Tracklist
01. A Monument to Fallen Virtues
02. The Great One
03. Mendacious Heroism
04. Carnage
05. Dolos
06. The Heritage of Our Brotherhood
07. Spiritual Virility
08. Posthumous Exultation
Besetzung
Scourge of God – Guitars, Vocals
Gaius Coronatus – Guitars
Magnified Wrath – Bass
Conqueror of Fear – Drums
Die chilenischen Death Metal Veteranen ORACULUM präsentieren endlich ihr Debütalbum. Nach einer fünfzehn Jahre langen Karriere, ein paar EPs und anderen kurzen Werken ist das lange erwartete Debütalbum hier. „Hybris Divina“ ist ein LP, das das technische Können der Bandmitglieder zeigt, aber die Musik ist langsam und atmosphärisch, nicht der dynamische Death Metal, den man erwartet.
Zu viele atmosphärische Passagen, zu wenig Death Metal
Das Album startet mit klarer Doom-Metal-Stimmung, sehr langsame Akkorde und eine zermalmende Atmosphäre. Aber „A Monument to Fallen Virtues“ ist nur ein kurzes Intro, und der Song schafft es, die Atmosphäre zu kreieren, die vom nächsten Song „The Great One“ aufgegriffen wird. Diesmal kommen entschiedenere Riffs und ein besserer Rhythmus, um eine überzeugendere Seite der Band zu zeigen. Verzweifelte Schreie und Growls, verhallt, dramatisch. Die Instrumentierung ist ziemlich minimal, die Songstruktur auch, aber trotzdem ist die Musik gut, erdrückend und überzeugend. Aber eine zu lange melodische und atmosphärische Passage nimmt den Fokus zu lange vom erwarteten Death Metal Sound weg – zu viel Atmosphäre, bevor der aggressive Sound zurückkehrt.
Eine sehr rohe Produktion und matschiger Sound helfen der Musik von ORACULUM nicht wirklich, in ihrer echten Qualität geschätzt zu werden. Die atmosphärischen Teile funktionieren besser als die dynamischen, der Sound ist klarer, die Lead-Gitarre kommt über die ganze Instrumentierung viel besser auf diesen Passagen. Ansonsten sind die Rhythmussektion und die Rhythmusgitarre dumpf im Sound, zu weit hinten. Unbalanciertes Mixing für das Album, und das ist schlecht, weil die Musik gewisse Qualitäten hat, die nicht an die Oberfläche kommen können. Für das Genre zu viel Fokus auf Lead-Gitarre, und auch Vocals sind zu sehr im Vordergrund, aber das funktioniert gut. Alle anderen Probleme sind hauptsächlich wegen unentschiedener Richtung und Songwriting, aber das Resultat ist unklar und unfokussiert.
Das Album setzt sich im selben Stil und mit dem dumpfen Sound fort. „Mendacious Heroism“ bringt etwas mehr Uptempo-Musik, mit weit entferntem, aber wichtigem Drumming, fast nur erahnte Riffs und sogar ein bisschen Bass. Trotz der schlechten Produktion hat der Song eine komplizierte Komposition, und in offeneren Passagen klingt die Musik gut. Wieder unterbricht eine ambiente Passage den guten Flow, und wieder zu viel Fokus auf einem Gitarrensolo, das den Gesamtsong nicht unterstützt.
Chilenische Underground-Größen ohne Energie
ORACULUM kommen aus Rancagua, O’Higgins, südlich der Hauptstadt Santiago. Sie wurden 2011 gegründet und sind eine der verehrtesten Bands im chilenischen Underground. Gründungsmitglieder Conqueror of Fear – Drums und Scourge of God – Gitarren und Vocals, wurden später von Gaius Coronatus – Gitarren und Magnified Wrath – Bass ergänzt. Der Letztere hat, auch wenn als Mitglied der Band genannt und zum Album beitragend, die Band inzwischen verlassen.
Der nächste Song „Carnage“ kehrt zu erdrückendem und aggressivem Sound zurück, Vocals sind verzweifelter als je zuvor, aber kurz danach übernehmen Doom-lastigerer Sound und Rhythmus die Kontrolle über den Song. Nicht der originellste Song, und außer bei den Vocals nichts besonders Interessantes hier – nicht einmal die zu spät im Song kommenden guten Riffs können den mittelmäßigen Eindruck retten. Immer noch mit Doom-Einflüssen und sehr langsam kommt „Dolos„. Nach einer langen Eröffnungspassage, mehr eine atmosphärische, die für mehr als die Hälfte des Songs gestreckt wird, mit nur spärlichen Akkorden, aber mit dämonischen, infernalischen Vocals – wenn einige energetische Riffs in den Song kommen, können sie den Eindruck eines langsamen und nicht wirklich Death Metal Songs nicht ändern.
Das Hörerlebnis ist mehr ein Warten darauf, dass etwas passiert. Die Spannung ist da, der ganze Sound tendiert in eine gute Richtung, aber nichts passiert wirklich. Und dieses Gefühl wird unterstrichen durch „The Heritage of Our Brotherhood„, ein weiteres Interlude, ein kurzer Song, der die Erkundung von langsamem, Doom-lastigerem Sound fortsetzt. Schon zu viele gesprochene Passagen, ein weiterer enttäuschender Song.
Triumphale Sounds eröffnen „Spiritual Virility„, und eine Serie von Riffs bringt etwas Hoffnung für einen besseren Moment. Das Tempo ist hoch, die Instrumentierung dicht und massiv, Gitarren spielen gnadenlos schnelle und bestrafende Riffs. Auch in langsameren Momenten ist der Rhythmus gut, getragen, sehr verzerrt im Sound, aber die gute Art von Verzerrung, surrend und abrasiv. Es gibt eine Tendenz zum Verlangsamen, aber endlich liefert die Lead-Gitarre ein aggressives Solo – der ganze Song fühlt sich wie ein Death Metal an, sie zeigen, dass es möglich ist. Nicht die Katharsis, die man erwartet, aber ein Song, der im Gesamtkontext als Höhepunkt betrachtet werden kann.
Das finale Stück des Albums „Posthumous Exultation“ kehrt zu Doom-lastigerem Sound zurück, mit langsamen heruntergestimmten Gitarren und verzweifeltem Schreien. Simpel in der Struktur, repetitiv, langsam, geladen mit Atmosphäre – wieder kommt ein hohes Tempo zu spät im Song und fühlt sich mehr wie eine Ausnahme als die Regel an. Nicht überzeugender Abschluss eines nicht überzeugenden Albums.
Unentschiedene Richtung und leere Pfade
Zu schade, dass die Band ein Rezept mit atmosphärischen Passagen für alle Songs anwendet – zu lang und ohne viel musikalische Substanz. Für die meisten Teile bauen sie gute Energie mit schneller und entschiedener Instrumentierung auf und zerstören sie dann mit melodischen und ambienten Passagen. Die Doom Metal Momente sind zu prominent, und das sollte klar in der Stilbeschreibung der Band sein, die eher als Doom/Death Metal betrachtet werden kann.
Das Songwriting ist das Hauptproblem der Band. Es fühlt sich an, als könnten sie sich nicht entscheiden, voll in Death Metal zu gehen, und auf dem Album ist der Sound ein permanentes Verharren im Limbo und erreicht nie einen Höhepunkt, eine Schlussfolgerung. Fühlt sich an wie eine Band ohne Energie, aber auch wie eine, die es schaffen könnte – die technischen Fähigkeiten sind da, aber alles löst sich auf in inkohärenter Musik, leere Pfade, die nirgendwohin führen.
Fazit: Das Debütalbum „Hybris Divina“ der Veteranen ORACULUM kommt mit inkohärenter Art von Death Metal, wo langsame und ambiente Passagen den Sound dominieren.





















