“The War That Never Ends” Tour
1914, KATLA, GRIMMING
26.04.2026, Chelsea Wien
Ein ausverkauftes Konzert im Chelsea, und das an einem Sonntagabend – offenbar wollten viele die ukrainische Blackened-Death/Doom-Metal-Einheit 1914 und/oder die Supportbands KATLA und GRIMMING sehen. Die beteiligten Bands hätten wohl auch eine größere Location verdient, doch trotz der Enge erwies sich das Chelsea als passender Gastgeber für den Abend. Die Veranstaltung wurde von Barracuda Music und Mind Over Matter präsentiert.
GRIMMING
Die Band aus der Steiermark, die im vergangenen Jahr durch ein Video mit traditionellen Trachten und gleichzeitig sehr prägnantem Death Metal größere Aufmerksamkeit erlangte, eröffnete den Abend. Bereits mit den ersten Reaktionen aus dem Publikum – Applaus und Jubel – wurde klar, dass sie mehr sind als nur eine optische Besonderheit, und sie bestätigten das schnell auch musikalisch. Die Tracht täuscht nicht: das ist schwerer, klarer Metal.

Fanfaren und traditionelle Klänge bilden zunächst den Einstieg, bevor schwere Riffs und technische Präzision den Raum füllen. Gutturale Growls, raue Vocals, melodische, aber gleichzeitig druckvolle Gitarren, ein präsenter Bass und eine solide Rhythmussektion ergeben einen dichten Sound. Die Riffs werden durch komplexere Gitarrenlinien ergänzt, dazu kommen punktuell Black-Metal-Einflüsse und eine ungewöhnliche Verbindung zu traditionellen Melodien aus dem Süden Österreichs.
Das Publikum reagiert sofort positiv, mit viel Applaus und sichtbarer Begeisterung. Die Band gewinnt die Anwesenden schnell für sich, nicht nur durch Energie, sondern auch durch ihre Songs, die zur Bewegung einladen. Die Mischung aus melodischen Linien und folkloristischen Elementen sorgt für einen eigenständigen Klang. Sie haben eine eigene Nische gefunden und füllen sie überzeugend.
Auch die Songstrukturen sind interessant, mit Momenten, in denen sich der Sound deutlich in Richtung Black Metal verschiebt. Dazu ein kommunikativer Frontmann und eine Band, die sich selbst nicht zu ernst nimmt, trotz Steirerhut und Auftreten. Entscheidend bleibt die Musik – und die funktioniert. Ein kurzer, aber überzeugender Auftritt, viele Reaktionen aus dem Publikum und ein gelungener Einstieg in den Abend.
Setlist
01. Lindwurm
02. Pankh
03. Pesthigl
04. Jagatod
05. Wüdschitz
KATLA
Das dänische Stoner/Sludge/Doom-Trio KATLA betrat als nächstes die kleine Bühne, die für drei Musiker bereits eng wirkte. Der Einstieg mit ambienten, fast meditativen Klängen wirkte zunächst irritierend – ein kurzer Moment der Ruhe, bevor sich das Gegenteil entfaltet.

Mit dem eigentlichen Beginn setzt sofort ein massiver, tieffrequenter Sound ein, sehr laut, an der Grenze zum Unangenehmen. Gleichzeitig bleibt der Klang im Raum klar und präzise, technisch sauber umgesetzt. Das gilt auch für die Band selbst: langsame Tempos, lange gezogene Riffs, dominanter Bass, ergänzt durch melodische und teils dissonante Gitarren.
Keine Musik, die durchgehend zum Headbangen einlädt, aber in den groovigeren Passagen reagiert das Publikum dennoch. Die Dynamik entsteht eher aus dem Wechselspiel der langsamen und dichteren Momente. Auf der Bühne dominiert vor allem der Sänger und Schlagzeuger mit seiner Präsenz. Der Sound wirkt stellenweise fast vintage, mit groovigen und teilweise melodischen Ansätzen, unterstützt durch die zweite Stimme am Bass.
Ein besonderer Moment entsteht, als Oleksa von 1914 mit auf die Bühne kommt und mit zusätzlicher Gitarre den Sound deutlich verdichtet. Die Band bleibt meist im langsameren Bereich, typisch für Sludge, wobei das Schlagzeug wesentlich zur Gesamtwirkung beiträgt.
Die Reaktionen im Publikum bleiben eher zurückhaltend, passend zur Musik. Zwischen den Songs gibt es politische Kommentare, aber auch humorvolle Momente, insgesamt eine entspannte Atmosphäre. Einzelne Fans sorgen dennoch für Bewegung im Raum. Ein solides Set, mit starker musikalischer Umsetzung.
Setlist
01. Warmongering Luciferians pt. 1
02. Warcries
03. Dead Lover
04. Black Echo
05. Grim Jesus
06. Dragonlord
07. Taurus
1914
Zu den Klängen von „War In (The Beginning of the Fall)“ vom Band betreten 1914 die Bühne. In einer dichten, erdrückenden Atmosphäre setzt sich ihr Auftritt nahtlos fort, geprägt von ihrem charakteristischen Mix aus Death, Black und Doom Metal, verbunden mit den kriegsbezogenen Themen. Die eingespielten historischen Klangfragmente aus der Zeit, auf die sich ihr Name bezieht, erzeugen kurze, wirkungsvolle Übergänge und funktionieren live sogar intensiver als auf den Alben.

Nach mehreren gescheiterten Anläufen war es ihnen nun endlich möglich, wieder auf Tour zu gehen – die Situation in ihrem Heimatland hatte ihnen lange Zeit verwehrt, Europa zu bereisen und zu spielen. Trotz dieser Umstände haben sie im letzten Jahr mit „Viribus Unitis“ eines der wichtigsten Genre-Alben veröffentlicht und sich erneut an die Spitze der relevanten Veröffentlichungen gesetzt.
Der Sound ist erneut sehr gut, mit fünf Musikern auf der Bühne deutlich vielschichtiger. Die Gitarren entwickeln komplexe Melodien und gleichzeitig eine massive, drückende Wand. Neben der Musik ist die Show klar inszeniert und theatralisch angelegt: Uniformen, gezielte Bewegungen, eine durchdachte Choreografie. Nichts wirkt zufällig, keine unnötigen Gesten – alles dient der Darstellung von Krieg, Verzweiflung, Gewalt und Hass.
Der Sänger wirkt dabei zurückgenommen, wenig emotional, fast distanziert. Das gilt im Grunde für die gesamte Band: keine sichtbare Leidenschaft, sondern eine kontrollierte, fast kühle Darbietung. Vielleicht sogar zu kontrolliert. Gleichzeitig spiegelt genau das auch ihre Musik wider. Im Kontrast dazu steht das Publikum, das die Songs mit spürbarer Begeisterung aufnimmt. Die Setlist ist sehr gut gewählt, von „FN .380 ACP#19074“ bis zu neueren Stücken wie „1914 (The Siege of Przemysl)“ oder „1916 (The Südtirol Offensive)“, insgesamt eine Auswahl der repräsentativsten Songs, vor allem der rhythmisch stärkeren, die live besser funktionieren.
Immer wieder setzen sie starke Riffs, ergänzt durch emotionale Melodien und die rauen Vocals. Sänger Dmytro Kumar ist der Einzige, der zwischen den Songs spricht – mit klar politischen Aussagen und erschütternden Geschichten, nicht aus den Alben, sondern aus der Realität. Im Kern stehen seine Worte konsequent gegen Krieg und Imperialismus und wirken wie eine direkte Warnung. Die Texte tragen eine starke Botschaft, unterstützt durch die Musik.
Musikalisch erfüllt die Band die Erwartungen vollständig, die Performance bleibt jedoch auffallend distanziert. Keine Ausbrüche, keine sichtbare Intensität, eher eine bewusste Zurückhaltung. Diese Distanz wirkt stellenweise befremdlich und schafft eine gewisse Unruhe im Raum. Niemand erwartet Leichtigkeit oder Humor, aber die Distanz ist deutlich spürbar.
Am Ende bleibt dennoch die Musik entscheidend – und die ist von höchster Qualität. Ein überzeugender Auftritt, starke Songs und ein insgesamt gelungener Abend.
Setlist
01. FN .380 ACP#19074
02. Vimy Ridge (In Memory of Filip Konowal)
03. 1914 (The Siege of Przemysl)
04. 1915 (Easter Battle for the Zwinin Ridge)
05. 1918 Pt 1: WIA (Wounded in Action)
06. 1916 (The Südtirol Offensive)
07. 1917 (The Isonzo Front)
08. Passchenhell
09. A7V Mephisto






