Band: Tombal 🇮🇹
Titel: Grave of the Damned
Label: Blood Harvest Records / Unholy Domain Records
VÖ: 12.06.2026
Format: CD / Kassette / Digital
Genre: Old School Death Metal / Swedish Death Metal

Tracklist

01. Cryptic Invocations (Intro) – 01:00
02. Grave of the Damned – 04:00
03. Cemeterial Death Worship – 03:58
04. Funebral Furnace – 03:45
05. Cathedrals of Rot – 03:01

Besetzung

Luigi Cara – Gesang, Gitarre
Massimiliano Falchi – Bass
Luca Barone – Schlagzeug

Veröffentlichung:
CD – Blood Harvest Records
Kassette – Unholy Domain Records
CD-Auflage – limitiert auf 300 Exemplare
Gesamtlaufzeit – 15:44 Minuten

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Schwedischer Death Metal aus Sardinien? Warum eigentlich nicht! Die Ende 2025 gegründeten Tombal klingen auf ihrer Debüt-EP »Grave of the Damned«, als hätten sie einen alten HM-2-Verzerrer aus einem zugemauerten Keller der Stockholmer Sunlight Studios geborgen. Das italienische Trio um Luigi Cara, Massimiliano Falchi und Luca Barone orientiert sich unverkennbar an Entombed, Dismember, Grave, Unleashed und Interment. Allerdings beschränkt sich die Band nicht darauf, den bekannten Motorsägengitarrenklang möglichst originalgetreu nachzustellen. In knapp 16 Minuten verbinden Tombal schnelle Galopprhythmen, Blastbeats, schwere Midtempo-Riffs und kurze melodische Einsprengsel zu einem konzentrierten Angriff, der weder Zeit für technische Selbstdarstellung noch für überflüssige Wiederholungen lässt. Die CD erscheint über Blood Harvest Records, während Unholy Domain Records die Kassettenausgabe übernimmt. Formal handelt es sich also nicht um ein vollständiges Album, sondern um eine EP mit Intro und vier regulären Stücken – doch dieses Grab ist tief genug, um einen ziemlich überzeugenden ersten Eindruck zu hinterlassen.

Full EP Stream: Grave of the Damned

DAS GRAB ÖFFNET SICH

Das einminütige »Cryptic Invocations (Intro)« führt mit einer dunklen, sakral wirkenden Atmosphäre in die EP. Statt sofort sämtliche Instrumente gleichzeitig loszulassen, bauen Tombal zunächst Spannung auf. Das Intro erfüllt damit einen klaren Zweck: Es trennt die reale Welt von den vier folgenden Stücken, in denen Friedhöfe, Fäulnis und menschliche Vernichtung die Kontrolle übernehmen.

Lange hält die Ruhe nicht an. »Grave of the Damned« beginnt mit einem Schlagzeugwirbel, der sich wie eine kurze Warnung vor dem folgenden Angriff anhört. Anschließend setzt Luigi Cara jene HM-2-Gitarre ein, die für den gesamten Charakter der Veröffentlichung entscheidend ist. Der Klang ist sägend, breit und aggressiv, besitzt aber genügend Kontur, damit die einzelnen Riffs nicht in einer gleichförmigen Verzerrung verschwinden.

Der Titeltrack handelt nicht von einem gewöhnlichen Friedhofsszenario, sondern von Krieg und dessen psychischen Folgen. Ein Soldat gehorcht, schießt auf einen anderen Menschen und überlebt körperlich, lässt jedoch einen Teil seiner selbst auf dem Schlachtfeld zurück. Orden verrotten auf zerstörten Körpern, während der Krieg im Inneren weitergeht. Der Text verzichtet damit auf Heldentum und betrachtet Überleben als Belastung statt als Triumph.

Musikalisch wechseln Tombal zwischen treibenden Rhythmen, kurzen Blastbeat-Attacken und schweren Abschnitten. Luca Barone spielt energisch und präzise, ohne den natürlichen Charakter einer Bandaufnahme zu verlieren. Die Snare schlägt trocken durch die Gitarrenwand, während die Bassdrum besonders in den schnelleren Passagen genügend Druck erzeugt.

Massimiliano Falchi folgt mit seinem Bass häufig den Gitarren, macht deren Klang dadurch aber noch massiver. Das Instrument ist nicht ständig als eigenständige Melodielinie wahrnehmbar, sorgt jedoch für jene tiefe körperliche Wirkung, die der ohnehin schweren Gitarre zusätzliche Substanz verleiht.

GOTTESDIENST AUF DEM FRIEDHOF

»Cemeterial Death Worship« ist der eingängigste Song der EP. Nach dem direkten Titeltrack setzen Tombal stärker auf Midtempo und einen Rhythmus, der sofort zum Kopfnicken zwingt. Das Hauptriff ist simpel aufgebaut, wird jedoch mit solcher Entschlossenheit gespielt, dass zusätzliche technische Verzierungen überflüssig wären.

Besonders gelungen ist der Wechsel zwischen schwerem Groove und schnelleren Ausbrüchen. Luca Barone hält das Stück beweglich, indem er nicht dauerhaft dieselben Schlagzeugfiguren wiederholt. Kurze Fills und Beschleunigungen verhindern, dass sich die Nummer vollständig auf ihrem Hauptriff ausruht.

Luigi Cara setzt zusätzlich eine melodische Leadgitarre ein, die sich aus der tiefen Verzerrung löst. Diese Melodie bringt keine freundliche Aufhellung, sondern verstärkt die morbide Atmosphäre. Hier zeigt sich die Nähe zu Dismember besonders deutlich: Härte und Melodie stehen nicht gegeneinander, sondern bilden gemeinsam den eigentlichen Reiz.

Der Gesang bleibt tief und verständlich genug, um nicht zu einem bloßen Geräusch innerhalb des Mixes zu werden. Luigi Cara brüllt mit kontrollierter Aggression und vermeidet sowohl übermäßig tiefe Gurgellaute als auch moderne Core-Schreie. Seine Stimme passt damit perfekt zur frühen Neunziger-Ästhetik der Musik.

DER VERBRENNUNGSOFEN LÄUFT AUF VOLLLAST

Mit »Funebral Furnace« erreicht die EP ihren aggressivsten Abschnitt. Der Song setzt stärker auf Geschwindigkeit, Blastbeats und kurze Tremolo-Passagen. Trotzdem verlieren Tombal den Groove nicht vollständig. Selbst in den schnellsten Momenten bleiben die Riffs nachvollziehbar und besitzen eine klare rhythmische Funktion.

Das Stück ist kompakt aufgebaut und wirkt weniger hymnisch als »Cemeterial Death Worship«. Die Gitarren greifen unmittelbar an, während das Schlagzeug die Komposition nahezu ununterbrochen vorwärtstreibt. Gerade dadurch entsteht jedoch die Gefahr, dass einzelne Motive weniger deutlich im Gedächtnis bleiben.

Handwerklich gibt es wenig zu beanstanden. Luigi Cara spielt seine Riffs präzise, Massimiliano Falchi verstärkt die tiefen Frequenzen und Luca Barone liefert den notwendigen Geschwindigkeitsrausch. Im Vergleich zu den übrigen Stücken fehlt lediglich ein herausragendes Leitmotiv, das die Nummer sofort eindeutig identifizierbar macht.

Innerhalb der kurzen Laufzeit funktioniert »Funebral Furnace« dennoch hervorragend. Die EP benötigt an dieser Stelle keinen weiteren langsamen Gruftmarsch, sondern einen möglichst direkten Gewaltausbruch. Genau diesen liefern Tombal ohne Umwege.

KATHEDRALEN AUS FÄULNIS

»Cathedrals of Rot« beendet die EP mit drei Minuten kontrollierter Zerstörung. Der Song beginnt schnell, entwickelt anschließend jedoch einen schweren Rhythmus, der zu den stärksten Momenten der gesamten Veröffentlichung gehört. Die Gitarren bewegen sich langsamer und erhalten dadurch noch mehr Gewicht.

Die titelgebenden Kathedralen bestehen nicht aus Marmor oder buntem Glas, sondern aus Verwesung und menschlichen Überresten. Tombal setzen diese Vorstellung nicht mit orchestralen Effekten oder übertriebener Dramatik um. Ein massives Riff und die tiefe Stimme reichen aus, um die notwendige Größe zu erzeugen.

Im letzten Drittel kehren schnellere Bewegungen zurück. Dadurch wird »Cathedrals of Rot« nicht zu einem reinen Midtempo-Abschluss, sondern bündelt noch einmal die wichtigsten Eigenschaften der EP: HM-2-Gitarre, Blastbeats, schwere Grooves und kurze melodische Akzente.

Gerade als Schlussstück ist die Nummer wirkungsvoll. Tombal verzichten auf ein langes Ausblenden, eine Geräuschcollage oder einen künstlichen Spannungsbogen. Nach drei Minuten fällt der Deckel zu – und das Grab bleibt geschlossen.

DREI MUSIKER UND EINE MOTORSÄGE

Die Besetzung der EP ist auf das Wesentliche reduziert. Luigi Cara übernimmt Gitarre und Gesang, Massimiliano Falchi spielt Bass und Luca Barone sitzt hinter dem Schlagzeug. Diese Trio-Konstellation kommt der Musik zugute, weil keine zusätzlichen Instrumente um Aufmerksamkeit kämpfen.

Die Gitarre steht erwartungsgemäß im Zentrum. Der HM-2-Klang ist extrem präsent und wird ohne Zurückhaltung eingesetzt. Trotzdem verlassen sich Tombal nicht allein auf den Effekt. Hinter der Verzerrung stehen Riffs, die auch mit einem weniger markanten Gitarrenton funktionieren würden.

Massimiliano Falchi trägt erheblich zum Gewicht bei. Sein Bass könnte an manchen Stellen etwas deutlicher aus dem Gitarrenklang herausgelöst werden, erfüllt aber zuverlässig seine Aufgabe. Besonders in den langsameren Passagen entsteht eine breite, drückende Tieftonwand.

Luca Barone ist das beweglichste Element. Er wechselt sicher zwischen Blastbeats, Galopprhythmen und schweren Midtempo-Schlägen. Seine Leistung verhindert, dass die EP zu einer bloßen Aneinanderreihung ähnlich klingender HM-2-Riffs wird.

SCHWEDISCHER TOD AUS SARDINIEN

Die Vorbilder sind unüberhörbar. Entombed, Dismember, Grave, Unleashed und Interment bilden das stilistische Fundament. Auch modernere Vertreter wie Bloodbath oder Entrails lassen sich als Vergleich heranziehen.

Vollständig neu ist an »Grave of the Damned« deshalb nichts. Tombal versuchen allerdings auch nicht, ihre Einflüsse hinter ungewöhnlichen Genrebezeichnungen zu verstecken. Die Band spielt klassischen schwedisch geprägten Death Metal, weil sie genau diesen Klang liebt.

Entscheidend ist die Qualität der Umsetzung. Die Riffs besitzen Druck, das Schlagzeug arbeitet abwechslungsreich und die Songs verschwenden keine Zeit. Das Trio versteht, dass Old School Death Metal nicht allein durch einen bestimmten Verzerrer entsteht, sondern von überzeugenden Übergängen und einer funktionierenden Rhythmusgruppe abhängt.

Die Produktion bildet sämtliche Instrumente ausreichend klar ab, bewahrt aber eine rohe Oberfläche. Der Gitarrenton nimmt viel Raum ein, ohne Schlagzeug und Gesang vollständig zu verschlucken. Eine stärkere Präsenz des Basses hätte dem Klangbild zusätzliche Tiefe gegeben, doch insgesamt stimmt die Balance.

Die größte Einschränkung liegt in der kurzen Laufzeit. Nach dem Intro bleiben lediglich vier reguläre Songs. Diese präsentieren zwar unterschiedliche Geschwindigkeiten und Schwerpunkte, erlauben jedoch noch keine abschließende Einschätzung, wie vielseitig Tombal auf einem vollständigen Album arbeiten können.

Als Debüt erfüllt die EP ihren Zweck allerdings ausgezeichnet. Blood Harvest Records haben die Band bereits für ein kommendes Album verpflichtet. Sollte das Trio die Mischung aus direkter Härte, schwerem Groove und kurzen melodischen Momenten auf eine längere Spielzeit übertragen können, dürfte Sardinien künftig einen festen Platz auf der Landkarte des europäischen Old School Death Metal erhalten.

FAZIT:

»Grave of the Damned« ist ein kurzer, aber äußerst wirkungsvoller Einstand, auf dem Tombal klassischen schwedischen Death Metal mit schweren HM-2-Gitarren, kompromisslosen Blastbeats und überzeugenden Midtempo-Riffs zelebrieren. Besonders »Grave of the Damned«, »Cemeterial Death Worship« und »Cathedrals of Rot« zeigen, dass hinter der offensichtlichen Verehrung der alten Schule eine Band mit Gespür für kompakte Songs steckt. Nach knapp 16 Minuten ist das Grab zwar schon wieder geschlossen, doch darunter arbeitet bereits etwas, das auf einem vollständigen Album noch erheblichen Schaden anrichten könnte.

Official Art Track: Grave of the Damned

Official Art Track: Cathedrals of Rot

Internet

Tombal - Grave of the Damned - EP Review

Vorheriger ArtikelBalashToth – Equation II – The Antithesis of Life and Free
Nächster ArtikelSorrow Sphere – The Wizard Of Doom