Tracklist
01. Fractured
02. The Edge Of Time
03. Holding On To Forever
04. The Tide
05. Ignite
06. The Void
07. The Edge Of Time Pt. 2
08. The Distant Lights Of Home
Besetzung
Graham Keane – Gitarren, Synthesizer
Klemen Markelj – Schlagzeug
Nathan Max – Gesang
Matheus Manente – Bass
Nahuel Ramos – Synthesizersoli
Gastmusiker:
Paul Phillips – Bass bei »The Tide«
Pat Byrne – Bass bei »The Edge Of Time Pt. 2«
Alec Noonan – Begleitgesang bei »The Edge Of Time Pt. 2«
Wilmer Waarbroek – zusätzlicher Gesang bei »Ignite«
Bertrand Juve – Saxofon bei »The Distant Lights Of Home«
Sareeta – Violine bei »Ignite« und »The Distant Lights Of Home«
Graham Keane – Komposition und Produktion
Matheus Manente – Mix und Mastering
Jon Isaac Gutman – Artwork und Gestaltung
Progressive Metal aus Irland – und zwar ohne jenen gefürchteten Wettbewerb darum, wer innerhalb einer Minute die meisten Noten in die Gehörgänge stopfen kann! Hinter dem merkwürdigen Namen The Vicious Head Society steht der irische Gitarrist, Komponist und Produzent Graham Keane, der mit »Call Of The Void« sein drittes Studioalbum veröffentlicht. Fünf Jahre nach »Extinction Level Event« richtet Keane den Blick nicht mehr auf gesellschaftliche Katastrophen und den möglichen Untergang der Menschheit, sondern nach innen. Identitätsverlust, Angst, Erschöpfung, schwindender Lebenssinn und der schwierige Weg zu einem neuen Anfang bilden den gedanklichen Rahmen. Acht Stücke und rund 52 Minuten Spielzeit verbinden technisch anspruchsvolle Gitarren, wuchtige Rhythmen, große Refrains und ausgedehnte Instrumentalpassagen mit einer erfreulich greifbaren emotionalen Geschichte.
DER BLICK RICHTET SICH IN DIE EIGENE LEERE
Bereits das 2017 veröffentlichte Debütalbum »Abject Tomorrow« zeigte den enormen Anspruch von Graham Keane, blieb in seiner Ausführung jedoch noch etwas ungeschliffen. »Extinction Level Event« bedeutete vier Jahre später einen gewaltigen Schritt nach vorne und verband klassische Progressive-Metal-Strukturen mit dystopischen Geschichten. »Call Of The Void« führt diese musikalische Entwicklung fort, verabschiedet sich inhaltlich jedoch von großen Weltuntergangsszenarien.
Der titelgebende Ruf der Leere beschreibt hier keinen kosmischen Abgrund. Gemeint ist jener innere Zustand, in dem der eigene Antrieb langsam verschwindet. Etwas, das lange Zeit Sinn und Richtung gegeben hat, trägt plötzlich nicht mehr. Der Mensch kann sich gegen diese Erkenntnis wehren, am Vertrauten festhalten oder den schmerzhaften Schritt in eine neue Lebensphase wagen.
Keane behandelt diesen Vorgang nicht als einfache Erfolgsgeschichte. Widerstand, Selbstzweifel, Angst, Rückfälle und vorsichtige Hoffnung wechseln sich ab. Die acht Stücke erscheinen dadurch wie unterschiedliche Stationen eines persönlichen Kreislaufs. Der Weg führt von der inneren Zerrissenheit des Openers über die Konfrontation mit dem Abgrund bis zu den entfernten Lichtern, die im abschließenden Epos wieder so etwas wie Heimat versprechen.
Musikalisch arbeitet das Album weiterhin mit den bekannten Werkzeugen des Progressive Metal. Verschobene Taktarten, komplexe Rhythmen, schwere Gitarren, Synthesizersoli und lange Instrumentalteile sind reichlich vorhanden. Entscheidend ist jedoch, dass The Vicious Head Society diese Fähigkeiten meistens in den Dienst der Songs stellen. Ein technischer Klimmzug erhält nur dann Raum, wenn er die Stimmung oder Entwicklung einer Komposition tatsächlich unterstützt.
FRACTURED: ZERRISSEN, ABER NICHT ORIENTIERUNGSLOS
»Fractured« eröffnet das Album mit einem Riff, das unmittelbar deutlich macht, wie stark sich Keanes Gitarrenspiel seit dem Debüt entwickelt hat. Die tiefen Saiten drücken ordentlich nach vorne, während Klemen Markelj den Rhythmus mit präzisen Akzenten auseinanderzieht. Darüber bewegt sich Nathan Max mit einer klaren, ausdrucksstarken Stimme, die genügend Kraft besitzt, um sich gegen das massive Instrumentalfundament durchzusetzen.
Der Refrain gehört zu den eingängigsten Momenten des Albums. Trotz der komplizierten rhythmischen Umgebung bleibt die Melodie sofort im Gedächtnis. Genau hier liegt eine der größten Stärken des neuen Materials: Keane kann einen technisch anspruchsvollen Abschnitt schreiben, ohne den Hörer permanent daran erinnern zu müssen, wie kompliziert dieser gerade ist.
Nahuel Ramos liefert ein spiralförmig aufsteigendes Synthesizersolo, das von Keanes Gitarren aufgegriffen und weitergeführt wird. Beide Instrumente führen keine sportliche Geschwindigkeitsprüfung durch, sondern entwickeln das zentrale Motiv gemeinsam weiter. Der Song klingt dadurch geschlossen und nicht wie ein gewöhnlicher Metaltrack, dem nachträglich eine progressive Instrumentalpassage angeklebt wurde.
Inhaltlich beschreibt »Fractured« die Wahrnehmung eines Menschen, dessen bisheriges Selbstbild zerbricht. Die Musik folgt dieser Zerrissenheit mit abrupten Akzenten und wechselnden Spannungszuständen. Gleichzeitig weist der große Refrain bereits darauf hin, dass unter den Bruchstücken weiterhin ein handlungsfähiger Mensch existiert.
THE EDGE OF TIME: WENN DIE ANGST DIE ZEIT VERZERRT
»The Edge Of Time« setzt härter und unmittelbarer ein. Das Stück beschäftigt sich mit Angst und jenem Zustand übersteigerter Wahrnehmung, in dem jeder Gedanke gleichzeitig nach Aufmerksamkeit verlangt. Die Gitarren greifen mit einem schweren, beinahe mechanischen Riff an, während das Schlagzeug den Boden ständig leicht verschiebt.
Nathan Max bewegt sich zwischen melodischem Gesang, energischen Ausbrüchen und kurzen rauen Tönen. Seine Stimme erinnert in einigen Momenten an die dunklere Seite von Evergrey oder Vanden Plas, besitzt aber genügend Eigenständigkeit, um nicht als bloße Stilkopie durchzugehen. Insbesondere die ruhigeren Zeilen zeigen, dass seine Wirkung nicht ausschließlich aus Kraft entsteht.
Keane verzichtet auch hier nicht auf virtuose Gitarrenarbeit. Das Solo besitzt Tempo, doch wichtiger sind die melodischen Bögen, die sich durch die technische Bewegung ziehen. Jeder Lauf führt zu einem klaren Ziel. Meine Herren, wie der Gitarrist hier zwischen schwerem Rhythmusspiel und schwebenden Leads wechselt, ist schon ausgesprochen amtlich.
Der Titel erhält im späteren Verlauf des Albums einen zweiten Teil. Dadurch wird »The Edge Of Time« zu einem wiederkehrenden Bezugspunkt: Die ursprüngliche Angst verschwindet nicht einfach, sondern wird aus einer veränderten Perspektive erneut betrachtet.
HOLDING ON TO FOREVER: FESTHALTEN BIS DIE HÄNDE SCHMERZEN
»Holding On To Forever« nimmt etwas Geschwindigkeit heraus und rückt die emotionale Seite des Albums in den Vordergrund. Der Titel beschreibt den Versuch, etwas festzuhalten, dessen Zeit möglicherweise bereits abgelaufen ist. Gitarren und Keyboards schaffen eine melancholische Grundstimmung, ohne in kitschige Schwermut abzurutschen.
Nathan Max trägt den Song mit einem der stärksten Refrains der Platte. Mehrstimmige Harmonien erweitern seine Stimme, während Bass und Schlagzeug unter der Melodie eine stetige Bewegung aufrechterhalten. Gerade diese rhythmische Unruhe verhindert, dass der Titel zu einer gewöhnlichen Prog-Powerballade wird.
Keanes Gitarre kommentiert den Gesang mit kleinen melodischen Antworten. Erst später tritt sie vollständig in den Vordergrund. Das Solo wirkt nicht wie eine Unterbrechung, sondern wie die Fortführung dessen, was mit Worten nicht mehr ausgedrückt werden kann. Solche Momente zeigen, dass Keane inzwischen nicht nur hervorragende Einzelteile komponiert, sondern auch genau weiß, an welcher Stelle sie ihre größte Wirkung entfalten.
THE TIDE: GEGEN DIE STRÖMUNG
Mit »The Tide« steigt der instrumentale Druck wieder deutlich an. Paul Phillips übernimmt den Bass und legt gemeinsam mit Klemen Markelj ein schweres Fundament. Darüber wechseln Gitarren und Synthesizer zwischen geradlinigen Angriffen, rhythmischen Verschiebungen und weit geöffneten Melodien.
Eingespielte Stimmen verleihen dem Stück einen cineastischen Charakter. Die Wirkung erinnert stellenweise an die Art, wie Arjen Lucassen auf seinen ausgedehnten Konzeptalben unterschiedliche Perspektiven und Erzählebenen miteinander verbindet. The Vicious Head Society kopieren dieses Verfahren jedoch nicht, sondern nutzen es als atmosphärische Ergänzung.
Der Titel gehört zu den instrumental stärksten Kompositionen des Albums. Keane spielt einige seiner besten Leads, während Nahuel Ramos mit den Synthesizern dagegenhält. Besonders stark fällt die Brücke aus, in der sich das Arrangement zunächst öffnet und anschließend mit zusätzlichem Gewicht zurückkehrt.
Die titelgebende Flut steht sinnbildlich für Entwicklungen, die sich nicht dauerhaft aufhalten lassen. Wer sich ausschließlich dagegenstemmt, verbraucht irgendwann sämtliche Kraft. Der Song überführt diesen Gedanken in eine Musik, die ständig nach vorne drängt und dennoch genügend Raum für kurze Momente der Selbstbeobachtung lässt.
IGNITE: DIE ERSTEN FUNKEN EINES NEUEN ANFANGS
»Ignite« ist einer der zugänglichsten Titel von »Call Of The Void«. Eine markante Synthesizermelodie eröffnet das Stück, bevor Sareetas Violine eine fragile zusätzliche Farbe einbringt. Die schweren Gitarren halten sich zunächst zurück und treten erst später mit voller Kraft in Erscheinung.
Der Song arbeitet mit orientalisch gefärbten Tonfolgen, atmosphärischen Flächen und einem Refrain, der auch außerhalb eingeschworener Progressive-Metal-Kreise funktionieren dürfte. Wilmer Waarbroek ergänzt den Gesang und verleiht einzelnen Passagen eine zusätzliche dramatische Ebene.
Inhaltlich erscheint das Feuer nicht als zerstörerische Gewalt, sondern als neu entstehender Antrieb. Nach der Zerrissenheit, der Angst und dem verzweifelten Festhalten der vorherigen Stücke glimmt erstmals wieder eine erkennbare Richtung auf. Die Musik lässt diesen Funken langsam wachsen, bis Keanes abschließendes Gitarrensolo die gesamte aufgebaute Spannung entlädt.
Die Violine hätte durchaus häufiger in den Vordergrund treten dürfen. Ihr Klang bildet einen ausgezeichneten Kontrast zu Gitarren und Synthesizern, bleibt aber über weite Strecken eine atmosphärische Ergänzung. Dennoch erweitert sie den Song um eine Farbe, die innerhalb des Albums sofort wiederzuerkennen ist.
THE VOID: IM INNEREN DES ABGRUNDS
Das über siebeneinhalb Minuten lange »The Void« bildet den thematischen Mittelpunkt des Albums. Die Leere erscheint als jener innere Ort, an dem sich negative Gedanken sammeln, gegenseitig verstärken und irgendwann die Kontrolle über die eigene Wahrnehmung übernehmen.
Musikalisch gehört der Titel zu den wechselhaftesten Stücken der Platte. Schwere Progressive-Metal-Riffs, melodische Gesangspassagen und ausgedehnte Instrumentalteile gehen ineinander über. Zwischendurch taucht sogar ein unerwarteter, beinahe polkaartiger Rhythmus auf. Ja, verdammt, selbst mitten im seelischen Abgrund darf offenbar kurz das Tanzbein geschwungen werden.
Diese Passage könnte leicht wie ein erzwungener Scherz wirken, erfüllt jedoch einen wichtigen Zweck. Sie durchbricht die vorhersehbare Dramaturgie und zeigt, wie sprunghaft sich Gedanken in einem Zustand innerer Unruhe bewegen können. Danach kehrt das Stück umso wirkungsvoller zu seinen dunkleren Motiven zurück.
Nathan Max zeigt hier seine größte vokale Bandbreite. Klare, fast zerbrechliche Zeilen wechseln mit kraftvollen Höhen und einzelnen Growls. Letztere werden sparsam eingesetzt und erhalten gerade deshalb Gewicht. Sie markieren jene Augenblicke, in denen die innere Stimme nicht mehr argumentiert, sondern nur noch angreift.
Keanes Gitarrenarbeit ist erneut erstklassig. Riffs antworten aufeinander, Leads bewegen sich durch den Hintergrund und das Solo verbindet technische Präzision mit einer deutlich hörbaren emotionalen Aussage. Der Song besitzt viele Einzelteile, verliert sein Zentrum aber nur selten aus den Augen.
THE EDGE OF TIME PT. 2: DIE VERGANGENHEIT AUS NEUER PERSPEKTIVE
»The Edge Of Time Pt. 2« greift Motive des früheren Stücks auf, gestaltet sie jedoch deutlich weicher und nostalgischer. Pat Byrne übernimmt den Bass, während Alec Noonan den Begleitgesang ergänzt. Die ursprüngliche Angst ist weiterhin vorhanden, besitzt nun aber nicht mehr dieselbe Macht.
Die Komposition bewegt sich stellenweise in Richtung Alternative Metal und geradlinigerem Progressive Rock. Im Vergleich zu den übrigen Stücken wirkt der Beginn beinahe etwas unscheinbar. Erst im weiteren Verlauf wächst der Titel über seine zunächst schmale Struktur hinaus.
Das Gitarrensolo bildet den entscheidenden Höhepunkt. Keane nimmt die zuvor bekannten Melodien, verändert ihre Betonung und lässt sie dadurch hoffnungsvoller erscheinen. Teil zwei ist keine gewöhnliche Wiederholung, sondern eine musikalische Erinnerung, die aus größerer Entfernung betrachtet wird.
Dennoch gehört das Stück nicht zu den stärksten Einzelkompositionen des Albums. Seine Bedeutung entsteht vor allem innerhalb des Gesamtwerks. Ohne den ersten Teil würde ein Teil seiner emotionalen Wirkung verloren gehen; im vollständigen Ablauf erfüllt es seine Funktion als Übergang zum großen Finale jedoch ausgezeichnet.
THE DISTANT LIGHTS OF HOME: DREIZEHN MINUTEN BIS ZUR HEIMKEHR
Mit »The Distant Lights Of Home« gönnt sich Graham Keane das erwartete große Progressive-Metal-Finale. Über dreizehn Minuten werden Melodien, Stimmungen und gedankliche Themen des Albums noch einmal zusammengeführt. Eine zurückhaltende Melodie eröffnet den Song und vermittelt tatsächlich das Bild entfernter Lichter, die nach einer langen Reise erstmals am Horizont erscheinen.
Sareetas Violine kehrt zurück und besitzt diesmal einen deutlich größeren atmosphärischen Anteil. Bertrand Juve steuert ein Saxofon bei, das den Klangraum erweitert, ohne den Song plötzlich in eine Jazznummer zu verwandeln. Synthesizer, Gitarren und Streicher werden schrittweise übereinandergeschichtet, bis aus der ruhigen Einleitung ein gewaltiges Arrangement entsteht.
Auch gesprochene Passagen und raue Stimmen finden ihren Platz. Der Titel durchläuft mehrere Spannungszustände, zieht sich zurück und baut anschließend neue Höhepunkte auf. Besonders wirkungsvoll ist die Rückkehr der anfänglichen Melodie am Ende. Nach all den rhythmischen Verschiebungen, Soli und dramatischen Ausbrüchen klingt sie vertraut und verändert zugleich.
Vollkommen frei von Längen bleibt das Finale allerdings nicht. Einige Instrumentalpassagen fassen eher bereits bekannte Gedanken zusammen, als die Komposition tatsächlich weiterzuführen. Zwei oder drei Minuten weniger hätten dem emotionalen Abschluss vermutlich zusätzliche Konzentration gegeben.
Trotzdem funktioniert »The Distant Lights Of Home« als Zielpunkt der Reise. Die Leere wurde nicht besiegt und die Vergangenheit nicht ausgelöscht. Stattdessen findet die Hauptfigur einen Weg, mit Veränderung zu leben und erneut eine Richtung zu erkennen. Das ist weniger triumphal als ein gewöhnliches Happy End, wirkt dafür aber erheblich glaubwürdiger.
VIRTUOSITÄT MIT SINN UND VERSTAND
Graham Keane steht eindeutig im Zentrum von The Vicious Head Society. Seine Gitarrenarbeit hat seit »Abject Tomorrow« enorm an Sicherheit, Ausdruck und kompositorischer Zielstrebigkeit gewonnen. Schwere Rhythmusgitarren, verträumte Leads und technisch anspruchsvolle Soli greifen selbstverständlich ineinander.
Dabei besteht das Album keineswegs aus einer knapp einstündigen Selbstdarstellung. Klemen Markelj gibt den Kompositionen mit seinem präzisen und kraftvollen Schlagzeugspiel ein stabiles Gerüst. Selbst komplizierte Taktwechsel klingen bei ihm nicht mechanisch. Kleine Akzente auf Becken und Toms sorgen dafür, dass die Rhythmen in Bewegung bleiben.
Matheus Manente arbeitet am Bass nicht bloß die Grundtöne der Gitarren ab. Seine Linien sind im Mix gut hörbar und verleihen den härteren Passagen zusätzliches Gewicht. Bei »The Tide« und »The Edge Of Time Pt. 2« bringen Paul Phillips und Pat Byrne jeweils eine leicht veränderte Spielweise ein.
Nahuel Ramos versteht es, mit seinen Synthesizersoli gegen Keanes Gitarren anzutreten, ohne in einen permanenten Wettkampf zu geraten. Seine Klänge reichen von klassischen Prog-Leads bis zu atmosphärischen Flächen. Dadurch entsteht eine breite, häufig cineastische Klanglandschaft.
Nathan Max ist schließlich jener Musiker, der die persönliche Ausrichtung des Albums glaubwürdig vermittelt. Seine Stimme kann dunkel und kraftvoll, aber ebenso verletzlich klingen. Die wenigen Growls erscheinen genau an den richtigen Stellen und werden nicht eingesetzt, um das Album künstlich härter erscheinen zu lassen.
KLARER KLANG, GROSSE MELODIEN UND BEKANNTE SPUREN
Matheus Manentes Mix und Mastering verleihen »Call Of The Void« einen klaren, druckvollen Klang. Gitarren und Synthesizer besitzen ausreichend Raum, der Bass bleibt hörbar und das Schlagzeug verliert auch während dichter Arrangements nicht seine Wirkung. Die ruhigeren Passagen werden nicht auf dieselbe Lautstärke wie die schweren Riffs gepresst, wodurch die notwendige Dynamik erhalten bleibt.
Gelegentlich sind die musikalischen Vorbilder allerdings sehr deutlich zu erkennen. Dream Theater, Haken, Vanden Plas, Evergrey und stellenweise Ayreon hinterlassen nachvollziehbare Spuren. The Vicious Head Society entwickeln daraus eine zunehmend eigene Handschrift, haben sich aber noch nicht in jeder Passage vollständig von den bekannten Regeln des klassischen Progressive Metal gelöst.
Einzelne Refrains und Keyboardklänge erfüllen die Erwartungen des Genres etwas zu zuverlässig. Auch das lange Finale könnte kompakter ausfallen. Dem gegenüber stehen jedoch ein erheblich verbessertes Songwriting, ausgezeichnete instrumentale Leistungen und eine persönliche Geschichte, die dem technischen Anspruch ein menschliches Zentrum gibt.
FAZIT:
»Call Of The Void« verbindet virtuosen Progressive Metal mit großen Melodien und einer glaubwürdigen Auseinandersetzung mit Angst, Identitätsverlust und persönlicher Erneuerung. Graham Keanes Gitarrenarbeit, Nathan Max’ vielseitiger Gesang sowie die starken Beiträge von Klemen Markelj, Matheus Manente, Nahuel Ramos und den zahlreichen Gästen machen das dritte Album von The Vicious Head Society zum bisher geschlossensten Werk des Projekts. Einige vertraute Genreformeln und kleinere Längen im Finale verhindern die Höchstwertung. Vier von fünf Punkten.






