Tracklist
01. Skies Collapse in Ashen Grey,
02. Illvilja A Storm of Poisonous Will
03. The Weight of Continuing
05. Bones Beneath the Blame
06. Nothing Announces Change
07. Ära i Död
08. Mörker täcker livets ljus
09. Farväl till allt
Besetzung
Simon (Tårfödd) – songwriting, guitars, vocals, lyrics, bass, drum & synth programming, acoustic guitars, mix & master
Mit »Mörker täcker livets ljus« legen TÅRFÖDD ein Album vor, das sich nicht um schnelle Wirkung bemüht. Stattdessen wächst es langsam, beinahe widerwillig, in den Kopf. Hinter dem Projekt steht mit Simon ein klassischer Einzelkämpfer, der hier nahezu alles selbst übernimmt, von den Gitarren über das Songwriting bis hin zu Mix und Master. Diese totale Kontrolle hört man der Platte an, im Guten wie im weniger Überzeugenden.
Post-Black Metal und progressiven Strukturen
Stilistisch bewegt sich das Album irgendwo zwischen Post-Black Metal und progressiven Strukturen, ohne sich eindeutig festzulegen. Der Opener »Skies Collapse in Ashen Grey« beginnt noch vergleichsweise vertraut, mit kalten Tremolo-Gitarren und einem druckvollen, wenn auch etwas programmiert klingenden Schlagzeug. Doch schon hier wird klar, dass es Simon weniger um rohe Aggression geht als um Atmosphäre. Die Stücke atmen, nehmen sich Zeit, und lassen Melodien stehen, wo andere Bands längst zum nächsten Part hetzen würden.
Mit »Illvilja A Storm of Poisonous Will« wird die progressive Schlagseite deutlicher. Der Song zerfasert stellenweise bewusst, baut Spannungen auf, die nicht immer sofort aufgelöst werden. Hier kommen auch die Gastvocals von Revenant stärker zur Geltung, die dem Material eine zweite emotionale Ebene geben. Gerade im Wechselspiel mit Simons rauem Gesang entstehen Momente, die hängen bleiben.
»The Weight of Continuing« gehört zu den stärkeren Tracks der Platte. Die Melancholie wird hier greifbar, fast schon greifbarer als die eigentliche Härte. Akustische Gitarrenflächen und zurückgenommene Passagen sorgen für Dynamik, ohne dass das Stück seinen Fluss verliert. Man merkt, dass Simon ein gutes Gespür für Stimmungen hat, auch wenn die Übergänge nicht immer ganz organisch wirken.
Ein kleiner Bruch in der Dramaturgie ist die Tracklist selbst. Die Nummerierung wirkt leicht unaufgeräumt, und auch im Hörfluss gibt es Stellen, an denen die Platte etwas an Orientierung verliert. »Bones Beneath the Blame« und »Nothing Announces Change« sind solide, aber weniger prägnant. Hier wiederholen sich Motive, ohne wirklich weiterentwickelt zu werden. Gerade im Progressive-Bereich fällt so etwas stärker ins Gewicht.
Mit »Ära i Död« zieht das Tempo wieder an. Der Song bringt eine direktere Energie zurück, bleibt dabei aber im typischen TÅRFÖDD-Klangkosmos. Kühle Riffs, dichte Atmosphäre, dazu diese leicht entrückte Produktion, die alles wie durch einen Schleier wirken lässt. Das ist stilistisch konsequent, nimmt den Songs aber manchmal auch etwas von ihrer Durchschlagskraft.
Emotionaler Höhepunkte
Der Titeltrack »Mörker täcker livets ljus« bildet einen der emotionalen Höhepunkte. Hier tritt mit Johanna Furberg eine weitere Stimme hinzu, die dem Stück eine fast fragile Note verleiht. Ihr Gesang setzt einen Kontrast zur sonst dominierenden Schwere und öffnet den Sound nach oben. Gerade in den ruhigeren Momenten zeigt sich, welches Potenzial in diesem Projekt steckt, wenn es sich mehr traut, mit Kontrasten zu arbeiten.
»Farväl till allt« beschließt das Album schließlich in ruhigerem Fahrwasser. Kein großes Finale, eher ein langsames Ausblenden. Das passt zur Grundstimmung der Platte, die weniger auf Katharsis setzt als auf ein konstantes, unterschwelliges Drücken.
Nicht immer ganz natürlich
Produktionstechnisch bewegt sich das Album auf einem soliden Niveau, auch wenn das programmierte Schlagzeug nicht immer ganz natürlich wirkt. Dafür sind Gitarren und Atmosphäre gut eingefangen, und gerade die leiseren Passagen profitieren vom klaren Mix. Man hört, dass hier jemand mit viel Hingabe gearbeitet hat, auch wenn nicht jede Idee vollständig ausgearbeitet wurde.
Unterm Strich ist »Mörker täcker livets ljus« ein Album, das Geduld verlangt.
Es belohnt aufmerksames Hören, bleibt dabei aber nicht durchgehend zwingend. Die Mischung aus Post-Black und progressiven Elementen funktioniert oft, wirkt stellenweise aber noch unfokussiert. Simon zeigt viel Talent, besonders im Aufbau von Stimmungen, doch nicht jeder Song erreicht die gleiche Intensität.
Die Bewertung von 3,5 von 5 geht daher in Ordnung. Ein interessantes, teilweise starkes Album mit klar erkennbarer Handschrift, das aber noch Luft nach oben hat. Wer sich auf die ruhigen, melancholischen Seiten des Genres einlässt, wird hier dennoch einiges entdecken können.
Fazit: Insgesamt ist »Mörker täcker livets ljus« von TÅRFÖDD ein solides Machwerk, das sowohl durch seine Atmosphäre als auch durch seine Komplexität überzeugt.

