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GLASGOW KISS – Interview

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GLASGOW KISS - Bandphoto
Photo Credi: Agnieszka Iwanska
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Interview: Robert RESCH Fotos: Agnieszka Iwanska

Charlotte ist keine Sängerin, die sich in den Vordergrund drängt, um Eindruck zu schinden. Ihre Stimme tut das für sie. Mit GLASGOW KISS bewegt sie sich irgendwo zwischen Alternative Rock und Metal, mit einer Dunkelheit, die nie aufgesetzt wirkt, sondern ehrlich und kontrolliert. Die Band kommt aus Norwegen, klingt aber nicht nach Klischee, sondern nach eigener Haltung.

Im Gespräch geht es um Musik als Ventil, um Kontrolle und Kontrollverlust auf der Bühne und darum, wie man Härte zeigt, ohne sich dahinter zu verstecken. Charlotte spricht ruhig, überlegt und sehr klar darüber, was GLASGOW KISS ausmacht und warum diese Songs genau so klingen müssen, wie sie klingen.

GLASGOW KISS - Those Wasted Years [Hard Rock music video] (OFFICIAL)„Down In Flames“ klingt wie ein Albumtitel ohne Sicherheitsnetz. In welcher Verfassung warst du, als die Songs geschrieben wurden?

Alle Songs auf dem Album wurden über einen längeren Zeitraum geschrieben, vielleicht etwa drei Jahre. Während dieser Zeit habe ich verschiedene Herausforderungen gemeistert, die mich emotional beeinflusst haben, sodass ich die Texte geschrieben habe. Seit vielen Jahren kämpfe ich mit Angstzuständen und Depressionen, daher ist das ein Thema, über das ich ganz natürlich schreibe.

Das Album wirkt düsterer und kompromissloser als Ihre früheren Werke. War das eine bewusste Entscheidung oder einfach der natürliche Lauf der Dinge?

Es war ein sehr natürlicher Lauf der Dinge, da ich, wie bereits erwähnt, mit Depressionen und Angstzuständen zu kämpfen habe. Als Sänger und Texter nutze ich das auch als Selbsttherapie, um meine Frustration und meinen Schmerz loszuwerden, in der Hoffnung, dass sich das Publikum damit identifizieren kann und Trost darin findet, zu wissen, dass es nicht allein ist, wenn es ähnliche Herausforderungen durchlebt.

Viele der Songs vermitteln eine spürbare Wut. Gegen wen oder was richtet sich diese

Ich habe früher in meinem Leben einige schwere Zeiten durchgemacht – für mich ist es daher irgendwie befriedigend, über diese Dinge zu schreiben und die Frustration und Emotionen herauszulassen.

Wie viel von den Texten ist persönlich und wo beginnt die bewusste Übertreibung?

Ich denke, etwa 80 % der Texte sind persönlich und einige sind von Menschen inspiriert, die mir nahestehen. Die meisten Texte sind etwas ausgeschmückt, um sie eindringlicher zu machen. Aber ich habe diese Art von Emotionen auch in bestimmten Phasen meines Lebens empfunden, als es ziemlich düster zuging.

glasgow kiss - down in flames - album coverDer Sound bewegt sich zwischen Alternative Rock und Metal. Gab es Diskussionen darüber, wie hart oder roh das Album sein sollte?

Ja, wir haben während des Mixing-Prozesses hin und her überlegt. Wir wussten, dass wir einen organischen und authentischen Sound wollten, der auch viel Punch und Attitüde hat. Es gab einige Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten in der Band, aber am Ende hatten wir das Gefühl, den richtigen Sound für das Album gefunden zu haben.

Welche musikalischen Einflüsse hatten den stärksten Einfluss auf euch während der Arbeit an „Down In Flames“?

Ich bin sehr inspiriert von melodischen Hardrock-Bands, und was mich und die anderen Mitglieder der Band betrifft, so haben wir alle sehr unterschiedliche Einflüsse wie Rammstein, Evergrey, Halestorm, Megadeath, Volbeat usw. Aber für dieses Album habe ich das Gefühl, dass wir einfach Songs geschrieben haben, die uns persönlich gefallen haben, ohne zu versuchen, wie jemand anderes zu klingen. Es ist eine Mischung aus unseren unterschiedlichen Geschmäckern, bei der wir alle unseren persönlichen Stil einbringen konnten.

Einige Songs wirken fast klaustrophobisch. Wie wichtig war die Atmosphäre im Vergleich zu klassischen Songstrukturen?

Beim Songwriting haben wir nicht viel Zeit damit verbracht, über die Songs, die Struktur oder die Atmosphäre nachzudenken. Aber als ich die Texte und die Gesangsmelodien schrieb, konzentrierte ich mich mehr auf die Emotionen jedes Songs, da ich wollte, dass der Gesang und die Texte der instrumentalen Gestaltung gerecht werden.
GLASGOW KISS - Bandphoto
Photo Credi: Agnieszka Iwanska

Gab es einen Track, der euch im Studio besonders herausgefordert hat?

Der wahrscheinlich anspruchsvollste Song war „One Last Time”. Er hat eine tiefe Bedeutung für mich, ich habe ihn für eine meiner besten Freundinnen geschrieben, die vor einiger Zeit an Krebs gestorben ist. Als ich sie das letzte Mal sah, saß ich an ihrem Sterbebett, und kurz bevor ich ging, bat sie mich, bei ihrer Beerdigung zu singen, und erklärte, dass dies ihr letzter Wunsch sei – das war das letzte Mal, dass wir miteinander sprachen.  Ich hatte das Gefühl, dass die Herausforderung bei der Aufnahme des Gesangs darin bestand, die richtigen Emotionen einzubringen, also schaltete ich alle Lichter im Studio aus, damit ich die Geschichte besser spüren konnte.

Wie sah dein Songwriting-Prozess dieses Mal aus? Mehr Jam-Room oder mehr Feinschliff?

Ich denke, irgendwo dazwischen, eine Mischung aus Feinschliff und Jammen. Normalerweise kommt jemand mit einem Riff oder einer Melodie, und wir arbeiten daran, während wir sagen, dass wir es „Glasgowfy it“, wenn jeder seine Ideen in jeden Song einbringen kann.

Der Albumtitel suggeriert Versagen, aber auch Läuterung. Was bedeutet er für dich persönlich?

Er bedeutet, dass nichts für immer währt, also muss man die Zeit schätzen, die man hat, bevor es zu spät ist, und wenn man ganz oben steht, kann es nur noch bergab gehen.

Welche Rolle hat der Produzent beim Sound des Albums gespielt?

Der Produzent hat die Songs gemischt und dabei ein paar Tipps zum Sound gegeben. Aber der Großteil der Produktion wurde von der Band selbst übernommen.

Wenn man das Album am Stück hört, fühlt es sich wie eine Reise an. Habt ihr bewusst an der Dramaturgie gearbeitet?

Ja, das war die Idee, und wir wollten das Album auch etwas bunter gestalten, also haben wir versucht, die Reihenfolge zu mischen, um es für die Zuhörer interessant zu halten. 

GLASGOW KISS - Down In Flames [Hard Rock Music Video] (OFFICIAL) Gab es Momente, in denen ihr Songs abgelehnt habt, weil sie zu glatt oder zu bequem waren?

Als ich den Entwurf des Songs „Down In Flames” zum ersten Mal hörte, gefiel mir das Instrumental überhaupt nicht. Ich fand es zu flach und für meinen Geschmack nicht melodisch genug, sodass ich dachte, meine Stimme würde überhaupt nicht zu diesem Song passen. Zuerst habe ich ihn abgelehnt, aber schließlich habe ich versucht, einen melodischen Gesang dazu zu schreiben, und dann hat er mir doch gefallen.

Inwiefern spiegelt „Down In Flames” euren aktuellen Status als Band wider?

Während der Arbeit am Album „Down In Flames” sind wir uns als Band nähergekommen. Wir hatten sowohl Höhen als auch Tiefen, weil wir alle eine große Leidenschaft und starke Vorstellungen davon hatten, wie das Endergebnis aussehen sollte. Momentan befinden wir uns auf einem Höhepunkt – die Zusammenarbeit mit Eclipse Records ist ein Meilenstein für uns, und wir sind sehr dankbar dafür, dass wir das tun dürfen, was wir tun.

Alternative Rock und Metal haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Wo seht ihr euch in dieser Landschaft?

Rock ‚n‘ Roll ist nie gestorben; daher denken wir, dass es an der Zeit ist, dass mehr Menschen ihre Augen für dieses Genre öffnen, da es offenbar immer beliebter wird. Ein Genre, in dem es darum geht, echt und authentisch zu sein und einfach alles loszulassen. Als Frau im Heavy Rock müssen wir meiner Meinung nach noch etwas härter arbeiten, um zu beweisen, dass wir unseren Platz in diesem Genre verdient haben, aber seit der Ära von Joan Jett hat sich viel verändert. Sie hat damals wirklich die „Drecksarbeit” gemacht, um Frauen im Rock bekannt zu machen. Ich habe großen Respekt vor ihr. Versteht mich nicht falsch, die Liebe und Unterstützung, die wir bekommen haben, war absolut unglaublich! Wir hätten uns nichts Besseres wünschen können, die Leute sind so freundlich und das Album hat viele tolle Rückmeldungen und Kritiken bekommen. Wir sind sehr, sehr dankbar.

GLASGOW KISS - Forsaken [Hard Rock music video] (OFFICIAL) Welche Reaktionen erhofft ihr euch von den Zuhörern und welche würdet ihr als unangenehm empfinden?

Wir hoffen, dass die Leute unsere Musik und unseren Sound mögen und dass sie sich mit unseren Geschichten identifizieren können. Wir finden es völlig in Ordnung, wenn jemand unsere Musik nicht mag, aber es ist unangenehm, wenn jemand unhöflich ist und eine Person oder ein Instrument in der Band persönlich angreift.

Gibt es einen Song auf dem Album, der für euch live besonders wichtig ist, und warum

Ich würde sagen „One Last Time”, wegen der starken Botschaft und dem Gefühl, die Emotionen des Songs an das Publikum weiterzugeben. Als Hardrock-Band hören wir bei Konzerten oft, dass die Leute es lieben, wenn wir etwas ruhiger werden und sie unsere verletzliche Seite sehen können, damit ihre Ohren eine kleine Pause bekommen, haha.

Wie beeinflusst die aktuelle Weltlage dein Songwriting, auch wenn du das Thema nicht explizit ansprichst?

Ich habe darüber nachgedacht, auch über politische Themen und Dinge zu schreiben, die in unserer Welt passieren. Vielleicht werden wir das auf unserem nächsten Album tun. Neben der Musik ist meine andere große Leidenschaft der Tierschutz und die Sicherheit von Tieren! Das ist also auch etwas, worüber ich in Zukunft schreiben möchte.

Wenn du das Album jemandem, der dich nicht kennt, in einem Satz beschreiben müsstest, wie würde dieser lauten?

Kick-ass melodischer Heavy Rock mit Riffs, Attitüde und einem Sound, der dir einen Glasgow Kiss direkt ins Gesicht verpasst!

Nach „Down In Flames”: Fühlt es sich eher wie ein Endpunkt oder wie ein Neuanfang an?

Definitiv wie ein Neuanfang!

GLASGOW KISS – Interview

JINJER kehren mit “European Duél-Tour 2026” nach Wien zurück

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JINJER-Duel-Tour-2026

JINJER, UNPROCESSED & TEXTURES – „European Duél Tour” 2026 – Gasometer Wien, 17. Februar 2026

JINJER-Duel-Tourflyer-2026

Nach mehr als sechs Jahren kehren JINJER endlich wieder als Headliner auf die europäischen Bühnen zurück. Im Rahmen ihrer „European Duél“-Tour 2026 macht das ukrainische Quartett am 17. Februar 2026 Halt im Wiener Gasometer – ein Pflichttermin für Fans von modernem progressiven Metal. Als Support mit dabei sind UNPROCESSED und TEXTURES.

In den vergangenen 15 Jahren haben sich JINJER von einer Underground-Formation zu einer der mutigsten und einflussreichsten Bands des modernen Metals entwickelt. Mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus progressivem Groove, technischer Präzision und emotionaler Wucht erspielten sie sich weltweite Anerkennung – untermauert durch über 250 Millionen Streams und Views. Spätestens seit dem viralen Durchbruch mit der Single „Pisces“ gelten JINJER als Impulsgeber des Genres. Alben wie „Macro“ (2019) und „Wallflowers“ (2021) spiegeln ihre düstere, komplexe und kompromisslose Seite eindrucksvoll wider.

Ihr neues Album „Duél“ (2025) markiert nun den nächsten Evolutionsschritt. Singles wie „Someone’s Daughter“, „Fast Draw“ und „Green Serpent“ zeigen eine Band, die sich konsequent weiterentwickelt, lyrisch in die Tiefe geht und klanglich neue Grenzen erforscht. Nach umjubelten Tourneen mit Größen wie SLIPKNOT, SEPULTURA und BABYMETAL sind JINJER live explosiver und selbstbewusster denn je.

Neben JINJER werden an jenem Abend UNPROCESSED und TEXTURES demonstrieren, wie breit gefächert progressiver Metal ist. UNPROCESSED stehen für die neue Generation von technisch anspruchsvollem Metal. Mit ihrer energiegeladenen Mischung aus Djent, Prog und modernen Rock-Einflüssen haben sich die Deutschen international einen Namen gemacht. Technische Virtuosität trifft hier auf eingängige Hooks und massive Breakdowns. Ihr jüngstes Album „Angel“ (2025) begeisterte die Szene durch einen härteren Klang und emotional anspruchsvollen Texten.

Einen besonderen Reiz erhält das Tourpaket durch TEXTURES, die mit ihrem polyrhythmischen Progressive Metal als wahre Genre-Pioniere gelten. Die Niederländer verbinden seit jeher komplexe Songstrukturen, atmosphärische Elemente und kompromisslose Härte. Nach der Auflösung der Band 2016 war die Freude unter den Fans groß, als TEXTURES ihre Wiedervereinigung 2023 verkündeten. Die Reunion wird mit einem neuen Album zelebriert: „Genotype“ wird am 23. Jänner veröffentlicht – früh genug, um es sich vor dem Konzert in Wien noch zu Gemüte zu führen!

JINJER-Duel-Tourflyer-2026

Tourdaten

23. Jan. – DE – Köln, Palladium
24. Jan. – NL – Tilburg, O13
25. Jan. – BE – Brüssel, AB Brussels
02. Feb. – FR – Paris, L’Olympia
03. Feb. – FR – Lyon, Transbordeur
04. Feb. – FR – Toulouse, Bikini
11. Feb. – CH – Zürich, X-tra
12. Feb. – DE – Stuttgart, LKA
13. Feb. – DE – Wiesbaden, Schlachthof
14. Feb. – DE – Munich, Tonhalle
16. Feb. – HU – Budapest, Barba Negra
19. Feb. – CZ – Prag, Sasazu
20. Feb. – DE – Leipzig, Felsenkeller
21. Feb. – DE – Berlin, Astra
01. März – DK – Kopenhagen, Amager Bio
02. März – DE – Hamburg, Grosse Freiheit 36

 

Quellenangabe: Barracuda Music GmbH
Photo Credit: Lina Glasir

ZU – Ferrum Sidereum

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cover artwork ZU Ferrum Sidereum
cover artwork ZU Ferrum Sidereum

Band: ZU 🇮🇹
Titel: Ferrum Sidereum
Label: House of Mythology
VÖ: 09/01/26
Genre: Jazz Metal

Tracklist

01. Charagma
02. Golgotha
03. Kether
04. A.I. Hive Mind
05. La Donna Vestita Di Sole
06. Pleroma
07. Fuoco Saturnio
08. The Celestial Bull And The White Lady
09. Hymn of the Pearl
10. Perseidi
11. Ferrum Sidereum

Besetzung

Luca T. Mai – Baritonsaxophon, Electronics
Massimo Pupillo – Bass
Paolo Mongardi – Schlagzeug

Bewertung:

4/5

ZU präsentieren mit „Ferrum Sidereum“ ihr neues Album. Fast sieben Jahre nach der letzten Veröffentlichung ist die Rückkehr der Jazz-Metal-Pioniere entsprechend erwartungsvoll aufgenommen worden – sowohl im Metal- als auch im Jazz-Umfeld. Diese Erwartungen werden nicht enttäuscht: Das Album zeigt sich ebenso komplex und experimentell wie die bisherigen Arbeiten der Band und ist erneut ein eindrucksvoller Beleg für ihre technische und kompositorische Klasse.

Elektronische Einstiege und erste Spannungsbögen

Elektronische Klänge eröffnen das Album. „Charagma“ setzt zunächst auf bizarre Rhythmen, bevor nach einer langen Einleitung schließlich die typischen Jazzakkorde in den Vordergrund treten und das Stück langsam dominieren. Markante Basspassagen – schließlich eines der prägenden Elemente im Klangkosmos von ZU – strukturieren den Song, während das Baritonsaxophon zusätzliche Farbe und Tiefe einbringt. Klassische Jazzharmonik, modern interpretiert und getragen von einem massiven, dominanten Bass: ein überzeugender Einstieg ins Album.

Deutlich zurückhaltender beginnt „Golgotha“. Trotz des dissonanten Saxophons bleibt der Sound zunächst eher flächig und atmosphärisch als klar konturiert. Erst nach der ausgedehnten Einleitung gewinnen Bass und Schlagzeug an Präsenz, ergänzt durch eine Vielzahl elektronischer Elemente. Musikalisch wirkt das Stück stärker verdünnt, mit wechselnden Tempos, die bewusst chaotisch und experimentell angelegt sind. In den abschließenden Passagen entwickelt sich der Song jedoch zu einer schlüssigen und überzeugenden Komposition.

ZU stammen aus Ostia und wurden bereits 1997 gegründet. Als Veteranen ihres Genres und mit über fünfzehn Veröffentlichungen zählen sie zu den produktivsten und eigenständigsten Formationen im Grenzbereich zwischen Jazz und Metal. Ihre Musik folgt keinem festen Schema, sondern verbindet Elemente aus Metal, Noise, Prog, Elektronik, Ambient, Industrial und zeitgenössischer Musik zu einem eigenständigen Ausdruck. Der Kern der Band besteht aus Luca T. Mai (Baritonsaxophon, Elektronik), Massimo Pupillo (Bass) und Paolo Mongardi (Schlagzeug), wobei ZU auf ihren Alben regelmäßig durch Gastmusiker ergänzt werden, die dem Sound zusätzliche Facetten verleihen.

Zwischen Minimalismus, Ritual und Klangforschung

Das Album setzt seine stilistische Offenheit fort. „Kether“ kehrt zu einem langsameren, melodischeren Grundtempo zurück, während „A.I. Hive Mind“ melancholischer ausfällt und orientalische Anklänge sowie tribalartige Rhythmen integriert. Ein sehr langes, ambient geprägtes Mittelstück bestimmt die Struktur des Songs, der insgesamt eher minimalistisch angelegt ist. Das dissonante Ende wirkt konsequent, erreicht jedoch nicht die erwartete Komplexität, insbesondere angesichts der ausgedehnten Laufzeit.

Die Produktion bewegt sich zwischen Rohheit und Klarheit. In einigen Momenten klingt das Album bewusst rau, wobei Filter und Effekte den dissonanten Charakter zusätzlich betonen und dem Sound eine sperrige Oberfläche verleihen. In anderen Passagen wiederum ist das Klangbild außergewöhnlich transparent. Diese bewusste Wechselhaftigkeit folgt einer klaren künstlerischen Vorstellung, erzeugt jedoch stellenweise einen leicht fragmentierten Gesamteindruck. Hervorzuheben ist der Bass, der in allen Lagen hervorragend zur Geltung kommt. Das Schlagzeug bleibt in vielen ambienten Momenten fast im Hintergrund, was eine ungewöhnliche, fragile Feinheit entstehen lässt. Das Baritonsaxophon hingegen tritt häufig sehr dominant auf und wirkt stellenweise fast erdrückend.

La Donna Vestita Di Sole“ führt den minimalistischen, zugleich dissonanten Ansatz fort. Mit einer Laufzeit nahe der Zehn-Minuten-Marke eröffnet der Song mit einem eindrucksvollen Schlagzeugpart, der Percussion und Rhythmus in den Mittelpunkt stellt. Vereinzelte Saxophonakzente und ein allmählich einsetzender Bass verdichten den Klang zunehmend, bis sich eine klare rhythmische Struktur und eine erkennbare melodische Linie herausbilden. Das Baritonsaxophon verleiht dem Stück eine tiefe, eindringliche Atmosphäre, bleibt dabei jedoch vergleichsweise zugänglich. Hypnotische Effekte erzeugen ein vielschichtiges, nahezu sphärisches Klangbild. Ein klarer Höhepunkt des Albums.

Verdichtung, Auflösung und ein dissonanter Schluss

Pleroma“ beginnt mit entfernten, schwebenden Klängen und entwickelt sich langsam zu einer etwas kohärenteren Struktur, bleibt insgesamt jedoch sehr ruhig. Elektronische Texturen, zurückhaltende Bass- und Drum-Elemente prägen den Song, der zu den schwächeren Momenten des Albums zählt. Die einfache, nahezu reduzierte Elektronik mündet in einem energischen Saxophonausbruch, dessen Wirkung jedoch ambivalent bleibt. „Fuoco Saturnio“ bleibt dem atmosphärischen Ansatz treu, setzt jedoch stärker auf harmonische und feingliedrige Passagen, die sich mit schlichten Jazzakkorden abwechseln.

The Celestial Bull And The White Lady“ beginnt erneut mit einer ausgedehnten ambienten Einleitung, entwickelt sich dann jedoch zu einem dynamischen Stück mit massivem Bassfundament. In einem stetigen Crescendo greifen Schlagzeug und schließlich das Saxophon ein, bis der Song in einem komplexen Höhepunkt kulminiert. Vielschichtige Arrangements und eine dichte Instrumentierung machen den Track zu einem weiteren starken Moment des Albums.

Nach dieser Dynamik wirkt „Hymn of the Pearl“ wie eine bewusste Entspannung: elektronische Klänge, zurückhaltende Percussion und ein ruhiges, fast friedliches Grundtempo bestimmen das Stück. Wie so oft bei ZU nimmt die Komplexität im Verlauf zu, bleibt jedoch im Grenzbereich zwischen Ambient und freier Klangforschung. „Perseidi“ fungiert als kurzes, dissonantes Intermezzo mit effekthaften Einschüben, die an Schussgeräusche erinnern, und leitet zum abschließenden Titelstück über. „Ferrum Sidereum“ bildet einen unerwartet harschen Abschluss: aggressiver Bass und ebenso scharfes Saxophon treten in einen spannungsgeladenen Dialog, ergänzt durch unheimliche, verstörende Klangfarben. Ein düsteres, irritierendes Finale für ein ansonsten überwiegend ruhiges und melodisches Album.

Ein Album jenseits klarer Zuordnungen

Die Verbindung aus experimentellem und zeitgenössischem Jazz kann für viele Hörer fordernd sein, doch die technischen Fähigkeiten der beteiligten Musiker sind unübersehbar. Solche Virtuosität ist im Jazzkontext nicht neu, bleibt hier jedoch eindrucksvoll.

Weder eindeutig Metal noch klassischer Jazz – am treffendsten lässt sich ZUs Musik wohl als experimentell bezeichnen. „Ferrum Sidereum“ ist stark von elektronischen Elementen geprägt und bewegt sich stellenweise vollständig in diesem Bereich, was beide Genres bewusst unterläuft. Die Vielzahl weiterer Einflüsse fügt sich dennoch schlüssig in das Gesamtbild ein, und die künstlerische Vision der Band bleibt klar erkennbar.

Die deutlichsten metallischen Aspekte finden sich im Bass und in einzelnen dissonanten Strukturen. Riffs oder klassische Solos sollte hier niemand erwarten. Stattdessen dominieren Einflüsse aus Noise, Elektronik, Industrial und zeitgenössischer Musik. Das Album bietet starke musikalische Momente, aber ebenso viele sperrige, ruhige oder bewusst irritierende Passagen. Für manche faszinierend, für andere schwer zugänglich – „Ferrum Sidereum“ entzieht sich gängigen Maßstäben. Gerade deshalb lohnt sich ein offenes Hören für alle, die unkonventionelle Ansätze nicht scheuen.

Fazit: Komplexe Klanglandschaften zwischen Jazz und zahlreichen weiteren Einflüssen prägen ZUs  „Ferrum Sidereum“ – technisch und kompositorisch auf hohem Niveau.

Internet

ZU - Ferrum Sidereum - CD Review

KREATOR – Krushers Of The World

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KREATOR - Krushers Of The World album artwork
KREATOR - Krushers Of The World album artwork

Band: KREATOR 🇩🇪
Titel: Krushers Of The World
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Seven Serpents
02. Satanic Anarchy
03. Krushers of the World
04. Tränenpalast
05. Barbarian
06. Blood of Our Blood
07. Combatants
08. Psychotic Imperator
09. Deathscream
10. Loyal to the Grave

 

Besetzung

Mille Petrozza – Vocals/Guitar
Sami Yli-Sirnio – Guitar
Freddie LeClercq – Bass
Ventor – Drums

 

Bewertung:

5/5

KREATOR gehören zu den wenigen Thrash-Metal-Bands, die sich nie mit dem Erreichten zufriedengegeben haben. Seit den frühen Achtzigern steht der Name für kompromisslose Härte, politische Haltung und eine klare künstlerische Vision. Angeführt von Mille Petrozza, der als Sänger, Gitarrist und Hauptsongwriter das kreative Zentrum bildet, präsentiert sich die Band auf »Krushers Of The World« in der Besetzung Petrozza, Sami Yli-Sirnio an der zweiten Gitarre, Bassist Freddie LeClercq und Urgestein Ventor am Schlagzeug. Eine Formation, die Routine besitzt, ohne jemals träge zu wirken.

Ein Album ohne Sicherheitsnetz

Schon der Opener »Seven Serpents« macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Kein atmosphärisches Vorspiel, kein Aufbau über Umwege. Kreator setzen sofort auf Tempo, messerscharfe Riffs und Ventors treibendes Schlagzeug. Der Song wirkt wie ein Schlag ins Gesicht, präzise, wütend und kontrolliert. Genau diese Mischung zieht sich durch das komplette Album.

Mit »Satanic Anarchy« folgt ein klassischer Thrash-Brecher, der alte Fans sofort abholt. Das Riffing ist kantig, fast schon aggressiv minimalistisch, während Petrozzas Gesang zwischen Anklage und Schlachtruf pendelt. Hier zeigt sich, wie souverän die Band mit Genre-Versatzstücken umgeht, ohne sich selbst zu zitieren.

Titeltrack als Manifest

»Krushers Of The World« ist das programmatische Herzstück der Platte. Der Song kombiniert hymnische Refrains mit kompromisslosen Strophen und entwickelt eine Wucht, die live problemlos ganze Hallen zum Beben bringen dürfte. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel der Gitarren. Petrozza und Yli-Sirnio ergänzen sich perfekt, wechseln zwischen rasiermesserscharfen Leads und massiven Rhythmuspassagen, ohne sich gegenseitig Raum zu nehmen.

Der Track steht sinnbildlich für das gesamte Album. KREATOR wirken hier nicht wie eine Band, die ihren Status verwaltet, sondern wie eine, die sich anhaltend noch beweisen will.

Atmosphäre und Härte im Gleichgewicht

Mit »Tränenpalast« schlägt das Album kurzzeitig andere Töne an. Der Song ist dunkler, approximativ melancholisch, ohne an Intensität zu verlieren. Die Gitarrenarbeit wirkt strukturierter, das Tempo etwas gedrosselt. Gerade dieser Moment verleiht dem Album Tiefe und verhindert, dass sich die permanente Aggression abnutzt. Die Duetts mit Britta Görtz (HIRAES) sind das absolute Sahnehäubchen. Ein Thrash-Duett, welches sich als absolutes Albumhighlight in die Gehirnwindungen einbrennt.

»Barbarian« reißt die Tür danach abermals weit auf. Ein Song, der seinem Titel alle Ehre macht. Roh, direkt und ohne Schnörkel. Ventor zeigt hier, warum er immer noch zu den prägendsten Drummern des Genres zählt. Jeder Schlag sitzt, nichts wirkt überladen.

Blut, Loyalität und Wahnsinn

Die zweite Albumhälfte hält das Niveau mühelos. »Blood of Our Blood« und »Combatants« setzen auf stampfende Midtempo-Passagen, die Raum für Groove lassen, ohne die Thrash-Wurzeln zu verleugnen. Freddie LeClercqs Bassarbeit ist hier besonders präsent und verleiht den Songs zusätzliche Tiefe.

»Psychotic Imperator« und »Deathscream« drehen das Tempo erneut hoch. Vor allem ersterer fällt durch seine beinahe chaotische Struktur auf, die dennoch jederzeit kontrolliert bleibt. KREATOR spielen mit Erwartungshaltungen, brechen Rhythmen auf und ziehen sie im nächsten Moment wieder brutal gerade.

Der Abschluss »Loyal to the Grave« wirkt wie ein Statement. Kein versöhnlicher Ausklang, sondern ein letzter, entschlossener Schlag. Der Song fasst thematisch und musikalisch zusammen, wofür KREATOR seit Jahrzehnten stehen: Konsequenz, Haltung und absolute Hingabe.

Produktion und Gesamtbild

Die Produktion ist druckvoll und klar, ohne steril zu wirken. Gitarren haben Biss, das Schlagzeug klingt organisch und präsent, der Gesang steht genau dort, wo er sein muss. Alles dient dem Song, nichts dem Selbstzweck. »Krushers Of The World« klingt modern, aber nicht modisch.

KREATOR liefern mit »Krushers Of The World« ein Album ab, das keine Schwächen zeigt. Es ist aggressiv, durchdacht und voller Energie. Die Band wirkt fokussiert, hungrig und erstaunlich frisch. Ein Thrash-Metal-Album, das sowohl alte Fans begeistert sowie neue Hörer problemlos abholen kann.

Fazit: »Krushers Of The World« ist ein herausragendes Werk, das KREATORS Stellung im Thrash-Metal untermauert

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KREATOR - Krushers Of The World - CD Review

ECTOVOID – In Unreality’s Coffin

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cover artwork ECTOVOID In Unreality’s Coffin
cover artwork ECTOVOID In Unreality’s Coffin

Band: ECTOVOID 🇺🇸
Titel: In Unreality’s Coffin
Label: Everlasting Spew Records
VÖ: 09/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. Dissonance Corporeum
02. Collapsing Spiritual Nebula
03. Intrusive Illusions (Echoes From A Distant Plane)
04. Formless Seeking Form
05. Irradiated Self
06. In Unreality’s Coffin
07. Erroneous Birth
08. It Is Without Shape…
09. In Anguished Levitation

Besetzung

Chuck Bryant – Rhythm Guitar, Vocals
Charlie Southern – Guitar, Backing Vocals
Ryan Sullivan – bass
Chris McDonald – Drums

Bewertung:

4,5/5

Die amerikanische Death Metal Band ECTOVOID präsentiert ihr neues Werk, das dritte Album der Band mit dem Titel „In Unreality’s Coffin„. Bekannt für einen direkten und aggressiven Ansatz, technisch, ist das neue Werk eine Fortsetzung ihrer Diskografie und auch ein neuer Meilenstein in ihrer Karriere.

Beeindruckender Start ohne Umschweife

Brutal und aggressiv – so startet das Album. Kein Intro, keine atmosphärische Passage, nur eine Demonstration von Technik und wütender Musik. „Dissonance Corporeum“ ist ein kurzer und direkter Song mit beeindruckenden Gitarren und sehr Uptempo-Rhythmus. Angepisste Vocals, guttural, fast gesprochene Verse oder Growls, aber auf dieselbe bellende Art – sie ergänzen die massiven Sounds sehr gut. Beeindruckende und sehr technische Lead-Gitarre, nicht nur in einem messerscharfen Solo, sondern während des ganzen Songs eine konstante Präsenz. Beeindruckender Start, guter Technical Death Metal.

ECTOVOID kommen aus Birmingham, Alabama, gegründet 2010. Gründungsmitglieder Chuck Bryant an Rhythmusgitarre und Vocals sowie Chris McDonald für Drums sind immer noch in der Band. Ryan Sullivan stieß ein paar Jahre später am Bass dazu, ebenso Charlie Southern an Gitarre und Backing Vocals, aber Letzterer hat die Band inzwischen verlassen und wurde durch Shawn Staszko an Lead-Gitarre und Vocals ersetzt, der aber nicht an der Albumaufnahme teilnahm.

Der gute Start setzt sich noch besser strukturiert und in hohem Tempo fort mit „Collapsing Spiritual Nebula“ – konstante bestrafende Riffs und dynamischer Gesamtsound. Die Drums sind sehr kreativ und auch schnell und halten den infernalischen Rhythmus. Brutaler Sound, dichte Instrumentierung, einige Rhythmuswechsel kommen im mittleren Teil des Songs, aber nicht viel Verlangsamung, nur ein anderer Ansatz. Bestrafender Rhythmus, abgrundtiefe Atmosphäre, ein sehr klarer und guter Song, ein Höhepunkt.

Unaufhörliche Aggressivität und komplexe Musik

Das Album setzt sich im selben Stil und mit unaufhörlicher Aggressivität fort. „Intrusive Illusions (Echoes From A Distant Plane)“ bringt denselben gnadenlosen Rhythmus und massive Vocals in einem konstanten Angriff auf alle Sinne. „Formless Seeking Form“ mit langsameren Rhythmus als die vorherigen Songs, aber das macht den Track nicht zu einem langsamen – nur dass das Tempo in den ersten Songs wahnsinnig schnell war. Auch mit massiven Riffs, einer sehr gut ausgearbeiteten Komposition und massivem Sound. Ein weiterer sehr guter Song.

Die Produktion ist exzellent, klar, sehr gut ausbalancierter Sound – alle Instrumente sind perfekt hörbar und mit der richtigen Intensität. Jede Note ist am richtigen Platz, Produktion und Mixing verdienen wirklich besonderes Lob, besonders wenn man an die sehr komplexe Musik denkt, die man hört. Die Solos sind perfekt ins Gesamtbild integriert, Vocals werden, auch wenn sie so wichtig im Band-Sound sind, auf demselben Level mit dem Rest der Band gehalten, und das gibt einen viel kohäsiveren und organisierten Sound. Einfach eine massive Death Metal Maschine, die intensive und komplizierte Kompositionen spielt.

Sehr offensiv kommt der nächste Song „Irradiated Self“ – simple Riffs, aber ein wütender Rhythmus treibt den Song voran, frenetisches Drumming und gleichermaßen wütender Bass. Nicht so komplex wie die ersten Songs, aber dennoch insgesamt ein beeindruckender Song. Der Titelsong „In Unreality’s Coffin“ kehrt zu komplexerem Sound zurück, behält aber die Dynamik und Aggressivität. Unmenschliche Vocals, gequält und mit punktuell verzweifelten Schreien und auch geflüsterten Reimen – großer Effekt und eine willkommene Änderung im Vocal-Ansatz, die Vielfalt zeigt. Wieder hat die Lead-Gitarre einige gute Kontraste in der allgemein sehr engen Instrumentierung. Nicht sehr melodischer Song, aber voll von gnadenlosen und gewalttätigen Momenten.

Makabere Atmosphäre und flawlose Ausführung

Der finale Teil des Albums bringt „Erroneous Birth„, ein weiterer technischer Song, jetzt mit verhallten Vocals – wieder eine viel simplere Komposition und eine sehr effektive. Mit wechselnden Rhythmen, ein dynamischer Song, solide Riffs und eine makabre Atmosphäre. „It Is Without Shape…“ fungiert mehr wie ein Interlude, mit Musik, die progressiv immer lauter wird und mit konstantem Wachstum im Sound. Auch als instrumentales, atmosphärisches Intermezzo behält der Song ein gutes Tempo und einen vollen Sound, bringt aber auch mehr Melodie.

Der finale Song des Albums „In Anguished Levitation“ kehrt zu massiven Rhythmen und aggressivem Sound zurück, geflüsterte Vocals ergänzen die tiefen Growls. Der zermalmende Rhythmus wird langsamer für den Anfang des Songs, aber er wird komplexer und schneller, je weiter er voranschreitet. Immer noch technisch, aber melodischer – ein irgendwie anderer Sound vom Rest des Albums, aber dennoch ein überzeugender Abschluss des LP.

Massives Werk auf höchstem Niveau

Ein beeindruckendes Werk der amerikanischen Band – komplex und dunkel, Technical Death Metal. Ein Album, das für seine gesamte Dauer nicht verlangsamt, es bestraft und zermalmt den Hörer immer wieder. Und nicht nur das, sondern die Songs sind komplex und die Ausführung makellos. Konstante Riffs und eine gnadenlose Rhythmussektion performen massive, komplizierte und infernalische Musik. Ein Höhepunkt in der Band-Karriere, ein klarer Schritt nach oben von den vorherigen Releases.

Die Band zeigt wirklich beeindruckende technische Qualitäten – die Musik ist so komplex und so gut ausgeführt, aber auch so gut produziert, und alles kommt in so einer dichten Klanglandschaft. Mit vielen unvergesslichen Momenten, aber mehr als Ganzes ist das Album eine gute Demonstration von gut komponiertem und gespieltem Death Metal. Ein Muss für jeden Fan des Genres.

Fazit: Das beeindruckende Album „In Unreality’s Coffin“ von ECTOVOID hält durchgehend hohes Tempo und massive Instrumentierung aufrecht.

Internet

ECTOVOID - In Unreality’s Coffin

VESSELES – Home

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VESSELES - Home album cover
VESSELES - Home album cover

Band:VESSELES 🇺🇸
Titel: Home
Label: Independent
VÖ: 16/01/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Flesh Throne
02. Eternally Within Us
03. The Beneath
04. Home
05. They Wither…
06. Until They Are Dust
07. Scriptures Etched Into the Mind’s Pillars
08. Perpetual Chasm of Black Mirrors
09. This Is Not Home

 

Besetzung

Valira Pietrangelo – Vocals, Guitars, Piano, Lyrics, Songwriting
Ron Graves – Bass
Nick Brown – Drums
Joel Ferry – Keyboard and vocals

 

Bewertung:

3,5/5

Mit »Home« liefern VESSELES ein weiteres Kapitel ihres düsteren, symphonischen Black Metal ab. Die Band, bestehend aus vier erfahrenen Musikern, kombiniert klassische Black-Metal-Elemente mit orchestralen Strukturen und einer atmosphärischen Tiefe, die nicht bloß Fans des Genres anspricht. Valira Pietrangelos vielseitiger Einsatz von Gesang, Gitarre und Piano zieht sich wie ein roter Faden durch das Album.

Ein wuchtiger Auftakt

Das Album beginnt mit »Flesh Throne«, einem Track, der sofort das typische VESSELES-Feeling transportiert: Rasende Gitarrenriffs, blastbeatartige Schlagzeugmuster und eine dichte Keyboard-Schicht, die die düstere Atmosphäre trägt. Pietrangelos Gesang wechselt zwischen krassem Gekeife und growlenden-dämonischen Passagen, was den Song dynamisch hält. Die Produktion ist sauber, ohne dass die rohe Energie des Black Metal darunter leidet.

Zwischen Melodie und Chaos

»Eternally Within Us« zeigt die Fähigkeit der Band, Melodien in den sonst aggressiven Sound zu integrieren. Die symphonischen Elemente werden hier subtiler eingesetzt, während der Bass von Ron Graves den Song trägt. Die Komposition wirkt wie ein durchdachtes Mosaik aus Intensität und Ruhephasen. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel von Piano und Gitarre, das eine melancholische Tiefe erzeugt.

Dunkle Klangwelten

Mit »The Beneath« taucht das Album in noch düsterere Gefilde. Das Schlagzeug von Nick Brown treibt die Songstruktur mit unerbittlicher Präzision voran, während Joel Ferry die Atmosphäre mit tiefen Keyboard-Texturen verdichtet. Die Stimme von Pietrangelo wirkt fast geisterhaft, unterstützt durch gelegentliche Hintergrundvocals, die den Eindruck eines Chors erzeugen. Es ist einer der Tracks, der am stärksten die symphonischen Ambitionen der Band zeigt.

Titeltrack als emotionale Mitte

Der Titeltrack »Home« fungiert als emotionales Herzstück des Albums. Hier stehen Melodie und Atmosphäre klar im Vordergrund, die Black-Metal-Elemente treten teils in den Hintergrund. Die Lyrics reflektieren innere Konflikte und das Gefühl von Verlorenheit, was durch die Kombination von Piano, Gitarre und synthetischen Orchesterflächen intensiv vermittelt wird. Die Songstruktur erlaubt es, sich in der Musik zu verlieren, ohne dass Langeweile aufkommt.

Düstere Kontinuität

Die beiden Songs »They Wither…« und »Until They Are Dust« knüpfen nahtlos an die vorherige Stimmung an. Schnelle Passagen wechseln mit epischen Breaks, wobei die Band das Gleichgewicht zwischen Härte und Harmonie wahrt. Besonders die Gitarrenarbeit fällt auf, die sowohl aggressiv als desgleichen melodisch überzeugen kann. VESSELES schafft es hier, eine konstante Spannung aufzubauen, ohne dass die Stücke überladen wirken.

Komplexität trifft Epik

Dieser Track fällt durch seine Länge und Komplexität auf. Mehrere Themen werden miteinander verwoben, und die symphonischen Elemente entfalten ihre ganze Wirkung. Die Mischung aus Blastbeats, melodischen Gitarrenlinien und Keyboard-Arrangements zeigt, dass VESSELES nicht nur Atmosphäre, sondern daneben handwerkliche Präzision beherrscht. Ein Highlight für Fans, die detaillierte Kompositionen schätzen.

Intensität und Experimentierfreude

»Perpetual Chasm of Black Mirrors« zeigt die experimentelle Seite der Band. Unkonventionelle Songstrukturen und ein Wechselspiel zwischen aggressiven und approximativ balladesken Passagen machen den Song abwechslungsreich. Pietrangelos Gesang trägt stark zur dramatischen Wirkung bei, während die Instrumentierung eine düstere, annähernd filmische Bildsprache erzeugt.

Abschluss mit Nachklang

Der Abschlusstrack »This Is Not Home« fasst die Stärken des Albums noch einmal zusammen: epische Symphonik, treibende Riffs und emotionale Gesangslinien. Der Song wirkt wie ein Rückblick, der die zentralen Themen des Albums – Verlust, innere Kämpfe, düstere Reflexionen abermals aufgreift.

Das Album endet damit auf einer nachdenklichen Note, ohne seine Energie zu verlieren.

»Home« ist ein starkes, atmosphärisches Album, das die Vielschichtigkeit von VESSELES unter Beweis stellt. Die Kombination aus symphonischen Arrangements und klassischem Black Metal erzeugt intensive Klangwelten, die besonders in den mittleren Tracks ihre volle Wirkung entfalten. Allerdings gibt es Momente, in denen die Songs etwas zu lang geraten oder die Arrangements zu dicht wirken, was die Aufmerksamkeit strapaziert. Insgesamt liefert die Band ein solides Werk ab, das sowohl Fans von symphonischem Black Metal als auch Neueinsteiger ansprechen kann. Mit 3,5 von 5 Punkten bewegt sich »Home« im soliden Mittelfeld: kein Meisterwerk, aber ein hörenswertes Album mit vielen intensiven Momenten.

Fazit: »Home« von VESSELES ist ein atmosphärisches, kraftvolles Album mit starker emotionaler Tiefe – das Potenzial für weitere Entwicklungen ist vorhanden.

Internet

VESSELES - Home - CD Review

ORACULUM – Hybris Divina

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cover artwork ORACULUM Hybris Divina
cover artwork ORACULUM Hybris Divina

Band: ORACULUM 🇨🇱
Titel: Hybris Divina
Label: Invictus Productions
VÖ: 09/01/26
Genre: Death Metal

Tracklist

01. A Monument to Fallen Virtues
02. The Great One
03. Mendacious Heroism
04. Carnage
05. Dolos
06. The Heritage of Our Brotherhood
07. Spiritual Virility
08. Posthumous Exultation

Besetzung

Scourge of God – Guitars, Vocals
Gaius Coronatus – Guitars
Magnified Wrath – Bass
Conqueror of Fear – Drums

Bewertung:

2,5/5

Die chilenischen Death Metal Veteranen ORACULUM präsentieren endlich ihr Debütalbum. Nach einer fünfzehn Jahre langen Karriere, ein paar EPs und anderen kurzen Werken ist das lange erwartete Debütalbum hier. „Hybris Divina“ ist ein LP, das das technische Können der Bandmitglieder zeigt, aber die Musik ist langsam und atmosphärisch, nicht der dynamische Death Metal, den man erwartet.

Zu viele atmosphärische Passagen, zu wenig Death Metal

Das Album startet mit klarer Doom-Metal-Stimmung, sehr langsame Akkorde und eine zermalmende Atmosphäre. Aber „A Monument to Fallen Virtues“ ist nur ein kurzes Intro, und der Song schafft es, die Atmosphäre zu kreieren, die vom nächsten Song „The Great One“ aufgegriffen wird. Diesmal kommen entschiedenere Riffs und ein besserer Rhythmus, um eine überzeugendere Seite der Band zu zeigen. Verzweifelte Schreie und Growls, verhallt, dramatisch. Die Instrumentierung ist ziemlich minimal, die Songstruktur auch, aber trotzdem ist die Musik gut, erdrückend und überzeugend. Aber eine zu lange melodische und atmosphärische Passage nimmt den Fokus zu lange vom erwarteten Death Metal Sound weg – zu viel Atmosphäre, bevor der aggressive Sound zurückkehrt.

Eine sehr rohe Produktion und matschiger Sound helfen der Musik von ORACULUM nicht wirklich, in ihrer echten Qualität geschätzt zu werden. Die atmosphärischen Teile funktionieren besser als die dynamischen, der Sound ist klarer, die Lead-Gitarre kommt über die ganze Instrumentierung viel besser auf diesen Passagen. Ansonsten sind die Rhythmussektion und die Rhythmusgitarre dumpf im Sound, zu weit hinten. Unbalanciertes Mixing für das Album, und das ist schlecht, weil die Musik gewisse Qualitäten hat, die nicht an die Oberfläche kommen können. Für das Genre zu viel Fokus auf Lead-Gitarre, und auch Vocals sind zu sehr im Vordergrund, aber das funktioniert gut. Alle anderen Probleme sind hauptsächlich wegen unentschiedener Richtung und Songwriting, aber das Resultat ist unklar und unfokussiert.

Das Album setzt sich im selben Stil und mit dem dumpfen Sound fort. „Mendacious Heroism“ bringt etwas mehr Uptempo-Musik, mit weit entferntem, aber wichtigem Drumming, fast nur erahnte Riffs und sogar ein bisschen Bass. Trotz der schlechten Produktion hat der Song eine komplizierte Komposition, und in offeneren Passagen klingt die Musik gut. Wieder unterbricht eine ambiente Passage den guten Flow, und wieder zu viel Fokus auf einem Gitarrensolo, das den Gesamtsong nicht unterstützt.

Chilenische Underground-Größen ohne Energie

ORACULUM kommen aus Rancagua, O’Higgins, südlich der Hauptstadt Santiago. Sie wurden 2011 gegründet und sind eine der verehrtesten Bands im chilenischen Underground. Gründungsmitglieder Conqueror of FearDrums und Scourge of GodGitarren und Vocals, wurden später von Gaius CoronatusGitarren und Magnified WrathBass ergänzt. Der Letztere hat, auch wenn als Mitglied der Band genannt und zum Album beitragend, die Band inzwischen verlassen.

Der nächste Song „Carnage“ kehrt zu erdrückendem und aggressivem Sound zurück, Vocals sind verzweifelter als je zuvor, aber kurz danach übernehmen Doom-lastigerer Sound und Rhythmus die Kontrolle über den Song. Nicht der originellste Song, und außer bei den Vocals nichts besonders Interessantes hier – nicht einmal die zu spät im Song kommenden guten Riffs können den mittelmäßigen Eindruck retten. Immer noch mit Doom-Einflüssen und sehr langsam kommt „Dolos„. Nach einer langen Eröffnungspassage, mehr eine atmosphärische, die für mehr als die Hälfte des Songs gestreckt wird, mit nur spärlichen Akkorden, aber mit dämonischen, infernalischen Vocals – wenn einige energetische Riffs in den Song kommen, können sie den Eindruck eines langsamen und nicht wirklich Death Metal Songs nicht ändern.

Das Hörerlebnis ist mehr ein Warten darauf, dass etwas passiert. Die Spannung ist da, der ganze Sound tendiert in eine gute Richtung, aber nichts passiert wirklich. Und dieses Gefühl wird unterstrichen durch „The Heritage of Our Brotherhood„, ein weiteres Interlude, ein kurzer Song, der die Erkundung von langsamem, Doom-lastigerem Sound fortsetzt. Schon zu viele gesprochene Passagen, ein weiterer enttäuschender Song.

Triumphale Sounds eröffnen „Spiritual Virility„, und eine Serie von Riffs bringt etwas Hoffnung für einen besseren Moment. Das Tempo ist hoch, die Instrumentierung dicht und massiv, Gitarren spielen gnadenlos schnelle und bestrafende Riffs. Auch in langsameren Momenten ist der Rhythmus gut, getragen, sehr verzerrt im Sound, aber die gute Art von Verzerrung, surrend und abrasiv. Es gibt eine Tendenz zum Verlangsamen, aber endlich liefert die Lead-Gitarre ein aggressives Solo – der ganze Song fühlt sich wie ein Death Metal an, sie zeigen, dass es möglich ist. Nicht die Katharsis, die man erwartet, aber ein Song, der im Gesamtkontext als Höhepunkt betrachtet werden kann.

Das finale Stück des Albums „Posthumous Exultation“ kehrt zu Doom-lastigerem Sound zurück, mit langsamen heruntergestimmten Gitarren und verzweifeltem Schreien. Simpel in der Struktur, repetitiv, langsam, geladen mit Atmosphäre – wieder kommt ein hohes Tempo zu spät im Song und fühlt sich mehr wie eine Ausnahme als die Regel an. Nicht überzeugender Abschluss eines nicht überzeugenden Albums.

Unentschiedene Richtung und leere Pfade

Zu schade, dass die Band ein Rezept mit atmosphärischen Passagen für alle Songs anwendet – zu lang und ohne viel musikalische Substanz. Für die meisten Teile bauen sie gute Energie mit schneller und entschiedener Instrumentierung auf und zerstören sie dann mit melodischen und ambienten Passagen. Die Doom Metal Momente sind zu prominent, und das sollte klar in der Stilbeschreibung der Band sein, die eher als Doom/Death Metal betrachtet werden kann.

Das Songwriting ist das Hauptproblem der Band. Es fühlt sich an, als könnten sie sich nicht entscheiden, voll in Death Metal zu gehen, und auf dem Album ist der Sound ein permanentes Verharren im Limbo und erreicht nie einen Höhepunkt, eine Schlussfolgerung. Fühlt sich an wie eine Band ohne Energie, aber auch wie eine, die es schaffen könnte – die technischen Fähigkeiten sind da, aber alles löst sich auf in inkohärenter Musik, leere Pfade, die nirgendwohin führen.

Fazit: Das Debütalbum „Hybris Divina“ der Veteranen ORACULUM kommt mit inkohärenter Art von Death Metal, wo langsame und ambiente Passagen den Sound dominieren.

Internet

ORACULUM - Hybris Divina

VISERION – Fire and Blood

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VISERION - Fire and Blood album cover
VISERION - Fire and Blood album cover

Band: VISERION 🇺🇸
Titel: Fire and Blood
Label: Selfrelease
VÖ: 16/01/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Fire and Blood
02. Mad King
03. Reign of Fire
04. Blackfyre
05. Harrenhal

 

Besetzung

Benedetto Marvilli – Guitar/Vocals
Matthew Marvilli – Drums
Cris Valentine – Guitar
Tasso Diakov – Bass

 

Bewertung:

3,5/5

VISERION ist ein US-Black-Metal-Quartett mit klarer Arbeitsteilung und familiärer Achse. Benedetto Marvilli übernimmt Gitarre und Gesang, sein Bruder Matthew Marvilli sitzt am Schlagzeug. Ergänzt wird die Formation durch Cris Valentine an der zweiten Gitarre und Tasso Diakov am Bass. Gemeinsam widmen sie sich einem Black-Metal, der episch denkt, im Gegensatz hierzu handwerklich bodenständig bleibt. »Fire and Blood« ist ihr aktueller Langspieler und setzt thematisch auf Macht, Verfall und brennende Reiche.

VISERION setzen auf eine kraftvolle Mischung aus rohem Riffing, atmosphärischen Passagen und gutturalem Gesang. Die Gitarrenarbeit ist sowohl thrashig wie darüber hinaus mit bekannten Black-Metal Affinitäten. Begleitet von dröhnenden Drums, die das Gefühl von Krieg und Chaos vermitteln.

Zwischen Flammen und Geschichte

Schon der Titel lässt keinen Zweifel an der Ausrichtung. »Fire and Blood« greift Motive von Herrschaft, Wahnsinn und Zerstörung auf und verpackt sie in eine Klangwelt, die zwischen melodischer Weite und roher Aggression pendelt. VISERION suchen nicht den schnellen Effekt, sondern bauen ihre Stücke schichtweise auf. Riffs werden wiederholt, variiert und verdichtet, bis sie ihre Wirkung entfalten. Das sorgt für einen durchgehenden Sog, verlangt aber auch Aufmerksamkeit.

Produktionstechnisch bewegt sich das Album auf solidem Niveau. Die Gitarren sind präsent, ohne alles zu überdecken. Der Bass ist hörbar und gibt den Songs Tiefe, während das Schlagzeug druckvoll, im Kontrast hierzu nicht überladen wirkt. Der Gesang bleibt klassisch im Black-Metal-Spektrum, rau und distanziert, eher Teil des Gesamtbilds als dominanter Erzähler.

Zwischen Raserei und Ritual

Der Opener »Fire and Blood« fungiert als programmatische Ansage. Ein getragenes Intro öffnet den Raum, bevor das Stück Fahrt aufnimmt. Die Riffs sind eingängig, fast hymnisch, und zeigen früh, wohin die Reise geht. VISERION setzen auf klare Motive statt auf technische Spielereien. Der Song wirkt dadurch geschlossen und eignet sich gut als Einstieg in das Album.

Mit »Mad King« wird das Tempo leicht angezogen. Das Schlagzeug arbeitet hier mit mehr Akzenten, während die Gitarren eine düsterere Stimmung erzeugen. Der Song lebt von seinem Wechsel zwischen kontrollierter Raserei und ruhigeren Passagen. Inhaltlich passt der Titel zur Musik. Wahnsinn wird nicht als Chaos dargestellt, sondern als kalte Konsequenz von Macht.

Gitarrenarbeit und Rhythmussektion

»Reign of Fire« ist eines der kompakteren Stücke der Platte. Hier zeigt sich die Stärke der Band im Songwriting. Klare Struktur, prägnante Riffs, kein überflüssiger Ballast. Besonders das Zusammenspiel der beiden Gitarren fällt positiv auf. Sie ergänzen sich, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen. Der Song bleibt hängen, ohne sich aufzudrängen.

Mit »Blackfyre« schlagen VISERION eine epischere Richtung ein. Längere Spannungsbögen, mehr Raum für Atmosphäre. Das Tempo wird bewusst gedrosselt, wodurch Details stärker zur Geltung kommen. Der Bass von Tasso Diakov tritt hier deutlicher hervor und verleiht dem Stück Gewicht. »Blackfyre« wirkt wie das Herzstück des Albums und zeigt, wie gut die Band mit Dynamik umgehen kann.

Der Abschluss »Harrenhal« setzt auf Melancholie und Nachhall. Die Flammen sind hier bereits niedergebrannt, übrig bleibt eine karge Landschaft aus Klang. Der Song baut langsam auf und endet nicht mit einem Knall, sondern mit einem Gefühl von Leere. Ein passender Schlusspunkt, der das Album abrundet und Raum für Nachdenken lässt.

Stärken und Schwächen

»Fire and Blood« punktet mit konsequenter Stimmung und sauberem Zusammenspiel. VISERION wissen, was sie wollen, und ziehen ihre Linie durch. Nicht jeder Song überrascht, manche Strukturen ähneln sich. Das kann als stilistische Geschlossenheit gelesen werden, sorgt allerdings stellenweise für Längen. Wer Abwechslung im Sinne ständiger Brüche sucht, wird hier weniger fündig. Wer andererseits Wert auf Atmosphäre und kohärentes Songwriting legt, dürfte Gefallen finden.

VISERION liefern mit »Fire and Blood« ein solides Black-Metal-Album ab, das auf Details und Stimmung setzt statt auf Extreme. Die Band wirkt eingespielt, das Material durchdacht. Es ist kein Werk, das das Genre neu definiert, hingegen eines, das mit handwerklicher Qualität überzeugt und mehrfaches Hören belohnt.

Fazit: »Fire and Blood« von VISERION ist ein solides Black-Metal-Album, das seine Stärken vor allem in Atmosphäre, Konsequenz und klassischem Songwriting hat.

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VISERION - Fire and Blood - CD Review

VOIDHÄMMER – Noxious Emissions

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cover artwork VOIDHÄMMER Noxious Emissions
cover artwork VOIDHÄMMER Noxious Emissions

Band: VOIDHÄMMER 🇺🇸
Titel: Noxious Emissions (EP)
Label: Caligari Records
VÖ: 09/01/26
Genre: Death Metal/Crust 

Tracklist

01. Rotting in Excrement
02. Cadaveric Bloat
03. Phosphorized
04. Coffin Leakage

Besetzung

Mike Royal – Guitars, Vocals
Shane Bogdon – Drums
Roger Herrera – Bass, Vocals

Bewertung:

2,5/5

Eine neue Band aus Kalifornien präsentiert sich mit einem kurzen und verdichteten Werk. VOIDHÄMMER bringen die „Noxious Emissions“ EP mit Musik voller Leidenschaft, aber auch schwer und aggressiv. Sie charakterisieren sich selbst als „Pulverizing Death Metal/Crust from Long Beach“ – das Album verspricht komplexe und intensive Musik zu zeigen.

Beeindruckender Sonic Assault als Opener

Sehr tiefer Ton und heruntergestimmt – surrende Gitarren begrüßen den Hörer in der neuen EP. „Rotting in Excrement“ startet sehr aggressiv und dissonant, mit wechselnden Tempos, die einen schnellen Rhythmus bringen, gefolgt von zermalmenderen und langsameren. Technical Death Metal mit massiven Einflüssen aus anderen aggressiven Stilen, und das Resultat ist eine bestrafende, erdrückende Musik, dynamisch und auch voll von Wut und Zorn. Sehr tiefe Growls kombinieren sehr gut mit dem Gitarren-Ton, Drums vervollständigen den Sound mit massiven, hämmernden und konstanten Schlägen, die den Rhythmus halten. Ein beeindruckender Sonic Assault, ein guter Opener-Song.

VOIDHÄMMER sind eine neue Band aus Los Angeles mit Mitgliedern anderer Death Metal Bands aus dem lokalen Underground. Das Trio besteht aus Mike Royal (Swampbeast, Karst) an Gitarren und Vocals, Shane Bogdon (Karst) hinter den Drums und Roger Herrera (Karst) für Bass und Vocals. Sie bringen ihre vergangene Erfahrung in den neuen Act und versuchen mit ihren kompositorischen und spielerischen Fähigkeiten zu beeindrucken.

Ein viel Uptempo-Rhythmus kommt im nächsten Song „Cadaveric Bloat„, viel technischere Gitarrenakkorde – ein Song, der insgesamt einen anderen Grad an Können zeigt als der Opener. Die Komposition ist auch viel komplexer. Von simplen Akkorden zu einem Dialog zwischen Gitarren, auch die unvermeidlichen Tempowechsel vertiefen die Kluft zwischen den zwei Phasen von VOIDHÄMMER-Musik: der schnellen und aggressiven und der langsamen und zermalmenden. Aber der Sound und die Musik bleiben insgesamt gut, auch ein beeindruckendes Stück.

Rohe Produktion mit unbalanciertem Mix

Die Produktion ist ziemlich roh, aber dient dem musikalischen Stil recht gut. Vocals sind ein bisschen zu viel im Hintergrund, Drums sind im Gegenzug manchmal zu viel im Vordergrund – das Ganze ist nicht sehr gut ausbalanciert. Massiver Sound insgesamt, sehr dicht und mit einer klaren Aura von Old-School Death Metal, respektive Doom Metal oder Crust. Bewusst nicht sehr poliert, bleibt der Sound ein typischer für das Genre. Die Art, wie sie die meisten Songs mit einer dissonanten Note beenden, die unbegrenzt oder zumindest viel zu lange ausgedehnt wird, ist mehr eine kindische Attitüde als eine seriöser Musiker würdige.

Der nächste Track gewinnt das Momentum zurück und startet wieder sehr schnell. „Phosphorized“ bringt gnadenlose Drums und infernalische Vocals. Stilistisch ist Crust das Genre, das den Song besser definiert, aber viele andere Stile sind im Stück zusammengeführt. Aber wieder verwässert der Rhythmus, und die Doom-lastigere Seite der Band setzt ein in einer wütenden Alternation der zwei Genres. Höllische Vocals, massive Gitarren, ein sehr dichter Sound, aber langsam wird die endlose Alternation der Tempos ermüdend und zeigt einen Mangel an kohärenter Vision. Es scheint, als könnten sie einer guten musikalischen Idee in einem Genre nicht folgen, ohne sie sofort zu wechseln. Aber ein Song mit guten Momenten, auch wenn disparat.

Der letzte Song „Coffin Leakage“ setzt die bereits etablierte Richtung fort und kombiniert verschiedene Geschwindigkeiten für verschiedene Passagen, wechselt gute und sehr inspirierte Momente mit nur Übergangs-Momenten ab. Die Riffs beeindrucken weiterhin, surrende Gitarren halten konstant einen massiven Sound, und die Drums beenden den Song in einer Explosion schneller und sehr entschiedener Blast Beats. Ein zu plötzliches Ende lässt den Hörer irgendwie unzufrieden, und das Gefühl ist, dass der Band einfach die Energie ausging und sie entschieden, unerwartet aufzuhören, die Musik zu spielen. Enttäuschendes Ende.

Unreife musikalische Vision trotz Potential

Das Album von VOIDHÄMMER bietet eine Mischung aus faszinierenden Momenten und solchen, die die Unreife der Band offenbaren. Elemente von Crust, Death Metal und Grindcore kombinierend zielen sie darauf ab, Musik zu kreieren, die an Coffins oder Morbid Angel erinnert. Während sie noch weit von ihren Idolen entfernt sind, besitzt VOIDHÄMMER gewisse Qualitäten. Mit besser durchdachter und sorgfältigerer Komposition könnten sie ihr Ziel erreichen.

Wenn sie ein Uptempo-Rhythmus beibehalten, ist die Musik, die sie machen, sehr beeindruckend – technisch, gut strukturiert und bringt unvergessliche Momente. In der alternativen Phase, der Doom-lastigeren, fühlt es sich mehr wie Passagen an, wo die Band eine Pause nach den Uptempo-Momenten braucht – nicht überzeugend und ohne viel musikalische Substanz. Und all diese Wechsel passieren viele Male während eines Songs, das finale Resultat ist inkohärent und zusammenhanglos.

Fazit: Das Debüt „Noxious Emissions“ von VOIDHÄMMER präsentiert eine Band mit Potential zum Wachsen, aber musikalisch zeigt die EP eine noch nicht reife Vision.

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VOIDHÄMMER - Noxious Emissions

CRYPTOPSY kehren mit „All So Vile EUROPE 2026“ nach Wien zurück

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CRYPTOPSY tour 2026

CRYPTOPSY, 200 Stab Wounds, Inferi, Corpse Pile
All So Vile European Tour 2026” – ((szene)) Wien, 4. Februar 2026

Mit einem Line-Up, das technisch versierten Death-Metal auf ganz unterschiedliche, aber stets stringente Weise präsentiert, kommt die „All So Vile European Tour 2026“ nach Wien. TON-Music Productions bringt an diesem Abend vier Bands auf die Bühne, die jeweils ihren spezifischen Beitrag zur aktuellen extremen Metalszene leisten: Corpse Pile, Inferi, 200 Stab Wounds und natürlich die Headliner CRYPTOPSY. Das Ganze steht im Zeichen des 30-jährigen Jubiläums eines der einflussreichsten Death-Metal-Alben aller Zeiten – None So Vile – und verspricht einen Abend unerbittlicher Brutalität und technischer Klasse. 

Corpse Pile

Den Auftakt des Abends bestreitet Corpse Pile, eine Band, die sich in den letzten Jahren in der Brutal-Death-Szene einen Namen gemacht hat. Bekannt für ihren rohen, unbarmherzigen Sound und eine unmittelbare, fast archaische Energie, liefern sie mit ihrem Material einen aggressiven Einstieg in den Konzertabend. Songs wie „Genesis of Suffering“ oder “Fuck Your Life” zeigen eindrucksvoll ihre Vorliebe für rhythmische Zerstörung und unnachgiebige Intensität, die in der Livesituation besonders gut zur Geltung kommen. 

Corpse Pile bewegen sich stilistisch im Grenzgebiet zwischen Death Metal und Grindcore, wobei die rohe Härte und die dichte, konstante Energie ihres Spiels schnell einen intensiven Grundton setzen. Für viele Fans gilt gerade ihre Live-Darbietung als willkommenes Kontrastprogramm zum durchkomponierten technischen Death Metal der Headliner – rohe Gewalt als idealer Vorbote für die kommenden Acts.

Inferi

Als nächstes betritt Inferi die Bühne. Die amerikanische Formation hat sich mit ihrem melodisch ausgefeilten, technisch anspruchsvollen Death Metal einen festen Platz in der Szene erarbeitet. Charakteristisch für Inferi ist die Kombination aus präziser Spieltechnik, komplexen Arrangements und melodischen Lead-Elementen, die der oft schweren und dichten Grundstimmung eine gewisse kontemplative Tiefe verleihen. 

Im Live-Setting sollten gerade diese Wechsel zwischen technischer Finesse und melodischer Klarheit besonders zur Geltung kommen. Inferi gelingt es immer wieder, harte Death-Markierungen mit einem fast symphonischen Gefühl für Höhepunkt- und Spannungsbögen zu verbinden. Gerade für Zuhörer, die fortgeschrittene Kompositionen und strukturierte Dynamik schätzen, stellen sie einen starken und zugleich zugänglichen Teil des Abends dar.

200 Stab Wounds

Mit 200 Stab Wounds folgt ein weiterer Act, der in der Death-Metal-Szene einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Band hat sich durch ihre brutalen, jedoch technisch versierten Songs schnell einen Platz in der internationalen Underground-Community erkämpft – klar fokussiert auf knallharte Riffs, druckvolle Rhythmen und eine aggressive Gesamtperformance. 

Live dürfte 200 Stab Wounds für einen der härtesten Momente des Abends sorgen. Ihre Musik verzichtet auf unnötige Schnörkel und konzentriert sich stattdessen auf unmittelbare Zerstörungskraft und maximale Intensität. Gerade in Kombination mit den anderen Bands des Abends zeigt sich hier die ganze Bandbreite aktueller Death-Metal-Interpretation – von strukturiert brutal bis hin zu technisch aufwändig und effizient.

CRYPTOPSY

Den Abschluss des Abends bestreiten mit CRYPTOPSY wahre Veteranen und Pioniere des technischen Death Metal. Die Kanadier aus Montreal gehören seit den frühen 1990er-Jahren zu den einflussreichsten Vertretern der extremen Szene und haben mit einer Reihe von Alben Maßstäbe gesetzt. Besonders das 1996 erschienene None So Vile gilt heute als Meilenstein des Genres, dessen Einfluss auf zahllose nachfolgende Bands kaum zu überschätzen ist. None So Vilezeichnet sich durch unerbittliche Geschwindigkeit, komplexe Riff-arbeit, extreme Tempowechsel und eine rohen dahinterliegenden Aggression aus, die von Kritikern und Fans gleichermaßen als prägend beschrieben wurde. 

An diesem Abend werden CRYPTOPSY diesen historischen Rahmen nicht nur würdigen, sondern ihn auch lebendig machen: Die Band hat angekündigt, zahlreiche Songs von None So Vile in ihr Set aufzunehmen. Für viele Fans dürfte dies ein Höhepunkt des Konzerts werden – nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern weil diese Stücke bis heute zu den radikalsten und technisch faszinierendsten gehören, die der Death Metal je hervorgebracht hat. 

Darüber hinaus wird das aktuelle Album An Insatiable Violence im Fokus stehen, das 2025 erschienen ist und erneut die Fähigkeit der Band unterstreicht, monströse technische Fähigkeiten mit roher Gewalt und kontrollierter Chaos-Ästhetik zu verbinden. Tracks wie „Dead Eyes Replete“ oder „Our Great Deception“ zeigen eine Band, die trotz Jahrzehnten im Geschäft nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren hat, sondern ihre Wurzeln mit zeitgenössischer Aggression zusammenführt. 

CRYPTOPSY lebt von dieser Spannung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Während None So Vile die Referenz ist, die vielen Fans den Einstieg in die extreme Szene eröffnet hat, beweist An Insatiable Violence, dass die Band auch heute noch relevant, hungrig und technisch auf allerhöchstem Niveau agiert. Mit dieser Mischung erwartet die Szene in Wien ein denkwürdiger Abend extremen Metals.

Der Ticketvorverkauf ist bereits gestartet; angesichts des Line-ups empfiehlt sich eine frühzeitige Sicherung der Karten.

CRYPTOPSY tour 2026

Cryptopsy – All So Vile Europe Tour 2026

15/01/2026 Hannover
16/01/2026 Dortmund
17/01/2026 Antwerpen
18/01/2026 Southampton
19/01/2026 Bristol
20/01/2026 Glasgow
21/01/2026 Nottingham
22/01/2026 Manchester
23/01/2026 Plymouth
24/01/2026 London
25/01/2026 Nijmegen
26/01/2026 Hamburg
28/01/2026 Stockholm
29/01/2026 Oslo
30/01/2026 Copenhagen
31/01/2026 Leipzig
01/02/2026 Berlin
02/02/2026 Warsaw
03/02/2026 Prague
04/02/2026 Wien
05/02/2026 Budapest
06/02/2026 München
07/02/2026 Milano
08/02/2026 Aarau
09/02/2026 Villeurbanne
10/02/2026 Barcelona
11/02/2026 Madrid
12/02/2026 Portugalete (Bizkaia)
13/02/2026 Toulouse
14/02/2026 Nantes
15/02/2026 Paris

Quellenangabe: TON-Music Productions, Bands