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GARGANT – veröffentlichen den Videoclip zu „Stormfall“

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Gargant - bandphoto
Photo Credit: João Carlos Rocha

GARGANT – veröffentlichen den Videoclip zu „Stormfall“ – neues Album „Dead Night Defiance“ am 25. September via Fireflash Records

GARGANT stehen für kraftvollen, dunklen Power Metal, angetrieben von massiven Riffs, epischen Melodien und einer düsteren Atmosphäre. Verwurzelt im Spirit des 90er-Jahre-Metal, steht ihr Sound für kolossale Power, während sie gleichzeitig in der Gegenwart stehen und imposant in die Zukunft marschieren. 

Gegründet von Veteranen der brasilianischen Heavy-Metal-Szene, besteht GARGANT aus Sänger Guilherme Sevens, den Gitarristen Caio Mendonça und Leandro Carvalho, Bassist Paulo Doc und Schlagzeuger Phill Drigues. Zusammen bringen sie umfangreiche Tourneeerfahrung in Europa und Südamerika mit, sowie Erfahrungen im Bereich Studioproduktionen und im Graphik-Metier, was alles zusammen die reife und selbstbewusste Präsenz der Band ausmacht.

Ihr Debütalbum „Dead Night Defiance“ wurde in dem Tellus Studio aufgenommen und von Caio Mendonça gemeinsam mit der Band produziert, gemischt und gemastert. Bereits bei seiner ursprünglichen digitalen Veröffentlichung Ende 2025 erlangte das Album eine breite internationale Anerkennung, schaffte es auf zahlreiche „Best-Alben-des-Jahres-2025“-Listen und rangierte unter den Top 10 der Power-Metal-Veröffentlichungen des Jahres, wodurch GARGANT seinen Platz als gefeierter Newcomer in der globalen Metal-Szene festigten.

Nach dem ersten Erfolg des Albums haben GARGANT nun einen weltweiten Plattenvertrag mit Fireflash Records unterzeichnet, wo „Dead Night Defiance“ am 25. September inklusive Bonusmaterial auch physisch veröffentlicht werden wird. 

„Ende Februar flatterte die Bandbewerbung auf übliche Weise rein. Ich schaute mir ihre Videos an und hörte das Album schließlich in Dauerrotation und konnte kaum glauben was hier aus den Boxen ballerte. Wenn man sich das Video zu ‚Stormfall‘ ansieht und dann das Album streamt, versteht ihr meine Gefühle und meine Begeisterung für die Band garantiert vollkommen. Was GARGANT geschaffen haben, ist ein rundum perfektes Album, das mich jedes Mal auf’s neue abholt. Es versprüht den Geist des 90er Jahre Metals und hat die entsprechenden Hymnen, die einen dazu bringen, wahlweise Hände, Fäuste oder Schwerter in die Luft zu recken“

, konstatiert Markus Wosgien von Fireflash Records.

Seht den Videoclip zu „Stormfall“ hier:

Eine physische Veröffentlichung des Albums auf CD und Vinyl, einschließlich neuem Bonusmaterial, ist für den 25. September 2026 geplant. Vorbestellungen sind ab Ende Juni möglich.

Über die Musik hinaus erschaffen GARGANT ein komplettes künstlerisches Universum. Ihre Kompositionen, Musikvideos und visuellen Elemente fungieren als miteinander verbundene Kapitel einer größeren Erzählung. Inspiriert von Comics, Kino, Malerei, Architektur und Literatur erschafft die Band dichte und immersive Welten, die die Tiefe ihres Sounds widerspiegeln. Die visuelle Leitung unter der Federführung von Guilherme Sevens, bekannt für seine Arbeit mit Queen, Metal MikeDave Evans von AC/DC und Adagio, ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Erlebnisses.

GARGANT schreiten zielstrebig und unermüdlich voran, überschreiten Grenzen und erweitern ihre globale Reichweite. Mit einer wachsenden internationalen Präsenz und einem prägnantem Sound ist die Band bereit, ihre Power auf den Bühnen weltweit zu entfalten.

Tracklist

01. Stormfall
02. Dead Night Defiance
03. Ghost Riders
04. Reckoning into the Mourning Hall
05. Fallen King
06. Sons of Chaos
07. Devil’s River
08. Battlechaser

 

Quellenangabe: United Forces PR Photo Credit: João Carlos Rocha

Mörkekraft – Fragments

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Moerkekraft - Fragments - cover artwork
Moerkekraft - Fragments - cover artwork

Band: Mörkekraft 🇳🇴
Titel: Fragments
Label: Octopus Rising / Argonauta Records
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / Deluxe Colored Vinyl
Genre: Heavy Rock / Stoner Rock / Psychedelic Rock

Tracklist

01. Follow The Spiders
02. Shine Your Light
03. Godspeed
04. Virgil
05. Soul Confusion
06. Kaleidoscope
07. Evil Eyes
08. Ghosts

Besetzung

Tommy Jansen Loennechen – Gesang & Gitarre
Böne Syrdal – Schlagzeug
Roger Henriksen – Bass & Gesang

Weitere Infos:
Aus Farsund, Norwegen
Aufgenommen im Bridge Burner Recording, Stavanger, Norwegen
Engineered by Ørjan Kristoffersen Lund
Mastered by Steven Grant Bishop

Veröffentlicht über Octopus Rising / Argonauta Records

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Mit »Fragments« stellen sich Mörkekraft aus dem norwegischen Farsund direkt erstaunlich selbstbewusst vor. Das Trio setzt nicht auf überladene Effektshow, sondern auf acht kompakte Songs, die ihre Stärke aus Riffdruck, klaren Hooks und einer angenehm ungekünstelten Rock-Direktheit ziehen. Zwischen Heavy Rock, Stoner Rock und psychedelischer Färbung entsteht ein Debüt, das keine akademische Stilübung sein will, sondern schlicht funktioniert. Und das ist bei dieser Art Musik manchmal deutlich wichtiger als der Versuch, noch ein halbes Dutzend Genre-Etiketten auf die Rückseite zu kleben.

Der vielzitierte Vergleich mit einer depressiven Variante von Thin Lizzy ist nett als Aufhänger, führt aber nur bedingt weiter. Mörkekraft arbeiten weniger mit Twin-Guitar-Glanz und mehr mit dichter Fuzz-Wucht, melodischen Gesangslinien und einer Rockstruktur, die sofort zur Sache kommt. Man hört Black Sabbath, man hört Stoner-Schwere, man hört klassische Rocktradition – aber das Entscheidende ist, dass die Band daraus keinen Retro-Kostümabend macht. »Fragments« klingt vertraut genug, um schnell zu greifen, aber eigenständig genug, um nicht als bloße Influencerunde durchzugehen.

(Hört hier »Fragments« von Mörkekraft)

RIFFS MIT KLARER KANTE

»Follow The Spiders« eröffnet das Album mit einem klassischen Schwergewichtsriff, das sofort den Grundton setzt. Die Nummer baut nicht lange Spannung auf, sondern stellt direkt die wichtigsten Elemente vor: schwere Gitarre, treibendes Schlagzeug, markante Stimme und ein Gespür für Hooks, das den Song auch nach dem ersten Durchlauf hängen lässt. Inhaltlich bewegt sich das Stück in einer dunkleren Fantasiewelt, in der das Bild der Spinnen für Verstrickung, unbemerkte Kräfte und das Hineingezogenwerden in etwas Größeres steht. Das funktioniert, weil der Song nicht zu sehr erklärt. Er deutet an, zieht an und geht weiter.

»Shine Your Light« arbeitet stärker mit Wiederholung und melodischer Spannung. Der Song ist weniger spektakulär als der Opener, setzt sich aber über seinen Refrain und seine solide Dynamik fest. Gerade hier merkt man, dass Mörkekraft nicht in jamartigen Endlosschleifen versinken wollen. Die Band hält die Songs zusammen, bleibt fokussiert und lässt trotzdem genug Raum für Atmosphäre. Das ist handwerklich sehr sauber gelöst.

Mit »Godspeed« zeigt das Trio eine andere Seite. Der Song nimmt Druck heraus, wird bluesiger, nachdenklicher und offener. Er wirkt wie ein kurzer Blick aus dem Fenster nach den ersten beiden Riffbrocken. Inhaltlich schwingt Abschied, Bewegung und eine gewisse resignierte Ruhe mit. Dass diese Nummer funktioniert, ist wichtig für das Album: »Fragments« kann nicht nur schieben, sondern auch innehalten, ohne an Spannung zu verlieren.

ZWISCHEN WUCHT UND MELODIE

»Virgil« gehört zu den Höhepunkten der Platte. Die Gitarrenlinie sitzt stark, der Refrain öffnet sich breit, und die Band findet hier eine sehr überzeugende Balance zwischen Stoner-Gewicht und Alternative-Rock-Eingängigkeit. Das Stück hat eine klare Dramaturgie und wirkt dadurch größer, ohne sich künstlich aufzublasen. In diesem Song liegt viel von dem Potenzial, das Mörkekraft für kommende Veröffentlichungen interessant macht: direkt, emotional und mit genügend Eigencharakter.

»Soul Confusion« führt danach stärker in Richtung innerer Konflikt. Der Titel sagt bereits viel über die Stimmung: Hier geht es um Unsicherheit, Verschiebung und das Gefühl, dass Ordnung nur eine fragile Behauptung ist. Musikalisch stützt die Band das mit einem schweren Groove, der langsam arbeitet, aber nie stehen bleibt. Besonders der Bass bekommt in solchen Momenten Gewicht. Roger Henriksen hält das Fundament nicht nur zusammen, sondern gibt den Songs eine angenehme Erdung.

»Kaleidoscope« ist der längste Track des Albums und nutzt seine sechs Minuten gut. Der Song spielt mit Perspektivwechseln, Illusionen und einer Bewegung zwischen Kontrolle und Überforderung. Die psychedelische Seite der Band tritt hier deutlicher hervor, ohne den kompakten Charakter der Platte zu verlassen. Das ist kein ausufernder Trip, sondern ein strukturiertes Stück mit Sogwirkung. Die Sabbath-Nähe ist hörbar, doch Mörkekraft setzen genug eigene Akzente, damit daraus keine bloße Verbeugung wird.

DUNKLERE THEMEN, KLARE SONGS

»Evil Eyes« bringt die bedrückendere Seite des Albums auf den Punkt. Der Song behandelt den Druck korrupter Kräfte, innere Dämonen und das Gefühl, unter Beobachtung oder Kontrolle zu stehen. Die Musik reagiert darauf mit mehr Spannung und einer härteren Grundhaltung. Der Refrain bleibt dennoch eingängig genug, um nicht nur als Stimmungsstück zu funktionieren. Gerade diese Verbindung aus Zugänglichkeit und dunklerem Unterbau macht das Album stärker, als es auf den ersten Blick scheint.

Der Abschluss »Ghosts« zieht das Tempo wieder etwas an und beendet »Fragments« mit einem griffigen Rocksong, der die Themen Vergänglichkeit, verpasste Lernprozesse und menschliche Selbstüberschätzung streift. Die Nummer ist kurz, effektiv und lässt offen, wie sich dieser Sound live weiter ausdehnen könnte. Man merkt dem Stück an, dass Mörkekraft aus dem Jam kommen, aber im Studio bewusst gestrafft haben. Diese Entscheidung zahlt sich über das gesamte Album aus.

KLANG UND WIRKUNG

Produktionstechnisch wirkt »Fragments« direkt, warm und geschlossen. Die Gitarre steht breit im Zentrum, das Schlagzeug von Böne Syrdal treibt zuverlässig, und die Stimmen setzen melodische Kontraste, ohne den schweren Kern zu verwässern. Die Aufnahme im Bridge Burner Recording wirkt roh genug für Authentizität und klar genug für Wiedererkennung. Das Mastering gibt den Songs zusätzlichen Druck, ohne sie plattzuwalzen.

Die große Stärke des Albums liegt in der Kürze. Kein Song überschreitet unnötig seine natürliche Form, kein Riff wird endlos ausgewalzt, kein psychedelischer Moment übernimmt die komplette Kontrolle. Genau dadurch hebt sich »Fragments« angenehm von vielen Stoner-/Heavy-Rock-Veröffentlichungen ab, die gute Ideen manchmal zu lange betrachten. Mörkekraft haben acht Songs, acht klare Ansätze und einen roten Faden. Für ein Debüt ist das beachtlich.

Ganz ohne Einschränkung bleibt es dennoch nicht. Einige Einflüsse stehen noch deutlich sichtbar im Raum, und an manchen Stellen könnte die Band künftig noch stärker den eigenen Wiedererkennungswert ausbauen. »Virgil«, »Kaleidoscope« und »Evil Eyes« zeigen bereits, wohin es gehen kann: mehr Profil, mehr Spannung, mehr Mörkekraft. Die Basis ist stark, aber die nächste Platte darf ruhig noch selbstbewusster zuspitzen.

FAZIT:

»Fragments« ist ein überzeugendes Debütalbum, das Heavy Rock, Stoner Rock und psychedelische Elemente kompakt zusammenführt. Mörkekraft punkten mit starken Riffs, eingängigen Gesangslinien, sauberer Dramaturgie und einer guten Balance aus Druck und Melodie. Besonders positiv fällt auf, dass die Band ihre Songs nicht unnötig verlängert. Die Platte bleibt fokussiert, abwechslungsreich und schnell greifbar.

Die stärksten Momente liefern »Follow The Spiders«, »Godspeed«, »Virgil«, »Kaleidoscope«, »Evil Eyes« und »Ghosts«. Inhaltlich bewegen sich die Songs zwischen innerem Konflikt, Täuschung, Sinnsuche, Kontrollverlust und dunkler Selbstbeobachtung. Musikalisch bleibt das Trio fest im klassischen Heavy-Rock-Fundament, öffnet aber genug psychedelische und stonerhafte Räume, um nicht eindimensional zu wirken.

Unterm Strich liefern Mörkekraft ein Debüt, das nicht über Ambition stolpert, sondern mit kluger Beschränkung gewinnt. Kein unnötiger Zierrat, keine endlosen Ausschweifungen, kein Anbiedern an Trends. Einfach acht starke Songs, die zeigen, dass hier eine Band am Start ist, die ihr Handwerk versteht und ihren Weg noch weiter schärfen kann. Für Freunde von schwerem, melodischem und kompakt arrangiertem Heavy Rock ist »Fragments« eine sehr erfreuliche Adresse.

Fragments Album Stream:

Internet

Mörkekraft - Fragments - CD Review

Nocturnal Departure – Spiritual Cessation

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Nocturnal Departure - Spiritual Cessation - cover artwork
Nocturnal Departure - Spiritual Cessation - cover artwork

Band: Nocturnal Departure 🇨🇦
Titel: Spiritual Cessation
Label: Hells Headbangers Records
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / 12″ Vinyl / MC
Genre: Black Metal / Raw Black Metal / Old School Black Metal

Tracklist

01. Spiritual Cessation
02. Chthonic Upheaval
03. Altars of Evocation
04. Malefic Requiem
05. Deathcraft Majesty
06. Vanity in Bloodshed
07. Torch of Dedication
08. Mental Abyss

Besetzung

Funeror – Gitarre & Gesang
Folterer – Gitarre
Illartha – Bass
Hexzul – Schlagzeug

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Mit »Spiritual Cessation« melden sich Nocturnal Departure aus Winnipeg, Manitoba zurück und machen direkt klar, dass hier niemand vorhat, Black Metal in eine moderne Komfortzone zu tragen. Das dritte Album der Kanadier riecht nach kaltem Keller, Wachsresten, Rost und altem Ritualmesser. Wer bei Black Metal inzwischen automatisch an Post-Rock-Flächen, Naturromantik oder spirituelle Selbstfindung mit Kräutertee denkt, dürfte hier recht schnell merken: falsche Veranstaltung, falscher Altar.

»Spiritual Cessation« ist roher, traditionsbewusster Black Metal, tief verwurzelt in der zweiten Welle und im nordamerikanischen Underground der späten Neunziger. Innovation? Eher nicht. Nocturnal Departure schrauben keine neuen Fenster in die Gruft, sie mauern lieber die vorhandenen zu und schauen, wer im Dunkeln noch atmen kann. Das ist einerseits die größte Stärke der Platte, andererseits auch ihre klare Grenze. Wer genau diese alte Bosheit sucht, bekommt ordentlich Futter. Wer neue Impulse erwartet, muss woanders graben.

(Hört hier »Spiritual Cessation« von Nocturnal Departure)

KERZEN, KLINGEN UND KEIN KOMPROMISS

Der Titeltrack »Spiritual Cessation« reißt das Album sofort in die richtige Richtung. Tremolo-Gitarren, Blastbeats, kehliges Gekreische und diese bewusst kalte Produktion setzen direkt den Rahmen. Das klingt nicht schön, soll es auch nicht. Es klingt eher so, als hätte jemand im kanadischen Winter beschlossen, eine Kapelle nicht zu renovieren, sondern sie als Proberaum für Verdammnis zu nutzen. Der Song funktioniert als klare Ansage: Hier wird nicht diskutiert, hier wird entzündet.

»Chthonic Upheaval« hält die Spannung hoch und zeigt, dass Nocturnal Departure nicht nur blind durchprügeln. Zwischen Raserei, stampfenden Midtempo-Passagen und klassischem Ufta-Geschiebe entstehen genug Wechsel, um die Nummer lebendig zu halten. Die Riffs bleiben old school, bekommen aber immer wieder eine leicht erhabene, dunkle Melodik. Genau dort wird das Album am stärksten: wenn rohe Gewalt nicht einfach losgaloppiert, sondern kurz innehält, um noch finsterer zu grinsen.

Mit »Altars of Evocation« wird die rituelle Seite deutlicher. Schon der Titel legt nahe, dass es hier nicht um gemütliches Kerzenlicht geht, sondern um Beschwörung, Opferstimmung und okkulte Kälte. Der Song poltert, stampft und beißt sich mit einer angenehm hässlichen Direktheit durch seine Spielzeit. Man muss diese Art Black Metal mögen. Wenn man aber auf Bands steht, die lieber den rostigen Nagel als das polierte Skalpell wählen, macht das durchaus Laune.

ALTARSCHUTT UND BLUTGERUCH

»Malefic Requiem« gehört zu den atmosphärischeren Momenten der Platte. Hier bekommt die Raserei mehr Raum, die Gitarren lassen etwas mehr Schatten zwischen den Angriffen entstehen, und das Ganze wirkt weniger wie ein bloßer Überfall als wie ein finsterer Zug durch verbrannte Erde. Der Song hat eine gewisse Würde, ohne deshalb weich zu werden. Eher ein Requiem, bei dem der Priester vorher sicherheitshalber im Schrank eingeschlossen wurde.

Mit »Deathcraft Majesty« folgt einer der besten Songs des Albums. Die Nummer ist brutaler, fokussierter und besitzt mehr Wiedererkennungswert als manches Material davor. Hier greifen Riffing, Drums und Gesang besonders gut ineinander. Das Stück zeigt, dass Nocturnal Departure dann am überzeugendsten sind, wenn sie nicht nur die alten Meister anbeten, sondern ihre eigene Bosheit präzise bündeln. Kein netter Song, aber ein wirkungsvoller. Und nett wäre hier ohnehin ein schwerer Betriebsunfall.

»Vanity in Bloodshed« bringt anschließend eine leicht depressivere Note hinein. Der Song wirkt nicht ganz so frontal, sondern baut sich spannender auf. Die Mischung aus Verzweiflung, Blutdurst und bitterer Kälte passt gut zum Titel. Hier zeigt sich eine wichtige Qualität der Platte: Trotz aller Traditionsnähe gibt es genug Variation im Tempo und in der Stimmung, damit das Album nicht komplett zur schwarzen Einbahnstraße wird.

WIDMUNG AN DIE ALTE SCHULE

»Torch of Dedication« trägt seinen Titel fast programmatisch. Das Stück klingt wie eine Fackel, die nicht für Erleuchtung brennt, sondern damit man die alten Folterinstrumente im Keller besser erkennt. Ufta-Parts, Tempoausbrüche und schneidende Gitarren sorgen für klassisches Second-Wave-Flair. Dabei wirkt die Nummer nicht originell, aber konsequent. Und manchmal ist Konsequenz im Black Metal mehr wert als der nächste Versuch, mit Jazzflöte und Waschbrett ein neues Subgenre zu erzwingen.

Der Abschluss »Mental Abyss« zieht das Album noch einmal in einen tieferen, inneren Abgrund. Der Song ist nicht der spektakulärste Moment, aber ein stimmiger Ausklang. Nach rund 35 Minuten bleibt kein Gefühl von Überlänge zurück. Nocturnal Departure wissen, wann genug Ritualrauch im Raum hängt. Das Album endet also nicht mit großer Neuerfindung, sondern mit jener konsequenten Kälte, mit der es begonnen hat.

KLANG, WIRKUNG UND GRENZEN

Produktionstechnisch ist »Spiritual Cessation« genau dort angesiedelt, wo es stilistisch hingehört: roh, dunkel, kantig, aber nicht völlig formlos. Die Gitarren sägen greifbar durch den Mix, das Schlagzeug hat Druck, der Bass existiert tatsächlich nicht nur als Gerücht, und der Gesang klingt, als hätte jemand einen rostigen Haken in die Kehle gehängt. Hochglanz sucht man hier vergeblich. Dafür gibt es Atmosphäre, Dreck und eine sehr klare Vorstellung davon, wie diese Musik klingen soll.

Die neuen Mitglieder Folterer an der Gitarre und Hexzul am Schlagzeug bringen hörbar mehr Präzision und Druck ins Gefüge. Gerade rhythmisch wirkt die Platte kompakter und beweglicher, als man es bei der bewusst archaischen Ästhetik zunächst erwarten könnte. Nocturnal Departure spielen nicht modern, aber sie spielen fokussiert. Das ist ein wichtiger Unterschied. Rohheit darf knirschen, sie muss aber nicht auseinanderfallen.

Gleichzeitig bleibt »Spiritual Cessation« ein Album für eine klare Zielgruppe. Wer zwingende Hooks, große Experimente oder einen markanten eigenen Fingerabdruck sucht, wird hier nicht durchgehend glücklich. Vieles lebt vom alten Geist, vom kalten Klang und vom kompromisslosen Festhalten an bewährten Black-Metal-Bausteinen. Das ist authentisch, aber nicht immer überraschend. Die stärksten Momente entstehen dort, wo zwischen Raserei und Midtempo genug Raum für finstere Melodik bleibt: »Deathcraft Majesty«, »Vanity in Bloodshed« und der Titeltrack stechen entsprechend hervor.

FAZIT:

»Spiritual Cessation« ist ein rohes, konzentriertes und traditionsbewusstes Black-Metal-Album, das seine Stärken klar in Second-Wave-Worship, kalter Atmosphäre und kompromissloser Direktheit findet. Nocturnal Departure liefern keine Neuerfindung, sondern ein finsteres Ritual für Hörer, die ihren Black Metal lieber mit rostigem Messer als mit poliertem Silberbesteck serviert bekommen.

Das Album überzeugt durch Energie, Konsequenz und eine angenehm unmoderne Haltung. Besonders »Spiritual Cessation«, »Deathcraft Majesty«, »Vanity in Bloodshed« und »Mental Abyss« zeigen, dass die Kanadier mehr können als nur die alten Schatten nachzeichnen. Ganz große Überraschungen bleiben aus, und manches Riff marschiert bewusst auf bekannten Pfaden. Aber wenn diese Pfade durch Schnee, Blut und abgebrannte Ritualplätze führen, darf man auch mal zufrieden nicken.

Für Freunde von rohem Old-School-Black-Metal ist »Spiritual Cessation« damit eine klare Adresse. Keine Platte für Schöngeister, keine Platte für Innovationsjäger, keine Platte für Leute, die im Black Metal zuerst nach Wärme suchen. Aber ein Album für alle, die manchmal einfach nur eine Tür in den Keller öffnen wollen und hoffen, dass unten schon jemand mit der Fackel wartet.

Spiritual Cessation Album Stream:

Internet

Nocturnal Departure - Spiritual Cessation - CD Review

Karcius – Black Soul Sickness

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Karcius - Black Soul Sickness - cover artwork
Karcius - Black Soul Sickness - cover artwork

Band: Karcius 🇨🇦
Titel: Black Soul Sickness
Label: Eigenveröffentlichung
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / Vinyl
Genre: Progressive Rock / Heavy Prog / Progressive Metal

Tracklist

01. Wallow – 13:28
02. Out Of Nothing – 05:34
03. Darkest Heir – 05:34
04. Slow Down Son – 03:22
05. Rise – 06:14
06. Awakening The Spirit – 07:06
07. Dusting My Coat – 03:54

Besetzung

Sylvain Auclair – Gesang, Bass & Texte
Thomas Brodeur – Schlagzeug, Percussion & Sound Design
Sébastien Cloutier – Piano, B3, Wurlitzer, Synths, Mellotrons & zusätzliche Keyboards
Simon L’Espérance – Gitarren, Synths, Percussion, Keyboards & Loop Programming

Weitere Infos:
Musik komponiert von Simon L’Espérance
Lyrisches Konzept, Melodien & Vocal Production von Sylvain Auclair
Produziert von Karcius zwischen den Wintern 2023 und 2025
Aufgenommen im Wild Studio, Saint-Zénon, im Oakfloor Studio, Sainte-Sophie, und in den Homestudios in Montréal, Québec, Kanada
Engineered by Simon L’Espérance
Mixed by Simon L’Espérance & Karcius
Mastered by Tony Lindgren at Fascination Street Studios, Schweden
Cover Artwork by Michael Cloutier
Graphic Design by Felipe Quinzaños

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Verlust, Selbstbetrug und Wiedergeburt, das sind unter anderem die Themen, welchen sich Karcius auf ihrem neuen Prog Rock Opus widmen. »Black Soul Sickness« ist dabei kein Album, das seine Gefühlswelt mit Samthandschuhen anfasst. Die Kanadier aus Montréal setzen auf große Bögen, dunkle Innenräume und eine Musikalität, die technisch stark ist, aber nie nach reiner Leistungsschau riecht. Anders gesagt: Hier wird nicht geproggt, damit jemand im Musikladen anerkennend über Taktarten murmelt. Hier wird geproggt, weil die Songs diesen Raum brauchen.

Der Albumtitel sitzt wie ein Nagel im Holz. »Black Soul Sickness« handelt von seelischer Verseuchung, alten Mustern, Schuld, Trauer und dem zähen Weg zurück ins Licht. Das klingt nach schwerem Gepäck, und genau das ist es auch. Doch Karcius vermeiden den großen Jammerlappen-Moment. Die Band baut Druck auf, lässt Luft, schiebt den Bass weit nach vorne, gibt den Keyboards Farbe und setzt Sylvain Auclairs Stimme so ein, dass zwischen zerbrechlicher Wärme und rauer Kante immer genug Spannung bleibt. Prog mit Herz, Hirn und gelegentlich kräftigem Tritt vors Schienbein – kann man machen. Sollte man sogar.

(Hört hier »Black Soul Sickness« von Karcius)

DER LANGE FALL INS INNERE

Mit »Wallow« stellen Karcius gleich zu Beginn klar, dass sie keine halben Sachen liefern wollen. Über dreizehn Minuten lang wächst der Song von nachdenklicher Intimität zu massiver Prog-Rock-Wucht heran. Piano, Gitarre, Bass und Stimme tasten sich zunächst durch eine Atmosphäre aus Regen, Schlaflosigkeit, Erinnerung und Geisterpräsenz. Später wird daraus ein schwerer, vielschichtiger Brocken, der sich nicht hetzen lässt, aber nie in Selbstverliebtheit versinkt. Für einen Opener ist das mutig. Für einen Prog-Opener ist es fast schon höflich kurz. Andere Bands hätten daraus direkt eine Doppel-LP mit Bonusflöte gemacht.

Lyrisch ist »Wallow« der emotionale Kern des Albums. Es geht um Trauer, Schuld, familiäre Bruchlinien und die Frage, wie man mit Gesichtern weiterlebt, die nicht verschwinden wollen. Tochter, Vater, Bruder – die Rollen wirken wie Schatten in einem Raum, aus dem niemand einfach herauskommt. Der Song kreist um alte Lügen, alte Wunden und dieses quälende Wiederaufstehen, obwohl man innerlich längst wieder gefallen ist. Karcius übersetzen das nicht in platte Dramatik, sondern in einen langen, atmenden Spannungsbogen. Großes Kino, aber ohne Popcorn.

»Out Of Nothing« zieht danach kompakter an. Der Song arbeitet stark mit Spannung und Entladung: akustische Momente, drängende Rhythmen, dunklere Gitarren und ein Refrain, der nicht billig ist, aber sofort greift. Inhaltlich geht es um Verdrängung, toxische Abhängigkeit und den Versuch, aus einem Nichts etwas zu machen, das am Ende trotzdem nur leer zurückbleibt. Die Nummer hat diesen typischen modernen Prog-Zug, bei dem Melodie und Druck sauber ineinandergreifen. Da wird nicht gefrickelt, da wird gebaut. Und zwar mit tragenden Wänden.

DIE KRANKHEIT HAT SYSTEM

»Darkest Heir« ist der härteste Moment des Albums und zeigt, dass Karcius durchaus Zähne haben. Die Gitarren werden kantiger, der Bass arbeitet bedrohlich weit vorne, die Drums drücken stärker, und die Stimme bekommt mehr Schmirgelpapier. Thematisch geht es um vererbte Dunkelheit, zerstörerische Muster, gesellschaftliche Ketten und den Moment, in dem man erkennt, dass der Feind nicht nur draußen steht. Der dunkelste Erbe ist nicht irgendeine finstere Gestalt am Horizont, sondern das, was man selbst weiterträgt, wenn man nicht endlich hinsieht.

Gerade hier zeigt sich, wie clever Karcius ihre Texte musikalisch rahmen. Die aggressiveren Passagen sind nicht bloß Härte um der Härte willen, sondern wirken wie das Aufbrechen einer inneren Kruste. »Darkest Heir« hat Wucht, ohne stumpf zu werden, und Komplexität, ohne sich im eigenen Labyrinth zu verlaufen. So darf moderner Heavy Prog klingen: kontrolliert, düster, mit genug Kanten, um sich daran nicht nur gedanklich zu schneiden.

»Slow Down Son« nimmt anschließend massiv Tempo heraus und funktioniert wie ein warmer Raum nach einem Gewitter. Der Song ist kurz, reduziert und fast tröstend. Inhaltlich steht hier das Heimkommen im Mittelpunkt: jemand, der zu viel gesehen hat, soll endlich zur Ruhe kommen dürfen. Piano, dezente Rhythmik und eine fast spirituelle Schlichtheit machen daraus einen der emotionalsten Momente der Platte. Wer hier noch auf das nächste Instrumentalduell wartet, hat den Punkt verpasst. Manchmal reichen wenige Töne, um mehr zu sagen als zehn Minuten Tastengewitter.

AUFSTEHEN TUT WEH

Mit »Rise« wird die Platte wieder breiter und rockiger. Der Song kreist um Schmerz, Verantwortung, alte Fehler und die Entscheidung, sich der eigenen Angst nicht länger zu entziehen. Das ist kein platter Motivationssong für Fitnessstudio-Playlists. Hier geht es nicht um „Du schaffst alles, Bruder“, sondern um das deutlich unangenehmere Eingeständnis, dass Aufstehen manchmal bedeutet, ein Stück mehr von sich selbst zu verlieren. Musikalisch verbinden Karcius bluesige Gitarrenfarben, schweren Groove und einen Refrain, der groß genug ist, ohne ins Kitschregal zu kippen.

»Awakening The Spirit« ist danach der zweite große Fixpunkt des Albums. Jazzige Untertöne, symphonische Prog-Farben, warme Vocals, organische Steigerungen und ein starkes Zusammenspiel aus Gitarre und Keyboards machen den Song zu einem Höhepunkt. Inhaltlich öffnet sich hier der Blick vom individuellen Schmerz hin zu Gemeinschaft, Sinnsuche und Heilung. Das Stück erzählt von Bewegung, Erinnerung und dem Moment, in dem eine Gemeinschaft den Außenseiter nicht wegstößt, sondern aufnimmt. Nach all der seelischen Finsternis wirkt das wie ein Fenster, das endlich aufgeht. Frische Luft, aber immer noch mit ein paar Staubflocken im Licht.

Zum Schluss setzt »Dusting My Coat« noch einmal auf Abschied, Reue und die schmerzhafte Erkenntnis, dass man manche Dinge zu spät versteht. Der Song blickt zurück auf versäumte Worte, verlorene Nähe und den Wunsch, einen letzten Weg gemeinsam zu gehen. Das ist melancholisch, direkt und gerade deshalb effektiv. Karcius verzichten auf ein überladenes Finale und lassen die Platte mit einer Mischung aus Trauer und Würde ausklingen. Kein Triumphmarsch, kein Prog-Zirkus, sondern ein nachdenklicher Schlussakkord. Passt.

KLANG, HANDWERK UND WIRKUNG

Produktionstechnisch ist »Black Soul Sickness« stark aufgestellt. Der Mix ist klar, druckvoll und lässt jedem Instrument seinen Platz. Besonders der Bass bekommt eine Präsenz, die dem Album enorm guttut. Sylvain Auclair ist hier nicht nur Sänger, sondern auch ein tragendes rhythmisches und melodisches Zentrum. Thomas Brodeur spielt technisch stark, aber nie als Dauerbewerbung für einen Drum-Workshop. Sébastien Cloutier setzt die Keyboards geschmackvoll ein, und Simon L’Espérance hält als Gitarrist und Komponist die Architektur zusammen.

Das Entscheidende: Karcius stellen ihre Virtuosität in den Dienst der Songs. Natürlich können diese Musiker spielen. Das hört man nach wenigen Minuten. Aber »Black Soul Sickness« wedelt nicht permanent mit dem Diplom. Die Platte lebt von Stimmungen, Themen und Übergängen. Selbst die längeren Stücke wirken nicht wie zusammengeschraubte Einzelteile, sondern wie konsequent entwickelte Kapitel. Besonders »Wallow«, »Out Of Nothing«, »Darkest Heir« und »Awakening The Spirit« zeigen, wie gut diese Band emotionale Tiefe und progressive Baukunst verbinden kann.

Ganz ohne Einschränkungen geht es trotzdem nicht. Die zweite Albumhälfte bleibt stark, erreicht aber nicht durchgehend die Wucht und Faszination des überragenden Auftakts. Einige Refrain-Wiederholungen wirken etwas direkter, gelegentlich fast zu sehr auf Eingängigkeit gebaut. Das ist kein Beinbruch, aber hörbar. Dafür bleibt das Album kompakt genug, um nicht in Prog-Überlänge zu versinken. Knapp 45 Minuten, sieben Songs, kein Füllmaterial. Danke dafür. Der Prog-Gott muss nicht immer mit dem Zollstock vor der Songlänge stehen.

FAZIT:

»Black Soul Sickness« ist ein starkes, emotional dichtes und hervorragend produziertes Progressive-Rock-Album mit Heavy-Prog-Kante. Karcius verbinden technische Klasse, dunkle Atmosphäre und songdienliches Arrangement zu einem Werk, das weniger auf Schauwerte als auf Wirkung setzt. Die Platte ist introspektiv, aber nicht kraftlos; komplex, aber nicht verkopft; melancholisch, aber nicht weinerlich.

Textlich geht es um seelische Krankheit, alte Schuld, toxische Muster, Verlust, Zusammenbruch und die Möglichkeit, sich trotz allem wieder aufzurichten. Musikalisch wird daraus ein Album, das zwischen intimen Piano-Passagen, kraftvollen Rock-Momenten, schweren Grooves, feinen Keyboardfarben und gelegentlichen metallischen Ausbrüchen pendelt. »Wallow« ist der große Brocken, »Out Of Nothing« der griffige Spannungsbogen, »Darkest Heir« der harte Schlag in die Magengrube und »Awakening The Spirit« der Moment, in dem das Licht wieder durch die Ritzen kommt.

Unterm Strich liefern Karcius ein Album, das Fans von Porcupine Tree, Pain Of Salvation, Caligula’s Horse oder den ruhigeren, düsteren Seiten von Opeth ansprechen dürfte, ohne sich bei diesen Namen anzubiedern. »Black Soul Sickness« ist kein glattgebügeltes Prog-Prestigeobjekt, sondern ein ernsthaftes, schweres und stellenweise packendes Werk über das innere Gift und den mühsamen Weg aus dem Dunkel. Starkes Ding.

Black Soul Sickness Album Stream:

Internet

Karcius - Black Soul Sickness - CD Review

Twin Serpent – True Norwegian Blackgrass

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Twin Serpent - True Norwegian Blackgrass - cover artwork
Twin Serpent - True Norwegian Blackgrass - cover artwork

Band: Twin Serpent 🇳🇴
Titel: True Norwegian Blackgrass
Label: Svart Records
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / 12″ Vinyl
Genre: Country Punk / Blackgrass / Black Metal Crossover

Tracklist

01. Space Heater
02. Ærlig Talt
03. Stellar Suicide
04. Freak Flag
05. Hundromshelvete
06. Ain’t Home No More
07. Tusen Takk
08. Radiophobia
09. Forventninger
10. Holy Ghost
11. Kipu Kivi
12. Anti-Nation Blues

Besetzung

Timo Silvola – Gesang, Banjo, Gitarre
Hanna Fauske – Gesang, Bass
Tony Gonzalez – Gitarre, Chor
Viktor Kristensen – Schlagzeug, Percussion

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Oh man wie geil ist denn das bitte? »True Norwegian Blackgrass« klingt schon auf dem Papier wie ein Witz, den sich jemand nach drei Bier, zwei Darkthrone-Platten und einem Banjo-Workshop ausgedacht hat. In der Praxis ist das zweite Album von Twin Serpent aber deutlich mehr als eine schräge Genre-Pointe. Das Quartett aus Trondheim nimmt Country, Punk, Bluegrass, Garage Rock, Folk und ein bisschen norwegische Schwarzmetall-Aura, wirft alles in einen rostigen Güterwaggon und lässt das Ding mit brennenden Achsen durch die Prärie des Nordens rumpeln.

Dabei ist »True Norwegian Blackgrass« kein Black-Metal-Album im klassischen Sinne. Wer Blastbeats, Leichenbemalung und Satan im Wohnzimmer erwartet, wird hier vielleicht erst einmal ratlos am Met-Horn nuckeln. Stattdessen gibt es verzerrte Banjos, kratzige Duett-Vocals, schrägen Humor, viel Punk-Attitüde und diese angenehm kaputte Energie, die irgendwo zwischen Kneipenschlägerei, Scheunenfest und okkulter Lagerfeuerandacht pendelt. Das klingt nach Chaos, ist aber erstaunlich geschlossen. Twin Serpent wissen offenbar sehr genau, was sie da tun. Sie tun es nur so, als hätten sie vorher alle Bedienungsanleitungen angezündet.

(Hört hier »True Norwegian Blackgrass« von Twin Serpent)

Schon »Space Heater« macht klar, dass hier niemand vorsichtig die Tür öffnet. Der Song stolpert nicht ins Album, er springt mit Stiefeln voran hinein. Punkige Hektik, Garage-Rock-Rauheit, kehlige Stimmen und ein rhythmischer Vorwärtsdrang, der eher nach entgleisendem Zug als nach gemütlichem Country-Abend klingt. Der Titel wirkt fast ironisch: warm wird einem tatsächlich, allerdings eher so, wie einem warm wird, wenn plötzlich jemand im Saloon die Möbel anzündet.

Mit »Ærlig Talt« zeigt sich dann direkt die andere Seite der Band. Der Song ist verspielter, schräger und melodischer, ohne seine kantige Grundhaltung zu verlieren. Timo Silvola und Hanna Fauske funktionieren als vokales Doppelgespann hervorragend. Dieses Wechselspiel aus rauem Druck und hellerer, eigenwilliger Melodieführung hält die Platte zusammen, selbst wenn musikalisch gerade wieder Banjo, Punkgitarre und nordischer Wahnsinn um denselben Barhocker kämpfen.

»Stellar Suicide« bringt die kosmische Komponente ins Spiel. Schwarze Löcher, Selbstauflösung, Existenzgrübeln – das klingt zunächst nach Progressive-Metal-Konzeptalbum mit drei Bonustracks über Quantenphysik. Bei Twin Serpent wird daraus aber ein kompaktes, treibendes Stück zwischen Folk Punk und Noir-Garage, das düster funkelt und trotzdem nach vorne geht. Genau hier liegt eine der Stärken des Albums: Die Band kann große Themen anreißen, ohne sich selbst zu ernst auf dem Altar der Bedeutungsschwere zu opfern.

BANJO, BIER UND DUNKLE ECKEN DES INTERNETS

»Freak Flag« ist der offensichtliche Hit der Platte. Der Song kommt mit Trainbeat-Galopp, Cow-Punk-Drive und einem Refrain, der sich direkt festbeißt. Inhaltlich geht es aber nicht nur um schrille Selbstbehauptung, sondern um die dunkleren Seiten digitaler Begierden, verzerrte Körperbilder, Pornografie-Normalisierung und die Frage, was das Netz mit Menschen macht, wenn aus Freiheit plötzlich Verwertung wird. Das klingt in der Theorie schwer, wird hier aber mit so viel Energie und Trotz serviert, dass man gleichzeitig nachdenken und mit dem Stiefel aufstampfen kann. Genau so muss ein guter Außenseiter-Song funktionieren.

»Hundromshelvete« dreht die Schraube noch einmal in Richtung kaputter Folk-Punk-Exzentrik. Der Song wirkt wie ein Betrunkener, der sehr genau weiß, wo er hinwill, aber unterwegs unbedingt noch drei Laternen umarmen muss. Gitarren, Rhythmus und Vocals geraten in eine herrlich schiefe Bewegung, die nicht planlos wirkt, sondern bewusst aus der Spur fährt. »Ain’t Home No More« nimmt danach Tempo heraus und zeigt die verletzlichere Seite von Twin Serpent. Liebe, Verlust und emotionale Kälte stehen im Raum, ohne dass die Band dafür plötzlich zum Lagerfeuer-Kitsch mutiert. Das Stück ist rau, melancholisch und gerade deshalb einer der stärkeren Momente.

Mit »Tusen Takk« folgt ein kurzer, zunächst fast zurückgelehnter Track, der aber nicht lange gemütlich bleibt. Twin Serpent spielen gern mit Brüchen, und genau diese kurzen Explosionen halten das Album lebendig. »Radiophobia« zieht anschließend die Zügel wieder an und bringt eine apokalyptischere Note hinein. Hier riecht es weniger nach Heuboden, mehr nach verstrahltem Roadmovie. Der Song ist einer der druckvolleren Beiträge und beweist, dass die Band auch dann funktioniert, wenn der Punk-Anteil stärker nach vorne rückt.

TRUE NORWEGIAN SELTSAMKEIT

»Forventninger« bringt wieder diese nordische Volkslied-Nähe ins Spiel, allerdings elektrisch aufgeladen und mit schiefer Kante. Das Stück zeigt, dass Twin Serpent ihre Herkunft nicht als Folklore-Postkarte behandeln, sondern als Klangfarbe. Es geht nicht darum, ein paar traditionelle Elemente dekorativ über Punkrock zu streuen. Die Band lässt diese Einflüsse tatsächlich in den Songs arbeiten. Das macht »True Norwegian Blackgrass« eigenständig und verhindert, dass der Begriff Blackgrass nur wie ein lustiger Sticker auf der Plattenhülle klebt.

»Holy Ghost« ist einer der rundesten Songs des Albums. Der Song hat Energie, Melodie, diesen leicht gospelhaften Schmutz unter den Nägeln und genug hymnische Kraft, um live vermutlich bestens zu zünden. Wenn diese Platte irgendwo den Punkt findet, an dem Scheunenfest, Punkclub und dunkle Kapelle kurz dieselbe Tür benutzen, dann hier. »Kipu Kivi« geht danach stärker in eine melancholische Richtung. Finnische Sprache, bedrohliche Untertöne und ein reduzierterer Folk-/Country-Schatten geben dem Stück eine andere Farbe. Das ist kein Durchhänger, sondern ein wichtiger Ruhepol, bevor der Abschluss noch einmal seine Botschaft in den Staub ritzt.

»Anti-Nation Blues« beendet das Album mit politischem Unterton, Blues-Groove und einer gewissen trotzig-müden Haltung. Der Song ist weniger wild als manche Nummer zuvor, aber als Finale stimmig. Nach all dem Krach, dem Humor, der Rebellion und dem schrägen Genre-Hopping bleibt am Ende ein Stück, das nicht auf große Explosion setzt, sondern auf Haltung. Twin Serpent sind keine Band, die Parolen glattbügelt. Sie lassen den Dreck dran. Gut so.

KLANG, CHARAKTER UND WIRKUNG

Produktionstechnisch klingt »True Norwegian Blackgrass« angenehm lebendig. Das Album wurde nicht steril poliert, sondern behält seine rauen Kanten. Banjo, Bass, Gitarren, Schlagzeug und die beiden Stimmen bekommen genug Raum, um sich gegenseitig anzurempeln, ohne dass alles in einem einzigen Kneipenknäuel verschwindet. Gerade bei so einem Stil-Cocktail ist das wichtig. Eine falsche Mischung, und das Ganze kippt entweder in alberne Genre-Parodie oder in unhörbares Durcheinander. Twin Serpent balancieren erstaunlich sicher auf dieser wackeligen Holzbrücke.

Natürlich ist diese Platte nichts für jeden Tag und jeden Geschmack. Wer mit Country grundsätzlich nur Zahnarztmusik für Pick-up-Werbung verbindet oder bei Banjo sofort an unfreiwillige Familienfeiern denkt, braucht vielleicht zwei Durchläufe mehr. Auch der Black-Metal-Anteil liegt eher in Atmosphäre, Haltung und Ästhetik als in musikalischer Orthodoxie. Das kann enttäuschen, wenn man aufgrund des Titels eine frostige Prügelplatte erwartet. Wer aber offen für schrägen Folk Punk, Garage-Rotz, Bluegrass-Twang und dunkle Außenseiterromantik ist, bekommt hier ein Album, das mehr Eigencharakter besitzt als viele sauber sortierte Genreplatten.

FAZIT:

»True Norwegian Blackgrass« ist ein wunderbar eigenwilliges, ruppiges und erstaunlich liebenswertes Album. Twin Serpent nehmen Country, Punk, Bluegrass, Folk, Garage Rock und Lo-Fi-Black-Metal-Ästhetik, vermengen alles mit nordischem Humor, politischem Biss und einer ordentlichen Portion Kneipenwahnsinn – und kommen damit erstaunlich weit. Das hätte auch ganz furchtbar in die Hose gehen können. Stattdessen klingt es, als hätte jemand eine völlig bekloppte Idee gehabt und dann tatsächlich genug Songwriting-Verstand besessen, sie durchzuziehen.

Die stärksten Momente sind »Space Heater«, »Freak Flag«, »Ain’t Home No More«, »Radiophobia«, »Holy Ghost« und »Kipu Kivi«. Nicht alles ist sofort eingängig, nicht jede Ecke sitzt perfekt, und wer musikalische Ordnung liebt, wird zwischendurch vermutlich nach einem Notausgang suchen. Aber genau diese Unordnung macht den Reiz aus. »True Norwegian Blackgrass« ist kein Album, das in die Reihe treten will. Es steht lieber daneben, trägt Schlamm an den Stiefeln, ein Banjo über der Schulter und grinst, als hätte es gerade Darkthrone zum Square Dance eingeladen.

Stellar Suicide Clip:

Internet

Twin Serpent - True Norwegian Blackgrass - CD Review

Motus Tenebrae – In Sorrow’s Requiem

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Motus Tenebrae - In Sorrows Requiem - cover artwork
Motus Tenebrae - In Sorrows Requiem - cover artwork

Band: Motus Tenebrae 🇮🇹
Titel: In Sorrow’s Requiem
Label: My Kingdom Music
VÖ: 08.05.2026
Format: Digital / CD / 12″ Vinyl
Genre: Gothic Doom Metal / Gothic Metal / Doom Metal

Tracklist

01. Endless Buildings
02. Solitude
03. The Dark Machine
04. Desolate Place
05. Fragments
06. In Sorrow’s Requiem
07. Pulvere Sacro
08. Love Damned Of Dead
09. Shelter Me
10. End Begun

Besetzung

Luis McFadden – Gesang & Samples
Andreas Das Cox – Bass & Programming
Daniel Ciranna – Gitarre & Synth

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Zehn Jahre Funkstille sind im Metal ungefähr eine halbe geologische Epoche. Während andere Bands in dieser Zeit drei Alben, zwei Besetzungswechsel und mindestens eine fragwürdige Akustik-EP veröffentlichen, haben Motus Tenebrae offenbar lieber den Staub in den Katakomben gezählt. Mit »In Sorrow’s Requiem« melden sich die Gothic-Doom-Veteranen aus Pisa nun zurück – und zwar nicht mit jugendlichem Feuerwerk, sondern mit schwerem Samtvorhang, brennenden Kerzen und jener Art von Melancholie, bei der selbst der Weinkeller kurz die Stimmung verliert.

Album anhören:

Das Album ist ein Requiem im besten Sinne: nicht bloß Trauerarbeit, sondern ein Gang durch Schmerz, Verlust, Sehnsucht und das langsame Verblassen von Hoffnung. Motus Tenebrae erfinden den Gothic Doom dabei nicht neu. Das wollen sie auch gar nicht. Stattdessen veredeln sie bekannte Zutaten: tiefe Riffs, getragene Melodien, dunkle Synth-Flächen, Pathos und eine Stimme, die irgendwo zwischen Paradise Lost-Schatten und eigener italienischer Grabeskälte steht. Wer hier fröhliche Tanzmusik erwartet, hat vermutlich auch bei My Dying Bride nach Partyhüten gesucht.

Schon »Endless Buildings« öffnet das Album mit Piano- und Streicherfarben, bevor sich bleischwerer Gothic Metal breitmacht. Der Song wirkt wie ein Gang durch eine endlose Stadt aus Beton, Erinnerung und innerer Gefangenschaft. Die Atmosphäre ist sofort da: grau, schwer, leicht entrückt und doch druckvoll genug, um nicht in bloßer Trauerdekoration zu versinken. Luis McFadden setzt mit seinem Gesang direkt den Ton. Er klingt nicht nach übertriebener Theatergeste, sondern nach jemandem, der die Dunkelheit nicht nur beschreibt, sondern darin schon länger wohnt.

»Solitude« bleibt konsequent in dieser Welt aus Rückzug und seelischem Gewicht. Der Song trägt seinen Titel nicht wie ein Schild, sondern wie eine nasse Jacke im Winter. Streicher, langsame Spannung und diese kontrollierte Schwermut machen das Stück zu einem der typischsten Momente der Platte. Motus Tenebrae spielen hier nicht auf sofortigen Effekt, sondern lassen die Stimmung wachsen. Das kann man altmodisch nennen. Oder man nennt es einfach: jemand hat verstanden, dass Doom nicht hetzt, nur weil die Welt ohnehin schon in Eile untergeht.

ZWISCHEN MASCHINE, LEERE UND DUNKLER ROMANTIK

Mit »The Dark Machine« zieht das Album die Schrauben etwas fester an. Der Song wirkt mechanischer, kantiger und bringt mehr Vorwärtsdrang in den düsteren Fluss. Thematisch lässt sich hier eine Welt spüren, in der der Mensch zwischen innerer Kälte und äußeren Systemen zerrieben wird. Die Gitarren arbeiten kompakter, der Rhythmus drückt mehr, und trotzdem bleibt dieser melancholische Schleier über allem liegen. Gerade diese Verbindung aus Gothic-Schwere und griffigem Metal-Fundament hält »In Sorrow’s Requiem« immer wieder zusammen.

»Desolate Place« macht aus der Einsamkeit anschließend eine Landschaft. Hier klingt nichts nach gemütlicher Trauer am Kamin, sondern nach einem Ort, an dem alles Leben schon einmal vorbeikam und dann beschlossen hat, lieber nicht zu bleiben. Die Band baut den Song geduldig auf, setzt auf Atmosphäre und lässt die Melodien dunkel nachhallen. Das ist keine Nummer, die sofort mit dem Vorschlaghammer kommt, aber sie arbeitet sich zuverlässig in die Knochen.

»Fragments« ist einer dieser Songs, in denen der Titel bereits gut beschreibt, worum es geht: Bruchstücke, Erinnerungen, Reste einer inneren Ordnung. Musikalisch halten Motus Tenebrae die Balance zwischen schweren Riffs, melodischer Trauerarbeit und dunkler Eleganz. Man merkt dem Album an, dass hier keine Band verzweifelt versucht, modern zu wirken. Das ist Gothic Doom für Hörer, die wissen, dass Pathos kein Problem ist, solange man es nicht wie billigen Glitzer auf alles kippt.

DAS REQUIEM UND SEINE SCHATTEN

Der Titeltrack »In Sorrow’s Requiem« ist erwartungsgemäß eines der zentralen Stücke. Inhaltlich geht es um Schmerz, Vergangenheit, Unsicherheit und eine Art seelische Wanderschaft, die nicht nur nach Ende, sondern auch nach Verwandlung klingt. Das Requiem steht hier nicht allein für Verlust, sondern auch für den Versuch, aus diesem Verlust eine neue Form zu gewinnen. Musikalisch gelingt das mit starker Melodieführung, düsterem Druck und einer sehr klassischen Gothic-Doom-Handschrift. Kein Experiment, aber ein verdammt stimmungsvolles Herzstück.

»Pulvere Sacro« bringt eine sakralere, fast rituelle Farbe ins Album. Der Song wirkt wie ein Blick in eine Kapelle, in der längst niemand mehr betet, die Kerzen aber trotzdem noch brennen. Gerade hier zeigt sich die Stärke der Platte: Motus Tenebrae können Atmosphäre erzeugen, ohne sich komplett in Nebel zu verlieren. Die Nummer trägt Würde, Schwere und Melancholie, ohne in Kitsch zu kippen. Das ist schmaler Grat – und ja, der Grat ist hier ungefähr so schmal wie ein Kerzenständer in einer zugigen Gruft.

Mit »Love Damned Of Dead« wird es emotional noch dichter. Liebe, Tod und Verdammnis sind natürlich keine neuen Themen im Gothic Metal, aber sie gehören zu diesem Genre wie schwarzer Samt zum schlechten Wetter. Der Song funktioniert, weil Motus Tenebrae die dunkle Romantik nicht ironisieren, sondern ernst nehmen. Das mag nicht jedem liegen. Wer bei Gothic Metal sofort allergisch auf große Gefühle reagiert, sollte vielleicht lieber Grindcore hören und seine Emotionen in 47 Sekunden erledigen.

SCHUTZRAUM UND LETZTER VORHANG

»Shelter Me« gehört zu den stärksten Momenten des Albums. Die Nummer hat mehr Druck, stärkere Riffs und eine besonders gelungene Verbindung aus Clean-Vocals, raueren Akzenten und melodischer Schwere. Inhaltlich steht das Bedürfnis nach Schutz im Zentrum, allerdings nicht als weiches Trostpflaster, sondern als verzweifelter Ruf aus einer Welt, die längst zu kalt geworden ist. Hier greift die Band besonders gut zu: Der Song ist eingängig, schwer und emotional direkt. Kein Wunder, dass er in mehreren Kritiken als Höhepunkt genannt wird.

Der Abschluss »End Begun« macht dann genau das, was ein guter letzter Song tun sollte: Er zieht den Vorhang zu, ohne einfach nur das Licht auszuknipsen. Die Nummer wirkt wie ein Ende, das bereits den nächsten Untergang in sich trägt. Melancholie, Schwere und ein gewisser hymnischer Zug verdichten sich noch einmal zu einem Finale, das nicht spektakulär explodiert, sondern langsam in sich zusammenfällt. Passend, denn dieses Album ist keine Feuerwerksshow. Es ist eher eine schwarze Messe mit Stromgitarren, bei der am Ende niemand applaudiert, weil alle noch in ihre eigenen Abgründe starren.

KLANG, STÄRKEN UND GRENZEN

Produktionstechnisch ist »In Sorrow’s Requiem« solide, dunkel und wirkungsvoll, aber nicht völlig makellos. Die Gitarren haben Gewicht, die Synths und Streicherfarben sitzen stimmig im Hintergrund, und der Gesang trägt das Album sehr stark. Gleichzeitig könnte der Mix an manchen Stellen noch etwas mehr Tiefe und Transparenz vertragen. Gerade bei so viel Melancholie, Riff-Schwere und atmosphärischem Material wäre ein noch wuchtigerer Raumklang das letzte Quäntchen Grabkammer-Luxus gewesen. Kein Beinbruch, aber hörbar.

Die große Stärke des Albums liegt in seiner Geschlossenheit. Motus Tenebrae liefern ein Comeback, das nicht wie ein hastiges Lebenszeichen klingt, sondern wie eine bewusst geformte Rückkehr. Die Songs hängen atmosphärisch zusammen, die Stimmung bleibt konsequent, und die Band wirkt nach der langen Pause nicht orientierungslos. Besonders Freunde von Paradise Lost, My Dying Bride, Sentenced und älteren Gothic-Doom-Schulen dürften hier schnell zu Hause sein. Oder zumindest in einer sehr schön eingerichteten Ruine.

Ganz ohne Einschränkung geht es trotzdem nicht. »In Sorrow’s Requiem« ist kein Album, das dem Genre neue Fenster einbaut. Es bewegt sich klar in vertrauten Gothic-Doom-Korridoren. Wer Innovation, wilde Brüche oder avantgardistische Seitenwege erwartet, wird hier nicht plötzlich von einem Saxophon spielenden Roboter im Kirchengewand überrascht. Aber genau das ist auch nicht der Anspruch. Motus Tenebrae liefern klassischen Gothic Doom mit Pathos, Schwere und Überzeugung – und das können sie verdammt gut.

FAZIT:

»In Sorrow’s Requiem« ist ein starkes Comeback einer Band, die ihre eigene Dunkelheit nicht neu erfinden muss, um sie glaubwürdig wirken zu lassen. Motus Tenebrae verbinden Gothic Metal, Doom-Schwere und melancholische Melodik zu einem Album, das langsam atmet, schwer trägt und seine Emotionen nicht hinter technischer Angeberei versteckt. Hier geht es um Schmerz, Sehnsucht, Einsamkeit, Verfall und den Versuch, aus all dem noch eine Form von Würde zu ziehen.

Die besten Momente sind »Endless Buildings«, »Solitude«, »In Sorrow’s Requiem«, »Pulvere Sacro«, »Shelter Me« und »End Begun«. Diese Songs zeigen, dass Motus Tenebrae auch nach langer Pause noch wissen, wie man Pathos, Traurigkeit und metallische Wucht zusammenbringt, ohne in Kitsch oder bloßer Nostalgie zu versinken.

Unterm Strich ist »In Sorrow’s Requiem« kein revolutionärer Neustart, sondern eine sehr überzeugende Rückkehr in schwarze, schwer duftende Räume. Das Album richtet sich an alle, die Gothic Doom nicht als modischen Schatten, sondern als emotionale Grundtemperatur verstehen. Wer schwere Melancholie, dunkle Riffs und große Gefühle ohne Zuckerwatte sucht, darf hier guten Gewissens die Kerzen anzünden.

Albumstream:

Internet

Motus Tenebrae - In Sorrow's Requiem - CD Review

Grievance – Devaneios De Abismos E Sombras

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Grievance - Devaneios De Abismos E Sombras - cover artwork
Grievance - Devaneios De Abismos E Sombras - cover artwork

Band: Grievance 🇵🇹
Titel: Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras
Label: Haloran Records / Larvae Records
VÖ: 05.05.2026
Format: Digital / 12″ Vinyl
Genre: Black Metal / Atmospheric Black Metal / Old School Black Metal

Tracklist

01. Floresta Crepuscular
02. Castelo de Árvores
03. Promontório dos Espíritos
04. Em Besta me Transformo
05. Torturas
06. Clausura
07. No Fundo do Desfiladeiro

Besetzung

Koraxid – alle Instrumente und Gesang

Gastbeiträge:
Lord Drahkhul – Synthesizer auf »Floresta Crepuscular«
Nocturnus Horrendus – Gesang auf »Torturas«
J. Goat – Gesang auf »Torturas«

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Black Metal aus Caldas da Rainha, Portugal, der Themen wie Naturmystik, Einsamkeit, Volksglauben, Geistererscheinungen, innere Verwandlung, Folter, Isolation und menschliche Abgründe behandelt: Mit »Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras« liefern Grievance kein Album für die schnelle Nebenbei-Beschallung, sondern ein finsteres Werk, das lieber im Nebel steht, statt auf dem Marktplatz die große Pose zu machen. Seit 2011 als Solo-Projekt von Koraxid geführt, klingt Grievance hier wie eine Band, die ihre Wurzeln kennt und sie nicht mit Hochglanzpolitur beleidigen möchte.

Schon »Floresta Crepuscular« führt tief in eine dämmrige Waldlandschaft, in der Natur nicht romantisch, sondern fast körperlich bedrohlich wirkt. Der Text kreist um Rückzug, Stille und das Ablegen leerer Illusionen. Musikalisch wird das mit rohem, atmosphärischem Black Metal umgesetzt, der an der alten Schule kratzt, aber durch Synthesizer-Texturen und melodische Linien nicht völlig im Frost verschwindet. Das ist kein Waldspaziergang mit Thermoskanne, sondern eher der Moment, in dem man merkt, dass die Bäume einen schon etwas zu lange anschauen.

»Castelo de Árvores« bleibt in dieser Welt aus Natur, Nacht und innerer Aufladung. Das Bild einer imaginären Baumfestung funktioniert stark, weil es äußere Landschaft und inneren Widerstand miteinander verbindet. Grievance arbeiten hier mit langen Spannungsbögen, viel Tremolo, rauem Gesang und einem Sound, der bewusst nicht klinisch sauber sein will. Die Gitarren schneiden, die Melodien tragen eine melancholische Schwere, und das Schlagwerk hält den Marsch durch diese schwarze Landschaft zusammen. Wer hier moderne Studiohygiene erwartet, ist falsch abgebogen. Das Album riecht eher nach feuchtem Stein, Erde und sehr schlechten Entscheidungen bei Vollmond.

Mit »Promontório dos Espíritos« öffnet sich der Blick Richtung Meer, Abgrund und Totenwelt. Die Lyrics beschwören einen Ort am Rand des alten Kontinents, an dem Wind, Fels, Geister und Schiffbruchserinnerungen ineinanderfließen. Dieser Song gehört zu den atmosphärisch stärkeren Momenten, weil er die portugiesische Herkunft nicht wie ein Etikett nutzt, sondern in Bilder von Küste, Verlust und salziger Verdammnis übersetzt. »Em Besta me Transformo« schlägt anschließend deutlich körperlicher zu. Die Verwandlung in eine Bestie wird hier weniger als klassische Horrorgeschichte erzählt, sondern als Ausbruch von angestautem Hass. Das Biest ist keine fremde Macht, sondern etwas, das längst im Menschen wohnt. Sehr subtil ist das nicht, aber Black Metal ist ja auch selten der Ort, an dem man erst einmal höflich nach einer PowerPoint-Präsentation fragt.

ABGRÜNDE, KETTEN UND ALTE SCHMERZEN

»Torturas« ist der direkteste und unangenehmste Song des Albums. Körperliche Grausamkeit und seelische Zerstörung werden hier nicht als bloßer Schockeffekt benutzt, sondern als doppelte Form der Auslöschung: erst wird der Körper gebrochen, dann der Geist entleert. Die Gaststimmen von Nocturnus Horrendus und J. Goat geben dem Stück zusätzliche Tiefe und lassen es noch stärker nach Kerker, Eisen und moralischem Verfall klingen. Gerade hier zeigt sich, dass Grievance zwar traditionell im Black Metal verwurzelt sind, aber genug Atmosphäre aufbauen, um nicht wie eine bloße Riff-Sammlung zu wirken.

»Clausura« verlagert den Schrecken nach innen. Eingeschlossenheit, Erinnerung und geistige Flucht stehen im Zentrum. Der Song ist weniger brutal als »Torturas«, dafür beklemmender. Die Vorstellung, körperlich gefangen zu sein, während der Geist weiter durch Räume zieht, gibt dem Stück eine melancholische, fast philosophische Schwere. Das passt sehr gut zu einem Album, das sich nicht nur mit okkultem Schwarzlicht begnügt, sondern immer wieder auf existenzielle Fragen zielt: Was bleibt vom Menschen, wenn Körper, Ort und Gemeinschaft zerfallen?

Der Abschluss »No Fundo do Desfiladeiro« führt schließlich an einen verfluchten Ort, an dem Verzweiflung, Tod und unheimliche Wesen die Landschaft beherrschen. Der Text wirkt wie eine letzte Kamerafahrt in ein Tal, in das niemand freiwillig zurückkehrt. Musikalisch bündeln Grievance hier noch einmal die Stärken der Platte: rohe Energie, düstere Melodik, atmende Midtempo-Passagen und genug Kälte, um den Heizkörper beleidigt aussehen zu lassen. Kein spektakulärer Finalknall, aber ein stimmiger Abschluss, der das Album konsequent in seiner eigenen Dunkelheit versinken lässt.

KLANG UND WIRKUNG

Produktionstechnisch bleibt »Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras« bewusst rau. Der Sound ist nicht matschig, aber auch nicht glattgezogen. Die Gitarren tragen viel Atmosphäre, die Vocals schneiden sich grim durch das Material, und die gelegentlichen Synthesizer-Texturen setzen Schatten, ohne das Ganze in Keyboard-Nebel zu ertränken. Die Songs sind mit rund 43 Minuten und meist längeren Laufzeiten eher auf Entwicklung als auf schnelle Wirkung angelegt. Das gibt dem Album Tiefe, verlangt aber auch Geduld. Wer Black Metal nur als zweieinhalbminütigen Frostangriff konsumiert, könnte hier zwischendurch auf die Uhr schauen.

Die Stärke der Platte liegt in ihrer Geschlossenheit. Natur, Folklore, Traumvisionen, Tod, Folter, Isolation und innere Bestie greifen thematisch gut ineinander. Gleichzeitig fehlt an manchen Stellen der letzte zwingende Moment, der einzelne Songs sofort aus dem Gesamtnebel herausreißt. Grievance bauen Atmosphäre sehr überzeugend auf, verlassen sich aber manchmal etwas zu sehr darauf, dass Stimmung allein den Hörer durch jedes Tal trägt. Das funktioniert meistens, aber nicht immer gleich packend.

FAZIT:

»Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras« ist ein episches, finsteres  Black-Metal-Album, das seine Wirkung weniger aus bloßer Brachialität als aus Atmosphäre, alten Schatten und bedrückenden Bildern zieht. Grievance verbinden rohe Old-School-Wurzeln mit melancholischer Melodik, längeren Songstrukturen und einer Lyrik, die zwischen Naturmystik, Geisterwelt, innerem Zerfall und menschlicher Grausamkeit pendelt.

Ganz große Überraschungen liefert das Album nicht, aber es besitzt Charakter, Haltung und einen klaren eigenen Geruch nach nassem Holz, kaltem Stein und Abgrund. Besonders »Floresta Crepuscular«, »Promontório dos Espíritos«, »Torturas« und »No Fundo do Desfiladeiro« zeigen, wie wirkungsvoll diese Mischung aus rohem Black Metal und düsterer portugiesischer Bilderwelt sein kann. Kein Album, das freundlich um Aufmerksamkeit bittet – eher eines, das im Dunkeln wartet, bis man nah genug dran ist.

Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras Album Stream:

Internet

Grievance - Lúgubres Devaneios De Abismos E Sombras - CD Review

ABANDON AGONY – Endbringer

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ABANDON AGONY - Endbringer - cover artwork
ABANDON AGONY - Endbringer - cover artwork

Band: ABANDON AGONY 🇸🇪
Titel: Endbringer
Label: Independent
VÖ: 22/05/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. The Truth
02. Dissolved
03. Blind Intentions
04. Entropy
05. Sunrise
06. Lunarstorm
07. Rise from the Ashes
08. Writing on the Wall
09. Polar Shift
10. My Redemption

 

Besetzung

Johan Hedström – Vocals
Tobias Järvelä – Guitar
Jonathan Wagerland – Bass
Robin Toresson – Drums

 

Bewertung:

4/5

Aufbruch aus dem schwedischen Untergrund

ABANDON AGONY stammen von der schwedischen Westküste und gehören zu jener jungen Generation im Melodic-Death-Metal, die sich nicht damit zufriedengibt, den klassischen Göteborg-Sound nur zu kopieren. Die Band wurde 2023 gegründet und hat sich in kurzer Zeit ein stabiles Fundament erspielt. »Endbringer« ist ihr erstes vollständiges Album und zeigt bereits deutlich, wohin die Reise gehen soll! Druckvolle Riffs, klare melodische Linien und ein Gespür für Dynamik zwischen Aggression und Atmosphäre.

Im Line-up stehen Johan Hedström am Mikrofon, Tobias Järvelä an der Gitarre, Jonathan Wagerland am Bass und Robin Toresson am Schlagzeug. Diese Konstellation wirkt eingespielt, obwohl es sich um ein Debüt handelt. Besonders auffällig ist, wie geschlossen die Band auftritt, ohne dass einzelne Instrumente um Aufmerksamkeit kämpfen müssen.

Klangbild zwischen Härte und Melodie

Produziert wurde »Endbringer« im Eternal Studios in Vänersborg. Dort erhielt das Album einen modernen, klar definierten Sound, der trotzdem genug Rohheit bewahrt, um nicht steril zu wirken. Das Zusammenspiel aus präzisem Drumming, tief gestimmten Gitarren und einer dominanten, aber verständlichen Vocalspur sorgt für ein dichtes Klangbild.

Gerade die Gitarrenarbeit von Tobias Järvelä trägt das Album stark. Die Riffs wechseln zwischen klassischen Melodic-Death-Metal Figuren und moderneren, fast rhythmisch gebrochenen Strukturen. Der Bass bleibt präsent im Hintergrund und gibt den Songs eine solide Tiefe, während das Schlagzeug von Robin Toresson mit viel Druck arbeitet, ohne in reine Geschwindigkeit abzudriften. Stattdessen wird häufig mit kontrollierter Intensität gearbeitet, was dem Album eine gewisse Reife verleiht.

Songs und zentrale Momente

»Endbringer« umfasst zehn Tracks, darunter »The Truth«, »Dissolved«, »Entropy«, »Rise from the Ashes« und »My Redemption«. Jeder Song trägt eine klare Identität, ohne dass das Album in Einzelteile zerfällt. Besonders »Blind Intentions« sticht durch seine Mischung aus melodischem Refrain und aggressiven Strophen hervor. Auch »Lunarstorm« zeigt eine spannende Balance zwischen atmosphärischen Passagen und kompromisslosen Ausbrüchen.

Auffällig ist, dass die Band keine Angst vor eingängigen Momenten hat. Gerade »Sunrise« und »Writing on the Wall« arbeiten stärker mit wieder erkennbaren Melodien, ohne ihre Härte zu verlieren. Gleichzeitig gibt es Stücke wie »Polar Shift«, die technischer und kantiger wirken und eher auf Spannung als auf sofortige Eingängigkeit setzen.

Die Dynamik des Albums entsteht genau aus diesem Wechselspiel. Kein Song wirkt zufällig platziert, und selbst ruhigere Übergänge dienen einem größeren Spannungsbogen.

Themen zwischen innerem Kampf und Unausweichlichkeit

Inhaltlich bewegt sich »Endbringer« zwischen persönlichen Konflikten, Veränderung und dem Gefühl von Unausweichlichkeit. Die Texte spiegeln innere Zustände wider, die zwischen Zweifel und Entschlossenheit schwanken. Dabei bleibt die Sprache direkt und ohne übertriebene Metaphorik, was gut zur musikalischen Klarheit passt.

Der Titel des Albums zieht sich als gedanklicher Rahmen durch die Songs. Es geht weniger um konkrete Geschichten, sondern mehr um Zustände und emotionale Entwicklungen. Diese Ausrichtung unterstützt den Gesamteindruck eines Albums, das eher als zusammenhängende Reise funktioniert als eine Sammlung einzelner Stücke.

»Endbringer« ist ein starkes Debüt, das zeigt, wie viel Potenzial in ABANDON AGONY steckt. Die Band kombiniert klassische Einflüsse des Melodic-Death-Metal mit modernen Produktionsansätzen und einem klaren Verständnis für Songwriting. Nicht jeder Moment ist überraschend, und an manchen Stellen hätte man sich noch mehr Eigenständigkeit wünschen können. Trotzdem gelingt es der Band, ein durchgehend überzeugendes Album vorzulegen, das sowohl Härte als auch Melodie ernst nimmt.

Mit einer Bewertung von 4 von 5 Punkten positioniert sich »Endbringer« klar im oberen Bereich moderner Genreveröffentlichungen. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo weitergeht, könnte ABANDON AGONY schon bald deutlich größere Spuren in der Szene hinterlassen.

Fazit: ABANDON AGONY beweisen mit »Endbringer«, dass sie das Potenzial haben, die schwedische Death-Metal-Szene neu zu definieren.

Internet

ABANDON AGONY - Endbringer - CD Review

ACID REIGN – Daze Of the Week

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ACID REIGN - Daze Of the Week - cover artwork
ACID REIGN - Daze Of the Week - cover artwork

Band: ACID REIGN 🇬🇧
Titel: Daze Of the Week
Label: Back On Black
VÖ: 15/05/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. The Who Of You
02. Daze Of The Weak
03. No Truth
04. Conniption King
05. Alonely
06. Blind Lies
07. Sorrowsworn
08. Old Young Man
09. Fantastic Passion
10. Centre Of Everything

 

Besetzung

Howard Smith – Vocals
Matt Smith – Guitar
Darren McGillivary – Guitar
Pete Dee – Bass
Jonathan Grimley – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Rückkehr einer britischen Thrash-Institution

ACID REIGN gehören zu den Bands, die man in der europäischen Thrash-Landschaft nie ganz vergessen hat, auch wenn ihre Diskografie über Jahrzehnte hinweg eher überschaubar blieb. Mit »Daze Of the Week« legt die Formation nun ihr viertes Studioalbum vor und knüpft damit an die späten 80er und frühen 90er an, ohne sich in Nostalgie zu verlieren. Die Besetzung rund um Sänger Howard Smith, Gitarrist Matt Smith, Gitarrist Darren McGillivary, Bassist Pete Dee und Schlagzeuger Jonathan Grimley wirkt eingespielt und gleichzeitig wach genug, um den typischen ACID REIGN-Spirit in eine moderne Produktionsästhetik zu übertragen.

Produziert wurde das Album erneut mit Jayce Lewis, der die Band bereits länger begleitet. Seine Handschrift zeigt sich in einem druckvollen, klaren Soundbild, das die rohe Energie der Songs nicht glättet, sondern eher schärft. Man hört eine Band, die sich bewusst ist, woher sie kommt, aber keine Lust hat, im eigenen Archiv zu erstarren.

Zwischen Chaos, Groove und britischem Witz

»Daze Of the Week« startet mit »The Who Of You« direkt in ein nervöses, riffgetriebenes Fundament. Der Song zeigt schnell, worum es hier geht, klassische Thrash-Strukturen, aber mit einer gewissen Verspieltheit im Timing und in den Breaks. »Daze Of the Weak« selbst greift diesen Ansatz auf und zieht ihn weiter in Richtung hymnischer Refrains, ohne die kantige Seite zu verlieren.

»No Truth« und »Conniption King« bewegen sich stärker im Midtempo-Bereich, wirken dadurch aber keineswegs entschleunigt. Vielmehr entsteht Raum für Details in den Gitarrenläufen und im rhythmischen Wechselspiel. Gerade Darren McGillivary und Matt Smith ergänzen sich hier auffällig gut, weil sie nicht permanent synchron spielen, sondern bewusst Kontraste setzen.

Ein kurzer Bruch entsteht mit »Alonely«, das sich textlich und atmosphärisch etwas nach innen richtet. Hier zeigt sich, dass ACID REIGN nicht nur auf Humor und Aggression setzen, sondern auch dunklere Zwischentöne zulassen. »Blind Lies« und »Sorrowsworn« schlagen danach wieder stärker in die klassische Thrash-Richtung aus, mit schnellen Riffs und einem angenehm ruppigen Drive.

Spannungsbogen bis zum Schluss

Im Mittelteil sticht besonders »Old Young Man« hervor, ein Song, der mit seinem Titel schon spielt, aber musikalisch überraschend ernst bleibt. Die Band arbeitet hier mit Dynamik statt Geschwindigkeit, was dem Album eine zusätzliche Ebene gibt. »Fantastic Passion« bringt danach wieder mehr Tempo und fast schon punkige Direktheit hinein, bevor »Centre Of Everything« das Album mit einem eher breit angelegten Finale abschließt.

Die Tracklist wirkt insgesamt gut ausbalanciert, auch wenn nicht jeder Song gleich stark zündet. Gerade im Mittelteil gibt es Momente, in denen sich bestimmte Ideen leicht wiederholen. Trotzdem bleibt der Fluss erhalten, weil die Produktion viel Raum zwischen den Instrumenten lässt und die Songs dadurch atmen können.

Jonathan Grimley sorgt dabei für ein sehr lebendiges Fundament. Sein Spiel ist nicht übertechnisiert, sondern sitzt genau dort, wo Thrash funktionieren muss! Zwischen Druck und kontrolliertem Chaos. Auch der Bass von Pete Dee bleibt hörbar und trägt mehr zur Struktur bei, als es im Genre oft der Fall ist.

Ein Album für Fans und Neueinsteiger

»Daze Of the Week« ist kein radikaler Neuanfang, aber auch kein bloßes Wiederaufwärmen alter Ideen. ACID REIGN schaffen es, ihre Herkunft hörbar zu machen und gleichzeitig eine zeitgemäße Produktion dagegenzusetzen. Der Humor, der der Band immer zugeschrieben wurde, blitzt eher unterschwellig auf, während die musikalische Seite deutlich ernster wirkt als in früheren Jahren.

Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten bewegt sich das Album im soliden Bereich. Es gibt starke Momente, einige eingängige Riffs und eine Band, die hörbar Spaß an ihrem Material hat. Gleichzeitig fehlt manchmal der letzte Impuls, der einzelne Songs dauerhaft im Gedächtnis verankert.

Für Fans von britischem Thrash bleibt das Album dennoch eine lohnende Veröffentlichung, die zeigt, dass ACID REIGN auch nach all den Jahren noch genug Energie haben, um sich im Genre zu behaupten, ohne sich selbst zu kopieren.

Fazit: Mit »Daze Of the Week« beweisen ACID REIGN, dass sie immer noch relevant sind und ihren Sound weiterentwickeln können.

Internet

ACID REIGN - Daze Of the Week - CD Review

Minotaurus: Aus dem Kerker in den Haze – und weiter nach Wacken – Das Interview

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Interview: Robert Resch & Clarissa Hobeck, Oliver Klump

MINOTAURUS vor Wacken 2026 im exklusiven Interview

Mit „Memories In The Haze“ haben MINOTAURUS ein Album veröffentlicht, das tief in Mythologie, Fantasy, persönlichen Rückblicken und emotionalen Grenzerfahrungen verwurzelt ist. Die Band blickt dabei nicht nur auf über drei Jahrzehnte Geschichte zurück, sondern schlägt zugleich ein neues Kapitel auf.

Musikalisch bleibt die Formation ihrem epischen Celtic- und Folk-Metal-Kosmos treu: kraftvolle Gitarren, erzählerische Tiefe, Wechselgesang, klassische Lyrik und jene bildgewaltige Atmosphäre, die MINOTAURUS seit vielen Jahren auszeichnet. Unser Review zu „Memories In The Haze“ hat bereits gezeigt, dass dieses Werk weit mehr ist als nur ein weiterer Eintrag in der Diskografie, sondern ein Rückblick, ein Neubeginn und eine Standortbestimmung zugleich.

Besonders spannend: Am 1. August 2026 stehen MINOTAURUS auf der Wackinger Stage beim legendären Wacken Open Air. Für eine Band, die seit jeher zwischen Mythen, Bühnenfiguren, Mittelalter-Atmosphäre und metallischer Wucht wandelt, könnte es kaum einen passenderen Ort geben. Grund genug also, mit Olli und Clarissa über das Album, den Wechsel zu NRT-Records, persönliche Abgründe, Fantasy-Welten, neue Mitstreiter und den bevorstehenden Auftritt auf dem Holy Ground zu sprechen.

Hallo Minotaurus! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Mit „Memories In The Haze“ habt ihr ein Album veröffentlicht, das tief in Mythologie, Fantasy, persönlichen Rückblicken und emotionalen Grenzerfahrungen verwurzelt ist. Gleichzeitig steht mit eurem Auftritt beim Wacken Open Air 2026 ein ganz besonderes Kapitel bevor.
 
Olli und Clarissa, „Memories In The Haze“ wirkt wie ein Album zwischen Rückblick, Aufbruch und innerer Bewältigung. War euch von Anfang an bewusst, dass dieses Werk auch eine Art Spiegel der langen Minotaurus-Geschichte werden würde?
 
Clarissa: Das Album hat beim Gestaltannehmen immer mehr gezeigt, dass wir alle, wer auch immer die Texte geschrieben hat, einen Rückblick auf die letzten Jahre darstellen wollten. Es war nicht direkt beabsichtigt, aber es wurde deutlicher, je mehr Songs wir fertiggestellt hatten. Dieses Unbewusste war und ist ein deutlicher Ausdruck jedes einzelnen unserer Mit-Minos.
 
Olli: Irgendwie war schon zu spüren, dass es ein besonderes Album wird. Alles fühlte sich anders an, ohne dass man genau sagen konnte, was es war. Nicht besser oder schlechter als vorher, einfach anders. Ich würde sagen: eine ganz besondere Spannung, wie ein Knistern, mal schön, mal schmerzhaft. Am Ende ist es Rückblick und Vorschau zugleich. Ein würdiges Jubiläumsalbum. Und wer beim Hören dieser CD sehr aufmerksam ist, kann sehr viel über uns erfahren.
 
 

Memories In The Haze: Full Album Stream

 
Olli, der Titeltrack eures aktuellen Albums „Memories In The Haze“ steht sinnbildlich für Erinnerungen an Schlachten, Verluste und überstandene Kämpfe. Wie viel davon ist reine Fantasy-Erzählung — und wie viel echte Bandbiografie steckt darin?
 
Olli: Nun, wir haben zwar schon immer über diese Themen geschrieben, aber es stimmt schon: Bei „Memories In The Haze“ sind viele unserer Erlebnisse mit eingeflossen. Unfassbar, was wir in über 30 Jahren Bandgeschichte alles erleben durften und mussten. Das macht das Lied so unglaublich emotional: erfüllte Träume, aber auch sehr schlimme und traurige Momente. Schaut uns in die Augen, wenn wir ihn live spielen, dann könnt ihr es vielleicht spüren.
Mit „Memories In The Haze“ seid ihr zu NRT-Records gewechselt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit, und wie erlebt ihr das Label bislang als neue Heimat für Minotaurus?
 
Olli: Ja, das stimmt. Auch das gehört zu den oben genannten Emotionen, denn jeder Abschied ist schwer. Wir wollten nicht wechseln, weil irgendetwas schiefgelaufen ist. Limb Music hat uns immer gut unterstützt und war ein verlässlicher Partner. Sonst hätten wir sicher nicht drei ganze Alben dort veröffentlicht. Wir sind auch für alles sehr dankbar, was Limb Music für uns in all den Jahren gemacht hat.
 
Aber manchmal hat man einfach das Gefühl, dass eine Veränderung guttun würde und einem vielleicht auch neue Horizonte öffnen kann. Ein großes Risiko, da man nie weiß, ob man sich damit wirklich einen Gefallen tut. Nach langen Recherchen und Abwägungen der eigenen Möglichkeiten hat uns unser lieber Freund Franky Demon NRT-Records und seinen unermüdlichen Philipp Gottfried empfohlen.
 
Wenn man bedenkt, wie er sich für uns ins Zeug gelegt hat und auch weiterhin legt, war es wohl die goldrichtige Entscheidung für uns. Denn wir haben noch viel vor. Und ich glaube, dass Philipp unsere Träume teilt, manchmal sogar noch mehr. Ein neues, spannendes Kapitel.
Clarissa, du hast mit „Lonely Prisoner“ einen der emotional dunkelsten Songs des Albums geschrieben und singst ihn auch federführend. Was war der persönliche oder künstlerische Auslöser für dieses beklemmende Bild eines Gefangenen zwischen Todesangst, innerer Leere und Hoffnung?
 
Clarissa: Der Text dieses Songs ist in einer Zeit entstanden, die für mich persönlich sehr schwer war. Ich war in mehreren Situationen gefangen, und durch das Schreiben, ob nun in Songtexten oder Gedichten, habe ich meine Emotionen zu Geschichten werden lassen.
 
Auch wenn die Story des Songs nicht im Wesentlichen darstellt, was ich erlebt habe, zeigt sie dennoch, dass es für jede Person solche Zeiten gibt, in denen man keinen Ausweg sieht und versucht, sich darüber klar zu werden, ob Ausharren oder Davonlaufen die richtige Entscheidung ist. Genau diesen inneren Konflikt wollte ich darstellen. Das Ganze im Bild eines Verurteilten auf dem Weg zum Galgen passte sehr gut zur Szenerie unserer Banddarstellung.
Euer Album pendelt stark zwischen epischem Power Metal, Folk-Metal-Elementen, klassischer Lyrik und sehr persönlichen Momenten. Wie findet ihr als Sängerduo die Balance zwischen Theatralik, Härte und echter Emotionalität?
 
Clarissa: Als Duo an der Front sind wir nach mittlerweile über einem Jahrzehnt ein eingespieltes Team. Sowohl bei Proben als auch auf der Bühne finden wir meist ohne Worte die passende Einstellung für uns. Jeder Song beinhaltet eine andere Art Herzblut, und durch das gemeinsame Ausarbeiten haben wir natürlich auch jeden Song mit der Zeit angenommen und fühlen ihn beim Singen. Ob nun ein stählerner Kriegs-Track oder eine emotionale Ballade: Wir finden uns in den Song ein, weil wir ihn und uns kennen.
 
Olli: Das hast du sehr schön gesagt, da gibt es fast nichts hinzuzufügen. Wir haben tatsächlich in den letzten Jahren unglaublich viel mit- und voneinander gelernt. Auf der Bühne, aber auch in den Proben, ist da eine wirklich großartige Verbindung entstanden. Die kann man nicht lernen oder erzwingen. Sie entsteht oder eben nicht. Dafür bin ich sehr dankbar.
Mit „Der Jüngling am Bache“ und „Sehnsucht“ greift ihr gleich zweimal Friedrich Schiller auf. Was reizt euch daran, klassische deutsche Lyrik in ein metallisches Gewand zu übertragen, und wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
 
Olli: Da hat sich fast so etwas wie eine kleine Tradition bei uns entwickelt, he he. Wer uns kennt, weiß, dass wir schon sehr früh damit begonnen haben, Gedichte zu vertonen, siehe „Der Erlkönig“. Es macht einfach Spaß, diese alten, großartigen Klassiker aus einer anderen Zeit in neue Gewänder zu hüllen.
 
Zu sehen, was sie in uns bewegen, wie wir sie interpretieren können, ohne den Sinn zu verändern, und was sie musikalisch aus uns hervorbringen: Das ist immer sehr spannend. Die Resultate sind mehr als zufriedenstellend. Da wird wohl noch einiges kommen.
Olli und Clarissa, euer Wechselgesang ist ein zentrales Markenzeichen von Minotaurus geworden. Wie entscheidet ihr, welche Passagen männlich, weiblich oder im Dialog funktionieren müssen?
 
Clarissa: Oftmals kristallisieren sich die Parts beim Schreiben eines Songs schon heraus. Spätestens beim Ausarbeiten mit der Band stellen wir fest, wo welcher Klang eingesetzt wird, was zum Storybuilding passt, als Unterstrich eingesetzt werden kann oder etwas vertieft. Es ist weniger ein Entscheiden, sondern eher ein Ausprobieren und Erspüren der Atmosphäre, die der Song geben soll.
 
Olli: Ja, manchmal ist es die Story selbst, die sagt: Das ist ganz klar mein Part oder eben Claris. Dann gibt es Songs, die so deutlich auf eine Stimme oder Tonart zugeschnitten sind, dass sich die Frage gar nicht stellt. Es ist wirklich klasse, dass wir da so vielfältige Möglichkeiten haben. Das haben wir noch lange nicht ausgereizt.
 

Coming Home Musikvideo:

„Coming Home“ verbindet Piraten-Atmosphäre, drohendes Unheil und am Ende eine Art spirituelle Läuterung. Was bedeutet „Heimkehr“ in diesem Song für euch — Rückkehr zu Gott, zur eigenen Wahrheit, zur Band oder vielleicht zu allem zugleich?
 
Clarissa: Als wir den Song ausgearbeitet haben, war ich tatsächlich örtlich weiter von der Band entfernt. Als er fertiggestellt war, war ich wieder in der Heimat. Nicht nur an einem Ort, an dem meine Freunde und Familie sind, sondern in einem Zuhause. Das ist zumindest meine Heimkehr: die Feststellung dessen, wohin man selbst gehört. Auch wir als Band haben damit verdeutlicht, dass wir unserem Stil treu bleiben, egal, wie windig es wird und wie viele Opfer es kostet. Am Ende kommen wir zu einem Ganzen zurück.
 
Olli: Das bedeutet sicher für jeden etwas anderes. Für mich eher Odin als Gott oder eben einfach zu wissen, was man will und wo man hingehört. Ob im wahren Leben oder in der Musik, wie für uns. Gerade heute ist das eine sehr wichtige Sache, wie ich finde: Coming Home.
Das Video zu „Coming Home“ wurde deutlich aufwendig inszeniert. Wie wichtig ist euch heute noch das visuelle Erzählen, gerade bei einer Band, die schon immer stark über Figuren, Kostüme, Mythen und Bilder funktioniert hat?
 
Olli: Das ist ein ganz essenzieller Teil unserer Musik und Philosophie. Denn wir lieben es, den Zuhörer und auch live die Zuschauer mit auf unsere Reise zu nehmen. Die Geschichten, die wir erzählen, sollen miterlebt werden. Da hilft es unserer Meinung nach sehr, diese Videos zu drehen und live gewandet schon mal eine Vorstellung davon zu geben, was wir meinen.
 
Die Reaktionen des Publikums und der Hörer geben uns da meistens recht. Obwohl es sicher auch einige gibt, denen das alles too much ist. Aber so sind wir, und so geht es auch weiter.
Mit „D.R.I.P.“ verabschiedet ihr den „Lonely Dwarf“, eine Figur, die Minotaurus lange begleitet hat. Warum war jetzt der richtige Zeitpunkt, dieses Kapitel endgültig zu schließen?
 
Olli: Na ja, haben wir das? Ja, so sieht es wohl aus. Vielleicht aber auch nicht. In der Fantasy und gerade bei uns ist fast alles möglich. Verdient hätte er es schon, denn er dient uns schon sehr lange. Und irgendwie hat das zu diesem Album gepasst. Es ist ja auch ein starker Song, der Tiefe verdient.
„Proud Kings Of Avalon“ spielt augenzwinkernd mit Online-Rollenspielen und digitalem Eskapismus. Olli, wie kritisch oder liebevoll blickst du selbst auf diese Flucht in virtuelle Heldenwelten?
 
Olli: Da bin ich selbst sehr lange mittendrin gewesen. Von den Anfängen mit D&D, Midgard, Tabletop, PC- und Konsolenspielen habe ich wirklich jede Menge ausprobiert und auch länger gezockt. Einige Jahre lang bin ich sogar bei Live-Rollenspielen auf Burgen und in deutschen Wäldern herumgefallen, um Orks und Riesen zu erschlagen. Das war eine herrliche Zeit.
 
Aber ich habe auch die Gefahren geschnuppert, die leider gerade beim Online-Spielen lauern. Pay-to-win-Games, in denen es fast unmöglich ist, voranzukommen oder ganz an der Spitze mitzuspielen, ohne viel reales Geld zu investieren. Wenn man da nicht gefestigt im Leben steht, ist die Gefahr leider groß, dass es unschön wird und man das Maß verliert.
 
Nur darauf wollte ich in dem Song hinweisen. Nicht, dass es generell verwerflich wäre. Ich habe nach wie vor gelegentlich Spaß daran. Ich fände es super, auch musikalisch da mal etwas beizusteuern. Material wäre genug da. Also Gaming-Studios: einfach melden! Ha ha ha.
Mit „Tears Of A Hero“ habt ihr einen Bandklassiker neu interpretiert. Was musste an diesem Song unangetastet bleiben, und wo wolltet ihr bewusst eine neue emotionale Tiefe hineinlegen?
 
Clarissa: Der Song war schon ein Diamant, bevor er neu aufgelegt wurde. Er bringt alles mit: Emotionalität im Text, bewegende Instrumentalparts und einen Gesang, der hin- und hergerissen scheint zwischen Erleichterung und Verzweiflung.
 
Mit der Neuauflage wollten wir den Diamanten etwas schleifen. Aus einer alten Aufnahme formten wir eine moderne, klar klingende Aufnahme. Mit Streichern und ein paar Parts, die ich dazugegeben habe, brachten wir Kontrast mit ein, der vorher zwar vorhanden, aber nicht so deutlich war. Olli und ich bilden stimmlich immer irgendwie zwei Welten. Ohne dass ich viel übernommen habe, wollte ich dennoch die Zerrissenheit hervorheben.
Außer Olli und Clarissa wurde die Besetzung inzwischen neu aufgestellt. So direkt nach Erscheinen des Albums: Was ist passiert, und wie fühlt es sich an, mit einer neuen Mannschaft in die nächste Phase von Minotaurus zu gehen, ohne dabei die Identität der Band zu verlieren?
 
Clarissa: Nach so vielen Jahren Bandgeschichte war es bloß eine Frage der Zeit, bis das erste Buch abgeschlossen ist. Irgendwann stand der Wind still, und eine neue Brise wird den zweiten Band dieser Geschichte neu aufleben lassen. Der rote Faden bleibt bestehen, darum kümmern sich Olli und ich. Es muss einfach passen. Und genau das tut es auch mit der neuen Crew.
 
Olli: Ja, das wirkt für Außenstehende sicher kurios, gerade der Zeitpunkt. Aber so ist das Leben, und das muss man akzeptieren. Dass irgendwann die Interessen auseinandergehen oder man eben nicht weiter gemeinsam die gleichen Visionen hat. Solange man das respektvoll tut, ist alles in bester Ordnung.
 
Clari und ich waren uns sicher, dass dies noch lange nicht das Ende ist. Wenn man dann das Glück hat, solch grandiose neue Mitstreiter zu finden, war es vielleicht sogar ein großes Glück. Es kommt ein neues, aufregendes Kapitel für Minotaurus. Da sind wir einer Meinung. Holla die Waldfee!
Am 1. August 2026 steht ihr auf der Wackinger Stage beim Wacken Open Air. Was bedeutet dieser Auftritt für euch nach über drei Jahrzehnten Bandgeschichte — eher Ritterschlag oder Herausforderung?
 
Olli: Na beides, ganz klar. Welcher Metaller hat sich das noch nicht vorgestellt, auf dem Holy Ground selbst zu spielen? Welch ein Ritterschlag. Und diese Herausforderung nehmen wir sehr gerne an.
 
Wir hatten in über 30 Jahren Bandgeschichte so einige denkwürdige Auftritte und Herausforderungen, die allermeisten darunter sehr erfolgreich. Wir bringen den Stier nach Norden, und das wird die Wackinger Stage zum Beben bringen. Das wird sicher unvergesslich. Wir sind bereit! Zwo, drei, vier, H…
Zum Abschluss möchten wir uns nochmals herzlich für das Interview bedanken. Die letzten Worte gehören euch: Was möchtet ihr euren Fans, Wegbegleitern und allen, die „Memories In The Haze“ gerade erst entdecken, mit auf den Weg geben?
 
Clarissa: Für alle da draußen, die nach Hause kommen, die etwas durchleben, was einer Geschichte würdig ist: Schreibt eure Geschichte weiter. Lasst euch gerne von unserer Musik begleiten und geht euren Weg. Danke an alle, die das schon tun und uns, auf welche Art auch immer, unterstützen. Horns up und Holla die Waldfee!
 
Olli: Danke für über 30 Jahre Gefolgschaft oder Wegbegleitung. Wir sind noch lange nicht am Ende angekommen. Gebt „Memories In The Haze“ mehrere Rotationen Zeit, bei euch zu zünden, denn es steckt vieles noch in den Tiefen der Songs, das ihr entdecken könnt. Augen zu und los geht’s. Wir sehen uns. Holla Die Waldfee

MINOTAURUS – Interview