BLUTFEST: EISREGEN, DEBAUCHERY, BALGEROTH, DARKFALL, MANDIBULA, 23. 11. 19, Viper Room Wien

Blutfest-Wien-2019

Sind wir nicht alle ein bisschen blutgeil?“ – Wäre ich das nicht, könntet ihr diesen Bericht gar nicht erst lesen! Am Samstag kamen EISREGEN, DEBAUCHERY und BALGEROTH mit ihrem Blutfest nach Wien. Passend zu „In der Hölle spricht man Deutsch“ fand das akustische Massaker im Viper Room statt, einer richtig geilen Location im Keller, wo man keinen Empfang hat und auch keinen braucht. Unterstützt wurden die Hauptacts von zwei österreichischen Bands: MANDIBULA und DARKFALL.

Mandibula

Mandibula_Blutfest_Wien_2019

Die Wiener „Kieferbruchmetal“-Band Mandibula gibt es seit 2007. Den Namen finde ich persönlich ziemlich geil, vor allem jetzt, da ich weiß, dass „Mandibula“ ein Begriff aus der Medizin ist und „Unterkiefer“ bedeutet. Daher wohl die Bezeichnung „Kieferbruchmetal“. Wie hat sich das nun live angehört? Bis heute weiß ich nicht, in welcher Sprache die Sängerin ins Mikrofon gebrüllt hat. Während des Auftritts habe ich an das denken müssen, was Johan von Amon Amarth letztens in Wien gesagt hat – scheiß auf den Text, es ist Death Metal. Genau so habe ich die Show auf mich wirken lassen und mich gefreut, dass immer mehr Leute nach vorne kamen. Zwischendurch prostete man sich mit den noch nicht zerbrochenen Bierflaschen zu. Anders als bei den meisten Gruppen, ergriff der Gitarrist das Wort, wenn es um die Ankündigung der nächsten Songs ging. Die Sängerin hörte man nur zum Abschied normal sprechen. Alles in allem ein netter Anheizer fürs Blutfest.

Darkfall

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Die Death-Thrasher aus Graz dürften bereits einigen Besuchern an diesem infernalen Abend bekannt gewesen sein. Immerhin existiert die Band bereits seit 1995. Lange dauerte es nicht, bis die erste Reihe direkt vor der Bühne von einigen anvisiert wurde. Es wurde wild geheadbangt und kleine Mosh Pits gab es auch. Die Stimmung war richtig gut und es war wiedermal scheißegal, ob man die Lieder kannte, oder nicht. Mir fiel vor allem auf, dass Darkfall das Publikum viel mehr einbezogen und dass die Musik nicht so chaotisch war. Ein gelungener Auftritt, der Spaß machte.

Setlist

01. Phoenix Rising
02. Fading Away
03. The Breed of Death
04. Ride Through the Sky
05. Deathcult Debauchery
06. Rise to Dominate
07. Peacemaker
08. Land of No Return

Balgeroth

Balgeroth_Blutfest_Wien_2019

Balgeroth und Debauchery sind im Prinzip dieselbe Band. Sie bestehen aus denselben Mitgliedern mit dem Unterschied, dass Balgeroth überwiegend deutsche und Debauchery überwiegend englische Texte haben.

Als Balgeroth traten die Herren zuerst auf. Dafür trugen sie Dämonenmasken und andere Outfits. Die Mikrofonständer waren dekoriert mit Menschenschädeln, –händen, Ketten und diversem anderen Zeug. Rechts stand eine Figur, die schätzungsweise Blutgott Balgeroth repräsentieren sollte. Das oder irgendeinen Dämonen, denke ich. Sah auf jeden Fall cool aus.

Das Set bestand aus wenigen Liedern, war aber extrem geil! Die meisten freuten sich wahrscheinlich genau so wie ich, einfach mal die eigenen Dämonen rauszulassen. Es wurde mitgebrüllt, gemosht, gehüpft, geheadbangt mit solcher Begeisterung und Lebensfreude… Man hörte immer wieder Flaschen, die zu Boden knallten und zerfetzten – alles egal. Die Stimmung war höllisch gut.

Debauchery

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Nachdem die „deutschen Kriegsmaschinen“ sich zurückgezogen und sich in eine neue Kluft geworfen hatten, kamen sie mit neuen Outfits und blutbeschmierten Gesichtern zurück. Die Deko blieb dieselbe. Im Vergleich zu vorher war das Set aber viel länger.

Am meisten hatte ich mich auf „Let there be Blood“ gefreut und entsprechend alles gegeben, als mein Wunsch in Erfüllung ging. Meine Lungen haben noch vor Eisregen gebrannt, als wär ich Laufen gewesen. Nach „Let there be Blood“ verließ der Sänger samt Gitarre irgendwann die Bühne und spielte inmitten des Publikums weiter. Verglichen zum Auftritt als Balgeroth wurden die Zuschauer von Debauchery mehr involviert, was ich super fand. Somit hat mir dieser Auftritt noch besser gefallen.

Eisregen

Die Stimmung war bereits unglaublich gewesen. Dass es noch eine Steigerung geben würde, hätte ich so nicht erwartet…

Eisregen hatten mit einem technischen Defekt/Problem zu kämpfen. Es dauerte lange, bis die Thüringer Todespoeten endlich beginnen konnten. Die Freude war umso größer, als M. Roth auf die Bühne kam und sie zusammen „Knochentorte“ spielten. Nachdem die Knochentorte fertiggebacken und verzehrt war, gönnte man sich ein Stück „Panzerschokolade“. Für die, die es nicht wissen: Panzerschokolade gab es während des Zweiten Weltkriegs und war mit einer Art von Crystal Meth (damals Pervitin genannt) angereichert. Entsprechend hyperaktiv war auch das Publikum.

Beim Betrachten der Setlist fällt mir gerade auf, dass es sich in den ersten drei Liedern nur ums Essen

Eisregen_Blutfest_Wien_2019_03

gedreht hat. „N8verzehr“ war nämlich Nummer drei. Mit vollen Mägen begab man sich zu „Alice im Wundenland“ und betete später zu „Gott dem Panzer“. All das Beten und Fressen macht das Erreichen des Lebensziels von „1000 toten Nutten“ ja um einiges leichter. Nachher kann man sich beruhigt auf die Schulter klopfen, denn „Satan liebt dich“.

Ganz zum Schluss gab es noch zwei Lieder zum Thema N8Verzehr – „Menschenfresser“ und „Onkel Fritze“. Und wer danach glaubte, es wäre vorbei, wurde von der „Elektrohexe“ eines Besseren belehrt.

Die Stimmung…

Wie gesagt, ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Stimmung so explodieren würde. Ich stand mittig in der ersten Reihe und wurde während des Auftritts etliche Male gegen die Bühne gestoßen. Das Konzert war wie ein einziger langer Mosh Pit, oder besser gesagt wie ein Wirbelsturm, der alle Außenstehenden vernichten wollte. Am Ende hatte ich eine BEULE am rechten Oberschenkel. Die blauen Flecken sind heute noch da! Aber wenn man weiß, dass das alles nur passiert, weil jeder so viel Spaß hat und nicht anders mit der Freude und Energie umzugehen weiß, macht es die Schmerzen und Strapazen erträglicher.

Zwischen den Liedern wurde immer „Eis-re-gen“ gebrüllt. Der Schlagzeuger lachte jedes Mal wieder und ließ im Takt die Basstrommel ertönen. M. Roth war ziemlich witzig zu beobachten. Er grinste fast nie, und wenn, dann nur so, dass man es kaum sah. Am besten waren seine Handzeichen. Wenn wir zum Mitmachen animiert wurden, streckte er uns kurz danach die Daumen entgegen oder tat Daumen und Zeigefinger zusammen und zog beeindruckt die Mundwinkel nach unten. Ich fand das einfach saukomisch zu beobachten. Leider kann ich es nicht so gut beschreiben.

Fazit:

Nachträglich betrachtet, war das Blutfest 2019 in Wien zwar nicht allzu blutrünstig – abgesehen von meinen Blutergüssen und den blutverschmierten Gesichtern von Debauchery. Ein Fest war es trotzdem und ich bete jetzt schon für ein Wiedersehen mit Blutgott Balgeroth und co.!

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