POSSESSED, TERRORIZER – 10.12.2025, ((szene)), Wien

MORBIDFEST 2025

POSSESSED, TERRORIZER, SUICIDAL ANGELS, NIGHTFALL, ATER

10.12.2025 – ((szene)), Wien

Morbidfest-2025 tour poster

Ein Abend, an dem zwei der prägenden Wegbereiter von Grindcore und Death Metal in der Szene Wien aufeinandertrafen – präsentiert von TON-Music Productions. Bands, deren Bedeutung weit über ihre Diskografie hinausreicht und die bis heute zeigen, wie lebendig, energiegeladen und charakterstark Metal von Beginn an war und wie zeitlos frisch er noch immer klingt. Eine Demonstration technischer Versiertheit, Leidenschaft und ungebrochener Intensität.

ATER

Eröffnet wurde der Abend von einer dunklen Szenerie aus langsamen Akkorden und schweren, drückenden Klangflächen. Die Musik wirkte stark doom-lastig und mystisch, begleitet von religiös anmutenden Gesten der Musiker. Alles entfaltete sich langsam und setzte den Grundton für den weiteren Verlauf.

Ater 01Der Opener ATER aus Chile bezeichnet sich selbst als Dark Metal, ein ohnehin sehr breites Feld, in dem Bands völlig unterschiedliche musikalische Ansätze verfolgen. Laut eigener Beschreibung besteht ihr Stil aus Elementen von Death, Black, Doom, Gothic und Progressive Metal. An diesem Abend lag der Schwerpunkt jedoch deutlich auf doomigem Death Metal.

Die Musik war getragen, atmosphärisch und stellenweise von Chorpassagen durchzogen, die eindeutig an religiöse Musik erinnerten. Die Band bemühte sich um ein mystisches Erscheinungsbild und blieb dank der Lichttechnik meist im Halbdunkel. Musikalisch passte ihr Stil allerdings nicht besonders gut zu den restlichen Bands des Abends.

Ater 02Auch die schnelleren Momente wirkten insgesamt eher träge. Der Bass war deutlich zu laut abgemischt, was im Publikum sichtlich Unmut verursachte – viele reagierten kopfschüttelnd, sobald die tiefen Frequenzen den Raum überwältigten. Der Sänger gab sich freundlich und suchte immer wieder den Kontakt zum Publikum, erhielt aber kaum sichtbare Resonanz. Es war noch früh am Abend, und angesichts des langen Programms musste die Show zeitig beginnen.

Starke Hallanteile und Playback bei Akustikgitarrenpassagen prägten den Klang. Die Musik war nicht unbedingt melodisch, aber die Intention dahinter durchaus interessant. Ob es vor allem an der schlechten Abmischung lag oder nicht, bleibt unklar. Der Gesang bestand aus langen Klagelauten, vermutlich Clean Vocals, jedoch war die Qualität des Sounds dafür wenig förderlich. Insgesamt war ATER als Opener solide – sie brachten Atmosphäre in den Abend, auch wenn ihre introspektive, dunkle Musik nicht ideal zum weiteren Line-up passte. Ihren Job erfüllten sie dennoch gut.

NIGHTFALL

Die nächste Band, NIGHTFALL aus Griechenland, war nach unserer Album review im Vorfeld vielleicht nicht die verheißungsvollste Live-Aussicht. Doch ein Platz in diesem Line-up deutet darauf hin, dass ihnen eine zweite Chance zusteht.

Nightfall 01

Das Konzert begann mit auf Band eingespielten Flüstern als Intro, und als die gesamte Band auf die Bühne kam, wurde das vertraute, leicht theatralische Bild erneut deutlich. Der Sänger mit teils maskiertem Gesicht, mehreren Lagen eines capeförmigen Gewands und einem Handschuh mit angebrachtem Messer – das war das Image, das sie kultivierten.

Nightfall 02Musikalisch lässt sich NIGHTFALL schwer einordnen. Ein Mix aus melodischem Death Metal, der nie ganz melodisch wird, und Balkan-inspirierten Melodien, die den Songs eine folkloristische Note verliehen. Das muss nicht negativ sein. Der Rhythmus funktionierte stellenweise gut, es gab vereinzelt melodische Momente, und entscheidend: Das Publikum hatte sichtbar Freude. Das ist letztlich der Zweck – und diesen erfüllten sie.

Der Leadgitarrist blieb mit seinem mediterranen, folkloristisch gefärbten Sound prägend, während der Rest der Band stärker Richtung Metal tendierte. Das Ergebnis war teils eine ungewöhnliche Atmosphäre. Inhaltlich drehte sich alles um Dunkelheit – Titel, Texte, Themen –, doch diese dramatische Inszenierung verlor schnell an Wirkung.

Eine klare kompositorische Richtung war schwer auszumachen; die Übergänge zwischen den einzelnen Elementen eines Songs waren oft brüchig. Es gab Momente gelungener Rhythmik und kohärenter Musik, doch ebenso viel Pathos ohne entsprechendes musikalisches Fundament. Live war es weniger kitschig als auf dem Album, aber wirklich Eindruck hinterließ die Darbietung nicht. Ein weiterer Opener – nicht mehr, nicht weniger. Bis hierhin kein herausragender Abend, doch mit den nächsten Bands sollte es spannend werden.

Setlist

01. I Hate
02. Darkness Forever
03. As Your God is Failing Once Again
04. The Cannibal
05. Traders of Anathema
06. Seeking Revenge
07. Witches

SUICIDAL ANGELS

Jetzt wurde es ernst. SUICIDAL ANGELS gehören zu den Bands, die live verlässlich abliefern. Direkt, geradlinig, aggressiv – Thrash der alten Schule mit starken Songs und markanten Momenten. Ihre Diskografie ist solide, ihre Live-Erfahrung groß. Alles spricht für eine starke Show.

Suicidal Angels 01

Allerdings hat die Band einen neuen Leadgitarristen. Der langjährige Gitarrist Gus Drax, einer der prägenden Musiker ihrer Live-Auftritte, hat die Band verlassen, um sich seiner Solokarriere zu widmen. Natürlich neben Nick Melissourgos – Gründer, Sänger, Gitarrist, Songwriter und sympathischer Frontmann – dem Herzstück der Band.

Suicidal Angels 02Von Beginn an zeigte Nick, dass er das Publikum vollkommen im Griff hat. Er wusste exakt, wann er was tun musste, um die Menge zu bewegen. Moshen, Headbangen – endlich passte die Musik wieder perfekt zu dieser Art von Energie. Leidenschaftliche Darbietung, treibender Rhythmus, großartige Riffs, starke Melodien. Und ja, gute Solos – aber…

Die alten Songs eröffneten das Set und funktionierten als pure Headbanger. Im Mittelteil folgten Stücke ihres letzten Albums, die live erstaunlich gut ankamen. Die Menge war komplett dabei, die Energie hoch. Ein Moshpit bildete sich sofort, wenig später folgte Crowd Surfing.

Apokathilosis“, ihr traditioneller Abschluss-Song, funktionierte live erneut hervorragend – inklusive eines Solos, das diesmal absolut überzeugen konnte. Eine dynamische Show, ein eingelöstes Versprechen. SUICIDAL ANGELS liefern live, und an diesem Abend sogar besonders stark. Jetzt war das Publikum auf Betriebstemperatur, und die großen Namen folgten.

Setlist

01. Capital of War
02. Bloodbath
03. Purified by Fire
04. The Return of the Reaper
05. When the Lions Die
06. Crypts of Madness
07. Apokathilosis

TERRORIZER

Die legendäre Band aus Los Angeles, Pioniere des Grindcore, beeinflussten unzählige Musiker – allen voran Morbid Angel und Napalm Death. Nach einer kurzen Frühphase, späteren Reformierungen und neuen, durchaus starken Alben stehen sie heute erneut auf der Bühne.

Terrorizer 01

Für viele im Publikum waren TERRORIZER die eigentlichen Headliner. Diese Besetzung live zu sehen, ist eine Seltenheit – und ein Ereignis. Am Mikrofon: Brian Werner, mit enormer Bühnenpräsenz und beeindruckender stimmlicher Bandbreite. Growls, Screams, permanente Bewegung, Kämpfe mit dem makabren Mikrofonständer. Als ehemaliger Sänger von Vital Remains oder Monstrosity besitzt er einen Stil, der die früheren Stimmen der Band hervorragend transportiert. Perfekte Besetzung. An der Gitarre Richie Brown – ein exzellenter Musiker, bekannt von Mindscar, mit Stationen bei Exmortus oder The Absence. Präzise, messerscharfe Riffs.

Terrorizer 02Am Bass: David Vincent. Der legendäre Ex-Sänger und Bassist von Morbid Angel, aber hier – wie ursprünglich – ausschließlich Bassist. Seine Linien waren präzise, druckvoll und spieltechnisch auf höchstem Niveau. Eine beeindruckende Darbietung. Und am Schlagzeug: Pete „Commando“ Sandoval. Eine Ikone. Ex-Morbid Angel, einer der schnellsten und präzisesten Drummer der Metalgeschichte. Seine Leistung war unfassbar punktgenau, kraftvoll und rhythmisch straff.

Ein Traum-Line-up auf der Bühne. Der Einstieg erfolgte mit “Hordes of Zombies”, die bereits die gesamte Halle fesselten. In klarer Sicht – ein Crew-Mitglied hatte vor der Show ausdrücklich darum gebeten, auf Nebel zu verzichten. Gut so. Die Musik wirkte roh, energisch, unglaublich klar abgemischt. Ein beeindruckender Auftakt.

Terrorizer 03Der Großteil des Sets bestand aus dem Debütalbum „World Downfall“ von 1989 – ihrem besten Werk und einem der wichtigsten Grindcore-Alben überhaupt. Das gesamte Album wurde vollständig gespielt. Mit perfektem Sound, exzellenter musikalischer Umsetzung und einer solchen Konzentration an Klasse wirkte das Konzert beinahe surreal – fast schon ein Idealbild dessen, wie eine Live-Show klingen kann.

Die punkige Grundhaltung kam live noch stärker zur Geltung: dynamisch, erbarmungslos energisch, voller Druck. Brian präsentierte David und Pete mit großer Wertschätzung – sichtlich eine Ehre auch für ihn, mit solchen Musikern die Bühne zu teilen. Während alle Augen naturgemäß auf Bass und Drums lagen, trug Richie Brown mit seinen Gitarrenparts entscheidend den musikalischen Fluss. Die Vocals waren grandios, mitreißend, und Brian war als Frontmann durchgängig präsent und nahe am Publikum.

Eine solche Performance zu übertreffen, ist nahezu unmöglich. Persönlich betrachtet: Gemeinsam mit dem Nailbomb-Auftritt war dies das Konzert des Jahres in Wien. Es fehlen fast die Worte, um den Eindruck zu beschreiben. Großartig.

Setlist

01. Hordes of Zombies

“World Downfall”
02. After World Obliteration
03. Storm of Stress
04. Fear of Napalm
05. Human Prey
06. Corporation Pull-In
07. Strategic Warheads
08. Condemned System
09. Resurrection
10. Enslaved by Propaganda
11. Need to Live
12. Ripped to Shreds
13. Injustice
14. Whirlwind Struggle
15. Infestation
16. Dead Shall Rise
17. World Downfall 

18. Evolving Era
19. State of Mind
20. Crematorium
21. Nightmares

POSSESSED

Nach dieser monumentalen Darbietung betraten die offiziellen Headliner die Bühne: POSSESSED aus San Francisco – legendäre Thrash-Metal-Pioniere, von manchen Historikern als erste Death-Metal-Band bezeichnet. Oder zumindest als erste Band, die den Begriff „Death Metal“ verwendete. Stilistisch waren sie aber stets näher am Thrash.

Possessed 02

Gegründet 1982, eng verbunden mit der Bay-Area-Szene, wurden sie spätestens ab 1983 mit Jeff Becerra als Frontmann weltbekannt. Mit „Seven Churches“ veröffentlichten sie 1985 ein wegweisendes Album. Nach schweren Schicksalsschlägen und langen Pausen reformierte sich die Band 2007 und arbeitete sich langsam zurück nach oben. Ein wichtiger Teil der Death/Thrash-Historie stand an diesem Abend in der Szene auf der Bühne.

Possessed 03In einer dichten Nebelwolke betrat die Band die Bühne und eröffnete mit älteren Songs. Im Publikum herrschte sofortige Ekstase. Jeff erinnerte daran, dass ihr letzter Wien-Auftritt 40 Jahre zurücklag – ein unglaubliches Intervall für ihre alten Fans, die zahlreich erschienen waren.

Jeff nach all seinen Rückschlägen wieder am Mikrofon zu sehen, war beeindruckend. Entscheidender aber: Seine Stimme besitzt noch immer die ursprüngliche, markante raue Färbung. Sie klang absolut authentisch – wie auf den frühen Aufnahmen. Anfangs führten technische Probleme dazu, dass beinahe ein gesamter Song sowie Teile des nächsten ohne Vocals blieben, doch das Set lief weiter und die Situation wurde schließlich behoben.

Gerade rechtzeitig – denn der Großteil des Auftritts bestand aus dem vollständigen Durchspielen von „Seven Churches“. Ein Album von enormer Bedeutung, mit Kultstatus, roh, aggressiv und für seine Zeit erstaunlich kühn. Und es klang auch heute noch frisch und relevant.

Possessed 04Mit den ersten Noten des Albums erreichte die Stimmung im Saal ein neues Hoch. Song für Song, in Originalreihenfolge, entfalten sich die Highlights. Es war mehr als ein historisches Reenactment – es war großartige Musik, präzise gespielt. Die Gitarren wirkten straff und energisch, der Bass hatte Gewicht, das Schlagzeug trieb alles nach vorne, und Jeffs Stimme dominierte das Gesamtbild. Hohe Growls, Schreie, ein unverwechselbares Timbre.

Der Sound war sehr gut – vielleicht nicht ganz so kristallklar wie bei TERRORIZER, aber dennoch stark. „Death Metal“, der bekannteste Song des Albums, beendete den Hauptteil. Danach folgte ein kurzer Zusatzblock mit neuen und alten Stücken.

Die nachhaltigste Erinnerung des Abends bleibt jedoch untrennbar mit „Seven Churches“ verbunden. Lange nach Konzertende hallte „Death Metal“ noch in Köpfen und Herzen nach. Ein großartiges Erlebnis und, wie erwähnt, eines der stärksten Konzerte in Wien in diesem Jahr.

Possessed 05

Setlist

01. The Eyes of Horror
02. Tribulation
03. Demon

“Seven Churches”
04. The Exorcist
05. Pentagram
06. Burning in Hell
07. Evil Warriors
08. Seven Churches
09. Satan’s Curse
10. Holy Hell
11. Twisted Minds
12. Fallen Angel
13. Death Metal

14. Graven
15. Seance
16. Swing of the Axe

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