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INVICTUS – Nocturnal Visions

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cover artwork INVICTUS Nocturnal Visions
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Band: INVICTUS 🇯🇵
Titel: Nocturnal Visions
Label: Memento Mori / Me Saco Un Ojo
VÖ: 26/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Intro
02. Abyssal Earth Eradicates
03. Altar of Devoted Slaughter
03. Lucid Dream Trauma
04. Persecution Madness
05. Dragged Beneath The Grave
06. Frozen Tomb
07. Wandering Ashdream
08. Nocturnal Visions

Besetzung

Toshihiro Seki – Bass
Haruki Tokutake – Drums
Takehitopsy Seki – Guitars, Vocals

Bewertung:

4/5

Die japanische Death-Metal-Band INVICTUS präsentiert mit ihrem neuen Album „Nocturnal Visions“ eine weitere Auseinandersetzung mit einem alten, äußerst brutalen Death-Metal-Verständnis. Nach dem von Fans und Kritikern gleichermaßen positiv aufgenommenen Debüt zeigt sich der Sound nun leicht verändert, bleibt aber weiterhin tief in infernalischer und zerstörerischer Klangästhetik verwurzelt.

Dunkle Auftaktgewalt und technische Präzision

Unheilvoll und zunächst beinahe melodisch eröffnet das „Intro“, doch rasch übernehmen dissonante Gitarren das Kommando, bevor „Abyssal Earth Eradicates“ unmittelbar zuschlägt. Ein massiver Basslauf mit extrem tiefem Ton, sirrende Gitarren, tiefe Growls und eine dichte Instrumentierung dominieren den Sound. Der Bass bleibt präsent und technisch verspielt, während schnellere Passagen das hohe spielerische Niveau der Band offenlegen. Druckvoll, erdrückend und dennoch beweglich – ein überzeugender und vielversprechender Einstieg.

INVICTUS stammen aus Nagano, wurden 2015 gegründet und „Nocturnal Visions“ ist ihr zweites Full-Length-Album, ergänzt durch zahlreiche Demos und EPs in der bisherigen Diskografie. Das Trio besteht seit Beginn aus denselben Mitgliedern: Toshihiro Seki am Bass, Haruki Tokutake am Schlagzeug und Takehitopsy Seki an Gitarre und Gesang. Diese Konstanz spiegelt sich in einem spürbar eingespielten Zusammenspiel wider.

Altar of Devoted Slaughter“ setzt auf einen ähnlichen, rauen und aggressiven Klang. Im Midtempo gehalten, tragen massive Riffs den Song, während die Leadgitarre selten, aber gezielt eingreift. Die Komposition ist einfacher strukturiert, wirkt jedoch entschlossener. Ein langes, stark dissonantes Solo unterstreicht, dass Melodie hier zweitrangig ist – entscheidend sind Wucht und morbide Atmosphäre. „Lucid Dream Trauma“ klingt erbarmungslos und höllisch; der Schlussteil bringt neue Energie und ein hohes technisches Niveau, mit beeindruckenden Gitarrenläufen und unnachgiebigem Rhythmus. Ein klares Highlight.

Rohproduktion und konstante Bedrohung

Persecution Madness“ folgt mit einer anderen Struktur: schneller, mit frenetischem Schlagzeugspiel, präzise verzahnter Instrumentierung und einer makabren Grundstimmung. Die Riffs sind konstant stark, das Solo technisch, aber weniger dissonant. Ein weiterer Höhepunkt. „Dragged Beneath The Grave“ beginnt erneut mit erstickendem Tempo und Klang, wuchtigen Drums und etwas verspielteren Gitarren, bleibt insgesamt jedoch drückend und furios – erneut ein sehr starker Moment des Albums.

Die Produktion ist roh und betont die tiefen Frequenzen. Abgesehen von der Leadgitarre ist der Sound dicht und kompakt gemischt, was einen enormen Druck erzeugt. Der Bass ist klar hörbar und verleiht dem Klangbild Tiefe, während die Rhythmussektion äußerst präzise agiert. Die Gitarren sind gut platziert, besonders die Solos treten deutlich hervor, während der Gesang etwas weiter im Hintergrund bleibt. Insgesamt transportiert die Produktion die Intention der Band sehr deutlich und unterstützt die aggressive, wütende Grundstimmung.

Mit „Frozen Tomb“ kehrt die Band zu einem weniger melodischen Ansatz zurück, behält aber Tempo und Angriffslust bei. Dissonant, rau und laut, beeindruckt der Song dennoch mit massiven Riffs und technischer Ausführung. „Wandering Ashdream“ zeigt sich technisch und unerbittlich, mit starken Riffs bei moderatem Tempo. Der Abschlusstrack und Titeltrack „Nocturnal Visions“ bewegt sich überwiegend im Midtempo-Bereich, bleibt jedoch kraftvoll und bestimmt, mit einer klar erkennbaren melodischen Linie. Die letzten Passagen kippen kurz in ein doomiges Tempo, bevor das Stück nochmals extrem beschleunigt – ein durchdachter Aufbau und ein eindrucksvolles Ende.

Düstere Entwicklung und schlüssiger Abschluss

Nocturnal Visions“ klingt deutlich anders als das Vorgängerwerk: eine völlig andere Produktion, weniger klare Strukturen und ein roheres Gesamtbild. Während das Debüt transparenter und melodischer war, erzeugt der neue Ansatz eine andere Wahrnehmung der Musik. Beide Varianten funktionieren im Kontext der Band, zeigen jedoch unterschiedliche Entwicklungsstufen und einen konsequenten Fortschritt auf ihrem gewählten Weg.

Zahlreiche starke Momente, überzeugende Riffs, eine geschlossene Atmosphäre und solides Songwriting prägen „Nocturnal Visions“. Der rohe Sound passt hervorragend zur Musik, das stetig vorwärtsdrängende Tempo ebenso wie die gezielten Tempowechsel. Eine durchweg intensive und lohnende Veröffentlichung für Genre-Fans.

Fazit: „Nocturnal Visions“ zeigt INVICTUS gereift, technisch stark und klanglich düsterer – ein rohes, druckvolles Death-Metal-Album mit überzeugender Atmosphäre.

Internet

INVICTUS - Nocturnal Visions

GUYOĐ – Death Throes Of A Drowning God

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cover artwork GUYOĐ Death Throes Of A Drowning God
cover artwork GUYOĐ Death Throes Of A Drowning God

Band: GUYOĐ 🇦🇹
Titel: Death Throes Of A Drowning God (EP)
Label: Independent
VÖ: 23/01/26
Genre: Doom/Death Metal

Tracklist

01. Signal 00347
02. A Thousand Invisible Eyes
03. Signal 05575
04. Behind Walls of Ice
05. Signal 14721
06. Vortex of Infinite Despair
07. Hestia Drowning
08. Signal 79357

Besetzung

Dohrn – Guitars
Daikakuji – Bass
Rehoboth – Drums
Ōjin – Vocals

Bewertung:

2/5

Ein weiteres Werk der Grazer Band GUYOĐ, das sich auf Ozeane, Meeresleben und mythologische Themen über Kreaturen aus… Ozeanen bezieht und davon inspiriert ist. Wir haben hier eine starke Thematik. In ihren eigenen Worten: „Musik beschworen aus den endlosen Tiefen und der Dunkelheit der Ozeane, aus der trüben Weite des großen Unbekannten, wo kein Licht, keine Hoffnung, kein Mensch wohnt.

Zweifelhafte erste Eindrücke

Sehr atmosphärisch, elektronische Effekte oder zumindest klingt es so – sie wollen uns überzeugen, dass das die Klänge des Ozeans sind, sicher können sie das sein – aber seltsame Sounds. Der erste Eindruck mit dem Eröffnungssong „Signal 00347“ ist ein zweifelhafter. Etwas besser kommt „A Thousand Invisible Eyes„, sehr langsam, aber immer noch ein bizarrer Gesamtsound, als wäre alles durch Effekte transformiert. Gitarren klingen nicht wirklich nach Gitarren, die Vocals sind distanziert, knurrend, aber fast flüsternd. An einem Moment nimmt der Song etwas Fahrt auf, etwas Energie wird hörbar. Aber alles in allem als Komposition typischer Doom Death Metal. Nur dass hier der Sound so schlecht ist.

Nicht nur eine rohe Produktion, sondern ein sehr matschiger Sound, keine Dynamik, keine Mittenfrequenz, nur hohe Sounds. Aber auf einem professionellen System können auch die extremen Tieffrequenzen gehört werden, auf einem alltäglichen Lautsprecher/Headset nicht hörbar. Das ist etwas, was ein Doom Metal Album normalerweise hat: die Mitten- und Tiefenspektrum-Sounds. Und das ist offensichtlich ein Produktions- und Mixing/Mastering-Problem, wenn ein Album High-End-Geräte erfordert, um anständig zu klingen, und ansonsten matschig ist mit Musik, die kaum verständlich ist. Aber egal wie man es versucht, der Sound ist roh, schlecht gemixt, die Verzerrung ist zu viel auf den Gitarren, die Vocals sind zu weit hinten und machen keinen Impact. Die Definition einer schlechten Produktion.

Signal 05575“ ist ein weiteres seltsames Intermezzo, kurz gefolgt von „Behind Walls of Ice“ – Clean Vocals sprechend/schreiend kombiniert mit Knurren hinterlassen weiter ein seltsames Gefühl. Ziemlich minimale Instrumentierung, eine hochgepitchte Gitarre und frenetische Drums. Aber da ist auch ein Bass, aber so verzerrt, dass er leicht mit einer Gitarre verwechselt werden kann, und das ist ein Grund, warum das Album keine Tiefe im Sound hat. Eher ins Experimentelle gehend, eine Sammlung disparater Sounds, weniger wie eine Melodie.

Ozean-Obsession lenkt von der Musik ab

GUYOĐ wurden 2020 gegründet, kommen aus Graz und (falls jemand die Information verpasst hat) sind leidenschaftlich über Ozeane und Meeresleben. Die vier Mitglieder der Band sind Dohrn an Gitarren, Daikakuji am Bass, Rehoboth an Drums und Ōjin für Vocals.

Die Interlude-Idee setzt sich fort mit „Signal 14721„, ein kurzer Track mit distanzierten Sounds – all diese Interludes bringen absolut nichts musikalisch oder als Atmosphäre. „Vortex of Infinite Despair“ hat einen besseren Rhythmus mit Riffs, die kommen und gehen, mit einer quietschenden Lead-Gitarre, die noch verzerrtere und disparatere Sounds bringt. Aber hinter all dem gibt es eine melodische Linie, es gibt gequälte Schreie, aber nicht wirklich mit der Musik verbunden. Dennoch eine bessere Komposition, ein Song, der einige Ideen bringt – das Nächste zu Musik vom Album. Mit einer besseren Produktion könnte es ein ziemlich guter Song sein, weil hier Songwriting mit guten Ideen kommt, interessant und klarer.

Überraschenderweise kommt „Hestia Drowning“ ohne Intermezzo, aber die Eröffnungssequenz agiert wie eines, und dann ferne Drums in einem tribalen monotonen Rhythmus mit Effekten und Synth, die langsam Textur hinzufügen. Aber langsam wird der Song nur zu dissonanten Sounds, überhaupt nicht melodisch, nur Schreie und Geräusche. Und das finale Signal „Signal 79357“ kommt als Ende, ein Outro – dieselben uninspirierten Sounds, die nichts musikalisch bringen.

Gescheitertes Experiment mit katastrophaler Produktion

Ein Experiment, und kein besonders erfolgreiches, und mit der katastrophalen Produktion ist das Resultat zweifelhaft. Aber die Produktion beiseite lassend: Als Musik gibt es einige interessante Momente auf dem Album, sie zeigen ihre technischen Fähigkeiten. Zu viel Fokus auf der Lead-Gitarre, und die ganze Ozean-besessene Attitüde lenkt sie von der Musik ab. Die Intros – und sie können echte Ozean-Sounds sein, aufgenommen mit einem hochtechnologischen Gerät – bleiben zu abstrakt, und wie bereits erwähnt, können sie leicht mit Synth-Effekten oder irgendeiner Art von ambienten Geräuschen verwechselt werden. Falls das echte Aufnahmen sind, hoffentlich hat die Band sie selbst aufgenommen, weil keine andere Quelle zitiert ist.

Experimentell, weniger konzentriert darauf, Musik zu machen, sondern zu schockieren und anders zu sein – GUYOĐ beeindruckt nicht mit „Death Throes Of A Drowning God„. Die seltenen Momente, wenn sie fokussiert sind, einige Akkorde zu spielen, sind vielversprechend. Im Versuch, einzigartig zu sein, schafft es GUYOĐ mit der letzten EP, eine erzwungene Arbeit zu zeigen – weniger Musik, aber mehr abstrakte Sounds. Sie tauchen zu tief in entfernte Konzepte ein.

Fazit: GUYOĐ leiden mit „Death Throes Of A Drowning God“ unter katastrophaler Produktion und erzwungenen experimentellen Konzepten.

Internet

GUYOĐ - Death Throes Of A Drowning God

SOEN – Reliance

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Soen-Reliance-Album-Coverart
Soen-Reliance-Album-Coverart

Band: SOEN 🇸🇪
Titel: Reliance
Label: Silver Lining Music
VÖ: 16/01/26
Genre: Progressive/Alternative Metal

Tracklist

01. Primal
02. Mercenary
03. Discordia
04. Axis
05. Huntress
06. Unbound
07. Indifferent
08. Drifter
09. Draconian
10. Vellichor

 

Besetzung

Joel Ekelöf – vocals
Martin Lopez – drums
Lars Åhlund – keyboards, guitar
Cody Ford – guitar
Stefan Stenberg – bass

 

Bewertung:

4/5

SOEN sind bekannt für ehrliche, ungeschönte Texte über gesellschaftliche, politische und individuelle Herausforderungen. Musikalisch lösten sie sich in den letzten Jahren immer stärker von ihrem progressiven Ursprung. Stattdessen wurden die Lieder zugänglicher gemacht, indem Songstrukturen geradliniger und der Fokus auf eingängige, melodische Refrains gelegt wurde. Mit ihrem mittlerweile siebten Studioalbum „Reliance“ halten sie diesen Trend aufrecht.

Vereinzelte progressive Elemente

Vorweg sei erwähnt, dass ich mit SOEN noch nicht allzu viele Berührungspunkte hatte. Die Unfähigkeit des detaillierten Vergleichs mit Vorgänger-Scheiben ist daher Vor- und Nachteil zugleich. Was trotzdem sofort auffällt, ist die oben angesprochene Verabschiedung technisch vertrackter Songs à la OPETH und TOOL. Auf „Reliance“ erinnert am ehesten die Schlagzeugarbeit an diese Zeit, speziell an das Debüt „Cognitive“ (2012). Während die Gitarren häufig eher linear spielen, werden am Schlagzeug Techniken angewandt, die viel Kontrolle und Hirnschmalz benötigen. Die sanften Schläge und Akzente in den Strophen von „Discordia“ und „Drifter“ sind gute Beispiele dafür. Genau solche Details heben die Lieder auf ein etwas anspruchsvolleres Niveau.

Schwierige Stimme

Die Entwicklung hin zu einfacheren Songstrukturen wurde mit einem Anstieg an Melodik gekoppelt. Diese manifestiert sich sowohl instrumental als auch gesanglich. Der Gesang von Joel Ekelöf klingt dabei stellenweise sehr nasal und unscharf, zudem bewegt er sich häufig in einer relativ hohen Lage. An bestimmten Stellen erzeugt das einen klagenden Eindruck. Die „I don’t need another hero“-Passagen in „Huntress“ sind ein Paradebeispiel dafür. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die stark melodische und sehr bombastische Produktion der instrumentalen Begleitung. „Huntress“ ist deshalb meiner Meinung nach eines der schlechtesten Lieder.

Ehrliche Texte betont durch musikalisches Feingefühl

Eine von SOENs unzweifelhaften Stärken sind ihre Lyrics. Von persönlichen Krisen sowie gesellschaftlichen und politischen Missständen schreibt man gerne in bildhafter, abstrakter Weise. SOEN nehmen da lieber einen direkteren Weg und behandeln diese Themen, ohne sie zu verschönern. In „Discordia“ wird z. B. sehr offen über Depressionen, Gefühle der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, von Ängsten usw. erzählt. Es ist ein Lied, in das man sich richtig hineinfühlen kann, da auch die musikalische Untermalung auf dem Punkt ist. Entweder schöpft man Kraft daraus, oder man suhlt sich in seinem eigenen Selbstmitleid, was sehr katharisch wirken kann. „Primal“ spricht im Gegensatz dazu die fragwürdigen Entwicklungen der modernen Gesellschaft und Technologie an. Es geht um Frustration, Wut und Spaltung. Auch hier wurde die akustische Inszenierung gut gewählt. Schwerfällige Mid-Tempo-Beats treiben die Strophen an während der Refrain eine melancholische Färbung durch die Melodien bekommt.

Altbewährte Songstrukturen

„Reliance“ ist in Summe ein sehr melodisches Album. Härtere Passagen kommen regelmäßig vor – überwiegend in den Strophen – und folgen meist einem ähnlichen Muster. Sowohl in „Primal“ als auch in „Unbound“, „Axis“ und „Draconian“ wird Härte und Aggression durch ein synchrones Zusammenspiel von Schlagzeug und Gitarren hergestellt. Sie erschaffen einen marschierenden Rhythmus, der z. B. häufig tongebend im Metalcore ist. Die Refrains gehen stets gut ins Ohr und kontrastieren die Strophen unterschiedlich stark. In „Huntress“ ist der Kontrast z. B. merklich weniger ausgeprägt als in „Draconian“.

Großartige Ausreißer

Es gibt wenige Ausreißer, die nicht diesem Schema folgen: „Indifferent“ tanzt eindeutig aus der Reihe. Es ist eine bittersüße Ballade, in der das Klavier und Streichinstrumente die akustische Szenerie erschaffen. Ekelöf singt im Refrain mit seiner Bruststimme, was ihn sehr mächtig klingen lässt. Die E-Gitarre wird nur einmal nach dem ersten Refrain eingesetzt, sorgt dabei aber für wilde Gänsehaut. „Axis“ sticht im Gegensatz dazu wegen ganz anderer Elemente heraus. Es ist durchgehend energisch. Sogar der Refrain bleibt groovig und wird von lässigen Gesangsrhythmen getragen. Im letzten Lied „Vellichor“ beweisen SOEN noch einmal ihr Talent für die musikalische Übersetzung von komplexen Gefühlen. „Vellichor“ ist ein Begriff, der die Melancholie und Nostalgie beschreibt, die man mit dem Geruch von alten Büchern assoziiert. Mit diesem Fun Fact im Hinterkopf wirkt das Lied beim Hören überraschend stimmig.

Ein Album zum Hineinfühlen

SOEN werden mit „Reliance“ niemanden mehr wegen seiner technisch ausgeklügelten Songs vom Hocker reißen. Klar, die progressiven Elemente sind da, treten aber in den Hintergrund. „Reliance“ überzeugt sattdessen mit ehrlichen Texten und einem guten Gespür, komplexe Gefühle und Herausforderungen musikalisch zu manifestieren. Die Lieder knüpfen an Emotionen an und haben häufig etwas Kathartisches. Zudem ist das Verhältnis zwischen Melodik und Aggression ausgewogen. Es ist einprägsam, mitreißend und gut geschrieben.

Fazit: Mit „Reliance“ liefern SOEN ein melodisches, emotional zugängliches Album ab, das weniger durch progressive Komplexität als vielmehr durch ehrliche Texte und ein feines Gespür für die musikalische Übersetzung innerer und gesellschaftlicher Konflikte überzeugt.

Internet

SOEN – Reliance

CASKET – In The Long Run We Are All Dead

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cover artwork CASKET In The Long Run We Are All Dead
cover artwork CASKET In The Long Run We Are All Dead

Band: CASKET 🇩🇪
Titel: In The Long Run We Are All Dead
Label: Neckbreaker Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. The Will To Comply
02. Highest Thrones
03. Mirrors
04. Seeds Of Desolation
05. Hammer, Knife, Spade
06. Skull Bunker
07. Necrowaves
08. Mainstream Mutilation
09. Fundamental Rot
10. Strangulation Culture
11. Graveyard Stomper

Besetzung

Schorsch – Guitars, Vocals
Susi – Bass
Marinko – Drums

Bewertung:

4/5

Die deutschen Veteranen CASKET sind mit einem neuen Werk „In The Long Run We Are All Dead“ zum Leben zurückgekehrt, neun Jahre nach dem vorherigen Album. Pioniere des Death Metal finden sie weiter neue Wege, ihre Musik auch mit dem neuen Album auszudrücken.

Vielversprechender Start mit unvergesslichen Momenten

Massiv, volle Aggression, brutal und ein guter solider Rhythmus – das sind die Eröffnungsakkorde in „The Will To Comply„, ein Song mit wütender Attitüde und makabrer Atmosphäre. Chaotische und dissonante Passagen wechseln sich ab mit sehr Uptempo und gut strukturiertem Rhythmus. Ein schwerer Sound, beeindruckende Gitarren und Rhythmussektion und tiefe Growls, und der Moment, wenn sie in den Uptempo-Modus wechseln, ist einfach unvergesslich. Nicht nur ein guter Start ins Album, sondern auch ein Höhepunkt und eine vielversprechende Attitüde.

1990 in Reutlingen gegründet, wurde CASKET mit frühen Demos, die in den ersten Jahren nach der Formation veröffentlicht wurden, zu einem Namen im Genre, nicht nur auf lokaler Szene, sondern auch auf größerem Level. Mit den Alben, die in den folgenden Jahren veröffentlicht wurden, zementierte die Band diese Position. Bemerkenswert: Das Trio hat dieselbe Besetzung von Anfang an – Schorsch an Gitarren und Vocals, Susi am Bass und Marinko für Drums.

Der gute erste Eindruck setzt sich im nächsten Track fort. „Highest Thrones“ geht weiter mit guten Riffs und einer Kombination zwischen Chaos und Ordnung. Dämonische Growls, sehr präzise Rhythmussektion und eine sehr effektive Gitarre, alles in einem voll aggressiven Song. Dissonanter und wieder lassen die heruntergestimmten Gitarren ein gutes Uptempo-Riff sehr gut klingen, voll von Energie.

Roher Sound trifft auf technischen Ansatz

Ein cinematisches Intro und melodische, sehr ferne Sounds kreieren einen anderen Sound und Atmosphäre für „Mirrors„, aber das ist nur ein Intermezzo. Und das Ambiente wird sofort von massiven Riffs und infernalischen Growls invadiert, wenn die fernen Sounds sich in „Seeds Of Desolation“ verwandeln. Technischer, mit komplexen Basslinien und komplizierten Gitarrenlinien. Aber auch ein besserer Rhythmus, eine Serie von sehr klaren Riffs, wild, mahlend. Diese zwei gegensätzlichen Sounds – der technische Ansatz und die massiven Rhythmen – kreisen füreinander durch den ganzen Song. Ein beeindruckendes Stück mit unvergesslichen Riffs, ein weiterer Höhepunkt.

Die Produktion ist sehr gut, behält einen rohen Sound, wo dieser besser zur Band-Intention passt, kann aber auch viel klarer klingen, wenn der technische Ansatz vorherrscht. Ein sehr schwerer Sound – die heruntergestimmte Gitarre und die tiefen Growls mischen sich sehr gut mit dem Bass, und die Drums halten ein gutes Tempo für das gesamte Album. Die Lead-Gitarre beeindruckt mit technischen und scharfen Interventionen.

Langsamer, ein verzerrterer Sound, aber nicht weniger bestrafend – „Hammer, Knife, Spade“ legt mehr Akzent auf Vocals, mit Gitarren bewusst im Hintergrund gelassen, bis die soliden Riffs zurückkehren. „Skull Bunker“ hat weniger Melodie, nur ein gnadenloses Assault von frenetischen Drums und heruntergestimmten Gitarren mit punktuellen Interventionen von Lead-Gitarre. Ein mittlerer Teil des Albums dominiert von langsamem Tempo, aber immer noch bestrafende und höhlenartige Musik.

Mittelmäßiger Mittelteil nach starkem Beginn

Ein weiteres Interlude „Necrowaves„, ein kurzer Moment fast Ruhe, gefolgt von „Mainstream Mutilation„, ein Song, der zu schnellen und wilden Riffs zurückkehrt, die in den ersten Songs beeindrucken, nach einem nicht so beeindruckenden mittleren Teil. Wieder geben die schnellen und massiven Riffs viel Power zum Song, ein weiterer guter Song. Eine viel simplere Komposition, aber effektiver Sound.

Fundamental Rot“ behält den langsamen Doom-artigen Ansatz, ist aber nicht weniger erdrückend im Sound, und wenn das Tempo gewechselt wird, bringen die gnadenlosen Drums die hohe Energie zurück, die so gut klingt. Verzerrt, technisch, aber wieder beeinflusst der Mangel an Energie die Musik. „Strangulation Culture“ bringt nichts Neues – dieselben guten Riffs, wenn sie passieren, gefolgt von langsameren Passagen.

Final Track „Graveyard Stomper“ startet wieder vielversprechend, verliert aber fast sofort das Momentum, und dann die übliche Alternation zwischen Ansätzen. Insgesamt ein besserer Song als die vorherigen, aber dennoch bleibt am Ende des Albums ein Gefühl von Unzufriedenheit – das versprochene kraftvolle Ende geschah nie.

Qualität vorhanden, aber nie voll realisiert

Das Album hinterlässt beim Hörer ein ambivalentes Gefühl. Die schnelleren Passagen sind unglaublich effektiv, und die Tempo-Alternation kreiert einen dynamischen Sound. Jedoch fehlt dem Mid-Tempo und sehr Doom-artigen Ansatz, obwohl beeindruckend gespielt, Substanz und wird weniger unvergesslich. Von den vielversprechenden und wirklich beeindruckenden ersten Songs zu einem mittleren Teil, der weder schlecht noch großartig ist, und einem finalen Teil, der versucht, die Eröffnungsmomente zurückzugewinnen – das Album wechselt zwischen guten und mittelmäßigen Momenten wie ein Song mit majestätischem Refrain, aber minderwertigen Versen.

Das Problem ist, dass die Qualität offensichtlich ist, aber nie voll realisiert wird. Das verhindert, dass CASKET den Höhepunkt auf „In The Long Run We Are All Dead“ erreicht. Ein wirklich unvergesslicher Song wäre einer, der das hohe Tempo voll umarmt. Eine verbleibende Frustration ist das Gefühl, dass sie so viel besser machen könnten.

Fazit: CASKET liefern mit „In The Long Run We Are All Dead“ dynamischen Sound mit effektiven Passagen, aber ohne überzeugende Klimax. 

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CASKET - In The Long Run We Are All Dead

ELLENDE, KARG, FIRTAN – 18.01.2026, ((szene)) Wien

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Zerfall Tour 2026

ELLENDE, KARG, FIRTAN

18.01.2026, ((szene)) Wien

ellende tour poster

Ein Abend mit komplexer Musik. Alle drei Bands bewegen sich in einem Spannungsfeld aus Aggression und Melodie, Dissonanz und Emotion, Atmosphäre und bewusst aufgebauter musikalischer Spannung. Formal unter dem Zeichen des Black Metal, doch mit einem starken Post-Metal-Einfluss, der sich durch den gesamten Abend zieht. FIRTAN mit roher Wucht und sensibler Violine, KARG zwischen innerer Zerrissenheit und eruptiver Wut, ELLENDE mit Trauer, Schmerz und aggressiver Intensität – eine breite Palette dessen, was extreme Musik transportieren kann.

Hinzu kommt der besondere Rahmen: das letzte Konzert der Tour. Ein Moment, der oft eine eigene Dynamik erzeugt, geprägt von Erschöpfung, Dankbarkeit und gesteigerter Intensität. Das ((szene)) ist restlos ausverkauft, der Raum überfüllt, die Luft dicht. Die Erwartungen im Publikum sind hoch, die Spannung spürbar. Und unabhängig von späteren Einschränkungen verlässt an diesem Abend niemand den Raum unberührt.

FIRTAN

Während draußen noch eine lange Schlange bis weit auf die Straße reichte und drinnen viele Besucher noch mit der Garderobe beschäftigt waren, setzten FIRTAN bereits die ersten Akkorde. Der Raum war schon jetzt dicht gefüllt, als mit „Hrenga“ ein hoch emotionaler Song den Abend eröffnete – und sofort war die Stimmung da.

Firtan 01

Ein sehr langsamer, melodischer Beginn, zugleich einer der bekanntesten und beliebtesten Songs der Band: eine Verbindung aus feinen Melodien und dissonanten, wütenden Schreien, aus aggressiven Ausbrüchen und sensiblen Momenten. Hier ergänzt durch einen Gastsänger – JJ von KARG –, der dem Stück zusätzliche Dramatik verlieh und auch optisch eine dominante Präsenz entwickelte. Ein starker Auftakt, der sofort zeigte, warum diese Tour in genau dieser Konstellation so sinnvoll ist.

Firtan 02Schon im ersten Song wurde deutlich, wie eng die drei Bands miteinander verbunden sind: durch gegenseitige Gastbeiträge auf Alben und Songs, aber vor allem durch Klara Bachmair. Ihre Violine ist ein essenzieller Bestandteil des FIRTAN-Sounds, zugleich prägend auf Veröffentlichungen von KARG und ELLENDE. Von den ersten Tönen an war klar, welche Bedeutung sie für diesen Abend hatte – ihre Präsenz, ihr Spiel, ihre Fähigkeit, Emotion und Spannung aufzubauen.

Mit „Nacht Verweil“, einem der älteren und zugleich stärksten Songs der Band, setzte sich das Set auf hohem Niveau fort. Markante Riffs, eine sofort wiedererkennbare Melodie, ein leidenschaftlicher Song voller Kontraste, der live noch stärker wirkt als auf Platte. Der Sound war deutlich aggressiver als auf dem Album, offensichtlich mit dem Fokus auf massive Klangwände statt auf Feinheiten. Umso wichtiger, dass die Violine dabei nicht unterging, sondern ihren festen Platz im Gesamtbild behielt.

Mitten im ohnehin überfüllten Raum stand Giuseppe Taormina, der erst später mit ELLENDE auf die Bühne sollte, und verfolgte die ersten Songs konzentriert. Ein Detail, das viel über gegenseitigen Respekt, Wertschätzung und echte Leidenschaft für die Musik sagt. Die folgenden Stücke wurden zunehmend roher und aggressiver, teils kaum wiederzuerkennen, was auch an einer Abmischung lag, die Drums, Bass und Rhythmusgitarren stark bevorzugte. Doch das Publikum nahm diese Energie dankbar auf – die ((szene)) war voll, dicht und spürbar aufgeladen.

Frontmann Philipp bedankte sich sichtbar bewegt für die erfolgreiche Tour, eine kleine, aber ehrliche Geste. Bei „Wermut hoch am Firmament“ folgte der nächste Gastauftritt: L.G. betrat die Bühne und brachte mit seiner Stimme einen drastischen Kontrast und eine andere Energie in den Song – ganz wie auf dem Album. Wieder ein starker Moment. FIRTAN zeigten einmal mehr, wie wirkungsvoll ihr Wechselspiel aus atmosphärischen Passagen und aggressiven Ausbrüchen ist. Klara Bachmair überzeugte dabei nicht nur in den erwarteten emotionalen Momenten, sondern ebenso in dissonanten, harschen Passagen.

FIRTAN sind längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein etablierter Name. Gerade durch die für diesen Abend ungewöhnlich harte Abmischung zeigte sich eine besonders aggressive Seite der Band. Doch der eigentliche Wert ihrer Musik liegt ebenso in den sensiblen Momenten. Zum Abschluss des Sets stand Klara allein mit ihrer Violine auf der Bühne – ein stiller, bewegender Moment und zugleich ein Beweis für Technik, Ausdruck und Seele. Ein sehr starkes Set, ein überzeugender Auftakt für diesen Abend.

Setlist

01. Hrenga
02. Nacht Verweil
03. Arkanum
04. Wermut hoch am Firmament
05. Amor fati
06. Komm herbei, schwarze Nacht
07. Wenn sich mir einst alle Ringe schließen

KARG

KARG sind live stets ein Höhepunkt. Ihre vielschichtige Musik entfaltet auf der Bühne eine zusätzliche Dimension, bleibt emotional, hypnotisch und zugleich zutiefst verstörend. JJs Schreie wirken dabei nicht nur aggressiv, sondern transportieren eine rohe, beinahe körperliche Emotionalität.

KARG 01

Der Einstieg mit „Findling“ setzte direkt auf die härteste Seite der Band. Wie schon bei FIRTAN lag der Fokus des Sets stark auf dem aktuellen Album „Marodeur“, was sich als richtige Entscheidung erwies. Der Song eröffnete mit einer dissonanten, aggressiven Atmosphäre, in der Melodie zunächst bewusst zurücktrat. Der Sound war erneut extrem wuchtig: Drums und Bass dominierten, die drei Gitarren rückten in den Hintergrund. Doch im Zentrum standen ohnehin JJs Vocals, seine verzweifelten Schreie und Ausbrüche – das prägende Element von KARG.

Bei „EBBE//FLUT“ traten die schwebenden Gitarren wieder stärker hervor, ein Song, der live hervorragend funktioniert. Mit „Kimm“ öffnete sich der Klangraum weiter: mehr Melodie, mehr Emotion, eine dichtere Atmosphäre. Auch hier war die Abmischung erneut sehr drumlastig – Paul Färber spielte technisch makellos, doch das Verhältnis zu Bass und Gitarren wirkte stellenweise unausgewogen. Trotzdem funktionierte der Song hervorragend. Das überfüllte Publikum reagierte mit spürbarer Intensität: Applaus, Bewegung, volle Aufmerksamkeit.

KARG 02Ein besonderer Moment folgte mit „Annapurna“. Wie JJ im Interview erklärte, ein Song, der live nur selten gespielt wird, da Klaras Beitrag essenziell ist. Mit ihr auf der Bühne gewann das Stück eine enorme emotionale Tiefe und wurde zu einem der Höhepunkte des Abends. Der Sound wirkte hier deutlich ausgewogener, die Wirkung entsprechend intensiv.

Mit „Petrichor“, für viele der wohl prägendste Song der Band, verdichtete sich die Atmosphäre weiter. Dunkel, intensiv, emotional aufgeladen. Wie auf dem Album trat L.G. (im Booklet als Lukas Gosch geführt) hinzu und ergänzte den Song mit seinen markanten Screams. Ein seltener Moment, der der Performance zusätzliche Einzigartigkeit verlieh.

Zum Abschluss folgte „Yūgen“, weniger als Bruch, vielmehr als konsequente Fortführung der zuvor aufgebauten Stimmung. Der Song endete in einer Mischung aus Aggression und Verzweiflung, ein kraftvoller, nachhaltiger Abschluss eines sehr intensiven Sets, das die Stärke von „Marodeur“ eindrucksvoll unterstrich.

Setlist

01. Findling
02. EBBE//FLUT
03. Kimm
04. Annapurna
05. Petrichor
06. Yūgen

ELLENDE

Nach zwei derart starken Auftritten konnte der Abend eigentlich nur noch gewinnen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die ((szene)) für dieses Line-up zu klein ist – insbesondere für ELLENDE, die längst über solche Venues hinausgewachsen sind. Als eine der international anerkanntesten österreichischen Bands und mit dem aktuellen Album „Zerfall“ auf einem neuen Höhepunkt ihrer Karriere.

ELLENDE 02

Der Abend stand ganz im Zeichen dieses Albums. Die „Zerfall Tour 2026“ ist eine Feier der Veröffentlichung, und entsprechend bestand ein Großteil des Sets aus neuem Material. Eine nachvollziehbare Entscheidung, denn „Zerfall“ zählt zu den stärksten Veröffentlichungen der Band und hat in kurzer Zeit enorme Resonanz erfahren.

ELLENDE 03Der Einstieg mit dem Titeltrack „Zerfall“ begann langsam und introspektiv, als stetiger Aufbau, der sich ideal als Opener eignete. Doch erst mit dem Einsatz von L.G.s Stimme erhielt der Song seine volle Wucht. Seine schrillen, abrasiven, zugleich hoch emotionalen Vocals wirkten live noch eindringlicher als auf Platte.

Erneut dominierten massive Drums und ein sehr präsenter Bass – technisch makellos, aber in der Abmischung erneut überbetont. Die Gitarren waren stellenweise kaum wahrnehmbar, während die Vocals klar im Vordergrund standen. Trotz dieser Schwächen zeigte sich das Publikum hoch engagiert.

ELLENDE 04„Hand aufs Herz“ bringt JJ als Gast auf die Bühne. Die Kombination beider Stimmen erzeugt eine intensive, beinahe verstörende Dynamik. Mit „Zeitenwende“ verdichtet sich die Atmosphäre weiter. Teil I lebt von Klaras Violine, die dem Song eine klagende, fragile Note verleiht. Teil II wird rhythmischer, drängender, mit eindringlichen Schreien von L.G.. Giuseppe Taormina tritt mit einem emotional gespielten Solo hervor – ein Moment, der selbst L.G. sichtbar beeindruckt. In unserem Interview hatte Giuseppe bereits betont, wie viel ihm seine Rolle bei ELLENDE bedeutet, und live ist spürbar, wie selbstverständlich er inzwischen Teil der Band ist.

Viel Nebel, Licht fast ausschließlich von hinten: Die visuelle Inszenierung ließ die Musiker über weite Strecken kaum erkennen. Ein Trend, der zunehmend problematisch ist, da viele Besucher nicht nur hören, sondern auch sehen wollen. In Kombination mit dem sehr dichten Gedränge und der überladenen Akustik verließen einige Zuschauer während des Sets sichtbar unwohl den Raum – nachvollziehbar, aber schade angesichts der Intensität der Darbietung.

ELLENDE 05Musikalisch hielt ELLENDE das Niveau konsequent hoch. Ältere Songs wechselten sich mit neuem Material ab, weitere Gastauftritte – unter anderem von Philipp (FIRTAN) – sorgten für zusätzliche Akzente. Die Band agierte insgesamt eher statisch, doch die Musik selbst trug alles.

Der emotionale Höhepunkt kam mit „Ballade auf den Tod“. Die traurigen Akkorde, die schwere Stimmung, kombiniert mit der unverkennbaren Aggression in L.G.s Stimme, erzeugten einen Moment, der sich tief einprägte. Ein klarer Höhepunkt des Abends. Den Abschluss bildete „Abschied“, wie so oft bei ELLENDE, in einem anderen Tonfall, aber nicht weniger emotional.

Ein intensiver, fordernder, bewegender Abend. Trotz technischer Schwächen und räumlicher Begrenzungen blieb vor allem eines: starke Musik, voller Gefühl, Schmerz und Ausdruckskraft – und ein Konzert, das lange nachwirkt.

Setlist

01. Zerfall
02. Hand aufs Herz
03. Zeitenwende Teil I
04. Zeitenwende Teil II
05. Meer
06. Wahrheit Teil II
07. Ode ans Licht
08. Freier Fall
09. Der Letzte Marsch
10. Ballade auf den Tod
11. Abschied

ELLENDE 06

ASARU – V.O.I.D.

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cover artwork ASARU V.O.I.D.
cover artwork ASARU V.O.I.D.

Band: ASARU 🇳🇴
Titel: V.O.I.D.
Label: Schwarzdorn Production
VÖ: 23/01/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Fire – Raise the Flame
02. Earth – Condemned to Putrid Soil
03. Air – Invisible Infinite Shields
04. Wasser – Kraft des Bewusstseins
05. Liv – Fret av Verdens Blod
06. Mankind – The Parasite Spawn
07. Religion – As Man Created God
08. War – The Divine Beauty of Blood
09. Epilogue – The Fiery Grave

Besetzung

Frank Nordmann – Vocals, Guitars
Sebastian Wilkins – Drums
Petter Myrvold – Bass

Bewertung:

4,5/5

Die (jetzt) norwegische Black Metal Band ASARU kehrt nach vierzehn Jahren mit einem neuen Album „V.O.I.D.“ zurück. Ein Konzeptalbum, das in die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser) und ihre Gegensätze (Menschheit, Religion, Krieg) eintaucht, mit Leben als verbindendem Element und dem Grab als Epilog. Nicht unbedingt ein neues Konzept, aber ein ambitioniertes, und verdoppelt durch hochwertigen puren Black Metal ist das Resultat beeindruckend.

Rohheit trifft auf melancholische Melodien

Sehr direkt und aggressiv sind die ersten Akkorde im Eröffnungssong „Fire – Raise the Flame„, ein Song, der die Rohheit von Old-School Black Metal mit einem Hauch Melodie kombiniert, von harschen und verzerrten Akkorden zu einer melancholischen Tremolo-gepickten Lead-Gitarre, alles unter einer dunklen und abgrundtiefen Atmosphäre. Die Gitarren haben sehr gute und rhythmische Riffs, die Vocals kommen mit dämonischen Shrieks, alles in einer guten Demonstration von Black Metal.

ASARU wurden 1995 in Darmstadt, Deutschland, gegründet und hatten eine eher Underground-Aktivität bis 2007, als sie sich auflösten, nur um zwei Jahre später in Oslo, Norwegen, wiedergeboren zu werden. Das Herz und die Seele der Band ist Frank Nordmann (ex-Varulv, ex-Agathodaimon, ex-Bösedeath) an Vocals und Gitarren, der nicht nur das Projekt initiierte, sondern es mit sich nach Norwegen nahm. Mit neuen Musikern an seiner Seite reformiert, besteht das aktuelle Line-up aus Frank, Sebastian Wilkins (ex-Varulv, ex-Raven Wing) an den Drums und Petter Myrvold (Claymords) am Bass. In dieser Konfiguration veröffentlichten sie die zwei vorherigen LPs und auch das aktuelle.

Eine Alternation von schnellen Tempos und langsamen minimalistischen Passagen in kurzer und entschiedener Sequenz eröffnet den nächsten Song „Earth – Condemned to Putrid Soil„, aber nach dem guten und originellen Start bleibt der Song in einer sehr langsamen und atypisch atmosphärischen Passage. Ein experimentellerer Sound, aber mit zu vielen Tempowechseln fühlt es sich mehr nach einer unentschiedenen Richtung an, kein Song auf denselben Standards wie der Rest des Albums. „Air – Invisible Infinite Shields“ bleibt ziemlich langsam, aber strukturierter, eine schöne Lead-Gitarre webt eine melodische Linie, ein klagender femininer Gesang bringt ein seltsames Gefühl in die Song-Atmosphäre. Außer Wind-Hintergrundgeräuschen, die sporadisch im Song erscheinen, ist die Verbindung zum Konzeptuellen sehr dünn und nicht sehr klar durch die Musik.

Aggressive Energie und dichte Instrumentierung

Endlich aggressiver kommt „Wasser – Kraft des Bewusstseins“ mit einer sehr guten Melodie von der Lead-Gitarre, tatsächlich ein Dialog zwischen zwei Gitarren, verdoppelt durch solide Riffs und die infernalischen Vocals. Ein voller Sound, sehr dicht mit guter Balance zwischen melodisch und verzerrt. Abrasivität verwandelt sich in eine introspektivere Passage, aber die soliden Riffs halten den Song auf gutem Level, ohne die ambiente Seite die Kontrolle übernehmen zu lassen. Ein guter Song, voll von Dynamik und Energie, ein klarer Höhepunkt.

Die Produktion ist gut, kein roher Sound, aber auch nicht zu poliert, typisch für das Genre in letzter Zeit. Die Instrumentierung ist sehr dicht und sehr gut eingefangen, ausbalanciert und in der Lage, das gesamte Konzept zu übertragen. Auch in den aggressiveren Passagen, wenn alle Instrumente sehr dicht zusammen gemixt kommen, bleibt jede Note klar und am perfekten Platz.

Nachdem man durch die vier Elemente gekommen ist, kommt Leben als Transitelement zwischen Natur und Mensch. „Liv – Fret av Verdens Blod„, ein Titel auf Norwegisch übersetzt wie „Leben – Verängstigt durch das Blut der Welt„, und um dieses Statement auszudrücken, schüttelt der Song tatsächlich alle melodischen oder atmosphärischen Einflüsse ab und kommt sehr brutal, direkt, überträgt ein Gefühl von Verzweiflung und Aggressivität. Aber musikalisch ein weiteres gutes Beispiel für direkten Black Metal, ein weiterer Höhepunkt.

Komplexe Komposition mit progressiven Elementen

Der erste Song, der sich auf Menschen bezieht, kommt mit einem neuen Level an Aggressivität. „Mankind – The Parasite Spawn“ überträgt ungefilterten Hass durch sehr kraftvolle Akkorde, aber diesmal nehmen die melodischen und ambienten Passagen in trauriger Stimmung einen guten Anteil des Songs ein und bringen etwas zu viel Kontrast. Aber bleibt ein verstörender Song durch seinen komplexen Ansatz und ausgeklügelte Komposition. Fast progressiv in Teilen, auch die Clean Vocals unterstreichen diesen Ansatz. Ein Song, der im zweiten Teil den wütenden Angriff der Eröffnungssequenz erheblich verwässert.

Wie von einer Black Metal Band erwartet, bringt „Religion – As Man Created God“ einen ziemlich gewalttätigen Sound – aggressiv und verzerrt, kalter und dunkler Ansatz mit frenetischem Drumming und verzweifelten, dämonischen Growls. Nicht sehr melodisch, bis die erwartete atmosphärische Passage startet, aber auch hier dominiert ein klares Gefühl von Wut mit trüben Vocals. „War – The Divine Beauty of Blood“ bringt erneuerte Wut, und die Gitarren mit sehr aggressiven Tremolos unterstreichen das. Aber eine leicht offenere, traurige und schmerzvolle melodische Linie kommt langsam in den Song, die Atmosphäre ist stark von diesen Gefühlen beeinflusst. Hämmernde Drums und verzweifelte Schreie ähneln den Texten in einer angespannten und verstörenden finalen Passage des Songs. Aber musikalisch ein weiterer Höhepunkt.

Der finale Song „Epilogue – The Fiery Grave„, unheimlich und melancholisch, weniger aggressiv, und mit den Vocals von Gastmusikerin Anna Malarz (Thy Worshiper), die einen delikaten Touch hinzufügen – die Atmosphäre spiegelt wieder den Songnamen wider. Von akustischen Gitarren getriebene Passagen wechseln sich ab mit dissonanten, sprechende Vocals mit infernalischen Shrieks, scheinbar ein chaotischer Song, aber tatsächlich ein sehr gut strukturierter und komponierter. Eine Opus für das Album, ein würdiges und beeindruckendes Ende.

Vierzehn Jahre Wartezeit wert

Themen von Elementen, Menschheit und Untergang erkundend spielt die konzeptuelle Thematik offensichtlich eine zentrale Rolle auf dem Album, aber auch wenn nicht unbedingt in Melodie transponiert, gibt die textliche Reise ein Gefühl von Einheit. Aber die Musik, die kommt, um all diese Konzepte auszudrücken, ist sehr gut – Black Metal von höchster Qualität. Permanent verflochtene Riffs mit Lead-Gitarre entwickeln sich zusammen in dissonante Passagen oder in melodische Richtungen. Die Clean Vocals in Formen von Chören und kurzen Passagen bringen eine bizarre und kontrastierende Stimmung ins Spiel, nicht wirklich mit der Musik verbunden, und das ist wahrscheinlich die einzige echte Kritik am Album.

Insgesamt ein komplexes Hören – die Klanglandschaft ist sehr dicht und mit vielen Elementen, die die Songs definieren. Sehr komplexe Musik, aber eine, die vom ersten Hören beeindruckt, aber sich zu neuen Wahrnehmungsebenen nach ein paar Durchläufen öffnet und mehr und mehr Schichten gut durchdachter Musik offenbart. Sehr gut komponiert, es ist die Wartezeit von vierzehn Jahren wert. Technisch beeindruckend, auch die Songwriting-Fähigkeiten der Musiker sind beeindruckend.

Fazit: Mit „V.O.I.D.“ liefern ASARU eine komplexe Black Metal Reise – dichte Klanglandschaft, komplizierte Riffs, aggressiv und atmosphärisch.

Internet

ASARU - V.O.I.D.

ARCHVILE KING – Aux Heures Désespérées

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cover artwork ARCHVILE KING Aux Heures Désespérées
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Band: ARCHVILE KING 🇫🇷
Titel: Aux Heures Désespérées
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions
VÖ: 23/01/26
Genre: Black/Thrash Metal

Tracklist

01. Riposte
02. Le Chant Des Braves
03. L’Excusé
04. Le Carneval Du Roi Des Vers
05. Sépulture
06. Aux Heures Désespérées
07. À Ces Batailles Abandonnées
08. …Et Aux Hommes Misérables

Besetzung

Baurus – all instruments, vocals

Bewertung:

2,5/5

Die französische Band ARCHVILE KING meldet sich mit ihrem zweiten Album „Aux Heures Désespérées“ zurück, einem Werk, das laut Eigendefinition „die Wildheit des Thrash Metal mit den berauschenden Melodien des Black Metal verbindet“.

Zwischen Atmosphäre und Angriff

Atmosphärisch, fast filmisch, mit fernem, schwebendem Klangteppich beginnt der Opener „Riposte“, der kurz darauf in eine ziemlich aggressive Riff-Attacke mit gutem, treibendem Rhythmus übergeht. Eine Leadgitarre stellt die Verbindung zum Black Metal her, melodisch, beweglich, mit Tempowechseln – eine gelungene Mischung aus Geschwindigkeit und Melodie und insgesamt ein starker Einstieg.

Die aus Nantes stammende Formation ARCHVILE KING ist dabei faktisch ein Ein-Mann-Projekt. 2019 von Baurus gegründet, spielt er alle Instrumente und übernimmt auch Gesang, Songwriting und Texte. Über frühere Bandaktivitäten oder weitere Hintergründe ist nichts bekannt – das Projekt ist bewusst von einer gewissen Mystik umgeben.

Deutlich langsamer und noch stärker auf Atmosphäre fokussiert ist „Le Chant Des Braves“ mit hektischem Schlagzeug, direkterem Zugriff und einer melancholischen Grundstimmung. Repetitiv aufgebaut, ohne den Überraschungsmoment des Openers, basiert der Song im Wesentlichen auf einer einzigen, von der Leadgitarre vorgetragenen Akkordfolge, die endlos wiederholt wird. Der Klang wirkt hier weniger dynamisch als zuvor; man könnte fast vermuten, dass kein Bass vorhanden ist, da sich alles im hohen Frequenzbereich abspielt, verstärkt durch die sehr hoch angesetzte Tremolo-Gitarre. Das Ergebnis ist ein gleichförmiger, flacher Sound, dem es an Tiefe fehlt – ein klarer Produktionsaspekt. Auch die Vocals bleiben recht linear, ohne Variationen oder Wechsel der Ausdrucksweise.

Wie zu erwarten, beginnt „L’Excusé“ wieder atmosphärisch und melodisch, bevor – vorhersehbar – aggressivere Leadgitarren und wütende, schrille Schreie einsetzen. Die zentrale melodische Linie wirkt jedoch wie eine direkte Fortsetzung der vorherigen Stücke, echte Unterschiede sind kaum auszumachen. Stilistisch ist der Song fest im Black Metal verankert; die vereinzelten Thrash-Einflüsse anderer Stücke fehlen hier vollständig.

Wiederholung als Prinzip

In denselben Bahnen bewegt sich das Album mit „Le Carneval Du Roi Des Vers“ weiter: ein cineastisches Intro mit kriechenden, unheilvollen Sounds, die jedoch kaum mit der folgenden Musik verknüpft sind. Danach ein langsamer Auftakt, gefolgt von Riffs und Tremolo-Leads. Das Tempo stimmt, aber die Melodien ähneln dem zuvor Gehörten zu stark. Dieses Grundrezept setzt sich in „Sépulture“ fort, wobei der Song zumindest eine neue Idee einbringt: Das langsame, melodische Anfangsthema kehrt in der Mitte wieder, dazu kommen deutlichere Thrash-Metal-Elemente. Auch die melodische Linie wirkt emotionaler, was den Track zu einem der authentischeren Momente des Albums macht.

Etwas dissonanter fällt die Eröffnung des Titeltracks „Aux Heures Désespérées“ aus. Auffällig ist, dass gerade diese kurzen Intros die abwechslungsreichsten Passagen des Albums darstellen, während die eigentlichen Melodien immer ähnlicher werden. Rasende Schlagzeugpassagen wechseln mit komplett schlagzeuglosen Abschnitten, darüber eine klagende, weinende Leadgitarre und verzweifelte Schreie. Ein galoppierender Rhythmus im zweiten Teil erzeugt eine fast triumphale Stimmung, die in bizarrer Weise im Kontrast zur trostlosen Melodik steht.

À Ces Batailles Abandonnées“ beginnt mit einem noch längeren Intro, bringt ansonsten aber keine wirklichen Neuerungen. Die Musik wird zunehmend melancholischer, und im Verlauf des Albums verdrängen emotionale Akkorde immer stärker die aggressiveren Elemente. Der Schlusstrack „…Et Aux Hommes Misérables“ unterstreicht diesen Weg, indem er ausschließlich auf Ambient, Synths und Naturgeräusche setzt – ein introspektives Ende mit hellen, beinahe triumphalen Melodien.

Zwischen Epik und Eintönigkeit

Zu melodisch und zu repetitiv, stellenweise fast kitschig und zu sehr auf einen melancholisch-melodischen Grundton fixiert: „Aux Heures Désespérées“ leidet unter einer extrem gleichförmigen Struktur. Zwar sind durchaus gute musikalische Ideen vorhanden, doch durch ihre ständige Wiederholung verlieren sie schnell an Wirkung. Stilistisch sind die Dissection-Einflüsse unüberhörbar, noch näher liegt jedoch der Vergleich zu Lamp of Murmuur: dieselbe epische, übermelodische Form von Black-Thrash, derselbe Hang zu märchenhaft-ritterlichen Bildern, der sich auch im Cover-Artwork widerspiegelt.

Originell wirkt das alles kaum, die Songs unterscheiden sich wenig voneinander, und auch die Produktion – mit zu leise gemischten Drums und faktisch nicht vorhandenem Bass – verstärkt den monotonen Eindruck. Der immer gleiche, dünne Klang nutzt sich schnell ab und macht das Album auf Dauer anstrengend zu hören. Es fehlt an Vielfalt, an echten Kontrasten und letztlich auch an einer eigenen, klaren Identität.

Fazit: Vorhersehbar und klanglich einförmig, verbindet „Aux Heures Désespérées“ Atmosphäre mit überbordender Melodik, überzeugt in Summe jedoch nicht.

Internet

ARCHVILE KING - Aux Heures Désespérées

DISCERPTUS – Rebirth

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DISCERPTUS - Rebirth - album cover
DISCERPTUS - Rebirth - album cover

Band: DISCERPTUS 🇪🇸
Titel: Rebirth
Label: Independent
VÖ: 16/01/26
Genre: Death/Thrash/Groove Metal

Tracklist

01. Path of Isolation (Intro)
02. Rebirth
03. Morbid desire
04. Night
05. Silence of my darkness
06. Sunrise
07. Time
08. I Feel
09. Bad Blood
10. Black Lake

 

Besetzung

Antonio Carlos Rodríguez Espigares – Bass
Jorge Utrera – Drums
Jose „Cabra – Guitar
Juan Carlos Limón Calvo – Guitar
Ciro E. Sánchez Mártil – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

DISCERPTUS kommen aus Spanien und gehören zu den Bands, die sich nie auf ein einziges Subgenre festnageln lassen. Death-, Thrash- und Groove-Metal greifen bei ihnen ineinander wie Zahnräder, mal kantig, mal erstaunlich eingängig. Das aktuelle Line-up besteht aus Antonio Carlos Rodríguez Espigares am Bass, Jorge Utrera am Schlagzeug, Jose „Cabra“ und Juan Carlos Limón Calvo an den Gitarren sowie Ciro E. Sánchez Mártil am Mikrofon. Mit »Rebirth« legt die Band ihr Debütalbum vor, das den eigenen Neustart nicht bloß im Titel trägt, sondern daneben musikalisch durchzieht.

Ein Album zwischen Druck und Struktur

Schon der Opener »Path of Isolation« setzt die Richtung. Ein kurzes Intro, das düster und zurückhaltend beginnt, im Kontrast hierzu schnell Spannung aufbaut. Ein bewusst gesetzter Einstieg, der auf das Kommende vorbereitet. Direkt danach knallt der Titelsong »Rebirth« los und zeigt, wo DISCERPTUS stehen. Wuchtige Riffs, ein treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der irgendwo zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Härte pendelt. Hier wirkt nichts beliebig. Die Band klingt fokussiert und erstaunlich geschlossen.

Gerade in den ersten Minuten des Albums wird klar, dass »Rebirth« weniger auf rohe Chaosenergie setzt als auf Struktur. Die Songs sind klar gebaut, mit wiedererkennbaren Riffmotiven und sauberen Übergängen. Das gibt der Platte ein solides Fundament, nimmt ihr aber an manchen Stellen desgleichen einigermaßen von der Wildheit, die man aus Death- oder Thrash-Kontexten kennt.

Die Gitarren als treibende Kraft

Das Gitarrenduo Cabra und Limón Calvo trägt das Album hörbar. In Songs wie »Morbid Desire« oder »Night« liefern sie sich ein ständiges Wechselspiel aus drückenden Rhythmusfiguren und kurzen melodischen Linien. Besonders »Night« profitiert von dieser Dynamik. Der Song schleppt sich nicht einfach nur schwerfällig vorwärts, sondern bekommt durch kleine Leads immer von vorn neue Akzente.

»Silence of my Darkness« geht einen anderen Weg. Hier dominieren langsamere, approximativ doomige Passagen, die viel Raum für Atmosphäre lassen. Ciros Gesang wirkt hier besonders intensiv, weil er nicht permanent gegen ein Hochgeschwindigkeits-Drumming ankämpfen muss. Das ist einer der Momente, in denen DISCERPTUS zeigen, dass sie mehr können als uneingeschränkt Druck machen.

Rhythmus Arbeit mit Licht und Schatten

Jorge Utreras Schlagzeugspiel ist technisch sauber und durchgehend präsent. In den schnelleren Nummern wie »Rebirth« oder »Bad Blood« treibt er die Songs kompromisslos voran, ohne sie zu überladen. Die Doublebass sitzt, die Breaks kommen punktgenau. Trotzdem bleibt das Spiel meist eher funktional als spektakulär. Das passt zum Stil der Band, sorgt außerdem dafür, dass manche Passagen weniger im Gedächtnis bleiben.

Der Bass von Antonio Carlos Rodríguez Espigares ist solide eingebettet, tritt allerdings selten in den Vordergrund. In einem Genre, das oft von tiefen, wuchtigen Frequenzen lebt, hätte man sich hier ruhig mehr Mut zur Präsenz wünschen können. Gerade in den groovigeren Momenten wie »Time« oder »I Feel« wäre ein stärkerer Basscharakter ein Gewinn gewesen.

Zwischen Aggression und Melancholie

Mit »Sunrise« und »Time« schlägt das Album eine halbwegs nachdenklichere Richtung ein. Die Songs wirken offener, weniger verkrampft auf Härte getrimmt. Besonders »Sunrise« überrascht mit einer fast hoffnungsvollen Grundstimmung, ohne dabei die metallische Identität zu verlieren. Diese Tracks geben der Platte Luft zum Atmen und verhindern, dass alles in einer einzigen aggressiven Linie verschwimmt.

»I Feel« geht noch einen Schritt weiter in Richtung Melodie und Emotionalität. Das ist nicht unbedingt der stärkste Song auf »Rebirth«, wenngleich einer der ehrlichsten. Man hört, dass DISCERPTUS hier nahezu Persönliches transportieren wollen, wenngleich die Umsetzung stellenweise annähernd zahm wirkt.

Finale mit dunklem Nachhall

»Bad Blood« zieht das Tempo wieder an und erinnert an die Thrash-Wurzeln der Band. Hier sitzt der Groove, die Riffs sind griffig und der Refrain bleibt hängen. »Black Lake« als Abschluss ist dagegen deutlich düsterer. Ein schwerer, schleppender Song, der das Album in einer trüben, annähernd resignierten Stimmung ausklingen lässt. Ein passender Kontrast zum kämpferischen Titel »Rebirth«.

»Rebirth« ist ein Album, das mehr über Entwicklung als über Revolution erzählt. DISCERPTUS haben ihren Sound gestrafft, ihn zugänglicher und klarer gemacht, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Nicht jeder Song zündet sofort, und an manchen Stellen fehlt der letzte Funke Risiko. Trotzdem überzeugt die Platte durch ein geschlossenes Auftreten, starke Gitarrenarbeit und eine spürbare innere Logik. Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten ist »Rebirth« ein solides, ehrliches Metal-Album, das Fans von Death, Thrash und Groove gleichermaßen etwas bietet.

Fazit: Insgesamt ist »Rebirth« ein solides Album, das die Stärken von DISCERPTUS unterstreicht.

Internet

DISCERPTUS - Rebirth - CD Review

GROS ENFANT MORT – Le Sang Des Pierres

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cover artwork GROS ENFANT MORT Le Sang Des Pierres
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Band: GROS ENFANT MORT 🇫🇷
Titel: Le Sang Des Pierres
Label: Moment of Collapse Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Post-Hardcore, Screamo 

Tracklist

01. Cloué au sol
02. Saigne! Saigne! Saigne!
03. Château de cartes
04. 3114
05. Étranger à la Terre
06. Paillasson 4ever
07. L’art de perdre
08. Merci les cendres
09. Le sang des pierres

Besetzung

Alexis – All instruments, Vocals

Bewertung:

4/5

Vier Jahre nach ihrem Debut-LP kehren GROS ENFANT MORT mit einem neuen Album „Le Sang Des Pierres“ zurück und erforschen weiter die Grauzonen der Existenz ohne Filter: Depression, Isolation, mentale Gesundheit in einem sehr dramatischen Werk. Besser erklärt von der Band: „Die Notwendigkeit, dieses Album zu kreieren, entstand aus Erschöpfung, aus Leere, einem langsamen, fast unsichtbaren Zusammenbruch nach Jahren der Anstrengung, einen Platz in einer feindlichen Welt zu finden.“ Oder noch klarer: „Dieses Album erkundet, was mich direkt in die Wand geführt hat: eine verschlingende Entfremdung, genährt durch soziale Erwartungen, Arbeitsplatz-Dominanz, die Absurdität der Welt, psychischen Schmerz, Trauer und das Gefühl, abgeschnitten zu sein.

Von melancholisch zu verzweifelt

Die ersten Akkorde im Album – ein distanziertes Klavier setzt eine traurige und melancholische Atmosphäre. „Cloué au sol“ ist langsam, melodisch, geladen mit Emotionen. Die Clean Vocals nehmen dann eine dramatische Wendung in volles Screamo – verzweifelt und aggressiv. Die Instrumentierung bekommt auch eine neue Dynamik, und hier wird Post Hardcore zum dominanten Sound. Ein Song mit klarer Evolution von ruhig zu offensiv und von melancholisch zu verzweifelt. Ein starker Start ins Album, impaktvoll.

GROS ENFANT MORT, primär ein Solo-Screamo/Post-Hardcore-Projekt, initiiert von Alexis (Drummer von Johk) 2019 aus Poitiers, Frankreich. Das Projekt entwickelte sich zu einer vollen Live-Band, mit ehemaligen Mitgliedern von Johk und Low Relief, die sich Alexis für Touren anschlossen, mit einem diversen Line-up von Musikern an Gitarren, Bass, Drums und Vocals. Dieses intensive Ensemble kreierte eine Atmosphäre, die an Birds in Row und Converge erinnert. Alexis ist der Initiator und Hauptkomponist, verantwortlich für alle Instrumente und Vocals für die Studioaufnahmen. Auch die Texte sind seine Aufgabe, und damit fügt er eine weitere Komplexitätsebene zur bereits verstörenden Musik hinzu.

Saigne! Saigne! Saigne!“ ist aggressiv von den ersten Noten an – die ganze Atmosphäre ist verändert, massive Schreie transformieren den ganzen Sound in einen wütenderen und vor Wut strotzenden. Aber ein Hauch von Melodie ist auch da, fungiert als kontrastierendes Element hinter dem Haupt-Sound, sehr dissonant und aggressiv. Sehr gut gespieltes und hart schlagendes Drumming, aber ansonsten minimale Instrumentierung ergänzt mit Momenten aggressiver Ausbrüche.

Kontraste zwischen Wut und versteckter Wärme

Ein insgesamt schwererer Sound wechselt sich ab mit ruhigeren, aber mit wütenden Vocals. „Château de cartes“ ist ein weiterer Song voll von widersprüchlichen und diskrepanten Sounds, aber als Atmosphäre klar auf der verzweifelten, aber aggressiven Seite. Trotzdem webt eine schöne, ferne Gitarre eine schöne melodische Linie. „3114“ ist ein klarer Schritt in Hardcore-Musik, diesmal voll aggressiv – es gibt nichts, was die Stimmung glättet oder mildert. Auch wenn der Rhythmus verlangsamt und die Instrumente fast verschwinden, halten die Vocals den dissonanten und hasserfüllten, wütenden Ansatz. Wütend, genervt, verzweifelt – die Vocals übertragen viele Emotionen durch simple aber effiziente Schreie.

Die Produktion ist sehr gut, kombiniert Klarheit und Rohheit, genau wie die Musik ist. Und den emotionalen Zuständen folgend, die durch Musik ausgedrückt werden, wechseln sich Passagen mit gutem und klarem Sound mit lärmenden und voll aggressiven ab. Auch ambientere Passagen sind sehr gut integriert. Manchmal können ferne und distanzierte Melodien gehört werden, spielend mit dieser Distanz – die Produktion schließt sich auch an, verschiedene Klangschichten mit verschiedenen Intensitäten zu formen. Insgesamt ein guter Ansatz und ein gut gemachter Job.

Der bereits etablierte Sound voll von Kontrasten setzt sich durch die nächsten Songs fort. „Étranger à la Terre“ bringt mehr Melodie ins Spiel, ein Song mit vollerem Sound, komplexerer Komposition und Instrumentierung, mit beeindruckendem Bass-Sound und insgesamt auf allen Instrumenten das Können des Musikers zeigend. „Paillasson 4ever“ kommt mit dramatischen Wendungen, insgesamt nicht melodisch, ein weiteres Beispiel für pure Wut und Verzweiflung.

Verstörende emotionale Reise ohne Erleichterung

L’art de perdre“ bleibt in der leidenschaftlichen, aber verzweifelten Stimmung, aber langsam macht eine melodische Linie Platz im Song, bis nur eine akustische Gitarre bleibt, melodisch, melancholisch und distanzierte Vocals, fast sprechend. Aber keine Erleichterung – negative Stimmungen werden immer noch durch die Melodie übertragen. Eine Wand aus Sound macht „Merci les cendres“ zu einem der aggressivsten Momente des Albums, auch wenn langsam die Instrumentierung strukturierter und scheinbar melodischer wird. Aber eine abrupte Rückkehr zur lärmenden Seite der Band macht den Song sehr dynamisch und auch zu einem der interessantesten auf dem Album.

Der finale Track, auch der Titelsong „Le sang des pierres„, startet langsam, vage melodisch. Die elende Stimmung wird perfekt von Vocals eingefangen, eine ziemlich defätistische und demoralisierte Atmosphäre, die Musik in nur ambiente Sounds transformiert – traurig, niedergeschlagen, von Trauer erfüllt. Nicht die emotionale Erleichterung, auf die man gehofft hat, sondern im Gegenteil gräbt der Song tiefer in Negativität und gequälte Gefühle. Aber genau weil der Song so klar Gefühle überträgt, ist es ein würdiges Ende eines verstörenden Albums.

Musik als Gefäßvermittler für Emotionen

Musik voll von Kontrasten, Musik voll von Wut, aber auch mit einer weichen, warmen Seite, gut versteckt hinter dem Hauptsound. Geboren aus Erschöpfung und Leere ist die Musik ein perfekter Empfänger von Gefühlen und konzipiert diese in Musik. Sehr transparent auch – das Album ist auch eine Reise in mentale Zustände, wie Alexis es erklärte: „Es spricht die heimtückische Art an, wie Depression sich festsetzt und uns graduell von anderen abschneidet, obwohl so viele durch dieselbe Verzweiflung leben, nur in verschiedenen Skalen.“ Und das ist genau, wie man sich fühlt beim Hören des Albums.

Die Musik selbst spielt eine sekundäre Rolle auf dem Album – der Hauptzweck der Arbeit ist es, Emotionen zu übertragen, und in diesem Zweck erfüllt das Album seine Rolle. Kein angenehmes Hören, aber nie als eines gedacht – es ist eine verstörende und emotional geladene Erfahrung. Aber ein gutes Album, eine komplette Arbeit, ein Sound, der sowohl angespannt als auch tief emotional ist, eine Mischung aus rohen Ausbrüchen und abrasiver Poesie.

Fazit: Verstörend und emotional überträgt „Le Sang Des Pierres“ von GROS ENFANT MORT pure Emotionen durch Musik und Texte.

Internet

GROS ENFANT MORT - Le Sang Des Pierres

DIEVERSITY – IV

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Dieversity IV album cover
Dieversity IV album cover

Band: DIEVERSITY 🇩🇪
Titel: IV
Label: El Puerto Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Modern/Melodic Death Metal

Tracklist

01. IV
02. Piece Of Mind
03. Blame Me
04. Animal
05. Gears Of Society
06. Tyrant
07. Trees Of Yesterday
08. Short Fuse
09. Free
10. The Hunt
11. Phantom Silhouette

 

Besetzung

Robin Mattner – Vocals
Daniel Heß – Guitars
Olav Langer – Guitars
Max Sommerlad – Bass
Dominik Waldorf – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Mit DIEVERSITY steht eine Band auf der Bühne, die im Melodic-Death-Metal nicht uneingeschränkt technisch überzeugt, sondern desgleichen erzählerisch zu packen weiß. Auf ihrem vierten Album »IV« beweisen Robin Mattner am Gesang, Daniel Heß und Olav Langer an den Gitarren, Max Sommerlad am Bass und Dominik Waldorf am Schlagzeug, dass die Formation sowohl Dynamik als daneben Abwechslung auf hohem Niveau beherrscht. Nach drei vorherigen Veröffentlichungen hatten Fans hohe Erwartungen – und die Band liefert sie fast vollständig ein.

 

Ein Intro, das Erwartungen weckt

 

Das Album beginnt mit »IV«, dass keine langen Aufwärmrunden benötigt. Stattdessen legt das Stück mit gut einer Minute eine dunkle, atmosphärische Grundierung, die den Hörer sofort in die Welt von DIEVERSITY zieht.

Melodie und Aggression

Der Übergang zu »Piece Of Mind« zeigt die Stärke der Band im Melodic-Death-Metal: harte Riffs, einprägsame Melodien und Mattners kraftvoller, im Kontrast hierzu variabler Gesang ergeben einen Song, der sowohl Headbanger sowie Fans komplexerer Strukturen abholt. Direkt im Anschluss schiebt »Blame Me« nach: ein Track, der mit Breakdowns arbeitet, die sich organisch in die melodischen Passagen einfügen. Die Produktion sitzt, jeder Gitarrenlauf ist klar definiert, und das Zusammenspiel zwischen Bass und Schlagzeug sorgt für ein Fundament, das nicht wackelt.

Rohe Energie trifft Gesellschaftskritik

Mit »Animal« und »Gears Of Society« verschiebt die Band den Fokus auf gesellschaftliche Themen. »Animal«, schreit förmlich nach Ungezügeltheit, während »Gears Of Society« ein mechanisches, annähernd maschinelles Gefühl erzeugt, das die Textinhalte unterstützt. Die Songs haben Tempo, Aggression und Struktur zugleich. Auffällig ist, dass die Band es versteht, die Schwere nicht nur über den Sound, sondern darüber hinaus über das Storytelling zu transportieren – eine Balance, die im Genre nicht selbstverständlich ist.

Dunkle Atmosphäre

Die Mitte des Albums wird mit »Tyrant« düsterer. Hier zeigen DIEVERSITY ihr Talent, Spannung aufzubauen. Die Gitarren wechseln zwischen schneidenden Leads und melodischen Akzenten, während Mattners Gesang die Dramatik verstärkt. »Trees Of Yesterday« dagegen ist melancholisch, beinahe hymnisch. Es ist ein Stück, das zeigt, dass die Band auch Momente der Ruhe und Reflexion beherrscht, ohne dass die Härte verloren geht. Gerade in diesen Passagen wird deutlich, wie ausgereift das Songwriting geworden ist.

Kurz und intensiv

»Short Fuse« ist ein kurzer, aggressiver Ausbruch – mehr Schlag ins Gesicht als narrative Reise – und funktioniert hervorragend als Kontrast zu den längeren Tracks. »Free« öffnet demonstrativ den Blick in Richtung Aufbruch: melodische Leads treffen auf treibende Rhythmen, und Mattner zeigt vokale Variabilität, die den Song zu einem Highlight macht. Die Mischung aus Intensität und Eingängigkeit ist hier besonders gelungen.

Hochspannung zum Abschluss

Den Abschluss bilden »The Hunt« und »Phantom Silhouette«. »The Hunt« ist ein energiegeladenes Finale, das die Aggression noch einmal nach vorne treibt. Die Gitarren wechseln zwischen schweren Riffs und melodischen Läufen, während das Schlagzeug alle Details unterstützt. »Phantom Silhouette« rundet das Album ab, ohne den Druck herauszunehmen.

Reife und Vielschichtigkeit

Mit »IV« zeigen DIEVERSITY, dass Modern/Melodic-Death-Metal mehr sein kann als bloß Geschwindigkeit und Aggression. Die Band verbindet technische Präzision, eingängige Melodien und eine dramaturgische Songstruktur. Jeder Track hat seinen Platz, kein Füllmaterial lenkt ab, und die Produktion unterstützt die Energie, ohne steril zu wirken. Kleine Schwächen gibt es bei einzelnen Übergängen, die manchmal abrupt wirken, aber sie fallen kaum ins Gewicht.

Ein Album, das Fans des Genres begeistert und zusätzlich neugierige Hörer einlädt, die nach Melodie, Härte und Ausdruck gleichermaßen suchen. Mit diesem Werk positioniert sich DIEVERSITY als feste Größe im europäischen Metal, die man nicht unbedeutend hören, sondern erleben sollte.

Fazit: Mit »IV« ist DIEVERSITY ein beeindruckendes Werk gelungen, das sowohl die Härte des Melodic-Death-Metal und die Tiefe moderner Songwriting-Elemente vereint.

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DIEVERSITY - IV - CD Review