Tracklist
01. Ambrosia – 04:38
02. Enklave feat. Aello – 03:47
03. Stadt der Tränen – 04:07
04. Götterdämmerung – 04:13
Besetzung
Boa – Gesang
Andy – Leadgitarre
Eric – Rhythmusgitarre
Bill – Bass, Gesang
Hyrass – Schlagzeug
Gastmusiker:
Aello von Harpyie – Gesang auf „Enklave“
Produktion:
Komposition, Texte und Produktion – Bill Thiele
Schlagzeugaufnahme – André Rose
Mixing und Mastering – Bill Thiele
CD-Auflage:
100 Exemplare im Digipack
Vier Songs, knapp siebzehn Minuten und ein Titel, der nach drohendem Unheil klingt: Mit »Omen« legen die Dresdner Argorok zwei Jahre nach ihrem zweiten Album »Obscurum« eine kompakte EP vor. Die 2020 zunächst als Studioprojekt gegründete Band bezeichnet ihre Musik als Epic Death Metal und verbindet dafür melodischen Death Metal mit schweren Groove-Riffs, orchestralen Arrangements, Industrial-Elementen und vereinzelten Folk-Anklängen. Deutsche Texte, Boa als brachialer Frontmann und eine Produktion, die lieber auf Größe als auf schmutzige Rohheit setzt, bilden den Kern dieser vier Stücke. »Omen« ist damit keine bloße Zwischenveröffentlichung, die übrig gebliebenes Material verwaltet. Die EP zeigt vielmehr eine Band, die ihren eigenen Stil klarer formuliert, dabei aber auch hörbar in einem Feld arbeitet, das zwischen Amon-Amarth-Epik, modernem Groove Metal und cineastischer Klangkulisse bereits prominent besetzt ist.
DAS ELIXIER BEGINNT ELEKTRONISCH
»Ambrosia« eröffnet die EP zunächst außerhalb der erwartbaren Death-Metal-Komfortzone. Pulsierende elektronische Klänge, orientalisch gefärbte Tonfolgen und eine beinahe rituelle Atmosphäre führen in das Stück. Erst danach setzen die schweren Gitarren ein und drücken die Komposition in jenen wuchtigen Midtempo-Bereich, in dem sich Argorok besonders sicher bewegen.
Das funktioniert, weil die Einleitung nicht bloß als vorgeschalteter Effekt verwendet wird. Die fremdartigen Klangfarben kehren am Ende zurück und rahmen die eigentliche Metal-Komposition ein. Dazwischen dominieren breite Gitarren, ein druckvoller Bass und orchestrale Flächen, die den Song größer erscheinen lassen, ohne die Rhythmusarbeit vollständig zuzudecken.
Inhaltlich führt »Ambrosia« in das Labor eines Alchemisten, der nach dem Lebenselixier und damit nach Unsterblichkeit sucht. Verbotene Experimente, okkulte Rituale und exotische Zutaten bilden eine Geschichte über menschliches Machtstreben. Die mythologische Ambrosia, die Speise der Götter, wird dabei nicht als Geschenk verstanden, sondern als Ziel eines Menschen, der die natürliche Ordnung überwinden möchte.
Boa setzt seine Growls mit deutlicher Artikulation über das Instrumental. Die deutschen Texte bleiben trotz der tiefen Stimme weitgehend nachvollziehbar. Das ist wichtig, weil Argorok ihre Geschichten nicht lediglich als Vorwand für eine düstere Atmosphäre verwenden. Die erzählerische Ebene gehört zum eigentlichen Profil der Band.
Andy und Eric arbeiten überwiegend als geschlossene Gitarrenfront. Das Hauptriff ist schwer und einfach genug, um unmittelbar im Nacken anzukommen. Melodische Leadlinien und ein kurzes Solo lockern die Struktur auf. Gerade der Refrain gewinnt durch diese zweite Gitarrenebene und bleibt schneller hängen als das zunächst sperrige Intro vermuten lässt.
Die Mischung aus Elektronik, schwerem Groove und melodischer Gitarre wirkt schlüssig, bleibt aber stilistisch nicht völlig überraschend. Moderne Melodic-Death- und Groove-Metal-Bands arbeiten seit Jahren mit ähnlichen Kontrasten. Argorok überzeugen weniger durch eine neue Formel als durch die konsequente Ausführung und ihre deutschsprachige Erzählweise.
HINTER OBSIDIANMAUERN
»Enklave« verzichtet auf langes Herantasten. Ein mächtiges Riff, akzentuiertes Schlagzeug und orchestrale Hintergrundflächen setzen den Song sofort in Bewegung. Das Tempo bleibt überwiegend im mittleren Bereich, doch die Rhythmik besitzt genügend Druck, um die Nummer nicht statisch wirken zu lassen.
Mit Aello von Harpyie erhält der Song eine zweite Stimme, die weit mehr als einen kurzen Gastauftritt liefert. Boa und Aello teilen sich große Teile der Komposition und erzeugen einen wirkungsvollen Kontrast. Boas tiefer, aggressiver Vortrag steht Aellos klarerer und theatralischerer Stimme gegenüber.
Gerade diese Rollenverteilung verhindert, dass »Enklave« zu einem gleichförmigen Midtempo-Stampfer wird. Aello bringt melodische Leichtigkeit in das ansonsten sehr schwere Arrangement. Gleichzeitig bleibt der Song eindeutig im Klangbild von Argorok verankert. Der Gast übernimmt nicht die Kontrolle, sondern erweitert die vorhandene Dramaturgie.
Die titelgebende Enklave ist keine sichere Heimat. Der Text beschreibt eine Figur, die sich aus Angst, Wut und Misstrauen hinter einer symbolischen Festung aus Obsidian verschanzt. Schwarze Tore und blutrote Banner zeichnen das Bild eines selbst geschaffenen Reiches, dessen vermeintlicher Schutz zunehmend zur Isolation wird.
Musikalisch wird dieser Gedanke durch die massive Produktion unterstützt. Die Gitarren wirken wie Mauern, die Orchestrierung vergrößert den Raum und das Schlagzeug setzt kontrollierte Schläge, statt das Stück mit permanenter Geschwindigkeit aufzubrechen. Die Komposition vermittelt Sicherheit und Gefangenschaft zugleich.
Der Refrain gehört zu den unmittelbarsten Momenten der EP. Er besitzt beinahe hymnische Qualitäten und dürfte live schnell funktionieren. Gleichzeitig bewegt er sich nahe an vertrauten Mustern aus Folk- und Epic Metal. Der Gastgesang, die orchestralen Flächen und der schwere Groove greifen sauber ineinander, wirken aber auch bewusst zugänglich.
Das ist kein grundsätzlicher Nachteil. Argorok schreiben keinen technischen Death Metal und wollen ihre Hörer nicht durch möglichst komplizierte Strukturen herausfordern. »Enklave« setzt auf Wirkung, Wiedererkennbarkeit und eine klare Bildsprache. Innerhalb dieser Zielsetzung ist das Stück ausgesprochen gelungen.
DIE STADT STEHT NOCH
Eine Kombination aus akustischen und elektrischen Gitarren eröffnet »Stadt der Tränen«. Nach dem druckvollen »Enklave« verändert sich die Atmosphäre damit deutlich. Melancholie tritt an die Stelle unmittelbarer Angriffslust, ohne dass Argorok in eine Ballade abdriften.
Sobald die vollständige Band einsetzt, bleibt die emotionale Grundfarbe erhalten. Die Rhythmusgitarren besitzen weiterhin Gewicht, werden jedoch stärker von melodischen Leadlinien begleitet. Andy erhält mehr Raum und setzt einige der überzeugendsten Gitarrenmomente der EP.
Boa passt seinen Vortrag nicht grundsätzlich an, wirkt innerhalb des melancholischen Arrangements aber weniger kriegerisch. Seine Stimme klingt wie die eines Erzählers, der zwischen den Ruinen steht und nicht nur Zerstörung, sondern auch deren menschliche Folgen betrachtet.
Der Text handelt von einer verwüsteten Stadt, persönlichen Opfern und dem Versuch, trotz allem einen Wiederaufbau zu beginnen. Hoffnung wird nicht als plötzlich eintretende Erlösung dargestellt. Sie entsteht aus Beharrlichkeit und der Entscheidung, den Ort trotz seiner Wunden nicht aufzugeben.
Diese inhaltliche Ausrichtung unterscheidet »Stadt der Tränen« von zahlreichen epischen Death-Metal-Stücken, die ihre Spannung aus Schlachten, Siegen oder mythologischen Helden beziehen. Argorok richten den Blick auf das Danach. Der eigentliche Kampf beginnt dort, wo die großen Gesten enden und aus Trümmern erneut eine Gemeinschaft entstehen soll.
Bill trägt mit seinem Bass entscheidend zur Wirkung bei. Das Instrument bleibt nicht unter den Gitarren verborgen, sondern verbreitert das Fundament. Hyrass spielt kontrolliert und setzt seine Akzente so, dass die Melodien genügend Raum behalten. Das Schlagzeug ist druckvoll, ohne die nachdenkliche Grundstimmung zu überrollen.
Das kurze Solo führt die melancholische Seite besonders überzeugend aus. Es arbeitet nicht mit hoher Geschwindigkeit oder technischer Selbstdarstellung, sondern mit nachvollziehbaren melodischen Linien. Dadurch wird »Stadt der Tränen« zum emotionalen Mittelpunkt der EP.
Eine stärkere dynamische Abstufung hätte dem Stück dennoch zusätzliche Tiefe verleihen können. Die Produktion bleibt auch in den vermeintlich ruhigeren Abschnitten sehr groß und dicht. Ein deutlicherer Rückzug einzelner Instrumente hätte den späteren Einsatz der gesamten Band noch kraftvoller wirken lassen.
GÖTTERDÄMMERUNG IM MITTELTEMPO
Mit einem Titel wie »Götterdämmerung« verbindet sich automatisch eine gewisse Erwartung. Das Stück muss nach Ende, Umbruch und übermenschlicher Größe klingen. Argorok erfüllen diese Vorgabe nicht durch orchestralen Bombast allein, sondern stützen den Song auf ein schweres, beinahe galoppierendes Hauptriff.
Hyrass steht stärker im Mittelpunkt als in den vorherigen Nummern. Sein Schlagzeugspiel bleibt songdienlich, setzt aber mehr kleine Veränderungen und Übergänge. Besonders die Verbindung aus schweren Gitarren und beweglicher Rhythmik verhindert, dass der Song unter seiner eigenen Monumentalität erstarrt.
Die Keyboards und orchestralen Flächen sind deutlicher wahrnehmbar, bleiben aber hinter der Band. Sie sollen das Riffing vergrößern und keine vollständige Symphonic-Metal-Komposition daraus machen. Dieser zurückhaltende Einsatz ist eine der Stärken von Argorok. Die zusätzlichen Klangschichten besitzen eine Funktion und werden nicht automatisch über jede freie Stelle gelegt.
Im Mittelteil öffnet sich die Komposition. Melancholische Gitarren und eine breitere Instrumentalpassage lösen den engen Groove vorübergehend auf. Hier treten die skandinavischen Einflüsse besonders deutlich hervor. Erinnerungen an Amon Amarth und andere episch ausgerichtete Vertreter des Melodic Death Metal sind kaum zu vermeiden.
Diese Nähe ist zugleich Stärke und Schwäche. Argorok verstehen, wie schwere Riffs, deutsche Growls und heroische Melodien miteinander verbunden werden müssen. Das Ergebnis besitzt unmittelbare Wirkung. Die Band bewegt sich dabei jedoch auf bekanntem Boden und setzt noch nicht in jeder Passage ein unverwechselbares eigenes Zeichen.
Die deutsche Sprache hilft bei der Abgrenzung. Boa klingt nicht wie eine bloße Übersetzung eines skandinavischen Vorbilds. Seine Aussprache, die harten Konsonanten und die deutlich erzählerische Anlage verleihen dem Material einen eigenen Charakter.
Als Abschluss funktioniert »Götterdämmerung« ausgezeichnet. Der Song bündelt Groove, Melodie, Orchestrierung und epische Schwere. Gleichzeitig endet die EP genau in dem Moment, in dem sie vollständig Fahrt aufgenommen hat. Nach vier Stücken bleibt weniger der Eindruck eines fertigen großen Bogens als der Wunsch, unmittelbar ein drittes Album folgen zu lassen.
VIER STÜCKE MIT KLARER AUFGABENVERTEILUNG
Obwohl »Omen« nur vier Songs enthält, besitzt die EP eine nachvollziehbare Dramaturgie. »Ambrosia« führt elektronische und orientalisch gefärbte Elemente ein. »Enklave« setzt auf unmittelbaren Groove und das Gesangsduell mit Aello. »Stadt der Tränen« bildet den melancholischen Mittelpunkt, bevor »Götterdämmerung« die epischen Bestandteile zusammenführt.
Diese klare Verteilung verhindert, dass sich die kurze Veröffentlichung wie vier Varianten desselben Songs anhört. Gitarrenton, Growls und Produktion bleiben einheitlich, doch jede Nummer besitzt eine eigene Grundfarbe.
Argorok setzen überwiegend auf Midtempo. Rasende Blastbeats, technische Gitarrenläufe und abrupte Rhythmuswechsel spielen kaum eine Rolle. Die Härte entsteht durch Gewicht, breite Akkorde und eine Rhythmusgruppe, die jeden Schlag deutlich setzt.
Das macht die Musik zugänglich, kann auf Albumlänge aber auch zu Gleichförmigkeit führen. Auf knapp siebzehn Minuten fällt diese Begrenzung kaum ins Gewicht. Für einen zukünftigen Langspieler wären zusätzliche Tempobereiche und stärker reduzierte Passagen dennoch sinnvoll.
Boa ist ein wirkungsvoller Frontmann. Seine Growls besitzen Druck und eine gute Verständlichkeit. Die Stimmlage verändert sich jedoch nur begrenzt. Aellos Auftritt auf »Enklave« zeigt besonders deutlich, wie stark das Material von einem vokalen Kontrast profitieren kann.
Das bedeutet nicht, dass Argorok künftig überall Klargesang einsetzen sollten. Bereits tiefere Growls, einzelne höhere Ausbrüche oder zurückhaltend gesprochene Passagen könnten die epischen Höhepunkte noch massiver erscheinen lassen.
DIE GITARREN TRAGEN DAS REICH
Andy und Eric bilden das instrumentale Zentrum. Die Aufgabenverteilung aus Lead- und Rhythmusgitarre bleibt deutlich erkennbar. Eric liefert das schwere Fundament, während Andy die melodischen Konturen und Soli darüberlegt.
Besonders »Stadt der Tränen« profitiert von dieser Trennung. Die Rhythmusgitarre hält das Gewicht aufrecht, während die Leadgitarre eine emotionale Gegenbewegung entwickelt. In »Götterdämmerung« greifen beide Rollen enger ineinander und formen den großen Abschluss.
Die Soli sind melodisch und songorientiert. Argorok vermeiden unnötige Griffbrettakrobatik. Keine Leadpassage wirkt wie ein technischer Fremdkörper, der nur eingebaut wurde, weil ein Death-Metal-Song angeblich ein Solo benötigt.
Bill übernimmt am Bass, als Komponist, Texter und Produzent mehrere zentrale Rollen. Das Ergebnis wirkt entsprechend geschlossen. Instrumentierung, Klangbild und Geschichten folgen derselben Vorstellung von epischer Schwere.
Der Bass ist im Mix vorhanden, könnte aber stellenweise noch stärker hervortreten. Wenn Rhythmusgitarre, Orchestrierung und tiefer Gesang gleichzeitig einsetzen, wird sein Eigenklang etwas zurückgedrängt. In den offeneren Passagen ist deutlicher zu hören, wie wichtig er für die Bewegung der Songs ist.
Hyrass spielt präzise und kontrolliert. Sein Schlagzeug besitzt genügend Druck, wirkt aber nicht vollständig steril. Besonders bei »Götterdämmerung« zeigt er, dass der schwere Grundrhythmus durch kleine Veränderungen lebendig gehalten werden kann.
EPISCHE PRODUKTION OHNE ORCHESTERÜBERDOSIS
Bill Thiele zeichnet für Produktion, Mixing und Mastering verantwortlich. Das Ergebnis klingt groß, sauber und auf eine moderne Wiedergabe ausgerichtet. Die Gitarren besitzen Gewicht, die Stimme sitzt deutlich im Vordergrund und das Schlagzeug setzt sich auch unter den orchestralen Flächen durch.
Die Produktion passt zum selbst gewählten Begriff Epic Death Metal. Argorok wollen keine rohe Kelleraufnahme präsentieren. Die Musik soll Landschaften, Festungen, zerstörte Städte und mythologische Untergänge aufbauen. Dafür braucht es Breite und räumliche Tiefe.
Positiv fällt auf, dass die Keyboards und elektronischen Bestandteile nicht automatisch alles dominieren. »Ambrosia« verwendet seine Industrial- und Ethno-Klänge gezielt. »Enklave« setzt die Orchestrierung als Verstärkung des Refrains ein, während »Stadt der Tränen« stärker auf Gitarrenmelodien vertraut.
Einige Übergänge könnten mehr dynamischen Kontrast besitzen. Die Produktion bleibt über weite Strecken laut und dicht. Dadurch werden die Stücke zwar konstant mächtig, doch einzelne Höhepunkte verlieren etwas von ihrer möglichen Sprengkraft.
Gerade die akustische Einleitung von »Stadt der Tränen« zeigt, wie wirksam Argorok mit stärkerer Reduktion umgehen können. Sobald die schweren Gitarren einsetzen, entsteht ein klarer Unterschied. Solche Momente dürften auf einem kommenden Album häufiger auftreten.
VOM STUDIOPROJEKT ZUM QUINTETT
Argorok wurden 2020 in Dresden zunächst als Studioprojekt von Bill Thiele gegründet. Noch im selben Jahr erschien mit »Usurpator« das Debütalbum. Schon dort waren der schwere Groove, die deutsche Sprache und die Verbindung aus Melodic Death Metal und epischen Elementen erkennbar.
Mit »Obscurum« folgte 2024 ein größer produzierter und stilistisch breiterer Nachfolger. Die Band arbeitete stärker mit orchestralen Klangflächen, Folk-Elementen und Gästen. Auf »Töchter des Chaos« war Pether von Burn Down Eden beteiligt.
»Omen« setzt diese Entwicklung fort, wirkt aber konzentrierter. Anstelle eines vollständigen Albums präsentieren Argorok vier Stücke, die jeweils eine bestimmte Seite der Band hervorheben. Die EP funktioniert deshalb auch als Standortbestimmung.
Der größte Fortschritt liegt in der Geschlossenheit. Die elektronischen Bestandteile, melodischen Gitarren und schweren Groove-Riffs wirken nicht wie getrennte Einflüsse, sondern wie Teile derselben Sprache. Argorok wissen inzwischen deutlich genauer, wie ihre Musik klingen soll.
Vollständig unverwechselbar ist diese Sprache noch nicht. Die Nähe zu skandinavischem Melodic Death Metal und besonders zu dessen epischer Midtempo-Variante bleibt deutlich. Die deutschen Texte, die Industrial-Akzente und die erzählerische Ausrichtung geben der Band jedoch genügend Profil, um nicht als einfache Kopie durchzugehen.
KURZ, ABER NICHT UNFERTIG
Die vier Songs bringen es zusammen auf 16 Minuten und 45 Sekunden. Das ist für ein Album zu wenig, für eine EP jedoch eine sinnvolle Länge. Keine Nummer wirkt wie ein Intro, Übergangsstück oder halb ausgearbeiteter Bonus.
Die limitierte Digipack-CD mit 100 Exemplaren unterstreicht den eigenständigen DIY-Ansatz. Argorok veröffentlichen das Material selbst und kontrollieren damit einen großen Teil des kreativen und technischen Prozesses.
Trotzdem bleibt die Kürze der deutlichste Kritikpunkt. Nachdem »Götterdämmerung« die verschiedenen Elemente vollständig zusammengeführt hat, ist die Veröffentlichung bereits beendet. Ein oder zwei zusätzliche Songs hätten das Material zu einem noch befriedigenderen Gesamtwerk erweitert.
Andererseits verhindert die knappe Spielzeit jede Ermüdung. Die überwiegend mittleren Tempi, die ähnliche Klangfarbe und Boas konstant tiefe Stimme könnten über eine Dreiviertelstunde an Wirkung verlieren. Auf »Omen« bleibt der Druck erhalten.
Damit erfüllt die EP ihren Zweck. Sie hält Argorok nach »Obscurum« im Gespräch, dokumentiert die Weiterentwicklung des Quintetts und schafft Erwartungen an das nächste vollständige Album.
FAZIT:
»Omen« ist eine kompakte und geschlossen produzierte Epic-Death-Metal-EP, auf der Argorok schwere Groove-Riffs, deutsche Growls, melodische Gitarren und cineastische Arrangements wirkungsvoll verbinden. »Enklave« und »Stadt der Tränen« bilden die Höhepunkte, während die vertraute Midtempo-Ausrichtung und die sehr kurze Gesamtlaufzeit leichte Abzüge verursachen. Das Omen steht dennoch günstig: Argorok sind bereit für den nächsten vollständigen Langspieler.










