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MØL – DREAMCRUSH

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cover artwork MØL DREAMCRUSH
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Band: MØL 🇩🇰
Titel: DREAMCRUSH
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 30/01/26
Genre: Blackgaze

Tracklist

01. DREAM
02. Små Forlis
03. Young
04. Hud
05. Garland
06. Favour
07. A Former Blueprint
08. ∞
09. Dissonance
10. Mimic
11. CRUSH

Besetzung

Ken Lund Klejs – Drums
Holger Rumph Frost – Bass
Kim Song Sternkopf – Vocals
Sigurd Kehlet – Guitars
Nicolai Busse – Guitars

Bewertung:

4,5/5

Einer der größten Namen im Genre, die Band, die zusammen mit sehr wenigen anderen die Krone des Blackgaze-Genres teilte, während Deafheaven und Alcest weichere Territorien erkundeten. MØL waren die schwereren der Blackgaze/Shoegaze-Bands, aber immer noch mit viel Atmosphäre in ihrem Sound. Jetzt mit ihrem neuen Album „DREAMCRUSH“ bleiben sie eine Kraft im Genre, auch wenn sie neue Sounds erkunden, und demonstrieren einmal mehr, wie komplex, melodisch und schwer Blackgaze sein kann.

Von ätherisch zu voll aggressiv

Das Album eröffnet mit einem verlängerten Synth-Akkord und delikater Musik. Der erste Song „DREAM“ gibt dann Platz für dissonantere Gitarren und einen engeren Sound mit typischen Genre-Schreien und dichter Instrumentierung. Insgesamt ein sehr melodischer Opener, aber mit genug Schwere, um sofortigen Impact zu machen. Von weich und ätherisch zu voll aggressiv – genau der Sound, den jeder MØL-Fan erwarten würde. Setzt ihren etablierten Stil fort und macht einen großartigen und vielversprechenden Start.

Nach dem atmosphärischen Opener setzt „Små Forlis“ mit dem typischen Sound der Band fort, dicht und abrasiv, und etwas ziemlich Unerwartetem: Clean Vocals. Nicht ganz neu in der älteren Diskografie der Band, in der Vergangenheit wurde dieser Ansatz aber immer nur für kurze, kontrastierende Passagen genutzt. Jetzt haben wir ganze Verse, und das ist eine massive Änderung. Die Instrumentierung liefert jedoch einen massiven Sound, der unbestreitbar Blackgaze ist. Die Alternation zwischen aggressiven und weicheren Sounds kehrt im Song zurück, lässt die kurzen Clean-Passagen mehr wie Ausnahmen erscheinen. Fragile Härte. Dennoch ein sehr guter Song, eine schöne Melodie, ein Track, der es schafft, große Kontraste zu kreieren, aber perfekt integriert.

Es scheint, als würde die Persistenz von Clean Vocals die Band jetzt dazu führen, sich anderen großen Acts im Genre wie Deafheaven oder Alcest anzuschließen, um sich vom puren Blackgaze in Richtung ambienterer und leichterer Musik zu bewegen. Keine so drastische Abkehr wie die erwähnten Bands, MØL-Sound wird aber auf bestimmten Momenten weicher. Und nur um besorgte Fans zu beruhigen: Er wird auch schwerer auf anderen – das gesamte musikalische Universum, das sie kreieren, ist einfach komplexer.

Licht und Dunkelheit im Wechselspiel

MØL kommen aus Aarhus und sind seit 2012 aktiv. Anfangs mit einem musikalischen Ansatz, der als Post-Black Metal mit aggressivem Ansatz kombiniert mit Shoegaze definiert werden kann, entwickelte sich ihr Sound nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums zu Blackgaze und wurde mit dem zweiten melodischer, obwohl immer noch aggressiv. Nur Drummer Ken Lund Klejs und Gitarrist Nicolai Busse sind seit der Gründung bei der Band geblieben. Die unverwechselbare Stimme von Sänger Kim Song Sternkopf kam 2016 dazu, zusammen mit Bassist Holger Rumph Frost, und schließlich vervollständigte, bevor die Arbeit am neuen Album begann, der zweite Gitarrist Sigurd Kehlet das aktuelle Line-up (viele Jahre lang war er jedoch Mitglied der Live-Besetzung der Band).

Wie von einer Band, die mit Kontrasten spielt, erwartet, eröffnet „Young“ mit einer nostalgischen Note, der aber schnell ein sehr aggressives Set von Riffs und eine dynamische Rhythmussektion folgt. Die Vocals sind genau das Element, das perfekt die gesamte Klanglandschaft ergänzt – ein Song von Licht und Dunkelheit im Wechselspiel, wobei jedes dieser Extreme dieselbe melodische Linie bringt, aber in verschiedenen Ansätzen. Zwischen einer Wand aus Sound mit massiven Riffs und ätherischen, fast melancholischen Melodien, mit Spuren von Post-Black Metal, mit sehr gut ausgearbeiteten Übergängen. Ein reicher Sound, wirbelnde Klanglandschaften, hypnotische Gitarren. Ein Höhepunkt.

Atmosphärisch kehrt „Hud“ mit Clean Vocals zurück, aber auch mit eindringlichen Gitarren und einer insgesamt viel ruhigeren Atmosphäre. Kims Vocals werden nur von delikaten Gitarrenakkorden verdoppelt. Ein Song mit klaren Post-Metal-Einflüssen, eine wirbelnde Klanglandschaft, verhallend und sehr melodisch, aber introspektiver. „Garland“ bringt Tonnen von Nostalgie und Melancholie, resoniert aber auf gewisse Weise am besten mit den früheren Werken der Band auf den viel schwereren Passagen – guter Rhythmus, gute Melodie, ein überzeugender Song.

Ausbalancierte Produktion bringt das Beste heraus

Die Produktion ist sehr sauber und fängt überraschend die zwei Gesichter der Band ein, füllt leicht den Raum mit der typischen Wand aus Sound, fängt aber auch überraschend die delikaten Akkorde und Sounds auf den atmosphärischeren Tracks ein. Wie für das Genre typisch, spielt Reverb eine große Rolle mit häufigen Erkundungen in Post-Black-Metal-Klanglandschaften. Kims sehr variierte Vocals, in allen Ansätzen aber geladen mit Emotionen, tragen sicher sehr viel zum Sound bei – eine Vocal-Performance, die die Instrumente perfekt ergänzt, alles sehr gut in der Aufnahme eingefangen. Ausbalancierte Produktion, sie passt sehr gut zur Musik und bringt das Beste daraus.

Eine weitere Synth-dominierte Eröffnungspassage, langsam und melancholisch. „Favour“ ist in der ersten Hälfte schöne instrumentale Musik, der das Black Metal Gegenstück fehlt, bis zur Mitte des Songs, wo die wilden Shrieks mit aggressiveren Vocals beginnen. Insgesamt ein ruhiger, langsamer Song – traurig, melancholisch. Ein komplexes und melodisches Solo bringt noch mehr Emotion in die Musik. Schöne Musik.

Dynamisches Drumming und verhallende, jammernde Gitarren, ruhige Clean Vocals halten die Musik geladen mit Emotionen in „A Former Blueprint„. Schwere, aber langsame Instrumentierung mit Einflüssen von Progressive oder sogar Alternative Metal, Clean Vocals mit kurzen rauen Growls – ein scheinbar langsamer und melodischer Song, der aber ein kaltes, dennoch emotional geladenes Gefühl überträgt. Dominiert aber von einer schönen melodischen Linie, die durch den Song fließt – eine andere Seite der Band, fragil, aber leidend.

Schwerster Song zeigt volle Bandbreite

Ein kurzes melodisches Interlude, „„, führt ambiente Sounds ein und unterstreicht den emotional geladenen und weicheren mittleren Teil des Albums. „Dissonance“ kehrt zu einem Alternative-Ansatz zurück, fast Pop-Musik, leicht, bis zur unvermeidlichen aggressiven Wendung. Wieder sind die Vocals das Auffallendste, definieren eine gewisse Aggression. Starke, schwere Instrumentierung transformiert den Song plötzlich in das, was der Titel suggeriert – viel Dissonanz.

Mimic“ kehrt zu dem Sound zurück, den die Band auf vorherigen Alben hatte – massiv, eine Wand aus Sound, hochverzerrte Gitarren und auch ambiente Elemente. Mit Momenten frenetischer Percussion, aggressiv, aber auch mit weicherer Seite – eine komplexe Komposition, ein weiterer sehr guter Song. Eine unvergessliche Lead-Gitarren-Melodie und noch beeindruckendere Riffs machen ihn sicher zum schwersten Song auf dem Album. Beeindruckend, wie die Band es schafft, dieselben Emotionen mit demselben Gewicht und derselben Intensität im schwereren Ansatz auszudrücken wie in den weicheren, melodischeren Passagen. Dennoch ohne Zweifel ein Höhepunkt des Albums.

Der Abschlusstrack „CRUSH„, die zweite Seite des Titeltracks, schließt den Kreis vollständig. Clean Vocals, aber massive Riffs, eine delikate Lead-Gitarre, schöne Melodie oder dissonante, schreiende Vocals. Alle verschiedenen Facetten der Band, die auf „DREAMCRUSH“ gezeigt werden, sind in diesem Song eingekapselt. Voll von Extremen, aber auch voll von Seele – der komplexeste Song auf dem Album und ein weiterer klarer Höhepunkt, ein würdiges Ende des Albums.

Weicher, aber immer noch aggressiv

Weicher, aber immer noch aggressiv. MØL zeigen so viele Gesichter auf ihrem neuen Album. In gewisser Weise eine Evolution im Sound von „Diorama“ oder noch mehr verglichen mit „Jord„. Es ist ein Moment im Leben von Blackgaze-Bands, wenn sie die Dinge leicht in eine andere Richtung justieren, und „DREAMCRUSH“ scheint so eine Evolution für MØL zu sein. Sie sind immer noch aggressiv, haben immer noch viele Black-Einflüsse, es gibt aber viel mehr auf dem Album als nur Blackgaze.

Die Abkehr von ihrem früheren Sound ist unbestreitbar auf dem neuen MØL-Album, nicht nur wegen der Clean Vocals, die jetzt eine bedeutende Rolle spielen und ein dominantes Feature auf vielen Songs werden. Die Songs selbst umfassen auch weit mehr emotionale Passagen, viel mehr Verzweiflung, Schmerz und Leiden, ausgedrückt durch ihre Musik. Das schließt das gesamte Wechselspiel von Licht und Schatten ein, das sich bis in die tiefste Dunkelheit erstreckt – ein konstantes Karussell von Emotionen, transformiert in Musik.

Ältere Fans der Band könnten beim ersten Hören von „DREAMCRUSH“ überrascht sein, weil es eine weichere Seite der Band präsentiert. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, nur der erste Eindruck – im Kern bleiben sie ihrer dunklen und aggressiven Seite treu. Jeder, der zögert, sollte komplett gewonnen werden von den letzten zwei Tracks, einigen der schwersten in der Diskografie der Band. Das neueste Album „DREAMCRUSH“ von MØL setzt diese beeindruckende Diskografie fort und ist ein weiteres feines Beispiel für wunderschön ausgearbeitete Musik, die das volle Spektrum zeigt, von weich und ambient zu massiv und aggressiv, behält aber immer Emotion als zentrales Element ihres Sounds.

Fazit: Mit „DREAMCRUSH“ demonstrieren MØL ihre Evolution im Blackgaze-Genre – melodischer, emotionaler, komplexer, aber immer noch schwer. 

Internet

MØL - DREAMCRUSH - Album Review

DEFACED – Icon

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cover artwork DEFACED Icon
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Band: DEFACED 🇨🇭
Titel: Icon
Label: Massacre Records
VÖ: 30/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. The Antagonist
02. Perception
03. As My Will Prevails
04. The Initiation
05. Forever Mine
06. Anthem Of Vermin
07. Sonate
08. Icon
09. Culling The Herd
10. Betrayer

Besetzung

Thomas Gertsch – Vocals
Matze Schiemann – Guitar
Michael Gertsch – Bass
Massimiliano Malvassora – Drums
Marco Kessi – Guitar

Bewertung:

3/5

Nach elf Jahren Pause kehrt die Schweizer Band DEFACED mit dem dritten Album „Icon“ zurück. Immer eine Band, die neben einem klaren Death Metal Fundament viele Einflüsse einbrachte, beschreibt sie das neue Album selbst als „eine Mischung aus Death Metal, Grindcore und atmosphärischem Black Metal“ – eine Fortsetzung des alten Sounds.

Chaotisch, aber mit guter Energie

Tiefe Growls, massive Instrumentierung, sehr aggressiver Sound – ein guter Start ins Album. „The Antagonist“ bringt auch Tempo-Wechsel, neben dem massiven Death Metal Sound werden Doom-Einflüsse sehr leicht klar, auch Blackened Sound bringt etwas Variation in den Gesamtansatz. Überhaupt nicht melodisch, nur bestrafende Riffs, mahlender Rhythmus und insgesamt sehr aktives und imposantes Schlagzeug. Vocals kommen mit verschiedenen Techniken, die dem ganzen Sound eine variiertere Stimmung geben, der Gesamtsound bleibt aber ziemlich chaotisch. Gute Energie und ein ziemlich schwerer Ansatz.

Ein cinematisches gesprochenes Intro kommt in „Perception„, auch langsame Musik, bald erobert von massivem Sound – dichte Instrumentierung, gewalttätig und erdrückend. Die gutturalen Schreie, infernalisch, dämonisch ergänzen sehr gut die Schwere der Gitarren. Auch wenn der Rhythmus in einen langsameren transformiert, schaffen sie es, die Schwere und wilde Atmosphäre zu halten, der ambiente Teil mit der cinematischen Ansprache ist aber ein ziemlich anderer Ansatz. Gnadenlos, makaber, musikalisch aber zu chaotisch und nicht vollständig überzeugend.

Als Trigger Tones 2006 gegründet, 2012 in DEFACED umbenannt, ist kein Mitglied der ersten Band-Inkarnation noch aktiv im aktuellen Line-up. Die Kernmitglieder der Band sind Gitarrist Marco Kessi und Sänger Thomas Gertsch, mit neueren Mitgliedern, die ein sehr anderes Line-up als vor elf Jahren vervollständigen: Gitarrist Matze Schiemann, Bassist Michael Gertsch und Drummer Massimiliano Malvassora (unter dem Künstlernamen Max Grinder).

Black Metal ersetzt atmosphärische Passagen

Das Album setzt sich im selben Stil fort, zwischen gesundem Death Metal Sound und vielen fremden Einflüssen, die den Sound inkonstant machen. So ist es mit „As My Will Prevails„, wieder ein langsamer Song, oszillierend zwischen guten Riffs und ambienten Passagen, mit glänzenden Momenten und auch Füll-Passagen. Scheinbar koordinierter startet „The Initiation“ mit einer riesigen Ladung Black Metal im Gesamtsound – wilde Rhythmussektion, brutal und verzerrt. Die Tatsache, dass übliche atmosphärische Passagen hier durch Black Metal ersetzt werden, lässt den ganzen Song besser klingen. Er hält die Aggressivität für die gesamte Dauer, außer bei einem finalen Solo, das mit melancholischem Ton etwas fehl am Platz kommt. Ein besser komponierter Song, insgesamt kann er als Höhepunkt betrachtet werden.

Das bemerkenswerteste Instrument durch das gesamte Album sind die Drums, die es schaffen, konstant mit solidem Musikertum zu kommen und einen guten, massiven Rhythmus zu setzen – ein dynamischer Sound. Gitarren oszillieren zwischen Ton-Setzung und irgendwo im Hintergrund sein, mit vielen Interventionen von Lead-Gitarre, die Ton und Richtungen der Songs ändern – nicht immer eine weise gewählte musikalische Intervention. Vocals sind auch beeindruckend durch das ganze Album, zeigen verschiedene Techniken und geben dem ganzen Sound korrektes Gewicht. Insgesamt eine ausbalancierte Produktion und ein gutes, dynamisches Mixing, klar und macht die Musik glaubwürdig.

Der melodisch-melancholische Ton setzt sich fort in „Forever Mine„, mit der Lead-Gitarre, die den Sound setzt – ein Vocal-Ansatz viel mehr im Deathcore-Stil. Die ganze Dynamik und Melodizität erinnert an modernere Metal-Genres. Es gibt gute Riffs und schwere Orchestrierung im Song, kompositorisch aber zu viele Wechsel im Ansatz, was in einem eklektischen, hektischen Song resultiert.

Lead-Gitarre spielt oft andere Musik

Melodic Death Metal Ansatz ist immer noch zu hören in „Anthem Of Vermin“ – wieder sind die Vocals beeindruckend mit verschiedenen Techniken, und wieder kommt die Lead-Gitarre mit einem kitschigen, übermelodischen und traurigen Solo, das den Song in eine falsche Richtung entführt. Auch einige Black Sounds, die melodische Linie ist aber unklar und wechselt konstant durch den Sound. „Sonate“ ist ein akustisches Gitarren-Intermezzo, bringt viele Emotionen und ist technisch beeindruckend, im ganzen Kontext des Albums aber ein fehl am Platz Interlude, das in keiner Weise mit dem Rest des Albums verbindet.

Der Titelsong „Icon“ kehrt sehr schwer zurück – zermalmend, langsam und immer noch geladen mit Melancholie. Blackened Death/Doom ist, was wir im Song hören, infernalische und höhlenartige Stimmung. Auch wenn das Schlagzeug mit einigen Blast Beats versucht, ein höheres Tempo zu bringen, sind die Gitarren und Vocals langsam mit klarer Tendenz zu melodisch. In der Mitte des Songs taucht aber fast eine energetische Passage auf, der Rhythmus wird besser und die Instrumentierung komplexer. Die finalen Akkorde kommen als wirklich inspiriert und überzeugend und schaffen es endlich, die zwei Tendenzen zu mischen – die melodische und die aggressive.

Culling The Herd“ behält das hart schlagende Schlagzeug und den massiven Sound – die Art von Death/Groove Metal, die an Decapitated erinnert, hier aber mit wechselnden guten und nicht so guten Passagen. Der Abschlusssong „Betrayer“ startet unentschieden, die Riffs und gut rhythmierte Musik kehren aber kurz zurück und verschwinden dann wieder – die Essenz von DEFACED in einem Song: viele Teile in vielen Stilen zusammengenäht, ohne etwas anderes als Drums, die versuchen, ein gemeinsames Element zu bieten, einen roten Faden. Zusammenhanglos und disparat.

Permanent wechselnde Genres werden ermüdend

Der Sound von DEFACED auf „Icon“ steht im Einklang mit ihrer offen erklärten Philosophie: „Today, we’re hammering earworms through your eardrums. In other words: We play aggressive death metal, rounded off with catchy melodies and subtle details. Tomorrow… who knows? We play in the here and now and create what we love.“ Das resultiert in einem wilden Mix von Stilen und Einflüssen, ein Kompositionsansatz, der permanent zwischen Genres wechselt – unentschieden. Das Nervigste ist die Lead-Gitarre, die meistens etwas anderes spielt als der Rest der Band und die Schwere verwässert, die die restlichen Mitglieder versuchen zu haben.

Sie kommen mit viel Energie und Leidenschaft auf dem Album, und das macht die Arbeit zu einem überdurchschnittlichen Death Metal Album. Die Qualitäten, zu denen die Band fähig ist, kommen sehr klar in vielen Passagen, diese Bemühungen werden aber nicht aufrechterhalten. Die permanente Oszillation zwischen Genres wird schnell ermüdend, der permanente Wechsel in Tempos oder melodischer Linie macht ein nerviges und frustrierendes Hören. Wie in so vielen mittelmäßigen Alben: sehr gute und unvergessliche Momente und vergessliche.

Fazit: Das neue Werk „Icon“ von DEFACED zeigt Energie und Leidenschaft, doch die konstante Oszillation zwischen Genres und Tempos frustriert.

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DEFACED - Icon

PITS – Macabre Luxuria

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cover artwork PITS Macabre Luxuria
cover artwork PITS Macabre Luxuria

Band: PITS 🇱🇻
Titel: Macabre Luxuria
Label: Selfrelease
VÖ: 30/01/26
Genre: Progressive Black/Death Metal

Tracklist

01. Premonition
02. Night City Delirium
03. Midnight Possession
04. Non Licet Bovi
05. No God Can Stop A Hungry Man
06. Dead Man’s Letter
07. Nero’s Blues
08. Ascending Below
09. So Close To
10. Macabre Luxuria

Besetzung

Andrey Nyarl – Vocals
Alex Prokofyev – Guitars
Alex Potapov – Fretless Bass
Rodion Belshevits – Drums

Bewertung:

4,5/5

Die lettische progressive Blackened-Metal-Band PITS veröffentlicht mit „Macabre Luxuria“ ihr Debütalbum. Die Platte bewegt sich klar auf der schwereren Seite des Progressive Metal, bewahrt dabei aber rohe Emotionen und eine ausgeprägte melodische Sensibilität. Das Quartett erschafft ein instabiles, zugleich lebendiges Klangbild, das mühelos zwischen Aggression und Introspektion pendelt.

Erste Spannungsbögen zwischen Ruhe und Eskalation

Sehr ruhig und melodisch setzen die ersten Akkorde des Albums ein, doch diese entspannte Stimmung hält nicht lange an. „Premonition“ entwickelt sich rasch zu einem dichten Black-/Death-Metal-Stück, dessen progressive Struktur deutlich hörbar bleibt. Gutturale, harsche Vocals, beinahe growlend, treffen auf eine kompakte Instrumentierung und erzeugen ein volles Klangbild. Eine melancholische Grundstimmung zieht sich konstant durch die Musik von PITS, nochmals unterstrichen durch akustische Passagen, die jedoch eher Ausnahmen innerhalb eines weitläufigen und komplexen Soundgefüges darstellen. Die finalen Akkorde münden in dissonante, aggressive Klangflächen. Ein überzeugender und vielversprechender Auftakt.

Der permanente Wechsel zwischen melodischen und extrem aggressiven Polen sorgt für starke Kontraste, die sich in „Night City Delirium“ noch deutlicher zeigen. Hier kommen verstärkt typische Progressive-Vocals zum Einsatz, nicht unbedingt melodisch, aber wirkungsvoll. Der Song überzeugt mit einer sorgfältig ausgearbeiteten melodischen Linie, komplex und zugleich extrem in seiner Ausrichtung. Selbst das atmosphärische Zwischenspiel fügt sich organisch in die Komposition ein, ohne den Fluss zu dominieren. Präzises Schlagzeugspiel und ein markanter Bass betonen die technische Seite der Band und unterstreichen den dynamischen Ansatz des Stücks.

PITS stammen aus Riga und wurden 2022 von Gitarrist Alex gegründet, um über ein Jahrzehnt gesammelte musikalische Ideen umzusetzen. Was zunächst als Solo-Projekt begann, entwickelte sich mit dem Einstieg von Sänger Andrey im selben Jahr zu einer vollständigen Band. Mit Rodion am Schlagzeug und Bassist Aleksandr, der 2024 hinzukam, formierte sich schließlich das aktuelle Line-up. Mitglieder mit Erfahrung aus etablierten Bands treffen hier auf einen eigenständigen Zugang zum Genre, wobei das Album die Entwicklung des gemeinsamen Sounds klar widerspiegelt.

Schwere Riffs und progressive Vielschichtigkeit

Mit härteren Akkorden setzt „Midnight Possession“ ein und verankert sich fest im typischen Genreverständnis, zugleich melodisch und dissonant, komplex und ätherisch. „Non Licet Bovi“ eröffnet mit einer klagenden Leadgitarre, beginnt akustisch und in einer traurigen Atmosphäre, bevor ein von Wut getragener Abschnitt das Klangbild abrupt verändert. Hier wird deutlich, wie stark die Band auch im Black Metal verwurzelt ist. Der Dialog zwischen fretless Bass und Gitarre wirkt vielschichtig und polyrhythmisch und überzeugt sowohl technisch als auch durch sensibles Zusammenspiel.

Die Produktion ist gelungen und liefert genau den Sound, den man erwartet. Der Kontrast zwischen ruhigen und aggressiven Passagen fällt teilweise sehr stark aus, das Klangbild oszilliert konstant zwischen melodischer Zurückhaltung und plötzlicher, gespannter Heftigkeit. Das ist jedoch genretypisch und bei PITS insgesamt ausgewogener umgesetzt als bei vielen modernen Progressive-Metal-Veröffentlichungen. Lyrisch thematisiert „Macabre Luxuria“ den „Luxus“ des Todes, mit Bildern von verbrannter Erde und innerem Verfall.

No God Can Stop A Hungry Man“ überzeugt mit starken Riffs und ausgeprägt emotionalen Momenten. Ein inspirierter Song mit hypnotischer Leadgitarre, solider Rhythmusarbeit und einer vielschichtigen Klangstruktur. Die Komposition wirkt anspruchsvoll und offen, mit räumlicher, abenteuerlicher Atmosphäre. Fein nuancierte Passagen wechseln zwischen akustischer Melodik und epischen Ausbrüchen von Aggression. Ein klarer Höhepunkt des Albums.

Emotionale Verdichtung und stilistische Erweiterung

Energiegeladen startet „Dead Man’s Letter“, schlägt jedoch bald eine ruhigere, introspektivere Richtung ein. Der Song entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen, mit deutlichen Doom-Metal-Einflüssen und insgesamt größerer stilistischer Vielfalt. „Nero’s Blues“ setzt auf ungewöhnliche Vocals, extrem tiefe Growls, die verstörend und gequält wirken, sich aber hervorragend in das musikalische Gesamtbild einfügen. Die melancholische Grundstimmung wird durch überzeugende Melodielinien und eine dichte, emotionale Textur getragen. Ein weiterer starker Moment des Albums.

Auch „Ascending Below“ zeigt von Beginn an klare Black- und Death-Metal-Einflüsse, mit shoutenden Vocals und einer veränderten Gesangstechnik, die den etablierten Sound konsequent fortführt. „So Close To“ hingegen eröffnet mit einem völlig anderen Ansatz: langsamer, technischer, abstrakter in der Instrumentierung. Ein hochfrequentes Solo, permanente Richtungswechsel und das Fehlen eines klar definierten Rhythmus oder einer festen Melodie erzeugen eine bedrückende, dunkle Atmosphäre.

Der abschließende Titeltrack „Macabre Luxuria“ greift erneut andereweltliche Akkorde und eine melancholisch aufgeladene Melodik auf. Abstrakt und ätherisch, mit wechselnden Klangfarben und unkonventioneller Struktur. Genau in dem Moment, in dem der Song an Intensität gewinnt, bricht er ab und endet abrupt. Ungewöhnlich, aber passend zu den unerwarteten Wendungen, die dieses Album durchziehen.

Ambitioniertes Debüt mit klarer Handschrift

Zwischen konzeptueller Kälte und ambitionierter Weitläufigkeit präsentieren PITS ein Progressive-Metal-Album, das durch Black- und Death-Metal-Einflüsse eine dichte, schwere Atmosphäre entwickelt. Nicht zwingend einzigartig, aber im aktuellen Progressive-Metal-Umfeld keineswegs alltäglich. Die Band zeigt deutliches kompositorisches Können und eine überzeugende Umsetzung.

Mit „Macabre Luxuria“ demonstrieren PITS eine bemerkenswerte Bandchemie und wirken bereits erstaunlich gereift, mit klarer musikalischer Ausrichtung und durchdachten Arrangements. Die Balance zwischen Emotionalität und Zurückhaltung gelingt gut, ohne in übertriebene Melodik oder Pathos abzurutschen. Dezente Genre-Einflüsse, blackened Riffs, druckvolle, death-metal-nahe Drums und ein auffallend präsenter fretless Bass prägen das Klangbild. Darüber liegen die gequälten, gutturalen Vocals, die philosophische und existenzielle Texte transportieren. Ein Album, das mit jedem Durchlauf wächst und nachhaltig Eindruck hinterlässt. Eine klare Empfehlung für Fans progressiver Musik.

Fazit: „Macabre Luxuria“ präsentiert PITS als ambitionierte Progressive-Metal-Band mit Sinn für Kontraste, Technik und eine konsequent dunkle Stimmung.

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PITS - Macabre Luxuria - CD Review

HELLMAZE – Dead Flesh Rising

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cover artwork HELLMAZE Dead Flesh Rising
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Band: HELLMAZE 🇩🇰
Titel: Dead Flesh Rising
Label: Cornhole Records
VÖ: 30/01/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Flesh
02. Slave
03. Hell and a Maze
04. Killing Time
05. K.F.T.
06. Rising Up
07. King of Suffering
08. Moshpit Bukkake

Besetzung

Rafal „Stoffer“ Malewski – Vocals, Guitar
Michal Gajos – Guitar
Simon Lindberg Nyholm – Bass
Tobias „TT“ Larsen – Drums

Bewertung:

3/5

HELLMAZE, eine Melodic Thrash Metal Band aus Dänemark, präsentieren ihr Debütalbum „Dead Flesh Rising„. Wie die Band selbst die Musik beschreibt: „eine Mischung aus Spaß, Wut, Ernsthaftigkeit und Wildheit. Es ist Thrash Metal im Kern – schnell, energetisch, mischt Melodie und Härte, Schwere und Speed.“ Eine Beschreibung, die ein gutes und spaßiges Hören verspricht.

Starker Opener mit eingängigem Refrain

Eine sehr überzeugende Art von Thrash von den allerersten Akkorden an. „Flesh“ ist sehr Hochtempo, ein sehr klarer Sound, Riffs sind massiv, und die ganze Band klingt sehr dicht und professionell. Vocals sind fast knurrend in den Versen, hochgepitcht im Refrain – ein schöner Kontrast, der einmal mehr den Moment des Chorus unterstreicht. Aggressive, explosive Musik, als Komposition klar verankert in Old-School Thrash Metal, der Sound ist aber modern, dynamisch, sehr technisch. Ein starker Eröffnungssong, ein eingängiger Refrain – einer der besten Momente des Albums.

Der Angriff der Gitarren setzt sich fort in „Slave„, diesmal wechseln Vocals permanent zwischen hochgepitchten Schreien und gutturalen, harschen Growls. Weniger melodisch als der Opener hat der Song einen besseren Rhythmus und insgesamt dynamischeren Sound mit Groove Metal Tendenzen. Massive Riffs, wütend, intensiv messerscharfe Lead-Gitarre – ein Sound, der die gnadenlosen Momente mit technischeren und nicht so inspirierten kombiniert, aber eine angepisste Attitüde und rebellische Atmosphäre.

HELLMAZE wurden 2018 von einer erfahrenen Gruppe von Metal-Musikern gegründet, die seit den letzten 30 Jahren in der dänischen Metal-Szene aktiv sind. Dass sie Veteranen des Metal sind, lässt sich leicht in der Technik erkennen, die sie zeigen. Das Line-up besteht aus Rafal „Stoffer“ Malewski an Vocals und Gitarre, Michal Gajos an der zweiten Gitarre, Tobias „TT“ Larsen hinter den Drums und seit 2022 Simon Lindberg Nyholm für Bass.

Zu viele Ideen verhindern gute Songs

Der groovige Rhythmus eröffnet den nächsten Song „Hell and a Maze“ – galoppierende Riffs, hart schlagende Drums dominieren die Eröffnungspassage. Gang Shouts im Refrain kreieren eine wütendere und chaotischere Atmosphäre. Außer bei der Drum-getriebenen Einleitung ein Old-School-inspirierterer Song als die vorherigen. Der schnelle Rhythmus wird zu einem viel melodischeren und langsameren auf der Solo-Gitarren-Passage – insgesamt eine chaotischere Komposition, aber gefüllt mit roher Energie, die sehr gut zum Band-Sound passt.

Killing Time“ startet mit einem Dialog zwischen Gitarren, sehr gutes Tempo und klare Struktur. Bald danach bleibt der Rhythmus aber stecken, und der gute Startmoment verwässert in einem melodischen Mid-Tempo-Song mit Höhepunkten jedes Mal, wenn die guten Eröffnungsriffs zurückkehren. Zu schade, dass sie zu viele Typen und musikalische Ideen in diesen Song gemischt haben – so verhinderten sie, dass der Song ein wirklich guter wird.

Entschiedener, mit klarerem Sound und Komposition kommt „K.F.T.“ Wieder können gute, massive Riffs einen guten Song definieren, einige Heavy Metal Einflüsse sind zu hören – ein weiterer sehr Vocals-dominierter Song, und der technische Ansatz ist beeindruckend. Verschiedene Techniken auf verschiedenen Passagen, das lenkt aber irgendwie die Aufmerksamkeit von den guten Gitarren ab, die einen Schritt in den Hintergrund treten.

Gute Produktion kann Kompositionsprobleme nicht retten

Ein gut produziertes Album, klar und sehr modern im Sound, behält aber die Erdrückung und Aggressivität der Musik. Nichts zu beanstanden über die Produktion, wie der Sound gemixt ist. Die meisten Album-Probleme kommen von der Komposition, produktionstechnisch sind die langsameren und Groove-Passagen korrekt gemacht. Die Dominanz von einem oder anderem Instrument wird gemacht, ohne den Gesamtsound negativ zu beeinflussen. Die Riff-dominierten klingen sehr gut und überraschen mit genau der Dynamik, die die Band teilen will.

Hoffnungen auf einen simpleren und entschiedeneren Song kommen wieder, sobald „Rising Up“ startet – solide, übersteuerter Gitarren, knochenbrechende Riffs, hämmernde Drums, ein mahlender Sound. Das Solo kommt sehr komplex, fühlt sich an, als würden beide Gitarren teilnehmen, und der Sound ist beeindruckend. Das gnadenlose Riffing kehrt kurz danach zurück in einer Fortsetzung des hochenergetischen, gewalttätigen und intensiven Sounds. Zu schade, dass der Song auch eine atmosphärische Passage bekommt. Auch wenn der Bass wirklich beeindruckt und die Lead-Gitarre mit einem melodischen Solo kommt, unterbricht das Nicht-Beibehalten des guten Tempos für einen ganzen Song wieder den Flow – der sehr gut konstruierte erste Teil ging verloren in unnötigen Komplikationen.

Getappte Lead-Gitarre beginnt den nächsten Song „King of Suffering“ – wieder gute technische Fähigkeiten, kompositorisch kehrt der Song aber zu chaotischem und unentschiedenem zurück: langsam und melodisch, nicht überzeugend. Nicht einmal infernalische, dämonische Growls und die Lead-Gitarre können dieses Stück retten. „Moshpit Bukkake“ kehrt zurück mit guten Riffs und massivem Rhythmus, hohem Tempo und Gang Shouts. Musikalisch wieder Mid-Tempo – der Schockwert ist wichtiger als die Musik hier. Ein enttäuschendes Ende.

Gute Momente verloren in Groove und Atmosphäre

Insgesamt ist das Debütalbum von HELLMAZE ein spaßiges Hören. Sie nahmen sich selbst nicht zu ernst, und das machte eine großartige Erfahrung. Während einige Passagen an Lamb of God erinnern, zeigt das Album auch Heavy Metal Momente, die klar ihren Einfluss aus den 80ern und 90ern zeigen. Das Album startet stark mit seinen besten Songs als Opener, wechselt dann aber in experimentelleres Material. HELLMAZE mischen aggressive Rhythmen mit melodischen Elementen, dieser Ansatz lenkt aber letztendlich vom Gesamtimpact ab. Zu viele melodische Übergangspassagen fühlen sich zusammenhanglos an und unterbrechen den Flow von guten Riffs und massiver, einschneidender Thrash-Musik.

Ein Album mit unbestreitbar guten Momenten, die aber verloren gehen in einem Meer von Groove-Momenten, Tempowechseln und atmosphärischen Passagen. Nicht in der Lage zu sein, ein gutes Riff länger zu halten, zeigt kompositorisch unentschiedene Ideen und einen nicht immer kohärenten Ansatz. Die Songs sind aus disparaten Passagen gemacht, die nicht unbedingt gut zusammengemischt sind – sicher sind einige dieser Passagen sehr gute, und genau dort glänzen sie. Als Gesamtbild aber ein ziemlich nicht überzeugendes Album.

Fazit: „Dead Flesh Rising“ von HELLMAZE mischt Melodic Thrash, Groove und Heavy Metal – startet gut, verliert aber Momentum durch zusammenhanglose Übergänge.

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HELLMAZE - Dead Flesh Rising

TEUTONIC SLAUGHTER – Cheap Food

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cover artwork TEUTONIC SLAUGHTER Cheap Food
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Band: TEUTONIC SLAUGHTER 🇩🇪
Titel: Cheap Food
Label: Iron Shield Records
VÖ: 30/01/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Intro
02. Hostage
03. Cheap Food
04. Redistribution
05. Witches Rock‘n‘Roll
06. Eviscerating Surgery
07. Fight the Reaper
08. Give em Hell

Besetzung

Philip Krisch – Vocals, Guitar
Ivan Almeida – Lead Guitar
Fabian Kellermann – Bass
Nico Iserloh – Drums

Bewertung:

4/5

TEUTONIC SLAUGHTER präsentieren mit „Cheap Food“ ihr drittes Full-Length-Album. Die Band selbst beschreibt den Stil als “Oldschool-Teutonic-Thrash-Metal direkt ins Gesicht und ohne Schnörkel”. Die Platte fungiert dabei als Bindeglied zwischen alter und neuer Besetzung und zeigt eine gereifte Band mit klarerer Ausrichtung und kraftvollem Sound.

Reife Ausrichtung zwischen Tradition und Neuanfang

Ein cineastisches Intro führt in die Geschichte des Albums ein. „Intro“ klingt wie ein nüchterner Polizeibericht, ein vorgelesener Text, trocken, aber funktional, da der thematische Hintergrund sofort klar wird. Sobald jedoch „Hostage“ einsetzt, entfesselt sich aggressiver Thrash Metal klarer Oldschool-Prägung mit massiven NWOBHM-Einflüssen. Wuchtige Riffs, hohe, kehlige Schreie und Gangshouts im Refrain bestimmen das Bild. Wütend, intensiv und im Uptempo gehalten – klassischer, schlagkräftiger Thrash Metal.

TEUTONIC SLAUGHTER stammen aus Gladbeck in Nordrhein-Westfalen und sind ein Oldschool-Thrash-Metal-Quartett, gegründet 2012 von Bassist Fabian Kellermann und Gitarrist/Sänger Philip Krisch aus einem Schulprojekt heraus. 2023 kam es zu einem wichtigen Line-up-Wechsel: Ivan Almeida übernahm die Leadgitarre, Nico Iserloh das Schlagzeug. Für die Backing Vocals unterstützten unter anderem Marius Wegener (Smorrah), Robert Gornella (ex Assassin, Raging Rob) und Jörg Juraschek (Warrant) das Album.

Riffgetriebene Dynamik und technische Akzente

Der Titelsong „Cheap Food“ beginnt langsamer, mit einfachen, aber effektiven Riffs, bevor technisches Shredding das Tempo deutlich anzieht. Der Song wirkt technisch anspruchsvoller, die Vocals wechseln zwischen Schreien und Shouts, die melodische Linie bleibt simpel, transportiert aber viel Energie und Dynamik. Die Oldschool-Atmosphäre bleibt erhalten, die Gitarrenarbeit ist durchgehend beeindruckend. Ein atmosphärischer Abschnitt mit progressiverer Struktur verleiht dem Stück zusätzliche Tiefe. Aufgewühlt und aufrührerisch – ein Track mit roher Energie und direktem Thrash-Ansatz.

Die Produktion überzeugt durch Ausgewogenheit und Detailtreue. Der Sound ist dicht und voll, ohne die Aggressivität der Musik zu verlieren. Die technischen Fähigkeiten der Band werden durch Mix und Produktion gut hervorgehoben, wobei der Schwerpunkt klar auf den Gitarren liegt. Sowohl Lead- als auch Rhythmusgitarre liefern starke Leistungen ab. Die Vocals transportieren die nötige Wut, während die Rhythmussektion etwas zurückhaltender bleibt, ihre Aufgabe aber solide erfüllt.

Ein scharfes Solo leitet „Redistribution“ ein und öffnet den Song in eine komplexere Klanglandschaft. Verflochtene Gitarren sorgen für eine sehr dichte Instrumentierung, auch der Bass trägt hörbar zum Gesamtbild bei. Trotz der erweiterten Struktur bleibt der Song eine ehrliche Demonstration geradlinigen Thrash Metals. Kein klassischer Mitgröhl-Refrain, dafür ein guter Headbanger mit roher Energie, stampfenden Riffs und einem langen, gequälten Solo.

Spielfreude, Tempo und dramaturgischer Ausklang

Mit dem Titel „Witches Rock’n’Roll“ wird ein stärker rhythmisch geprägter Song angedeutet, und genau das liefert der Track. Eine einfache, eingängige Melodie trifft auf einen leicht karnevalesken Unterton, passend zur Hexenthematik. Die Vocals sind deutlich theatralischer, Krisch schlüpft hörbar in eine Rolle und sorgt so für eine dramatischere Gesangsleistung. Gutes Tempo, galoppierende Riffs und eine überzeugende Gesamtwirkung – ein Song, der auch ein Schmunzeln beim Hörer hinterlässt.

In ähnlichem Geist geht es mit „Eviscerating Surgery“ weiter. Der Track spielt mit Tempowechseln, integriert langsamere, melodische Passagen und setzt auf einen präsenten Bass sowie eine adrenalingeladene, rücksichtslose Atmosphäre. „Fight the Reaper“ überzeugt erneut durch markante Basslinien, leidenschaftliche Schreie und ein rasendes Tempo, ergänzt durch unheimliches Gelächter, das dem Song eine aggressiv-bedrohliche Dynamik verleiht.

Der Abschlusstrack „Give ’em Hell“ setzt entschlossen, aber langsamer an. Ein letztes starkes Solo und eine finale Riff-Attacke sorgen noch einmal für energiegeladene Momente. Die repetitiven Akkorde sind melodisch, die Shouts wütend. Die cineastischen Schlussmomente verlieren jedoch etwas an Druck, wodurch das Album eher introspektiv und mit gedämpfter Wirkung endet.

Bewährte Thrash-Formel mit hohem Spaßfaktor

Keine Revolution im Thrash Metal, aber ein unterhaltsames und durchweg solides Album mit konstant guten Riffs, ohne unnötige Überkomplexität. Dynamische, unerbittliche Riffs, giftige Vocals und eine rebellische Haltung prägen „Cheap Food“. Manchmal ist es sinnvoller, nicht zwanghaft nach Originalität zu suchen, sondern funktionierende Elemente überzeugend umzusetzen – und genau das gelingt TEUTONIC SLAUGHTER.

Wer nach treibendem, geradlinigem Thrash Metal sucht, findet mit „Cheap Food“ genau das. Ein vertrautes Klangbild, das klassische Genre-Elemente nicht überlädt, sondern gezielt einsetzt. Ein Album, das Fans des Genres mehrere Durchläufe wert ist und Liebhaber rhythmusbetonten Metals zuverlässig bedient.

Fazit: TEUTONIC SLAUGHTER liefern mit „Cheap Food“ klassischen Old-School-Thrash mit starken Riffs, viel Energie und direkter Attitüde – ein kurzweiliges Album.

Internet

TEUTONIC SLAUGHTER - Cheap Food - CD Review

FYRES – Like Waves

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FYRES - Like Waves - cover artwork
FYRES - Like Waves - cover artwork

Band: FYRES 🇪🇸
Titel: Like Waves
Label: LDP Records​
VÖ: 23/01/26
Genre: Alternative Metal/Post-Rock

Tracklist

01. To Float, To Flow, To Brush Your Teeth​
02. Accepting the Limits​
03. Dancing in the Rain​
04. Kings​
05. The Window

 

Besetzung

Bob G Castro

 

Bewertung:

4/5

FYRES ist im Kern das Projekt von Bob G Castro. Produzent, Songwriter und Multi-Instrumentalist, der hier alles selbst in der Hand hält. Komposition, Aufnahme, Arrangement. Man hört, dass das kein Nebenbei-Projekt ist, sondern ein sehr bewusst gebautes Album. Castro bewegt sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Alternative Metal und Post-Rock. »Like Waves« ist sein bislang geschlossenstes Statement.

Zwischen Schwere und Weite

»Like Waves« lebt von Kontrasten. Massive Gitarrenflächen stehen neben offenen, annähernd schwebenden Passagen. Das Album wirkt weniger wie eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher wie ein zusammenhängender Fluss. Der Titel ist dabei Programm. Die Stücke kommen und gehen, bauen Druck auf, ziehen sich zurück, kehren in veränderter Form wieder.

Post-Rock-Elemente geben dem ganzen Raum zum Atmen, während der Alternative-Metal-Unterbau für Erdung sorgt. FYRES verzichtet auf plakative Hooks und einfache Refrains. Stattdessen geht es um Dynamik, Texturen und Stimmungen.

Der Opener »To Float, To Flow« ist ein Statement. Langsam aufbauend, angenähert, meditativ, mit einem trockenen Humor im Titel, der sich auch musikalisch widerspiegelt. Gitarren schweben, Drums halten sich zurück. Erst nach und nach schiebt sich Gewicht ins Arrangement. Der Song macht klar, dass Geduld hier belohnt wird. Kein klassischer Einstieg, im Kontrast hierzu ein stimmiger.

Zwischen Wucht und Weite

»Accepting the Limits« schallt Dunkler, kantiger, direkter. Hier kommt der Alternative-Metal-Aspekt stärker durch. Die Riffs sind präzise, ohne überladen zu wirken. Der Track arbeitet viel mit Spannungsbögen, steigert sich, bricht wiederum ab. Inhaltlich passt der Titel gut zur Musik. Es geht um Akzeptanz, um Grenzen, ohne Resignation. Einer der fokussiertesten Momente des Albums.

Der emotionalste Track der Platte. Weniger Druck, mehr Atmosphäre. Gitarren werden zu Flächen, fast schon ambient, das Schlagzeug bleibt zurückhaltend. »Dancing in the Rain« wirkt wie ein kurzer Blick nach innen. Kein Song, der sich aufdrängt, aber einer, der hängen bleibt. Gerade in der Mitte des Albums sorgt er für Balance.

Thematische Vielfalt

Der kraftvollste Song auf »Like Waves« ist »Kings«. Hier sitzt jeder Akzent. Die Produktion ist dicht, im Gegensatz hierzu, nicht überproduziert. Castro zeigt hier seine Stärke als Arrangeur. Die Übergänge sind fließend, die Dynamik stimmt. »Kings« klingt selbstbewusst, ohne pathetisch zu werden. Ein klarer Höhepunkt.

Der Abschluss wirkt wie ein Ausatmen. Ruhiger, offener, mit viel Raum zwischen den Noten. »The Window« fasst die Stimmung des Albums gut zusammen. Melancholisch, allerdings nicht hoffnungslos. Der Song lässt bewusst Fragen offen und verzichtet auf ein großes Finale. Eine kluge Entscheidung.

Ein Album voller Kontraste und Tiefe

Die Produktion ist sauber, warm und detailreich. Man hört, dass hier jemand am Werk ist, der sein Handwerk versteht. Kein Element drängt sich unnötig nach vorne. Gitarren, Bass und Drums greifen ineinander, ohne einander zu erdrücken. Besonders die Dynamik verdient Lob. Leise Passagen bleiben spannend, laute verlieren nie die Kontrolle.

»Like Waves« ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Aufmerksamkeit, Zeit und ein gewisses Maß an Offenheit. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein stimmiges, durchdachtes Werk, das zwischen Alternative-Metal und Post-Rock eine eigene Handschrift entwickelt. Bob G Castro zeigt, dass ein Solo-Projekt nicht nach Kompromiss klingen muss.

FYRES liefern mit »Like Waves« ein Album, das wächst. Mit jedem Durchlauf entdeckt man neue Details, neue Übergänge, neue Stimmungen. Kein lauter Paukenschlag, sondern eine Platte mit Tiefe und Haltung. Vier von fünf Punkten sind hier mehr als gerechtfertigt.

Fazit: »Like Waves« zeigt, dass FYRES ein vielversprechendes Projekt ist, das noch für Aufsehen sorgen wird.

Internet

FYRES - Like Waves - CD Review

COURSE OF FATE – Behind The Eclipse

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cover artwork COURSE OF FATE Behind The Eclipse
cover artwork COURSE OF FATE Behind The Eclipse

Band: COURSE OF FATE 🇳🇴
Titel: Behind The Eclipse
Label: ROAR! / Rock of Angels Records
VÖ: 30/01/26
Genre: Progressive Metal 

Tracklist

01. Memories
02. Behind The Eclipse
03. Sky Is Falling
04. And So It Goes
05. Acolyte
06. Hiding From The Light
07. Don’t Close Your Eyes
08. Neverwhere

Besetzung

Eivind Gunnesen – Vocals
Kenneth Henriksen – Guitars
Fredrik Jacobsen – Guitars
Per-Morten Bergseth – Drums
Torstein Haakafoss – Bass

Bewertung:

3/5

Die norwegischen Progressive Metaller COURSE OF FATE kehren mit einem neuen Album „Behind The Eclipse“ zurück und versprechen, es sei „das schwerste Course Of Fate Album bis heute„.

Beeindruckender Start mit Pink Floyd Resonanzen

Akustisch und geladen mit Melancholie eröffnet das Album mit „Memories„, einem kurzen Intro – sehr langsame Musik und gesprochene Vocals. Emotionale, traurige Musik. Viel schwererer Sound kommt in „Behind The Eclipse„, immer noch langsam, die Klanglandschaft wird aber komplexer, je weiter der Song voranschreitet. Ein Sound mit vielen Einflüssen von Melodic Death Metal zu Progressive Rock und Heavy Metal, mit technischer Instrumentierung, cleanen und sehr emotionalen, aber leidenschaftlichen Vocals. Der Titelsong ist melodisch mit sehr komplexem Songwriting, mehrschichtige Musik. Eine Mid-Song-Passage bringt fast Stille – akustische Gitarre und nur Vocals, ruhig und kreiert eine traurige Stimmung. Die Lead-Gitarre bringt einen Vintage-Sound mit Pink Floyd Resonanzen in jeder Note. Eine starke Basslinie signalisiert aber die Rückkehr zu massiven Riffs, und das Ende des Songs ist schwer und viel dichter wieder, mit unvergesslichen Riffs und unbestreitbarer Power. Ein beeindruckender Start, ein Höhepunkt.

Aus Fredrikstad, Norwegen, wurden COURSE OF FATE 2003 gegründet. Gitarrist Kenneth Henriksen und Bassist Torstein Haakafoss sind als Gründungsmitglieder immer noch in der Band – ein Kern, der langsam die restlichen Mitglieder um sich versammelte: Drummer Per-Morten Bergseth, zweiter Gitarrist Fredrik Jacobsen und Sänger Eivind Gunnesen.

Simple Kompositionen mit Prog Rock Einflüssen

Noch schwerer startet „Sky Is Falling„, aber langsamer – hochgepitchte Vocals, schreiend, aber Clean Vocals in vielen Techniken. Immer noch atmosphärisch in vielerlei Hinsicht, langsames und unkompliziertes Solo, leicht anders als die für das Genre typischen. Aber sehr lang und melodisch. Ein insgesamt simplerer Song. „And So It Goes“ setzt den simpleren Ansatz fort, sehr ambient und melodisch wieder mit Resonanzen von den Prog Rock Größten. Emotional und nicht so komplexe Musik, wie man erwarten sollte – nur ein paar Explosionen von Energie erinnern den Hörer daran, dass dies ein Metal-Album ist, aber ziemlich im bereits etablierten Sound.

Die Produktion ist sehr gut, klar und sehr ausbalanciert. Jedes Instrument hat einen Platz im Rampenlicht, Vocals setzen aber eine klare Marke auf den Band-Sound. Sie schafft es, das richtige Gewicht auf die schwereren Passagen zu legen, behält aber auch die Delikatesse der atmosphärischen. Der Sound ist sehr klar und zeigt die technischen Fähigkeiten der Musiker.

Polyrhythmisch und unvorhersehbar

In „Acolyte“ halten ein schöner Bass und Klavier den langsameren Ansatz, nach der kurzen ambienten Sequenz kehrt aber die komplexere und schwerere Klanglandschaft endlich zurück. Und es klingt wirklich gut. Ein wirklich voller Sound, polyrhythmisch, unvorhersehbar, dynamisch – ein sehr guter Prog Metal Song, der mit allem kommt: komplex, technisch, episch und dennoch warm, fließende Musik. Beide Gitarren glänzen wirklich am Song, die Rhythmussektion ist auch beeindruckend, und Vocals halten die hohen Standards. Ein definitiver Höhepunkt des Albums.

Hiding From The Light“ behält den aggressiven Ansatz, und wir bekommen hier einige geknurrte Vocals, die sehr gut zum Band-Sound passen. Immer noch mit unerwarteten Wendungen kommend, ist der ganze Sound insgesamt sehr schwer und zeigt einen wirklich aggressiven Teil der Band. Keine lineare Komposition – es gibt Wechsel in Tempo und musikalischem Ansatz, was ein gutes und dynamisches Stück macht. Nach dem Song mit den schwersten Passagen kommt aber der leichteste: „Don’t Close Your Eyes„, fast nur ein Cello und melodische Vocals – traurige und delikate Musik, leicht, einfach, melancholisch. Ein riesiger Kontrast zu dem, was die Band kann, ein zu großer Kontrast. Ein Song, der vielleicht im kompositorischen Flow des Albums irgendwie seinen Platz findet, als eigenständiger Track aber ziemlich enttäuschend – ein Tiefpunkt.

Der Abschluss des Albums kommt mit „Neverwhere„. Dieser startet mit akustischen Gitarren und einem Klavier, melodisch und leicht, ein atmosphärischer erster Teil in derselben Stimmung wie der vorherige – nicht so extrem leicht, aber immer noch übermelodisch und wieder mit klaren Resonanzen von Progressive Rock. Langsam kreieren die Instrumente einen immer schwereren Sound, sogar einige gute Riffs sind zu hören – ein Crescendo, das das ganze Album sehr gut repräsentiert.

Extreme Kontraste zwischen zwei Gesichtern

Ziemlich typischer Progressive Metal mit einem Sound, der an die Urväter des Genres erinnert, vielleicht schwerer als diese früher waren, aber auch leichter in bestimmten Passagen. Eine Musik voll von Kontrasten, von delikaten Sequenzen zu wirklich aggressiven, vielleicht zu viele Extreme – eine ganze Bruchlinie zwischen diesen. Komplexes Songwriting auf manchen Songs wechselt sich ab mit simplicem auf anderen. Alles in den Extremen.

Zu schade über die zu melodischen und emotionalen, fast ambienten Tracks, die hier und da auf dem Album kommen und dann den Sound zu lange monopolisieren. Fühlt sich an, als hätten sie ihre Power und Inspiration verloren, glücklicherweise ist die gute Musik aber immer zurückgekehrt. Dennoch eine Arbeit mit zwei gegensätzlichen Gesichtern. Tatsächlich ist es das schwerste Werk der Band, und diese Schwere passt besser zum Band-Sound. Ein wichtiger Meilenstein in der Diskografie von COURSE OF FATE, ein Album, das zeigt, wozu die Band fähig ist.

Fazit: „Behind The Eclipse“ von COURSE OF FATE verdient Lob für Schwere und technische Fähigkeiten, zu melodische Tracks schmälern aber den Gesamtimpact.

Internet

COURSE OF FATE - Behind The Eclipse

DEATH DEALER – Reign Of Steel

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DEATH DEALER - Reign Of Steel - cover artwork
DEATH DEALER - Reign Of Steel - cover artwork

Band: DEATH DEALER 🇺🇸
Titel: Reign Of Steel
Label: Massacre Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Heavy/Power Metal

Tracklist

01. Assemble
02. Devil’s Triangle
03. Riding On The Wings
04. Bloodbath
05. Raging Wild And Free
06. Blast The Highway
07. Compelled
08. Dragon Of Algorath
09. Sleeping Prophet
10. Reign Of The Night

 

Besetzung

Sean Peck – Vocals
Ross “The Boss” Friedman – Guitars
Stu Marshall – Guitars
Mike LePond – Bass
Steve Bolognese – Drums

 

Bewertung:

2,5/5

DEATH DEALER ist eine Art Allstar-Projekt des US-Power-Metal. Am Mikro steht Sean Peck, bekannt für seine kraftvolle, zeitweilig polarisierende Stimme. An der Gitarre wirkt niemand Geringeres als Ross “The Boss” Friedman, eine Legende aus MANOWAR-Tagen, unterstützt von Stu Marshall. Die Rhythmussektion übernehmen Mike LePond am Bass (Symphony X), und Steve Bolognese an den Drums. Mit »Reign Of Steel« legt die Band ihr aktuelles Studioalbum vor und bleibt hierbei fest im klassischen Power-Metal verankert.

Stahl, Pathos und alte Tugenden

Schon der Titel macht klar, wohin die Reise geht. »Reign Of Steel« will kraftvoll, heroisch und kompromisslos sein. Genau das liefern DEATH DEALER selbstredend. Das Album ist tief verwurzelt im traditionellen US-Power-Metal, mit klaren Referenzen an die Achtziger und frühen Neunziger. Schnelle Riffs, marschierende Rhythmen und hymnische Refrains bestimmen das Bild. Überraschungen stehen nicht auf dem Plan.

Der Opener »Assemble« funktioniert wie ein Startschuss. Ein kurzer, epischer Aufbau, dann setzen die Gitarren ein und machen unmissverständlich klar, dass hier keine halben Sachen gemacht werden. Ross The Boss klingt vertraut, angenähert nostalgisch, ohne völlig altbacken zu wirken. Gleichzeitig wird im Kontrast hierzu deutlich, dass sich DEATH DEALER stilistisch keinen Millimeter bewegen wollen.

Gitarrenarbeit mit Licht und Schatten

Das Zusammenspiel von Ross The Boss und Stu Marshall ist solide, manchmal sogar richtig stark. Songs wie »Devil’s Triangle« oder »Riding On The Wings« profitieren von knackigen Riffs und klassischen Twin-Leads, die Fans des Genres sofort abholen dürften. Gerade im Mittelteil des Albums blitzt immer wieder auf, wie viel Erfahrung hier zusammenkommt.

Problematisch wird es dann, wenn sich die Band zu sehr auf bekannte Muster verlässt. »Bloodbath« und »Raging Wild And Free« klingen zwar druckvoll, im Gegensatz hierzu austauschbar. Die Riffs sind sauber gespielt, doch echte Wiedererkennungsmerkmale fehlen. Hier wären weniger Routine und mehr Mut wünschenswert gewesen.

Gesang zwischen Heroik und Überzeichnung

Sean Peck ist ohne Frage ein prägnanter Frontmann. Seine Stimme passt perfekt zu den martialischen Texten und der pathetischen Grundstimmung. In Stücken wie »Blast The Highway« oder »Compelled« treibt er die Songs mit viel Energie voran. Allerdings bewegt er sich wiederholt hart an der Grenze zur Überzeichnung.

Gerade über die komplette Albumlänge hinweg kann das anstrengend wirken. Peck kennt im Ausdruck fast nur eine Intensitätsstufe, was dazu führt, dass sich viele Songs emotional ähneln. Feinere Nuancen oder bewusst gesetzte Ruhepunkte bleiben Mangelware.

Rhythmus Sektion als verlässliches Fundament

Mike LePond und Steve Bolognese liefern buchstäblich das, was man von ihnen erwartet. Der Bass ist präsent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, und stützt die Gitarrenarbeit wirkungsvoll. Das Schlagzeug ist präzise, treibend und stets songdienlich. Besonders »Dragon Of Algorath« profitiert von der kraftvollen Rhythmusarbeit, die dem Song eine gewisse epische Breite verleiht. Technisch gibt es hier nichts zu beanstanden. Allerdings bleibt desgleichen die Rhythmus Sektion strikt im sicheren Bereich und trägt wenig zur Dynamik oder Abwechslung bei.

Highlights und Längen

Mit »Sleeping Prophet« gelingt DEATH DEALER einer der stärkeren Momente des Albums. Der Song nimmt etwas Tempo heraus, wirkt atmosphärischer und erlaubt der Band, Spannung aufzubauen, statt sie uneingeschränkt mit Lautstärke zu erzeugen. Auch der Titeltrack »Reign Of The Night« punktet mit einem eingängigen Refrain und einem klar strukturierten Aufbau.

Trotzdem zieht sich das Album stellenweise. Die zweite Hälfte leidet unter zu vielen ähnlich gestrickten Songs, die sich gegenseitig im Weg stehen. Hier hätte eine straffere Auswahl oder mehr stilistische Abwechslung gutgetan.

»Reign Of Steel« ist ein Album für eingefleischte Power-Metal-Fans, die genau wissen, was sie wollen. DEATH DEALER liefern routiniert gespielten, traditionellen Metal ohne Experimente. Das ist handwerklich ordentlich, teilweise außerdem unterhaltsam, bleibt allerdings zu oft vorhersehbar. Die große Stärke der Band, ihre Erfahrung, wird zugleich zur größten Schwäche.

Fazit: »Reign Of Steel« von DEATH DEALER ist ein Album, das die Erwartungen erfüllt, aber kaum darüber hinausgeht.

Internet

DEATH DEALER - Reign Of Steel - CD Review

FIREBORN – Dreamcatcher

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FIREBORN - Dreamcatcher - album cover
FIREBORN - Dreamcatcher - album cover

Band: FIREBORN 🇩🇪
Titel: Dreamcatcher
Label: El Puerto Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Hard Rock/Heavy Metal

Tracklist

01. Dancing With The Villain
02. Set The World On Fire
03. Point Of No Return
04. Likes For A Life
05. Pull The Trigger
06. Little Wanderer
07. Crisis Of Youth
08. Dreamcatcher
09. Flashlight
10. Out Of The Edges
11. Human

 

Besetzung

Jenny Gruber – Vocals
Raphael Singh – Drums
Rick Götze – Guitars
Dennis Weber – Guitars
Christian Lehr – Bass

 

Bewertung:

3,5/5

FIREBORN kommen aus dem modernen Hard-Rock und Heavy-Metal und setzen auf eine klassische Bandbesetzung mit klarer Rollenverteilung. Am Mikrofon steht Jenny Gruber, deren Stimme das Zentrum des Sounds bildet. Das Fundament liefern Raphael Singh am Schlagzeug und Christian Lehr am Bass. Für Druck und Melodie sorgen Rick Götze und Dennis Weber an den Gitarren. »Dreamcatcher« ist das aktuelle Album der Band und zeigt ihren Anspruch, zeitgemäßen Heavy Rock mit Haltung zu verbinden.

Zwischen Härte und Haltung

Schon die ersten Minuten machen klar, wohin die Reise geht. »Dancing With The Villain« eröffnet das Album mit kantigen Riffs und einem Refrain, der sofort im Ohr bleibt. FIREBORN setzen auf eine saubere Produktion, die Druck zulässt, ohne steril zu wirken. Die Band will kraftvoll klingen, im Kontrast hierzu nicht überladen. Das gelingt über weite Strecken, desgleichen, weil das Songwriting diszipliniert bleibt und selten unnötige Umwege nimmt.

»Set The World On Fire« legt im Anschluss nach. Der Song ist klassischer Hard Rock mit moderner Kante, getragen von einem treibenden Schlagzeug und klar gesetzten Gitarrenlinien. Hier zeigt sich, wie gut das Zusammenspiel innerhalb der Band funktioniert. Nichts wirkt zufällig, jede Spur hat ihren Platz.

Songs mit klarer Kante

Mit »Point Of No Return« und »Likes For A Life« rückt die Band thematisch näher an gesellschaftliche Fragen heran. Gerade »Likes For A Life« sticht hervor, weil der Song aktuelle Mechanismen sozialer Medien aufgreift, ohne belehrend zu wirken. Jenny Gruber transportiert den Text mit Nachdruck, bleibt dabei im Gegensatz hierzu melodisch und kontrolliert. Ihre Stimme hat genug Schärfe für die härteren Passagen und genug Gefühl für die ruhigeren Momente.

»Pull The Trigger« gehört zu den direkteren Tracks des Albums. Hier regiert der Drive, der Song will nach vorne und macht daraus kein Geheimnis. Die Gitarrenarbeit ist schnörkellos, das Solo sitzt, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. FIREBORN verstehen es, Spannung aufzubauen, ohne sich in technischen Spielereien zu verlieren.

Luft zum Atmen

Mit »Little Wanderer« gönnt sich das Album eine kurze Verschnaufpause. Der Song ist zurückhaltender, fast schon nachdenklich, und zeigt eine andere Facette der Band. Auch »Crisis Of Youth« schlägt in diese Richtung, bleibt aber rhythmisch dichter und emotional aufgeladen. Hier gelingt FIREBORN eine gute Balance zwischen Melancholie und Energie.

Der Titeltrack »Dreamcatcher« steht bewusst in der Mitte des Albums und wirkt wie ein inhaltlicher Kern. Der Song verbindet Atmosphäre mit Durchschlagskraft und bleibt selbst nach mehreren Durchläufen präsent. Besonders das Zusammenspiel von Bass und Schlagzeug sorgt für Tiefe, während die Gitarren genug Raum für Dynamik lassen.

Licht und Schatten

Mit »Flashlight« und »Out Of The Edges« wird der Ton wieder rauer. Diese Stücke setzen stärker auf Groove und Rhythmus als auf große Melodiebögen. Nicht jeder Refrain zündet sofort, nichtsdestoweniger gewinnen die Songs mit der Zeit. Hier zeigt sich auch eine kleine Schwäche des Albums. Manche Ideen hätten noch etwas mehr Feinschliff vertragen, vor allem im Hinblick auf Wiedererkennungswert.

Der Abschluss »Human« rundet das Album stimmig ab. Der Song wirkt persönlicher, annähernd introspektiv, und gibt dem Hörer das Gefühl, dass FIREBORN mehr wollen als reine Lautstärke. Inhaltlich und musikalisch passt er gut ans Ende und hinterlässt einen ordentlichen Eindruck.

»Dreamcatcher« ist ein solides Hard-Rock/Heavy-Metal-Album, das auf starke Einzelmomente setzt und eine klare Linie verfolgt. FIREBORN zeigen, dass sie wissen, was sie tun, und dass sie als Band funktionieren. Nicht jeder Song bleibt sofort hängen, doch das Gesamtbild stimmt. Die Mischung aus Druck, Melodie und thematischem Anspruch macht das Album hörenswert, wenngleich noch Luft nach oben bleibt.

Fazit: »Dreamcatcher« ist ein Album, das die Stärken von FIREBORN unterstreicht: Energie, Leidenschaft und musikalisches Können.

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FIREBORN - Dreamcatcher - CD Review

CORONATUS – Dreadful Waters

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CORONATUS - Dreadful Waters - album cover
CORONATUS - Dreadful Waters - album cover

Band: CORONATUS 🇩🇪
Titel: Dreadful Waters
Label: Massacre Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Symphonic/Folk Metal

Tracklist

01. The Maelstrom
02. Through The Brightest Blue
03. To The Reef!
04. The Ship’s Cook
05. Southern Cross
06. The Siren
07. A Seaman’s Yarn
08. Dark Ice
09. Die Hexe und der Teufel

 

Besetzung

Leni Eitrich – Mezzo-soprano
Sabine Prechtel – Mezzo-soprano
Nemesis aka Brigitte Kaefer – Rock voice
Tine Jülich – Violin
Harry Zeidler – Guitars
Simon Gutbrod – Bass
Mats Kurth – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

CORONATUS gehören seit Jahren zu den eigenwilligeren Stimmen im Symphonic- und Folk-Metal-Umfeld. Die Band setzt nicht auf Bombast um jeden Preis, sondern auf Atmosphäre, erzählerische Songs und einen ausgeprägten Hang zu maritimen Motiven. Auf »Dreadful Waters« trifft ein ungewöhnlich breites vokales Spektrum auf klassische Metal-Instrumentierung, Violine und folkige Farben. Das Line-up liest sich entsprechend vielstimmig: Leni Eitrich und Sabine Prechtel am Mezzosopran, Nemesis alias Brigitte Kaefer mit markanter Rockstimme, dazu Tine Jülich an der Violine, Harry Zeidler an den Gitarren, Simon Gutbrod am Bass und Mats Kurth am Schlagzeug.

Zwischen Sturmromantik und Seemannsgarn

Der Albumtitel »Dreadful Waters« ist Programm. CORONATUS zeichnen ein Bild von rauer See, alten Legenden und menschlichen Grenzerfahrungen. Das funktioniert weniger über plakative Effekte, sondern über eine dichte Grundstimmung. Die Produktion bleibt klar, manchmal fast zurückhaltend, was den Songs Luft lässt. Wer einen durchgehend wuchtigen Symphonic-Metal-Brocken erwartet, liegt hier daneben. Stattdessen entfaltet sich das Album eher wie ein erzählender Roman mit wechselnden Kapiteln.

Drei Stimmen, viele Gesichter

Das Herzstück der Platte sind ohne Zweifel die drei Sängerinnen. Die beiden Mezzosoprane ergänzen sich gut, mal klassisch getragen, mal folkig gefärbt. Nemesis bringt mit ihrer Rockstimme eine raue Kante hinein, die angelegentlich in den härteren Passagen gebraucht wird. Nicht jeder Wechsel sitzt perfekt, gelegentlich wirken die Übergänge etwas konstruiert. Trotzdem entsteht ein spannendes Wechselspiel, das dem Album Charakter gibt und es von vielen Genre-Kollegen abhebt.

Instrumente mit viel Raum

Gitarren, Bass und Schlagzeug liefern eine solide Basis, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Harry Zeidlers Riffs bleiben meist melodisch, selten aggressiv, was gut zum erzählerischen Ansatz passt. Mats Kurth spielt kontrolliert und songdienlich, vermeidet überflüssige Ausbrüche. Besonders positiv fällt die Violine von Tine Jülich auf. Sie ist nicht bloß schmückendes Beiwerk, sondern oft tragendes Element, etwa wenn sie Seefahrerromantik oder unterschwellige Bedrohung transportiert.

Die Reise beginnt

Der Opener »The Maelstrom« zieht den Hörer direkt in den Strudel. Düster, langsam aufbauend, mit einem Gefühl von drohender Gefahr. »Through The Brightest Blue« wirkt danach approximativ versöhnlich und zeigt die melodische Stärke der Band. »To The Reef!« bringt erstmals mehr Tempo, bleibt im Kontrast hierzu kontrolliert und verzichtet auf reinen Power-Metal-Überschwang.

Geschichten aus der Kombüse

Mit »The Ship’s Cook« und »A Seaman’s Yarn« schlägt das Album eine erzählerischere Richtung ein. Hier funktionieren CORONATUS besonders gut, weil Text und Musik ineinandergreifen. Man hört förmlich das Knarren des Schiffs und das Murmeln alter Geschichten. »Southern Cross« bringt eine hymnische Note ins Spiel, ohne kitschig zu werden.

Dunklere Gewässer

»The Siren« und »Dark Ice« gehören zu den stärkeren Momenten der Platte. Hier treffen Atmosphäre, Melodie und Gesang stimmig aufeinander. Vor allem »Dark Ice« bleibt hängen, weil es Spannung aufbaut und nicht sofort alles preisgibt. Der Abschluss »Die Hexe und der Teufel« setzt mit deutscher Sprache einen Akzent, der mutig ist und nicht ganz reibungslos funktioniert, aber dem Album ein eigenes Ende verleiht.

»Dreadful Waters« ist kein Album für den schnellen Effekt. CORONATUS setzen auf Stimmung, Geschichten und eine ungewöhnliche vokale Mischung. Nicht jeder Song zündet sofort, und an manchen Stellen hätte man sich halbwegs mehr Mut oder Straffung gewünscht. Dafür bietet die Platte viele Details, die sich erst mit der Zeit erschließen. Wer Symphonic- und Folk-Metal mag, der mehr erzählen will als nur epische Refrains, findet hier eine spannende, wenn auch nicht perfekte Reise.

Fazit: Mit »Dreadful Waters« liefern CORONATUS ein Album ab, das sowohl atmosphärisch wie desgleichen musikalisch beeindruckt.

Internet

CORONATUS - Dreadful Waters - CD Review