Tracklist
01. Premonition
02. Night City Delirium
03. Midnight Possession
04. Non Licet Bovi
05. No God Can Stop A Hungry Man
06. Dead Man’s Letter
07. Nero’s Blues
08. Ascending Below
09. So Close To
10. Macabre Luxuria
Besetzung
Andrey Nyarl – Vocals
Alex Prokofyev – Guitars
Alex Potapov – Fretless Bass
Rodion Belshevits – Drums
Die lettische progressive Blackened-Metal-Band PITS veröffentlicht mit „Macabre Luxuria“ ihr Debütalbum. Die Platte bewegt sich klar auf der schwereren Seite des Progressive Metal, bewahrt dabei aber rohe Emotionen und eine ausgeprägte melodische Sensibilität. Das Quartett erschafft ein instabiles, zugleich lebendiges Klangbild, das mühelos zwischen Aggression und Introspektion pendelt.
Erste Spannungsbögen zwischen Ruhe und Eskalation
Sehr ruhig und melodisch setzen die ersten Akkorde des Albums ein, doch diese entspannte Stimmung hält nicht lange an. „Premonition“ entwickelt sich rasch zu einem dichten Black-/Death-Metal-Stück, dessen progressive Struktur deutlich hörbar bleibt. Gutturale, harsche Vocals, beinahe growlend, treffen auf eine kompakte Instrumentierung und erzeugen ein volles Klangbild. Eine melancholische Grundstimmung zieht sich konstant durch die Musik von PITS, nochmals unterstrichen durch akustische Passagen, die jedoch eher Ausnahmen innerhalb eines weitläufigen und komplexen Soundgefüges darstellen. Die finalen Akkorde münden in dissonante, aggressive Klangflächen. Ein überzeugender und vielversprechender Auftakt.
Der permanente Wechsel zwischen melodischen und extrem aggressiven Polen sorgt für starke Kontraste, die sich in „Night City Delirium“ noch deutlicher zeigen. Hier kommen verstärkt typische Progressive-Vocals zum Einsatz, nicht unbedingt melodisch, aber wirkungsvoll. Der Song überzeugt mit einer sorgfältig ausgearbeiteten melodischen Linie, komplex und zugleich extrem in seiner Ausrichtung. Selbst das atmosphärische Zwischenspiel fügt sich organisch in die Komposition ein, ohne den Fluss zu dominieren. Präzises Schlagzeugspiel und ein markanter Bass betonen die technische Seite der Band und unterstreichen den dynamischen Ansatz des Stücks.
PITS stammen aus Riga und wurden 2022 von Gitarrist Alex gegründet, um über ein Jahrzehnt gesammelte musikalische Ideen umzusetzen. Was zunächst als Solo-Projekt begann, entwickelte sich mit dem Einstieg von Sänger Andrey im selben Jahr zu einer vollständigen Band. Mit Rodion am Schlagzeug und Bassist Aleksandr, der 2024 hinzukam, formierte sich schließlich das aktuelle Line-up. Mitglieder mit Erfahrung aus etablierten Bands treffen hier auf einen eigenständigen Zugang zum Genre, wobei das Album die Entwicklung des gemeinsamen Sounds klar widerspiegelt.
Schwere Riffs und progressive Vielschichtigkeit
Mit härteren Akkorden setzt „Midnight Possession“ ein und verankert sich fest im typischen Genreverständnis, zugleich melodisch und dissonant, komplex und ätherisch. „Non Licet Bovi“ eröffnet mit einer klagenden Leadgitarre, beginnt akustisch und in einer traurigen Atmosphäre, bevor ein von Wut getragener Abschnitt das Klangbild abrupt verändert. Hier wird deutlich, wie stark die Band auch im Black Metal verwurzelt ist. Der Dialog zwischen fretless Bass und Gitarre wirkt vielschichtig und polyrhythmisch und überzeugt sowohl technisch als auch durch sensibles Zusammenspiel.
Die Produktion ist gelungen und liefert genau den Sound, den man erwartet. Der Kontrast zwischen ruhigen und aggressiven Passagen fällt teilweise sehr stark aus, das Klangbild oszilliert konstant zwischen melodischer Zurückhaltung und plötzlicher, gespannter Heftigkeit. Das ist jedoch genretypisch und bei PITS insgesamt ausgewogener umgesetzt als bei vielen modernen Progressive-Metal-Veröffentlichungen. Lyrisch thematisiert „Macabre Luxuria“ den „Luxus“ des Todes, mit Bildern von verbrannter Erde und innerem Verfall.
„No God Can Stop A Hungry Man“ überzeugt mit starken Riffs und ausgeprägt emotionalen Momenten. Ein inspirierter Song mit hypnotischer Leadgitarre, solider Rhythmusarbeit und einer vielschichtigen Klangstruktur. Die Komposition wirkt anspruchsvoll und offen, mit räumlicher, abenteuerlicher Atmosphäre. Fein nuancierte Passagen wechseln zwischen akustischer Melodik und epischen Ausbrüchen von Aggression. Ein klarer Höhepunkt des Albums.
Emotionale Verdichtung und stilistische Erweiterung
Energiegeladen startet „Dead Man’s Letter“, schlägt jedoch bald eine ruhigere, introspektivere Richtung ein. Der Song entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen, mit deutlichen Doom-Metal-Einflüssen und insgesamt größerer stilistischer Vielfalt. „Nero’s Blues“ setzt auf ungewöhnliche Vocals, extrem tiefe Growls, die verstörend und gequält wirken, sich aber hervorragend in das musikalische Gesamtbild einfügen. Die melancholische Grundstimmung wird durch überzeugende Melodielinien und eine dichte, emotionale Textur getragen. Ein weiterer starker Moment des Albums.
Auch „Ascending Below“ zeigt von Beginn an klare Black- und Death-Metal-Einflüsse, mit shoutenden Vocals und einer veränderten Gesangstechnik, die den etablierten Sound konsequent fortführt. „So Close To“ hingegen eröffnet mit einem völlig anderen Ansatz: langsamer, technischer, abstrakter in der Instrumentierung. Ein hochfrequentes Solo, permanente Richtungswechsel und das Fehlen eines klar definierten Rhythmus oder einer festen Melodie erzeugen eine bedrückende, dunkle Atmosphäre.
Der abschließende Titeltrack „Macabre Luxuria“ greift erneut andereweltliche Akkorde und eine melancholisch aufgeladene Melodik auf. Abstrakt und ätherisch, mit wechselnden Klangfarben und unkonventioneller Struktur. Genau in dem Moment, in dem der Song an Intensität gewinnt, bricht er ab und endet abrupt. Ungewöhnlich, aber passend zu den unerwarteten Wendungen, die dieses Album durchziehen.
Ambitioniertes Debüt mit klarer Handschrift
Zwischen konzeptueller Kälte und ambitionierter Weitläufigkeit präsentieren PITS ein Progressive-Metal-Album, das durch Black- und Death-Metal-Einflüsse eine dichte, schwere Atmosphäre entwickelt. Nicht zwingend einzigartig, aber im aktuellen Progressive-Metal-Umfeld keineswegs alltäglich. Die Band zeigt deutliches kompositorisches Können und eine überzeugende Umsetzung.
Mit „Macabre Luxuria“ demonstrieren PITS eine bemerkenswerte Bandchemie und wirken bereits erstaunlich gereift, mit klarer musikalischer Ausrichtung und durchdachten Arrangements. Die Balance zwischen Emotionalität und Zurückhaltung gelingt gut, ohne in übertriebene Melodik oder Pathos abzurutschen. Dezente Genre-Einflüsse, blackened Riffs, druckvolle, death-metal-nahe Drums und ein auffallend präsenter fretless Bass prägen das Klangbild. Darüber liegen die gequälten, gutturalen Vocals, die philosophische und existenzielle Texte transportieren. Ein Album, das mit jedem Durchlauf wächst und nachhaltig Eindruck hinterlässt. Eine klare Empfehlung für Fans progressiver Musik.
Fazit: „Macabre Luxuria“ präsentiert PITS als ambitionierte Progressive-Metal-Band mit Sinn für Kontraste, Technik und eine konsequent dunkle Stimmung.

