Tracklist
01. Under The Sun
02. Do It Again
03. Millennial Dystopia
04. Revolt
05. Dissecting The Leech
06. Another Day
07. I Don’t Care
08. The Haunting Past
09. The Path
10. Apocalypse Of Hope
Besetzung
Matt Hanchuck – Guitars
Evie Austin – Bass
Greg Wagner – Vocals
Mark Miller – Drums
Die sehr aktiven kanadischen Thrasher WRECK-DEFY melden sich mit ihrem sechsten Full-Length-Album „Dissecting The Leech“ zurück. Inhaltlich knüpft die Band an ihren bisherigen Stil an und kombiniert massive Riffs und melodische Momente mit dissonanteren, chaotischeren Elementen.
Direkter Einstieg ohne Umwege
Das Album beginnt ohne Intro oder atmosphärische Spielereien. „Under The Sun“ ist ein unmittelbarer Angriff aus Riffs und unerbittlichen Drums – genau so, wie man es von einem Thrash-Metal-Opener erwartet. Rhythmisch, direkt, mit einfachen, repetitiven Riffs, die eine aggressive, hochenergetische Atmosphäre erzeugen. Die Vocals sind hoch angesetzt, geschrien und gebellt, während die Gitarre den eigentlichen fräsenden Impuls liefert. Roh, effektiv, energiegeladen – ein sehr guter Einstieg.
WRECK-DEFY stammen aus Ontario, Kanada, und verfolgen seit ihrer Gründung 2016 konsequent einen klassischen Thrash-Metal-Ansatz. Gitarrist Matt Hanchuck (Gutter Creek) ist Initiator des Projekts und das einzige Mitglied, das auf allen Veröffentlichungen vertreten ist. Nach zahlreichen Besetzungswechseln besteht das aktuelle Line-up aus Sänger Greg Wagner (Wags Metal Inc., H.A.T.E., ex-Concussion, ex-Prophecy), Bassistin Evie Austin (Cemetery Filth, Dark Ritual) und Drummer Mark Miller (Creepo, Gutter Creek). Zusätzlich wirken mehrere Gastmusiker mit, vor allem bei Gitarrensolos und Zweitstimmen.
Der Angriff setzt sich ohne Pause fort. „Do It Again“ rückt die Vocals stärker in den Vordergrund – klarer Gesang mit Vibrato, während Gitarren und Rhythmussektion etwas zurückgenommen wirken. Die Intensität bleibt hoch, getragen von maschinengewehrartigem Drumming. „Millennial Dystopia“ ist etwas langsamer, technisch anspruchsvoller, verliert aber einen Teil der anfänglichen Energie. Gang-Shouts ergänzen die bellenden Vocals, das Solo ist scharf und melodisch, insgesamt wirkt der Song jedoch weniger giftig, was auch durch das repetitive gesprochene Finale unterstrichen wird.
Stärken im Tempo, Schwächen im Fluss
„Revolt“ bringt wieder präzise Drums und ein galoppierendes Riff. Der starke Einstieg verliert jedoch an Wirkung, sobald das Tempo im Refrain deutlich gedrosselt wird. Die Wechsel zwischen rasenden und gebremsten Passagen zeigen zwar zwei Seiten der Band, doch nur die schnellere überzeugt wirklich. Chaotischer Ansatz, aber insgesamt ein solider Song.
Der Titelsong „Dissecting The Leech“ beginnt melodisch und direkt, kappt diesen Ansatz jedoch rasch und kippt in eine abstraktere, anarchische Struktur. Wütend und hart, aber kompositorisch wenig einprägsam. Die Riffs wirken aufgesetzt, die Tempo- und Strukturwechsel unfokussiert – einer der schwächeren Momente des Albums.
Auffällig ist die uneinheitliche Produktion. Der Fokus liegt stark auf den Höhen, wodurch die Vocals fast allein im Vordergrund stehen. Der Bass ist kaum präsent, die Drums schwanken zwischen zurückhaltend und dominant, und die Gitarren pendeln zwischen tragenden Riffs und bloßer Begleitfunktion. Die ohnehin chaotische Musik wirkt dadurch noch unstrukturierter.
Lichtblicke und erneute Zerfaserung
Mit „Another Day“ kehrt kurzzeitig Klarheit zurück. Treibende Drums, schnelles Tempo und stampfende Gitarren treffen auf klassisch geprägte Heavy-Metal-Vocals mit Tremolo und Vibrato. Kompositorisch deutlich fokussierter und einer der stärksten Momente des Albums.
„I Don’t Care“ schlägt erneut eine melodischere Richtung ein, näher am klassischen Heavy Metal als am Thrash. Der vielversprechende Aufbau verliert sich jedoch schnell in technischer Unruhe. „The Haunting Past“ beeindruckt durch Technik und Schlagzeugarbeit, bleibt aber ohne wirklich greifbare Melodik.
„The Path“ beginnt langsamer und emotionaler, fast balladenhaft. Pathosbetonter Gesang und einfache Riffs dominieren, bevor Tempo- und Richtungswechsel erneut für Unklarheit sorgen. Erst im letzten Teil entscheidet sich der Song konsequent für den ruhigen Ansatz. Der Abschlusstrack „Apocalypse Of Hope“ bündelt noch einmal viele Ideen, scheitert aber genau daran. Zu viele vokale Ansätze, zu viele Richtungswechsel – ein enttäuschendes Ende.
Orientierungslos trotz Erfahrung
WRECK-DEFY setzen ihren eingeschlagenen Weg fort und verbinden mutigen Thrash Metal mit zurückhaltenderen Heavy-Metal-Einflüssen. Klare Riffs treffen auf überladene Strukturen, technische Demonstration steht oft über melodischer Aussage. Am Ende hinterlässt das Album einen unausgewogenen Eindruck.
Das zentrale Problem liegt in der Komposition. Die Songs wirken suchend, unstrukturiert, als wäre die Band permanent auf der Jagd nach dem einen wirklich tragenden Riff. In diesem Prozess werden zu viele fremde Elemente eingebracht, Tempos gewechselt und Melodielinien kombiniert, die nicht zusammenfinden. Nach dem starken Opener verliert sich das Album zunehmend. Frühere Veröffentlichungen wie „Fragments of Anger“ oder „The World Enslaved“ zeigen, dass WRECK-DEFY fokussierter agieren können. „Dissecting The Leech“ erreicht dieses Niveau nicht.
Fazit: WRECK-DEFY zeigen auf „Dissecting The Leech“ ihre Handschrift, verlieren sich jedoch in chaotischen Strukturen und unausgewogener Produktion.

