Tracklist
01. The Awakening Of Chaos – 02:25
02. Ashes Of A Dying Breed – 04:48
03. The Wizard Of Doom – 06:10
04. The Bringer Of Blades – 06:20
05. Doomed Skies – 03:59
06. Descent To Oblivion – 03:07
07. Descent To Oblivion (Extended Version) – 04:16
Besetzung
Ernesto „Doomlord“ Menga – Gesang, Bass
Giuseppe „Buzz“ Nicolò – sechs- und achtsaitige Gitarren, Drum-Programming, Hintergrundgesang
Produktion:
Musik – Sorrow Sphere
Texte – Ernesto „Doomlord“ Menga
Aufnahme, Mixing und Mastering – Giuseppe „Buzz“ Nicolò im Lost Soul Studio
Coverartwork – Gianfranco Logiudice
Die italienischen Sorrow Sphere melden sich nach dem 2024 veröffentlichten »Demonotheism« mit einer neuen Besetzung und einer deutlichen Rückbesinnung auf ihre düsteren Wurzeln zurück. Okay, das Artwork von »The Wizard Of Doom« sieht aus wie Neunziger-Commodore-CGI, doch wie heißt es so schön? Don’t judge a book by its cover! Hinter der etwas angestaubten Computerfantasy verbirgt sich nämlich eine hörenswerte Mischung aus langsamem Epic Doom, traditionellem Heavy Metal und vereinzelten Ausflügen in deutlich finsterere Gefilde. Vom ursprünglichen Line-up ist Ernesto „Doomlord“ Menga geblieben, der Gesang und Bass übernimmt. Neu an seiner Seite steht Giuseppe „Buzz“ Nicolò von Memories Of A Lost Soul, der Gitarren, Drum-Programming, Hintergrundgesang und die komplette Produktion verantwortet. Die offiziell als EP geführte Veröffentlichung umfasst knapp 31 Minuten, wobei »Descent To Oblivion« gleich in zwei Versionen vertreten ist. Musikalisch orientiert sich das Duo an klassischen Größen wie Candlemass, Solitude Aeturnus, Trouble, Pentagram und Solstice, ohne deren Qualität durchgehend zu erreichen. Trotzdem besitzt »The Wizard Of Doom« ausreichend Atmosphäre, schwere Riffs und eigenwillige Melodien, um nicht allein vom nostalgischen Doom-Bonus zu leben.
DAS CHAOS ERWACHT LANGSAM
Mit »The Awakening Of Chaos« beginnt die EP nicht direkt mit einem alles niederwalzenden Doom-Riff. Stattdessen bauen Sorrow Sphere über zweieinhalb Minuten eine dunkle und leicht mystische Atmosphäre auf. Keyboards, langsame Gitarrenbewegungen und eine bewusst bedrohliche Klanggestaltung öffnen das Tor zu einer Welt, die irgendwo zwischen verfallenen Tempeln, Schwert-und-Magie-Fantasy und klassischer Heavy-Metal-Dramatik liegt.
Das Intro erfüllt seinen Zweck, hätte allerdings etwas kompakter ausfallen dürfen. Die Stimmung wird früh etabliert und anschließend nur noch geringfügig erweitert. Als Vorbereitung auf den ersten regulären Song funktioniert die Nummer dennoch, weil sie die bedächtige Grundhaltung der Veröffentlichung deutlich macht.
»Ashes Of A Dying Breed« führt anschließend das zentrale musikalische Konzept ein. Schwere Gitarren, ein betont langsames Schlagzeug und der tiefe Gesang von Ernesto „Doomlord“ Menga bewegen sich in einem mittleren Doom-Tempo. Die Stimme wirkt weniger opernhaft als bei vielen Vertretern des Epic Doom und erinnert stellenweise stärker an eine beschwörende Erzählung.
Gerade dieser Gesang verleiht der Musik Eigenständigkeit. Ernesto „Doomlord“ Menga versucht nicht, Messiah Marcolin oder Robert Lowe zu imitieren. Sein tiefer, leicht rauer Vortrag fügt sich in die dunkle Produktion ein und verstärkt den Eindruck, dass hier keine strahlenden Helden, sondern die letzten Überlebenden einer untergehenden Welt besungen werden.
Das Riffing bleibt vergleichsweise einfach. Giuseppe „Buzz“ Nicolò setzt auf breite Akkorde und wenige gezielte melodische Figuren. Dadurch entwickelt der Song eine solide Schwere, allerdings fehlt dem Refrain jener markante Widerhaken, der die großen Klassiker des Genres sofort unverwechselbar macht.
DER ZAUBERER DES UNTERGANGS
Das Titelstück »The Wizard Of Doom« überschreitet die Sechs-Minuten-Marke und bildet den atmosphärischen Mittelpunkt. Die Gitarren erhalten einen leicht orientalischen Einschlag, während Keyboards und langsame Rhythmen eine mystische Kulisse aufbauen. Die Musik klingt dadurch weniger nach einer europäischen Burgruine als nach einem vergessenen Tempel irgendwo hinter einer endlosen Wüste.
Diese exotische Färbung steht dem Duo gut. Sorrow Sphere verlassen damit zumindest teilweise die vertraute Schnittmenge aus Candlemass und Solitude Aeturnus. Die Gitarren bewegen sich kontrolliert, während der Gesang wie eine dunkle Prophezeiung über dem Arrangement liegt.
Im Mittelteil erhöht sich das Tempo geringfügig. Die Gitarren lösen sich aus dem schwerfälligen Grundrhythmus und setzen beweglichere Figuren ein. Ein melodischer Instrumentalabschnitt bringt zusätzliche Dynamik, ohne den Doom-Charakter aufzugeben.
Allerdings zeigt sich hier auch eine Schwäche der EP: Die Produktion bleibt über weite Strecken sehr kompakt. Gitarren, Bass, programmiertes Schlagzeug und Keyboards bilden eine geschlossene Fläche, in der einzelne Details nicht immer klar hervortreten. Gerade das Bassspiel könnte stärker aus der Mischung gelöst werden.
Das Drum-Programming erfüllt seinen Zweck und arbeitet unauffällig. In den langsamen Passagen wirkt es ausreichend kraftvoll, bei Übergängen fehlt jedoch gelegentlich jene natürliche Dynamik, die ein tatsächlicher Schlagzeuger einbringen könnte. Der Musik wird dadurch nicht ihre Wirkung genommen, aber etwas von ihrer körperlichen Schwere.
DER KLINGENBRINGER SCHLÄGT HÄRTER ZU
»The Bringer Of Blades« gehört zu den stärksten Stücken der Veröffentlichung. Die Gitarren klingen härter, der Rhythmus erhält mehr Druck und einzelne Passagen bewegen sich in Richtung Death Doom. Ernesto „Doomlord“ Menga verstärkt diese Wirkung mit einem besonders tiefen und bedrohlichen Vortrag.
Der Song lebt von seinen Kontrasten. Langsame, schwere Riffs wechseln mit flüssigeren Gitarrenbewegungen und einem hörenswerten Leadpart. Giuseppe „Buzz“ Nicolò beweist hier, dass er nicht allein massive Akkorde setzen, sondern auch melodische Linien mit einer klaren Entwicklung schreiben kann.
Besonders das Gitarrensolo hebt sich positiv hervor. Es versucht nicht, durch möglichst viele Noten zu beeindrucken, sondern führt die düstere Stimmung des Songs weiter. Der Ton bleibt melodisch, besitzt aber genügend Schärfe, um nicht nach klassischem Hard Rock zu klingen.
Mit mehr als sechs Minuten ist »The Bringer Of Blades« die längste Komposition. Anders als beim Intro wird die Spielzeit sinnvoll genutzt. Die Band baut verschiedene Spannungsstufen auf und vermeidet es, denselben Refrain bis zur Erschöpfung zu wiederholen.
Hier zeigt sich das größte Potenzial von Sorrow Sphere. Wenn die schweren Doom-Riffs, der eigenwillige Gesang und die melodischen Gitarren gleichberechtigt auftreten, entwickelt das Duo ein glaubwürdiges eigenes Profil.
VERDAMMTE HIMMEL OHNE SONNENLICHT
»Doomed Skies« ist kompakter und direkter aufgebaut. Nach den beiden ausgedehnten Hauptstücken bringt die Nummer mehr Bewegung in die zweite Hälfte. Das Tempo bleibt für Doom-Verhältnisse moderat, doch die Gitarren greifen entschlossener an.
Der Song besitzt einen stärkeren traditionellen Heavy-Metal-Einschlag. Die Riffs sind geradliniger, die Struktur leichter nachvollziehbar und der Refrain tritt klarer hervor. Dadurch eignet sich »Doomed Skies« gut als Einstieg für Hörer, denen die langsameren Stücke zunächst zu schwerfällig erscheinen.
Gleichzeitig bleibt die Nummer weniger tiefgründig als »The Wizard Of Doom« oder »The Bringer Of Blades«. Die Atmosphäre ist vorhanden, entwickelt sich aber kaum über die anfängliche Idee hinaus. Nach knapp vier Minuten ist alles gesagt, was in diesem Fall durchaus für die Komposition spricht.
Die Gitarrenproduktion fällt erneut sehr dicht aus. Giuseppe „Buzz“ Nicolò verwendet sechs- und achtsaitige Instrumente, wodurch die tiefen Frequenzen erhebliches Gewicht erhalten. In Verbindung mit dem Bass entsteht allerdings gelegentlich eine kompakte Tieftonfläche, der etwas mehr Trennschärfe guttun würde.
ZWEIMAL HINAB IN DIE VERGESSENHEIT
Mit »Descent To Oblivion« endet die reguläre Songfolge. Die Nummer ist in einer gut dreiminütigen Fassung und einer um etwa eine Minute verlängerten Version enthalten. Der Unterschied besteht vor allem in zusätzlichem Material innerhalb der längeren Variante.
Die kurze Fassung funktioniert besser. Sie konzentriert sich auf das zentrale Riff, den Gesang und eine klare Entwicklung. Der Song besitzt einen beinahe rituellen Charakter und führt die EP ohne übermäßige Ausschmückung zu einem passenden Ende.
Die »Extended Version« ergänzt einen weiteren Abschnitt, verändert die grundlegende Wirkung aber kaum. Für Sammler und besonders interessierte Hörer ist die alternative Fassung ein netter Zusatz. Als eigenständiger siebter Titel wirkt sie jedoch eher wie Bonusmaterial und streckt die Veröffentlichung künstlich über die halbe Stunde.
Anstelle der Wiederholung wäre ein zusätzlicher eigenständiger Song reizvoller gewesen. Die EP besitzt im Kern fünf reguläre Kompositionen und ein Intro. Gerade weil »The Bringer Of Blades« und der Titeltrack das vorhandene Potenzial zeigen, bleibt der Wunsch nach etwas mehr neuem Material.
ZWEI MUSIKER GEGEN DAS LICHT
Sorrow Sphere treten auf »The Wizard Of Doom« als Duo auf. Ernesto „Doomlord“ Menga ist das verbliebene Gründungsmitglied und hält mit Gesang, Bass sowie sämtlichen Texten die Verbindung zur Vergangenheit der Band aufrecht.
Sein Gesang wird die Hörerschaft wahrscheinlich teilen. Die tiefe, teilweise sprechende Stimme besitzt Charakter, erreicht aber nicht immer die dramatische Ausdruckskraft klassischer Epic-Doom-Frontmänner. Gleichzeitig verhindert genau diese Eigenart, dass Sorrow Sphere wie eine weitere Kopie bekannter Vorbilder klingen.
Giuseppe „Buzz“ Nicolò übernimmt nahezu den gesamten instrumentalen und technischen Unterbau. Seine Gitarrenarbeit ist solide, gelegentlich sogar ausgesprochen stark. Besonders die melodischen Leads auf »The Bringer Of Blades« und die orientalischen Figuren des Titeltracks setzen deutliche Akzente.
Das programmierte Schlagzeug bleibt der größte Schwachpunkt. Es klingt keineswegs billig, bewegt sich aber sehr kontrolliert und lässt den schweren Riffs gelegentlich jene menschliche Trägheit fehlen, die im Doom Metal besonders wirkungsvoll sein kann. Ein tatsächlicher Schlagzeuger könnte zukünftigen Aufnahmen mehr Dynamik verleihen.
RÜCKKEHR ZU DEN DUNKLEN WURZELN
Sorrow Sphere entstanden bereits in den späten Neunzigerjahren im kalabrischen Underground. Nach mehreren frühen Demoaufnahmen verschwand die Band jedoch weitgehend von der Bildfläche, bevor mit »Demonotheism« 2024 das erste vollständige Album erschien.
»The Wizard Of Doom« soll musikalisch stärker an die ursprüngliche Ausrichtung anknüpfen. Langsame Rhythmen, dunkle Atmosphären und schweres Riffing stehen entsprechend deutlicher im Vordergrund. Die EP wirkt weniger breit angelegt als der Vorgänger und konzentriert sich konsequent auf traditionellen und epischen Doom Metal.
Diese Fokussierung ist grundsätzlich sinnvoll. Die Band weiß, welche Stimmung sie erzeugen möchte, und verzichtet auf unnötige stilistische Ausflüge. Das Material bewegt sich allerdings sehr nah an den bekannten Regeln des Genres.
Vergleiche mit Candlemass, Solitude Aeturnus, Trouble, Solstice und Pentagram sind unvermeidbar. Sorrow Sphere erreichen nicht durchgehend deren kompositorische Prägnanz, besitzen aber genug eigene Merkmale, um nicht als bloße Tribute-Band durchzugehen.
Das größte Entwicklungspotenzial liegt in stärkeren Refrains und einer organischeren Rhythmusarbeit. Die Atmosphäre stimmt, die Gitarren besitzen Gewicht und der Gesang hat Wiedererkennungswert. Was stellenweise fehlt, sind Melodien, die sich auch Stunden nach dem Hören noch festgesetzt haben.
FAZIT:
»The Wizard Of Doom« bietet soliden Epic Doom mit schweren Riffs, mystischer Atmosphäre und einem eigenwilligen Gesang, wobei besonders »The Wizard Of Doom« und »The Bringer Of Blades« überzeugen. Das programmierte Schlagzeug, die kompakte Produktion und die doppelte Fassung von »Descent To Oblivion« bremsen die Veröffentlichung etwas aus. Das Artwork bleibt Geschmackssache – musikalisch sollte man Sorrow Sphere deshalb tatsächlich nicht vorschnell nach ihrer digitalen Verpackung beurteilen.






