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Solemnity – Opus Barbaricum

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Solemnity - Opus Barbaricum - cover Artwork
Solemnity - Opus Barbaricum - cover Artwork

Band: Solemnity 🇩🇪
Titel: Opus Barbaricum
Label: Solemnity Music / HOFA
VÖ: 15.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Traditional Heavy Metal / Melodic Heavy Metal / Epic Metal

Tracklist

01. Nightmares From The Neighbourhood
02. The Last Ghostrider
03. Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony in B minor)
04. Empire In The Underground
05. Escape From The Matrix
06. Freya
07. Cheesecake Commando
08. The Sleeper
09. Bitch With The Bow
10. We Willl Shine
11. Storm Of Steel
12. The Dragon
13. Drums Of War (Resistance)
14. Idiocracy
15. Gladiator
16. The Way To A Fortunate Wedding (by Henry VIII)
17. Frozen In Time

Besetzung

Sven The Axe – Gesang, Instrumente, Komposition, Texte, Performance

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Manchmal braucht Heavy Metal keine neue Weltformel, sondern einfach jemanden, der das Schwert aus dem Staub zieht, die Fackel anzündet und ruft: „So, jetzt wird wieder groß gedacht!“ Solemnity melden sich mit »Opus Barbaricum« zurück und liefern kein kleines Comeback-Häppchen, sondern gleich einen 17-teiligen Koloss aus traditionellem Heavy Metal, epischer Melodik, Horror-Theatralik und Power-Metal-Bombast. Das ist nicht bescheiden, nicht schlank und schon gar nicht modern-minimalistisch. Das ist eher ein vollbehängter Barbarenwagen, der mit wehenden Bannern durch die Nachbarschaft rollt.

Im Zentrum steht Sven The Axe, der auf diesem Album nicht nur singt, sondern laut Credits auch das gesamte Material geschrieben und performt hat. Damit ist »Opus Barbaricum« im Studio im Grunde ein Ein-Mann-Feldzug, klingt aber überraschend großformatig. Wer bei dieser Ausgangslage eine dünne Heimproduktion erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Gitarren drücken, die Chöre türmen sich, die Melodien kleben, und der Gesang steht wie ein finsterer Zeremonienmeister mitten im Raum.

Stilistisch bewegen sich Solemnity auf »Opus Barbaricum« im traditionellen, fast schon melodischen Heavy Metal, der immer wieder in epische Power-Metal-Gefilde und sinfonisch wirkende Arrangements ausgreift. Dabei bleibt die Band beziehungsweise Sven The Axe dem eigenen Begriff Heavy Horror Metal treu: Horror, Mythologie, dunkle Fantasy, historische Seitenhiebe und ein Humor, der gelegentlich so schräg ist, dass man kurz prüfen muss, ob der Grill noch brennt.

(Schaut hier »Nightmares From The Neighbourhood« von Solemnity)

BARBARISCHER BOMBast MIT OHRWURMFAKTOR

»Nightmares From The Neighbourhood« öffnet das Album noch vergleichsweise atmosphärisch, bevor der Song schnell in melodischen Heavy Metal mit Power-Schlagseite übergeht. Das Stück zeigt sofort, worum es hier geht: große Melodien, saubere Riffarbeit, theatralischer Gesang und dieser leicht gruselige Unterton, der Solemnity von vielen reinen Trad-Metal-Kapellen unterscheidet. Der Song hat Ohrwurmcharakter, ohne sich billig anzubiedern.

»The Last Ghostrider« setzt noch stärker auf epische Breite. Hier kommen Chöre, stampfende Riffs und ein Refrain zusammen, der mit erhobener Faust funktioniert. Besonders auffällig ist der Gesang von Sven The Axe. Sein Bariton besitzt eine fantastische, markante Tiefe, wird aber immer wieder in hochgepeitschte Lead-Spitzen gedrückt, die dem Material diese überlebensgroße Heavy-Metal-Theatralik geben. Das ist nicht filigran im Indie-Sinne, sondern bewusst groß, dramatisch und voller Brustpanzer-Energie.

Mit »Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony in B minor)« kommt dann der große Wahnsinn an den Grill. Der Song ist albern, ja, aber eben auf eine sehr metallische Art. Zwischen Barbecue-Humor, symphonischer Übertreibung und fettem Riffing entsteht eine Nummer, die man entweder sofort mitgröhlt oder mit hochgezogener Augenbraue betrachtet. Wahrscheinlich beides. Musikalisch sitzt das Ding jedoch erstaunlich gut, denn hinter dem Spaß steckt eine saubere Komposition mit cleveren Wechseln und einer Hookline, die sich schneller festsetzt als Marinade auf dem Festivalshirt.

KOMPLEXE ARRANGEMENTS, ABER KEINE PROFESSORISCHE VORLESUNG

»Empire In The Underground« gehört zu den stärkeren Stücken der ersten Albumhälfte. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders griffig, die Leads haben Biss, und die Nummer zeigt, dass Sven The Axe nicht einfach nur große Refrains stapelt, sondern durchaus komplex arrangieren kann. Die Kompositionen auf »Opus Barbaricum« sind vielseitig: mal hymnisch, mal schneller, mal balladesk, mal mit sinfonischer Wucht und dann wieder mit klassischem Heavy-Metal-Galopp.

»Escape From The Matrix« nimmt das Tempo etwas zurück, bleibt aber durch den Refrain sofort hängen. Hier zeigt sich eine der großen Stärken des Albums: Selbst wenn Solemnity etwas weniger nach vorne preschen, geht die Eingängigkeit nicht verloren. Die Nummer hat genug Druck, um nicht als bloßer Midtempo-Füller durchzugehen, und genug Melodie, um live sicher schnell zum Mitsingmoment zu werden.

Mit »Freya« folgt einer der epischeren Höhepunkte. Hier darf Sven The Axe seinen Stimmumfang besonders breit ausrollen. Der Bariton trägt die Strophen mit würdevoller Schwere, während die höheren Passagen beinahe opernhaft nach oben schießen. Das Stück ist pathetisch, aber nicht hohl. Gerade die Mischung aus Mythologie, Melodie und großem Arrangement macht »Freya« zu einem jener Songs, bei denen man merkt: Hier wurde nicht einfach ein Riff kopiert und ein Refrain draufgeklebt, hier wurde wirklich gebaut.

KÄSEKUCHEN, POE UND SCHLACHTENLÄRM

»Cheesecake Commando« ist dann wieder die Sorte Titel, bei der man sich fragt, ob im Studio jemand zu lange am Süßwarenstand stand. Aber auch hier gilt: Der Humor ist Teil des Konzepts. Solemnity nehmen sich ernst genug, um stark zu klingen, aber nicht so ernst, dass sie jede schräge Idee aus Angst vor Kritikerblicken streichen würden. Das macht »Opus Barbaricum« sympathisch.

»The Sleeper« bringt eine andere Farbe ins Album. Der Song basiert auf einem Gedicht von Edgar Allan Poe und wird entsprechend düsterer, erzählerischer und balladesker umgesetzt. Hier funktioniert der Heavy-Horror-Ansatz besonders gut, weil die theatralische Seite nicht nur Show ist, sondern zur Vorlage passt. Die Arrangements wirken komplex, aber nicht überladen. Klavierartige Farben, dramatische Bögen und die Stimme von Sven The Axe arbeiten hier Hand in Hand.

»Bitch With The Bow«, »We Willl Shine« und »Storm Of Steel« ziehen danach wieder die Zügel an. Gerade »Storm Of Steel« bringt die klassische Metal-Kante zurück: treibende Gitarren, ordentlich Druck und ein Gefühl von Schlachtenlärm, ohne komplett in blindes Geballer zu fallen. Diese Songs zeigen, dass Opus Barbaricum trotz aller Bombast-Bausteine im Kern ein traditionelles Heavy-Metal-Album bleibt.

DRACHEN, KRIEGSTROMMELN UND DER GROSSE GALOPP

»The Dragon« trägt den Epic-Metal-Anteil bereits im Titel. Hier wird nicht gekleckert, hier wird mit Fackel, Schwert und Drachenatem gearbeitet. Das Stück besitzt einen starken hymnischen Kern und dürfte gerade Fans klassischer Fantasy-Metal-Erzählungen abholen. »Drums Of War (Resistance)« schlägt danach eine etwas andere Richtung ein. Die Nummer beginnt balladesker, baut aber mit zunehmend dramatischen Elementen eine starke Spannung auf. Hier merkt man erneut, wie vielseitig Sven The Axe arrangiert: Das ist nicht nur Strophe-Refrain-Strophe, sondern eine kleine Metal-Szene mit Aufbau, Wendung und Finale.

»Idiocracy« arbeitet mit melodischer Direktheit und schönen Lead-Momenten, während »Gladiator« einen fast klassischen Maiden-Galopp auspackt. Gerade hier zeigt sich, wie gut Solemnity traditionelle Heavy-Metal-DNA in ein eigenes Horror-/Epic-Gewand pressen. Die Gitarren laufen, die Melodien greifen, der Refrain hat Zug, und der Song wirkt trotz aller Vertrautheit nicht wie ein reines Nostalgie-Zitat.

»The Way To A Fortunate Wedding (by Henry VIII)« bringt noch einmal historischen Humor ins Spiel. Der Titel ist natürlich ein gefundenes Fressen für alle, die wissen, dass Heinrich VIII. in Sachen Eheberatung eher als Warnschild taugt. Musikalisch ist der Song kompakter, eingängig und mit einem Augenzwinkern ausgestattet, ohne dabei seine Heavy-Metal-Basis zu verlieren.

KLEINE EINWÄNDE AUS DER RÜSTKAMMER

Bei aller Begeisterung gibt es auch Punkte, an denen »Opus Barbaricum« etwas zu viel des Guten auffährt. Siebzehn Songs und über eine Stunde Spielzeit sind eine Ansage. Da steckt viel Material drin, aber nicht jeder Titel ist zwingend gleich stark. Einige Nummern hätten in einer etwas strafferen Albumauswahl vielleicht noch mehr Wirkung entfaltet. Manchmal wirkt der Bombast auch so reich dekoriert, dass man den eigentlichen Riff-Kern kurz zwischen Chören, Pathos und Theatralik suchen muss.

Das ist allerdings ein Luxusproblem, denn handwerklich ist die Platte stark. Sven The Axe stemmt als Sänger, Instrumentalist, Komponist und Texter eine beachtliche Menge an Material. Sein Bariton gibt den Songs Charakter, die Gitarrenarbeit liefert genug klassische Metal-Kante, und die Arrangements sind komplexer, als es manche Hookline im ersten Moment vermuten lässt. Gerade dieser Gegensatz macht das Album spannend: Die Songs sind eingängig, aber nicht primitiv. Sie haben Ohrwurmcharakter, aber darunter steckt mehr als nur einfacher Mitsingzucker.

FAZIT:

»Opus Barbaricum« ist ein starkes Comeback von Solemnity und ein Album, das traditionellen Heavy Metal mit melodischer Kraft, epischem Bombast und Heavy-Horror-Theatralik verbindet. Sven The Axe liefert als zentrale Kraft des Albums eine beeindruckende Leistung ab: Sein fantastischer Bariton, die hochgepeitschten Lead-Spitzen, die vielschichtigen Kompositionen und die komplex arrangierten Songs machen die Platte zu einem wuchtigen Gesamtpaket.

Die stärksten Momente sind »The Last Ghostrider«, »Empire In The Underground«, »Freya«, »The Sleeper«, »Drums Of War (Resistance)« und »Gladiator«. Dazu kommen mit »Meat Evil Steal« und »Cheesecake Commando« zwei Nummern, die zeigen, dass Metal auch dann ernsthaft gut sein kann, wenn er sich selbst nicht bierernst durch die Gruft schleppt.

Kleine Abzüge gibt es für die sehr lange Spielzeit und einzelne Momente, in denen der Bombast fast ein wenig zu dick aufgetragen wird. Trotzdem bleibt »Opus Barbaricum« ein mitreißendes, melodisches und liebevoll überdimensioniertes Heavy-Metal-Werk mit vielen Ohrwürmern und einer klaren Handschrift. Wer Powerwolf, HammerFall, Manowar, Running Wild, Grave Digger, Iron Maiden und epischen Heavy Metal mit Horror-Schlagseite mag, darf hier ohne große Bedenken einsteigen.

Kurz gesagt: Solemnity liefern kein barbarisches Chaos, sondern ein großes, melodisches und herrlich überdrehtes Metal-Opus. Nicht jeder Song ist ein Volltreffer, aber der ganze Feldzug macht verdammt viel Laune.

Videoclip

Internet

Solemnity - Opus Barbaricum - CD Review

Kingsmash – The Heart Remains At Home

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Kingsmash - The Heart Remains At Home - cover artwork
Kingsmash - The Heart Remains At Home - cover artwork

Band: KINGSMASH 🇩🇪
Titel: The Heart Remains At Home
Label: Fetzner Death Records
VÖ: 01.05.2026
Format: Digital / CD / MC
Genre: Melodic Power Rock / Hard Rock / Heavy Metal

Tracklist

01. Infernal Fire
02. Devil Inside Your Head
03. The War Of The Angels
04. Sparrow
05. The Heart Remains At Home
06. The Wild Girl
07. I Don’t Know Where To Go
08. Calm Down
09. Run Away
10. Dragonslayer

Besetzung

Ralf – Gitarre
Michael – Gesang, Gitarre
Severin – Schlagzeug
Atze – Bass

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Mit »The Heart Remains At Home« legen KINGSMASH ihr Debütalbum vor und machen direkt klar, dass der Begriff »Black Forest Power Rock« nicht nur nach Marketing-Schnitzerei mit Tannenzapfen klingt. Die Band aus dem Schwarzwald liefert eine Mischung aus melodischem Hard Rock, klassischem Heavy Metal und eingängigen Power-Rock-Hymnen, die weder zu modern glattgebügelt noch zu nostalgisch eingestaubt wirkt. Hier wird nicht versucht, das Rad neu zu erfinden. Es wird eher ordentlich Luft in den Reifen gepumpt, der Verstärker aufgedreht und dann mit Karacho durch den Schwarzwald gebrettert.

Nach der EP »Black Forest Power Rock« aus dem Jahr 2025 wirkt »The Heart Remains At Home« wie der logische nächste Schritt. KINGSMASH spielen nicht, als müssten sie sich erst noch suchen. Die Band klingt überraschend geschlossen, selbstbewusst und spielfreudig. Man merkt den vier Musikern an, dass hier keine Anfänger versuchen, mit drei Powerchords und einem Kuckucksuhren-Gimmick die Rockwelt zu retten. Das Fundament ist klassisch, die Refrains sitzen schnell, die Gitarren haben Biss, und die Rhythmussektion schiebt den Laden zuverlässig nach vorne. Kurz gesagt: Das Ding hat mehr Zug als ein Regionalexpress, der endlich mal pünktlich aus dem Tal raus will.

(Hört hier »The War Of The Angels« von KINGSMASH)

Der Einstieg »Infernal Fire« macht seine Aufgabe ziemlich gut. Der Song legt nicht erst zehn Minuten lang Kohle nach, sondern zündet direkt mit flotten Riffs, melodischem Gesang und einem Refrain, der sich schnell festsetzt. Inhaltlich geht es um eine Verbindung, die Halt gibt, Mut macht und selbst den Gang durch die Flammen denkbar erscheinen lässt. Das kann man als Liebeslied lesen, aber eben nicht im rosaroten Plüschkissen-Sinn, sondern als Rocknummer über Vertrauen, Loyalität und dieses Gefühl, mit der richtigen Person an der Seite auch durch ziemlich unangenehme Lebensbrände marschieren zu können. Musikalisch ist das ein starker Auftakt, irgendwo zwischen Heavy-Rock-Schub, melodischem Metal und klassischer Refrainarbeit.

Mit »Devil Inside Your Head« greifen KINGSMASH anschließend das Motiv des inneren Gegners auf. Der Teufel sitzt hier nicht mit Hörnern auf dem Friedhofszaun, sondern im eigenen Kopf. Der Text erzählt von Versuchung, Abhängigkeit, Kontrollverlust und dem Kampf gegen innere Stimmen, die einen immer wieder in dieselbe Richtung ziehen. Besonders stark ist, dass der Song diese Dämonen nicht übernatürlich verklärt, sondern sehr irdisch denkt. Sucht, Selbstsabotage und die Unfähigkeit, das Steuer im eigenen Leben wieder in die Hand zu nehmen, stehen hier im Zentrum. Das ist thematisch düsterer, als die eingängige Hard-Rock-Schale zunächst vermuten lässt. Die Nummer groovt ordentlich und besitzt genug Kante, um nicht als bloßer Mitklatsch-Rocker durchzugehen.

ENGELSKRIEG UND ERDUNG

»The War Of The Angels« schlägt dann die große Metal-Glocke. Inhaltlich geht es um den Sturz des Lichtbringers, himmlische Heere, Verrat, Rebellion und den Fall aus der Gnade. Anders gesagt: klassischer Stoff für Heavy Metal, bei dem man beinahe automatisch nach einem imaginären Schwert greift. Der Song funktioniert, weil KINGSMASH die Thematik nicht verkopfen, sondern hymnisch aufziehen. Das ist breit, melodisch und mit genau jener Portion Pathos ausgestattet, die im Metal erlaubt ist, solange niemand dabei aussieht, als würde er auf einem Einhorn zur Steuerberatung reiten.

Musikalisch gehört »The War Of The Angels« zu den stärksten Nummern des Albums. Die Gitarren arbeiten druckvoll, der Refrain öffnet sich schön, und die Band schafft es, die biblisch-mythologische Bildsprache in eine griffige Metal-Hymne zu übersetzen. Hier kann man durchaus verstehen, warum andere Kritiken die Eingängigkeit der Platte hervorheben. Der Song bleibt hängen, ohne billig zu wirken, und dürfte live sehr ordentlich funktionieren. Gerade für ein Debüt ist das erstaunlich souverän.

Mit »Sparrow« wechseln KINGSMASH die emotionale Farbe. Der Song erzählt von Verlust, Schuldgefühlen und dem quälenden Wunsch, ein letztes Gespräch ungeschehen machen zu können. Es geht um Worte, die im falschen Moment fallen, um einen endgültigen Abschied und um Erinnerungen, die bleiben, wenn der Mensch selbst nicht mehr zurückkommt. Das ist der bis dahin emotionalste Moment des Albums. Die Band setzt hier nicht auf kitschige Balladen-Tränendrüse, sondern bleibt im rockigen Rahmen, lässt dem Thema aber genügend Raum. Gerade diese Mischung aus Melodie, Tragik und kontrollierter Wucht steht KINGSMASH gut.

DAS HERZ BLEIBT DAHEIM, DIE GITARRE GEHT RAUS

Der Titeltrack »The Heart Remains At Home« bringt das zentrale Thema des Albums auf den Punkt. Es geht um Aufbruch, Entfernung, Irrwege, Sehnsucht und die Erkenntnis, dass man manchmal wegläuft, nur um irgendwann zu begreifen, wohin man eigentlich gehört. Das ist kein komplett neues Motiv, aber KINGSMASH verpacken es in einen sehr runden, hymnischen Rocksong. Der Refrain sitzt, die Melodieführung wirkt natürlich, und die Balance zwischen Fernweh und Heimkehrgefühl funktioniert. Hier wird nicht groß philosophiert, hier wird druch die Windschutzscheibe auf die lange Straße geschaut, während im Rückspiegel noch das Zuhause glimmt.

Gerade dieser Song zeigt eine wichtige Stärke der Band: KINGSMASH können eingängig schreiben, ohne zu weich zu werden. Der Titeltrack hat Herz, aber keinen Zuckerguss. Er trägt Pathos in der Lederjacke und nicht im Musical-Kostüm. Die Gitarren geben genug Druck, die Stimme bleibt präsent, und der Song besitzt jene Art von Refrain, die man nach zwei Durchläufen zumindest innerlich mitsingt. Vielleicht sogar äußerlich, wenn niemand zuhört. Oder gerade dann.

»The Wild Girl« führt anschließend in eine deutlich erzählerischere Richtung. Der Text zeichnet das Bild einer Außenseiterin, die in einer rauen, von Gerüchten und sozialer Härte geprägten Umgebung lebt. Die Figur wird nicht als romantisches Wildfang-Klischee verklärt, sondern als jemand, der anders ist, ausgegrenzt wird und sich trotzdem nicht brechen lässt. Darin liegt die Stärke des Songs: Er verbindet Härte und Mitgefühl. Musikalisch zieht die Nummer das Tempo an und besitzt eine gute Live-Energie. Der Refrain ist griffig, die Geschichte bleibt im Kopf, und die Band zeigt, dass sie auch jenseits klassischer Rockthemen erzählen kann.

RAUS AUS DER STADT, REIN INS LEBEN

Mit »I Don’t Know Where To Go« wird es deutlich leichter, aber nicht belanglos. Der Song handelt von Bewegung, Orientierungslosigkeit und der beruhigenden Erkenntnis, dass der genaue Zielort nicht immer entscheidend ist, wenn die richtige Person neben einem sitzt. Das ist ein klassischer Road-Song, der nicht so tut, als müsste jede Autofahrt gleich eine existenzialistische Doktorarbeit werden. Man fährt los, lässt die Karte im Handschuhfach und vertraut darauf, dass der Weg schon irgendetwas Sinnvolles mit einem anstellt. Musikalisch ist das locker, schnell und sehr eingängig. Hier schlagen KINGSMASH eine gute Brücke zwischen Rock’n’Roll-Impuls und melodischem Power-Rock.

»Calm Down« setzt diesen Fluchtgedanken fort, wird aber urbaner und kantiger. Der Text beschreibt eine graue, schmutzige Stadtwelt als seelenlosen Käfig. Die Antwort darauf lautet nicht Anpassung, sondern Ausbruch. Rein ins Auto, raus aus der Enge, weg von Gesichtern ohne Namen. Das ist natürlich kein völlig neues Rockmotiv, aber es funktioniert, weil KINGSMASH daraus einen druckvollen Song machen, der mehr nach Motorstart als nach Jammerlappen klingt. Der Refrain ist direkt, die Gitarren schieben, und die Nummer hat dieses angenehme Gefühl von Asphalt unter den Reifen.

Bei »Run Away« bleibt die Band im thematischen Feld von Bewegung und Befreiung. Da der Text hier nicht im selben Umfang vorliegt, lässt sich die Nummer stärker über ihre Position im Album lesen: Nach Heimkehrsehnsucht, Roadtrip und Stadtflucht wirkt sie wie ein weiterer Baustein in diesem Motivkomplex aus Weggehen, Suchen und Sich-Lösen. Musikalisch hält der Song die Energie oben und verhindert, dass das Album im letzten Drittel an Schwung verliert. Das ist solides, schnörkelloses Futter für alle, die ihre Rockmusik lieber mit klarer Kante als mit kompliziertem Beipackzettel nehmen.

DER DRACHE MUSS DRAN GLAUBEN

Zum Abschluss wird mit »Dragonslayer« noch einmal tief in die klassische Metal-Kiste gegriffen. Inhaltlich bewegt sich der Song im Umfeld der Siegfried-/Fafnir-Sage: Held, Schmied, Schwert, Drache, Gold, Blut und eine beinahe comicreife Portion Mythos. Ja, das bedient Klischees. Aber mal ehrlich: Wenn man im Heavy Metal keine Drachen mehr erschlagen darf, können wir auch gleich alle unsere Nietenarmbänder beim Fundbüro abgeben. KINGSMASH wissen offenbar sehr genau, dass dieser Stoff nicht subtil ist, und spielen ihn entsprechend direkt aus.

Der Song macht zum Schluss noch einmal Spaß, gerade weil er nicht versucht, seine Metal-DNA zu verstecken. »Dragonslayer« ist kein tiefenpsychologisches Kammerspiel, sondern ein klassischer Abschluss mit Schwertarm, Druck und Augenzwinkern. Qualitativ fällt die Nummer nicht ab, auch wenn sie textlich am stärksten in vertrauten Genrepfaden unterwegs ist. Das ist der Moment, in dem die Band noch einmal den Drachen aus der Garage schiebt, ihm freundlich zunickt und dann den Verstärker auf Kampfmodus stellt.

Produktionstechnisch klingt »The Heart Remains At Home« erfreulich druckvoll und sauber. Die Iguana-Studios und Christoph Brandes haben dem Album einen Sound verpasst, der genug Punch besitzt, ohne die melodische Seite plattzuwalzen. Die Gitarren stehen kräftig im Raum, der Bass hat Fundament, das Schalgtzeug arbeitet präzise und lebendig, und der Gesang bleibt klar verständlich im Zentrum. Das ist kein überproduzierter Hochglanzpanzer, aber auch keine Kelleraufnahme mit Charme-Ausrede. Die Platte klingt reif, gerade für ein Debüt.

Was KINGSMASH besonders gut können, ist Eingängigkeit ohne völlige Harmlosigkeit. Die Songs sind kompakt, kommen schnell auf den Punkt und vermeiden unnötige Umwege. Gleichzeitig steckt genug Heavy-Metal-DNA im Material, damit das Ganze nicht zum bloßen Classic-Rock-Radiofutter wird. Man hört Spuren von traditionellem Metal, melodischem Hard Rock und Power-Rock-Hymnik, ohne dass die Band wie eine reine Kopie ihrer Einflüsse klingt. Natürlich erfindet hier niemand den Verstärker neu. Aber KINGSMASH benutzen ihn verdammt effektiv.

STÄRKEN UND KLEINE GRENZEN

Die größten Stärken des Albums liegen in den Refrains, der Spielfreude und der überraschend geschlossenen Wirkung. »Infernal Fire«, »The War Of The Angels«, »Sparrow«, »The Heart Remains At Home«, »The Wild Girl« und »Dragonslayer« zeigen eine Band, die weiß, wie man Songs schreibt, die hängen bleiben. Dabei wirken KINGSMASH nie so, als wollten sie künstlich modern sein. Sie spielen genau die Art von Rock und Metal, die sie offenbar selbst lieben: melodisch, handfest, direkt und mit ordentlich Zug nach vorne.

Ganz ohne Kritik kommt das Album trotzdem nicht davon. Manche Texte arbeiten mit sehr bekannten Motiven, einige Refrains setzen eher auf direkte Wiederholung als auf große Überraschung, und wer musikalisch radikale Wendungen sucht, wird hier nicht mit offenem Mund vor der Anlage knien. »The Heart Remains At Home« ist kein Experimentierlabor, sondern ein starkes Debüt im klassischen Sinn. Es will nicht verwirren, sondern mitnehmen. Das gelingt fast durchgehend, aber ein paar noch mutigere kompositorische Ausbrüche könnten der Band künftig zusätzlich Profil geben.

FAZIT:

»The Heart Remains At Home« ist ein sehr gelungenes Debütalbum, das den Begriff »Black Forest Power Rock« mit Leben füllt. KINGSMASH verbinden melodischen Hard Rock, klassischen Heavy Metal und eingängige Power-Rock-Hymnen zu einem Album, das schnell zündet, gut produziert ist und mit jeder Menge Spielfreude durch die Lautsprecher kommt. Das ist Musik für Leute, die Refrains mögen, Gitarren brauchen und bei allzu verkopftem Kunstrock lieber den Grill anwerfen.

Textlich bewegt sich das Album zwischen inneren Dämonen, himmlischen Schlachten, Verlust, Heimkehrsehnsucht, Außenseitertum, Aufbruch und klassischer Heldensage. Die Band greift dabei nicht immer nach völlig neuen Bildern, setzt diese aber stimmig und wirkungsvoll um. Besonders stark sind die Songs dort, wo persönliche Emotion und hymnische Rockkraft zusammenfinden. »Sparrow« und »The Heart Remains At Home« zeigen Herz, »The War Of The Angels« und »Dragonslayer« liefern Metal-Pathos, und »Infernal Fire« sowie »The Wild Girl« bringen ordentlich Druck ins Gebälk.

Im kern ist »The Heart Remains At Home« kein Debüt, das sich vorsichtig an die Tür stellt und fragt, ob es vielleicht kurz reinkommen darf. Es tritt ein, stellt den Amp ab, nimmt sich ein Getränk und liefert knapp 37 Minuten melodischen Power Rock mit Herz, Faust und Schwarzwald-Rückenwind. Für Fans von eingängigem Hard Rock, klassischem Heavy Metal und hymnischen Refrains ist das eine klare Empfehlung. Da bleibt das Herz vielleicht daheim – der Kopf nickt aber trotzdem unterwegs. Darauf ein Tannenzäpfle – PROST!

The Heart Remains At Home Album Stream:

Internet

KINGSMASH - The Heart Remains At Home - CD Review

XENOSIS – Hermetic Transmutation

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cover artwork XENOSIS Hermetic Transmutation
cover artwork XENOSIS Hermetic Transmutation

Band: XENOSIS 🇺🇸
Titel: Hermetic Transmutation
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 05/06/26
Genre: Progressive Death Metal

Tracklist

01. Sentient Shapes
02. Prolapsed Twin Entombment
03. Spore Whore
04. Engravings For Dyslexic Clairvoyants
05. Rapid Metamorphosis
06. Sea Of Teeth
07. Altar Of The Hound
08. No Longer Human

Besetzung

Gary Marotta – Drums
Ken Bullard – Guitars
Sal Bova – Vocals
Keith Benway – Guitars
Travers Kenney – Bass

Bewertung:

4/5

Die amerikanischen Progressive Death Metaller XENOSIS sind mit neuem Full-Length zurückgekehrt, „Hermetic Transmutation„. Es kommt fünf Jahre nach dem vorherigen Band-Werk, die längste Lücke zwischen zwei Alben in ihrer Existenz. Das fünfte Band-Release behält ihren charakteristischen komplexen Klang bei: eine schwere, konstant wechselnde polyrhythmische Instrumentierung. Ein imposanter Klang durchgehend.

Starker Opener mit gut kontrollierter Schwere

Ein direkter Einstieg in den aggressiven Band-Klang, sehr brutal, gleichzeitig sehr technisch, „Sentient Shapes“ ist sehr gute Demonstration von Progressive Death Metal. Massive Gitarren, solide Riffs, wütende Vocals, knurrend und schreiend, alle Zutaten für ein gutes Album im Genre sind hier. Mit den Tempowechseln bringt die Band auch neue Ausdrucksformen, alles unter gut kontrollierter Schwere und gnadenloser Atmosphäre. Ein starker Eröffnungsakt, ein guter und vielversprechender Song.

XENOSIS kommen aus New Haven, Connecticut, 2010 gegründet und ziemlich aktiv all diese Jahre. Schlagzeuger Gary Marotta ist der einzige, der seit Beginn in der Band präsent ist und auch auf allen Releases. Der Rest des Lineups setzt sich zusammen aus Vocalist Sal Bova, Gitarristen Ken Bullard und Keith Benway und Bassist Travers Kenney.

Leicht dissonanter kommt „Prolapsed Twin Entombment“ mit chaotischerer Song-Struktur, mit konstanten Riffs, die das solide Fundament für den Song liefern, Leadgitarre und Vocals bringen disharmonischeren Beitrag, hektisch, immer noch sehr technisch. Dennoch resultiert der Song in guter Klanglandschaft, alle Instrumente respektieren eine vielschichtige und komplexe musikalische Komposition.

Auf dieselbe aggressive Weise setzt „Spore Whore“ fort – eine sehr gut rhythmisierte Gitarre ergänzt die beeindruckende Rhythmussektion, die prominente Bass-Präsenz und die gnadenlosen Drums. Simpler als Melodie, massiv als Instrumentierung, ein entschlossener und erdrückender Klang, auch ein jazziger Moment lässt einmal mehr die Instrumente in Demonstration technischer Fähigkeiten glänzen. „Engravings For Dyslexic Clairvoyants“ ist ein ruhiges, sehr leises und melodisches Intermezzo mit Akustikinstrumenten und seltsamer Atmosphäre, ein Moment der Atempause für Band und Hörer.

Rohheit und Klarheit ausbalanciert

Eine sehr gute Produktion, verschmilzt Rohheit und Klarheit, dennoch ein Klang dominiert von Gitarren mit all ihren Ausdrucksformen, mit Vocals, die den Klang sehr gut ergänzen, und mit Rhythmussektion, die tadellos hohes Tempo hält. Auch haben alle Instrumente Momente, wo sie klare individuelle Beiträge haben. Mit all der manchmal chaotischen Musik eine ausbalancierte Produktion, ein guter Klang.

Und nach dem atmosphärischen vorherigen Track nimmt „Rapid Metamorphosis“ mit erneuerter Aggressivität den sonischen Angriff wieder auf, chaotisch, mit Instrumenten, die verschiedene Melodien in verschiedenen Tempos spielen, eine kakophonischere Übung, nicht weniger beeindruckend durch gute instrumentale Fähigkeiten der Musiker. Nach jazzigen und entspannteren letzten Noten im vorherigen Song bringt „Sea Of Teeth“ moderates Tempo, endlose Arpeggios von Leadgitarre, massive Riffs und sehr gute Vocal-Performance. Der am wenigsten progressive, dafür death-metalligste Song des Albums.

Und das viel niedrigere Tempo setzt sich fort in „Altar Of The Hound„, eine klare Fortsetzung im Klang vom vorherigen Track, mit sehr verspielter Leadgitarre und gleichermaßen lebhaftem Bass. Ein interessanter Song, hört nicht auf, den Klang in komplexe und unerwartete Richtungen zu drücken. Und der finale Song „No Longer Human“ bleibt eher langsam, mit kurzen Riffs macht er kraftvollen Einfluss. Auch eine finale Demonstration von Gitarren-Fähigkeiten, auf meist dissonante Weise. Wie auf dem ganzen Album beeindrucken alle Musiker mit ihrer Performance.

Chaos und Aggressivität in komplexen Harmonien

Exponenten der extremen Seite von Progressive Death Metal schaffen die Amerikaner es, mit einem weiteren Album zu kommen, wo Chaos und Aggressivität sich zusammenschließen, um komplexe Harmonien zu erzeugen oder einfach erdrückende Momente, wo die Schwere der Band den Klang dominiert. Für einige mag die Musik von XENOSIS nicht das bevorzugte Genre sein, man kann allerdings die technischen Fähigkeiten der Musiker nicht ignorieren oder leugnen.

Sehr versierte und technische Musiker, die Musik, die resultiert, ist manchmal überwältigend, hört irgendwie nie auf zu beeindrucken. Sehr schnelle Passagen gefolgt von atmosphärischen und introspektiveren, gut komponierte Songs, eine Komplexität von Klängen, die erdrückend und brutal ist, von Zeit zu Zeit eine Reise in atmosphärische oder jazzige Territorien sein kann. Die Technizität der fünf Musiker bleibt beeindruckend in beiden Ansätzen. Eine Empfehlung für Genre-Fans.

Fazit: XENOSIS liefern mit „Hermetic Transmutation“ komplexen Progressive Death Metal, technisch versiert, chaotisch und überwältigend in beiden Extremen.

Internet

XENOSIS - Hermetic Transmutation

NORTHBORN – Northborn

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NORTHBORN - Northborn - cover artwork
NORTHBORN - Northborn - cover artwork

Band: NORTHBORN 🇸🇪
Titel: Northborn
Label: Art Gate Records
VÖ: 22/05/26
Genre: Symphonic Melodic Death Metal

Tracklist

01. Hymn of the North Star
02. Tale of Lies
03. Fireborn
04. Children of the Frost
05. Helldamned
06. The Wolf’s Curse
07. Dreamhaunter
08. The Fimbul Scourge
09. Yokai of the Lake
10. A Warrior’s Fate

 

Besetzung

Björn Larsson – Vocals/Growls/Keys
Ture Aspelin – Guitars
Tobey Lagerqvist – Guitars
Andreas Lundgren – Bass
Felix Wahlund – Drums

 

Bewertung:

3/5

Frostiger Einstieg mit klarer Handschrift

Hinter dem Namen NORTHBORN steckt eine Formation, die sich hörbar tief im nordischen Metal-Erbe verwurzelt fühlt. Das selbstbetitelte Album bewegt sich zwischen symphonischer Größe und klassischer Melodic-Death-Schärfe, ohne dabei den Bezug zu den frühen 2000er-Jahren der finnischen Szene zu verlieren. Diese Mischung prägt die gesamte Platte, kalte Atmosphäre, viel Keyboard-Glanz und darüber ein Gitarrengerüst, das immer wieder in aggressivere Gefilde kippt.

Schon der Opener »Hymn of the North Star« macht klar, wohin die Reise geht. Breite Keyboard-Flächen eröffnen einen fast sakralen Raum, bevor Riffs und Growls die Struktur aufbrechen. Die Band arbeitet dabei konsequent mit Kontrasten, was dem Album eine gewisse Dramatik verleiht, auch wenn nicht jeder Übergang gleich elegant ausfällt.

Zwischen Melodie und Härte

Das Line-up bringt hörbar Erfahrung in die einzelnen Rollen. Björn Larsson übernimmt Vocals, Growls und Keyboards und trägt damit einen großen Teil der klanglichen Identität. Seine Stimme schwankt zwischen klassischem Death-Growl und erzählerischen Momenten, die besonders in den symphonischen Passagen wirken. An den Gitarren liefern Ture Aspelin und Tobey Lagerqvist ein dichtes Doppelspiel aus Lead- und Rhythmusarbeit, das oft harmonisch angelegt ist, aber gelegentlich mehr Mut zur Reibung vertragen könnte.

Im Hintergrund sorgt Andreas Lundgren am Bass für stabile Tiefe, während Felix Wahlund am Schlagzeug die Songs mit präzisem, manchmal fast martialischem Spiel antreibt. Besonders in schnelleren Passagen wie »Fireborn« oder »The Wolf’s Curse« zeigt sich, dass die Band das Tempo gut kontrolliert, auch wenn die Dynamik nicht immer voll ausgeschöpft wird.

Atmosphäre als zentrales Element

Die Stärke des Albums liegt klar in seiner Atmosphäre. »Children of the Frost« und »The Fimbul Scourge« bauen eine winterliche Klanglandschaft auf, die stark von nordischer Mythologie und Naturbildern geprägt ist. Hier zeigt sich auch die Verbindung zu folkloristischen Einflüssen, die allerdings eher subtil eingearbeitet wurden, statt offensiv im Vordergrund zu stehen.

»Yokai of the Lake« fällt etwas aus dem Rahmen und bringt eine leicht exotische Note ins Gesamtbild. Der Titel deutet es bereits an, hier wird die nordische Grundstimmung kurz verlassen, ohne die stilistische Linie komplett zu brechen. Gerade diese kleinen Brüche sorgen dafür, dass das Album nicht völlig vorhersehbar wirkt.

Trackdichte und Spannungsbogen

Die zweite Hälfte des Albums hält das Niveau stabil, verliert aber etwas an Überraschungsmomenten. »Dreamhaunter« und »Helldamned« setzen auf klassische Songstrukturen, die solide funktionieren, aber selten wirklich unerwartete Wendungen nehmen. Der abschließende Titel »A Warrior’s Fate« fasst die zentralen Elemente noch einmal zusammen. Symphonische Breite, melodische Leads und ein durchgängiger Hang zur epischen Inszenierung.

NORTHBORN liefern mit ihrem Debüt ein geschlossenes, atmosphärisch starkes Album ab, das sich klar im symphonischen Melodic-Death-Metal verortet und seine Einflüsse nicht versteckt. Die Produktion sitzt, die Musiker verstehen ihr Handwerk, und die nordische Grundstimmung zieht sich konsequent durch alle zehn Songs.

Gleichzeitig bleibt die Platte in vielen Momenten zu vorsichtig. Einige Ideen hätten mehr Reibung, mehr Risiko oder einfach mehr Ecken vertragen. Dadurch entsteht ein solides, aber nicht durchgehend fesselndes Hörerlebnis.

Am Ende steht ein Werk, das Fans des Genres gut abholen wird, ohne den Anspruch zu erfüllen, wirklich eigene Akzente zu setzen. Drei von fünf Punkten spiegeln genau dieses Spannungsfeld wider, stimmig, kompetent umgesetzt, aber noch nicht ganz da, wo es richtig brennt.

Fazit: »Northborn« ist ein solides Werk für Fans des symphonischen Melodic-Death-Metal, die die nordischen Klänge schätzen.

Internet

NORTHBORN - Northborn - CD Review

Uncle Hauk im Interview: Illusionen runter, Wahrheit rauf

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Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork
Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork

Interview: Beppo Fegesack & Uncle Hauk

Uncle Hauk: Illusionen runter, Verstärker rauf – Überleben im Weltbrand

Mit »Lose Your Illusions« hat Uncle Hauk ein Album veröffentlicht, das sich nicht um bequeme Genre-Schubladen schert. Zwischen Post-Punk, Alternative Rock, Metal, Jazz-Farben und dunklen Americana-Schatten entsteht ein Werk, das nicht einfach nebenbei läuft, sondern sich sperrig, roh und emotional in den Raum stellt.

Unser Review zu »Lose Your Illusions« hat bereits gezeigt, dass Uncle Hauk hier kein glattgezogenes Rockalbum abliefert, sondern eine Platte voller Ernüchterung, Verlust, Zorn, Weltfrust und trotzigem Überlebenswillen. Ein Album also, das seine Narben nicht versteckt, sondern sie wie Orden durch den Dreck trägt.

Wir haben mit Uncle Hauk über den Titel des Albums, persönliche Verluste, Weltbrand, Saxofon, Zahnschmerzen, Teddy-Bären-Symbolik, musikalische Grenzgänge und die Frage gesprochen, warum Hoffnung manchmal komplizierter ist als blanker Trotz.

Hört hier »Lose Your Illusions« von Uncle Hauk in voller Länge an

Hallo Uncle Hauk und willkommen! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über dein neues Album »Lose Your Illusions« zu sprechen. Die Platte wirkt dunkel, roh, sehr persönlich und dennoch seltsam voller Widerstandskraft und Überlebensinstinkt. Sie bewegt sich durch Post-Punk, Alternative Rock, Metal, Jazz-Elemente und dunklere Americana-Schattierungen, ohne jemals zur einfachen Hintergrundmusik zu werden. Lass uns über die Ideen, Emotionen und Sounds dahinter sprechen.
 
»Lose Your Illusions« ist ein sehr starker und direkter Titel. Welcher persönliche oder künstlerische Moment hat dich zu diesem Albumnamen geführt?
 
Uncle Hauk: Großartige Frage. Es ist definitiv eine Anspielung auf Guns N’ Roses. Als ich anfing, an diesem Album zu arbeiten, hatte ich alle möglichen Ideen. Ich dachte über ein Doppelalbum nach, ähnlich wie die »Use Your Illusion«-Alben, oder sogar über ein Triple-Album. Gleichzeitig ließ ich meiner nihilistischen Seite ziemlich freien Lauf. Es waren viele sehr rohe, sehr dunkle und sehr brutale Songs und Themen dabei. Ich habe wirklich alles bis auf die Knochen freigelegt und zugelassen, dass es bis ganz nach unten weh tut.
 
Nach und nach begann ich, Songs zu streichen, mich auf bestimmte Stücke zu konzentrieren, andere auszutauschen und herauszufinden, was ich wirklich sagen und singen wollte.
 
Der Titel ist im Grunde eine Art zu sagen: Erwartet nicht das, was ihr erwartet. Dieses Album ist nicht poliert oder hübsch. Es zeigt, was wirklich unter der Oberfläche passiert. Ich habe weder die Zeit noch die Neigung, irgendwelche Illusionen anzubieten. Ich versuche nicht, etwas anderes zu sein als ich selbst. Ich bin nicht hübsch oder glattpoliert. Ich bin einfach ich.
Das Album behandelt Desillusionierung, Trauer, Wut, Überleben und das Gefühl, dass die Welt zu einem härteren Ort geworden ist, an den man glauben soll. Was war der emotionale Ausgangspunkt dieser Platte?
 
Uncle Hauk: Es gibt so viele Dinge, auf die ich zeigen könnte. Ich sage oft, mein Leben sei eine ständige Reise durch den Fleischwolf gewesen. Vor ein paar Jahren ist meine Verlobte gestorben. Ich war im Krankenhaus bei ihr und hielt ihre Hand, während sie langsam kalt wurde. Das hat mich auf eine Weise gebrochen, von der ich mich nie vollständig erholen werde.
 
Der erste Song, den ich nach ihrem Tod geschrieben habe, war »It Doesn’t End Well«, dessen Aufnahme ich immer wieder verschoben habe, bis jetzt. »Alive In Death’s Shadow« war ein weiterer. Songs wie »Toothache« und »The World Is On Fire« beschäftigen sich dagegen mehr mit der Welt. Wir leben im Grunde in einem dritten Weltkrieg, ob das nun jemand offiziell erklären will oder nicht. Mein ganzes Leben war ein Wirtschaftscrash, gefolgt von einem Krieg, gefolgt vom nächsten Wirtschaftscrash. Die ganze Welt ist manipuliert. Also schreibe ich meine Wahrheit und schreie sie so laut ich kann.
 
Dann gibt es einen Song wie »Iron Strong«, den ich früh während der Pandemie geschrieben habe. Ich versuche, Hoffnung zu finden, wo ich kann. Und wenn ich keine Hoffnung finde, werde ich stur und kämpfe trotzdem weiter.
Was hat das Coverartwork von »Lose Your Illusions« inspiriert? Wie eng spiegelt die visuelle Seite des Albums die Musik und die Themen dahinter wider?
 
Uncle Hauk: Mein Künstler ist Danny Gonzalez von Howl Art Studios. Er ist großartig. Er hat definitiv den dunklen Geschmack des Albums eingefangen, aber auch den Hauk-Mythos. Smokey the Bear ist schon früher in meinen Songs aufgetaucht, und der Drache im Hintergrund ist ein Rückgriff auf Elf Queen. Er hat viele subtile Dinge in das Cover eingebaut, die ich liebe, zum Beispiel diese Fantasy-Wild-West-Atmosphäre. Er versteht mich auf die bestmögliche Weise.
 
Bei Artwork mag ich es, wenn meine Künstler versuchen, Dinge thematisch miteinander zu verbinden. Bei Bands wie Iron Maiden oder Megadeth gibt es Eddie und Vic Rattlehead. Bei mir ist es mein Teddybär Smokey. Danny fängt diesen Geist mit seiner Kunst ein.
Dein Sound auf diesem Album bewegt sich zwischen post-punkiger Dunkelheit, Alternative-Rock-Schmutz, Metal-Schwere, Jazz-Farben und sogar Alt-Country- oder Americana-Schatten. Kombinierst du diese Einflüsse bewusst, oder entstehen sie natürlich während des Songwritings?
 
Uncle Hauk: Schwierige Frage, denn es variiert von Song zu Song. Ich spiele tatsächlich schon länger Saxofon als Gitarre und wollte das Saxofon wieder stärker in meine Musik bringen. Ursprünglich sollte die Hauptmelodie von »Alive In Death’s Shadow« auf der Flöte gespielt werden, dann habe ich stattdessen Sopransaxofon ausprobiert. Und weil ich das bei einem Song gemacht hatte, tat ich es auch bei »It Doesn’t End Well«. Danach fügte ich hier und da immer mehr hinzu. Irgendwann machte ich dreistimmige Harmonien bei »Only the Living« und »Toothache«.
 
Ich starte immer mit dem Wunsch, in eine bestimmte Richtung zu gehen, und dann führt mich die Straße dorthin, wohin sie will. Beim Tracking probiere ich oft alles Mögliche aus und muss es beim Mixen dann auf etwas Handhabbares zurückschneiden. Oder ich mache es nicht und werfe einfach alles so gut es geht hinein.
 
Ursprünglich wollte ich dieses Album extrem heavy machen, aber ganz so ist es nicht gekommen. Ich habe deutlich weniger akustische Instrumente wie Banjo verwendet als auf früheren Alben. Es fühlte sich einfach nicht nach dem richtigen Sound dafür an.
Die Zeile »The world is on fire, but I dream of rain« aus »The World Is On Fire« ist sehr eindringlich. Geht es darin um Hoffnung, Erschöpfung, Widerstand oder um etwas ganz anderes?
 
Uncle Hauk: Diese Zeile stammt ursprünglich aus einem Elf Queen-Song, den wir nie aufgenommen oder wirklich fertiggestellt haben. Wir haben ihn immer wieder umgeschrieben, und als wir Elf Queen auf Eis gelegt haben, nahm ich diese Idee und versuchte, daraus etwas Neues zu machen.
 
Es beschreibt buchstäblich, wie ich mich heutzutage im Leben fühle. Ich bin Kalifornier, und meine sogenannte repräsentative Regierung versucht, den Nahen Osten niederzubrennen. Das mag und unterstütze ich nicht, und ich will, dass es endet. Als Kalifornier bin ich außerdem immer sehr bewusst mit Wasser und der Möglichkeit von Dürre konfrontiert. Ich träume von Regen, weil wir ihn zum Überleben brauchen. Wir müssen die Feuer löschen und die Welt heilen.
 
Die Strophen beziehen sich auf Mary Shelleys »Frankenstein«. Ich kenne so viele Menschen, die das Gefühl haben, einfach in eine blutige Höllenlandschaft aus Krieg, Hass und Tod hineingeboren worden zu sein, obwohl sie nur Frieden, Liebe und Freiheit wollen. Wir alle träumen von den Dingen, die wir nicht haben. Wir sind alle Frankensteins Monster: fähig zu einer Liebe, wie sie niemand je gesehen hat. Und wenn wir diese Liebe nicht ausleben können, übernimmt der Hass.
Auf dem gesamten Album gibt es ein starkes Gefühl von sturem Überleben. Würdest du »Lose Your Illusions« als hoffnungsloses Album beschreiben oder eher als ein Album über das Weitermachen, wenn Hoffnung kompliziert geworden ist?
 
Uncle Hauk: Vor ein paar Jahren habe ich einen Song namens »Nothing More Deadly Than Hope« veröffentlicht. Hoffnung ist in vielerlei Hinsicht etwas, dem ich misstrauen gelernt habe. Sobald ich hoffnungsvoll werde, dass sich Dinge zum Guten wenden, werde ich verletzt. Und zwar heftig.
 
Dieses Album ist absolut stur. Es ist absolut mürrisch, voller Galligkeit und mit dieser »Runter von meinem Rasen«-Haltung ausgestattet.
 
Es geht nicht einfach um die Hoffnung, dass alles gut wird. Es ist eher diese störrische »Fuck you, I won’t do what you tell me«-Haltung, die uns am Laufen hält, selbst wenn die Hoffnung stirbt.
 
Ich denke aber schon, dass das Album positiv endet, wenn auch nicht unbedingt hoffnungsvoll. Ich habe »Iron Strong« ans Ende gesetzt, um eine Art Katharsis zu finden. Wir sitzen alle im selben Boot, und wir können gemeinsam etwas aufbauen, wenn wir es wirklich wollen.
Mir ist die wiederkehrende Bären-Symbolik rund um Uncle Hauk aufgefallen, und persönlich würde ich die Cover als sehr »bärig« beschreiben. Was repräsentiert der Bär für dich visuell, emotional oder vielleicht sogar spirituell?
 
Uncle Hauk: Vor etwa vier Alben habe ich mich als Uncle Hauk neu aufgestellt. Es gibt einen Schweizer Electronic-Act, der sich den Namen Hauk auf Spotify geschnappt hatte und meine Streams bekam. Obwohl ich Streaming hasse, war das eine gute Gelegenheit für einen Neustart und ein Rebranding. Also veröffentlichte ich »Mostly True?«, das eher Alternative Country war. Der Hauptsong hieß »Benediction« und war lose von Hamlet inspiriert.
 
Ich hatte gerade an einer Produktion von Hamlet gearbeitet, die ausgerechnet in einem Boba-Shop spielte. Dort wurde die »To Be or Not To Be«-Rede wie ein Segen behandelt. Ich versuchte, dasselbe zu tun. Als ich zum Refrain kam, sang ich sinngemäß: Wenn ich sterbe, begrabt mich mit meinem Teddybären, und ich werde glücklich ruhen.
 
Ich habe immer noch meinen Teddybären Smokey, den mir meine Großeltern schenkten, als ich fünf Jahre alt war. Er steht buchstäblich in meinem Testament und soll mit mir eingeäschert werden. Danny, mein Künstler, kannte diese Hintergrundgeschichte, also arbeitete er sie in das Albumcover ein. Danach haben wir dieses Motiv einfach weitergeführt. Smokey wurde zu einem Symbol für mich und meine Musik.
Du bist Multiinstrumentalist, Produzent und Engineer, hast also sehr viel Kontrolle über den finalen Sound. Wie entscheidest du, wann ein Song mehr Schichten braucht und wann er roh, dreckig und direkt bleiben sollte?
 
Uncle Hauk: Schwierige Frage. Es hängt wirklich vom jeweiligen Song ab. Oft versuche ich, einen Song immer heavier und heavier zu machen, obwohl er eigentlich weich bleiben müsste, und umgekehrt. Der Vorteil daran, mein eigenes Studio zu besitzen, ist, dass ich mir so viel Zeit nehmen kann, wie ich brauche.
 
Manchmal bekomme ich mitten während der Arbeit an einem Album neues Equipment und probiere etwas Neues aus, das großartig klingt. Dann will ich aber die Takes, die ich bereits aufgenommen habe, nicht mehr anfassen. Dadurch klingen manche Songs auch unterschiedlich voneinander.
»Toothache« ist einer der ungewöhnlichsten und ausladendsten Tracks des Albums. Warum durfte dieser Song so weit ausgreifen, und sollte er stellenweise unangenehm oder fast körperlich reizend wirken?
 
Uncle Hauk: Das war wahrscheinlich der schwierigste Song auf dem Album. Er begann nur mit einem einfachen Gitarrenriff, aber dann fügte ich immer mehr hinzu. Ich dachte darüber nach, Intro und Outro als zwei separate Tracks zu machen oder daraus eine Song-Trilogie zu formen. Aber mir gefiel die Idee, den Hörer auf eine lange Reise mitzunehmen.
 
Ich hatte tatsächlich eine Wurzelbehandlung, als ich anfing, diesen Song zu schreiben. Die Zahnschmerzen davor brachten mich so weit, dass ich mir am liebsten selbst den Zahn gezogen hätte. Einfach eine Zange nehmen und auf das Beste hoffen.
 
Ich kann manchmal ein wenig selbstzerstörerisch sein. Daher auch die Idee, sich die Zähne einen nach dem anderen herauszuziehen.
 
Lyrisch führte mich das in Richtung Selbstverletzung und Selbstzerstörung, zumindest diesmal nur lyrisch. Geht regelmäßig zum Zahnarzt, Haukamaniacs. Die Vorstellung, mir selbst die Zähne zu ziehen und mir selbst wehzutun, wandelte sich langsam in die Vorstellung, anderen Menschen wehzutun. Konkret jenen, die vom Elend der Welt profitieren. Nicht »Eat the rich«, sondern ihnen die Zähne einen nach dem anderen ziehen.
 
Es ist kein angenehmer Song. Ich weiß nicht, ob er körperlich irritierend wirken sollte, aber er soll definitiv gefühlt werden. Aus technischer Sicht wurden die heavy Gitarren tatsächlich mit einer Gretsch und Arcane Inc Ultratrons aufgenommen, was der Verzerrung ein richtig garstiges Knurren verliehen hat. Normalerweise ist das eine meiner cleanen Gitarren, deshalb gab das dem Ganzen eine neue Farbe und Textur.
 
Dann kommt das Saxofon-Outro. Darauf habe ich eine ganze Reihe Effekte gelegt. Es beginnt so, als würde es wie eine beschädigte Vinylplatte klingen, und wird dann langsam klarer und klarer, mit sich bewegenden Low- und High-Pass-Filtern. Wie ein Weg von dem, was »sie« dir verkaufen wollen, hin zur echten Sache.
Songs wie »Stormy« und »Iron Strong« wirken fokussierter und direkter, während andere Tracks experimentellere Wege einschlagen. Ist dieser Kontrast wichtig für die Reise des Albums?
 
Uncle Hauk: Jeder Song ist ein wenig anders und hat seine eigene Reise. Ich habe beide Stücke früh während der Pandemie geschrieben, ursprünglich für ein anderes Projekt, das nie zustande kam. »Stormy« wurde oft umgeschrieben, war aber definitiv eine Reise durch Nihilismus und das Gefühl, verrückt zu werden. Ich habe während meines Masterstudiums um 2022 herum eine Version von »Stormy« gemacht und nie erwartet, noch einmal etwas damit zu tun. Aber es fühlte sich richtig an, es erneut aufzunehmen.
 
Es macht immer Spaß, zu experimentieren. Bei den meisten meiner Gitarrensoli beginne ich mit Improvisation, baue aber oft einen Abschnitt ein, der wie bei Iron Maiden harmonisiert werden soll. Wenn ich improvisiere, funktioniert es manchmal, manchmal muss ich aber erst herausfinden, was ich da eigentlich gespielt habe. Das Solo in »Stormy« war so ein Fall, mit einem harmonisierten Abschnitt, den ich spontan erfunden habe. Manchmal klappt es. Manchmal nicht.
Du hast bereits in unterschiedlichen musikalischen Kontexten gearbeitet, darunter Black Hat Society und Elf Queen. Wie viel von diesen früheren Projekten lebt noch in Uncle Hauk weiter?
 
Uncle Hauk: Das ist alles Teil der Reise. Das waren großartige Bands, und ich würde heute nicht das tun, was ich tue, ohne sie. Meine Schreibpartner in diesen Bands haben mich immer dazu gedrängt, besser zu werden und mich selbst weiterzutreiben.
 
Karin von Black Hat Society ist jetzt bei Brick Top Blaggers. Sie machen großartige Irish-Punk-Musik und spielen überall. Hört da unbedingt rein. Kelsey von Elf Queen konzentriert sich auf Voice-Over-Arbeit und macht wirklich großartige Dinge.
 
Das macht es allerdings auch schwerer, mich einzuordnen. Menschen wollen einfache Schubladen: Du bist entweder Punk oder Country oder Metal oder was auch immer. Ich mache dagegen Post-Punk-Alt-Country mit heavy Passagen und nicht ganz genug Twang. Ich sage mir immer wieder, dass ich mich stärker fokussieren sollte. Aber sobald ich anfange zu arbeiten, fliegt dieser Vorsatz wieder aus dem Fenster.
Nach einem Album voller Verlust, Desillusionierung, Weltschmerz und störrischem Überleben: Wohin kann Uncle Hauk als Nächstes gehen? Noch tiefer in die Dunkelheit, in Richtung etwas Hoffungsvolleres oder an einen völlig unerwarteten Ort?
 
Uncle Hauk: Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe angefangen, für zukünftige Aufnahmen zu schreiben, beobachte aber auch, wie sich die Industrie wieder verändert. Manche Bands veröffentlichen nur noch Singles statt Alben. Das geht sicher schneller und hält neues Material bei den Fans. Ein Album kann ein Jahr oder länger dauern. Es macht aber auch wirklich Spaß.
 
Ich habe ein paar Songs, die stärker in Richtung Country gehen, und vielleicht mache ich etwas Bluesiges. Vor ein paar Jahren habe ich ein komplettes Jazz-/Big-Band-Album geschrieben, das auf den Runen basiert, aber nie fertiggestellt wurde. Die Drums sind aufgenommen, aber alles andere muss noch zusammenkommen.
 
Das alles kostet auch Geld, und Musik ist absolut ein Pay-to-play-Betrieb. Du zahlst für Promotion, zahlst dafür, auf Playlists zu kommen, zahlst für dies, zahlst für das und hoffst dann, dass die Streaming-Tantiemen mehr ergeben als eine Tasse Kaffee, wenn du Glück hast. Und das alles, um mit AI-Mist zu konkurrieren, den Spotify und Suno allen in den Hals rammen wollen.
 
Andererseits habe ich damit angefangen, um Musik zu machen, nicht um Geld zu verdienen. Musik ist das, was ich liebe. Das wird immer so bleiben.
Vielen Dank für das Interview, Uncle Hauk. Wir wünschen dir alles Gute mit »Lose Your Illusions« und allem, was als Nächstes kommt. Die letzten Worte gehören dir.
 
Uncle Hauk: Vielen Dank! Es ist immer eine Freude zu sprechen, und ich hoffe wirklich, dass eure Leser »Lose Your Illusions« eine Chance geben. Oder auch einer der anderen Veröffentlichungen, die ich draußen habe. Ich habe für fast jeden etwas dabei.

Uncle Hauk – Interview

Torn Open – Torn The Fuck Open, Vol. 2

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TORN THE FUCK OPEN Vol 2 - cover artwork
TORN THE FUCK OPEN Vol 2 - cover artwork

Band: Torn Open 🇺🇸
Titel: TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2
Label: Blue Grape Music
VÖ: 01.05.2026
Genre: Deathcore / Extreme Deathcore / Groove Metal

Tracklist

01. A Testament To Stoicism
02. Denial (And So It Begins)
03. The Way Things Should End
04. …And So We Rise

Besetzung

Sofia DeMasi – Gesang
Margot Bogosian – Gitarre
Marcelo Crespo – Gitarre
Canaan Sharon – Bass
Michael Karnage – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Über den Titel »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« muss man eigentlich erst einmal laut nachdenken. Nicht lange, denn diese EP tritt einem nach wenigen Sekunden ohnehin die Denkzentrale aus der Halterung, aber doch kurz genug, um festzustellen: Subtilität war hier offenbar nicht einmal als Praktikant eingeladen. Torn Open nennen ihr Ding nicht „Inner Conflicts“, nicht „The Fracture Within“ und schon gar nicht „Emotionale Zwischenräume in Beige“. Nein, hier wird direkt aufgerissen, aufgebrochen, offengelegt. Und weil das beim ersten Mal offenbar noch nicht genug war, jetzt eben Vol. 2. Willkommen im Deathcore, wo Zurückhaltung meistens nur bedeutet, dass der Breakdown drei Sekunden später kommt.

Die aus New Jersey stammenden Torn Open haben mit »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 1« bereits deutlich gemacht, dass sie nicht angetreten sind, um dem Genre ein Duftkerzchen hinzustellen. Mit »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« wird dieser Ansatz nun präziser, brutaler und selbstbewusster fortgeführt. Vier Songs, knapp 13 Minuten, kein Leerlauf. Diese EP funktioniert wie ein sehr wütender Kurzfilm: blutig, hektisch, überdreht, aber mit klarer Regie.

Stilistisch bewegen sich Torn Open im Deathcore, allerdings nicht in jener überorchestrierten Variante, bei der jedes zweite Riff klingt, als würde ein Dämon gerade ein Symphonieorchester bewerben. Hier geht es eher zurück in Richtung MySpace-Revival, Früh-Deathcore, Groove-Wucht, tiefe Chugs, fiese Screams und Breakdowns, bei denen man im Pit kurz prüfen sollte, ob die Zahnzusatzversicherung noch aktiv ist. Der Sound ist roh genug, um glaubwürdig zu bleiben, aber sauber genug produziert, um nicht im eigenen Schlamm zu ersaufen.

(Hört hier »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« von Torn Open)

KURZ, BRUTAL, UNMISSVERSTÄNDLICH

»A Testament To Stoicism« eröffnet die EP mit genau jener Mischung aus maschineller Präzision und körperlicher Gewalt, die modernen Deathcore im Idealfall ausmacht. Der Song braucht keine lange Vorrede. Das Riff zieht an, die Drums setzen die Nackenmuskulatur unter Zwangsverwaltung, und Sofia DeMasi klingt vom ersten Moment an, als würde sie nicht singen, sondern eine Anklage mit bloßen Händen in Beton ritzen. Der Opener erfüllt damit gleich zwei Aufgaben: Er stellt die Härtegrade ein und macht klar, dass Torn Open diesmal noch fokussierter auftreten.

Besonders stark ist hier die Balance zwischen technischer Straffung und stumpfer Schlagwirkung. Die Gitarren von Margot Bogosian und Marcelo Crespo liefern keine ziellose Griffbrettgymnastik, sondern setzen auf Riffs, die unmittelbar drücken. Das ist nicht unnötig verspielt, aber auch nicht platt. Die Songs leben von kantigen Wechseln, abrupten Stopps, niederwalzenden Grooves und jener unangenehmen Spannung, die entsteht, wenn man merkt: Gleich kommt etwas sehr Schweres. Und dann kommt es auch. Höflichkeit ist hier höchstens ein Produktionsfehler.

»Denial (And So It Begins)« hält die Aggression hoch, wirkt aber noch gemeiner in der Art, wie das Tempo angezogen und wieder gebrochen wird. Der Song spielt mit Erwartungshaltung, schiebt sich erst in den Körper, dann in den Nacken und schließlich frontal in die Magengrube. Die Breakdowns sitzen, ohne zur bloßen Pflichtübung zu werden. Gerade hier zeigt sich, dass Torn Open ihre Gewalt nicht einfach nur höher stapeln, sondern dramaturgisch setzen. Das ist wichtig, denn im Deathcore kann Härte schnell zur Währung ohne Wechselgeld werden. Laut, tiefer, böser – schön und gut. Aber wenn alles die ganze Zeit explodiert, merkt irgendwann niemand mehr, wo der Krater war.

SOFIA DEMASI ALS ZENTRALE ABRISSKANTE

Die vielleicht auffälligste Leistung auf »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« liefert Sofia DeMasi. Ihre Vocals sind nicht nur brutal, sondern variabel genug, um den vier Songs jeweils ein eigenes Gesicht zu geben. Tiefe Growls, giftige Screams, gepresste Raserei, kontrollierter Wahnsinn: DeMasi steht nicht vor der Soundwand, sie ist ein Teil davon. Gerade in einem Genre, das stark von vokaler Extremleistung lebt, ist das ein klarer Pluspunkt. Hier wird nicht einfach ins Mikro geprügelt, hier wird mit Druck, Textur und Ausdruck gearbeitet.

»The Way Things Should End« ist der zentrale Nackenschlag der EP. Der Song bringt mehr Tempo, mehr Vorwärtsdrang und eine fast filmische Brutalität mit. Kein Wunder, dass gerade diese Nummer als Single und Video funktioniert: Sie hat den nötigen Wiedererkennungswert, ohne den Dreck von den Stiefeln zu wischen. Das Riffing ist giftig, der Groove trifft schnell, und die Breaks wirken so gesetzt, dass live vermutlich niemand lange darüber nachdenkt, ob der Boden rutschfest ist. Wer hier im Pit steht, unterschreibt stillschweigend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des blauen Flecks.

Inhaltlich wirkt die Nummer wie ein wütender Kommentar auf Macht, Gewalt, Gier und den Punkt, an dem bloßes Erdulden zur Mitschuld wird. Das passt zum Gesamtbild der EP: Torn Open verpacken ihren Deathcore nicht als reine Splatter-Show, auch wenn die Ästhetik blutig und bewusst überzogen ist. Unter der Oberfläche steckt eine klare Wut auf Zustände, die nicht mit hübschen Worten wegmoderiert werden. Das macht die Musik nicht subtiler, aber relevanter. Man muss diese Form der Direktheit mögen, aber man kann ihr kaum vorwerfen, keine Haltung zu haben.

GROOVE, CHUGS UND MYSPACE-GEISTER

Musikalisch erinnert »TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« an jene Zeit, in der Deathcore noch mehr nach verschwitzten kleinen Clubs, schlecht belüfteten Jugendzentren und Layouts mit schwarzem Hintergrund klang. Gleichzeitig ist die EP keine bloße Nostalgie-Übung. Torn Open greifen die DNA dieses Sounds auf, ziehen sie aber durch eine modernere Produktion und mehr rhythmische Schärfe. Die Gitarren sägen und stampfen, der Bass von Canaan Sharon verdichtet das Fundament, und Michael Karnage treibt das Ganze mit Drumming an, das zwischen Blast-Attacken, Groove-Druck und Breakdown-Mathematik souverän pendelt.

»…And So We Rise« beendet die EP mit dem Gefühl, dass Torn Open nicht auslaufen, sondern die Tür noch einmal aus dem Rahmen treten wollen. Der Track bündelt viele Stärken der Veröffentlichung: düstere Atmosphäre, wuchtige Rhythmik, finstere Vocals und diesen ständigen Wechsel aus Druckaufbau und Entladung. Besonders die Schlussphase setzt noch einmal ein Ausrufezeichen. Das ist kein episches Finale im klassischen Sinne, sondern eher der Moment, in dem nach dem Abriss jemand den Schutt betrachtet und feststellt: Ja, das war Absicht.

Die Produktion von Anthony Sallustio trifft dabei einen sehr brauchbaren Punkt zwischen Schmutz und Klarheit. Der Sound ist nicht steril, nicht glattgebügelt und nicht auf maximale Plastikbrutalität gezüchtet. Trotzdem bleiben die Instrumente unterscheidbar. Die Gitarren haben Biss, die Drums drücken, die Vocals stehen weit vorne, und der Bass verschwindet nicht komplett in der Wand. Gerade bei einer EP, die so sehr von kurzen, konzentrierten Einschlägen lebt, ist das entscheidend. Jeder Song muss sofort treffen. Viel Zeit für atmosphärische Seitenstraßen gibt es nicht.

FAZIT:

»TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2« ist ein kurzer, hässlicher und verdammt wirksamer Deathcore-Brocken. Torn Open klingen brutaler, fokussierter und selbstsicherer als auf dem ersten Teil, ohne sich dabei in unnötiger Modernisierung zu verlieren. Die EP setzt auf Groove, Chugs, fiese Vocals, präzise Breakdowns und eine blutige Direktheit, die wunderbar zum Titel passt.

TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2 Album Stream:

Internet

Torn Open - TORN THE FUCK OPEN, Vol. 2 - EP Review

Pinch Black – Dystopian Times

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Pinch Black - Dystopian Times - cover artwork
Pinch Black - Dystopian Times - cover artwork

Band: Pinch Black 🇩🇪
Titel: Dystopian Times
Label: Eigenproduktion
VÖ: 01.10.2025
Format: Digital / Limited Vinyl CD Edition
Genre: Epic Death Metal / Melodic Death Metal / Death Metal

Tracklist

01. The Duel
02. Monsters
03. The Reaper
04. Ghoul
05. Necromancer
06. Shadows
07. Skinwalker
08. Whales In The Clouds

Besetzung

Burkhard – Gesang
Laura – Gitarre
Janine – Gitarre
Stephan – Bass
Rafael – Schlagzeug

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Dämonen, Albträume, Apokalypse – auf diesen drei Säulen errichten Pinch Black ihr aktuelles Werk »Dystopian Times«. Seit ihrer Gründung 2018 in Mainz steht die Band für epischen Death Metal, der ebenso technisch präzise wie emotional aufgeladen wirkt. Mit diesem Album legen Burkhard, Laura, Janine, Stephan und Rafael nun ein wuchtiges Statement vor, das nicht lange höflich anklopft, sondern direkt mit der Schulter durch die Tür geht. Deutsche Eigenproduktion? Ja. Aber eine, die international nicht verschämt im Keller stehen muss. Eher eine, die den Keller gleich mit brennenden Fackeln ausleuchtet.

(Hört hier »Dystopian Times« von Pinch Black)

WENN DUNKELHEIT FORM ANNIMMT

Schon der Opener »The Duel« zeigt, wie souverän Pinch Black zwischen Atmosphäre und Aggression balancieren. Die Gitarren von Laura und Janine sägen messerscharf durch den Song, bleiben dabei aber melodisch genug, um nicht nur stumpf Beton zu zerkleinern. Rafael zimmert am Schlagzeug ein rhythmisches Fundament, das nicht bloß antreibt, sondern regelrecht nach vorne peitscht. Darüber thronen Burkhards Growls wie eine dämonische Durchsage aus der Unterwelt. Kein freundliches „Bitte einsteigen“, eher ein „Zu spät, die Türen sind bereits verriegelt“.

Inhaltlich steht »The Duel« sinnbildlich für den inneren Krieg. Zwei Kräfte prallen aufeinander, Licht und Schatten, Schuld und Vergeltung, Kontrolle und Vernichtung. Die Bildsprache wirkt bewusst überhöht, fast wie ein düsterer Western aus der Hölle, nur eben mit deutlich mehr Death-Metal-Druck. Genau das passt zu »Dystopian Times«: Das Album erzählt keine kleinen Alltagssorgen, sondern zieht seine Motive groß, finster und apokalyptisch auf.

Mit »Monsters« tauchen Pinch Black tiefer in das Reich der Angst ein. Der Song wirkt wie ein musikalischer Blick unter das Bett, nur dass dort keine harmlose Kindheitsfantasie wartet, sondern ein ganzes Schattenkabinett die Krallen wetzt. Die Lyrics behandeln Albtraumbilder, innere Panik und das Gefühl, dass die eigenen Dämonen nicht vor der Tür stehen, sondern längst im Raum sind. Musikalisch kombinieren Pinch Black rasante Attacken mit unheilvoller Atmosphäre, ohne den Song zu überladen. Das ist Death Metal mit Schauwert, aber nicht mit Plastikspuk aus dem Ramschregal.

VON SCHATTEN, TOD UND WIEDERGÄNGERN

»The Reaper« führt die düstere Linie konsequent weiter. Der Tod erscheint hier nicht als schneller Schockmoment, sondern als unausweichliche Präsenz, die Schritt für Schritt näherkommt. Nebel, Stimmen, Kälte und Orientierungslosigkeit prägen die lyrische Szenerie. Das Stück wirkt dadurch weniger wie ein reiner Abriss, sondern eher wie eine Verfolgungsszene in Zeitlupe. Die Band nutzt diese Atmosphäre klug: Statt permanent Vollgas zu geben, entsteht Spannung aus Druck, Erwartung und drohender Schwere.

»Ghoul« gehört anschließend zu den Songs, in denen Pinch Black ihren erzählerischen Ansatz besonders stark ausspielen. Alte Ruinen, Gräber, Nacht, ein namenloses Wesen – der Text bewegt sich tief im klassischen Horrorbereich, aber die musikalische Umsetzung verhindert, dass das Ganze zur billigen Geisterbahn wird. Der Song ist wuchtig, schleppend und zugleich dynamisch genug, um nicht in reiner Atmosphäre zu versacken. Stephans Bassarbeit sorgt dabei für das nötige Fundament, während die Gitarren melodische Linien über die Dunkelheit ziehen.

Mit »Necromancer« wird es beschwörend. Die Nummer wirkt wie ein Ritual, das lieber nicht im Wohnzimmer stattfinden sollte, außer man hat vorher die Haftpflichtversicherung geprüft. Inhaltlich kreist der Song um Macht über Tod, Wiederkehr und den Versuch, Grenzen zu überschreiten, die vielleicht aus gutem Grund existieren. Musikalisch greifen hier Rhythmik, Gitarren und Vocals besonders geschlossen ineinander. Die Band klingt nicht wie fünf Einzelkämpfer, sondern wie eine Einheit, die genau weiß, wann sie zuschlagen und wann sie die Atmosphäre atmen lassen muss.

MYTHOS, BESTIEN UND DAS GROSSE ENDE

»Shadows« schlägt dann stärker in Richtung düsterer Zwischenwelt aus. Schatten sind hier nicht nur Kulisse, sondern fast eigene Figuren. Der Song trägt eine schwerere, melancholischere Note und zeigt, dass Pinch Black nicht nur über Härte funktionieren. Gerade die melodischen Anteile geben dem Album Tiefe. Man merkt, dass die Band ihre Epic-Death-Metal-Selbstbeschreibung nicht als leere Schublade nutzt. Diese Epik entsteht nicht durch Bombast um jeden Preis, sondern durch Aufbau, Dynamik und eine klare Vorstellung davon, wie Dunkelheit klingen soll.

»Skinwalker« bringt anschließend die mythische Seite des Albums nach vorne. Verwandlung, Verfolgung, fremde Haut, fremde Gestalt – der Song spielt mit Motiven aus Legende und Horror, ohne sich in reiner Gruselromantik zu verlieren. Besonders stark ist die Verbindung aus aggressiver Rhythmik und melodischer Gitarrenarbeit. Hier klingt die Band kompakt, bissig und fokussiert. Das Stück hat genug Härte für die Nackenmuskulatur und genug Atmosphäre, um mehr zu sein als bloßer Death-Metal-Motorbetrieb.

Der finale Track »Whales In The Clouds« ist schließlich der ungewöhnlichste und vielleicht eindrucksvollste Abschluss dieses Albums. Schon der Titel klingt, als hätte jemand einen apokalyptischen Traum mit einem Naturwunder gekreuzt. Musikalisch öffnet sich der Song stärker, arbeitet mit atmosphärischen Passagen und einem Gefühl von Weite, das nach all den Monstern, Dämonen und Todesbildern beinahe spirituell wirkt. Es ist kein versöhnliches Ende im klassischen Sinne, aber eines, das den Blick hebt. Chaos, Untergang und eine Art schwermetallische Erlösung liegen hier dicht beieinander.

KLANG, PRODUKTION UND WIRKUNG

Produktionstechnisch macht »Dystopian Times« einen beeindruckend starken Eindruck. Die Gitarren stehen breit und scharf im Mix, das Schlagzeug drückt mit ordentlich Wucht, der Bass hält das Fundament zusammen, und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: vorne, tief, bedrohlich und mit genug Autorität, um schwächere Lautsprecher nervös werden zu lassen. Das Album klingt nicht nach glattpolierter Hochglanzware, aber auch nicht nach Proberaum-Ausrede. Es hat Druck, Klarheit und genug Dreck unter den Fingernägeln.

Was besonders auffällt, ist die Geschlossenheit. Pinch Black liefern acht Songs, die thematisch und musikalisch zusammenpassen, ohne wie ein einziger langer Song zu wirken. Dämonen, Albträume, Tod, Beschwörung, Schatten, Bestien und apokalyptische Weite greifen ineinander. Gleichzeitig bleibt die Platte kompakt genug, um nicht in ausuferndem Konzeptnebel zu verschwinden. Knapp über eine halbe Stunde Laufzeit ist hier ein Vorteil: Kein überflüssiges Fett, keine unnötigen Umwege, kein Interlude, das klingt, als hätte jemand versehentlich den Kühlschrank aufgenommen.

Natürlich erfinden Pinch Black den Death Metal nicht neu. Einige Motive sind genretypisch, und wer ausschließlich nach völlig abseitigen Experimenten sucht, wird hier keine Avantgarde-Oper über rostende Mondkrater finden. Aber darum geht es auch nicht. »Dystopian Times« überzeugt, weil es seine Stärken kennt: massive Vocals, präzise Gitarren, druckvolle Drums, melodische Dunkelheit und ein klares Gespür für Atmosphäre. Das ist kein Album, das sich im Feuilleton einschleimen will. Es will drücken, reißen, erzählen und den Hörer mit finsterer Wucht durch seine Welt ziehen.

FAZIT:

»Dystopian Times« ist ein starkes, kompaktes und beeindruckend druckvolles Death-Metal-Album, das technische Präzision mit erzählerischer Dunkelheit verbindet. Pinch Black zeigen, dass Epik und Brutalität hervorragend zusammengehen können, wenn man beides nicht als Selbstzweck versteht. Die Band setzt auf klare Songstrukturen, wuchtige Produktion und eine Atmosphäre, die konsequent zwischen Dämonenwelt, Alptraumkino und Endzeitlandschaft pendelt.

Besonders »The Duel«, »Monsters«, »Ghoul«, »Necromancer«, »Skinwalker« und »Whales In The Clouds« zeigen, wie gut diese Mischung funktioniert. Die Platte hat Härte, Melodie, Konzept und genug Eigenständigkeit, um im modernen Death-Metal-Feld nicht unterzugehen. Kleine Abzüge gibt es höchstens dafür, dass manche Motive bewusst klassisch bleiben und die Band ihre ganz eigene Handschrift in Zukunft noch mutiger nach vorne stellen könnte.

Unterm Strich ist »Dystopian Times« aber ein Album, das Kopf und Bauch gleichermaßen anspricht. Es ist technisch sauber, emotional aufgeladen und atmosphärisch dicht. Mainz mag auf der Metal-Weltkarte nicht immer als erstes genannt werden, aber Pinch Black setzen hier einen verdammt schweren Marker. Wer epischen Death Metal mit dämonischer Stimme, melodischer Gitarrenarbeit und apokalyptischem Flair sucht, sollte diese Dystopie definitiv betreten.

Dystopian Times Album Stream:

Internet

Pinch Black - Dystopian Times - CD Review

TRELLDOM – …by the word…

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cover artwork TRELLDOM …by the word…
cover artwork TRELLDOM …by the word…

Band: TRELLDOM 🇳🇴
Titel: …by the word…
Label: Prophecy Productions
VÖ: 29/05/26
Genre: Avant-garde Black Metal

Tracklist

01. When This Was Young
02. I Speak Forgotten Voices
03. This Moment The Life Of A Memory
04. By The Word
05. Folding The Mind
06. The Word – Choose To Vanish
07. In There Outside

Besetzung

Kristian Eivind Espedal – Vocals
Stian Kårstad – Guitars, Electronics
Kenneth Kapstad – Drums
Eirik Øien – Bass
Kjetil Møster – Saxophone, Clarinet, Organ, Electronics

Bewertung:

4,5/5

Die kultige, aber auch polarisierende Band TRELLDOM kehrt mit ihrem neuen Album „…by the word…“ zurück, dem fünften Teil ihres vor langer Zeit angekündigten Sieben-Alben-Werks, einer Reise, die vor mehr als 30 Jahren begonnen hat. Von vielen geschätzt, von den meisten ignoriert wegen ihres zu hermetischen Sounds, von anderen wiederum abgelehnt – eine Band, die mit ihrem hochkomplexen und unangepassten Zugang zum Black Metal bei jedem Hörer eine Reaktion hervorruft.

Dissonante Klanglandschaften

Ein sehr atmosphärischer Beginn, genau der musikalische Stil, den man von einem TRELLDOM-Album erwartet. Der Opener „When This Was Young“ arbeitet mit dissonanten und ziemlich disharmonischen Akkorden, viele Instrumente spielen unterschiedliche Melodien gleichzeitig und erschaffen dadurch eine kakophonische Klanglandschaft. Doch all das wird strukturierter, sobald der Gesang einsetzt, ohne dass der experimentelle Charakter verloren geht. Nicht unbedingt der Black Metal, den man sich darunter klassisch vorstellt, aber ganz klar eine Fortsetzung des Sounds der vorherigen Alben. Gesprochene Vocals, eher dezent im Klangbild, aber mit leidenschaftlich rezitierten Texten, die dem ohnehin hoffnungslosen Grundton noch eine weitere Ebene hinzufügen. Ein guter Opener.

TRELLDOM wurden 1992 als Nebenprojekt von Kristian Eivind Espedal – besser bekannt als Gaahl – gegründet. Bekannt aus anderen Projekten wie ex-Gorgoroth, ex-Wardruna, Gaahls Wyrd, Gaahlskagg, Sigfader oder ex-God Seed, ist er eine sehr markante Persönlichkeit des norwegischen Black Metal und Kopf wie Seele der Band. An seiner Seite der langjährige Weggefährte Stian Kårstad (ex-God Seed, ex-Gaahls Wyrd, ex-Myrkur (live), ex-Gorgoroth (live)) an Gitarre und mittlerweile auch Electronics, dazu die neueren Mitglieder Kenneth Kapstad (Goat the Head, Thorns, ex-Ihsahn (live), ex-God Seed) am Schlagzeug, Eirik Øien am Bass sowie Kjetil Møster an Saxophon, Klarinette, Orgel und Electronics.

Die dissonanten Akkorde setzen sich auch in „I Speak Forgotten Voices“ fort, diesmal schaffen Blasinstrumente ein verstörendes Fundament für einen rhythmisch stärkeren Song, erneut mit leidenschaftlichen und dramatischen Vocals, aber deutlich klarerer Instrumentierung. Die Gitarren kommen dem Black Metal hier näher als jemals zuvor auf älteren Songs der Band. Dennoch löst sich der Sound wieder in viele verschiedene Richtungen auf – ein wahrhaft avantgardistischer Track, aber ein sehr guter Song.

Vielschichtige Klangverschiebungen

Die Produktion ist ausgezeichnet, wie es auch nötig ist, um die enorme Komplexität der Musik überhaupt einfangen zu können. Permanente Wechsel im dominierenden Klangbild, dabei aber immer nah an der musikalischen Vision und den Kompositionen der Band. Ein ausgewogener Sound zwischen Dissonanz und Melodie, ebenso zwischen allen Instrumenten. Dynamisch im Klang, mal klar, mal roh – genau so, wie die Musik es verlangt. Eine sehr professionelle Arbeit.

Sehr aggressiv im Einstieg, beruhigt sich „This Moment The Life Of A Memory“ plötzlich und bringt mehr Melodie ins Spiel. Wieder sorgen die Blasinstrumente für den nervösen, unruhigen Gegenpol, meistens eher inkohärente Klänge. Doch genau dieser Kontrast funktioniert hervorragend mit der klaren melodischen Linie, die sich darüberlegt. Im Kern ein melodischer Song, langsam im Rhythmus und mit vielschichtiger Komposition.

Der Titelsong „By The Word“ verändert die Klanglandschaft erneut, diesmal stärker in Richtung Progressive Metal. Cleane Vocals, beeindruckendes Schlagzeug, ein polyrhythmischer Aufbau und eine vielschichtige Komposition vereinen düstere Momente mit beinahe karnevalesken Passagen. Der Sound entwickelt sich in eine eklektische Richtung, nur um schließlich ruhig und atmosphärisch zu enden.

Auch die folgenden Songs treiben den Sound weiter in unterschiedliche Richtungen. „Folding The Mind“ wirkt dramatisch und theatralisch, besitzt aber erneut eine starke und klare Hauptmelodie. „The Word – Choose To Vanish“ kehrt zunächst zu verstörenden Klängen zurück, bevor alles in einem langsamen, melodischen und atmosphärischen Stück zusammenläuft, voller Dissonanz, mit klug aufgebautem Crescendo und sehr starker Komposition. Ein sehr guter Track.

Der Abschlusssong „In There Outside“ legt den Fokus erneut auf theatralische Vocals, dramatisch vorgetragen und begleitet von noch verstörenderen Saxophonlinien sowie einem lärmenden, fragmentierten Hintergrund. Extrem dissonante Musik, aber ein würdiger Abschluss des Albums, ein weiterer Schritt in neue Richtungen, weniger Black Metal und stärker Avantgarde oder zeitgenössische Musik. Die unheilvolle Atmosphäre steht in gewisser Weise im Gegensatz zum Rest des Albums, doch die gequälten Vocals und verstörenden Geräusche funktionieren hervorragend als letzte Töne dieser Veröffentlichung.

Avantgarde mit klarerer Vision

Ein kohärenteres Werk als die älteren Alben, besser strukturiert und organisierter, mit klarer formulierter musikalischer Vision. Auch wenn die experimentelle oder avantgardistische Seite der Band permanent präsent bleibt, wird sie hier ergänzt durch sensible Melodien ebenso wie durch völlig aggressive Passagen. Ein permanenter Wechsel unterschiedlicher Klangwelten, sehr komplex und über weite Strecken überwältigend.

Verstörend und befremdlich – höchstwahrscheinlich genau der Sound, den Gaahl für sein TRELLDOM-Projekt erschaffen wollte. Gleichzeitig aber auch eine geschlossene musikalische Vision, die sich durch sämtliche Veröffentlichungen der Band zieht. Wahrscheinlich das beste Album der Band bisher, weil die Vision diesmal deutlich klarer Form annimmt, die Kompositionen fokussierter wirken und musikalisch mehr Substanz besitzen. Ein Album, das selbst skeptische Hörer überzeugen dürfte. Ein sehr starkes Werk insgesamt.

Fazit: TRELLDOM liefern mit „…by the word…“ ihr bislang fokussiertestes Werk – verstörend, komplex und voller avantgardistischer Ideen.

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TRELLDOM - …by the word…

SAVAGE MANIA – Demonic Assault

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SAVAGE MANIA - Demonic Assault - cover artwork
SAVAGE MANIA - Demonic Assault - cover artwork

Band: SAVAGE MANIA 🇸🇪
Titel: Demonic Assault
Label: Fireflash Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Intro
02. Undead Rebirth
03. The Face Of Death
04. Master Of Hell
05. Remorse
06. Storm Of Steel
07. Death And Decay
08. Fasttrack
09. Demonic Assault

 

Besetzung

Oliver Rytkönen – Rhythm Guitar & Vocals
Jesper Jönsson – Lead Guitar
Viktor Lundberg – Bass
Viktor Suominen – Drums

 

Bewertung:

4/5

Steigen wir kurz in die Vergangenheit, genauer gesagt in die 1980er Jahre. Eine Ära, in der sich in Deutschland eine rohe, ungezähmte Thrash-Metal-Bewegung formierte, die bis heute nachhallt. Bands wie KREATOR, DESTRUCTION und SODOM setzten damals Maßstäbe und lieferten Veröffentlichungen, die nicht nur eine Szene definierten, sondern ein ganzes Genre prägten. Dieser Geist wirkt bis heute nach, auch weit über die Grenzen Deutschlands hinaus.

In genau diesem Spannungsfeld bewegen sich SAVAGE MANIA, eine 2019 gegründete Band aus Schweden. Das Quartett besteht aus Oliver Rytkönen (Rhythm Guitar, Vocals), Jesper Jönsson (Lead Guitar), Viktor Lundberg (Bass) und Viktor Suominen (Drums). Schon mit ihrem Debütalbum »Demonic Assault« zeigt die Band, dass sie diese klassische Thrash-DNA nicht nur versteht, sondern mit eigener Energie auflädt.

Sound zwischen Tradition und Frontalangriff

»Demonic Assault« wirkt wie ein bewusst gesetzter Rückgriff auf die frühen Tage des Thrash-Metal, ohne dabei wie ein bloßes Retro-Projekt zu klingen. Die Produktion ist roh genug, um die Kante zu behalten, aber klar genug, um die einzelnen Instrumente nicht im Chaos untergehen zu lassen.

Schon der Einstieg mit dem Intro setzt eine düstere Atmosphäre, die direkt in »Undead Rebirth« übergeht. Hier wird schnell klar, worauf SAVAGE MANIA abzielen! Tempo, Aggression und ein ungebremster Spielfluss, der sich selten Zeit zum Durchatmen nimmt. Rytkönens Vocals bleiben dabei rau und direkt, ohne unnötige Experimente, eher im klassischen Thrash-Spirit verwurzelt.

»The Face Of Death« und »Master Of Hell« treiben diese Linie konsequent weiter. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel zwischen Jesper Jönssons Leadgitarren und dem rhythmischen Fundament der anderen Instrumente. Die Soli sind nicht überladen, sondern setzen gezielte Akzente, die den Songs zusätzliche Dynamik geben.

Zwischen Raserei und Struktur

Ein interessanter Aspekt des Albums ist die Balance zwischen Geschwindigkeit und kontrollierter Struktur. Tracks wie »Storm Of Steel« und »Fasttrack« setzen klar auf Tempo und erinnern an die ungebremste Energie früher Genreklassiker. Gleichzeitig gelingt es der Band, die Songs nicht in reine Raserei kippen zu lassen.

»Remorse« bietet einen kurzen Moment der Abwechslung, ohne die Grundstimmung zu verlassen. Hier zeigt sich, dass SAVAGE MANIA nicht nur auf Geschwindigkeit setzt, sondern auch ein Gespür für Spannungsaufbau entwickelt hat.

Der Bass von Viktor Lundberg bleibt dabei oft im Hintergrund, erfüllt aber eine stabile, tragende Rolle, während Drummer Viktor Suominen mit präzisem, druckvollem Spiel die Richtung vorgibt. Besonders in »Death And Decay« wird deutlich, wie eng Rhythmusarbeit und Gitarrenarbeit miteinander verzahnt sind.

Der Titeltrack als Kernstück

Mit »Demonic Assault« liefert die Band den längsten und vielleicht auch ambitioniertesten Song des Albums. Hier bündeln sich die bisherigen Elemente noch einmal stärker. Wechselnde Tempi, markante Riffs und ein dunkler Grundton machen den Track zu einem zentralen Punkt der Platte.

Es ist kein überproduzierter Höhepunkt, sondern eher ein konsequenter Abschluss einer durchgehend aggressiven Reise. Die Band zeigt hier, dass sie auch längere Spannungsbögen tragen kann, ohne an Intensität zu verlieren.

SAVAGE MANIA liefern mit »Demonic Assault« ein Debütalbum ab, das sich klar in der Tradition des klassischen Thrash-Metal verortet, dabei aber nicht wie ein bloßes Zitat wirkt. Die Band versteht es, den Geist der 80er Jahre aufzunehmen und in eine moderne, rohe und dennoch strukturierte Form zu bringen.

Natürlich bewegt sich das Album stilistisch auf bekannten Pfaden. Überraschungen im großen Stil bleiben aus. Genau das ist aber auch Teil des Konzepts. Statt Innovation um jeden Preis gibt es hier ehrliche, direkte und energiegeladene Musik, die ihre Wirkung vor allem über Intensität entfaltet.

Mit einer Bewertung von 4 von 5 Punkten ist »Demonic Assault« ein starkes Debüt, das vor allem Fans klassischer Thrash-Schulen ansprechen dürfte. Wer die alten Tage von KREATOR, DESTRUCTION oder SODOM schätzt, wird hier viele vertraute Momente finden, ohne dass es sich nach bloßer Kopie anfühlt.

Fazit: Mit »Demonic Assault« setzen SAVAGE MANIA ein starkes Zeichen im Thrash-Metal-Bereich.

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SAVAGE MANIA - Demonic Assault - CD Review

Fyrdsman – The Free Man

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Fyrdsman - The Free Man - cover artwork
Fyrdsman - The Free Man - cover artwork

Band: Fyrdsman 🇬🇧
Titel: The Free Man
Label: Self-Released
VÖ: 01.05.2026
Format: Digital / CD
Genre: Atmospheric Black Metal / Progressive Black Metal / Black Metal

Tracklist

01. The Green Men
02. Sacred Water
03. Dispossession
04. The Forger
05. Wither
06. Exile
07. Uhtceare
08. The Free Man

Besetzung

Tim Shaw – Gesang, E-Gitarre, Akustikgitarre, Bass, Keys / Programming
Ian Finley – Schlagzeug, Percussion

Weitere Credits:
Greg Chandler – Drum- und Akustikgitarren-Aufnahmen, Re-Amping, Mixing / Priory Studios, Sutton Coldfield
Calum Wotherspoon – Clean-Vocal-Aufnahmen / Joe’s Garage, Bristol
Chris Taylor & Jake Boughton – Harsh-Vocal-Aufnahmen / Noiseboy Studios, Salford
Mark Mynett – Mastering / Mynetaur Productions, Manchester
Dan Capp – Artwork & Layout
Phil Robinson – Logo
Andrew Helps – Fotografie

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Es gibt Alben, die bereits mit ihrem Artwork einfach nur Neugierde wecken. Doch wie Omma bereits sagte: Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband… Mit »The Free Man« melden sich Fyrdsman nicht einfach nur aus der Versenkung zurück, sondern steigen wie ein rußverschmierter Geist aus dem englischen Frühmittelalter aus dem Nebel. Nach »Omen In The Sky« aus dem Jahr 2013 hat sich Tim Shaw reichlich Zeit gelassen. Andere Bands veröffentlichen in dieser Zeit drei Alben, zwei Liveplatten, eine akustische EP und ein fragwürdiges Weihnachtscover. Fyrdsman hingegen haben offenbar erst einmal tief in Erde, Geschichte, Folklore und inneren Abgründen gewühlt – und kommen nun mit einem Album zurück, das nicht nur Black Metal spielen will, sondern eine Erzählung atmen soll.

Inhaltlich führt »The Free Man« in das England nach 1066. Also in eine Zeit, in der Freiheit nicht gerade wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang klang, sondern eher wie Schlamm, Blut, Verlust, Ohnmacht und der unangenehme Gedanke, dass der neue Chef im Land leider mit Schwert, Herrschaftsanspruch und schlechter Laune angereist ist. Erzählt wird aus der Perspektive eines Rebellen, der Terror, Entfremdung, Verlust und Rachedurst durchlebt, angetrieben von Visionen und Erscheinungen. Klingt nicht nach Gute-Laune-Grillparty, passt aber hervorragend zu einem Album, das seine Atmosphäre nicht aus Plastiknebel zieht, sondern aus historischer Schwere und emotionalem Druck.

(Hört hier »The Free Man« von Fyrdsman)

Der Opener »The Green Men« fällt nicht einfach so mit der Tür ins Haus, sondern begrüßt den Konsumenten mit dem Gefühl, dass im Wald etwas uraltes die Augen aufschlägt. Der Song beginnt atmosphärisch, lässt sich Zeit und baut dann jene Mischung aus melodischem Black Metal, rauer Stimme und organischer Erdigkeit auf, die »The Free Man« prägen wird. Dabei geht es Fyrdsman nicht um stumpfes Geknüppel im Dauerfrostmodus. Die Musik hat Wurzeln, Moos an den Stiefeln und genug Melodie, um nicht bloß als Kerkerhalllenden Schall durchgehen.

Besonders auffällig ist, wie stark das Album von Kontrasten lebt. Die harschen Vocals kratzen ordentlich am Gemäuer, die Gitarren können schneidend und wuchtig sein, doch darunter liegt immer wieder ein melodisches Fundament, das weniger nach kaltem Keller und mehr nach weiter, grauer Landschaft klingt. »The Green Men« ist damit ein sehr passender Einstieg: nicht sofort spektakulär, aber stimmungsvoll, griffig und mit genügend Substanz, um klarzumachen, dass hier kein 08/15-Schwarzmetall von der Stange kommt.

WENN GESCHICHTE NICHT IM MUSEUM VERSTAUBT

Mit »Sacred Water« vertiefen Fyrdsman diesen Ansatz. Der Song wirkt spiritueller, beschwörender und trägt eine fast rituelle Schwere in sich. Hier zeigt sich eine der größten Stärken des Albums: Es klingt nicht so, als hätte jemand einfach ein paar historische Begriffe über Standard-Black-Metal-Riffs gekippt. Die Musik versucht tatsächlich, diese Welt greifbar zu machen. Man hört Schlamm, Angst, Erinnerung und Trotz. Oder zumindest genug davon, dass man kurz überlegen könnte, ob die Steuererklärung unter normannischer Besatzung vielleicht doch noch unangenehmer gewesen wäre als heute.

»Dispossession« packt das Thema Verlust bereits im Titel an der Kehle. Enteignung, Entwurzelung, das Gefühl, dass einem Heimat, Stand und Zukunft aus den Händen gerissen werden – all das steht hier musikalisch im Raum. Die Nummer wirkt härter und drängender, ohne den atmosphärischen Faden zu verlieren. Die Gitarren schieben, das Schlagzeug von Ian Finley bringt die nötige physische Wucht, und Tim Shaw klingt nicht wie ein distanzierter Erzähler, sondern wie jemand, der den Dreck noch zwischen den Zähnen hat.

Genau an solchen Stellen funktioniert »The Free Man« am besten. Der historische Hintergrund bleibt nicht bloße Dekoration, sondern wird zum emotionalen Motor. Man muss keine Dissertation über angelsächsischen Widerstand geschrieben haben, um diese Songs zu verstehen. Es reicht, das Gefühl von Verlust und Aufbegehren zu kennen. Und falls man es nicht kennt, stellt einem das Album sehr freundlich eine brennende Fackel in die Hand und zeigt auf den nächsten Hügel.

DER SCHMIED IM NEBEL

Mit »The Forger« steht einer der zentralen Songs des Albums im Mittelpunkt. Die Nummer beginnt mit einem starken atmosphärischen Aufbau, bevor sich die Black-Metal-Kraft langsam Bahn bricht. Das Stück wirkt weniger wie ein klassischer Einzeltrack als wie ein Kapitel innerhalb einer größeren Erzählung. Gerade hier merkt man, dass Fyrdsman nicht nur Riffs aneinanderkleben, sondern Stimmungen verschieben wollen: ruhigere Passagen, melodische Linien, eruptive Ausbrüche und erzählerische Spannung greifen ineinander.

Dass der Song nicht immer sofort auf den Punkt kommt, ist zugleich Stärke und kleine Schwäche. Wer ausschließlich nach direkter Raserei sucht, könnte hier kurz ungeduldig mit dem Kettenhemd rascheln. Wer aber atmosphärischen und progressiven Black Metal mag, bekommt mit »The Forger« einen der spannendsten Momente der Platte. Der Song schmiedet seine Wirkung nicht mit einem Hammerschlag, sondern mit mehreren – und ja, dieses Bild lag so dermaßen offen herum, dass man es kaum liegen lassen konnte.

»Wither« setzt anschließend stärker auf dunkle Melodik und eine fast kränkliche Schönheit. Der Song hat etwas Verdorrtes, Abgekämpftes und zugleich Würdevolles. Besonders die cleaneren Gesangsmomente sorgen für Farbe im ansonsten rauen Gefüge. Hier zeigt sich, dass Fyrdsman nicht einfach nur zwischen laut und leise wechseln, sondern tatsächlich unterschiedliche emotionale Zustände ausformen. Das ist kein Black Metal, der nur böse schaut, weil er morgens seine Stachelhalsbänder nicht gefunden hat. Das hier trägt Trauer, Wut und Melancholie unter der Rüstung.

EXIL, ERSCHÖPFUNG UND EIN LANGER WEG DURCH DIE NACHT

Der längste Song des Albums ist »Exile«, und er nutzt seine über neun Minuten nicht für bloße Angeberei. Die Nummer ist weit angelegt, nimmt sich Raum und führt durch mehrere Stimmungen. Mal öffnet sich der Sound, mal zieht er sich wieder zusammen, mal wirkt das Ganze beinahe hymnisch, dann wieder schwer und bedrückend. Die progressiven Anteile treten hier besonders deutlich hervor. Fyrdsman beweisen, dass lange Songs im Black Metal nicht zwangsläufig klingen müssen wie ein Riff, das vergessen hat, wo der Ausgang ist.

Trotzdem ist »Exile« auch der Punkt, an dem das Album seine Hörer stärker fordert. Die Atmosphäre ist stark, die Komposition ambitioniert, aber man muss bereit sein, sich auf diesen langen Marsch einzulassen. Wer bei Black Metal vor allem sofortige Kälte, Geschwindigkeit und Hass im praktischen Kompaktformat sucht, wird hier vielleicht nervös auf die Uhr schauen. Wer dagegen gerne in ein Album hineinfällt, statt nur daran vorbeizurennen, bekommt einen der wichtigsten Songs der Platte.

Nach diesem massiven Brocken wirkt »Uhtceare« fast wie ein bewusst gesetzter Atemzug. Das kurze Instrumental nimmt die Aggression zurück und setzt auf Klavierstimmung, Nachhall und eine eigentümliche Traurigkeit. Der Titel bezeichnet sinngemäß jene Sorge oder Angst vor dem Morgengrauen, wenn man wachliegt und der Kopf Dinge tut, für die man ihn eigentlich kündigen müsste. Genau so klingt das Stück auch: wie eine Zwischenwelt zwischen Schlaf, Erinnerung und der unangenehmen Erkenntnis, dass draußen noch immer Geschichte passiert. Es ist ein kurzer, aber wichtiger Moment, weil das Album hier nicht nur kämpft, sondern innehält.

DER FREIE MANN UND DER PREIS DER FREIHEIT

Der abschließende Titelsong »The Free Man« führt die Platte zurück in dunklere Regionen. Hier laufen die zentralen Motive noch einmal zusammen: Widerstand, Verlust, Trotz, Zorn und die Frage, was Freiheit eigentlich wert ist, wenn man sie nur noch als Erinnerung oder Sehnsucht besitzt. Musikalisch ist der Song nicht der spektakulärste Moment des Albums, aber ein würdiger Abschluss. Er hat Schwere, Dramatik und genug melodische Substanz, um nicht einfach nur als letzter Schlag auf den Amboss zu verpuffen.

Produktionstechnisch klingt »The Free Man« angenehm organisch. Der Sound ist nicht klinisch glatt, aber auch nicht künstlich roh auf alt getrimmt. Die Gitarren haben Druck, der Bass bleibt hörbar, die Drums wirken kräftig und lebendig, und die atmosphärischen Elemente bekommen Raum, ohne das Album in Watte zu packen. Gerade im Bereich des Atmospheric Black Metal ist das keine Selbstverständlichkeit. Manchmal werden solche Platten entweder zu verwaschen oder zu steril. Fyrdsman finden hier einen guten Mittelweg: erdig, klar genug, aber mit genügend herrlicher Ungeschöntheit.

Was dem Album besonders zugutekommt, ist die erzählerische Geschlossenheit. »The Free Man« fühlt sich nicht wie eine lose Sammlung von Songs an, sondern wie ein zusammenhängender Weg durch eine beschädigte Landschaft. Die Songs greifen thematisch ineinander, und die musikalischen Wechsel zwischen Härte, Melodie, Folk-Nähe, progressiver Struktur und atmosphärischer Breite wirken überwiegend sinnvoll. Das ist kein Album für den schnellen Snack zwischendurch. Das ist eher ein dunkler Eintopf aus Geschichte, Wut und Wetter. Macht satt, liegt aber auch ein bisschen schwer im Magen.

MEHR ALS GENREPFLICHT

»The Free Man« ist stark, weil es mehr will als nur Genrepflichten erfüllen. Fyrdsman verbinden Black-Metal-Aggression mit Melodie, Historienbewusstsein und einer organischen Atmosphäre, die tatsächlich nach Herkunft, Landschaft und innerem Konflikt klingt. Die besten Momente entstehen dort, wo Härte und Erzählung ineinandergreifen: »The Green Men«, »The Forger«, »Wither« und vor allem »Exile« zeigen, wie wirkungsvoll dieser Ansatz sein kann.

Ganz makellos ist das Album allerdings nicht. Einige Passagen verlangen Geduld, und nicht jeder Song brennt sich sofort ein. Wer klare Hooks oder direkte Black-Metal-Abrissbirnen erwartet, muss sich an die ausführlichere Dramaturgie gewöhnen. Manchmal wirkt »The Free Man« eher wie ein düsteres Kapitelbuch als wie eine klassische Metalplatte. Das ist grundsätzlich spannend, kann aber punktuell auch etwas sperrig wirken. Der freie Mann ist hier eben kein Entertainer mit Feuerwerk, sondern ein angeschlagener Rebell mit Visionen, Rachegedanken und vermutlich sehr nassen Schuhen.

FAZIT:

»The Free Man« ist ein atmosphärisch dichter, musikalisch reifer und erzählerisch überzeugender Rückkehrschlag von Fyrdsman. Tim Shaw nimmt den Hörer mit in ein post-1066-England voller Verlust, Widerstand, Geisterbilder und innerer Zerrissenheit. Das Album klingt dabei nicht nach Mittelaltermarkt mit Blastbeats, sondern nach ernsthaft geformtem Atmospheric / Progressive Black Metal, der seine historischen Motive glaubwürdig in Musik übersetzt.

Die Platte lebt von starken Melodien, organischem Klang, gut gesetzten Kontrasten und einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Besonders »The Forger«, »Wither«, »Exile« und »The Free Man« zeigen, dass hier nicht nur Schwarzmetall geschmiedet, sondern tatsächlich eine Geschichte erzählt wird. Kleine Abzüge gibt es für einige etwas langgezogene Momente und dafür, dass nicht jeder Song sofort denselben Griff an die Kehle findet.

Unterm Strich ist »The Free Man« aber ein starkes, charaktervolles und angenehm eigenständiges Album, das Fans von atmosphärischem und progressivem Black Metal dringend auf den Zettel stehen haben sollten. Kein Album für die schnelle Nebenbei-Beschallung, sondern eines für Kopfhörer, Dunkelheit und den Moment, in dem man merkt, dass Geschichte manchmal deutlich lauter nachhallt als ein gewöhnlicher Refrain.

The Free Man Album Stream:

Internet

Fyrdsman - The Free Man - CD Review