Tyrannous - Mournhold - cover Artwork

Band: Tyrannus 🇬🇧
Titel: Mournhold
Label: True Cult Records
VÖ: 15.05.2026
Format: Digital / CD / LP / MC
Genre: Blackened Thrash Metal / Death-Thrash / Atmospheric Black Metal

Tracklist

01. Violent Inheritance
02. Orbus Non Sufficit
03. Seize The Stars
04. Flesh Eternal
05. Reignfall
06. Mournhold
07. Back To Grey

Besetzung

Callum John Cant – Lead Vocals & Guitars
Alistair Harley – Bass Guitar, Additional Guitars & Backing Vocals
Richard Codling – Guitars & Backing Vocals
Alasdair Dunn – Drums & Backing Vocals
Scott McLean – Keyboards & Synthesizers

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Manchmal ist ein zweites Album der wahre Charaktertest. Das Debüt darf noch roh sein, hungrig, leicht überdreht und charmant unkontrolliert. Beim Nachfolger wird es ernst: Hat die Band wirklich eine eigene Sprache, oder war der erste Schlag nur ein glücklicher Treffer? Tyrannus aus Schottland beantworten diese Frage auf »Mournhold« ziemlich deutlich. Das Ding wirkt fokussierter, mutiger und erwachsener als »Unslayable«, ohne den giftigen Grundcharakter der Band zu verlieren.

»Mournhold« ist kein reiner Blackened-Thrash-Brandbeschleuniger, auch wenn es davon reichlich gibt. Tyrannus erweitern ihren Sound um atmosphärische Black-Metal-Flächen, death-thrashige Muskelarbeit und überraschend starke Post-Punk-Schatten. Dadurch entsteht ein Album, das nicht nur nach vorne hämmert, sondern auch Räume öffnet. Die Schotten prügeln nicht einfach sieben Songs durch, sie bauen eine Welt aus politischer Wut, persönlicher Abrechnung, kosmischem Unbehagen und diesem speziellen Gefühl, dass unter jedem Riff noch ein zweites, dunkleres lauert. Kurz gesagt: Hier wird nicht nur geballert, hier wird sehr bewusst gezielt.

(Schaut hier »Reignfall« von Tyrannus)

ERBE, MACHT UND DER GANZE VERDAMMTE SCHERBENHAUFEN

»Violent Inheritance« startet mit einer Klangwelle, bevor Tyrannus die Maschine anwerfen. Der Song lebt von starken Tempowechseln, eisigen Riffs, bissigen Vocals und Leadgitarren, die mal klagend, mal schneidend über dem Fundament liegen. Inhaltlich geht es um eine vererbte Welt aus Hierarchie, Gier, Ausbeutung und politischer Verwüstung. Das „gewaltsame Erbe“ ist hier keine abstrakte Metapher, sondern der Alltag, den frühere Machtstrukturen hinterlassen haben: kaputte Flüsse, kaputte Körper, kaputte Hoffnungen.

Musikalisch ist das ein starker Einstieg, weil Tyrannus sofort zeigen, dass sie mehr können als lineare Raserei. Der Song drückt, bremst, kippt, zieht wieder an und hält dabei die Spannung hoch. Callum John Cant klingt dabei nicht wie jemand, der wütend sein möchte, sondern wie jemand, der bereits zu lange zugesehen hat.

»Orbus Non Sufficit« übersetzt den alten Gedanken „Die Welt ist nicht genug“ in eine bittere Selbstbefreiung. Der Text kreist um Machtgier, toxische Bindungen, ausgelaugte Liebe und den Moment, in dem man erkennt, dass jemand die eigene Substanz benutzt hat, um sich selbst Flügel zu bauen. Das ist stark, weil der Song politische und persönliche Lesarten zulässt. Auf musikalischer Ebene feuert die Band treibende Blackened-Riffs ab, lässt aber genug Raum für dunkle Chöre und ein gesprochenes Zwischenspiel, das dem Stück eine fast theatralische Schwere gibt. Hier klingt nichts zufällig. Jeder Bruch sitzt.

DER FASCHIST KLETTERT, DIE RIFFS SÄGEN

»Seize The Stars« ist eine der offensichtlichsten Abrissbirnen der Platte. Der Song nimmt sich Karrierismus, Machtgier, faschistische Selbststilisierung und den ganzen elenden Mythos vom „Selfmade“-Aufstieg vor, der in Wahrheit auf gebrochenen Rücken steht. Textlich ist das eine klare Ansage gegen autoritäre Figuren, die sich über andere erheben und dann auch noch Applaus erwarten. Spoiler: Den bekommen sie hier nicht. Eher die Quittung mit rostigem Rahmen.

Musikalisch gehört die Nummer zu den stärksten Momenten. Thrash-Riffing, Black-Metal-Fieber, aggressive Vocals und eine zwingende Refrainstruktur greifen hervorragend ineinander. Der Song hat genug Direktheit für den Pit und genug Substanz für mehrfache Durchläufe. Wenn Tyrannus in Zukunft einen Live-Kracher brauchen: bitte hier entlang.

Dann kommt »Flesh Eternal« – und plötzlich steht die Platte in einem anderen Raum. Post-Punk-Bass, kühlere Atmosphäre, klarerer Gesang und ein deutlich körperlicheres, fast unheimlich intimes Textbild. Inhaltlich geht es um Liebe, Besitz, Verschmelzung und den Wunsch, jemanden nicht nur emotional, sondern existenziell an sich zu binden. Romantisch? Ja, aber auf diese Art, bei der man sicherheitshalber die Fluchtwege prüft. Der Song ist mutig, weil er den Blackened-Thrash-Strom kurz unterbricht und trotzdem völlig logisch wirkt. Genau solche Momente heben »Mournhold« über solide Genrekost hinaus.

REVOLUTION, HUNGER UND DIE GRENZEN DES SIEGES

»Reignfall« fährt wieder härter in den politischen Bereich. Der Text beschwört Aufstand, Unterklasse, Landlords, Gewalt gegen ein System aus Glas und Gier. Klingt nach Revolution, aber Tyrannus sind clever genug, nicht einfach einen glorreichen Sieg auszurufen. Das Stück zeigt auch, wie leicht sich Gewalt, Hunger und neue Ordnung wieder ineinander verbeißen können. Wer oben sitzt, fällt. Wer unten war, kann trotzdem neue Zähne entwickeln.

Musikalisch ist »Reignfall« der vielleicht thrashigste Song der Platte. Der Track marschiert nach vorne, ist knackig arrangiert und besitzt eine klare Live-Energie. Keine unnötigen Umwege, keine Selbstdarstellung. Hier geht es um Druck und Wirkung. Alasdair Dunn treibt das Stück mit starkem Schlagzeugspiel an, während die Gitarrenarbeit genau den richtigen Mix aus Schärfe und Eingängigkeit findet.

Der Titeltrack »Mournhold« verlagert die Perspektive wieder nach innen. Einsamkeit, gescheiterte Liebe, Selbsttäuschung, Neid und das Loslösen von einer zerstörerischen Bindung prägen den Text. Das ist einer der emotional stärksten Momente des Albums, weil der Song nicht nur wütend ist, sondern verletzt. Die Schatten von Mournhold stehen für einen Ort, den man verlassen muss, wenn man nicht darin verrotten will. Musikalisch zieht die Band das Stück breiter auf, mit mehr Atmosphäre, mehr Melodie und einem Aufbau, der dem Titel gerecht wird.

ZURÜCK INS GRAU, ABER NICHT OHNE WÜRDE

»Back To Grey« beendet das Album nicht mit einem einfachen Triumph, sondern mit einem bittersüßen Blick auf Vergänglichkeit. Blumen, Erinnerung, Abschied, verlorene Liebe und die Frage, was bleibt, wenn selbst Schmerz seine Form verliert. Der Song klingt zunächst fast wie eine weitere Fluchtbewegung, entwickelt dann aber eine eigene Mischung aus Speed, Death-Rock-Färbung und blackmetallischem Ausbruch. Das ist ein überraschend starker Abschluss.

Gerade hier zeigen Tyrannus, wie gut sie inzwischen verschiedene Einflüsse verbinden können. Ein bisschen Avantgarde-Speed-Metal, ein bisschen Post-Punk, ein bisschen Necrophobic-artige Kälte, dazu diese schottische Grimmigkeit, die keine großen Gesten braucht. »Back To Grey« schließt die Platte nicht sauber ab, sondern lässt einen Rest hängen. Sehr passend. Manche Alben brauchen kein Happy End. Manche brauchen nur den richtigen letzten Schatten.

KLANG, SPIELFREUDE UND FOKUS

Die Produktion von Scott McLean ist ein deutlicher Gewinn. »Mournhold« klingt scharf, aber nicht dünn; roh, aber nicht matschig; modern, aber nicht klinisch. Die Gitarren beißen, der Bass bekommt erfreulich viel Raum, die Drums haben Kraft, und die Keyboards/Synthesizer werden nicht als kitschiges Extra benutzt, sondern als atmosphärische Verstärkung. Das Mastering von Brad Boatright gibt dem Album zusätzlich Druck, ohne den Charakter plattzuwalzen.

Auch spielerisch hat die Band hörbar zugelegt. Callum John Cant führt das Material mit giftigem Gesang und starkem Riffgefühl. Alistair Harley sorgt gerade in den post-punkigeren Momenten für enorm wichtige Basslinien. Richard Codling ergänzt die Gitarrenarbeit mit zusätzlichen Farben, und Alasdair Dunn hält die komplexeren Bewegungen souverän zusammen. Das Ganze wirkt tight, aber nicht steril. Genau so muss das sein.

Der größte Fortschritt gegenüber »Unslayable« liegt im Songwriting. Tyrannus haben Fett weggeschnitten, ohne Atmosphäre zu verlieren. Die Songs sind kompakt, aber nicht flach. Sie sind aggressiv, aber nicht eindimensional. Vor allem »Seize The Stars«, »Flesh Eternal«, »Mournhold« und »Back To Grey« zeigen, wie viel Spielraum in diesem Sound steckt.

KLEINE EINWÄNDE AUS DER GRUFT

Ganz ohne Kritik geht es nicht. Sieben Songs nach vier Jahren Wartezeit sind stark verdichtet, aber man könnte sich durchaus noch ein oder zwei zusätzliche Momente wünschen, in denen Tyrannus ihre neuen post-punkigen und atmosphärischen Facetten weiter ausbauen. Außerdem ist die Platte trotz ihrer Vielfalt kein sofort leicht zugängliches Album. Wer einfachen Black-Thrash auf die Zwölf erwartet, bekommt zwar genug Prügel, muss aber auch mit Stimmungswechseln, Textschwere und sperrigeren Momenten leben.

Das ist allerdings eher ein Hinweis als ein echter Makel. »Mournhold« will nicht bequem sein. Es will seinen Raum behaupten. Und genau das gelingt. Die Platte hat Wut, Klasse, Bewegung und eine eigene Farbe. Vor allem aber hat sie Haltung. Nicht als Aufkleber, sondern als tragende Struktur.

FAZIT:

»Mournhold« ist ein verdammt starker zweiter Schlag von Tyrannus. Die Schotten verbinden Blackened Thrash, Death-Metal-Wucht, atmosphärischen Black Metal und Post-Punk-Elemente zu einem Album, das aggressiv, politisch, emotional und überraschend variabel ausfällt. Die Band klingt nicht mehr wie ein vielversprechender Underground-Name, sondern wie eine Formation, die ihren eigenen Bereich gefunden hat.

Textlich geht es um geerbte Gewalt, Ausbeutung, faschistische Machtphantasien, kaputte Liebe, Revolution, Selbstbefreiung und den mühsamen Weg aus persönlicher wie gesellschaftlicher Verstrickung. Musikalisch wird das mit starken Riffs, giftigen Vocals, treibenden Drums, markanten Basslinien und einer ausgezeichneten Produktion umgesetzt.

Die stärksten Songs sind »Violent Inheritance«, »Seize The Stars«, »Flesh Eternal«, »Mournhold« und »Back To Grey«. Kleine Abzüge gibt es nur dafür, dass die Platte gern noch etwas länger hätte sein dürfen und manche Ideen nach weiterer Ausdehnung rufen. Aber lieber sieben starke Songs als zwölf halbgare. Tyrannus liefern mit »Mournhold« ein intensives, cleveres und richtig bissiges Album ab. Wer Satyricon der »Nemesis Divina«-Phase, frühen Enslaved, Skeletonwitch, Aura Noir, Necrophobic oder politisch aufgeladenen Extreme Metal mag, sollte hier dringend einsteigen.

Videoclip

Internet

Tyrannus - Mournhold - CD Review

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