Interview: Robert Resch Fotos: Erik Hennemann

Schaut hier den Live-Clip und hört die EP „Dreckige Kohle“ (Playlist)

Die Düsseldorfer Punks von Vier Meter Hustensaft gehören inzwischen zu weit mehr als nur einem bloßen Geheimtipp in der hiesigen Szene. Was einst mit dem Demoalbum „Influenza“ und einer Sängerin begann, nahm vor rund zwei Jahren mit der EP „Kein Vergeben, Kein Vergessen“ spürbar Fahrt auf, als die Band mit NRT-Records gemeinsame Sache machte. Anfang dieses Jahres präsentierte sich die Politpunk-Formation schließlich in neuer Besetzung: Sängerin Yvonne warf das Handtuch, während Phil und Thiemo fortan den Gesang übernahmen und der Band hörbar eine neue Dynamik verliehen. Vergangenen Samstag standen Vier Meter Hustensaft gemeinsam mit The Bolokos in der legendären Manege Lintorf auf der Bühne – ein Abend, der offenbar noch lange nachhallen dürfte. Grund genug also, um uns mit Philipp Altenhofen über Umbesetzungen, neue Energie, dreckige Kohle, Haltung im Punkrock und die nächsten Schritte der Band zu unterhalten.

Robert – Philipp Altenhofen (Sänger & Gitarrist Vier Meter Hustensaft)

Hallo Phil, schön, dass du dir Zeit für Metal Underground nimmst. Bei Vier Meter Hustensaft ist gerade ordentlich Bewegung drin: Die aktuelle EP „Dreckige Kohle“ ist erschienen, hat positive Resonanz eingefahren und zeigt die Band nach den Umbesetzungen hörbar fokussierter, direkter und druckvoller. Gleichzeitig steht ihr offenbar nicht still, denn bald soll bereits eine weitere Veröffentlichung folgen. Dazu kommt: Ihr habt gerade die Show mit The Bolokos in der Manege Lintorf in Ratingen hinter euch. Also steigen wir direkt bei den aktuellen Ereignissen ein.

Phil, euer Bandname „Vier Meter Hustensaft“ bleibt definitiv hängen – aber wie ist er eigentlich entstanden? Gibt es eine konkrete Geschichte dahinter oder war das eher ein spontaner Geistesblitz?

Der Name entstand tatsächlich schon ein bis zwei Jahre, bevor es die Band gab:

Meine Tochter war irgendwann mit zwei/drei Jahren richtig krank.
Als meine Frau mit ihr vom Arzt nach Hause kam, hat sie mir ganz stolz erzählt, dass der Arzt gesagt hat, dass sie „Vier Meter Hustensaft“ nehmen muss.

Sänger und Gitarrist Philipp Altenhofen Live in der MANEGE LINTORF:
Fotocopyright: Erik Hennemann

Anmerkung Robert: Ein Name, der hängen bleibt.

Ihr habt gerade die Show mit The Bolokos in der Manege Lintorf in Ratingen gespielt. Wie war der Abend für euch, und wie hat dieses etwas ungewöhnliche Paket aus karibischem Punkrock und Düsseldorfer Szene seine Wirkung entfaltet?

Der Abend ist eigentlich kaum in Worte zu fassen.

The Bolokos sind nicht nur eine großartige Band, es sind vor allem großartige Menschen…. Wir hatten einen fantastischen Abend.


Vor ausverkauftem Haus zu spielen, war definitiv ganz besonders. Das Feedback am gleichen Abend hat das auch bestätigt. Das Surreale daran: Es standen draußen Leute und kamen nicht mehr rein, weil die Manege Lintorf einfach rappelvoll war. Das war so surreal.

 

Bassist Philipp Wachter Live in der MANEGE LINTORF
Fotocopyright: Erik Hennemann

Die EP „Dreckige Kohle“ ist ja im Januar erschienen und hat positive Resonanz erhalten. Wie fühlt sich das für euch an, gerade weil es die erste Veröffentlichung in der aktuellen Besetzung ist? Wart ihr nervös, wie die Leute auf die starke Veränderung innerhalb der Bandstruktur reagieren würden, oder saht ihr das entspannt?

Wir haben dem recht entspannt entgegengesehen.
Live ist dieser Zustand ja nun schon seit Ende 2024 so. Klar gab es anfangs etwas Verwunderung, aber es gab gleichermaßen auch genug positive Resonanz, um weiterzumachen.

Nach dem Ausstieg von Yvonne Wagner hast du zunächst kurzfristig den Gesang übernommen und bist dann dauerhaft in die Frontrolle hineingewachsen. Wie groß war dieser Schritt für dich persönlich?

Ich habe mich daran gewöhnt.
Der Schritt war eigentlich nicht so groß, sondern in dem Moment notwendig und logisch. Es hat sich für uns falsch angefühlt, jemand Neuen in die Band zu holen, der dann die Texte singt, die Yvonne überwiegend geschrieben hat.

Ich habe mich anfangs nicht ganz wohlgefühlt in der Rolle als Sänger, aber langsam habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem ist es super – so war ja auch die Hoffnung –, dass da jetzt auch Thiemo ist, der mich beim Gesang unterstützt. So kann ich dann zwischendurch mal wieder durchatmen und mich mit meiner Rolle als Gitarrist austoben.

Gitarrist & Sänger Thiemo Schröder – Live in DER MANEGE LINTORF Fotocopyright: Erik Hennemann

Nach der Veröffentlichung von „Dreckige Kohle“ soll bald schon eine weitere EP erscheinen. Seid ihr gerade besonders kreativ, oder ist da nach den personellen Veränderungen einfach viel angestaute Energie freigesetzt worden?

Sowohl als auch.

Zudem ist da auch einfach der Drang danach, ein komplettes Album zu haben und das anbieten zu können. Klar muss man auch sagen, dass einige der „alten“ Songs in der neuen Besetzung einfach nicht mehr funktionieren bzw. nicht mehr authentisch sind. So wollen wir live nach und nach einfach auch mehr Songs haben, die das repräsentieren, wie die Band nun eben ist.

Hatte der Gig mit The Bolokos für euch noch einmal einen besonderen Stellenwert, weil Vier Meter Hustensaft nach den Umbesetzungen inzwischen hörbar und sichtbar in einer neuen Phase angekommen sind?

So einen Gig spielen zu dürfen, ist immer besonders. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Mike Vogel bedanken, der uns nach dem Gespräch mit unserem Labelboss Philipp Gottfried, in Punkkreisen Pfnörki genannt, direkt gebucht hat.

Mit Thiemo Schröder kam nicht nur eine zweite Gitarre dazu, sondern auch eine weitere Stimme. Was hat sich dadurch musikalisch, live und innerhalb der Band verändert?

Die Kreativität hat sich verändert, die spielerischen Möglichkeiten natürlich auch. Live ist das ein großer Vorteil, weil wir uns aufteilen können und das Gitarrenfundament nun auch klingt wie auf Platte.

Drummer Dirk Löber – Live in Der MANEGE LINTORF Fotocopyright: Erik Hennemann

Schon der Opener „Was Ich Dringend Brauche“ wirkt erst wie ein klassischer Bier-und-Frust-Song, hat aber zwischen den Zeilen eine deutlich persönlichere Ebene. Wie viel Augenzwinkern und wie viel echter Alltag steckt in diesem Stück?

Da steckt definitiv mehr Augenzwinkern als Alltag drin.
Aber wer kennt es nicht: Alles und jeder nervt, bis man die Person findet, bei der plötzlich all der Frust vergessen ist.

Der Titeltrack „Dreckige Kohle“ zeichnet ein Bild zwischen Rheinland, Ruhrgebiet, Büdchen, Bier und Bodenhaftung. Was bedeutet Heimat für dich im Punkrock-Kontext?

Heimat im Punkrock-Kontext bedeutet für mich Freiheit.

Punkrock ist ein breit gefächertes Genre, in dem ich auf der Gitarre mit drei Akkorden sein darf, aber auch ein Solo oder ein Breakdown Gefallen findet.

„Der Allergrößte“ mokiert sich über jene selbsternannten Überflieger, die selbst nichts auf die Reihe bekommen, aber eine Riesenschnauze haben. Sind solche Songs eher allgemeine Beobachtungen, oder gibt es da manchmal sehr konkrete Auslöser?

Der konkrete Auslöser war bei mir das berufliche Umfeld.

Ihr seid von Monasteria Recordz 2023 zu NRT-Records gewechselt. Warum kam es zu diesem Schritt, und was hat sich für euch seitdem konkret verändert – in der Arbeitsweise, der Außenwirkung und im Gefühl, als Band unterstützt zu werden?

Die Zusammenarbeit mit Monasteria Recordz war erst einmal auf die „Influenza“-Vinyl beschränkt. Das lief ja auch weiter, solange es MS Recordz gab.

Zu NRT-Labelboss Philipp besteht der Kontakt allerdings auch schon recht lange, und wir haben natürlich genau verfolgt, wie er sich um seine Bands kümmert. Also haben wir ihm zwei Songs – ich glaube, es waren damals „Kein Vergeben“ und „Alle Gegen Einen“ – gepitcht, und nach nicht einmal zehn Stunden kam die Antwort: „Alles klar, ich mache euch.“ Mit vielen Infos zum Label, die er mitschickte. Zunächst beschränkte Philipp aka. Pfnörki den Vertrag auf die eine EP, und Ende letzten Oktobers haben wir den Plattenvertrag dann quasi upgegradet auf mindestens drei Alben. Heute ist er auch ein sehr guter Freund von uns geworden und wir haben nicht nur geschäftlichen Kontakt…. Seit wir bei ihm sind, läuft es wie am Schnürchen. NRT ist das Beste, was einer Band passieren kann, gerade in der heutigen Zeit.

Vier Meter Hustensaft – Copyright: Vier Meter Hustensaft

Mit „Misch Dich Ein“ habt ihr vorher schon ein klares Statement gegen Homophobie gesetzt und damit viel Aufmerksamkeit bekommen. Wie wichtig ist es euch, Punkrock nicht nur als Ventil, sondern auch als Haltung zu verstehen? Manche würden ein solches Thema als zu woke empfinden, doch was hat euch dazu bewogen, dieses Lied zu schreiben?

Punkrock war und ist immer Haltung zeigen. Homophobie ist einfach dumm und falsch. Punkt.

Nach „Dreckige Kohle“, der positiven Resonanz, der Show mit The Bolokos und der bereits laut Insiderwissen 😉 geplanten nächsten Veröffentlichung: Wo stehen Vier Meter Hustensaft jetzt – und wohin soll es als Nächstes gehen?

Gerade stehe ich noch neben mir. Ich schreibe diese Zeilen am Morgen nach dem Konzert, und ich bin noch ein wenig kaputt. 😀
Wir stehen gerade als Band in den Startlöchern, bereit loszulegen!

Danke dir für das Gespräch, Phil. Die letzten Worte gehören dir: Was möchtest du den Leuten da draußen noch mitgeben – an die Punk-Szene, an eure Fans oder an alle, die Vier Meter Hustensaft bisher noch nicht auf dem Schirm hatten?

Schmeißt die Masken weg, der Hustensaft kommt! Zunächst einmal, Robert, möchten wir uns bei dir für das Interview bedanken und grüßen alle Metalheads und Punks, alle Leser von Metal Underground und danken euch für euer Interesse an unserer Musik.

Und immer dran denken: A Hustensaft A Day, keeps the Doctor Away

VIER METER HUSTENSAFT – Interview

Vorheriger ArtikelRITCHIE NEWTON – Higher Power
Robert
Soldat unter dem Motto morituri te salutant sich als Chefredakteur bemühender Metalverrückter. Passion und Leidenschaft wurden fusioniert in der Verwirklichung dieses Magazins.