-Blinken, sondern schlicht Musik, die aus der Hüfte kommt und trotzdem sitzt.

Kurz, aber mit Wirkung und Suchtpotenzial

Natürlich ist »Beer Füeled Bastard« mit knapp 21 Minuten keine ausufernde Angelegenheit. Aber genau das ist hier eher Stärke als Schwäche. SIDEBÜRNS liefern keinen Gramm zu viel, sondern genau die richtige Menge. Die EP bleibt dadurch kompakt, ein Dauerbrenner und wirkungsvoll. Vor allem aber zeigt sie eine Band, die ihre Mittel im Griff hat und ihren Stil nicht erst noch suchen muss. Wer auf echten Rock ’N’ Roll steht, schnell, ohne Schnörkel und mit ordentlich Druck auf dem Kessel, bekommt hier genau das geliefert. Speaking off Dauerbrenner! Hier drückt man gerne auf die Repeat-Taste

Fazit: SIDEBÜRNS liefern mit »Beer Füeled Bastard« eine druckvolle, kompromisslose und hervorragend fokussierte EP ab, die Rock ’N’ Roll, Punk und Metal zu einer schnellen, ehrlichen und packenden Einheit verbindet. Kein Firlefanz, kein Leerlauf, sondern fünf Songs mit Biss, Haltung und echtem Club-Schweiß in den Adern.

Internet

SIDEBÜRNS - "Beer Füeled Bastard"

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