JINJER: “European Duél”-Tour, Gasometer Wien, 17.02.2026

EUROPEAN DUÉL TOUR:
JINJER, UNPROCESSED & TEXTURES
live @ Gasometer Wien, 17.02.2026

JINJER-Duel-Tourflyer-2026

Der Abend des Faschingsdienstags 2026 wurde im Wiener Gasometer untypisch zelebriert: Statt Krapfen gab es progressiven Metal in drei verschiedenen Ausführungen. JINJER brachten ihre European Duél“-Tour an besagtem Dienstag nach Wien. Als Support-Acts waren UNPROCESSED und TEXTURES mit am Start und heizten die Bude auf. Alle Fotos vom Abend gibt es hier!

Textures

TEXTURES-Duel-Tour_2026_WienBevor TEXTURES die Bühne betraten, war es noch verhältnismäßig ruhig im Gasometer. Ausverkauft war das Konzert nicht, also konnte man nicht einschätzen, wie voll es am Ende werden würde. Die letzte Headliner-Show in Österreich hatten TEXTURES 2017 im Chelsea, einem kleinen Club mit einer Kapazität von maximal 250 Leuten. Allzu bekannt dürften die Niederländer bei uns daher nicht sein. Ihre zehnjährige Pause zwischen dem letzten Album „Phenotype“ und dem aktuellen „Genotype“ hat vermutlich nicht geholfen.

Nach „Closer To The Unknown“ servierten uns TEXTURES „New Horizons” vom vorherigen Album. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich, während ich diesen Bericht schreibe, immer noch einen Ohrwurm von der „mindless minions“-Passage habe. Das ist ohnehin so eine brachiale Stelle und live wirkt sie noch einmal heftiger!

TEXTURES-Duel-Tour_2026_WienNachdem ich mich beim Fotografieren gewundert hatte, dass sich Daniël nicht so energiegeladen wie gewohnt auf der Bühne bewegte, kam vor „Measuring the Heavens“ die Info, dass er krank sei. Trotzdem zog er durch, aber man sah ihm an, dass er nicht ganz fit war. Er ärgerte sich selbst, wenn die Stimme leicht brach, aber ganz ehrlich: Wenn ich gesund so singen könnte wie er krank… Offensichtlich war die Aufmerksamkeit für die restlichen Songs mehr auf ihn gerichtet. In „Measuring the Heavens“ sang er die hohen Töne mit erstaunlicher Präzision, obwohl er sichtlich kämpfte. Die Growls am Ende vom Lied klangen um nichts weniger brutal.

Bei den letzten beiden Nummern trudelten stoßweise immer mehr Leute in den Raum. Die Stimmung war gut. Die polyrhythmischen Passagen machten das Mitklatschen oft schwierig. Bevor es peinlich wurde, ließ man die Hände lieber in den Hosentaschen und genoss stattdessen die Präzision, mit der Schlagzeuger, Bassist, Keyboarder und die beiden Gitarristen die Songs spielten.

Setlist

1. Closer to The Unknown
2. New Horizons
3. Singularity
4. Timeless
5. Measuring the Heavens
6. Awake
7. Laments of an Icarus

Unprocessed

UNPROCESSED-Duel-Tour_2026_WienUNPROCESSED sind gerade einmal dreizehn Jahre lang als Band aktiv, haben sich aber in dieser kurzen Zeit bereits ein solides Fundament geschaffen. Ein deutlicher Publikumszuwachs im Vergleich zu TEXTURES war nur ein Indiz für den Bekanntheitsgrad der Band. Die Stimmung war sofort auf einem hohen Niveau. UNPROCESSED eröffneten ihr Set aber mit der wuchtigen Nummer „111“ von ihrem aktuellen Album „Angel“. Typisch für die Band ist der Einsatz von 8-Saiter-Gitarren, die der Musik wortwörtlich Tiefe verleiht. Darüber hinaus sind die feine Gitarrentechniken von Sänger und Gitarrist Manuel hervorzuheben, die unglaubliche Präzision verlangt. Alleine dieses Detail lässt ihre Musik modern klingen. Ausgeschmückt mit melodischen Akzenten schlagen die schwindelerregenden Tempowechsel und erdigen Grooves umso stärker in die Magengrube.

Visuell setzten UNPROCESSED auf eine monochrome Lichtshow. Auf dem digitalen Backdrop war nur ihr Schriftzug in Weiß auf schwarzem Hintergrund zu sehen. Umso heller leuchteten die verschnörkelten Buchstaben. Es hatte gleichzeitig etwas Subtiles und Aggressives.

Obwohl die Band bereits sechs Alben veröffentlich hat, spielte sie ausschließlich Lieder von den letzten beiden. Als Manuel nach den ersten Liedern das Wort ergriff, war ich überrascht, jemanden deutsch sprechen zu hören. Da fiel mir erst wieder ein, dass UNPROCESSED aus Deutschland kommen.

UNPROCESSED-Duel-Tour_2026_WienWie bereits erwähnt war die Stimmung während ihres Auftritts sehr gut. Wenig überraschend formierte sich der erste Pit nach wenigen Liedern während „Sacrifice Me“. Davor sollten alle Handylampen für „Glass“ eingeschaltet werden, was visuell für ein angenehmes Ambiente sorgte und die ruhige Nummer fein untermalte. UNPROCESSED lieferten jedoch ein überwiegend energiegeladenes und brutales Set. Die Bandmitglieder spielten präzise und bewegten sich trotzdem ungebremst auf der Bühne. Vor allem der Bassist begeisterte mit zahlreichen Sprüngen und Drehungen, ohne je einen Saitenanschlag zu verpassen. Zwischendurch übernahm er auch Gesangspassagen. Wenn UNPROCESSED als neue Generation des Progressive Metal bzw. Djent gilt, dann sollte sich die Konkurrenz warm anziehen!

Live zogen mich UNPROCESSED mehr mit als auf der Platte. Entsprechend viel Spaß machte der Auftritt. Die Mosher hatten Blut geleckt, was Manuel mit den Worten: „Nicht schlecht, Wien“, kommentierte, „aber wir müssen jetzt den Raum splitten. Wenn ihr euch auf’s Maul hauen wollt, dann jetzt“.

Und so endete ein weiterer grandioser Auftritt wie im Flug. Die Leute waren aufgeheizt und die Glücksgefühle schäumten über. Es war Zeit, sich schnell noch etwas zu trinken zu organisieren und sich ein gutes Plätzchen für das große Finale zu sichern…

Setlist

1. 111
2. Sleeping With Ghosts
3. Beyond Heaven’s Gate
4. Thrash
5. Glass
6. Sacrifice Me
7. Snowlover
8. Lore
9. Solara
10. Terrestrial

Jinjer

JINJER-Duel-Tour_2026_WienDas Konzert war auch am Ende des Abends nicht ausverkauft, aber ich schätze, 90% der Tickets waren weg. Im Gasometer war es daher ungewohnt gemütlich. Trotzdem war offensichtlich, für wen die Leute da waren: JINJER!

Für JINJER wurde die Bühne penibel aufgeräumt – selten ist mir eine Bühne so leer vorgekommen. Es lagen keine Kabel am Boden herum, nichts. Ab dem Zeitpunkt, wo die Band „Duél“ anspielte, wusste man auch wieso: Nichts sollte von den Videoprojektionen ablenken. Die gesamte hintere Wand wurde zu einem visuellen Spektakel. Auch die Erhöhung des Schlagzeugs war an der Front mit Monitoren bestückt. Für jedes einzelne Lied wurden Videos und Animationen erstellt, die es thematisch untermalten. Zusammen mit dem kristallklaren Sound war JINJERs Auftritt ein audiovisueller Genuss.

JINJER-Duel-Tour_2026_WienAufgeheizt von den beiden Vorbands gab es für die Mosher keinen Grund für Zurückhaltung mehr. Andere beteiligten sich mit rhythmischem Kopfschütteln, Mitgrölen und sanften Tanzbewegungen, wie Frontfrau Tatiana Shmayluk. Ich durfte JINJER an jenem Abend zum ersten Mal sehen und hatte erwartet, dass sie viel heftigere und schnellere Bewegungen auf der Bühne machen würde. Stattdessen steckte sie ihre gesamte Energie in ihre Vocal-Performance und tanzte sanft zur Musik mit. Mit ihren Bewegungen akzentuierte sie den melodischen, feinen Aspekt der Musik, die insgesamt schwer ins Ohr geht. Gleich wie UNPROCESSED haben mich JINJER live mehr mitgerissen als auf der Platte. Obwohl die Band musikalisch wie auch gesanglich auf sehr hohem Niveau agiert, ist ihr Sound nichts für den leichten Einstieg. Die Songs sind fordernd und komplex – für Neulinge im Genre daher eher schwere Kost als ein idealer Anspieltipp.

Die belebten Videos haben den Auftritt von JINJER maßgeblich aufgewertet. Bei einem Set von 16 Liedern und einer Spielzeit von ca. 80 Minuten verging so auch für mich die Zeit sehr schnell, obwohl ich mit ihrer Musik immer noch nicht warm geworden bin. Eingefleischte JINJER-Fans haben sicher jede einzelne Sekunde in vollen Zügen genossen, denn was uns die Band geboten hat, war eine professionelle, technische und atmosphärische Meisterleistung.

JINJER-Duel-Tour_2026_WienDass es nicht so viel aktive Interaktion mit dem Publikum gegeben hat, ist vielleicht nur mir mit meiner analytischen Brille aufgefallen. Dass Bassist und Gitarrist beide ein schwarzes Kapperl aufgesetzt hatten, verstärkte den Eindruck, dass es wenig Blickkontakt mit den Fans gab. Tatiana beschränkte ihre Reden auf wenige Wörter, wirkte dabei aber unheimlich sympathisch. „Someone’s Daughter“ widmete sie den „Schwestern“ im Raum. Das Lied hatte noch nicht einmal den Refrain erreicht, da sah man schon die erste Frau über den Händen des Publikums in Richtung Bühne schweben. Von da an folgten ihr weitere Crowd Surfer – nicht nur während diesem Lied, auch bei den restlichen drei Nummern.

Vor „Pisces“ fragte Tatiana, ob wir bereit seien für den letzten Song – na klar! Die Leute gaben noch einmal Vollgas und zelebrierten die letzen Minuten. JINJER verabschiedeten sich, verließen mit wenigen Worten die Bühne, aber den Schmäh kennt man ja schon. Ein Licht blieb an, das hieß natürlich, dass es in Wirklichkeit noch nicht vorbei war. Das Rufen nach Zugabe war laut. Die Bitte wurde erhört. Mit „Sit Stay Roll Over“ zogen JINJER einen elektrisierenden Schlussstrich. Das Lied endete abrupt: kein Fade-Out, kein verabschiedender Trommelwirbel, einfach aus die Maus. JINJER hinterließen ein glückliches Gasometer und lebhafte Erinnerungen an ein fabelhaftes Konzert.

Fazit: Drei starke Bands und Performances, dreimal Top-Sound und unzählige zufriedene Gesichter. Ein äußerst kurzweiliger und intensiver Konzertabend. Faschingdienstag mal anders. Gerne wieder!

Setlist

1. Duél
2. Green Serpent
3. Fast Draw
4. Vortex
5. Disclosure!
6. Tantrum
7. Teacher, Teacher!
8. Kafka
9. Judgement (& Punishment)
10. Hedonist
11. I Speak Astronomy
12. Perennial
13. Someone’s Daughter
14. Rogue
15. Pisces
16. Sit Stay Roll Over

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