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Artillery – Made In Hell (EP)

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Artillery - Made In Hell - album artwork
Artillery - Made In Hell - album artwork

Band: Artillery 🇩🇰
Titel: Made In Hell
Label: Mighty Music
VÖ: 15/05/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Made In Hell
02. Ghost In The Machine
03. Into The Universe
04. The Almighty (Live)

Besetzung

Martin Steene – Vocals
Michael Stützer – Guitar
René Loua – Guitar
Peter Thorslund – Bass
Frederik Kjelstrup Hansen – Drums

Bewertung:

4/5

Wie würde eine Metalband in der Hölle klingen? Wir wissen es nicht, aber wenn eine Band wie Artillery nach über vier Jahrzehnten Bandgeschichte mit einer neuen EP um die Ecke biegt, darf man durchaus hellhörig werden. Die dänischen Thrash-Veteranen gehören nicht zu jenen Formationen, die ihren Namen nur noch als nostalgisches Etikett vor sich hertragen. Artillery waren immer dann am stärksten, wenn sie rohe Thrash-Brachailität mit technischer Eleganz verbunden haben. Genau diese Mischung zieht sich auch durch »Made In Hell«.

Vier Songs, knapp unter zwanzig Minuten Spielzeit, zwei neue Stücke, ein neu eingespielter Klassiker und ein Live-Abriss aus der Frühphase. Auf dem Papier klingt das nach typischer EP-Resteverwertung. In der Praxis wirkt »Made In Hell« aber eher wie ein Lebenszeichen mit breiter Brust. Nicht alles ist zwingend notwendig, doch vieles macht schlicht Laune.

EIN NEUER ANLAUF MIT ALTEM STAHL

Besonders interessant ist diese Veröffentlichung, weil sie die erste mit der neuen Besetzung ist. Martin Steeneübernimmt den Gesang, René Loua verstärkt die Gitarrenfront, und Frederik Kjelstrup Hansen sitzt hinter dem Schlagzeug. Zusammen mit Michael Stützer und Peter Thorslund klingt die Band nicht wie ein Museum, das noch einmal die alten Exponate poliert, sondern wie eine Maschine, die nach Wartung wieder auf Betriebstemperatur läuft.

Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen, setzen Artillery ihre Riffs wie glühende Stahlträger in ein Gerüst aus klassischem Thrash Metal. Die Produktion ist modern und druckvoll, aber nicht steril. Genau das ist wichtig. Diese Musik braucht Kanten, braucht Reibung, braucht den Eindruck, dass irgendwo im Hintergrund noch Öl, Schweiß und Verstärkerhitze in der Luft liegen.

DER TITELTRACK ALS HÖLLENMARSCH

Der Einstieg mit »Made In Hell« macht sofort klar, wo der Hammer hängt. Ein orientalisch angehauchtes Gitarrenmotiv öffnet den Song, fast so, als würde kurz ein heißer Wüstenwind durch die Boxen ziehen, bevor die Band in den eigentlichen Thrash-Modus schaltet. Das Tempo bleibt über weite Strecken eher im mittleren Bereich, doch gerade dadurch bekommt der Song eine schwere, stampfende Wirkung.

Hier wird nicht kopflos gerast, sondern mit kontrollierter Wucht gearbeitet. Die Gitarren riffen eng und präzise, das Schlagzeug schiebt mit Doublebass-Druck nach vorne, und Martin Steene zeigt direkt, dass er mehr kann als nur den neuen Mann am Mikrofon zu markieren. Seine Stimme besitzt Biss, eine gewisse Rohheit und genug melodische Höhe, um sich gegen die Gitarrenwand durchzusetzen.

Inhaltlich wirkt »Made In Hell« wie eine zynische Betrachtung einer Welt, die ihre eigenen Katastrophen immer wieder neu produziert. Krieg, Gewalt und menschliche Selbstzerstörung stehen sinnbildlich im Raum. Der Song klingt nicht wie ein erhobener Zeigefinger, sondern wie eine Thrash-Metal-Sirene aus einer brennenden Fabrikhalle.

GEISTER (Die Wir riefen) IN DER MASCHINE

Mit »Ghost In The Machine« folgt der zweite neue Song, und dieser wirkt etwas moderner, nervöser und technischer. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders sauber ausgearbeitet. Ein instrumentaler Einstieg, ein starkes Lead-Motiv und tightes Riffing sorgen dafür, dass der Song nicht einfach nur als zweiter neuer Track neben dem Titelstück steht, sondern ein eigenes Gesicht bekommt.

Das Stück beschäftigt sich sinngemäß mit Entfremdung, Kontrollverlust und der Frage, was vom Menschen übrigbleibt, wenn Technik, digitale Systeme und künstliche Intelligenz immer stärker in das eigene Denken eingreifen. Artillerymachen daraus keinen futuristischen Plastiktrack, sondern bleiben klar im Thrash verwurzelt. Gerade dieser Kontrast funktioniert: kaltes Thema, heiß gespielte Musik.

Auch hier fällt auf, wie gut Martin Steene in die Band passt. Er erreicht nicht zwangsläufig die Klasse früherer Sänger in deren besten Momenten, aber er bringt genügend eigene Farbe mit. Seine Stimme ist rau, flexibel und wirkt nie wie ein Fremdkörper. Dazu kommen Gitarrensoli, die nicht nur Pflichtprogramm sind, sondern echte Spannungsbögen setzen.

ALTE WURZELN, NEUER DRUCK

Mit »Into The Universe« greifen Artillery tief in die eigene Geschichte zurück. Der Song stammt ursprünglich vom Debüt »Fear Of Tomorrow« aus dem Jahr 1985 und bekommt hier eine neue Produktion spendiert. Bei Neueinspielungen alter Klassiker darf man grundsätzlich skeptisch sein. Nicht alles, was früher glühte, muss noch einmal frisch lackiert werden.

In diesem Fall funktioniert es jedoch ordentlich. Die moderne Produktion gibt dem Song mehr Druck, die Gitarren schneiden klarer durch den Mix, und das Stück wirkt weniger wie ein nostalgischer Blick zurück als wie ein Beweis, dass das alte Material immer noch Zähne hat. Hier wird das Tempo spürbar angezogen, die Riffs sind aggressiver, und die Band erinnert daran, warum sie im europäischen Thrash Metal einen festen Platz hat.

Der Song ist ein willkommenes Gegengewicht zu den beiden eher kontrolliert-mittleren neuen Stücken. Wo »Made In Hell« und »Ghost In The Machine« ihre Kraft stärker aus Aufbau und Präzision ziehen, kommt »Into The Universe«direkter aus der alten Schule. Das tut der EP gut.

LIVE-ROST STATT STUDIOLACK

Zum Abschluss gibt es mit »The Almighty« eine Live-Version eines weiteren Frühwerks. Auch hier stellt sich die Frage, ob man diesen Song in dieser Form zwingend gebraucht hätte. Für eine vollwertige neue Veröffentlichung wäre das zu wenig frisches Material. Als Abrundung einer EP funktioniert es aber.

Die Live-Aufnahme zeigt, dass Artillery auf der Bühne nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Der Song kommt schnell, aggressiv und mit klassischer Thrash-Metal-Wucht aus den Boxen. Man hört keine polierte Perfektion, sondern eine Band, die ihr altes Material mit genügend Feuer spielt. Gerade das lange Lead-Spiel im Mittelteil wirkt wie ein Gruß aus einer Zeit, in der Thrash Metal noch nicht verwaltet, sondern geschmiedet wurde.

ZWISCHEN ELEGANZ UND APOKALYPSE

Die große Stärke von Artillery liegt auch auf »Made In Hell« darin, dass die Band technische Präzision und rohe Energie miteinander verbinden kann. Viele Thrash-Bands entscheiden sich entweder für stumpfe Abrissbirne oder für verkopfte Fingerakrobatik. Artillery schaffen es, beides zusammenzubringen. Die Riffs haben Biss, die Soli besitzen Klasse, und die Songs wirken trotz aller Routine nicht gelangweilt.

Allerdings hat die EP auch ihre Grenzen. Die beiden neuen Songs sind stark, bleiben aber häufig im Midtempo verankert. Das gibt ihnen Druck, nimmt ihnen aber stellenweise etwas Raserei. Gerade bei einer Band wie Artillerywünscht man sich hin und wieder, dass der Motor komplett aufgerissen wird. Diesen Dienst übernehmen dann eher »Into The Universe« und »The Almighty«.

Dazu kommt das grundsätzliche Problem des EP-Formats. Zwei neue Songs sind ein guter Appetizer, aber kein Festmahl. Man bekommt genug, um wieder Hunger auf ein neues Album zu entwickeln, aber nicht genug, um komplett satt zu werden. In diesem Sinne ist »Made In Hell« weniger ein abgeschlossenes Kapitel als ein heißer Blick durch die Tür zum nächsten größeren Angriff.

FAZIT

»Made In Hell« von Artillery ist kein revolutionärer Neuanfang, aber ein starkes Lebenszeichen. Die neue Besetzung wirkt stabil, Martin Steene macht am Mikrofon eine überzeugende Figur, und René Loua fügt sich gut in die Gitarrenfront ein. Die beiden neuen Songs zeigen eine Band, die ihre klassischen Markenzeichen nicht vergessen hat und dennoch frisch genug klingt, um nicht nur von der Vergangenheit zu leben.

Die Neueinspielung von »Into The Universe« bringt zusätzlichen Druck, während »The Almighty« als Live-Abschluss die alten Wurzeln mit Schweiß und Bühnenenergie verbindet. Nicht alles auf dieser EP ist unverzichtbar, und ein bisschen mehr Tempo hätte den neuen Stücken gutgetan. Doch schlecht ist hier gar nichts. Im Gegenteil: Artilleryliefern eine kompakte, sauber produzierte und riffstarke Thrash-Metal-Packung ab, die Lust auf mehr macht.

Wenn »Made In Hell« ein Vorbote für ein kommendes Album ist, darf die Thrash-Gemeinde die Lauscher schon einmal spitzen. Der dänische Geschützstand ist wieder geladen.

Internet

ARTILLERY - Made In Hell - CD Review

VILE DESOLATION – Annihilating The Consciousness

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cover artwork VILE DESOLATION Annihilating The Consciousness
cover artwork VILE DESOLATION Annihilating The Consciousness

Band: VILE DESOLATION 🇮🇩
Titel: Annihilating The Consciousness
Label: Comatose Music
VÖ: 08/05/26
Genre: Brutal Death Metal

Tracklist

01. Veiled In Obscurity
02. Whispers Through The Shadowed Gates
03. Labyrinth Of Torment
04. Shattered Reverie
05. The Sinister Symphony
06. Dementia’s Embrace
07. Eyes Of Madness
08. Eternal Lunacy
09. Chaos Unleashed
10. Sanctified In Ashes

Besetzung

Yudha – Vocals
Hendika – Guitar, Bass
Rama – Drums

Bewertung:

4,5/5

Die indonesische Brutal Death Metal Szene ist in letzter Zeit sehr aktiv, mit vielen Alben, die zu wichtigen Exponenten der aggressivsten Art von Death Metal wurden. Und am beeindruckendsten: viele neue Bands, die in die Szene eintreten, und das ist auch der Fall bei VILE DESOLATION. Sie präsentieren ihr Debütalbum „Annihilating The Consciousness„, ein wilder und infernalischer, sehr qualitativer Beitrag zu Death Metal.

Direkter Angriff mit gut ausbalanciertem Klangbild

Die erdrückende Musik startet mit der allerersten Note, ein sehr aggressiver Death Metal in den typischen Klängen von Brutal Death Metal. „Veiled In Obscurity“ ist ein sehr direkter und aggressiver Angriff, die technische Instrumentierung wird ergänzt durch die typischen tiefgestimmten Vocals, ein Song mit genug Rhythmus und Energie, um ein überzeugender Start zu sein.

VILE DESOLATION kommen aus Ost-Java, und das Trio besteht aus Vocalist Yudha (Gory, Maggoth, Necrotic Catastrophism, Restlessly), Gitarrist und Bassist Hendika (Devouring Carnage, Hephaestus, Nematocyst, Putrescent, Spastic) und Schlagzeuger Rama (Abhorrently, Anthropophagus Depravity, Invigorate, Multiwomb, Perveration, Restlessly, ex-Depraved Murder). Sehr aktive und erfahrene Musiker, alle in vielen Projekten involviert.

Das Album setzt sich in denselben Bahnen fort. „Whispers Through The Shadowed Gates“ bringt massiven Beitrag von Gitarren, in Form massiver Riffs sowie kurzer Akzente von Leadgitarren, während die Vocals und Drums nur die finalen Akzente sind, die dem Song Gewicht und Dynamik geben. Ein gutes Beispiel für typische Songs des Genres, einer der Höhepunkte des Albums.

Die Produktion ist gut, der ganze Klang ist klar, jedes Instrument kommt individuell mit klarem Beitrag zum Klang, behält gleichzeitig die dichte Klanglandschaft und kohärente Richtung bei. In einem Genre, wo normalerweise das Schlagzeug überfordert wird, haben wir hier sehr ausbalancierten Klang von allen Instrumenten, besonders das Schlagzeug. Präsent in jedem Moment auf dem Album, wird es nie zum dominierenden Element, nur ein gut integrierter Teil, der zur erdrückenden Klanglandschaft beiträgt.

Mahlende Musik mit makabrer Atmosphäre

Ein cinematisches Intro mit Fliegen und finsteren Klängen darf auf einem Brutal Death Metal Album nicht fehlen, und das bekommen wir in „Labyrinth Of Torment„. Der Song setzt fort im bereits bekannten Tempo und Dynamik, kontinuierliche mahlende Musik, die auch auf den nächsten Songs zu finden ist, „Shattered Reverie“ mit einigen dramatischen Tempowechseln, insgesamt ein wilder und makabrer Song oder „The Sinister Symphony“ mit langsameren Passagen, sehr schweren, abgrundtiefe Musik, sehr gut kontrolliert als Komposition und technisch beeindruckend.

Der gnadenlose Angriff geht weiter mit „Dementia’s Embrace„, sicher, nach langem cinematischem Intro mit Glocken und distanzierten gruseligen Klängen ein weiterer gnadenloser Angriff gut koordinierter Drums und verwobener Gitarrenakkorde. Dunkel und erdrückend, ein weiterer guter Song mit typischer makabrer Atmosphäre.

Infernalischer Klang bringt „Eyes Of Madness„, heruntergestimmte Gitarren und bestrafende Rhythmussektion, mit den gutturalen Vocals, die den ganzen gewalttätigen Effekt des Songs amplifizieren. Hohes Tempo, vielschichtige Instrumentierung, mahlend und verzerrt, ein weiteres gutes Beispiel gut komponierten und gespielten Brutal Death Metal, ein weiterer Höhepunkt.

Bereits erwartet eröffnet der finstere Klang-Intro mit groteskem Flüstern „Eternal Lunacy„, nach diesem Moment fast der Stille setzt sich der Angriff fort im bereits etablierten Klangbild. Und dieser Klang setzt sich fort zum Album-Ende mit einem weiteren irgendwie langsameren Song „Chaos Unleashed“ und dem finalen Song „Sanctified In Ashes„, unterstreicht einmal mehr die Qualitäten der Musik, mit der VILE DESOLATION kommen, ein sehr gutes Abschlussstück voll von Dynamik und Energie.

Technische Fähigkeiten mit Reife kombiniert

Gut komponiert und beeindruckend gespielt, mit permanenter Demonstration technischer Fähigkeiten der Musiker, insgesamt beeindruckendes Werk. Das Trio schafft es, alle Aspekte der Musik mit Entschlossenheit und Inspiration abzudecken. Die Musik ist sehr gut kontrolliert, die Kompositionen sind inspiriert, und das ganze Klangbild ist überwältigend von Anfang bis Ende, wie es sein sollte.

Ein Album mit genug Vielfalt, um den Hörer involviert zu halten, die Dynamik der Musik ist gut, der Rhythmus variiert von Song zu Song, und das ganze Erlebnis ist sehr genießbar für jeden Fan des Genres. VILE DESOLATION sind nicht nur ein vielversprechender Name, sie zeigen bereits Reife in einem Werk, das keine schwachen Momente hat, sondern eine gut zusammengebundene Arbeit ist, kohärent und entschlossen. Eine klare Empfehlung für Genre-Fans.

Fazit: VILE DESOLATION liefern mit „Annihilating The Consciousness“ wildes Brutal-Death-Debüt, technisch versiert, reif und ausbalanciert.

Internet

VILE DESOLATION - Annihilating The Consciousness

Vier Meter Hustensaft: Interview mit Philipp Altenhofen: „Schmeißt die Masken weg, der Hustensaft kommt!“

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Interview: Robert Resch Fotos: Erik Hennemann

Schaut hier den Live-Clip und hört die EP „Dreckige Kohle“ (Playlist)

Die Düsseldorfer Punks von Vier Meter Hustensaft gehören inzwischen zu weit mehr als nur einem bloßen Geheimtipp in der hiesigen Szene. Was einst mit dem Demoalbum „Influenza“ und einer Sängerin begann, nahm vor rund zwei Jahren mit der EP „Kein Vergeben, Kein Vergessen“ spürbar Fahrt auf, als die Band mit NRT-Records gemeinsame Sache machte. Anfang dieses Jahres präsentierte sich die Politpunk-Formation schließlich in neuer Besetzung: Sängerin Yvonne warf das Handtuch, während Phil und Thiemo fortan den Gesang übernahmen und der Band hörbar eine neue Dynamik verliehen. Vergangenen Samstag standen Vier Meter Hustensaft gemeinsam mit The Bolokos in der legendären Manege Lintorf auf der Bühne – ein Abend, der offenbar noch lange nachhallen dürfte. Grund genug also, um uns mit Philipp Altenhofen über Umbesetzungen, neue Energie, dreckige Kohle, Haltung im Punkrock und die nächsten Schritte der Band zu unterhalten.

Robert – Philipp Altenhofen (Sänger & Gitarrist Vier Meter Hustensaft)

Hallo Phil, schön, dass du dir Zeit für Metal Underground nimmst. Bei Vier Meter Hustensaft ist gerade ordentlich Bewegung drin: Die aktuelle EP „Dreckige Kohle“ ist erschienen, hat positive Resonanz eingefahren und zeigt die Band nach den Umbesetzungen hörbar fokussierter, direkter und druckvoller. Gleichzeitig steht ihr offenbar nicht still, denn bald soll bereits eine weitere Veröffentlichung folgen. Dazu kommt: Ihr habt gerade die Show mit The Bolokos in der Manege Lintorf in Ratingen hinter euch. Also steigen wir direkt bei den aktuellen Ereignissen ein.

Phil, euer Bandname „Vier Meter Hustensaft“ bleibt definitiv hängen – aber wie ist er eigentlich entstanden? Gibt es eine konkrete Geschichte dahinter oder war das eher ein spontaner Geistesblitz?

Der Name entstand tatsächlich schon ein bis zwei Jahre, bevor es die Band gab:

Meine Tochter war irgendwann mit zwei/drei Jahren richtig krank.
Als meine Frau mit ihr vom Arzt nach Hause kam, hat sie mir ganz stolz erzählt, dass der Arzt gesagt hat, dass sie „Vier Meter Hustensaft“ nehmen muss.

Sänger und Gitarrist Philipp Altenhofen Live in der MANEGE LINTORF:
Fotocopyright: Erik Hennemann

Anmerkung Robert: Ein Name, der hängen bleibt.

Ihr habt gerade die Show mit The Bolokos in der Manege Lintorf in Ratingen gespielt. Wie war der Abend für euch, und wie hat dieses etwas ungewöhnliche Paket aus karibischem Punkrock und Düsseldorfer Szene seine Wirkung entfaltet?

Der Abend ist eigentlich kaum in Worte zu fassen.

The Bolokos sind nicht nur eine großartige Band, es sind vor allem großartige Menschen…. Wir hatten einen fantastischen Abend.


Vor ausverkauftem Haus zu spielen, war definitiv ganz besonders. Das Feedback am gleichen Abend hat das auch bestätigt. Das Surreale daran: Es standen draußen Leute und kamen nicht mehr rein, weil die Manege Lintorf einfach rappelvoll war. Das war so surreal.

 

Bassist Philipp Wachter Live in der MANEGE LINTORF
Fotocopyright: Erik Hennemann

Die EP „Dreckige Kohle“ ist ja im Januar erschienen und hat positive Resonanz erhalten. Wie fühlt sich das für euch an, gerade weil es die erste Veröffentlichung in der aktuellen Besetzung ist? Wart ihr nervös, wie die Leute auf die starke Veränderung innerhalb der Bandstruktur reagieren würden, oder saht ihr das entspannt?

Wir haben dem recht entspannt entgegengesehen.
Live ist dieser Zustand ja nun schon seit Ende 2024 so. Klar gab es anfangs etwas Verwunderung, aber es gab gleichermaßen auch genug positive Resonanz, um weiterzumachen.

Nach dem Ausstieg von Yvonne Wagner hast du zunächst kurzfristig den Gesang übernommen und bist dann dauerhaft in die Frontrolle hineingewachsen. Wie groß war dieser Schritt für dich persönlich?

Ich habe mich daran gewöhnt.
Der Schritt war eigentlich nicht so groß, sondern in dem Moment notwendig und logisch. Es hat sich für uns falsch angefühlt, jemand Neuen in die Band zu holen, der dann die Texte singt, die Yvonne überwiegend geschrieben hat.

Ich habe mich anfangs nicht ganz wohlgefühlt in der Rolle als Sänger, aber langsam habe ich mich daran gewöhnt. Trotzdem ist es super – so war ja auch die Hoffnung –, dass da jetzt auch Thiemo ist, der mich beim Gesang unterstützt. So kann ich dann zwischendurch mal wieder durchatmen und mich mit meiner Rolle als Gitarrist austoben.

Gitarrist & Sänger Thiemo Schröder – Live in DER MANEGE LINTORF Fotocopyright: Erik Hennemann

Nach der Veröffentlichung von „Dreckige Kohle“ soll bald schon eine weitere EP erscheinen. Seid ihr gerade besonders kreativ, oder ist da nach den personellen Veränderungen einfach viel angestaute Energie freigesetzt worden?

Sowohl als auch.

Zudem ist da auch einfach der Drang danach, ein komplettes Album zu haben und das anbieten zu können. Klar muss man auch sagen, dass einige der „alten“ Songs in der neuen Besetzung einfach nicht mehr funktionieren bzw. nicht mehr authentisch sind. So wollen wir live nach und nach einfach auch mehr Songs haben, die das repräsentieren, wie die Band nun eben ist.

Hatte der Gig mit The Bolokos für euch noch einmal einen besonderen Stellenwert, weil Vier Meter Hustensaft nach den Umbesetzungen inzwischen hörbar und sichtbar in einer neuen Phase angekommen sind?

So einen Gig spielen zu dürfen, ist immer besonders. An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei Mike Vogel bedanken, der uns nach dem Gespräch mit unserem Labelboss Philipp Gottfried, in Punkkreisen Pfnörki genannt, direkt gebucht hat.

Mit Thiemo Schröder kam nicht nur eine zweite Gitarre dazu, sondern auch eine weitere Stimme. Was hat sich dadurch musikalisch, live und innerhalb der Band verändert?

Die Kreativität hat sich verändert, die spielerischen Möglichkeiten natürlich auch. Live ist das ein großer Vorteil, weil wir uns aufteilen können und das Gitarrenfundament nun auch klingt wie auf Platte.

Drummer Dirk Löber – Live in Der MANEGE LINTORF Fotocopyright: Erik Hennemann

Schon der Opener „Was Ich Dringend Brauche“ wirkt erst wie ein klassischer Bier-und-Frust-Song, hat aber zwischen den Zeilen eine deutlich persönlichere Ebene. Wie viel Augenzwinkern und wie viel echter Alltag steckt in diesem Stück?

Da steckt definitiv mehr Augenzwinkern als Alltag drin.
Aber wer kennt es nicht: Alles und jeder nervt, bis man die Person findet, bei der plötzlich all der Frust vergessen ist.

Der Titeltrack „Dreckige Kohle“ zeichnet ein Bild zwischen Rheinland, Ruhrgebiet, Büdchen, Bier und Bodenhaftung. Was bedeutet Heimat für dich im Punkrock-Kontext?

Heimat im Punkrock-Kontext bedeutet für mich Freiheit.

Punkrock ist ein breit gefächertes Genre, in dem ich auf der Gitarre mit drei Akkorden sein darf, aber auch ein Solo oder ein Breakdown Gefallen findet.

„Der Allergrößte“ mokiert sich über jene selbsternannten Überflieger, die selbst nichts auf die Reihe bekommen, aber eine Riesenschnauze haben. Sind solche Songs eher allgemeine Beobachtungen, oder gibt es da manchmal sehr konkrete Auslöser?

Der konkrete Auslöser war bei mir das berufliche Umfeld.

Ihr seid von Monasteria Recordz 2023 zu NRT-Records gewechselt. Warum kam es zu diesem Schritt, und was hat sich für euch seitdem konkret verändert – in der Arbeitsweise, der Außenwirkung und im Gefühl, als Band unterstützt zu werden?

Die Zusammenarbeit mit Monasteria Recordz war erst einmal auf die „Influenza“-Vinyl beschränkt. Das lief ja auch weiter, solange es MS Recordz gab.

Zu NRT-Labelboss Philipp besteht der Kontakt allerdings auch schon recht lange, und wir haben natürlich genau verfolgt, wie er sich um seine Bands kümmert. Also haben wir ihm zwei Songs – ich glaube, es waren damals „Kein Vergeben“ und „Alle Gegen Einen“ – gepitcht, und nach nicht einmal zehn Stunden kam die Antwort: „Alles klar, ich mache euch.“ Mit vielen Infos zum Label, die er mitschickte. Zunächst beschränkte Philipp aka. Pfnörki den Vertrag auf die eine EP, und Ende letzten Oktobers haben wir den Plattenvertrag dann quasi upgegradet auf mindestens drei Alben. Heute ist er auch ein sehr guter Freund von uns geworden und wir haben nicht nur geschäftlichen Kontakt…. Seit wir bei ihm sind, läuft es wie am Schnürchen. NRT ist das Beste, was einer Band passieren kann, gerade in der heutigen Zeit.

Vier Meter Hustensaft – Copyright: Vier Meter Hustensaft

Mit „Misch Dich Ein“ habt ihr vorher schon ein klares Statement gegen Homophobie gesetzt und damit viel Aufmerksamkeit bekommen. Wie wichtig ist es euch, Punkrock nicht nur als Ventil, sondern auch als Haltung zu verstehen? Manche würden ein solches Thema als zu woke empfinden, doch was hat euch dazu bewogen, dieses Lied zu schreiben?

Punkrock war und ist immer Haltung zeigen. Homophobie ist einfach dumm und falsch. Punkt.

Nach „Dreckige Kohle“, der positiven Resonanz, der Show mit The Bolokos und der bereits laut Insiderwissen 😉 geplanten nächsten Veröffentlichung: Wo stehen Vier Meter Hustensaft jetzt – und wohin soll es als Nächstes gehen?

Gerade stehe ich noch neben mir. Ich schreibe diese Zeilen am Morgen nach dem Konzert, und ich bin noch ein wenig kaputt. 😀
Wir stehen gerade als Band in den Startlöchern, bereit loszulegen!

Danke dir für das Gespräch, Phil. Die letzten Worte gehören dir: Was möchtest du den Leuten da draußen noch mitgeben – an die Punk-Szene, an eure Fans oder an alle, die Vier Meter Hustensaft bisher noch nicht auf dem Schirm hatten?

Schmeißt die Masken weg, der Hustensaft kommt! Zunächst einmal, Robert, möchten wir uns bei dir für das Interview bedanken und grüßen alle Metalheads und Punks, alle Leser von Metal Underground und danken euch für euer Interesse an unserer Musik.

Und immer dran denken: A Hustensaft A Day, keeps the Doctor Away

VIER METER HUSTENSAFT – Interview

RITCHIE NEWTON – Higher Power

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RITCHIE NEWTON - Higher Power - album artwork
RITCHIE NEWTON - Higher Power - album artwork

Band: RITCHIE NEWTON 🇩🇪
Titel: Higher Power
Label: NRT Records
VÖ: 01/05/26
Genre: AOR/Hard Rock/Classic Rock

Tracklist

01. Higher Power
02. Come Give Me Your Love
03. Crying In The Summer Rain
04. I Lost My Faith In You
05. Glory Harleylujah
06. Saxana
07. King Of The Night
08. When Children Cry
09. Goodbye My Little Boy
10. Winds Of Destiny
11. Woman In Doubt
12. Come Give Me Your Love (Iwan May version)
13. I Lost My Faith in Yo (Iwan May Version)

 

Besetzung

Ritchie Newton – Vocals & lyrics
Iwan May – Guitars
Dodi – Bass
Layphan Reyphare – Keyboards
Dandy – Drums

 

Bewertung:

4/5

Mit »Higher Power« meldet sich RITCHIE NEWTON eindrucksvoll zurück und liefert ein Album, das tief im klassischen AOR und melodischen Hard-Rock verwurzelt ist. Der Sänger und Songwriter übernimmt nicht nur Vocals und Texte, sondern auch die Produktion. Ein klares Zeichen für eine persönliche Handschrift. Unterstützt wird er von einem internationalen Line-up Iwan May an den Gitarren, Dodi am Bass, Layphan Reyphare an den Keyboards und Dandy am Schlagzeug. Ergänzt wird das Ganze durch namhafte Gäste wie Hans Ziller, Frank Pané oder Armin Sabol, die einzelnen Songs zusätzliche Farbe verleihen.

Klangbild und Ausrichtung

Schon nach wenigen Takten wird klar, wohin die Reise geht, warme Gitarren, breite Keyboardflächen und eingängige Refrains. »Higher Power« orientiert sich hörbar an Größen der 80er, ohne dabei altbacken zu wirken. Statt bloßer Nostalgie setzt Newton auf ein modernes, sauberes Sounddesign, das vor allem dem Mix und Mastering von Rizky Wahyudi zu verdanken ist. Die Produktion bleibt druckvoll, aber nie überladen, genau das, was dieses Genre braucht.

Starker Einstieg

Der Titelsong »Higher Power« eröffnet das Album mit Selbstbewusstsein. Die Gitarrenarbeit, unter anderem von Armin Sabol und Markus Pfeffer, liefert direkt einen Höhepunkt. Dazu kommt ein überraschend gut integriertes Saxofon von Boris Matakovic, das dem Track einen besonderen Charakter verleiht. Newtons Stimme sitzt dabei genau zwischen rauer Energie und melodischer Kontrolle.

Mit »Come Give Me Your Love« folgt ein klassischer AOR-Track, der durch seine Klarheit besticht. Frank Pané setzt hier gezielte Akzente an der Gitarre, während der Refrain sofort hängen bleibt. Diese Fähigkeit, Hooks ohne große Umwege zu platzieren, zieht sich durch das gesamte Album.

Emotionale Mitte

Die emotionale Stärke von »Higher Power« zeigt sich besonders in Songs wie »Crying In The Summer Rain« oder »I Lost My Faith In You«. Letzterer wird durch das Gastspiel von Hans Ziller zusätzlich aufgewertet. Hier geht es weniger um große Gesten, sondern um Atmosphäre und Gefühl. Newton überzeugt vor allem dann, wenn er zurücknimmt und Raum lässt.

»When Children Cry« greift ein bekanntes Thema auf und interpretiert es mit einer Mischung aus Pathos und Zurückhaltung. Es ist einer dieser Songs, die live vermutlich noch stärker wirken werden als auf Platte.

Mut zur Abwechslung

Ein echter Ausreißer im positiven Sinne ist »Glory Harleylujah«. Der Titel spielt bewusst mit Klischees, ohne ins Lächerliche abzurutschen. Hier zeigt sich, dass Newton auch Spaß an seinem Material hat. »Saxana« bringt eine leicht exotische Note ins Album, während »King Of The Night« wieder stärker auf klassischen Hard-Rock setzt.

»Goodbye My Little Boy« gehört zu den ruhigeren Momenten und wirkt fast wie ein persönliches Statement. Der Song ist schlicht arrangiert, trifft aber genau deshalb ins Schwarze.

Zweite Hälfte und Varianten

Mit »Winds Of Destiny« und »Woman In Doubt« bleibt das Niveau stabil. Beide Songs setzen stärker auf Atmosphäre als auf direkte Eingängigkeit, was dem Album zusätzliche Tiefe gibt. Besonders die Keyboardarbeit von Layphan Reyphare kommt hier gut zur Geltung.

Interessant sind die alternativen Versionen am Ende der Platte. Die Iwan-May-Version von »Come Give Me Your Love« sowie »I Lost My Faith In You« setzen stärker auf Gitarrenfokus und unterscheiden sich deutlich genug, um mehr als nur Bonusmaterial zu sein. Sie geben einen kleinen Einblick in den kreativen Prozess hinter dem Album.

Produktion und Details

Dass Newton selbst als Produzent fungiert, hört man dem Album an. Die Songs wirken durchdacht, ohne steril zu sein. Der Mix von Rizky Wahyudi sorgt dafür, dass jedes Instrument seinen Platz hat. Gerade im AOR ist das entscheidend, da hier viele Elemente gleichzeitig wirken müssen.

Die Gastmusiker sind sinnvoll eingesetzt und wirken nie wie bloße Namen auf dem Papier. Ob Saxofon, zusätzliche Gitarren oder alternative Drumspuren, alles dient dem Song und nicht dem Ego.

»Higher Power« ist ein Album, das genau weiß, was es sein will. Kein Experiment, kein Stilbruch, sondern eine konsequente Umsetzung klassischer Rocktugenden mit moderner Produktion. RITCHIE NEWTON liefert hier ein Werk ab, das Fans von AOR und melodischem Hard-Rock ohne Umwege abholt.

Nicht jeder Song erreicht das gleiche Niveau, und an manchen Stellen hätte etwas mehr Risiko gutgetan. Trotzdem überwiegen die starken Momente deutlich. Die Mischung aus eingängigen Melodien, solider Musikerleistung und sauberer Produktion trägt das Album über die gesamte Laufzeit.

Fazit: »Higher Power« ist ein gelungenes Werk, das die Vielseitigkeit und das Können von RITCHIE NEWTON unter Beweis stellt.

Internet

RITCHIE NEWTON - Higher Power - CD Review

THREAT SIGNAL – Revelations

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THREAT-SIGNAL_Revelations_Album-Cover
THREAT-SIGNAL_Revelations_Album-Cover

Band: THREAT SIGNAL 🇨🇦
Titel: Revelations
Label: Agonia Records
VÖ: 27/03/26
Genre: Metalcore

Tracklist

01. The Great Tribulation
02. Non-Essential
03. Exercise The Demon
04. Fire At Will
05. Death Will Find Us All
06. Paralysis
07. Revelations
08. NME
09. Hell And Back
10. Live For You

 

Besetzung

Jon Howard – Vocals
Travis Montgomery – Guitar
Oswin Wong – Guitar
Pat Kavanagh – Bass
Joey Muha – Drums

 

 

Bewertung:

3,5/5

Nach einer neunjährigen Schaffenspause kehren THREAT SIGNAL mit „Revelations“ zurück. Die 2003 gegründete Band traf mit ihrer Mischung aus groovig-vertrackten Riffs à la MESHUGGAH und melodischem Industrial-Einfluss – erinnernd an FEAR FACTORY – damals perfekt den Nerv der Zeit. Mit „Under Reprisal“ lieferten sie 2006 ein wahnsinnig starkes Debütalbum ab, das für viele Fans auch bis heute unübertroffen bleibt. Seinerzeit gab es nur eine Handvoll Bands, wie SYBREED oder MNEMIC, die vergleichbare Musik machten. Anno 2026 tun sich THREAT SIGNAL in puncto Alleinstellungsmerkmalen deutlich schwerer.

Gereifter Sound mit klaren Wurzeln

THREAT SIGNAL zeigen bereits anhand der ersten Nummer, dass sie ihrem Stil grundlegend treu geblieben sind: „The Great Tribulation“ kombiniert Härte in Form von groovigen Riffs und schmetternden Drum-Beats mit melodischen Refrains, die von sanften Gesangspassagen und harmonischen Akkorden begleitet werden. Tempo- und Stimmungswechsel tragen zur Dynamik bei. Die erste Single-Auskopplung „Non-Essential“ setzt diese Linie mühelos fort, zeigt uns im Refrain ebenso eine melodische Seite, wenn auch mit einer lebendigeren Stimmung, die durch ein spaciges Riff im Hintergrund kreiert wird. Zudem ist das Gitarren-Schlagzeug-Battle im Outro extrem brachial. Auf diesem eingeschlagenen Weg geht es nun für einige Songs weiter.

Wiederkehrende Stilmittel sorgen für Berechenbarkeit

Die Band ist immer schon darum bemüht, neue Facetten zu ihrem musikalischen Spektrum hinzuzufügen, was je nach Perspektive Fluch oder Segen sein kann. Wo seinerzeit auf „Vigilance“ (2009) noch thrashig-angehauchte Riffs und technische Soli zu hören waren, kommt auf „Revelations“ zeitgenössischer Metalcore viel stärker zum Tragen. THREAT SIGNAL lieben ihre Chug-Riffs im unisono mit den Drums. Wenn die Songstrukturen mit aggressiven Strophen und melodischen/singbaren Refrains sich dann zu häufig wiederholen, läuft man allerdings Gefahr, eintönig und berechenbar zu werden. Dabei wissen Fans, dass die Kanadier technisch durchaus einiges auf Lager haben, wenn sie wollen. Besonders die doch ansehnlichen Skills von Lead-Gitarrist Travis Montgomery hätten deswegen ab und zu stärker in den Vordergrund treten dürfen.

Abwechslung und Experimente

Abwechslung wird stattdessen eher anhand von Soundeffekten bzw. Synthesizern geschaffen, die eine stimmige Atmosphäre erzeugen und der Platte somit einen roten Faden verleihen. Gegen Ende des Albums wurden auch durchaus Experimente gewagt, die in dieser Form noch nicht in der Diskographie der Band zu hören waren: In „Hell And Back“ und „Live For You“ wird fast ausschließlich clean gesungen. Letzteres kann man sogar als Ballade bezeichnen. Der Einsatz von Akustik-Gitarren ist ein willkommener Kontrast und trägt zur melancholisch-romantischen Thematik des Liedes positiv bei. Mit dem „Oh-Oh“-Chorgesang im Outro hat man sogleich auch einen klassischen Album-Closer.

Produktion und Sound

Bis auf das Mastering wurde die Produktion von Sänger Jon Howard selbst in die Hand genommen und diese kann sich auf jeden Fall sehen – oder besser gesagt hören – lassen! Alles klingt sehr fett und modern, aber gleichzeitig könnte das Album zwanzig Jahre älter geschätzt werden. Diese Ambivalenz macht die Scheibe zu einer wahren Nostalgie-Schatzkiste für Fans der alten Schule. Auch Jons Vocals mit seinen mark-erschütternden Screams und Cleans, die seit jeher an Chester Bennington von LINKIN PARK erinnern, haben ihre Wirkung nicht verloren.

Fazit: THREAT SIGNAL setzen mit „Revelations“ grundsätzlich ihre Linie fort, diesmal allerdings mit etwas stärkerem kontemporären Metalcore-Einfluss. Im Großen und Ganzen bleiben sie auch in ihrer musikalischen Komfortzone. Kleine stilistische Experimente lockern das Album aber auf. 

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THREAT SIGNAL – Revelations

Bloody Valkyria – Requiem – Reveries Of The Dying

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Bloody Valkyria - Requiem - Reveries Of The Dying - album artwork
Bloody Valkyria - Requiem - Reveries Of The Dying - album artwork

Band: Bloody Valkyria 🇫🇮
Titel: Requiem: Reveries Of The Dying
Label: Northern Silence Productions
VÖ: 03/04/26
Genre: Melodic/Atmospheric Black Metal

Tracklist

01. Symphony Of Silence
02. Life’s Worth
03. Always
04. Mending Through Suffering
05. When Everything Feels Like Nothing
06. Longing
07. My Beloved North

Besetzung

Jere Kervinen – Music, lyrics, vocals, all instruments

Bewertung:

4/5

Mit »Requiem: Reveries Of The Dying« legt Bloody Valkyria ein Album vor, das nicht einfach nur gehört, sondern durchschritten werden will. Hinter dem finnischen Ein-Mann-Projekt steht Jere Kervinen, der sich in bemerkenswert kurzer Zeit einen Namen im melodischen Black-Metal-Untergrund erspielt hat. Nach den stark von Fantasy-Welten geprägten Vorgängern »Kingdom In Fire« und »In Our Home, Across The Fog« richtet sich der Blick nun weniger auf Schlachten, Mythen und äußere Welten, sondern tief nach innen.

Das Resultat ist ein Album über Vergänglichkeit, Verlust, Erinnerung und den Übergang vom Leben in den Tod. Wo früher noch das Schwert auf dem Schlachtfeld glänzte, liegt nun Nebel über einer Landschaft, in der der letzte Atemzug bereits spürbar wird. Bloody Valkyria tauscht die heroische Außenwelt gegen eine intime Innenschau, ohne dabei den epischen Charakter der Musik zu verlieren.

DER TOD ALS SYMPHONISCHES PANORAMA

Schon der eröffnende Longtrack »Symphony Of Silence« macht klar, dass Jere Kervinen nicht in kleinen Gesten denkt. Fast vierzehn Minuten lang entfaltet sich ein Stück, das zwischen akustischer Zerbrechlichkeit, symphonischer Größe und melodischem Black-Metal-Sturm pendelt. Der Song wirkt wie der letzte Blick eines Sterbenden auf das eigene Leben: Erinnerungen ziehen vorbei, Schuld und Reue melden sich, Hoffnung flackert noch einmal auf, bevor alles in Stille versinkt.

Musikalisch ist das stark inszeniert. Die Gitarren tragen diese typischen, weit aufsteigenden Melodiebögen, die stellenweise an Wintersun erinnern, während die dunkleren, theatralischen Passagen durchaus in Richtung neuerer Dimmu Borgir schielen. Gleichzeitig bleibt Bloody Valkyria deutlich im melodischen Black Metal verwurzelt. Die Produktion klingt größer und höhlenartiger als zuvor, aber nicht matschig. Alles hat Raum, alles darf nachhallen.

Ganz ohne Längen kommt der Opener allerdings nicht aus. In der Mitte verliert sich das Stück kurz in seiner eigenen Größe, bevor es wieder Fahrt aufnimmt. Dennoch ist »Symphony Of Silence« ein beeindruckender Auftakt, der die Messlatte hochlegt und zeigt, wie weit Jere Kervinen als Komponist inzwischen gekommen ist.

ZWISCHEN LEBENSBILANZ UND UNERFÜLLTEN TRÄUMEN

Mit »Life’s Worth« folgt ein deutlich kompakterer Song. Inhaltlich kreist das Stück um die Frage, ob ein Leben wirklich erfüllt war oder ob am Ende vor allem das Gewicht der ungetanen Dinge bleibt. Es geht nicht nur um Reue, sondern um diese bittere Bilanz, die sich einstellt, wenn man erkennt, dass manche Träume nie eine Form angenommen haben.

Musikalisch hätte dieser Song als direkterer Gegenpol zum ausladenden Opener funktionieren können. Ansätze dafür sind vorhanden, besonders in den melodischen Momenten. Dennoch wirkt »Life’s Worth« nicht ganz so zwingend, wie es der Albumfluss an dieser Stelle gebrauchen könnte. Der rote Faden wird etwas lockerer, die Ideen sind stark, aber nicht immer perfekt gebündelt.

Ganz anders verhält es sich mit »Always«. Hier findet Bloody Valkyria eine der emotional stärksten Ausdrucksformen des Albums. Der Song handelt von unerreichbarer Liebe, Erinnerung und dem Schmerz, jemanden innerlich nie losgelassen zu haben. Das lyrische Bild ist nicht das eines gewöhnlichen Liebesliedes, sondern das einer Seele, die selbst im Angesicht des Todes noch an einer verlorenen Bindung festhält.

Musikalisch gehört »Always« zu den großen Höhepunkten. Die Melodien wirken hymnisch, fast schmerzlich schön, und genau hier liegt die Stärke von Jere Kervinen: Er kann Melancholie in Größe übersetzen, ohne sie völlig zu verkitschen. In den besten Momenten klingt das tatsächlich wie ein uneheliches Kind aus Wintersun und Dimmu Borgir, aber mit eigener finnischer Schwermut im Blut.

SCHMERZ ALS HEILUNG, HOFFNUNG ALS LETZTER REST

»Mending Through Suffering« geht wieder sperriger zu Werke. Der Song braucht etwas länger, um sich vollständig zu öffnen, entfaltet dann aber eine starke Wirkung. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit der Frage, ob Leiden tatsächlich heilen kann oder ob es den Menschen nur immer weiter aufbricht. Der Text bewegt sich zwischen Verzweiflung und Trotz, zwischen gebrochenem Herzen und dem letzten Rest Hoffnung.

Musikalisch ist »Mending Through Suffering« aggressiver als viele andere Momente des Albums. Das Schlagzeug treibt härter, der Gesang wirkt verzweifelter, die Riffs schneiden stärker durch die symphonischen Schichten. Gleichzeitig bleibt die melodische Handschrift klar erkennbar. Bloody Valkyria verliert sich nicht im reinen Hass, sondern lässt selbst in den härteren Momenten Licht durch die Risse fallen.

Genau darin liegt eine zentrale Qualität von »Requiem: Reveries Of The Dying«. Das Album ist dunkel, aber nie nur finster. Es leidet, aber es suhlt sich nicht permanent im Schmerz. Immer wieder erhebt sich aus der Schwermut eine Melodie, die fast tröstlich wirkt. Als würde der Tod hier nicht nur als Ende, sondern auch als letzter Übergang verstanden.

WENN ALLES NACH NICHTS SCHMECKT

Mit »When Everything Feels Like Nothing« wird das Tempo spürbar zurückgenommen. Der Song ist schleppender, melancholischer und nähert sich atmosphärisch dem depressiveren Black Metal an, ohne komplett in DSBM-Abgründe zu stürzen. Inhaltlich geht es um emotionale Erschöpfung, das Verstummen innerer Freude und den Zustand, in dem selbst ein möglicher neuer Morgen keine wirkliche Verheißung mehr ist.

Dieser Song bringt eine notwendige Abwechslung ins Album. Nach den großen hymnischen Bögen wirkt »When Everything Feels Like Nothing« wie ein erschöpfter Gang durch die Nacht. Nicht jeder Moment ist spektakulär, aber gerade diese reduzierte Wirkung tut dem Album gut. Hier wird nicht mehr gekämpft, hier wird getragen.

Das anschließende »Longing« wirkt wie ein Zwischenraum. Ein Moment des Atemholens, des Zurückblickens, vielleicht auch des inneren Abschieds. Als instrumentaler oder zumindest stark atmosphärisch geprägter Ruhepunkt erfüllt der Song seine Funktion, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Er bereitet den Boden für das Finale.

MUTTER NORDEN ALS LETZTE HEIMAT

Mit »My Beloved North« endet das Album in großer, naturmystischer Geste. Inhaltlich wendet sich der Blick des Sterbenden an den Norden selbst: an Berge, Wälder, Seen, Stürme, Sommernächte und Nordlichter. Der Tod wird hier nicht mehr nur als Dunkelheit beschrieben, sondern als Heimkehr in eine Landschaft, die größer ist als das einzelne Leben.

Das ist stark gedacht und passt hervorragend zur finnischen Herkunft des Projekts. Jere Kervinen verbindet persönliche Vergänglichkeit mit nordischer Naturerhabenheit. Der Mensch vergeht, aber der Norden bleibt. Die Natur wird zur letzten Zeugin, vielleicht sogar zur letzten Zuflucht.

Musikalisch ist »My Beloved North« atmosphärisch und breit angelegt. Die Synths tragen viel Stimmung, die Gitarren steigen noch einmal groß auf, und das Stück besitzt durchaus finale Würde. Trotzdem ist hier auch eine kleine Schwäche des Albums zu spüren: Der Song hätte in etwas gestraffter Form noch stärker wirken können. So bleibt er eindrucksvoll, aber auch ein wenig langatmig.

KLANGBILD ZWISCHEN BLACK METAL UND FILMISCHER GRÖSSE

Die Produktion von »Requiem: Reveries Of The Dying« ist klar, modern und räumlich. Die Gitarren behalten ihre Schärfe, die Synths besitzen Tiefe, und der Gesang steht präsent genug im Mix, um die emotionale Ebene zu tragen. Besonders auffällig ist, dass die symphonischen Elemente nicht bloß Beiwerk sind. Sie formen die Atmosphäre entscheidend mit und geben dem Album diesen filmischen Charakter.

Im Vergleich zu früheren Arbeiten wirkt Bloody Valkyria reifer. Die Kompositionen sind größer gedacht, die Melodien greifen sicherer, und das Zusammenspiel aus Raserei, Pathos und Trauer funktioniert über weite Strecken überzeugend. Gleichzeitig bleibt ein bekanntes Problem: Jere Kervinen denkt manchmal so episch, dass einzelne Passagen etwas zu lange ausformuliert werden. Nicht jeder Song braucht jede Wendung, nicht jedes Motiv muss bis zum letzten Atemzug ausgedehnt werden.

Doch selbst diese Längen wirken selten wie echte Schwächen, eher wie Nebenwirkungen eines Künstlers, der sehr viel ausdrücken will. »Requiem: Reveries Of The Dying« ist kein knappes, gnadenlos fokussiertes Album. Es ist ein ausladendes Requiem, eine Trauerlandschaft, ein musikalischer Abschied in sieben Stationen.

FAZIT

Mit »Requiem: Reveries Of The Dying« gelingt Bloody Valkyria ein starker nächster Schritt. Jere Kervinen löst sich von der reinen Fantasy-Schablone und erschafft ein Werk, das persönlicher, verletzlicher und emotional dichter wirkt als seine Vorgänger. Das Album verbindet melodischen Black Metal, symphonische Größe, dezente Folk-Anklänge und eine spürbare Todesmelancholie zu einem Werk, das in seinen besten Momenten absolut mitreißend ist.

Nicht alles sitzt perfekt. »Life’s Worth« verliert etwas den roten Faden, »My Beloved North« hätte kompakter ausfallen dürfen, und insgesamt verhindern einige Längen den Sprung zum künftigen Klassiker. Doch wenn Bloody Valkyria hier glänzt, dann richtig. »Symphony Of Silence«, »Always« und »Mending Through Suffering« zeigen einen Musiker, der große Melodien, dramatische Atmosphäre und emotionale Schwere eindrucksvoll zusammenführen kann.

»Requiem: Reveries Of The Dying« ist ein Album zwischen Sterbebett und Nordlicht, zwischen Schuld und Erlösung, zwischen Black-Metal-Raserei und hymnischer Schönheit. Wer Moonlight Sorcery, Caladan Brood, Summoning, Saor, Wintersun oder symphonisch geprägten Black Metal mit starkem Melodiefokus schätzt, sollte diesen Silberling definitiv auf dem Radar haben.

Hier das Album anhören:

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BLOODY VALKYRIA - REQUIEM - REVERIES OF THE DYING - CD Review

Slaamaskin – Endevendt

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Slaamaskin - Endevendt - album artwork
Slaamaskin - Endevendt - album artwork

Band: Slaamaskin 🇳🇴
Titel: Endevendt
Label: Independent
VÖ: 02/04/26
Genre: Metal/Hardcore/Punk/Crossover

Tracklist

01. Stridshaud
02. Hoggspekker
03. Stigma
04. Varde

Besetzung

Arvid Grov – Bass
Jostein Sandvik Woxen Henanger – Drums
Kåre Helleve – Guitars
Jan-Helge Bergesen – Guitars
Rolf Oldeide – Vocals

Bewertung:

3/5

Slaamaskin kommen aus Norwegen, klingen aber nicht nach Fjordromantik, sondern nach schwitzendem Kellerclub, kaltem Beton und einer Band, die ihre verschiedenen Wurzeln ohne Rücksicht auf Genrepolizei zusammenhämmert. Punk, Hardcore, Thrash, Nu Metal und metallische Grobkörnigkeit werden bei Slaamaskin nicht sortiert, sondern in eine rostige Mischmaschine geworfen. Das Ergebnis auf »Endevendt« ist hart, direkt und bewusst nicht A4.

SIRENEN STATT KUSCHELROCK

Eröffnend mit Sirenengeheul wird einem bei »Endevendt« direkt klar, dass hier absolut keine Kuschelrockscheibe auf dich wartet. Das Quintett verbindet rohe Metalenergie mit starkem Hardcore-Einfluss, gebettet auf eine Punkattitüde, die authentisch aus den Boxen kommt und dabei überzeugt.

Der Opener »Stridshaud« steht im mittleren Tempo und baut auf einem atombombenfesten Fundament aus Bass und Schlagzeug. Darüber legen sich Gitarren, die nicht nur drücken, sondern auch mit kleinen arpeggioartigen Figuren und kompositorischen Schnörkeln arbeiten. Inhaltlich wirkt der Song wie eine Kampfansage gegen Heuchelei, Machtmissbrauch und kollektive Abstumpfung.

GROOVE, GIER UND GITARRENARBEIT

Mit »Hoggspekker« setzen Slaamaskin nach. Mehrstimmige, metallastige Leadgitarren eröffnen den Song, bevor das Ganze mit gedrosseltem Tempo und ordentlichem Druck auf dem Kessel weiterrollt. Die Gesangsleistung ist amtlich, die Band spielt präzise, und ab der zweiten Songhälfte zeigt ein leidenschaftliches Gitarrensolo, dass Slaamaskin mehr wollen, als einfach nur auf’s Schnitzel zu kloppen.
Textlich nimmt »Hoggspekker« Gier, Maßlosigkeit und den alten Reflex aufs Korn, dass jene, die viel haben, trotzdem immer noch mehr wollen. Die Kritik kommt nicht fein poliert daher, sondern bissig und grotesk.

ZWISCHEN STIGMA UND SCHWERE

Bei »Stigma« fährt die Band den Core-Anteil spürbar hoch. Treibend im Rhythmus, standfest in der Struktur und nach dem Motto „Better the Devil you know“ wird hier nicht experimentiert, sondern konsequent Druck aufgebaut. Die melodischen Leads setzen starke Akzente, während der raue Gesang die dunkle Atmosphäre trägt.
Inhaltlich geht es um Ausgrenzung, Schuldzuweisung und gesellschaftliche Mechanismen, die Menschen markieren und beschämen. Das ist nicht subtil, aber effektiv.

Zum Abschluss stampft »Varde« los. Breaks, druckvolle Rhythmusdynamik, verzerrter Bass und mehrstimmige Chöre geben dem Song eine wuchtige Schlusswirkung. Inhaltlich kreist das Stück um Verfall, innere Fesseln und zerstörerische Begierden. Hier zeigt Slaamaskin noch einmal, dass sie Atmosphäre und Härte gut miteinander verzahnen können.

FAZIT

»Endevendt« von Slaamaskin ist eine kurze, harte und handwerklich starke EP zwischen Metal, Hardcore und Punk. Innovation sucht man hier nur bedingt, doch die Band versteht ihr Handwerk und muss sich vor Kollegen des Genres nicht verstecken.

Nicht jeder Moment zündet gleich stark, und stellenweise bleiben Slaamaskin etwas zu nah an bekannten Mustern. Schlecht ist diese Platte aber definitiv nicht. Im Gegenteil: »Endevendt« zeigt eine Band, die Druck, Groove und Spielfreude sauber auf den Punkt bringt.

Slaamaskin - Stridshaud

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Slaamaskin - Endevendt - CD Review

BLACK SEA OF TREES – Cult of the Sun

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cover artwork BLACK SEA OF TREES Cult of the Sun
cover artwork BLACK SEA OF TREES Cult of the Sun

Band: BLACK SEA OF TREES 🇦🇺
Titel: Cult of the Sun
Label: Independent
VÖ: 08/05/26
Genre: Progressive Metal

Tracklist

01. Divinity
02. A Red Dawn
03. Servant to the Sun
04. Prophecy
05. Visions of a Crimson Moon
06. Cult of the Sun
07. Omen
08. Field of Reeds
09. Eclipse
10. The Dark Distance (Bonus Track)

Besetzung

Samuel Exton -Vocals, Guitar
Jan Schotting – Drums
Francesco Adami – Bass
Chris Schwinghamer – Lead Guitar

Bewertung:

3/5

Die australische Prog-Metal-Band BLACK SEA OF TREES präsentiert mit „Cult of the Sun“ ihr zweites Album und versucht damit, sich stärker in der Szene zu positionieren. Mit Momenten, die sowohl technische Klasse als auch kompositorische Inspiration zeigen, ist ein größerer Bekanntheitsgrad durchaus gerechtfertigt.

Atmosphärischer Einstieg und stilistische Brüche

Ambientklänge und beschwörende Vocals eröffnen „Divinity“ als rein atmosphärisches Intro mit klarer Ausrichtung auf die folgende Stimmung. Doch auch „A Red Dawn“ beginnt zunächst ruhig und akustisch, bevor ein plötzlicher Ausbruch mit massiven Growls alles zuvor Aufgebaute konterkariert. Melancholische Leadgitarren treffen auf dominante Extreme-Vocals, die wiederum von ätherischen, melodischen Passagen abgelöst werden. Ein Spiel aus Kontrasten, das jedoch insgesamt zu einer eher unentschlossenen Ausrichtung führt, mit spürbarer Tendenz zu leichteren, teils fast popnahen Momenten.

BLACK SEA OF TREES stammen aus Melbourne und wurden 2018 gegründet. Nach dem unabhängig veröffentlichten Debüt „The Spiritual Beast“ (2023) folgt nun der nächste Schritt. Die Band besteht aus Samuel Exton (Gesang/Gitarre), Jan Schotting (Drums), Francesco Adami (Bass) und Chris Schwinghamer (Leadgitarre).

Deutlich besser gelingt die Umsetzung in „Servant to the Sun“. Hier tritt die progressive Seite klarer hervor: vielschichtige Arrangements, polyrhythmische Strukturen und insgesamt ein deutlich kohärenterer Aufbau. Die Übergänge wirken kontrollierter, die Komposition reifer. Eine starke melodische Linie und technisch saubere Umsetzung machen den Song zu einem der Höhepunkte des Albums.

Produktion und kompositorische Vielfalt

Die Produktion ist sehr gut, gerade wenn man den permanenten Wechsel zwischen harten und melodischen sowie ruhigen und vollständig dissonanten Passagen berücksichtigt. Die Instrumente sind gut eingefangen, der Reichtum an Verzierungen ist ebenfalls gut in den Gesamtsound integriert. So weit es die Kompositionen zulassen, eine ausgewogene Produktion. Das Quartett konzentriert sich auf lange, erzählerisch aufgebaute Stücke, die Themen wie Spiritualität, Folklore und Philosophie behandeln.

Eine direkte Verbindung zwischen den Songs macht „Prophecy“ zu einer Fortsetzung des vorherigen Stücks, diesmal jedoch dominiert wieder die weiche und melodische Seite der Band. Orientalische Akkorde und akustische Gitarren, geflüsterte Vocals, eher wie ein Interlude. „Visions of a Crimson Moon“ bringt langsam gute Riffs ins Spiel, die sich konstant hinter den klaren, fast schon gothic-artigen Vocals aufbauen. Der Song hält einen guten Rhythmus, erneut ein sehr komplexer Sound mit vielen Details. Ein weiterer anspruchsvoller und interessanter Song, ein weiterer Höhepunkt.

Der Titelsong „Cult of the Sun“ beginnt sehr ruhig, aber sobald die Gitarren einsetzen, verändert sich das gesamte Klangbild. Dennoch einer der leichtesten Songs des Albums, abgesehen von der Violine klar von Ne Obliviscaris inspiriert. Stattdessen dominieren akustische Gitarren, ein prägnanter Bass und größtenteils cleane Vocals, ein Track, der stärker in Richtung eines zugänglicheren Sounds tendiert. Der Song endet mit akustischen Gitarren und schafft so den Übergang zu „Omen“, das mehr oder weniger die melodische Linie des vorherigen Songs fortsetzt, erneut ein Stück, das von gothic-geprägten Clean Vocals dominiert wird, leidenschaftlich und diesmal an Dead Can Dance erinnernd. Dramatischer Sound, der viele Einflüsse aus anderen Stilrichtungen verbindet.

Ein weiterer sehr ruhiger Track, „Field of Reeds“, wirkt erneut eher wie ein sanftes, melodisches Interlude, das den Sound für den nächsten Song vorbereitet. „Eclipse“ ist dann ein dissonanteres Stück, ambient-lastig mit düsteren Klängen, sehr langsam, bekommt aber nach der zu langen Einleitung etwas mehr Dynamik. Insgesamt wirkt die Musik in den letzten Tracks zunehmend ausgedünnt, immer weniger musikalische Substanz, und die dynamischeren Momente bleiben leider zu selten und nicht überzeugend genug.

Nach dem eher abrupten und wenig überzeugenden Ende des vorherigen Songs wirkt „The Dark Distance“, eigentlich ein Bonus Track, tatsächlich besser als Abschlusstrack des Albums. Ebenfalls eher zurückhaltend und ambient, aber besser komponiert als der eigentliche letzte Song. Trotzdem insgesamt kein überzeugendes Ende, die Band verliert zum Schluss deutlich an Energie.

Konzeptansatz und inkonstante Umsetzung

Die enge Verbindung der Songs erzeugt den Eindruck eines Konzeptalbums und verleiht dem Werk eine gewisse Geschlossenheit. Stilistisch bewegt sich die Band zwischen Progressive Metal, Death Metal, Folk-, Gothic- und Ambient-Elementen, mit hörbaren Parallelen zu Bands wie Karnivool, Opeth oder auch den Landsmännern von Ne Obliviscaris.

Ihre Stärke liegt klar in den progressiven, komplexen Passagen. Dort entfaltet sich das Potenzial der Band am überzeugendsten. Allerdings fehlt es in längeren Abschnitten an Dynamik, und nur wenige Stücke hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Der Rest verliert sich zu oft in atmosphärischen, wenig fokussierten Strukturen.

Cult of the Sun“ ist ein ambitioniertes, konzeptionell durchdachtes Album mit starken Momenten, das jedoch über die gesamte Laufzeit nicht die gleiche Intensität halten kann. Eine Band mit klar erkennbarem Potenzial, deren Stärken vor allem dann greifen, wenn sie sich konsequent auf ihre progressive Ausrichtung konzentriert.

Fazit: BLACK SEA OF TREES liefern mit „Cult of the Sun“ starke progressive Momente, bleiben aber zu inkonstant und verlieren gegen Ende deutlich an Spannung und Energie.

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BLACK SEA OF TREES - Cult of the Sun

IHR! – Rocksensation aus Düsseldorf – Interview mit Frontmann Mars Saibert

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IHR - bandphoto
Photo Credit: Jens Meyer
IHR - bandphoto

Interview: Robert Resch: Fotos: Jens Meyer

Rockband mit prominenter Besetzung im exklusiven Interview

Die aus der Modestadt Düsseldorf stammende Heavy-Rock-Combo IHR! zählt derzeit zu den spannendsten Geheimtipps der deutschsprachigen Rockszene. Kein Wunder: Die Band verbindet kraftvolle Songs mit lyrischem Tiefgang, der eine gewisse Nähe zu Selig und sogar Rio Reiser zugestanden wird: Authentischer Haltung und einem Gespür für eingängige, zugleich kantige Rockmomente.

Mit Produzent Justus Großkreutz, dem preisgekrönten Gitarristen Fabian Ratsak, bekannt durch MGP und Roomers, sowie Frontmann Mars Saibert vereint IHR! eine bemerkenswerte kreative Bandbreite. Saibert ist nicht nur als Musiker aktiv, sondern auch als Schauspieler bekannt — unter anderem durch Auftritte in „Unter Uns“ und Kinoproduktionen wie „Keinohrhasen“. Musikalisch machte er bereits mit Projekten wie Konstruktive Kritik, Juicy Junk sowie als Solokünstler auf sich aufmerksam und konnte Charterfolge feiern.

Anlässlich der neuen EP „Gestern War Besser“ (Erschienen bei NRT-Records) haben wir uns mit dem charismatischen Frontmann Mars Saibert zum Gespräch getroffen.

Wenn ihr „Gestern war besser“ in einem Satz beschreiben müsstet, ohne auf Musikbegriffe zurückzugreifen, wie würde der klingen?
 
Ein Blick zurück, der mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – und dich trotzdem nach vorne schiebt.
 
 
 
Der Titel klingt fast wie ein resignierter Blick zurück. Ist das Ironie, Nostalgie oder steckt da echter Frust dahinter?
 
Von allem ein bisschen. Ironie ist auf jeden Fall drin, weil dieses „früher war alles besser“ oft einfach zu kurz greift. Aber da ist auch echter Frust. Nicht nostalgisch verklärt, sondern eher dieses Gefühl: Warum fühlt sich manches heute schwerer an, als es sein müsste?
 
 
 
Wann war für euch persönlich „gestern“ wirklich besser – gab es so einen Moment?
 
Nicht den einen. Eher viele kleine. Und meistens merkst du erst im Nachhinein, dass etwas gut war, während du schon wieder im nächsten Problem steckst. Genau aus diesem Widerspruch entsteht viel bei uns. aber allein die Tatsache, dass heute alles so kurzweilig und schnelllebig ist, ist definitiv ein Punkt, der gestern für mich besser war, gerade in dem Bereich, in dem wir uns bewegen ist. Die kurze Aufmerksamkeitsspanne, die heutzutage leider gangundgäbe ist, ist eher ein Nachteil für uns. Ich denke gern an die Zeit, wo sich Leute noch eine CD oder eine Platte gekauft haben und auch Zeit investiert zu haben, die rauf und runter zu hören ….das war in diesem Sinne gestern für mich wirklich besser….
 
 
Eure Songs wirken sehr direkt. Wie viel davon ist spontan entstanden und wie viel wurde bewusst ausgearbeitet?
 
Der Ursprung ist oft spontan – ein Satz, ein Gefühl, manchmal einfach Druck. Aber wir lassen das nicht einfach liegen. Wir arbeiten so lange daran, bis es sich wirklich ehrlich anfühlt.
Mars, neben der Musik hast du auch Schauspielerfahrung gesammelt – unter anderem bei „Unter Uns“, „Zweiohrküken“ und „Zeiten ändern dich“. Hilft dir diese Erfahrung dabei, dich in Musikvideos in bestimmte Rollen, Emotionen oder Stimmungen hineinzuversetzen?
 
Ja, total. Nicht im Sinne von „ich spiele jetzt eine Rolle“, sondern eher, dass du lernst, Emotionen bewusster zu greifen. Du kannst dich in Situationen reinversetzen, die nicht eins zu eins deine sind – und das hilft enorm, auch in Videos oder beim Schreiben.
 
 
Deine Musikkarriere reicht bis in die 1990er-Jahre zurück… Wie kam es zu diesem Wandel – und warum war jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Neustart?
 
Das war kein kalkulierter Schnitt, sondern eher eine Entwicklung. Irgendwann hat sich das Alte nicht mehr richtig angefühlt. IHR! ist direkter, kompromissloser – weniger Ego, mehr Wir. Und irgendwann merkst du: Jetzt musst du das durchziehen, sonst bist du nicht mehr ehrlich zu dir selbst.
 
 
Du warst 2017 Teil von „The Voice of Germany“, bist aber freiwillig ausgestiegen. Was waren damals die Gründe für diese Entscheidung?
 
Es war eine Erfahrung, aber irgendwann hat es sich nicht mehr nach dem angefühlt, was ich machen will. Wenn du merkst, dass du dich verbiegen musst, um reinzupassen, ist es besser zu gehen. und ganz ehrlich Fernsehen ist Fernsehen,egal wie etwas auch verkauft wird!
 
 
Im vergangenen Jahr habt ihr einen langfristigen Plattenvertrag mit „NRT-Records“ unterzeichnet… War der Schritt bewusst gewollt?
 
Absolut. Im Indie-Bereich hast du mehr Verantwortung, aber auch mehr Freiheit. Bei einem Major bist du oft nur ein Teil von vielen. Wir wollten die Kontrolle behalten und unseren Weg selbst bestimmen.
 
NRT Records , mit Label Boss Philipp ist einfach die beste Erfahrung, die wir im Rock Segment bis jetzt je machen durften. Er ist großartig, denn er erkennt die Essenz deiner Musik und weiß genau, was du brauchst und was deine Vision ist.
 
Philipp steckt so viel Herzblut und Leidenschaften in seine Arbeit, dass ich mich manchmal wirklich frage ob der Typ überhaupt noch schläft <lacht>
 
 
Gibt es eine Textzeile auf der EP, die euch selbst noch überrascht, wenn ihr sie hört?
 
Ja, vor allem die, die sehr direkt rausgekommen sind. Die treffen dich manchmal im Nachhinein nochmal anders, weil sie fast schon zu ehrlich sind.
 
Wie entstehen eure Songs typischerweise – eher aus einem Riff, einer Stimmung oder einem konkreten Thema heraus?
 
Alles davon. Manchmal ein Riff, manchmal ein Satz, manchmal einfach eine Stimmung im Raum. Wichtig ist nur: Es muss sich echt anfühlen.
 

 

 
 

Wann können wir mit einem Album rechnen? 

In diesem Jahr haben wir uns bewusst dazu entschieden, zunächst mit mehreren Vorboten zu arbeiten, um dem Album die Zeit zu geben, die es verdient. Es soll reifen dürfen – wie ein guter Single Malt oder Wein. Gemeinsam mit NRT haben wir daher beschlossen, die Veröffentlichung des Albums auf 2027 zu datieren.

Viele Bands machen den Fehler, zu glauben, man müsse möglichst schnell nach dem ersten neuen Clip / Single, neue Alben veröffentlichen. Am Ende wundert man sich dann, wenn das Ganze nach einem kurzen Strohfeuer rasch im Rauch erstickt.

Wir möchten keine Alben veröffentlichen, nur um Alben zu veröffentlichen. Musik sollte nicht einfach nur erscheinen und dann nach kurzer Zeit wieder verschwinden – vielleicht gehört nur von Familie, Freunden und den treuesten Unterstützern, deren Support uns natürlich sehr viel bedeutet.

Unser Anspruch ist ein anderer: Wir wollen kein kurzes Strohfeuer, das einmal hell auflodert und dann verpufft. Wir wollen ein Feuer, das bleibt, wächst und sich langfristig entfalten kann. Wir wollen nachhaltige GLUT.

Fotocopyright: Jens Mayer

IHR! Von Links Nach Rechts Justus Großkreutz : Gitarre & Produktion
Vladi Janevski : Drums & Backing Vocals
Mars Saibert : Lead Vocals
Fabian Ratsak : Gitarre & Backing Vocals
Ben Dorok : Bass & Backing Vocals
Wer von euch bringt die meisten Ideen ein, und wie hart wird dann intern diskutiert?
 
Ideen kommen von allen Seiten. Aber ja, es wird diskutiert – teilweise auch hart. Nicht aus Ego, sondern weil jeder will, dass es am Ende wirklich sitzt.
 
Eure Musik bewegt sich irgendwo zwischen Alternative, Heavy Rock und Deutschrock. Fühlt sich das für euch nach Schublade an oder eher nach Freiheit?
 
Eher nach Freiheit. Schubladen interessieren uns nicht wirklich. Wenn überhaupt, dann stehen sie uns eher im Weg.
 
Gab es einen Song auf der EP, bei dem ihr länger gebraucht habt, bis er „richtig“ war?
 
Ja, definitiv. Gerade die Songs, bei denen du merkst, da steckt was drin, aber es greift noch nicht. Die brauchen manchmal einfach länger.
 
 
Welche Rolle spielt Wut in eurer Musik – ist sie Motor oder eher ein Ventil?
 
Beides. Ohne Wut würde vieles gar nicht entstehen. Gleichzeitig ist sie auch das, was du loswerden willst.
 
 
Wie persönlich dürfen eure Texte werden, bevor es sich unangenehm anfühlt?
 
Sehr persönlich. Die Grenze ist eher: Ist es noch ehrlich oder fühlt es sich konstruiert an? Solange es echt ist, passt es.
 
 
Habt ihr beim Schreiben eher konkrete Personen oder Situationen im Kopf oder bleibt vieles bewusst offen?
 
Beides. Manchmal sehr konkret, manchmal bewusst offen, damit jeder seinen eigenen Zugang finden kann.
 
 
Gibt es einen Song auf der EP, der euch live am meisten überrascht hat?
 
Ja, es gibt Songs, die auf der Bühne plötzlich viel größer funktionieren als im Studio. Die wachsen live nochmal komplett anders.
 
 
Wie unterscheidet sich die Energie im Proberaum von der im Studio?
 
Proberaum ist Chaos und rohe Energie. Studio ist Fokus und Detailarbeit. Du brauchst beides.
 
 
Was war während der Produktion der schwierigste Moment für euch als Band?
 
Sich selbst ehrlich zu hinterfragen. Zu sagen: Das ist noch nicht gut genug – obwohl es eigentlich schon funktioniert.
 

IHR! Live im Stadtpark Hamburg vor über 2000 Zuschauern

Wenn ihr zurückblickt: Würdet ihr heute irgendetwas an der EP anders machen?
 
Kleinigkeiten vielleicht. Aber im Großen und Ganzen nicht. Das ist genau der Moment, wie wir ihn damals gefühlt haben.
 
 
Welche Bands oder Künstler haben euch in dieser Phase am stärksten beeinflusst – bewusst oder unbewusst?
 
Einflüsse gibt’s immer, aber wir versuchen, uns nicht daran festzuhalten. Sonst verlierst du schnell deine eigene Stimme.
 
 
Wie wichtig ist euch Authentizität im Deutschrock-Kontext?
 
Extrem wichtig. Es wird viel behauptet – wir wollen lieber zeigen, was wirklich da ist.
 
 
 
Was wollt ihr mit euren Songs beim Publikum auslösen – eher Identifikation oder Konfrontation?
 
Beides. Es soll dich abholen, aber auch ein bisschen wachrütteln.
 
 
Wenn jemand eure EP hört und danach nur ein Gefühl mitnimmt – welches sollte das sein?
 
Dass du mit dem ganzen Scheiß nicht allein bist – und dass es okay ist, wenn sich nicht immer alles gut anfühlt. Wir bzw IHR! sind für dich da, haben den Schmerz , das Chaos , aber auch das Licht am Ende des auch gefühlt und für DICH in einen Song gepackt!

IHR! – Interview

Pig`s Blood – Destroying The Spirit

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Pig`s Blood – Destroying The Spirit - Artwork
Pig`s Blood – Destroying The Spirit - Artwork

Band: Pig`s Blood 🇺🇸
Titel: Destroying The Spirit
Label: Dark Descent Records
VÖ: 24/04/26
Genre: Death/Black Metal

Tracklist

01. Standing In Depravity
02. Destroying The Spirit
03. Tartarean Infection
04. Power To Stop It…
05. Rabid Dogs
06. Satanic Hammer Of Justice
07. Aftermath
08. Commitment To Death
09. Ravenous Hellslaught
10. Strikeforce Of Isolate Will

Besetzung

Chris Ellis – Gesang, Bass
Bubba Nitz – Bass, Gitarren
Mike Gamm – Gitarren
Paul Mirenda – Gitarren
Brian Serzynski – Schlagzeug

Bewertung: 4/5

79%

Weder sagte mir der Bandname PIG´S BLOOD noch das mittlerweile schon sieben Lenze auf dem Buckel habende Vorgängeralbum von »Destroying The Spirit« etwas.
Nachdem ich mir dieses aktuelle Werk ein paar Male reingezimmert habe, ist neben der Erkenntnis, dass die Band so klingt wie sie heißt, vor allem eines klar:

»Destroying The Spirit« ist nur was für Hartgesottene!

Der Stil der Band ist gespickt mit brutalen Grooveattacken und schnellen Gitarrenrasereien, beides in Kombination (allen voran »Rabid Dogs«, »Commitment To Death« und »Strikeforce Of Isolate Will«!) ein absolutes Massaker! Schaut man in der Besetzung auf die Instrumentenverteilung, erklärt sich so manche Brachialorgie…

PIG´S BLOOD bieten kein sinnloses Gemetzel, hier wird noch nachhaltig abgeschlachtet!

Was manchmal verdächtig nach den Kanadiern Revenge klingt, wie beispielsweise die Songs »Standing In Depravity« und »Aftermath«, erhält hier durch diverse Basswalzen – die klingen als würden Bolt Thrower den siebenten Gang einlegen – mehr Gehalt.
Noch so ein Beispiel wäre »Satanic Hammer Of Justice«, wo zur Verstärkung brutale Blast Beats gekonnt in Szene gesetzt werden.

Fazit:

Jene Fans der derben Schlachteplatte, denen von Revenge und Deicide, über Archgoat bis hin zu Morbid Angel, Blood Incantation und Bolt Thrower alles mundet, haben hier ein schmackhaftes vier Sterne Menü.

Internet

PIG´S BLOOD – Destroying The Spirit