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Sterbenswille – Asche & Licht

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Sterbenswille - Asche und Licht - cover artwork
Sterbenswille - Asche und Licht - cover artwork

Band: Sterbenswille 🇩🇪
Titel: Asche & Licht
Label: Independent
Herkunft: Altötting, Bayern, Deutschland
VÖ: 15.05.2026
Genre: Post-Black-Metal / Black Metal / Atmospheric Black Metal
Format: Album

Tracklist

01. Verzweiflung
02. Selbstzerstörung
03. Bruchstücke
04. Breath of Silence
05. Depression
06. Zwischen Asche & Licht
07. Asche
08. Dunkelheit feat. Liz von Roxton

Besetzung

G3ist – Vocals
Lukai – Guitar
Rooster – Bass
Andy – Drums
Liz von Roxton – Gastgesang auf Dunkelheit

Bewertung:

4,5 von 5 Punkten

Es gibt Alben, die Dunkelheit nur als Kulisse benutzen. Ein bisschen Schwarz, ein bisschen Nebel, ein paar klirrende Gitarren, fertig ist die ästhetische Finsternis. Sterbenswille machen es sich auf »Asche & Licht« allerdings nicht so bequem. Dieses Album klingt nicht nach dekorativer Schwermut, sondern nach innerem Ausnahmezustand. Nach etwas, das lange gegärt hat, irgendwann aufbricht und sich dann in Gitarren, Schreien, Drums, Stille und atmosphärischer Schwere entlädt.

Mit »Asche & Licht« legt die Formation aus Altötting ein Werk vor, das tief im Black Metal verwurzelt ist, aber nicht sklavisch an dessen alten Mauern kratzt. Stattdessen öffnen Sterbenswille ihren Sound in Richtung Post-Black-Metal, lassen Melancholie zu, setzen auf epische Spannungsbögen und geben den Songs genug Raum, um mehr zu sein als reine Raserei. Genau darin liegt die Klasse dieser Platte: Sie ist heftig, aber nicht stumpf. Sie ist emotional, aber nicht weinerlich. Sie ist finster, aber nicht leer.

Der Titel »Asche & Licht« bringt diesen Gegensatz bereits auf den Punkt. Hier prallen Zerstörung und Hoffnung aufeinander, Verfall und Weiterleben, verbrannte Erde und ein letzter Schein am Horizont. Das Album beschäftigt sich mit Verlust, Depression, Selbstzerstörung, seelischen Brüchen und dem mühsamen Versuch, trotz allem weiterzugehen. Dabei werden diese Themen nicht als platte Elendsromantik ausgeschlachtet. Sterbenswille klingen vielmehr so, als würden sie mit offenen Händen in den eigenen Schutt greifen, um aus den Resten noch irgendeine Form von Wahrheit herauszuziehen.

Besonders deutlich wird das durch den neuen Sänger G3ist. Seine Stimme ist kein bloßes Stilmittel, sondern ein zentrales Element der Wirkung. Er schreit, keift, presst und schleudert die Texte nicht einfach in den Raum, sondern klingt oft, als würde jeder Vers körperlich wehtun. Gleichzeitig funktionieren auch die ruhigeren und klareren Momente, weil sie nicht künstlich versöhnlich wirken. Sie reißen keine romantische Lichterkette in die Dunkelheit, sondern zeigen eher kurze Risse in einer Wand, hinter der noch etwas lebt.

Wenn Verzweiflung nicht niederfällt, sondern zurückschlägt

Der Einstieg mit „Verzweiflung“ macht unmittelbar klar, dass Sterbenswille keine lange Vorrede brauchen. Der Song öffnet sich zunächst fast vorsichtig, als würde man eine Tür in einen Raum aufstoßen, den man eigentlich nicht betreten möchte. Doch diese anfängliche Zurückhaltung hält nicht lange. Schritt für Schritt baut sich eine massive Wand aus Gitarren, Bass und Schlagzeug auf, bis der Song schließlich seine volle schwarze Wucht entfaltet.

Lyrisch kreist „Verzweiflung“ um das Gefühl, etwas oder jemanden nicht halten zu können. Hoffnung wird hier nicht pathetisch beschworen, sondern scheint einem zwischen den Fingern zu zerfallen. Trotzdem klingt der Song nicht nach Kapitulation. Eher nach einem letzten Aufbäumen. Nach diesem Moment, in dem der Mensch zwar am Boden liegt, aber innerlich noch immer mit den Zähnen knirscht.

Musikalisch überzeugt vor allem die Dynamik. Sterbenswille prügeln nicht einfach mehrere Minuten alles nieder, sondern arbeiten mit Wechseln aus mittlerem Tempo, Ausbrüchen und atmosphärischen Zwischenräumen. Die Double-Bass-Passagen treiben ordentlich nach vorne, während die Gitarren eine melancholische Kälte entfalten, die mehr kann als bloß frostig zu klingen. Hier wird nicht nur Geschwindigkeit vorgeführt. Hier wird Spannung aufgebaut.

Gerade das macht diesen Auftakt so stark. „Verzweiflung“ trägt den Schmerz nicht wie ein Schild vor sich her, sondern verwandelt ihn in Bewegung. Der Song hat Druck, aber auch Tiefe. Er wütet, ohne die Kontrolle zu verlieren. Damit setzen Sterbenswille direkt zu Beginn ein klares Statement: „Asche & Licht“ will nicht nur gehört, sondern ausgehalten werden.

Selbstzerstörung, Nebel und die Kunst des inneren Zerfalls

Mit „Selbstzerstörung“ geht das Album noch tiefer in jene seelischen Zonen, in denen der Mensch sich selbst zum Gegner wird. Der Beginn verzichtet zunächst auf rohe Gewalt und setzt stattdessen auf eine unheilvolle Atmosphäre. Keyboard-Flächen liegen wie kalter Dunst über dem Stück, während sich die Spannung langsam zusammenzieht. Man merkt sofort: Der Sturm kommt. Er wartet nur noch auf den richtigen Moment.

Wenn der Song dann losbricht, wirkt das nicht wie ein plötzlicher Stilwechsel, sondern wie die logische Entladung einer vorher bereits spürbaren Bedrohung. Die Gitarren schneiden scharf durch den Mix, die Rhythmik drückt schwer nach unten, und G3ist liefert eine vokale Performance, die zwischen Wut, Schmerz und Kontrollverlust pendelt. Das ist nicht schön im klassischen Sinne. Aber es ist verdammt wirkungsvoll.

Besonders gelungen ist, dass „Selbstzerstörung“ nicht in eindimensionalem Geballer erstarrt. Der Song nimmt sich nach der ersten Eruption wieder zurück, öffnet eine ruhigere Passage und lässt klaren Gesang zu. Genau dieser Moment gibt dem Stück eine zusätzliche emotionale Schicht. Er wirkt nicht wie ein aufgesetzter Kontrast, sondern wie ein kurzer Blick auf die verletzte Stelle unter der Rüstung.

Damit zeigen Sterbenswille, dass sie den Begriff Post-Black-Metal nicht nur als Etikett verwenden. Sie verstehen, dass Atmosphäre nicht bloß bedeutet, irgendwo ein Keyboard unter die Gitarren zu legen. Atmosphäre entsteht hier aus Dramaturgie, aus Reibung, aus dem Wechselspiel zwischen Druck und Rückzug. „Selbstzerstörung“ ist einer jener Songs, die nicht sofort alles preisgeben, aber mit jedem Durchlauf stärker greifen.

Depression als Schwerpunkt und Schattenherz des Albums

Mit „Depression“ erreichen Sterbenswille einen der intensivsten Punkte des Albums. Schon der Titel lässt wenig Raum für Umdeutung. Hier geht es nicht um eine vage Traurigkeit oder ein dekoratives Gefühl von Melancholie, sondern um einen seelischen Zustand, der Menschen lähmen, verschlucken und innerlich von der Welt abschneiden kann. Das Stück nimmt dieses Thema ernst, ohne es plakativ auszubreiten.

Der Beginn baut langsam Spannung auf. Die ersten Momente wirken fast wie ein inneres Herantasten an etwas, das zu groß ist, um es direkt auszusprechen. Dann schichten sich Gitarren, Drums und Stimme übereinander, bis aus der anfänglichen Beklemmung eine massive Klangwand entsteht. G3ist zeigt hier besonders eindrucksvoll, wie viel Ausdruckskraft in seinem Gesang steckt. Seine gutturalen Passagen klingen nicht bloß aggressiv, sondern verwundet. Und genau darin liegt die Stärke.

Musikalisch übersetzt „Depression“ Schwere nicht in bloße Langsamkeit. Der Song besitzt Bewegung, aber diese Bewegung fühlt sich nicht befreiend an. Sie wirkt eher wie ein Kreislauf, aus dem man nicht herauskommt. Double-Bass, drückender Bass, kalte Gitarren und verzweifelte Vocals bilden eine Atmosphäre, die sich eng um den Hörer legt. Man wird nicht brutal überfahren, sondern allmählich eingeschlossen.

Besonders stark ist die Steigerung im ersten Abschnitt. Die Band lässt den Song nicht sofort explodieren, sondern zieht die Spannung kontinuierlich an. Wenn die härteren Passagen schließlich vollständig greifen, haben sie dadurch deutlich mehr Gewicht. „Depression“ ist einer der Songs, bei denen man merkt, dass Sterbenswille nicht einfach über ein Thema schreiben, sondern versuchen, dessen Druck musikalisch erfahrbar zu machen.

Damit wird „Depression“ zu einem zentralen Stück auf „Asche & Licht“. Nicht nur, weil es emotional besonders stark trifft, sondern weil es die Kernidee des Albums bündelt: Dunkelheit wird hier nicht romantisiert. Sie wird durchlitten. Und gerade deshalb klingt der Song so glaubwürdig.

Zwischen Asche und Licht liegt kein gerader Weg

Der Titeltrack „Zwischen Asche & Licht“ kommt danach ohne große Umwege zur Sache. Hier verdichten Sterbenswilleviele Elemente, die das Album ausmachen: wuchtige Drums, breite Gitarrenflächen, atmosphärische Schichten, emotionale Zuspitzung und eine Thematik, die zwischen Narben, Erinnerung und Weiterleben pendelt. Das Stück klingt, als würde jemand durch die Reste eines zerstörten Lebens gehen und dabei jeden Schritt gegen den eigenen Schmerz setzen.

Besonders auffällig ist die rhythmische Gestaltung. Sterbenswille arbeiten mit Breaks, Verschiebungen und wechselnden Spannungszuständen, ohne den Song unnötig kompliziert wirken zu lassen. Die Gitarren bauen mächtige Wände auf, während Synthesizer-Flächen dem Ganzen eine zusätzliche Tiefe geben. Man hört hier deutlich, dass die Band ihre Songs nicht nur als Riff-Abfolge versteht, sondern als emotionale Räume.

Inhaltlich ist „Zwischen Asche & Licht“ einer der wichtigsten Momente der Platte. Es geht um einen Menschen, der von Schmerz geprägt wurde, vielleicht sogar so sehr, dass dieser Schmerz irgendwann zur vertrauten Umgebung geworden ist. Trotzdem bleibt der Song nicht vollständig im Untergang stehen. In den Spoken-Word-Passagen öffnet sich eine andere Ebene. Sie wirken wie Gedanken, die nicht mehr geschrien werden können, sondern nur noch ausgesprochen werden müssen.

Gerade diese gesprochenen Elemente geben dem Stück zusätzliche Würde. Sie vermeiden übertriebenes Pathos und treffen dennoch direkt. Wenn das Album irgendwo seine zentrale Aussage formuliert, dann hier: Heilung ist nicht immer hell, sauber und eindeutig. Manchmal besteht sie nur daraus, weiterzugehen, obwohl alles nach Rauch riecht. Sterbenswille finden für diesen Gedanken eine musikalische Sprache, die bedrückend und zugleich erstaunlich kraftvoll ist.

Nachglimmender Staub und das letzte dunkle Aufbäumen

Mit „Asche“ folgt anschließend ein weiteres instrumentales Stück. Das Knistern von Feuer setzt sofort ein klares Bild. Man sieht förmlich die letzten Glutreste vor sich, während akustische Gitarren eine melancholische Stimmung zeichnen. Der Song verzichtet auf Gesang und große Ausbrüche, gewinnt aber gerade dadurch an Wirkung. Nach all der Schwere wirkt „Asche“ wie ein kurzer Blick auf das, was übrig bleibt.

Dabei ist das Stück weit mehr als ein atmosphärischer Einschub. Es zeigt, dass Sterbenswille auch ohne vokale Extreme Spannung erzeugen können. Die Gitarren tragen eine stille Traurigkeit in sich, ohne kitschig zu werden. Das Feuer knistert, aber es wärmt nicht wirklich. Es erinnert eher daran, dass etwas verbrannt ist.

Als Abschluss wartet schließlich „Dunkelheit“, entstanden mit Liz von Roxton. Der Song beginnt mit akustischen Gitarren und streicherartigen Elementen, bevor er sich noch einmal zu massiven Black-Metal-Wänden aufrichtet. Hier bündeln Sterbenswille ein letztes Mal Brachialität, Melancholie und dramatische Atmosphäre.

Die Beteiligung von Liz von Roxton ist dabei ein echter Gewinn. Ihr melodischer Gesang bildet einen wirkungsvollen Kontrast zu den härteren, verzweifelten Passagen und gibt dem Song eine menschliche, beinahe verletzliche Öffnung. Das wirkt nicht wie ein kalkulierter Gastbeitrag, sondern wie ein notwendiger Gegenpol. Als würde eine zweite Stimme aus der Dunkelheit antworten, ohne sie einfach vertreiben zu können.

Inhaltlich passt „Dunkelheit“ perfekt ans Ende des Albums. Noch einmal geht es um Erschöpfung, innere Leere, Verzweiflung und den Wunsch nach Erlösung. Doch durch die melodischen Elemente bekommt das Stück eine andere Färbung. Es bleibt finster, aber nicht vollkommen verschlossen. Genau diese Ambivalenz ist die große Stärke von „Asche & Licht“. Das Album kennt den Abgrund, aber es macht aus ihm keine Pose.

Fazit

„Asche & Licht“ ist ein starkes, intensives und erstaunlich geschlossenes Album geworden. Sterbenswille liefern hier keinen beliebigen Black-Metal-Ausbruch von der Stange, sondern ein Werk mit Konzept, emotionaler Substanz und kompositorischem Anspruch. Die Band verbindet rohe Energie mit atmosphärischer Tiefe, Härte mit Melancholie und Dunkelheit mit jenen kleinen Lichtspuren, die nicht laut triumphieren, aber trotzdem nicht verschwinden.

Besonders überzeugend ist, dass Sterbenswille ihre Themen nicht billig ausschlachten. Depression, Verlust, Selbstzerstörung und Verzweiflung werden nicht als düstere Dekoration benutzt, sondern als ernsthafte innere Zustände behandelt. Dadurch wirkt das Album glaubwürdig und an vielen Stellen beklemmend nah. Man hört hier keine aufgesetzte Finsternis, sondern Musik, die sich mit Schmerz auseinandersetzt, ohne daran zu ersticken.

Schlusswort

Auch musikalisch funktioniert „Asche & Licht“ auf hohem Niveau. Die Gitarren schaffen dichte, kalte und zugleich melodisch greifbare Räume. Das Schlagzeug treibt mit Wucht, bleibt aber dynamisch genug, um den Songs Luft zu lassen. Der Bass gibt dem Material ein solides Fundament, während die atmosphärischen Elemente nie bloß Schmuck sind. Sie tragen entscheidend zur Wirkung bei. Mit G3ist haben Sterbenswille zudem eine Stimme, die den emotionalen Kern der Platte überzeugend nach außen reißt.

Zu den stärksten Momenten zählen „Verzweiflung“, „Selbstzerstörung“, „Depression“, „Zwischen Asche & Licht“und „Dunkelheit“. Doch auch die instrumentalen Passagen sind wichtig, weil sie dem Album Struktur und Atem geben. „Breath of Silence“ und „Asche“ verhindern, dass die Platte in permanenter Schwere erstarrt. Sie sind keine Pausenfüller, sondern notwendige Zwischenräume.

Am Ende bleibt ein Album, das lange nachhallt. „Asche & Licht“ ist wuchtig, traurig, zerrissen, atmosphärisch und stellenweise fast unangenehm direkt. Genau das macht es so gut. Wer modernen Post-Black-Metal sucht, der nicht nur auf Klangtapete, sondern auf emotionale Konsequenz setzt, sollte an Sterbenswille nicht vorbeigehen. Dieses Album brennt nicht hell und sauber. Es glimmt tief in der Brust weiter.

Sterbenswille - Depression

Internet

Sterbenswille - Asche & Licht - CD Review

VERBA SERPENTIS – Torchbearers

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Verba-Serpentis_Torchbearers-EP_Coverartwork
Verba-Serpentis_Torchbearers-EP_Coverartwork

Band: VERBA SERPENTIS 🇦🇹
Titel: Torchbearers
Label: Self-Released
VÖ: 15/05/26
Genre: Melodic Black Metal

Tracklist

01. Ad Majorem Sathanas Gloriam
02. Ascension of the Golden Age
03. Consciousness
04. Torchbearers
05. Spheres of Darkness

 

Besetzung

Achlycet – Guitar & Vocals
Malphas – Guitar
Somnifer – Bass
Tenebris – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

Nicht nur Skandinavien ist ein Inspirationsquell für romantischen Black Metal – unser schönes Kärnten ist ebenso bekannt für einen Hotspot an Schwarzmetallern. VERBA SERPENTIS erhöhen seit 2024 die Band-pro-Quadratkilometer-Anzahl in Klagenfurt und präsentieren uns bereits ihre zweite EP namens „Torchbearers“. Mit dieser zeichnen sie ein deutlicheres Bild ihrer musikalischen sowie theatralischen Vision, womit sie klare Unterschiede zu ihrer ersten EP „Ophidic Gnosis“ erkennen lassen.

Ausgewogener Sound

Das erste, das auffällt, wenn man „Torchbearers“ anhört, ist der Sound: Er ist wunderbar ausgewogen. Anstatt auf Kassettenrecorderklang zu setzen, haben sich VERBA SERPENTIS für ein zeitgemäßes, modernes Klangbild entschieden. Hinsichtlich der melodischen sowie atmosphärischen Akzente ist diese Entscheidung auch passend, ja, sogar notwendig, um die feinen Nuancen nicht zu ersticken. Der Sound hat aber trotzdem etwas Erdiges, um nicht steril zu klingen.

Das Bandkonzept

Wie bereits angedeutet, nutzen VERBA SERPENTIS Melodien und Atmosphäre bewusst, um dem rauen musikalischen Grundgerüst einen mystischen Touch zu verleihen. Nicht umsonst heißt es in der Biografie der Band, dass sie als künstlerisches und spirituelles Gefäß von den Gründungsmitgliedern Achlycet und Tenebris gegründet wurde. In diesem Sinne geht das Bandkonzept über die Musik hinaus und schließt ebenso ihre visuelle und symbolische Komponente ein. Wir konzentrieren uns hier aber auf die Musik.

Melodie und Atmosphäre treffen auf Black Metal

Melodische sowie atmosphärische Akzente werden primär mit den Gitarren erschaffen. Groovige Elemente fließen vereinzelt ebenso mit ein (z. B. „Ad Majorem Sathanas Gloriam“) und sorgen für interessante Hooks. Im Titeltrack „Torchbearers“ demonstriert die Band sehr gut, wie eine epische Grundstimmung anhand der Gitarren transportiert werden kann. Der Gesang von Achlycet ist keifend und teuflisch und trägt somit nicht zur melodischen Akzentuierung bei. Die Stimme mag gewöhnungsbedürftig sein, hat aber definitiv Biss. Tenebris untermalt die Stimmungswechsel am Schlagzeug mit viel Fingerspitzengefühl, während Somnifer den nötigen Unterdruck mit seinem Bass liefert.

Musikalische Umsetzung vs. Vision

Während uns die Kärntner ein fokussiertes Bandkonzept auf den Tisch legen, wirkt die musikalische Umsetzung nicht gänzlich ausgereift. Nach mehrmaligem Hören bleibt der Eindruck, dass „Torchbearers“ schwer solide, aber zu brav ist – und das liegt nicht an der Einflechtung von Melodik. Es ist das berühmte gewisse Etwas, das fehlt, was jedoch schwer konkret zu erfassen ist. Der Opening-Track, „Ad Majorem Sathanas Gloriam“, sowie der letzte Titel, „Spheres of Darkness“, haben z. B. eine schöne Hauptmelodie, aber den Liedern fehlt die Dynamik. Die Songbausteine greifen zaghaft ineinander und packende Momente fehlen.

Letzteres hat bei „Ascension of the Golden Age“ besser funktioniert. Die Stimmung ist hier sofort merklich düsterer, obwohl das Tempo ebenfalls im Mittelbereich bleibt. Die Instrumentalpassage vor den Strophenelementen ist musikalisch interessant. Die kurzen Pausen lenken immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Speziell die Gitarren- und Schlagzeugvariationen machen dieses Lied spannend. Der Titeltrack „Torchbearers“ gehört ebenfalls zu den stärkeren Momenten auf der EP. Das treibende Blast-Beat-Intro fesselt den Hörer automatisch. Die Strophen schaffen einen guten Kontrast zum Refrain. Die Blast-Momente sind gut gewählt und auch der Übergang in den letzten Akt des Liedes wurde dramaturgisch gut umgesetzt.  

Fazit

Mit „Torchbearers“ liefern VERBA SERPENTIS eine atmosphärisch dichte Black-Metal-EP, die vor allem durch den ausgewogenen Sound punktet. Die Mischung aus melodischen Gitarren, mystischer Stimmung und roher Grundhärte zeigt, wohin die Reise der Kärntner gehen soll. Gleichzeitig offenbart die EP aber auch, dass die musikalische Vision noch nicht in allen Momenten ihr volles Potenzial entfaltet. Einige Songs wirken trotz guter Ansätze zu zurückhaltend und lassen jene Intensität vermissen, die wirklich nachhaltige Wirkung erzeugt.

Internet

VERBA SERPENTIS – Torchbearers

THE GHOULSTARS – The Dark Overlords of the Universe

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THE GHOULSTARS - The Dark Overlords of the Universe - cover artwork
THE GHOULSTARS - The Dark Overlords of the Universe - cover artwork

Band: THE GHOULSTARS 🇫🇮
Titel: The Dark Overlords of the Universe
Label: Season of Mist
VÖ: 15/05/26
Genre: Horror Punk, Metal

Tracklist

01. Too Ghoul for School
02. The Dead in Purgatory
03. Zombie Apocalypse
04. The Dark Overlords of the Universe
05. The Brain That Wouldn’t Die
06. Graverobbers from Outer Space
07. The Wolfman
08. The Ballad of the Cursed Bandits
09. Vampire
10. They Dance Upon Our Graves

 

Besetzung

Markus „Daddy Ghoul“ Laakso – Guitars
Toni „Ghoulio“ Ronkainen – Drums
Arthur „LL Ghoul A“ Thure – Vocals
Markus „Hella Ghoul“ Makkonen – Bass

 

Bewertung:

4,5/5

THE GHOULSTARS liefern mit »The Dark Overlords of the Universe« ein Debüt, das sich wie eine schmutzige Videothek aus den Achtzigern anfühlt, nur dass die Filme hier laut brüllen, verzerrt klingen und ständig nach frischem Grabstaub riechen. Die Band taucht seit 2021 immer wieder im finnischen Underground auf, ohne bislang ein vollständiges Album veröffentlicht zu haben. Jetzt wird die Tür zur Gruft endlich weit aufgestoßen.

Horror, Humor und ein bisschen Wahnsinn

Schon der Einstieg macht klar, wohin die Reise geht. »Too Ghoul for School« tritt das Tor ein, ohne lange zu fackeln, und verbindet schnellen Punk-Drive mit metallischer Schärfe. Der Sound wirkt bewusst roh, aber nicht unkontrolliert. Vielmehr klingt alles so, als hätte man eine alte Splatter-Komödie in eine laute Clubshow übersetzt.

»Zombie Apocalypse« und »The Dead in Purgatory« halten das Tempo hoch, setzen aber stärker auf Groove und Mitsing-Refrains. Genau hier zeigt sich die Stärke des Albums. Die Songs funktionieren sofort, bleiben hängen und tragen gleichzeitig diese leicht überdrehte Horror-Ästhetik, ohne zur Parodie zu werden.

Zwischen B-Movie und Metal-Bühne

Der Titeltrack »The Dark Overlords of the Universe« ist das Zentrum der Platte. Düsterer aufgebaut, etwas breiter arrangiert und mit einem Hauch epischer Atmosphäre. Hier treten auch die Gaststimmen stärker in den Vordergrund. Mathias „Vreth“ Lillmåns bringt zusätzliche Growls ins Spiel, während Tommi „Tuple“ Salmela bei den Backing Vocals für eine fast theatralische Note sorgt. Diese Momente geben dem Song eine zweite Ebene, ohne den typischen Punk-Impuls zu verlieren.

Tracks wie »Graverobbers from Outer Space« oder »The Wolfman« arbeiten stärker mit klassischen Horrorfilm-Motiven. Gitarren und Drums bleiben dabei klar im Vordergrund, der Bass sorgt für eine angenehm dunkle Unterströmung. Die Produktion lässt genug Luft, damit der rohe Charme nicht verloren geht.

Vielfalt im kleinen Rahmen

Die zweite Hälfte des Albums zeigt mehr Dynamik, als man auf den ersten Blick erwarten würde. »The Ballad of the Cursed Bandits« nimmt das Tempo raus und bringt eine überraschend melodische Seite ins Spiel. Fast schon ein kleiner Ruhepol, bevor »Vampire«wieder direkter und punkiger nach vorne geht.

»They Dance Upon Our Graves« beendet das Album schließlich mit einer Mischung aus Energie und düsterem Augenzwinkern. Kein klassisches Finale im Sinne eines großen Pathos, sondern eher ein letzter Tanz in einem verstaubten Friedhofsclub.

Produktion und Soundbild  

Produziert wurde das Album von Markus Laakso selbst, was man dem Gesamtbild deutlich anhört. Alles wirkt aus einem Guss, aber nicht glattgebügelt. Die Mischung von V. Santura im Woodshed Studio in Deutschland sorgt dafür, dass die Gitarren scharf genug bleiben, während die Drums genug Druck entfalten, ohne die punkige Rauheit zu verlieren.

Gerade diese Balance macht den Reiz aus. Es ist kein überproduziertes Metal-Produkt, sondern ein bewusst kantiger Sound, der die Energie der Songs trägt.

»The Dark Overlords of the Universe« ist ein Debüt, das seine Idee konsequent durchzieht. Horror-Punk trifft Metal, dazu eine klare Vorliebe für B-Movie-Ästhetik und eine Spielfreude, die man sofort spürt. Nicht jeder Song überrascht stilistisch, aber die Mischung aus Tempo, Humor und dunklem Charme funktioniert über die gesamte Spielzeit. Mit 4,5 von 5 Punkten landet das Album ziemlich weit oben im Regal für alle, die Lust auf eine Mischung aus Horrorfilm-Feeling und druckvollem Underground-Sound haben.

Fazit: »The Dark Overlords of the Universe« von THE GHOULSTARS ist mehr als nur ein Album, es ist eine dunkle Reise in die Welt der Monster, Mächte und des Chaos.

Internet

THE GHOULSTARS - The Dark Overlords of the Universe - CD Review

HEAVENFALL – Thorn

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Heavenfall - Thorn - cover artwork
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Band: Heavenfall 🇮🇹
Titel: Thorn
Label: Rockshots Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Heavy Metal/Melodic Metal/Progressive Heavy Metal

Tracklist

01. Squall-led
02. Sudden Zenith
03. No Candlelight
04. This Illusion
05. Left Apart
06. Lingering Under The Acid Rain
07. Midwinter In July
08. Ora Pro Nemine
09. Midnightingale
10. The Wind Chimes Garden
11. Stramonium

Besetzung

Dest – Vocals
Pave – Guitars
Giò – Guitars
Nick – Bass
Panta – Drums

Bewertung:

3,5/5

Heavenfall sind keine Band, die sich erst noch beweisen muss. Seit 2003 arbeiten sich die Italiener an einer eigenen Heavy-Metal-Sprache ab, die im klassischen Fundament wurzelt, aber mit dunkleren, introspektiveren und progressiveren Elementen angereichert wird. Nach dem Debüt »Falling From Heaven« und der EP »The Besiders«erscheint mit »Thorn« nun das neue Album über Rockshots Records.

Schon der Titel trifft ziemlich genau den Kern. »Thorn« ist kein Album, das nur glänzen will. Es sticht, kratzt und arbeitet sich langsam unter die Haut. Die Platte beschäftigt sich mit inneren Verletzungen, verpassten Chancen, Selbsttäuschung, Einsamkeit, Glaubensverlust und der Frage, wie viel Schutz ein Mensch ertragen kann, bevor dieser Schutz selbst zum Käfig wird.

EIN STURM ALS AUFTAKT

Eröffnend mit »Squall-led« begrüßt Heavenfall den Zuhörer mit einem kurzen Regeneffekt, ehe wenige Augenblicke später klar wird, was die Band auf dem Kerbholz hat. Zuerst brachial einleitend und dann im Verse gezügelter in der Rhythmik, entwickelt sich der Song zu einem ordentlichen Brett. Komplexe Drums geben sich nicht einfach mit Schema F zufrieden, sondern lassen hier und da auch Doublebass-Einlagen zu.

Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen, treiben galoppierende Powerchords simultan mit dem Bass das Arrangement voran. Darüber setzt Sänger Dest seine Stimme, die einerseits die typische hohe Heavy-Metal-Lage bedient, andererseits aber auch druckvoll und durchaus aggressiv werden kann. Seine Stimme passt zur Musik wie der Deckel auf den Topf und liefert über weite Strecken den melodischen Leitfaden.

Inhaltlich handelt »Squall-led« davon, aus Fehlern, Stürmen und schmerzhaften Erfahrungen eine Bedeutung zu ziehen, ohne sich erneut von Trauer oder alten Mustern verschlucken zu lassen. Die Zeichen sind da, doch sie richtig zu lesen, bleibt der eigentliche Kampf.

HELLES LICHT, DUNKLE ANGST

Mit einem hochtonigen Lead, das inspirierend aus der Anlage kommt, empfängt »Sudden Zenith« den Hörer. Hier wird sofort klar, dass Heavenfall den melodischen Heavy Metal nicht nur verwalten, sondern mit ordentlich Drama aufladen wollen. Dest klingt stellenweise stark von Bruce Dickinson beeinflusst. Das ist zwar nicht unbedingt schlecht und steht dem Song durchaus gut, lässt aber manchmal den Schatten der eisernen Jungfrauen etwas deutlich über dem Stück hängen.

Treibende Drums, satte Bässe und Rhythmusgitarren im Unisono bilden die gewohnt metallische Grundlage. Die Melodie kommt vor allem aus dem Gesang und der Leadgitarre. Zwischen Midtempo und kurzen Geschwindigkeitsboosts wechselt der Song geschickt die Richtung. Dazu kommen Breaks, Leadparts und inspirierte Soli, die dem Stück das Sahnehäubchen aufsetzen.

Textlich beschreibt »Sudden Zenith« den Moment, in dem plötzlich etwas Helles, Positives und fast Erlösendes ins Leben tritt, zugleich aber die Angst entsteht, genau dieses Licht wieder zu verlieren. Der Song lebt von diesem Gegensatz aus Aufbruch und Verlustangst.

OHNE KERZENLICHT DURCH DIE NACHT

Mit einer düsteren Einleitung, die zunächst eine gewisse Ruhe ausstrahlt, führt »No Candlelight« in eine andere Stimmung. Schwere Gitarrenshots und Drumfills gesellen sich dazu, und wenn man das Sounddesign dieser Nummer in Bildern beschreiben müsste, dann wäre es ein Unheil, das sich langsam ankündigt.

Der Song ist im mittleren Tempo gehalten, schwenkt zwischendrin aber auch in Doublespeed um. Progressive Schnörkel in Gitarren, Bass und Arrangement sorgen dafür, dass »No Candlelight« nicht einfach geradeaus marschiert, sondern sich immer wieder neu öffnet.

Inhaltlich geht es um Entwurzelung, innere Unruhe und die Suche nach Zugehörigkeit. »No Candlelight« ist ein Song für Menschen, die keinen Ort finden, an dem sie wirklich ankommen. Nicht jugendliche Orientierungslosigkeit allein steht im Zentrum, sondern ein allgemeines Gefühl des Fehl-am-Platz-Seins. Musikalisch unterstreichen messerscharfe Riffs, fingerfertige Soli und melodische Präzision die Ambition der Band, auch wenn der Song kompositorisch stellenweise etwas angestrengt wirkt.

ILLUSIONEN IM GALOPP

In dem zügigen und stampfenden »This Illusion« geht es im Galopp-Powerchord-Modus weiter, ohne angezogene Handbremse. Jaulende Gitarrenakzente setzen hier und da Reizpunkte, während die Leadgitarren erneut einen amtlichen Job machen. Der Song besitzt eine mechanischere, martialischere Schlagseite und wirkt dadurch härter, kantiger und weniger romantisch als die vorherigen Stücke.

Inhaltlich kreist »This Illusion« um die Suche nach einem Gegenüber, das die eigenen Kämpfe, Ziele und Leidenschaften wirklich versteht. Gleichzeitig steht die bittere Erkenntnis im Raum, dass diese Verbindung vielleicht nur Wunschdenken bleibt. Der Mensch sucht Nähe, findet aber Leere. Genau daraus entsteht die eigentliche Härte des Songs.

WAS MAN LIEGEN LÄSST

Melancholisch, ja eigentlich schon gefühlvoll präsentieren Heavenfall mit »Left Apart« eine ruhigere Seite. Völlig ohne Verzerrung und mit viel Hall geht der Song zunächst den Weg einer stilleren Nummer. Diese Ruhe wird jedoch bald von einer druckvollen Soundwall aus Metalbass und Gitarre unterbrochen, bevor der Verse wieder Raum für den sanfteren Ton der Stimme lässt.

Hier zeigt sich, dass Heavenfall nicht nur laut können. Die Band versteht es, eine melodische Heavy-Metal-Maschine kurz zurückzufahren, ohne ihre Spannung zu verlieren. Wenn der kräftige Bandapparat wieder einsetzt, wirkt das nicht beliebig, sondern wie ein emotionaler Rückschlag.

Lyrisch geht es in »Left Apart« um all jene Dinge, die man im Leben beiseiteschiebt, weil man glaubt, später noch Zeit dafür zu haben. Doch manchmal ist später nur ein anderes Wort für zu spät. Der Song trägt genau dieses Bedauern in sich, ohne in reinen Kitsch abzurutschen.

UNTER SAUREM REGEN

»Lingering Under The Acid Rain« eröffnet mit einem mehrstimmigen Chor, den man so zunächst nicht erwartet hätte. Nach einem tom-betonten Drumfill scheint die Band erst einen weiteren Metalkracher im mittleren Tempo mit Doublebass-Druck abzufeuern. Denkste. Nach dem ersten Kopfschütteln setzen Heavenfall einen triolenbetonten Bass und akustische Gitarren ein, um den warmen Gesang von Dest strahlen zu lassen.

Gerade dieser Wechsel macht den Song spannend. Das Arrangement schwenkt zwischen ruhiger Innerlichkeit und griffigem, powerchordgeladenem Heavy Metal hin und her. Mit gänsehautverursachender Stimme wird hier ein melodisches Stück modernen Heavy Metals präsentiert, das stärker wirkt, weil es seine Dynamik nicht verschenkt.

Inhaltlich ist »Lingering Under The Acid Rain« ein Weckruf. Der Song behandelt das Feststecken in alten Erinnerungen und die Erkenntnis, dass Veränderung nicht von außen kommt. Wer unter seinem eigenen sauren Regen stehen bleibt, darf sich nicht wundern, wenn innerlich etwas abstirbt. Das epische Gitarrensolo im letzten Viertel krönt diese druckvolle Nummer würdig.

METALTANGO IM SOMMERFROST

Bei »Midwinter In July« bittet die Band im mittleren Tempo zum Metaltango. Der Song kommt druckvoll aus den Boxen und sprüht vor selbstbewusstem Können der hier amtierenden Musiker. Natürlich erfinden Heavenfall das Rad nicht neu, doch besonders durch den Gesang bleibt die Nummer direkt im Gedächtnis hängen.

Lyrisch erzählt »Midwinter In July« von innerer Kälte, die man hinter einem Lächeln versteckt. Nach außen wirkt alles kontrolliert, doch unter der Oberfläche friert etwas fest. Dieses Bild vom Winter mitten im Juli passt hervorragend zur musikalischen Grundstimmung: schwer, groovend und klaustrophobisch, aber nie völlig hoffnungslos.

GLAUBE, MACHT UND FALLENDE MASKEN

Nach einem kurzen Spoken-Word-Part von Alex Hruban führt »Ora Pro Nemine« in gemäßigterem Tempo und mit fast balladesker Melodieführung durch Gesang und Leadgitarre weiter. Vernünftig strukturiert im Zusammenspiel von Schlagzeug, Bass und Gitarren entsteht hier die Grundlage für eine melodisch starke Gesangsleistung.

Inhaltlich richtet sich »Ora Pro Nemine« gegen religiöse Heuchelei, Machtmissbrauch und Institutionen, die Schwäche ausnutzen, um ihre eigene Stellung zu festigen. Der Song greift nicht Glauben als persönliche Erfahrung an, sondern die Maschinerie, die daraus Kontrolle, Reichtum und Unterwerfung formt. Im letzten Drittel wird natürlich das obligatorische Gitarrensolo zum Besten gegeben, das dem Stück eine weitere emotionale Komponente verleiht.

NACHTIGALLEN UND VERLORENE REINHEIT

Mit »Midnightingale« zeigt Heavenfall eine der introspektivsten Seiten des Albums. Der Song ist als Powerballade angelegt und wird durch den Violin-Beitrag von Filippo Pedretti zusätzlich veredelt. Hier geht es weniger um metallische Muskelkraft als um bittersüße Melodien, Sehnsucht und das Festhalten an einem inneren Kern, der von der Welt nicht vollständig beschädigt werden soll.

Textlich handelt die Nummer von verlorenen Hoffnungen, von Menschen, die nachts durch eigene Erinnerungen wandern, und vom Wunsch, sich trotz aller Enttäuschungen ein Stück kindlicher Reinheit zu bewahren. Gerade in einem langen Album wie »Thorn« ist dieser Moment wichtig, weil er nicht nur Tempo herausnimmt, sondern emotionale Tiefe schafft.

DER GARTEN ALS KÄFIG

Mit leidenschaftlicher Melodieführung leiten Heavenfall dann zu »The Wind Chimes Garden« über. Der Song ist ein kraftvoller, melodischer Heavy-Metal-Stampfer und zeichnet sich durch die gewohnte Klasse aus: druckvolle Metalgitarrenpracht, kompositorische Fingerfertigkeit und eine Produktion, die ordentlich schiebt.

Der Iron-Maiden-nahe Gesang steht dem Werk gut, wobei die Band fließend zwischen mittlerem und gedoppeltem Tempo wechselt. Arpeggio-artiges Spiel der Leadgitarre ziert hier und da den melodischen Teil. Klavierklänge sorgen für unvorhergesehene Wendungen im Arrangement, die kurz aufblitzen und melancholisch düster klingen.

Inhaltlich beschreibt »The Wind Chimes Garden« einen Schutzraum, der zur Gefangenschaft wird. Sicherheit wird hier als goldener Käfig gedacht. Der Song stellt die entscheidende Frage: Ist es das wert, nicht verletzt zu werden, wenn man dafür die eigene Freiheit verliert?

GIFTPFLANZE ALS FINALE

Zum krönenden Abschluss gibt es mit »Stramonium« noch einmal ordentlich Druck auf die Ohren. Wucht im mittleren Tempo, thrashige Riffs, solide Midtempo-Passagen und melancholische Momente sorgen dafür, dass das Finale seiner Rolle gerecht wird. Die Nummer ist komplex, wirkt aber nicht so sperrig, wie sie auf dem Papier sein könnte.

Lyrisch behandelt »Stramonium« Selbsttäuschung, das Festhalten an Träumen und die bittere Notwendigkeit, sich manchmal selbst eine Lüge zu erzählen, um weitergehen zu können. Der Song wirkt wie eine innere Überlebensstrategie: Man weiß, dass manches Gift ist, nimmt es aber trotzdem, weil es kurzfristig die Kraft gibt, nicht unterzugehen.

Gerade als Abschluss funktioniert »Stramonium« gut, weil es viele Facetten des Albums bündelt: schwere Riffs, große Melodien, dunkle Gedanken und diesen dauerhaften Zwiespalt zwischen Aufbruch und Absturz.

PRODUKTION UND GESAMTWIRKUNG

Der druckvolle Mix und das Mastering runden »Thorn« amtlich ab. Die Produktion bleibt klar, ohne die Härte zu glätten. Das Ergebnis besitzt Balance, Druck und genug Transparenz, um die komplexeren Arrangements nicht im Klangnebel verschwinden zu lassen.

Gerade die eingespielte Grundlage hört man vielen Momenten an. Heavenfall wirken nicht wie eine Band, die zufällig Riffs aneinanderklebt, sondern wie Musiker, die ihren Heavy Metal bewusst mit introspektiver Schwere aufladen.

Ganz frei von Schwächen ist »Thorn« dennoch nicht. Mit elf Songs ist das Album lang geraten, und nicht jede Komposition hält ihre Spannung durchgehend. Manche Stücke verlieren sich etwas in ihrem eigenen Anspruch, andere hätten mit etwas Straffung noch stärker getroffen. Doch selbst dort, wo die Platte leicht ausfranst, bleibt das handwerkliche Niveau hoch.

FAZIT

»Thorn« von Heavenfall ist ein starkes, ambitioniertes und emotional aufgeladenes Heavy-Metal-Album, das klassische Genretradition mit moderner Schwere und progressiver Detailarbeit verbindet. Die Band liefert keine bloße Nostalgie, sondern einen Sound, der seine Wurzeln kennt und trotzdem nach vorne denkt.

Besonders stark sind die druckvolle Rhythmusarbeit, die satten Bässe, die melodisch wie technisch überzeugenden Gitarren und die markante Stimme von Dest, die zwischen hoher Heavy-Metal-Linie, Gefühl und aggressiver Kante pendelt. Inhaltlich greift »Thorn« tief in die emotionale Wundtasche: Schuld, Suche, Kälte, Illusion, Glaubensbruch und Selbstschutz ziehen sich wie ein Dorn durch das Album.

Nicht jeder Song überzeugt durchgehend, und stellenweise wäre weniger mehr gewesen. Trotzdem ist »Thorn« kein schlechtes Werk, ganz im Gegenteil. Heavenfall zeigen, dass Heavy Metal auch 2026 noch traditionell, melodisch, druckvoll und zugleich persönlich klingen kann.

Schaut den Clip No Candlelight

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HEAVENFALL - Thorn - CD Review

SOMNIA FINEM – Desassossego

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cover artwork SOMNIA FINEM Desassossego
cover artwork SOMNIA FINEM Desassossego

Band: SOMNIA FINEM 🇵🇹
Titel: Desassossego
Label: Signal Rex
VÖ: 29/05/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Sinfonia de Mim
02. Prisão da Razão
03. Desassossego
04. Sonho Lúcido
05. Marioneta Partida
06. Sonhos Mortos

Besetzung

Bewertung:

2,5/5

Eine brandneue portugiesische Band, SOMNIA FINEM präsentiert ihr Debütalbum. Sie beschreiben ihren musikalischen Stil als „Die Ästhetik der Band orientiert sich enger an südeuropäischen Klängen aus der zweiten Hälfte der 90er, besonders Italien, Frankreich und Griechenland.“ Die Musik, die man tatsächlich auf dem Album hört, ist roher, vage melodischer Old-School Black Metal.

Endlose Stille lässt an Technik zweifeln

Ein sehr langes White-Sound-Intro lässt einen prüfen, ob alles verbunden und funktionierend ist, so begrüßt das Album den Hörer. Als es endlich startet, kommt „Sinfonia de Mim“ mit rohem Black Metal Klang, eine Mid-Tempo-Komposition, die den musikalischen Stil der Band enthüllt. Ziemlich melodisch, ergänzt mit wilden und verzweifelten Shrieks und mild aggressiver Instrumentierung.

SOMNIA FINEM sind eine weitere Band, die dem Trend folgt, sich unter Mysterium zu verbergen, keine Details über Bandmitglieder oder ihre vergangene Erfahrung preiszugeben. Schaut man näher auf das finale Produkt, mit dem sie kommen, eine bessere Idee, unbenannt zu bleiben. Eine portugiesische Band, das ist alles, was wir wissen müssen.

Prisão da Razão“ bringt besseres Tempo, roheren Klang, die ganzen Instrumente fallen plötzlich in den Hintergrund, und nach der kurzen Eröffnungssequenz wird auch der Rhythmus viel langsamer. Außer diesen Rhythmuswechseln, die etwas Dynamik bringen sollten, ein ziemlich fader Song, gewöhnlich und bringt nichts Ungehörtes. Mit der Song-Mitte als instrumentale Passage und rein atmosphärisch, soft und melancholisch, zeigen sie einmal mehr ihren eklektischen Stil. Mit guter melodischer Linie einer der interessantesten Songs des LP.

Pessoa-Inspiration zeigt Ambition und Risikobereitschaft

Textlich basiert das Album auf Fernando Pessoas „Livro do Desassossego“ – eine „faktenlose Autobiografie“, die vom Autor unediert gelassen und posthum veröffentlicht wurde. Unnötig, die Wichtigkeit des Buches in europäischer Literatur zu betonen oder noch weniger, wie enorm einflussreich Fernando Pessoa nicht nur für portugiesische Literatur und Kultur war, sondern auf viel breiterer Ebene. Zurück zur Musik: Inspiration von solch repräsentativem und wichtigem Werk zu holen, zeigt Band-Ambition. Denselben Titel wie das Kultbuch zu benutzen, kann allerdings riskanter Ansatz von Debütanten sein.

Und der Titelsong „Desassossego“ ändert nicht viel die ganze Klanglandschaft, vage melodisch, mit langem gesprochenen femininen Vocal-Beitrag, ein Stereotyp, das den Klang nicht wirklich bereichert. Verzweifelte, gequälte Shrieks kompensieren die uninspirierten gesprochenen Passagen und eine traurige, melancholische Melodie.

Schlechte Produktion mit langen Stille-Passagen

Die Produktion ist weit von gut entfernt, beginnt mit der Entscheidung, als Teile der Songs sehr lange Passagen zu lassen, wo kein Klang gehört werden kann, unprofessionell und ein klarer Fehler. Man nimmt an, dass der rohe Klang künstlerische Band-Vision ist, der ganze Klang ist schlecht, schlammig, unklar, macht der Musik keinen Gefallen, die manchmal nur erraten werden kann unter der lauten und unklaren Instrumentierung.

Und das Album setzt sich fort wieder mit stillen Passagen, insgesamt keine große Veränderung im Ansatz. „Sonho Lúcido“ bringt ritualistische Klagen, traditionelle Musik aus Südeuropa, um den Track zu eröffnen, der Song selbst kommt mit derselben Mischung aus aggressiven und soften Klängen. „Marioneta Partida“ unterscheidet sich nicht zu sehr vom Rest des Albums, langsame Musik und depressive Vocals. Nicht viel Unterschied zwischen Songs, unterstreicht den mittelmäßigen Ansatz.

Der Final Track „Sonhos Mortos“ setzt unerschütterlich den Klang fort, lässt einen fühlen, als hätten wir denselben Song vom Album-Anfang gehört. Dennoch ein plötzliches Uptempo und Drums, die zum ersten Mal klar gehört werden können, eine prägnante Leadgitarren-Solo, auch wenn nichts musikalisch Neues, repräsentiert auf dem Album etwas Neues. Am Ende bringt das Stück allerdings nicht viel Neues oder Interessantes.

Überhöhte Ambitionen mit Pessoa-Bezug

Ihren Namen neben Pessoa zu setzen, erweist sich tatsächlich als riskante Idee, die SOMNIA FINEM nichts Gutes bringt. Erstens katapultiert das sie in eine Stratosphäre, die offensichtlich zu viel für Debütanten war. Zweitens ist es, Pessoas Meisterwerk mit rohem und gewöhnlichem Black Metal zu assoziieren, mehr Blasphemie als inspirierter Marketing-Trick. Und zeigt, dass die Band keine Bescheidenheit hat und keine bodenständigen Personen sind.

Ein ziemlich gewöhnliches, mittelmäßiges Black Metal Album. Auch mit guten Momenten sind diese selten und umgeben von uninspirierten Kompositionen, Songs zu ähnlich in Struktur und melodischer Linie. Die gesprochenen Passagen sind mehr ungewollte Intrusion in die Songs, gemacht nur, weil es trendy ist. Und vor allem macht die ziemlich schlechte Produktion das Hörerlebnis weit von einem angenehmen. Uniformer Klang, nicht sehr originale Songs, nichts Besonderes.

Fazit: SOMNIA FINEM liefern mittelmäßigen Raw Black Metal, unprofessionelle Produktion und maßlose Pessoa-Referenz verhindern Glaubwürdigkeit.

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SOMNIA FINEM - Desassossego

INTHRACED – Constellation Zero

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INTHRACED - Constellation Zero - cover artwork
INTHRACED - Constellation Zero - cover artwork

Band: INTHRACED 🇫🇮
Titel: Constellation Zero
Label: Inverse Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Melodic Symphonic Death Metal

Tracklist

01. The Revenant
02. Neon Frontiers
03. The Black Star
04. Darkest Chest
05. Constellation Zero
06. The Way Of The Voice
07. Lost Divinity

 

Besetzung

Tommi Takkunen – Guitar & Vocals
Mirko Byman – Guitar
Eetu Kovapohja – Bass
Antti Ikonen – Drums

 

Bewertung:

4/5

Zwischen Sternenstaub und Finsternis

Mit »Constellation Zero« legen die Finnen von INTHRACED ihr erstes vollständiges Album vor und verbinden darauf melodischen Death-Metal mit symphonischen Elementen, futuristischen Klangflächen und einer düsteren Science-Fiction-Atmosphäre. Die Band wurde bereits 2011 gegründet und machte mit den frühen Veröffentlichungen »The New Awakening« (2012) und »The Rising Chaos« (2014) erstmals auf sich aufmerksam. Spätestens mit der Single »Interstellar« aus dem Jahr 2019 war klar, dass hier keine gewöhnliche Melodic-Death-Metal-Kapelle am Werk ist.

Nach mehreren Umbesetzungen fand die Gruppe 2022 zu neuer Stärke zurück. Mit Gitarrist Mirko Byman und Bassist Eetu Kovapohja entstand frischer kreativer Schwung, der nun in »Constellation Zero« kulminiert. Komplettiert wird das Quartett von Sänger und Gitarrist Tommi Takkunen sowie Schlagzeuger Antti Ikonen. Produziert wurde das Album in Finnland, gemischt von Janne Korpela in den JK Mixing Studios und gemastert von Mika Jussila in den legendären Finnvox Studios, ein Qualitätsmerkmal, das man dem Sound in jeder Minute anhört.

Kosmische Atmosphäre mit scharfem Death-Metal-Kern

Schon der Opener »The Revenant« macht deutlich, wohin die Reise geht. Rasende Drums, melodische Leads und ein dichtes Keyboardfundament treffen auf aggressive Vocals, ohne jemals in kitschige Symphonic-Gefilde abzurutschen. INTHRACED schaffen den schwierigen Balanceakt zwischen Härte und Atmosphäre erstaunlich souverän.

Dabei erinnert die Grundstimmung stellenweise an die finnische Schule des Melodic-Death-Metal, allerdings ergänzt um moderne Science-Fiction-Klanglandschaften und fast cineastische Übergänge. Besonders die Gitarrenarbeit überzeugt. Takkunen und Byman liefern sich immer wieder harmonische Lead-Duelle, die den Songs Größe verleihen, ohne sich im Selbstzweck zu verlieren.

»Neon Frontiers« geht anschließend direkter nach vorne. Der Song verbindet treibende Riffs mit futuristischen Synths und besitzt beinahe industrielle Untertöne. Hier zeigt sich auch die Stärke von Schlagzeuger Antti Ikonen, dessen präzises Spiel den Stücken Druck verleiht, ohne sie zu überladen. Die Rhythmussektion hält die komplexeren Arrangements konstant zusammen.

Zwischen Melodie und Dunkelheit

Einer der stärksten Tracks des Albums ist »The Black Star«. Der Song entwickelt eine bedrückende, fast apokalyptische Stimmung und lebt von seinem starken Spannungsaufbau. Besonders die Wechsel zwischen aggressiven Passagen und melodischen Gitarrenlinien funktionieren hervorragend. Statt permanent auf Geschwindigkeit zu setzen, arbeitet die Band bewusst mit Dynamik. Dadurch bleiben die Stücke abwechslungsreich und entwickeln eine eigene Dramaturgie.

Auch »Darkest Chest« überzeugt mit massiven Riffs und einem gelungenen Zusammenspiel aus orchestralen Elementen und klassischem Death-Metal. Hier zeigt sich deutlich, dass INTHRACED ihre symphonischen Einflüsse gezielt einsetzen. Die Keyboards unterstützen die Atmosphäre, drängen sich aber nie unangenehm in den Vordergrund.

Der Titeltrack »Constellation Zero« bildet das emotionale Zentrum der Platte. Der Song wirkt größer, epischer und gleichzeitig melancholischer als die übrigen Stücke. Gerade in den melodischen Passagen entfaltet das Album seine größte Stärke. Die Band erzeugt Bilder von endlosen Sternenfeldern, zerstörten Welten und kalter Leere, ohne dabei den Fokus auf harte Gitarren zu verlieren.

Kleine Schwächen im letzten Drittel

Trotz vieler starker Momente bleibt »Constellation Zero« nicht völlig frei von Schwächen. Manche Arrangements wirken etwas zu vertraut, besonders für Hörer, die regelmäßig modernen Melodic-Death-Metal konsumieren. Einzelne Songstrukturen ähneln sich im späteren Verlauf des Albums stärker als nötig.

»The Way Of The Voice« und »Lost Divinity« sind zwar solide komponiert, erreichen aber nicht ganz die Intensität der stärkeren ersten Albumhälfte. Vor allem die Refrains hätten stellenweise markanter ausfallen dürfen. Hier fehlt manchmal jener letzte Funke Wiedererkennungswert, der aus guten Songs wirklich große Songs macht.

Dennoch bleibt die Qualität konstant hoch. Selbst die schwächeren Momente bewegen sich klar über Durchschnittsniveau. Zudem sorgt die starke Produktion dafür, dass das Album jederzeit kraftvoll und detailreich klingt. Besonders das Mastering von Mika Jussila verleiht den Songs eine beeindruckende Klarheit, ohne die notwendige Härte zu opfern.

Gelungener Einstieg mit viel Potenzial

Mit »Constellation Zero« gelingt INTHRACED ein überzeugendes Debütalbum, das Melodic-Symphonic Death-Metal mit futurischer Atmosphäre und dunkler Science-Fiction-Ästhetik verbindet. Die Finnen setzen nicht ausschließlich auf technische Spielereien oder sterile Perfektion, sondern erschaffen ein Werk mit Charakter und eigener Stimmung.

Vor allem Fans von melodischem Death-Metal mit atmosphärischem Tiefgang dürften hier auf ihre Kosten kommen. Die Mischung aus aggressiven Vocals, starken Gitarrenmelodien und sphärischen Elementen funktioniert über weite Strecken ausgezeichnet. Auch wenn nicht jeder Song gleich stark zündet, besitzt das Album genügend Highlights, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

INTHRACED zeigen mit diesem Werk, dass sie deutlich mehr sind als eine weitere Genreband aus Finnland. »Constellation Zero« ist ein ambitioniertes Album voller kosmischer Dunkelheit, melodischer Wucht und emotionaler Intensität. Der Blick in die Sterne fällt hier verdammt finster aus und genau das macht den Reiz dieser Platte aus.

Fazit: »Constellation Zero« ist ein Meilenstein für INTHRACED, das die Grenzen des Melodic-Symphonic-Death-Metal auslotet und dabei eine kosmische Atmosphäre schafft.

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INTHRACED - Constellation Zero - CD Review

PRO-PAIN – Stone Cold Anger

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PRO-PAIN - Stone Cold Anger - cover artwork
PRO-PAIN - Stone Cold Anger - cover artwork

Band: PRO-PAIN 🇺🇸
Titel: Stone Cold Anger
Label: Napalm Records
VÖ: 15/05/26
Genre: Hardcore, Groove/Thrash Metal

Tracklist

01. Oceans Of Blood
02. Stone Cold Anger
03. March Of The Giants
04. Uncle Sam Wants You!
05. Demonic Intervention
06. Rinse & Repeat
07. Hell Or High Water
08. Scorched Earth
09. Jonestown Punch
10. Sky’s The Limit

 

Besetzung

Gary Meskil – Bass, Vocals
Jonas Sanders – Drums
Greg Discenza – Lead Guitar
Eric Klinger – Rhythm Guitar

 

Bewertung:

4,5/5

Wut, Groove und Abrissbirne nach elf Jahren Funkstille

Über drei Jahrzehnte lang stehen PRO-PAIN für kompromisslosen Hardcore mit metallischer Schlagseite. Während viele Bands ihrer Generation längst auf Nostalgie setzen oder ihren Sound weichgespült haben, zieht die Truppe um Frontmann Gary Meskil weiterhin dieselbe Schneise der Verwüstung durch die Lautsprecher wie in den Neunzigern. Mit »Stone Cold Anger« meldet sich die Band nun nach elf Jahren Veröffentlichungspause zurück und liefert dabei genau das Album ab, das Fans erwartet haben, laut, aggressiv und verdammt direkt.

Besonders interessant ist die Rückkehr von Gitarrist Eric Klinger, der dem Sound erneut seine markante Handschrift verpasst. Gemeinsam mit Greg Discenza entsteht ein Gitarrendruck, der zwischen Groove-Metal, Hardcore und Thrash pendelt, ohne jemals den roten Faden zu verlieren. Dazu kommt Gary Meskils unverwechselbare Stimme, die klingt, als hätte sie Beton gefrühstückt.

Keine Experimente, sondern pure Gewalt

Schon der Opener »Oceans Of Blood« macht klar, dass PRO-PAIN keinerlei Interesse daran haben, moderne Trends zu bedienen. Der Song walzt mit brutalen Riffs und einem drückenden Rhythmus alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Dabei wirkt die Produktion angenehm roh, aber dennoch druckvoll genug, um jede Hookline mit voller Wucht zu transportieren.

Der Titelsong »Stone Cold Anger« setzt genau dort an und liefert einen dieser typischen PRO-PAIN-Grooves, die sofort in Nackenmuskeln einschlagen. Die Band versteht es weiterhin meisterhaft, simplen Rhythmus in pure Energie umzuwandeln. Hier wird nichts unnötig verkompliziert. Jeder Break sitzt, jeder Refrain wirkt wie ein Schlag mit dem Vorschlaghammer.

»March Of The Giants« marschiert mit beinahe militärischer Präzision nach vorne und zeigt die stärkste Thrash-Schlagseite der Platte. Jonas Sanders treibt den Song gnadenlos an, während die Gitarren förmlich Funken schlagen. Gerade das Zusammenspiel zwischen Rhythmus und Groove funktioniert auf dem gesamten Album bemerkenswert stark.

Hardcore mit Haltung

Auch textlich bleiben PRO-PAIN ihrer Linie treu. »Uncle Sam Wants You!« verbindet bissige Gesellschaftskritik mit aggressiver Punk-Attitüde und erinnert daran, dass die Band nie nur stumpfe Gewalt vertont hat. Statt plumper Parolen setzen PRO-PAIN weiterhin auf direkte Sprache und klare Aussagen.

»Demonic Intervention« und »Rinse & Repeat« gehören zu den härteren Brocken des Albums. Hier dominiert ein fast schon thrashiger Angriff, der stellenweise an frühe MACHINE HEAD oder BIOHAZARD denken lässt. Gleichzeitig verliert die Band nie ihre Hardcore-Wurzeln aus den Augen. Genau diese Mischung macht den Reiz von PRO-PAIN seit jeher aus.

Mit »Hell Or High Water« folgt einer der eingängigsten Tracks der Platte. Der Song besitzt einen starken Refrain, ohne dabei an Härte einzubüßen. Gerade solche Momente zeigen, wie routiniert die Band inzwischen arbeitet. PRO-PAIN wissen genau, wann sie Tempo herausnehmen müssen, um den nächsten Einschlag noch härter wirken zu lassen.

Druckvolle zweite Albumhälfte

»Scorched Earth« entwickelt sich schnell zu einem der Höhepunkte der zweiten Albumhälfte. Der Song lebt von seinem massiven Groove und einer düsteren Atmosphäre, die sich wie schwarzer Rauch über den gesamten Track legt. Hier klingt die Band besonders hungrig und aggressiv.

»Jonestown Punch« bringt anschließend nochmal Hardcore-Punk-Energie ins Spiel. Kurz, bissig und direkt auf die Zwölf. Kein unnötiger Ballast, kein technisches Gefrickel, sondern pure Straßengewalt in musikalischer Form.

Zum Abschluss liefert »Sky’s The Limit« einen starken Schlusspunkt. Der Song verbindet schwere Midtempo-Riffs mit einer fast hymnischen Note und beendet das Album überraschend kraftvoll. Statt auf einen epischen Ausklang zu setzen, lassen PRO-PAIN die Platte mit erhobener Faust enden.

Alte Schule funktioniert noch immer

»Stone Cold Anger« zeigt eindrucksvoll, warum PRO-PAIN bis heute einen festen Platz innerhalb der Hardcore- und Groove-Metal-Szene besitzen. Die Band versucht nicht krampfhaft modern zu klingen oder sich neu zu erfinden. Stattdessen konzentriert sie sich auf ihre größten Stärken, massive Riffs, ehrliche Aggression und kompromisslose Energie.

Natürlich erfindet dieses Album das Genre nicht neu. Genau das macht aber auch seinen Reiz aus. Wer PRO-PAIN hört, erwartet keine Experimente oder progressive Ausflüge. Hier geht es um Wucht, Haltung und Groove. Und genau davon liefert »Stone Cold Anger« mehr als genug.

Nach elf Jahren Pause wirkt die Band erstaunlich bissig und motiviert. Man hört deutlich, dass hier keine müde Reunion am Werk ist, sondern Musiker, die noch immer etwas zu sagen haben. Für Fans klassischer Hardcore-Groove-Brecher gehört dieses Album definitiv zu den stärkeren Veröffentlichungen der Bandgeschichte.

Fazit: »Stone Cold Anger« ist ein starkes Comeback-Album, das sowohl die alten Fans als auch neue Hörer von PRO-PAIN begeistern wird.

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PRO-PAIN - Stone Cold Anger - CD Review

Thrownness – Marrow Part II: A Fire Thorugh The Ether

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Thrownness - Marrow Part II A Fire Thorugh The Ether - cover artwork
Thrownness - Marrow Part II A Fire Thorugh The Ether - cover artwork

Band: Thrownness 🇵🇹
Titel: Marrow Part II: A Fire Through The Ether
Label: Raging Planet Records
VÖ: 04.05.2026
Genre: Atmospheric Sludge / Post-Metal / Doom Metal / Experimental Metal

Tracklist

01. Atone Into Rage
02. Coil Wielder
03. White Wind

Besetzung

Kévin Guimet – Gitarre / Gesang
Micas – Bass / Gesang
Tiago Rodrigues – Gitarre
João Fernandes – Schlagzeug

Bewertung:

4 von 5 Punkten

Doom Meddl Loide! und das besser und auf nur drei Titeln komprimiert, dabei aber besser und gehaltvoller als so manch‘ andere Bands es auf einem kompletten Doppelalbum liefern. Thrownness aus Lissabon machen auf »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« jedenfalls keine halben Sachen. Diese EP kommt nicht herein, sie verdunkelt erst den Raum, verschiebt dann die Möbel und stellt anschließend einen Verstärker auf die Brust. Freundlich ist das nicht. Wirkungsvoll schon.

Der Titel klingt nach metaphysischem Großbrand, und genau so fühlt sich diese gute halbe Stunde auch an. Thrownness arbeiten mit monumentalen Riffs, zähen Doom-Strukturen, dissonanten Spannungsfeldern und ausladenden Post-Metal-Bögen, die weniger auf den schnellen Effekt setzen als auf kontrollierte Überwältigung. Das ist Musik, die langsam atmet, schwer geht und trotzdem jederzeit bereit ist, einem mit dem Riffbagger über die Zehen zu fahren. Wer hier kompakte Dreiminüter mit Refrain-Häkchen erwartet, hat ungefähr so falsch abgebogen wie ein Schlagerfan auf dem Weg zum Yoga-Retreat.

(Hört hier »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« von Thrownness)

Dabei wirkt »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« nicht bloß schwer, sondern erstaunlich fokussiert. Im Vergleich zum ersten »Marrow«-Kapitel klingt diese Fortsetzung größer, geschlossener und deutlich selbstsicherer. Die Band nutzt die Länge der Songs nicht als Ausrede zum Herumstehen im Nebel, sondern als Raum für Entwicklung. Riffs wachsen, Spannungen ziehen sich zusammen, Stimmen reißen auf, Schlagzeug und Bass schieben wie tektonische Platten. Wenn das Ganze explodiert, dann nicht wie ein Feuerwerkskörper, sondern wie ein Berg, der beschlossen hat, schlechte Laune zu haben.

DREI SONGS, EIN SCHWERGEWICHTIGES WERK

»Atone Into Rage« eröffnet die EP mit fast zwölf Minuten Spielzeit und lässt sich dabei nicht hetzen. Der Anfang baut Atmosphäre auf, ohne sofort alles niederzuwalzen. Die Gitarren legen sich wie dunkle Wolken über den Song, der Bass arbeitet schwer im Untergrund, und die Vocals klingen, als kämen sie aus einem Raum, in dem schon länger niemand mehr gelüftet hat. Genau das passt. Hier wird keine Wellness-Düsternis serviert, sondern echte Last.

Besonders stark ist, wie kontrolliert Thrownness die Dynamik führen. Die Band versteht, dass Härte im Post-Metal nicht nur aus Lautstärke entsteht, sondern aus Spannung, Geduld und dem richtigen Moment des Zusammenbruchs. Wenn die großen Riffs einsetzen, wirken sie nicht wie bloßes Muskelspiel, sondern wie eine Konsequenz. Das Stück braucht seine Zeit, aber es nutzt sie. Kein überflüssiges Solo-Gepose, kein zielloses Ausfransen, sondern ein stetiger Marsch durch Asche, Schuld und Wut.

Der Sound ist dabei erfreulich massivv. Die Produktion gibt den Gitarren genug Raum, ohne die rhythmische Basis zu verschlucken. Das Schlagzeug klingt organisch und druckvoll, der Bass sitzt tief im Bauchbereich, und die Stimmen schneiden sich rau durch die Wand aus Verzerrung. Gerade im ersten Track zeigt sich, dass Thrownness nicht einfach nur schwer klingen wollen, sondern wissen, wie man Schwere formt. Das ist der Unterschied zwischen einem Bauklotz und einer Kathedrale aus Beton.

SCHWERE MIT PLAN UND PULS

»Coil Wielder« wirkt direkter, zumindest für die Verhältnisse einer Band, die elf Minuten noch als normale Gesprächslänge betrachtet. Der Song startet mit unmittelbarerer Aggression, die gutturalen Vocals drücken stärker nach vorne, und die Instrumente ziehen schneller in eine dissonante, klaustrophobische Landschaft. Hier wird nicht lange an der Tür geklopft. Hier wird die Tür aus ihrer moralischen Komfortzone geprügelt.

In Sachen Leistung ist das einer der eindrucksvollsten Momente der EP. Die Gitarrenarbeit wirkt breiter und zwingender als auf dem Vorgänger, die Riffs haben mehr Gewicht, und das Zusammenspiel der Band ist deutlich gereift. Man hört, dass hier nicht nur ein einzelner Kopf eine Vision skizziert, sondern eine Formation gemeinsam an einem massiven Klangkörper zieht. Kévin Guimet, Micas, Tiago Rodrigues und João Fernandes wirken wie ein Kollektiv, das denselben Abgrund anstarrt und sich darauf geeinigt hat, ihn nicht zu umgehen, sondern musikalisch auszubauen.

Die Stärke von »Coil Wielder« liegt vor allem in der Balance aus roher Gewalt und struktureller Kontrolle. Der Song ist nicht chaotisch, aber er klingt gefährlich. Die Riffs walzen, die Drums treiben, die Vocals reißen, und zwischendurch öffnen sich diese atmosphärischen Passagen, in denen man kurz glaubt, Luft holen zu dürfen. Natürlich nur, damit der nächste Einschlag besser sitzt. Post-Metal kann manchmal klingen wie ein langer Spaziergang durch grauen Nebel. Hier klingt er eher wie ein Marsch durch grauen Nebel, während irgendwo hinter einem etwas Großes atmet.

WEISSER WIND, SCHWARZE WOLKEN

Mit »White Wind« folgt der kürzeste Track der EP, wobei „kurz“ bei achteinhalb Minuten natürlich relativ ist. Für Grindcore-Verhältnisse wäre das eine Karriere-Retrospektive. Für Thrownness ist es der konzentrierteste Abschluss. Der Song beginnt zurückhaltender, fast lauernd, mit dissonanten Riffschatten und einem Aufbau, der Geduld verlangt, aber belohnt. Hier zeigt die Band ihre vielleicht beste atmosphärische Seite.

Gerade »White Wind« macht deutlich, dass die Portugiesen nicht nur auf tonnenschwere Gitarren setzen. Die Zwischenräume zählen genauso. Das Nachhallen, das Zögern, das langsame Aufziehen der Spannung: All das verleiht dem Track Tiefe. Wenn der Song später aufbricht, wirkt es nicht wie ein beliebiger Laut-leise-Trick, sondern wie ein notwendiger emotionaler Ausbruch. Die Musik hat etwas Ritualhaftes, ohne in bedeutungsschwangeren Weihrauch zu kippen. Anders gesagt: Die Kerzen brennen, aber niemand trägt dabei einen albernen Umhang. Zumindest hofft man das.

Dass die EP nur drei Songs enthält, ist dabei kein Nachteil. Im Gegenteil: »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« profitiert von dieser Konzentration. Jeder Track hat genug Raum, um sich zu entfalten, und trotzdem entsteht kein Gefühl von Füllmaterial. Natürlich verlangt diese Musik Aufmerksamkeit. Nebenbei funktioniert sie kaum. Dafür sind die Spannungsbögen zu lang, die Stimmungswechsel zu fein und die Ausbrüche zu bewusst gesetzt. Wer aber bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt ein dichtes, dichhtes und emotional schweres Stück Post-Metal.

KLANG, PRODUKTION UND HANDWERK

Klanglich ist die EP ein klarer Schritt nach vorne. Die Produktion von André Isídro lässt Raum für Schmutz, aber sie verliert nie die Übersicht. Das ist bei dieser Musik entscheidend, denn Sludge und Post-Metal können schnell in einem braunen Riffbrei versinken, in dem am Ende nur noch der Verstärker weint. Hier bleibt genug Kontur erhalten. Die Gitarren drücken breit, aber nicht undifferenziert. Der Bass gibt dem Ganzen Fundament, ohne bloß im Hintergrund zu brummen. Das Schlagzeug hat Wucht, klingt aber nicht steril. Und die Vocals sitzen genau dort, wo sie hingehören: nicht hübsch dekoriert, sondern wie eine offene Wunde im Zentrum des Sounds.

Die Leistung der Band ist vor allem deshalb stark, weil sie nicht auf technische Angeberei setzt. Thrownness beeindrucken nicht durch Fingerakrobatik, sondern durch Gefühl für Gewicht, Dramaturgie und Atmosphäre. Das ist Musik, bei der ein einzelner Akkord mehr Aussage haben kann als zehn Minuten Griffbrett-Turnen. Die Riffs sind groß, die Strukturen langsam, die Ausbrüche kathartisch. Wer Neurosis, Cult Of Luna oder Amenra im Regal stehen hat, wird hier nicht fragen, wo die Reise hingeht. Höchstens, ob man unterwegs noch kurz Schmerztabletten kaufen sollte.

Trotzdem ist »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« nicht perfekt. Manche Passagen könnten noch etwas schärfer zugespitzt sein, einzelne Übergänge wirken eher organisch als wirklich zwingend, und wer mit langen, repetitiven Spannungsbögen grundsätzlich wenig anfangen kann, wird hier stellenweise auf die Uhr schauen. Allerdings ist das kein strukturelles Problem, sondern eher eine Frage der persönlichen Belastbarkeit. Diese EP will nicht jedem gefallen. Sie will lieber den richtigen Leuten tief in die Rippen greifen.

FAZIT:

»Marrow Part II: A Fire Through The Ether« ist ein gewaltiger Schritt für Thrownness. Die EP klingt reifer, größer und fokussierter als ihr Vorgänger, ohne den rohen Kern der Band zu glätten. Drei Songs, gut 32 Minuten, keine Schonhaltung: Das ist atmosphärischer Sludge/Post-Metal mit Doom-Schwere, dissonanter Spannung und einem sehr klaren Sinn für emotionale Katharsis.

Besonders stark sind der monumentale Aufbau von »Atone Into Rage«, die unmittelbare Wucht von »Coil Wielder« und die düstere Dramaturgie von »White Wind«. Die Bandleistung überzeugt durch Geschlossenheit, Druck und Atmosphäre, während die Produktion den Spagat zwischen Dreck und Klarheit sauber meistert. Ein paar Längen liegen in der Natur dieser Stilistik, verhindern aber nicht, dass diese EP mächtig Eindruck hinterlässt.

Für Fans von Neurosis, Cult Of Luna, Amenra und allem, was langsam, schwer und emotional rußverschmiert durch die Landschaft stapft, ist »Marrow Part II: A Fire Through The Ether« ein klarer Pflichtdurchgang. Kein leichtes Futter, kein schneller Snack, kein Album für Menschen, die bei Doom fragen, wann denn endlich der Refrain kommt. Aber wer Schwere als Kunstform versteht, bekommt hier einen Brocken, der lange nachhallt.

Marrow Part II: A Fire Through The Ether Album Stream:

Internet

Thrownness - Marrow Part II: A Fire Through The Ether - EP Review

Uncle Hauk – Lose Your Illusions

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Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork
Uncle Hauk - Lose Your Illusions - cover artwork

Band: Uncle Hauk 🇺🇸
Titel: Lose Your Illusions
Label: Baldur Rising Music
VÖ: 01.05.2026 Bandcamp / 02.05.2026 Streaming
Genre: Post Punk / Alternative Metal / Alternative Rock

Tracklist

01. Tsunami
02. Only the Living
03. It Doesn’t End Well
04. The World Is On Fire
05. Alive In Death’s Shadow
06. Toothache
07. Stormy
08. Ocean
09. Iron Strong

Besetzung

Hauk Heimdallsman / Uncle Hauk – Gesang, Bass, E-Gitarren, 12-saitige Gitarre, Akustikgitarre, Banjo, Lap Steel, Keyboards, Programming, Sopran-, Alt- & Tenorsaxophon
Quentin Marshall Purviance – Schlagzeug & Percussion

Aufgenommen in den Talonspan Studios, Escalon, Kalifornien.
Alle Songs geschrieben, produziert, aufgenommen, gemischt und gemastert von Uncle Hauk.

Bewertung:

3,5 von 5 Punkten

Beim Lesen des Titels »Lose Your Illusions« muss man zwangsweise an Guns N’ Roses denken und sich fragen, ob deren Album »Use Your Illusion« hierbei Ziel einer Verballhornung ist. Die Antwort lautet: vermutlich nicht direkt, aber der Reflex ist natürlich da. Nur: Wo Axl Rose einst mit Bandana, Pathos und Klavierballaden zum Rock-Olymp winkte, steht Uncle Hauk eher im schummrigen Hinterzimmer, betrachtet den brennenden Globus durch ein halb leeres Glas und murmelt: „Na gut, dann machen wir eben Lärm draus.“

(Hört hier »Lose Your Illusions« von Uncle Hauk)

»Lose Your Illusions« ist ein Album über Ernüchterung, Verlust, Wut und diesen unangenehmen Moment, in dem man merkt, dass die Welt nicht fairer wird, nur weil man ihr besonders streng ins Gesicht schaut. Gleichzeitig ist die Platte kein reiner Depri-Klotz. Zwischen Post-Punk-Kälte, Alternative-Rock-Dreck, Metal-Schwere, Jazz-Abzweigungen und Country-Schatten lodert immer wieder so etwas wie Trotz auf. Nicht unbedingt Hoffnung im Disney-Sinne, eher Hoffnung mit Kater, Staub auf der Jacke und einem Taschenmesser im Stiefel.

Musikalisch fährt Uncle Hauk dabei keinen bequemen Kurs. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Wer gern sauber etikettierte Regalfächer mag, bekommt hier Schnappatmung: Mal rumpelt es post-punkig und düster, mal biegt ein Saxophon um die Ecke, mal drückt das Riff Richtung Metal, mal schimmert ein Americana- oder Alt-Country-Unterton durch. Das klingt spannend, manchmal eigensinnig, gelegentlich aber auch so, als hätten mehrere Songs gleichzeitig beim Bandmeeting das letzte Wort behalten wollen.

»Tsunami« eröffnet das Album passend: nicht als gemütliches Vorspiel, sondern als Welle, die erst fragt, wenn sie schon im Wohnzimmer steht. Der Song funktioniert mit seiner dunklen Spannung und dem griffigen Refrain als guter Einstieg in die Welt von »Lose Your Illusions«. Hier wird nicht lange poliert, hier wird angeschoben. Der Sound ist kantig, leicht schmutzig und bewusst nicht auf Hochglanz gebürstet. Man hört schnell: Uncle Hauk will keine aalglatte Alternative-Rock-Platte liefern, sondern ein sperriges, persönliches Ding mit Narben.

»Only the Living« nimmt sich anschließend mehr Zeit und zeigt deutlicher, wie sehr dieses Album zwischen düsterem Rock, Post-Punk-Stimmung und fast erzählerischem Songwriting pendelt. Die Nummer hat Gewicht, aber auch Länge. Das ist einer dieser Tracks, bei dem man merkt, dass Uncle Hauk viel zu sagen hat. Manchmal vielleicht sogar etwas mehr, als der Song zwingend tragen kann. Trotzdem bleibt die Atmosphäre stark: Tod, Überleben, Erinnerung und Trotz liegen hier dicht beieinander. Das ist keine Musik für die Cocktailbar, außer die Cocktailbar befindet sich in einem verlassenen Industriegebiet und der Barkeeper heißt „Existenzkrise“.

DÜSTER, EIGENWILLIG UND NICHT IMMER BEQUEM

Mit »It Doesn’t End Well« wird der Titel zur selbsterfüllenden Prophezeiung, allerdings im positiven Sinne: Die Nummer knirscht, zieht sich in dunklere Ecken zurück und hat diesen fatalistischen Unterton, den das Album immer wieder ausspielt. Hier liegt eine Stärke der Platte: Uncle Hauk wirkt glaubwürdig, wenn er über Desillusionierung singt. Das klingt nicht nach aufgesetzter Dunkelromantik aus dem Gothic-Baukasten, sondern nach jemandem, der zu oft erlebt hat, dass der Abspann selten mit einem Happy End kommt.

»The World Is On Fire« gehört zu den stärkeren Momenten des Albums. Der Titel ist natürlich keine subtile Erkenntnis, aber seien wir ehrlich: Subtilität hat in den letzten Jahren auch nicht unbedingt Überstunden gemacht. Musikalisch sitzt der Song kompakter, die Stimmung greift schneller, und der Kontrast zwischen brennender Welt und dem Wunsch nach Regen gibt der Nummer eine schöne, bittere Bildhaftigkeit. Hier klappt die Mischung aus Melancholie, Druck und trotzigem Weitergehen besonders gut.

Auch »Alive In Death’s Shadow« bringt genau jene dunkle, aber nicht völlig hoffnungslose Grundstimmung auf den Punkt, die »Lose Your Illusions« trägt. Das Stück arbeitet mit Schatten, Schwere und einer gewissen dramatischen Theatralik, ohne komplett ins Überladene zu kippen. Gerade hier zeigt sich, dass Hauk Heimdallsman als Multiinstrumentalist ein breites Arsenal auffährt. Gitarren, Tastenflächen, Programmings und Bläserfarben wirken nicht wie Schmuck am Kadaver, sondern wie Teile eines unruhigen Innenlebens.

WENN DAS SAXOFON MIT DEM RIFF STREITET

Der auffälligste Brocken ist »Toothache«. Über neun Minuten lang bohrt sich der Song durch Stimmungen, Spannungen und instrumentale Umwege. Der Titel passt: Das Ding pocht, zieht, nervt gelegentlich – und bleibt trotzdem hängen. Hier wird deutlich, warum die Wertung nicht höher ausfällt: Die Experimentierfreude ist sympathisch, aber nicht jeder Schlenker sitzt zwingend. Manchmal wirkt die Nummer wie ein spannender Rohbau, in dem noch ein paar Kabel aus der Wand hängen. Andererseits: Lieber ein Song mit Ecken, Kanten und Zahnschmerzen als ein steriler Streaming-Snack, der nach 30 Sekunden schon wieder vergessen ist.

»Stormy« bringt danach etwas mehr Ordnung ins Wetter. Der Song wirkt fokussierter, melodischer und zugänglicher, ohne die dunkle Grundfarbe zu verlieren. Hier trifft Uncle Hauk einen guten Mittelweg zwischen Eigenwilligkeit und Songdienlichkeit. Die Nummer hat genug Atmosphäre, um nicht beliebig zu werden, aber genug Struktur, um nicht im eigenen Nebel zu verschwinden. So darf Desillusionierung gern klingen: nicht jammernd, sondern wetterfest.

»Ocean« schlägt in eine ähnliche Kerbe, bleibt dabei aber etwas zurückhaltender. Der Song fließt eher, als dass er zuschlägt, und setzt stärker auf Stimmung als auf unmittelbaren Druck. Das passt zum Album, sorgt aber auch dafür, dass die zweite Hälfte stellenweise weniger zwingend wirkt als die stärksten Momente zuvor. »Lose Your Illusions« ist eben kein Album, das seine Hits wie Leuchtpistolen in die Luft schießt. Es arbeitet mehr über Atmosphäre, Reibung und diesen staubigen Trotz, der sich erst nach mehreren Durchläufen richtig festsetzt.

ZWISCHEN ABGRUND UND MITTELFINGER

Mit »Iron Strong« endet die Platte dann vergleichsweise direkt und standhaft. Der Song wirkt wie ein abschließendes Zusammenreißen nach 40 Minuten Weltbrand, Selbstbefragung und musikalischem Schlingerkurs. Hier steckt der Trotz schon im Titel. Nach all der Dunkelheit bleibt keine große Erlösung, aber ein aufrechter Stand. Nicht glamourös, nicht triumphal, eher: „Noch da. Reicht erstmal.“ Und manchmal ist das im Rock’n’Roll schon die halbe Miete.

Produktionstechnisch ist »Lose Your Illusions« ein zweischneidiges Schwert. Der Sound besitzt Charakter, Dreck und Persönlichkeit, aber nicht jede Passage wirkt gleich ausgewogen. Einige Ideen hätten noch etwas mehr Zuspitzung vertragen, manche Übergänge noch etwas mehr Straffung. Dafür klingt die Platte nie austauschbar. Man hört hier keinen Algorithmus, der sich als Musiker verkleidet hat, sondern einen Künstler mit klarem Innenleben, breitem Instrumentarium und dem Mut, auch mal gegen die Wand zu laufen, nur um zu prüfen, ob die Wand vielleicht zurücksingt.

»Lose Your Illusions« ist kein Meisterwerk, das man jedem ungefragt auf den Küchentisch nageln muss. Dafür ist das Album zu uneben, zu eigensinnig und manchmal zu ausufernd und auch die Produktion nicht unbedingt The yellow of the egg… Aber es ist auch durchaus entfernt, Mittelmaß zu sein. Es hat Haltung, Atmosphäre, gute Songs, spannende Farben und genug kaputte Schönheit, um neugierig zu machen. Wer Post Punk, Alternative Rock, Metal-Einflüsse, düstere Americana-Schlieren und experimentelle Seitenwege mag, findet hier reichlich Futter.

FAZIT:

»Lose Your Illusions« ist ein dunkles, kantiges und sehr persönliches Album, das sich nicht auf eine Schublade festnageln lässt. Uncle Hauk mischt Post-Punk-Grit, Alternative-Rock-Melancholie, Metal-Druck, Jazz-Farben und Alt-Country-Staub zu einem Sound, der nicht immer elegant, aber fast immer charakterstark wirkt. Die Platte lebt von Atmosphäre, Widerspenstigkeit und einer glaubwürdigen Mischung aus Weltfrust und Überlebenswillen.

Die stärksten Songs sind »Tsunami«, »The World Is On Fire«, »Alive In Death’s Shadow«, »Stormy« und »Iron Strong«. »Toothache« ist als langer Experimentierklotz interessant, aber nicht durchgehend zwingend. Genau dort liegt auch der Kern der Bewertung: »Lose Your Illusions« ist spannend, mutig und eigen, aber nicht immer so präzise, wie es sein könnte.

Wer Musik sucht, die brav im Hintergrund läuft, während man die Steuererklärung macht, sollte lieber etwas anderes anklicken. Wer dagegen ein Album will, das nach Post-Punk-Keller, Metal-Rost, Saxofon-Nebel und trotzigem Weiteratmen klingt, darf hier gern seine Illusionen verlieren. Ein bisschen tut es weh. Aber hey: Der Titel hat uns gewarnt.

Lose Your Illusions Album Stream:

Internet

Uncle Hauk - Lose Your Illusions - CD Review

Louder – Devils Night

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Louder - Devils Night - cover artwork
Louder - Devils Night - cover artwork

Band: Louder 🇨🇴
Titel: Devil’s Night
Label: Fighter Records
VÖ: 14.05.2026
Genre: Speed Metal / Heavy Metal /Thrash Metal

Tracklist

01. Speed Junkie
02. Satan’s Bitch
03. Hellish Rock’n’Roll
04. Louder Than Hell
05. Dirty Rocker
06. Heavy Metal Nights
07. Metallic Overdose
08. Devil’s Night

Besetzung

Deathströker – Bass
Nekrö – Schlagzeug / Background Vocals
Hellgröwler – Gitarre / Lead Vocals

Bewertung:

3 von 5 Punkten

SPEED METAL AUS MEDELLÍN MIT ROSTIGER KETTE UM DEN HALS

Louder kommen aus Medellín in Kolumbien und liefern mit »Devil’s Night« ein Debüt ab, das nicht lange fragt, ob es reindarf. Die Tür wird eingetreten, der Verstärker aufgerissen, und schon riecht der Raum nach Leder, Schweiß, Bier, Schwefel und altem Proberaumteppich. Wer hier nach moderner Hochglanzproduktion, progressiven Denkspielen oder fein ausbalancierten Gefühlsbögen sucht, sollte besser woanders parken. »Devil’s Night« will rasen, sägen, grölen und möglichst wenig Rücksicht auf frisch gewischte Böden nehmen. Alleine der Einsatz von Serienmörder Richard Ramirez zeigt, dass die Jungs es ernst meinen….

(Hört hier den Song und schaut den Clip zum Titeltrack)

»Devil’s Night« ist Speed Metal mit dreckiger Heavy Metal-Kante, früher Thrash Metal-Raserei und dieser herrlich räudigen Blackened-Patina, die eher nach Hinterhof als nach Festival-Hauptbühne klingt. Man hört die Liebe zu alten Geschwindigkeitsfanatikern, zu Razor, Venom, frühem Metallica, Motörhead und all den Bands, bei denen der Bass nicht poliert, sondern geölt wurde. Neu ist das alles nicht. Aber verdammt noch mal: Es macht Spaß.

Das Album umfasst acht Songs und kommt erfreulich schnell zur Sache. Keine große Erzählung, kein unnötiges Intro, keine akademische Selbstbespiegelung. Louder wirken wie eine Band, die genau weiß, dass ihr Material nicht über Verfeinerung funktioniert, sondern über Druck, Tempo und Haltung. Das ist Old-School im besten Sinne: nicht museal, sondern schwitzend.

KEIN INTRO, KEINE WARNUNG, NUR VOLLGAS

Der Einstieg mit »Speed Junkie« trägt seinen Titel wie eine Warnleuchte im Rückspiegel. Der Song ist keine Metapher, sondern eine Betriebsanleitung: Rausch, Geschwindigkeit, Kontrollverlust und die Lust daran, die Nadel in den roten Bereich zu jagen. Hellgröwler schneidet mit seiner Gitarre roh durch den Mix, Nekrö treibt das Ding mit trockenem Schlagzeug nach vorn, und Deathströker gibt dem Ganzen genug Tiefe, damit es nicht nur scheppert, sondern wirklich rollt.

Und ja, an dieser Stelle musste der geneigte Rezensent kurz unterbrechen, weil er am Headbangen war, als gäbe es kein Morgen mehr. Das ist vielleicht nicht die wissenschaftlichste Methode der Albumanalyse, aber manchmal sagt ein schmerzender Nacken mehr über einen Song aus als drei Absätze voller Fachbegriffe.

»Satan’s Bitch« schiebt anschließend noch deutlicher in Richtung rotziger Proto-Black-Thrash-Attitüde. Die satanische Bildsprache ist hier kein tiefenphilosophisches Ritual, sondern grelles Rock’n’Roll-Theater. Es geht um Provokation, Exzess, Unterwerfung, Nachtgestalten und dieses alte Spiel mit dem Bösen, das im Metal schon immer besser funktioniert hat, wenn es nicht zu ernst genommen wird. Der Song ist plump? Vielleicht. Aber er ist auch effektiv.

»Hellish Rock’n’Roll« macht dann aus der Haltung endgültig ein Programm. Hier treffen Kneipenboden, Schwefelgeruch und Speed-Metal-Kante direkt aufeinander. Der Song klingt wie eine Visitenkarte aus rostigem Blech: laut, dreckig, angekratzt und stolz darauf. Besonders stark ist, dass Louder nicht versuchen, ihre Einfachheit zu verstecken. Sie stellen sie nach vorn und ziehen sie durch.

DER NAME LOUDER IST PROGRAMM

Spätestens bei »Louder Than Hell« ist klar: Der Name Louder ist Programm. Dieser Song ist Bandname, Ansage und Faustschlag zugleich. Die Nummer lebt von einem Refrain, der sich sofort festsetzt, und von Riffs, die weniger elegant als bissig sind. Hellgröwler steht dabei klar im Zentrum. Sein Gitarrenspiel will nicht glänzen, es will kratzen. Genau das passt zu dieser Platte.

Auch sein Gesang dürfte polarisieren. Hellgröwler klingt nicht nach klassischer Heavy-Metal-Schule, sondern rau, keifend, manchmal fast gebellt. Das kann man als Limit sehen, man kann es aber auch als Charakter begreifen. Und »Devil’s Night« lebt eindeutig mehr von Charakter als von Perfektion. Ein glatterer Sänger hätte diesem Material wahrscheinlich eher geschadet.

Deathströker am Bass ist wichtig, weil das Album sonst leicht zu dünn werden könnte. Der Bass rumort unter den Gitarren, gibt den Songs Körper und sorgt dafür, dass die Geschwindigkeit nicht ins Leere läuft. Gerade bei »Dirty Rocker« und »Heavy Metal Nights« merkt man, dass Louder nicht nur rasen wollen. Sie brauchen auch Groove, Schub und diesen öligen Unterbau, der aus Gerase erst Straßenstaub macht.

DER ALTE AUSSENSEITER MYTHOS DER 80ER

»Dirty Rocker« bringt die Motörhead-Schlagseite am deutlichsten nach vorn. Der Song handelt vom alten Außenseiter-Mythos: Leder, Lautstärke, Nacht, Dreck und die Weigerung, sich zähmen zu lassen. Das ist nicht originell, aber ehrlich genug gespielt, um zu funktionieren. Louder verkaufen keine Pose aus dem Katalog, sondern klingen so, als hätten sie genau diese Art von Musik im Blut.

»Heavy Metal Nights« ist einer der stärksten Tracks des Albums. Hier wird aus der ganzen Sache beinahe eine Szenenhymne. Es geht um Nächte, in denen Heavy Metal nicht einfach Musik ist, sondern Zustand: zu laut, zu spät, zu verschwitzt, zu viel, aber genau richtig. Der Song atmet etwas mehr als manche andere Nummern und besitzt einen Refrain, der live ziemlich sicher funktioniert.

Nekrö hält das Ganze mit ordentlich Druck zusammen. Bei dieser Art von Musik kann das Schlagzeug schnell zur reinen Tempomaschine werden. Hier bleibt es zwar bewusst direkt, aber nicht leblos. Die Akzente sitzen, die Energie stimmt, und die Background Vocals geben den Songs zusätzlich diesen Gang-Charakter. Louder klingen dadurch nicht wie ein Projekt, sondern wie eine Bande.

»Metallic Overdose« treibt den metallischen Selbstrausch auf die Spitze. Der Titel sagt im Grunde schon alles: zu viel Lautstärke, zu viel Geschwindigkeit, zu viel Nacht, zu viel Metal. Genau hier zeigt sich aber auch die kleine Schwäche von »Devil’s Night«. Die Band trifft ihren Stil sehr genau, variiert ihn aber nur begrenzt. Wer nach großen Wendungen sucht, wird sie nicht finden. Das Album lebt vom Angriff, nicht von Überraschungen.

DAS TITELSTÜCK ALS LETZTER SCHLAG

Der abschließende Titelsong »Devil’s Night« ist mit seiner längeren Laufzeit der passende Schlusspunkt. Hier bündeln Louder noch einmal alles, was die Platte ausmacht: satanischer Straßendreck, metallischer Übermut, Speed-Metal-Riffs und eine Atmosphäre, die eher nach letzter Runde als nach sauberem Finale klingt. Die Nacht des Teufels ist hier kein ausgearbeitetes Konzept, sondern ein Zustand. Man schwitzt, man grölt, man fährt zu schnell und hofft, dass die Verstärker noch eine Runde durchhalten.

Produktionstechnisch bleibt »Devil’s Night« angenehm unpoliert. Die Gitarren beißen, das Schlagzeug klingt trocken, der Bass bleibt präsent, und der Gesang steht mit schmutziger Stirn im Raum. Natürlich könnte man sich an manchen Stellen mehr Druck oder mehr Differenzierung wünschen. Aber ganz ehrlich: Zu viel Glanz hätte diesem Album die Zähne gezogen. Louder brauchen den Schmutz, sonst wäre das hier nur Retro-Kostüm.

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Die größte Stärke von »Devil’s Night« ist seine Konsequenz. Louder wissen, was sie wollen, und ziehen es durch. Keine Ballade, kein moderner Core-Einschlag, keine falsche Größe, kein glattgebügelter Stadion-Refrain. Acht Songs, die nach Tempo, Schweiß und Underground klingen. Das ist sympathisch, weil es nicht berechnet wirkt.

Die Schwäche liegt in genau dieser Konsequenz. Tempo, Tonfall und Aufbau ähneln sich stellenweise deutlich. »Devil’s Night« ist kein Album, das viele Farben bietet. Es hat eher eine Farbe: schwarz, mit Rost und Bierflecken. Wer Abwechslung erwartet, könnte irgendwann nach mehr Dynamik verlangen. Wer aber ein kurzes, dreckiges Speed-Metal-Debüt sucht, bekommt hier genau das, was auf dem Etikett steht.

FAZIT:

»Devil’s Night« erfindet den Speed Metal nicht neu, aber Louder liefern ein herrlich räudiges Debüt mit viel Tempo, 80’s Spirit, Charme und echter Underground-Energie. Die stärksten Songs sind »Speed Junkie«, »Louder Than Hell«, »Heavy Metal Nights« und »Devil’s Night«. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte der Platte gutgetan, doch wenn Louder loslegen, dann mit so viel Überzeugung, dass man die Faust automatisch hebt. Für Fans von rohem Speed Metal, frühem Thrash Metal und schwarzer Straßenkante ist das ein sympathischer Tritt in den Hintern.

Devil’s Night Video:

Internet

Louder - Devils Night - CD Review