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PAINKILLER – Shadow Rising

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PAINKILLER - Shadow Rising - album artwork
PAINKILLER - Shadow Rising - album artwork

Band: PAINKILLER 🇨🇭
Titel: Shadow Rising
Label: Power Blast Records
VÖ: 08/05/26
Genre: Heavy/Thrash Metal

Tracklist

01. Braind Dead
02. Hard To Kill
03. Dead Kings
04. Mysteries Of Faith
05. Shadow Rising
06. The Undertaker
07. Blood For The Cross
08. Prophet Of Lies
09. No Future
10. Dawn Of The Undead

 

Besetzung

Andre „Hagen“ Waldvogel – Bass
Nici Gwerder – Drums
Beni Lüönd – Guitars
Philipp „Giacco“ Marty – Vocals

 

Bewertung:

4/5

PAINKILLER aus der Zentralschweiz stehen für kompromisslosen Heavy- und Thrash-Metal mit klarer Kante. Die Band setzt sich zusammen aus Andre „Hagen“ Waldvogel am Bass, Nici Gwerder an den Drums, Beni Lüönd an den Gitarren und Philipp „Giacco“ Marty am Mikrofon. Seit Jahren arbeiten sie sich mit ehrlichem Sound und viel Energie durch die Szene. Mit ihrem neuen Album »Shadow Rising« liefern sie jetzt ein Werk ab, das genau dort ansetzt, wo viele Bands längst weichgespült klingen.

Ein Sound ohne Sicherheitsnetz

»Shadow Rising« ist kein Album, das sich anbiedert. Vom ersten Ton an regiert Druck. Die Gitarren sind scharf, die Rhythmussektion treibt gnadenlos nach vorne, und der Gesang bleibt roh und direkt. Hier wird nichts glattgebügelt. Stattdessen setzen PAINKILLER auf eine Mischung aus klassischen Thrash-Elementen und schweren Heavy-Riffs, die sofort zünden.

Die Produktion bleibt angenehm unpoliert. Alles wirkt bewusst kantig gehalten, was den Songs zusätzliche Wucht gibt. Gerade in einer Zeit, in der viele Releases klinisch sauber klingen, wirkt dieses Album fast schon trotzig. Und genau das macht seinen Reiz aus.

Themen mit Gewicht

Inhaltlich bewegt sich die Platte in dunklen Gefilden. Es geht um Manipulation, falsche Propheten und den schleichenden Zerfall von Ordnung. Dazu kommen persönliche Konflikte und eine Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. Diese Themen sind nicht neu, aber PAINKILLER verpacken sie mit einer Direktheit, die hängen bleibt.

Philipp „Giacco“ Marty schafft es, die Inhalte glaubwürdig zu transportieren. Seine Stimme schwankt zwischen aggressivem Druck und kontrollierter Wut. Dabei bleibt er verständlich und verliert sich nicht in bloßem Geschrei.

Tracks im Fokus

Schon der Opener »Braind Dead« macht klar, wohin die Reise geht. Schnelles Tempo, bissige Riffs und ein Refrain, der sofort greift. »Hard To Kill« legt noch eine Schippe drauf und überzeugt mit einem starken Groove, der sich festsetzt.

»Dead Kings« und »Mysteries Of Faith« gehören zu den inhaltlich dichtesten Stücken des Albums. Hier zeigt die Band, dass sie nicht nur auf Geschwindigkeit setzt, sondern auch Atmosphäre aufbauen kann. Gerade »Mysteries Of Faith« lebt von seiner düsteren Spannung.

Der Titeltrack »Shadow Rising« bildet das Zentrum der Platte. Schwer, bedrohlich und mit einem Refrain, der lange nachhallt. Hier verdichtet sich das, was das Album ausmacht, Druck, Melodie und eine klare Aussage.

Mit »The Undertaker« und »Blood For The Cross« wird es noch einmal besonders finster. Die Songs wirken fast schon apokalyptisch und setzen auf massive Riffwände. »Prophet Of Lies« bringt das Thema Manipulation auf den Punkt und bleibt musikalisch angenehm variabel.

»No Future« fällt durch seine Direktheit auf. Kurz, schnell und ohne Umwege. Genau so, wie Thrash klingen soll. Der Abschluss »Dawn Of The Undead« rundet das Album stimmig ab. Ein Song, der nicht einfach ausklingt, sondern bewusst ein düsteres Gefühl stehen lässt.

Oldschool mit Haltung

Was »Shadow Rising« besonders macht, ist die Konsequenz und Aussagekraft. PAINKILLER versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen, stattdessen setzen sie auf das, was sie ausmacht, ehrlichen Metal mit Ecken und Kanten.

Die Oldschool-Wurzeln sind deutlich hörbar, aber die Band wirkt dabei nicht angestaubt. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass hier Musiker am Werk sind, die genau wissen, was sie tun. Die Songs sind klar strukturiert, verlieren aber nie ihre Energie.

»Shadow Rising« ist ein starkes Album, das keine Kompromisse eingeht. Harte Riffs, rohe Power und eingängige Melodien greifen sauber ineinander. Die düstere Grundstimmung zieht sich konsequent durch alle Tracks und verleiht der Platte eine klare Identität.

Kleine Schwächen gibt es in der Abwechslung. Einige Passagen ähneln sich stärker, als es nötig wäre. Trotzdem bleibt das Gesamtbild überzeugend, weil die Intensität durchgehend hoch ist. Am Ende steht ein Album, das genau das liefert, was man sich von dieser Stilrichtung erhofft. Direkt, ehrlich und mit genug Substanz, um auch nach mehreren Durchläufen interessant zu bleiben.

Fazit: »Shadow Rising« von PAINKILLER ist ein Album, das Fans des Genres nicht verpassen sollten.

Internet

PAINKILLER - Shadow Rising - CD Review

Cage Fight – Exuvia

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Cage Fight - Exuvia - cover artwork
Cage Fight - Exuvia - cover artwork

Band: Cage Fight 🇬🇧
Titel: »Exuvia«
Label: Spinefarm
VÖ: 01.05.2026
Genre: Hardcore / Thrash Metal / Metalcore / Modern Extreme Metal

Tracklist

01. Confined
02. Oxygen
03. Pig
04. Pick Your Fighter
05. Un Bon Souvenir
06. Deathstalker
07. Le Déni
08. Exuvia
09. The Hammer Crush
10. IHYG (I Hate Your Guts)
11. Élégie

Besetzung

Rachel Aspe – Gesang
James Monteith – Gitarre
Will Horsman – Bass
Nick Plews – Schlagzeug

Bewertung:

3/5

Oh Mein Gott Wie Geil ist das denn! Dies muss man einfach bei »Exuvia« dem neuen Album von Cage Fight ausstoßen. Ein Werk das vom ersten Moment an klarmacht: Hier wird nicht einfach nur geprügelt, hier wird gehäutet, verwandelt und mit voller Wucht neu geboren. Der Titel passt wie die Faust aufs Auge, denn »Exuvia« steht für das Abstreifen einer alten Haut – und genau so klingt diese Platte. Cage Fight behalten ihren rohen Hardcore-Kern, erweitern ihn aber um mehr Atmosphäre, mehr Melodie, mehr Dynamik und eine kompositorische Reife, die das Album deutlich größer wirken lässt als den Vorgänger.

(Hört in dieser Playlist die Songs und schaut die Clips)

Epischer female fronted Metalcore bzw. Extreme Metal

 

Direkt mit dem Opener »Confined« wird der Hörer in eine beklemmende Welt hineingesogen. Das Stück wirkt wie ein dunkler Vorraum, in dem sich Druck, innere Enge und eine unterschwellige Bedrohung aufbauen, bevor »Oxygen« endgültig zur Sache kommt. Inhaltlich kreist der Song um Überforderung, Atemnot im übertragenen Sinn und das Gefühl, im eigenen Kopf festzusitzen. Musikalisch übersetzen Cage Fight diese mentale Beklemmung in pure körperliche Gewalt: massive Riffs aus Bass und Gitarren, erbarmungslos treibende Drums und ein Groove, der nicht anklopft, sondern direkt mit dem Kopf durch die Wand geht.

RACHEL ASPE: Die unglaubliche Frontfrau im Fokus

Rachel Aspe ist dabei schlicht eine Naturgewalt. Sie growlt, faucht, keift, brüllt und zerreißt die Songs mit einer Intensität, bei der man wirklich zweimal hinhören muss. Rachel zeigt der männlichen Konkurrenz hier ganz klar, wie es geht, und man kann gar nicht glauben, dass es eine Frau ist, die da singt – nicht, weil Frauen das nicht könnten, sondern weil diese Stimme so abartig wuchtig, tief und kompromisslos klingt, dass sie sämtliche Erwartungshaltungen pulverisiert. Gleichzeitig ist gerade ihre Bandbreite der große Trumpf: In den melodischeren Momenten, etwa bei »Un Bon Souvenir«, im Titeltrack »Exuvia« oder später in »Élégie«, beweist sie, dass sie nicht nur zerstören, sondern auch tragen, formen und emotional öffnen kann.

WUT, EKEL UND REINE ENERGIE

»Pig« ist einer der widerlichsten und zugleich effektivsten Wutbrocken der Platte. Textlich richtet sich der Song gegen Männer, die Frauen online belästigen, bedrängen und Grenzen überschreiten. Cage Fight machen daraus keinen moralischen Zeigefinger, sondern einen akustischen Vorschlaghammer. Das Stück schnaubt, trampelt und grunzt sich durch seine Laufzeit, während Rachel den Ekel in eine Performance gießt, die so scharfkantig ist, dass man sich daran schneiden könnte.

Mit »Pick Your Fighter« folgt einer der großen Abrissmomente des Albums. Der Song setzt auf Kampfgeist, Durchhaltewillen und diese Jetzt-erst-recht-Mentalität, die live garantiert jede Halle in Bewegung bringt. Dass Julien Truchan von Benighted hier zusätzlich auftaucht, ist kein netter Bonus, sondern der endgültige Wahnsinnsschalter. Seine brutale Präsenz treibt den Track noch tiefer in Death- und Grind-Gefilde, während James Monteith an der Gitarre das Ganze mit chirurgischer Präzision zusammenhält. Die Riffs sitzen nicht einfach nur hart, sie sind sauber gebaut, messerscharf produziert und grooven mit einer Selbstverständlichkeit, die sofort ins Genick fährt.

Einfach nur Stumpfe Brutalität? von wegen!

»Un Bon Souvenir« ist dann der Moment, in dem »Exuvia« endgültig zeigt, dass Cage Fight mehr sind als nur ein brutaler Hardcore-Panzer. Textlich geht es um toxische Manipulation, verletzende Erfahrungen und darum, sich nicht kleinmachen zu lassen. Die französische Note verleiht dem Stück eine zusätzliche persönliche Ebene, während die Band musikalisch zwischen Wut, Melodie und fast hymnischer Größe pendelt. Besonders stark ist, wie Rachel hier klare Gesangspassagen einbindet, ohne dass die Härte verwässert. Im Gegenteil: Die melodischen Elemente lassen die Ausbrüche danach nur noch brutaler wirken.

Eine Rhythmussektion mit satter Klangfülle:

»Deathstalker« und »The Hammer Crush« zeigen, wie wichtig Will Horsman für diese neue Phase der Band ist. Sein Bass ist nicht bloß Fundament, sondern ein eigener Druckkörper im Sound. Gemeinsam mit Nick Plews an den Drums bildet er eine Rhythmussektion, die nicht wackelt, nicht schwimmt und nicht nachgibt. »Deathstalker« schlägt direkt zu, giftig, kompakt und gefährlich, während »The Hammer Crush« seinem Titel alle Ehre macht: Das Ding hämmert, walzt und zerquetscht mit einem Groove, der zwischen Hardcore-Schlagseite und modernem Death-Metal-Druck pendelt.

Räumlichkeit und emotionale Schwere beherrschen das Ambiente

»Le Déni« sorgt als düsteres, atmosphärisches Zwischenspiel für einen notwendigen Schattenraum. Hier geht es weniger um den direkten Schlag als um Spannung, Verdrängung und das Unbehagen vor dem nächsten Ausbruch. Gerade solche Momente zeigen, wie sehr Cage Fight an ihrem Songwriting gearbeitet haben. Die Band weiß inzwischen sehr genau, wann sie alles niederreißen muss und wann ein kontrollierter Spannungsaufbau noch wirkungsvoller ist als der nächste sofortige Gewaltausbruch.

Danach öffnet der Titeltrack »Exuvia« die emotionalste Ebene des Albums. Der Song trägt eine besondere Schwere in sich und wirkt wie das Zentrum der Platte. Hier verbinden Cage Fight brachiale Härte mit fast verletzlicher Weite. Das ist nicht einfach nur laut, das hat Gewicht. Man spürt, dass hinter den Schreien echte Erfahrung, Angst, Liebe, Verlust und Überlebenswille stehen. Rachel agiert hier nicht nur als Frontfrau, sondern als emotionaler Brennpunkt, während James Monteith, Nick Plews und Will Horsman den Song mit einer enormen Geschlossenheit nach vorne treiben.

Wenn Hass zum Befreiungsschlag wird

»IHYG (I Hate Your Guts)« ist danach ein weiterer Schlag in die Magengrube. Der Song verarbeitet Hass, Abscheu und persönliche Verletzung, klingt dabei aber nie wie bloßes Gepolter. Rachel schreit hier nicht aus Pose, sondern aus Notwendigkeit. Gerade deshalb funktioniert das Stück so stark: Es kanalisiert Schmerz, Ekel und Befreiung in einen Track, der sich anfühlt wie ein endgültiger Schnitt mit etwas, das zu lange Macht über einen hatte.

Ein Abschluss der zum Repeat-Drücken fast schon zwingt:

Am Ende steht »Élégie«, und hier beweisen Cage Fight endgültig Klasse. Das Stück handelt von Trauer, Verlust und den unausgesprochenen Dingen, die nach einem Abschied bleiben. Statt das Album stumpf mit einem letzten Blastbeat-Gewitter zu beenden, gehen Cage Fight in die Tiefe. Die Atmosphäre wird größer, die Melancholie deutlicher, Rachel zeigt mehr Verletzlichkeit, und doch bleibt diese gefährliche Schwere im Raum. Das ist ein Abschluss, der nachhallt und ein Garant dafür, dass man die Scheibe direkt nochmal hören möchte!

Zurecht eine instrumentale Machtdemonstration

Instrumental ist »Exuvia« eine Machtdemonstration. James Monteith liefert Riffs, die zwischen Thrash-Schärfe, Hardcore-Groove und moderner Metal-Präzision pendeln. Er spielt nicht überladen, sondern effektiv, zielgerichtet und immer songdienlich. Nick Plews trommelt mit enormer Durchsetzungskraft, ohne die Songs zu überfrachten. Jeder Schlag sitzt, jedes Break hat Wirkung, jede Tempoverschärfung fühlt sich an wie ein Tritt in den Brustkorb. Will Horsman bringt als neuer Bassist spürbar frisches Blut in die Band und sorgt dafür, dass die tiefen Frequenzen nicht nur drücken, sondern wirklich leben.

Auch die Produktion ist ein echter Gewinn. Sam Bloor und Jim Pinder geben Cage Fight einen Sound, der fett, transparent und gnadenlos klingt. Die Gitarrenwände haben Kontur, der Bass frisst sich durch den Boden, die Drums knallen trocken und brutal, und Rachel Aspe steht genau dort, wo sie hingehört: mitten im Zentrum dieses Sturms.

Fazit:

»Exuvia« ist kein bloßer Nachfolger, sondern ein gewaltiger Schritt nach vorne. Cage Fight klingen brutaler, mutiger, persönlicher und musikalisch geschlossener als je zuvor. Die Band verbindet rohe Gewalt mit emotionaler Substanz, brutale Grooves mit echten Songideen und pure Aggression mit spürbarer Entwicklung. Dieses Album tritt Türen ein, reißt alte Haut ab und steht danach stärker da als vorher.

Cage Fight haben mit »Exuvia« ein echtes Brett abgeliefert. Kompromisslos, wütend, emotional und verdammt mächtig. Genau so muss moderner Hardcore-Metal klingen.

 

 

 

Musikvideo:

Internet

Cage Fight - Exuvia - CD Review

Venom – Into Oblivion

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Venom - Into Oblivion - cover artwork
Venom - Into Oblivion - cover artwork

Band: Venom 🇬🇧
Titel: Into Oblivion
Label: Noise / BMG
VÖ: 01/05/26
Genre: Heavy Metal/Thrash Metal/Black Metal

Tracklist

01. Into Oblivion
02. Lay Down Your Soul
03. Nevermore
04. Man & Beast
05. Death The Leveller
06. As Above So Below
07. Kicked Outta Hell
08. Legend
09. Live Loud
10. Metal Bloody Metal
11. Dogs Of War
12. Deathwitch
13. Unholy Mother

Besetzung

Cronos / Conrad Lant – Vocals, Bass
Rage / Stuart Dixon – Guitar
Dante / Danny Needham – Drums

Bewertung:

4,5/5

Wenn Venom ein neues Album veröffentlichen, dann steht automatisch mehr im Raum als nur eine weitere Metal-Platte. Diese Band hat mit »Welcome To Hell« und »Black Metal« nicht nur Klassiker geschaffen, sondern gleich ganze Kellergewölbe, Proberäume und spätere Extreme-Metal-Baustellen mit angezündet. Mit »Into Oblivion« melden sich Cronos, Rage und Dante nun zurück und zeigen, dass der alte Höllenkessel noch immer nicht ausgebrannt ist.

Natürlich muss man bei Venom keine fein ziselierte Hochglanz-Oper erwarten. Hier geht es um Schmutz, Haltung, Leder, Nieten, Teufelsgrinsen und Riffs, die nicht um Erlaubnis bitten. Trotzdem klingt »Into Oblivion« nicht wie ein staubiger Museumsrundgang durch die eigene Vergangenheit. Das Album verbindet den klassischen Geist der frühen Jahre mit einer moderneren Produktion und ordentlich Druck im Klangbild.

DER TITELTRACK REISST DAS TOR AUF

Der Opener »Into Oblivion« startet mit melodischer Gitarrenführung, bevor die Band das Tor zur Unterwelt aufstößt. Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen schieben sich die Gitarren nach vorne, als würde eine rostige Kriegsmaschine wieder zum Leben erwachen. Cronos klingt dabei rau, kantig und dennoch erstaunlich griffig in der Führung.

Der Song ist einer der stärkeren Momente der Platte. Er wirkt thrashig, direkt und besitzt genug Eingängigkeit, um sich nicht nur auf Nostalgie zu verlassen. Hier steht nicht die Frage im Raum, ob Venom noch wie früher klingen. Viel wichtiger ist: Sie klingen immer noch nach Venom, nur mit etwas mehr Stahl der aufblitzt.

ALTE RITUALE, NEUER DRUCK

Mit »Lay Down Your Soul« geht es deutlicher zurück zu den alten Ritualen. Das Stück kommt simpel, dreckig und mitsingbar aus den Boxen. Kein unnötiger Zierrat, keine große Verbeugung vor moderner Erwartungshaltung. Riff, Refrain, Dreck, fertig. Das kann man altbacken nennen, oder man nimmt es als das, was es ist: eine rohe Verbeugung vor dem eigenen Mythos.

»Nevermore« schlägt anschließend eine düstere, erzählerischere Richtung ein. Der Song trägt einen gotischen Schattenwurf in sich und wirkt weniger wie stumpfer Angriff, sondern mehr wie ein morbides Theaterstück im Venom-Gewand. Nicht alles daran ist elegant, aber genau dieses leicht Überzeichnete gehört bei Venom eben zur DNA.

WUCHT, GROOVE UND SCHWARZER STAUB

»Man & Beast« arbeitet stärker mit schwerem Midtempo. Die Nummer stampft, anstatt zu rasen, und wirkt dadurch wie ein massiver Block aus altem Eisen. Die Gitarren haben genug Fleisch auf den Rippen, der Bass knurrt darunter, und Dante hält das Ganze mit druckvollem Schlagzeugspiel zusammen.

Mit »Death The Leveller« zieht das Album wieder mehr Zähne. Hier kommen die alten Speed- und Heavy-Metal-Wurzeln stärker durch. Als hätte man Motörhead-Dreck, Judas Priest-Kante und schwarzen Venom-Schwefel in denselben Kessel geworfen. Der Song ist nicht filigran, aber er wirkt. Und genau darum geht es.

»As Above So Below« gehört zu den spannenderen Stücken, weil es mit finsterer Atmosphäre beginnt und dann in ein starkes Hauptriff kippt. Hier zeigen Venom, dass sie nicht nur alte Parolen wiederaufwärmen, sondern durchaus noch wissen, wie man eine Nummer mit Stimmung auflädt.

HÖLLENPÖBEL MIT BREITEM GRINSEN

»Kicked Outta Hell« ist ein klassischer Venom-Titel, wie er im Buche steht. Allein der Name trägt schon diese Mischung aus Humor, Teufelsimage und Straßenschlägerei in sich. Musikalisch fetzt die Nummer ordentlich los, mit thrashiger Kante und Riffing, das mehr Tempo ins Album bringt.

Hier sind Venom am stärksten, wenn sie nicht zu viel wollen. Keine unnötige Verkopfung, kein Versuch, sich künstlich zeitgemäß zu verbiegen. Einfach ein Song, der mit dreckigem Grinsen die Tür eintritt. Gerade solche Momente sorgen dafür, dass »Into Oblivion« nicht nur als Alterswerk funktioniert, sondern auch als tatsächlich unterhaltsame Heavy-Metal-Platte.

»Legend« und »Live Loud« setzen stärker auf die hymnische Seite der Band. Das funktioniert mal besser, mal weniger zwingend. Besonders dort, wo die Refrains zu sehr auf Selbstvergewisserung setzen, wirkt das Material etwas vorhersehbar. Andererseits: Wer bei Venom nach Understatement sucht, hat ohnehin die falsche Gruft betreten.

METAL BLOODY METAL UND DIE EIGENE MYTHOLOGIE

Mit »Metal Bloody Metal« wird es endgültig selbstreferenziell. Der Titel klingt wie eine Parole auf einer Kutte, die seit 1983 nicht mehr gewaschen wurde. Doch genau darin liegt auch der Reiz. Venom waren nie eine Band der feinen Zwischentöne. Sie waren immer größer als die saubere Idee von Geschmack, immer lauter als erlaubt und immer ein bisschen albern in ihrer eigenen Bosheit.

»Dogs Of War«, »Deathwitch« und »Unholy Mother« führen diesen Geist weiter. Nicht jeder Song setzt neue Akzente, und gerade im hinteren Drittel macht sich bemerkbar, dass dreizehn Tracks für diese Art von Riff-Gewitter nicht ohne Risiko sind. Manches hätte gestrafft noch stärker getroffen. Doch selbst wenn die Platte etwas ausfranst, bleibt genug Energie im Tank.

PRODUKTION UND WIRKUNG

Der Sound von »Into Oblivion« ist deutlich kräftiger und transparenter als das alte Scheppern der Frühphase. Das wird Puristen vielleicht stören, tut dem Album aber gut. Die Gitarren haben Druck, der Bass steht präsent im Raum, und das Schlagzeug klingt wuchtig genug, um die Songs nach vorne zu peitschen. Gleichzeitig bleibt genug Dreck hängen, damit Venom nicht plötzlich nach klinischer Studioproduktion riechen.

Gerade diese Balance ist wichtig. Venom dürfen nicht zu sauber klingen, sonst verlieren sie ihren Gestank. Sie dürfen aber auch nicht nur rumpeln, sonst bleibt von den Songs wenig hängen. »Into Oblivion« trifft diesen Mittelweg über weite Strecken ordentlich.

FAZIT

»Into Oblivion« von Venom ist kein zweites »Black Metal«, kein neues »Welcome To Hell« und auch kein Versuch, die Uhr gewaltsam zurückzudrehen. Das Album ist vielmehr ein spätes, vitales Lebenszeichen einer Band, die ihr eigenes Erbe kennt und es mit modernem Druck noch einmal durch den Fleischwolf dreht.

Nicht jeder Song ist zwingend. Im hinteren Bereich gibt es Längen, manche Refrains wirken etwas vorhersehbar, und wer mit Venom grundsätzlich nichts anfangen kann, wird auch hier nicht plötzlich zum bekehrten Höllenjünger. Doch für Fans der Band und Liebhaber von räudigem Heavy-, Thrash- und Proto-Black-Metal bietet »Into Oblivion« genug Feuer, Dreck und Spielfreude.

Venom liefern keine makellose Platte, aber eine, die lebt, beißt und nach Schwefel riecht. Und manchmal ist genau das mehr wert als perfekte Hochglanzware.

Internet

Venom - Into Oblivion - CD Review

USERS – Welcome To Civilisation

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USERS - Welcome To Civilisation - cover artwork
USERS - Welcome To Civilisation - cover artwork

Band: USERS 🇩🇰
Titel: Welcome To Civilisation
Label: Spektakle
VÖ: 01/05/26
Genre: Punk/Post-Punk/Alternative

Tracklist

01. Tales of Massacre
02. Heretic
03. Thirst for Blood
04. Whispers of Death
05. Echoes of the Fallen

Besetzung

Fred Element – Guitars
Stephane Filion – Lead Guitars
Charles Etienne Lafrance – Drums
Derek Heynekemp – Vocals

Bewertung:

4/5

Zugegeben, das Coverartwork, das der geneigte Rezensent mit „Bullenschwein auf Gaul“ umschreiben würde, ist alleine schon eine Klasse für sich. Doch was die Punk-, beziehungsweise Post-Punk-/Alternative-Formation USERS auf ihrem Debütalbum Welcome To Civilisation vorlegt, ist nicht einfach nur eine zynische Illustration gesellschaftlicher Schieflagen. Dieses Album klingt wie der Soundtrack zu einer Zivilisation, die sich selbst für fortschrittlich hält, während unter der hochglänzenden Oberfläche längst der Putz von den Wänden bröckelt.

Getreu dem Motto: Außen Hui, innen Pfui lassen USERS eine amtliche Gesellschaftskritik los und liefern keine glattpolierte Punkrock-Platte für den schnellen Nebenbeikonsum. Welcome To Civilisation ist rau, kantig, unbequem und dabei erstaunlich fokussiert. Zwischen treibenden Rhythmen, knurrendem Bass, kratzenden Gitarren und einem Gesang, der mehr anklagt als schmeichelt, entsteht ein Werk, das seinen Zorn nicht versteckt, aber auch nicht stumpf herausbrüllt.

PUNK MIT HALTUNG UND POST-PUNK-NERVOSITÄT

Musikalisch steht Welcome To Civilisation auf einem Fundament aus treibenden Drums und einem Bass, der oft wie das eigentliche Rückgrat der Songs wirkt. Darüber legen sich Gitarren, die nicht nach Schönklang suchen, sondern nach Spannung, Reibung und Druck. Mal schiebt das Ganze klassisch punkig nach vorne, mal wirkt es kühler, düsterer und stärker vom Post-Punk geprägt.

Gerade diese Mischung macht das Debüt interessant. USERS klingen nicht wie eine Band, die einfach nur alte Punkformeln wiederkäut. Die Songs besitzen Direktheit, aber auch eine nervöse, urbane Atmosphäre. Es ist Musik zwischen Demo, Kellerclub, Betonwand und innerem Aufstand.

ZWISCHEN DRUCK UND ROUGHNESS

Der Opener »Gentrification« bringt die Richtung schnell auf den Punkt. Der Song kommt unruhig, schroff und mit ordentlich Druck aus den Boxen. Auf einem Fundament aus treibenden Drums und knurrendem Bass ziehen die Gitarren eine lärmende Wand hoch, die weniger nach sauberem Punkrock-Lehrbuch klingt als nach bröckelnder Hauswand kurz vor der Räumung.

Mit »Working Ants« wird der gesellschaftliche Druck noch greifbarer. Der Song wirkt rhythmisch bohrend und passt mit seinem Titel perfekt zur Grundstimmung des Albums. Arbeit, Wiederholung, Erschöpfung und unterschwellige Wut werden hier in einen nervösen Punkrahmen gepresst, der nicht nach Arbeiterromantik klingt, sondern nach müden Knochen und zu wenig Luft zum Atmen.

Der Titeltrack »Welcome To Civilisation« führt diese Energie weiter. Der Titel klingt zunächst wie eine Begrüßung, wirkt im Kontext des Albums aber eher wie eine bittere Bestandsaufnahme. Musikalisch bleiben USERS roh und direkt. Der Song schiebt nach vorne, ohne sich im reinen Krach zu verlieren. Gerade diese Mischung aus Tanzbarkeit und Wut macht das Album stark.

BULLENSCHWEIN AUF GAUL

»Pigs On Horses« ist schon durch Titel und Coverbezug einer der zentralen Momente des Albums. Das Bild ist grotesk, satirisch und direkt verständlich. Musikalisch besitzt der Song genau die richtige Mischung aus Spott und Aggression. Der Bass drückt, die Gitarren kratzen, und der Rhythmus wirkt wie ein unruhiger Marsch durch ein System, das mehr nach Druck als nach Schutz riecht.

»Pride« und »My Dear« zeigen anschließend, dass dieses Album nicht nur aus äußerer Wut besteht. Hier wird der Blick etwas persönlicher, die Songs wirken weniger frontal, aber nicht weniger angespannt. Gerade solche Momente geben Welcome To Civilisation mehr Tiefe, weil sie zeigen, dass hinter der Systemkritik nicht nur Parolen stehen, sondern Menschen mit echten Bruchstellen.

WAKE-UP-CALL STATT WOHLFÜHLPLATTE

»BLU-109« klingt schon vom Titel her kühl und bedrohlich. Der Song wirkt härter und schroffer, fast wie ein Einschlag im ohnehin brüchigen Klangbild des Albums. USERS halten die Spannung hoch und zeigen, dass sie nicht auf eine einzige Klangfarbe festgelegt sind.

»Wake Up« macht seinem Namen alle Ehre. Der Song funktioniert wie ein Weckruf gegen Gleichgültigkeit und Anpassung. Die Band formuliert das nicht freundlich, sondern mit Druck und Unruhe. Man soll hier nicht bequem zuhören, sondern aufmerksam werden.

Mit »Plastic Models« richtet sich der Blick auf künstliche Oberflächen und vorgeformte Rollen. Der Song kratzt musikalisch stärker an der post-punkigen Seite der Band und lässt der Nervosität im Sound mehr Raum. Den Abschluss bildet »Idea Of A Man«, das als kantiger, nachdenklicher Schlusspunkt funktioniert und das Album nicht mit einem versöhnlichen Lächeln entlässt.

PRODUKTION UND WIRKUNG

Klanglich ist Welcome To Civilisation rau, aber nicht planlos. Die Produktion lässt genug Dreck im Sound, damit die Songs glaubwürdig bleiben, hält aber alles zusammen, damit die Platte nicht im eigenen Lärm zerfällt. Der Bass ist präsent, die Drums treiben, die Gitarren schneiden, und der Gesang bleibt immer nah genug am Hörer, um die Botschaft nicht im Krach zu verlieren.

Die Stärke des Albums liegt in seiner Atmosphäre. USERS klingen wütend, aber nicht kopflos. Sie klingen politisch, aber nicht belehrend. Sie klingen unbequem, aber nicht künstlich sperrig. Das Debüt besitzt diese Mischung aus Energie und Abgeklärtheit, die man nicht erzwingen kann.

FAZIT

Welcome To Civilisation von USERS ist ein starkes Debüt zwischen Punk, Post-Punk und Alternative, das seine gesellschaftskritische Haltung nicht als Beiwerk versteht, sondern als inneren Motor. Die Band verbindet rohe Direktheit mit urbaner Nervosität, politischen Untertönen und einem Klangbild, das bewusst aneckt.

Nicht jeder Song will sofort gefallen, und genau darin liegt ein Teil der Qualität. USERS machen keine Wohlfühlmusik für den gepflegten Hintergrund. Dieses Album kratzt, drückt und lässt an manchen Stellen bewusst Dreck unter den Fingernägeln zurück.

Welcome To Civilisation ist roh, bissig, rhythmisch stark und atmosphärisch geschlossen. Ein Debüt, das nicht um Aufmerksamkeit bettelt, sondern sie sich mit Haltung, Lärm und Substanz verdient.

Schaut hier den Clip: Centrification

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USERS - Welcome To Civilisation - CD Review

Joey Rival – Industrial Metaller aus den USA im Interview

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Interview: Beppo Fegesack Fotos: DRM Productions

Am 1. Mai haben wir bei Metal Underground die neue EP „Creative Destruction“ von Joey Rival rezensiert — ein kurzes, aber beklemmend dichtes Werk über künstliche Intelligenz, kreative Entfremdung, Kontrollverlust und den schleichenden Verlust menschlicher Eigenständigkeit. In „We Are The Dark“ steht Kreativität im Schatten digitaler Systeme, „Welcome Death“ verbindet Sucht, innere Stimmen und Selbstzerstörung mit der Abhängigkeit von künstlichen Reizen, während „No Way Out“ wie der endgültige Zusammenbruch wirkt: eine Welt, in der Unterhaltung, Bequemlichkeit und Kontrolle zum Käfig geworden sind. Wir haben uns mit Joey Rival getroffen und uns mit ihm über die neue EP unterhalten — gehen wir direkt rein ins Interview.

„Creative Destruction“ fühlt sich nach mehr an als nur einer neuen EP — sie wirkt fast wie eine düstere konzeptionelle Warnung vor Technologie, Kreativität und Kontrolle. Was war der erste Funke hinter dieser Veröffentlichung?

Ich wollte versuchen, meine Musik in eine etwas andere Richtung zu lenken als bei meinen bisherigen Veröffentlichungen. Ehrlich gesagt fühlte ich mich als Underground-Künstler, der ständig versucht, gehört zu werden, entmutigt. In letzter Zeit war ich von den ganzen Diskussionen und Inhalten rund um KI überwältigt — inzwischen noch stärker im musikalischen Bereich. Einige der Dinge, die ich sehe, von der Kunst bis zur Musik, sind offen gesagt beängstigend. Nicht, dass ich glaube, sie könnte echte Künstler wirklich ersetzen, aber sie macht es in einem ohnehin schon übersättigten Markt definitiv noch schwerer, gesehen und gehört zu werden. All diese Gedanken haben die ursprüngliche Entstehung dieser Geschichte angetrieben.

Die EP behandelt KI und ihre Auswirkungen auf unabhängige Künstler. Als jemand, der schreibt, performt, aufnimmt und seinen eigenen Sound formt: Wo ziehst du persönlich die Grenze zwischen Technologie als Werkzeug und Technologie als Bedrohung?

Es hängt wirklich davon ab, was wir als Gemeinschaft zulassen und akzeptieren. Glaube ich, dass sie ihren Nutzen hat? Natürlich. Ich glaube aber auch, dass sie ein zweischneidiges Schwert ist. Es gibt Menschen, die Eingaben in ein Programm tippen, komplette Alben erstellen, diese auf Streaming-Plattformen veröffentlichen und damit Geld verdienen — ganz ohne musikalisches Talent oder Fähigkeiten. Das fällt mir persönlich manchmal schwer zu akzeptieren, als einer von Tausenden Künstlern da draußen, die einfach versuchen, etwas zu erschaffen und dafür gehört zu werden, wer sie sind — und nicht für einen Prompt.
Joey Rival
Gepostet auf Wunsch des Künstlers
Fotocopyright: DRM Productions

„We Are The Dark“ eröffnet die EP mit einer sehr filmischen, finsteren Atmosphäre. Hast du diesen Track zuerst um das Riff herum aufgebaut, oder war die gesamte Klanglandschaft — die Synths, die Dunkelheit, die industrielle Spannung — bereits Teil der ursprünglichen Vision?

Da ich in erster Linie Gitarrist bin, beginne ich normalerweise immer mit dem Riff. Trotzdem waren der musikalische Stil und die Begleitelemente definitiv Teil der ursprünglichen Absicht und des Designs, mit dem ich jeden dieser Tracks formen wollte. Ich hatte einen bestimmten Sound und Stil im Kopf, um den Ton dieser Geschichte zu setzen, und ich bin sehr zufrieden damit, wie es geworden ist.

Der zweite Track trägt offiziell den Titel „Welcome Death“ und scheint sich mit Sucht, inneren Stimmen und der zerstörerischen Suche nach dem nächsten Rausch zu beschäftigen. Wurde er als persönliche Metapher geschrieben, als gesellschaftliche Beobachtung oder als Teil der größeren KI-Erzählung der EP?

Die beste Antwort darauf ist: Ja, haha — alles davon. Ich schreibe häufig mit vielen Metaphern und lasse auch ein Stück meiner eigenen persönlichen Gefühle und Erfahrungen einfließen. Alle drei Tracks — vom Titel jedes einzelnen Songs über ihre Reihenfolge auf der EP bis hin zu jedem Wort — spielen eine bestimmte Rolle in der Geschichte und dem Konzept, das ich hier geschaffen habe. Ich gebe nicht gern zu viele konkrete Details preis und finde es viel spannender zu hören, was andere darin entdecken und aus dem Track mitnehmen.

„No Way Out“ fühlt sich wie der endgültige Zusammenbruch der EP an — stärker geprägt von elektronischer Atmosphäre, aber immer noch getragen von wuchtigen Gitarren und einem starken Metal-Fundament. War es deine Absicht, dass dieser Song der Punkt ist, an dem die Geschichte hoffnungslos wird?

Ja. Vom Songtitel bis hin zu seiner Position als letzter Track der EP war geplant, dass er die Akzeptanz dessen darstellt, wo wir alle gelandet sind — als Ergebnis unserer Abhängigkeit von dieser Technologie.

Du hast vor dieser EP Songs wie „Dead Silence“, „Dance With Your Demons“ und „Witnessing Rebirth“ veröffentlicht. Wenn du auf diese Tracks zurückblickst: Siehst du „Creative Destruction“ als Fortsetzung deiner früheren Arbeit oder als echten Wendepunkt?

Ich habe das wirklich als Wendepunkt empfunden. All meine frühere Arbeit entstand aus einem anderen mentalen Raum heraus, in dem ich mich damals befand. Wo ich mich heute wiederfinde, spiegelt diese EP diese Kämpfe stärker wider. Um auf meinen ausgiebigen Einsatz von Metaphern und Easter Eggs zurückzukommen: Selbst der EP-Titel „Creative Destruction“ sprach nicht nur darüber, was KI tut, sondern deutete vielleicht auch auf meine eigene kreative Zerstörung hin. Ich frage mich oft, welchen Sinn diese Veröffentlichungen, diese Schöpfungen überhaupt haben, wenn sie nur auf taube Ohren stoßen oder von einem Prompt in einem Programm überschattet werden.

„Rooted In Blood“ erhielt Aufmerksamkeit für seinen progressiven und aggressiven Metal-Charakter. Was hat dich dieser Song darüber gelehrt, technisches Gitarrenspiel mit emotionalem Storytelling in Einklang zu bringen?

Ich habe es wirklich genossen, diesen Track zusammenzustellen, besonders wegen der Gitarrenarbeit. Ich neige immer dazu, mich auf das Riff zu stützen und den Song selbst interessant und spaßig zu machen, bevor ich überhaupt darüber nachdenke, welche Gesangslinien daraus entstehen könnten. Ich habe das Gefühl, dass in heutigen Produktionen vieles davon verloren geht, weil Gitarrenarbeit oft zu stark vereinfacht wird. Da ich mit Bands wie Testament, Evergrey und Nevermore aufgewachsen bin, war ich immer darauf fokussiert, wie viel diese Gitarristen tatsächlich gemacht haben. „Rooted In Blood“ zu veröffentlichen, hat mir gezeigt, dass es da draußen immer noch Menschen gibt, die genau das genauso schätzen.

Dein Katalog bewegt sich häufig zwischen modernem Metal, Industrial-Elementen, alternativer Schwere, progressiven Strukturen und traditionellerer Thrash- oder Heavy-Metal-Energie. Gestaltest du diese Mischung bewusst, oder entsteht sie ganz natürlich während des Schreibprozesses?

Das ist mir selbst auch aufgefallen. Ich hatte oft Schwierigkeiten damit zu akzeptieren, dass mein Songwriting — sagen wir — so „vielfältig“ ist. Jedes Mal, wenn ich einen Track mache, weiß ich nie genau, in welches spezifische Genre ich passe, von den übermäßig vielen, die es in der Metal-Community gibt. Ich hatte beim Aufwachsen so viele einflussreiche Bands, und sie alle haben einen Teil dazu beigetragen, mein Schreiben zu formen. Ich versuche nicht bewusst, meine Tracks stilistisch so unterschiedlich zu gestalten — so schreibe ich einfach. Ich spiele ein Riff, spüre, dass ich daraus etwas machen kann, und folge dann dem Weg, auf den es mich führt. Beim Schreiben bin ich einfach ich selbst, und was mich früher daran gestört hat, ist heute etwas, auf das ich stolz bin.

Mit Rival Order, besonders mit Material wie „Beyond The Ashes“, „Next In Line“, „Revenant“ und „Darkside Demon“, hast du in einem kollaborativeren Bandumfeld gearbeitet. Wie unterscheidet sich deine Denkweise, wenn du für Joey Rival schreibst, im Vergleich zum Schreiben für Rival Order?

Ich folge im Grunde immer noch größtenteils meiner Art zu schreiben: Das Riff ist das Fundament, und ich schaue, wohin es führt. Aber ich habe oft Raum für die anderen Beteiligten gelassen, damit sie ihre Kreativität und Ideen einbringen konnten, um den Track zu erweitern und zu verbessern. Ich denke, das hat dazu geführt, dass jeder Song wirklich voll und vielfältig geworden ist.

Du hast mit Namen wie Chris Clancy, Dirk Verbeuren und Rich Gray gearbeitet, während du gleichzeitig eine sehr persönliche Solo-Identität aufgebaut hast. Was hat dich Zusammenarbeit gelehrt, das du bis heute in dein selbstbetiteltes Projekt mitnimmst?

Joey Rival Gepostet auf Wunsch des Künstlers Fotocopyright: DRM Productions
Mit diesen Jungs arbeiten zu dürfen, war eine große Freude und hat mir die Augen für echten Professionalismus bei sehr talentierten und erfahrenen Künstlern geöffnet. Chris konnte meine Texte und minimale Vorgaben nehmen und jedes Mal Perfektion zurückschicken. Ihn als Stimme für Rival Order zu haben, war genau das, was ich für den Sound im Kopf hatte, nach dem ich gesucht habe. Dirk und Rich — Mann, ihnen einen Track zu schicken und zu sehen, wie schnell sie solch hochwertige Performances zurückschicken, hat mich umgehauen. Der Vergleich zur Arbeit mit dem „local guy“ hat sehr deutlich gemacht, warum sie sind, wer sie sind.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, unsere Fragen zu beantworten. Die letzten Worte gehören dir: Gibt es etwas, das du direkt an deine Hörer, Unterstützer und alle richten möchtest, die Joey Rival durch „Creative Destruction“ entdecken?

Danke, dass ihr meiner Kunst und meinen Geschichten zuhört. Musik bedeutet mir seit sehr jungen Jahren unglaublich viel und wird es immer tun. Mich durch Musik ausdrücken zu können, meine rohen Gedanken, Kämpfe und Emotionen zu zeigen — und zu erleben, dass das gehört wird und bei Menschen Resonanz findet — bedeutet mehr, als Worte ausdrücken können. Unterstützt weiterhin Underground- und aufstrebende Talente. Es gibt so viel davon da draußen, das viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als es bekommt. Ich bin wirklich dankbar für alle, die mich auf meinem Weg unterstützt haben oder jetzt gerade erst dazukommen. Danke!
 

JOEY RIVAL – Interview
Fotocopright: DRM Productions

GOHOLOR – Locus Damnatorum

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cover artwork GOHOLOR Locus Damnatorum
cover artwork GOHOLOR Locus Damnatorum

Band: GOHOLOR 🇸🇰
Titel: Locus Damnatorum
Label: Personal Records
VÖ: 08/05/26
Genre: Black/Death Metal

Tracklist

01. Demonical Redemption
02. Black Rising Suffering
03. Divine Blood Invocation
04. Last Groan Devoured by Death
05. Ominous Delusion
06. Embraced by Demons Spell
07. Nihilistic Torments

Besetzung

Demo – Guitars, Vocals
Anton – Vocals
Pio – Drums
Erik – Bass

Bewertung:

4,5/5

Das slowakische Extreme Metal hat gerade eine Bereicherung erhalten mit einem neuen Album. Das Debütwerk von GOHOLOR, „Locus Damnatorum„, befördert sie in die erste Liga der Bands auf der lokalen Szene und kündigt sie als eine der interessantesten und authentischsten Bands auch auf breiterer Ebene an.

Klangmauer mit permanentem Vocal-Dialog

Ein sehr direkter Einstieg in den Eröffnungssong „Demonical Redemption„, sehr abrupt und aggressiv. Eine Klangmauer gemacht aus kontinuierlichem Gitarren-Fuzz, gnadenlosem Schlagzeug und zwei Vocal-Beiträgen, einer schreiend und einer knurrend, in permanentem Dialog. Der Klang ist technisch, dissonant, viel mehr in Black Metal Richtung geneigt musikalisch, mit klaren Einflüssen von Death Metal. Das Resultat ist dunkle Atmosphäre, kalte und abgrundtiefe Musik, aggressiv und infernalisch.

GOHOLOR kommen aus Michalovce, wurden 2010 von Demo (Gitarren/Screaming Vocals) und Anton (Growling Vocals) gegründet. Später traten Pio (Drums) und Erik (Bass) bei. In dieser Formel veröffentlichte das Quartett 2016 ihr Debüt-EP „In Saeculis Obscuris“ und jetzt, zehn Jahre danach, ihr Debüt-Full-Length.

Mit typischer Black Metal Tremolo-Leadgitarre macht „Black Rising Suffering“ einen Schritt näher an melodischeren Ansatz nach dem dissonanten Opener. Immer noch sehr dynamisch, mit Rhythmussektion, die gnadenlos hämmert und gutes Tempo setzt, kommen die Gitarren dünner und ziemlich im Hintergrund. Wieder setzen die Vocals den präsentesten Akzent im Song. Auch wenn nicht sehr fantasievoll im Song, wird der Vocal-Beitrag durch quasi-verhallte sekundäre Vocals gesetzt, die immer die primäre reflektieren, ein interessanter Ansatz, der nach ein paar Akkorden ziemlich vorhersehbar wird.

Die Produktion ist simpel, nicht mehr als die Band-Kompositionen und Vision zu respektieren, ein ziemlich roher Klang, der zur Band-Musik passt. Nicht überladen mit Ornamenten oder Komplikationen, ein ziemlich geradliniger Klang. Auch für den größten Teil ausbalancierter Klang zwischen Instrumenten, mit klarer Dominanz von den Vocals.

Technische Ausführung mit kreativem Ansatz

Hektische Riffs eröffnen „Divine Blood Invocation„, auch die Leadgitarre reflektiert den chaotischen Ansatz. Dennoch gute Dynamik, besser ausbalancierter Klang und sehr technische Ausführung. Schnelles Tempo, frenetisches Schlagzeugspiel, und die melodische Seite der Band ist hier besser ausgedrückt. Der Song ist gute Komposition, die Stärke der Band hier wird durch sehr technische Instrumentierung repräsentiert.

Überraschend melodisch, mit Akustikgitarren und fast melancholischem Akzent startet „Last Groan Devoured by Death„, und die folgenden Akkorde sind langsam, fast Doom-inspiriert. Die melodische Linie bleibt geladen mit Emotionen, die Drums, die langsam Power gewinnen, unterstreichen den melodischen Ansatz, auch die Vocals sind diesem untergeordnet, funktionieren jetzt mehr wie Kontraste. Ein interessanter Ansatz, ein guter Song, der gute kompositorische Fähigkeiten von der Band zeigt. Ein Highlight des Albums.

Nach dem ziemlich emotional geladenen vorherigen Song ist „Ominous Delusion“ aggressiver und wieder sehr technisch. Die Vocals kehrten zur verhallten Technik zurück, die Gitarren sind zurückgekehrt zu chaotischem, sehr technischem permanentem Geflecht komplexer Tremolo-gepickter Akkorde, die Drums hämmern, die Atmosphäre ist kalt, finster. Dennoch ein weiterer guter Song, der sich in viele Richtungen entfaltet.

Embraced by Demons Spell“ kehrte zu Black Metal und chaotischem Klang zurück, weniger melodisch, mit erneuerter Kraft und auch Verzweiflung, die im Vocal-Beitrag gespürt werden kann. Und der finale Song „Nihilistic Torments“ ist ein weiterer voll dissonanter und sehr aggressiver Song, die Band ist langsam zum Eröffnungssong-Stil und Dynamik zurückgekehrt. Nicht weniger beeindruckend, eine volle technische Demonstration, die wieder überwältigend und abrasiv ist. Ein gutes Abschlussstück.

Kreisförmige Entwicklung mit subtilem Crescendo

Ein Album, das total dissonant startet, und während es fortschreitet, gewinnt die melodische Seite mehr und mehr Präsenz, mit einem Höhepunkt von Melodie und Atmosphäre in der Album-Mitte. Auf eine Weise eine kreisförmige Entwicklung des Albums, von dissonant, schnell und aggressiv zu melodischen und langsamen Klanglandschaften und zurück, der ganze Klang hat sich auf kohärente Weise entwickelt. Diese Veränderungen sind subtiler, als man annehmen sollte, ein sehr intelligentes und gut durchdachtes Crescendo.

Ein genießbares Hörerlebnis, auch ein Album, das weiter überrascht, man fühlt, als wäre der nächste Akkord vorhersehbar, die Band widerspricht dem sehr oft, und dennoch ist der Klang gut durchdacht, behält einen fließenden Fortschritt durch das ganze Album. Beeindruckendes Werk der Slowaken, ein Werk, das eine reife Band zeigt. Interessanter und fesselnder Klang, einnehmende Kompositionen, das Album als Ganzes ist sehr gute Arbeit.

Fazit: GOHOLOR liefern mit „Locus Damnatorum“ technisches Black/Death-Debüt, kreisförmige Entwicklung von dissonant zu melodisch und zurück, reif und intelligent.

Internet

GOHOLOR - Locus Damnatorum

BLACK VEIL BRIDES – Vindicate

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BLACK VEIL BRIDES - Vindicate - album artwork
BLACK VEIL BRIDES - Vindicate - album artwork

Band: BLACK VEIL BRIDES 🇺🇸
Titel: Vindicate
Label: Spinefarm Records
VÖ: 08/05/26
Genre: Alternative Metal, Metalcore

Tracklist

01. Invocation To The Muse
02. Vindicate
03. Certainty
04. Bleeders
05. Hallelujah
06. Cut
07. Alive
08. Purgatory
09. Revenger (feat. MACHINE HEAD’s Robb Fynn)
10. Sorrow
11. Grace
12. Ave Maria
13. Woe & Pain
14. Eschaton

 

Besetzung

Andy Biersack – Vocals
Jacob „Jake“ Pitts – Lead Guitar
Jeremy „Jinxx“ Ferguson – Rhythm Guitar
Christian „CC“ Coma – Drums
Lonny Eagleton – Bass

 

Bewertung:

4/5

BLACK VEIL BRIDES melden sich mit ihrem siebten Studioalbum »Vindicate« zurück. Die Band um Andy Biersack bleibt ihrem charakteristischen Mix aus theatralischer Größe und emotionaler Direktheit treu, verschiebt die Balance diesmal jedoch stärker in Richtung Verdichtung. Die Platte wirkt weniger verspielt als frühere Arbeiten, dafür fokussierter und konsequenter in ihrer Aussage. Zwischen Alternative Metal und Metalcore spannt sich ein Werk auf, das sich klar mit Glauben, Vergeltung und inneren Bruchstellen auseinandersetzt.

Das Line-up bleibt mit Andy Biersack am Gesang, Jake Pitts an der Leadgitarre, Jinxx an der Rhythmusgitarre, Christian “CC” Coma am Schlagzeug und Lonny Eagleton am Bass stabil. Diese Konstellation trägt den Sound mit einer eingespielten Selbstverständlichkeit, die man über Jahre gewachsen hört.

Klangbild zwischen Pathos und Kontrolle

»Vindicate« lebt von einer klaren Produktion, die große Refrains nicht überlädt, sondern ihnen Raum gibt. Gitarrenriffs sind scharf gezeichnet, aber nie überfrachtet. Die Drums wirken druckvoll, ohne die Dynamik zu ersticken. Gerade in ruhigeren Momenten zeigt sich, dass die Band gelernt hat, Spannung auch über Reduktion aufzubauen.

Auffällig ist die durchgängige Stimmung, düster, aber nicht hoffnungslos. Die Songs tragen eine Mischung aus Wut und Reflexion, die sich selten in reiner Aggression entlädt. Stattdessen entsteht ein Spannungsfeld, das sich durch das gesamte Album zieht.

Songs als Kapitel einer Erzählung

Der Einstieg über »Invocation To The Muse« setzt einen sakralen Ton als musikalische Intro-Einleitung. Es ist weniger ein klassisches Intro als eine atmosphärische Schwelle, die in den Titeltrack überleitet. »Vindicate« selbst zeigt sofort die Stoßrichtung, große Refrains, klare Gitarrenlinien, ein Refrain, der sich schnell festsetzt.

»Certainty« und »Bleeders« treiben das Tempo an und bewegen sich stärker im Metalcore-Spektrum. Hier arbeiten die Riffs kantiger, die Vocals wechseln zwischen kontrollierter Melodie und schärferem Ausdruck. »Hallelujah« überrascht mit einem hymnischen Ansatz, der fast schon bewusst gegen die Härte der Vorgänger arbeitet.

Mit »Cut« und »Alive« verschiebt sich das Album in emotional dichtere Regionen. Die Stücke wirken persönlicher, weniger auf große Gesten ausgerichtet. Besonders »Alive« baut eine Atmosphäre auf, die lange nachhallt, ohne sich in Überdramatisierung zu verlieren.

Dunkle Mitte und kollaborative Schärfe

»Purgatory« markiert einen der zentralen Punkte der Platte. Hier wird das Konzept von Schuld und Reinigung musikalisch greifbar. Die Gitarren wirken schwerer, die Struktur repetitiver, was dem Song eine fast tranceartige Wirkung gibt.

Ein Höhepunkt folgt mit »Revenger (feat. Robb Flynn von MACHINE HEAD)«. Dieser Track bringt eine zusätzliche Schärfe ins Album. Die Kombination aus Biersacks klarer Melodieführung und Flynns rauer Präsenz erzeugt einen Kontrast, der dem Stück eine besondere Energie verleiht. Es ist einer der direktesten und aggressivsten Momente der Platte.

»Sorrow« und »Grace« bremsen das Tempo wieder etwas herunter. Hier zeigt sich die melodische Stärke der Band besonders deutlich. Beide Songs wirken wie Reflexionspunkte nach der Härte der Mitte.

Finale und konzeptioneller Bogen

Mit »Ave Maria« und »Woe & Pain« bewegt sich das Album stärker in symbolische und fast liturgische Bereiche. Die religiösen Bezüge sind nicht dekorativ, sondern Teil der thematischen Linie, die sich durch das gesamte Werk zieht. »Eschaton« schließt das Album mit einer apokalyptischen Note ab, die weniger auf Explosion als auf Auflösung setzt.

Der Aufbau wirkt bewusst zyklisch gedacht. Viele Motive kehren wieder, werden aber in veränderter Form gespiegelt. Dadurch entsteht ein Gefühl von Geschlossenheit, das dem Album trotz seiner Länge Struktur gibt.

Eindruck und Bewertung

»Vindicate« ist kein radikaler Bruch im Schaffen von BLACK VEIL BRIDES, aber eine deutliche Reifung in der Art, wie die Band ihre Stärken bündelt. Die Mischung aus hymnischem Metal und moderner Härte funktioniert besonders dann, wenn sie sich nicht zu sehr in überladene Arrangements verliert.

Nicht jeder Song erreicht die gleiche Tiefe, einige Passagen wirken formelhaft und folgen bekannten Mustern der Bandgeschichte. Dennoch überzeugt das Album durch Konsequenz und einen klaren roten Faden.

Mit 4 von 5 Punkten bleibt ein Werk, das sowohl Fans der frühen Phase als auch Hörer der neueren Ausrichtung abholt. »Vindicate« zeigt eine Band, die ihre Sprache kennt und sie gezielt einsetzt, ohne sich selbst zu wiederholen.

Fazit: »Vindicate« ist ein Album, das sowohl alte Fans als auch Neue von BLACK VEIL BRIDES begeistert.

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BLACK VEIL BRIDES - Vindicate - CD Review

MADVICE – L’Ottavo Giorno

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MADVICE - L'Ottavo Giorno - cover artwork
MADVICE - L'Ottavo Giorno - cover artwork

Band: MADVICE 🇮🇹
Titel: L’Ottavo Giorno
Label: Art Gate Records
VÖ: 08/05/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. The Ecstasy of Dying
02. The Legacy of the Serpent God
03. The Damnation Between Birth and Death
04. Eternally I Rise
05. L’ottavo giorno
06. Not Dead Enough (To Feel No Pain)
07. Fossa lupara

 

Besetzung

Marco Moretti – Drums
Asator – Vocals
Raffaele Lanzuise – Bass
Maddalena Bellini – Guitars

 

Bewertung:

3,5/5

MADVICE wurden 2016 gegründet und sind das Ergebnis einer klaren künstlerischen Vorstellung, Melodic-Death-Metal, der Härte und Eingängigkeit miteinander verzahnt, ohne an Biss zu verlieren. Gitarristin Maddalena Bellini, Bassist Raffaele Lanzuise und Sänger Asator legten den Grundstein, später ergänzt durch Schlagzeuger Marco Moretti. Die musikalische Ausrichtung speist sich hörbar aus der skandinavischen Schule, trägt aber ebenso den rauen Druck amerikanischer Thrash-Tradition in sich. Inhaltlich kreist das Material um innere Konflikte, Tod, Trauer und eine kritische Haltung gegenüber Religion.

Das Album »L’Ottavo Giorno« präsentiert sich als ein intensives Werk, das die Grenzen zwischen Melodie und Aggression verschwimmen lässt. Mit sechs Tracks, die zwischen kraftvollen Riffs und melodischen Passagen pendeln, gelingt es MADVICE, eine düstere Atmosphäre zu schaffen, die den Hörer in eine Welt voller innerer Kämpfe und philosophischer Fragen eintauchen lässt.

Ein düsterer Auftakt

Mit »The Ecstasy of Dying« eröffnet das Album direkt ohne Umschweife. Ein treibendes Riff, schnörkellos, dazu das aggressive Organ von Asator. Die Produktion wirkt bewusst kantig, nicht überpoliert, was dem Sound eine gewisse Erdigkeit verleiht. Schon hier zeigt sich die zentrale Stärke der Band, Melodiebögen, die sich organisch in die Härte einfügen, statt bloß darübergelegt zu wirken.

Zwischen Tradition und Eigenständigkeit

»The Legacy of the Serpent God« und »The Damnation Between Birth and Death« vertiefen diesen Eindruck. Die Songs greifen bekannte Genre-Muster auf, variieren sie aber mit kleinen Details. Besonders die Gitarrenarbeit von Bellini fällt auf! Präzise Leads, die nicht in endlosen Soli versinken, sondern gezielt Akzente setzen. Gleichzeitig bleibt das Fundament stets massiv, getragen vom druckvollen Bassspiel und Morettis präzisem Schlagzeug.

Allerdings bewegt sich die Band hier auf einem schmalen Grat. Einerseits wirkt die Nähe zu klassischen Vorbildern vertraut, andererseits fehlt stellenweise der letzte Schritt zur eigenen Handschrift. Einige Passagen klingen, als hätte man sie so oder ähnlich schon gehört.

Höhepunkte im Mittelteil

Mit »Eternally I Rise« gewinnt das Album deutlich an Dynamik. Der Song verbindet Tempo mit klar herausgearbeiteten Melodien und gehört zu den stärksten Momenten der Platte. Hier greifen alle Elemente ineinander. Rhythmus, Riffing und Gesang bauen eine Spannung auf, die sich bis zum Schluss hält.

Der Titeltrack »L’Ottavo Giorno« setzt einen anderen Akzent. Etwas atmosphärischer angelegt, mit mehr Raum für Stimmung und weniger unmittelbare Aggression. Gerade diese Variation tut dem Album gut. Sie zeigt, dass MADVICE mehr können als reine Durchschlagskraft.

Zwischen Wucht und Wiederholung

»Not Dead Enough (To Feel No Pain)« knüpft wieder stärker an die härteren Stücke an. Der Song überzeugt durch Energie, verliert aber im Verlauf etwas an Profil. Hier wird das Problem der zweiten Albumhälfte deutlicher, einige Ideen wiederholen sich, ohne entscheidend weiterentwickelt zu werden.

»Fossa lupara« beschließt das Album mit einer dunklen, fast bedrückenden Note. Der Track wirkt kompakt und fokussiert, verzichtet auf überflüssige Umwege und bringt die Stärken der Band noch einmal auf den Punkt.

Produktion und Gesamtklang

Der Sound von »L’Ottavo Giorno« bleibt durchgehend roh und direkt. Das passt zum Stil, lässt aber gelegentlich Details untergehen, vor allem im Zusammenspiel der Gitarren. Die Balance zwischen Klarheit und Druck ist nicht immer optimal, dennoch transportiert die Produktion die gewünschte Intensität.

Der Gesang von Asator bewegt sich überwiegend im klassischen Growl-Bereich, variiert aber genug, um nicht monoton zu wirken. Besonders in den Refrains setzt er gezielt Akzente, die den Songs Struktur geben.

Einordnung

MADVICE liefern mit »L’Ottavo Giorno« ein solides Werk ab, das sich klar im Melodic-Death-Metal verortet und seine Einflüsse nicht versteckt. Die Band versteht ihr Handwerk, schreibt kompakte Songs und setzt auf eine Mischung aus Aggression und Melodie, die größtenteils aufgeht.

Was noch fehlt, ist ein stärkeres Profil. Die besten Momente des Albums zeigen, dass das Potenzial vorhanden ist. Gerade wenn die Band sich mehr Raum für Atmosphäre oder ungewöhnlichere Strukturen nimmt, wirkt das Material frischer und eigenständiger.

»L’Ottavo Giorno« ist ein Album, das Fans des Genres problemlos abholen wird. Es bietet Energie, saubere Instrumentalarbeit und einige echte Highlights, kämpft aber mit kleineren Längen und einer gewissen Vorhersehbarkeit.

Unterm Strich bleibt ein überzeugender, wenn auch nicht herausragender Eindruck. MADVICE sind auf einem guten Weg, müssen jedoch noch stärker an ihrer eigenen Identität feilen, um sich dauerhaft im Gedächtnis festzusetzen.

Fazit: »L’Ottavo Giorno« von MADVICE ist ein hörenswertes Werk für Fans von Melodic-Death-Metal, die auf emotionale Tiefe und musikalische Vielfalt stehen.

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MADVICE - L'Ottavo Giorno - CD Review

ADLIND – Promises

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ADLIND - Promises - album artwork
ADLIND - Promises - album artwork

Band: ADLIND 🇩🇪
Titel: Promises
Label: Selfreleas
VÖ: 01/05/26
Genre: Alternative Rock

Tracklist

01. Fly Away
02. Taking It Too Far Again
03. This Time
04. Redefine Happiness
05. Promises

 

Besetzung

Marcel Austein – Vocals/Guitar
Thomas Lang – Guitar
Friedrich “Begginger” Hecking – Drums, Backing Vocals
Felix Thirion – Bass

 

Bewertung:

3,5/5

Die deutsche Alternative-Rock-Band ADLIND formiert sich aus Marcel Austein (Gesang, Gitarre), Thomas Lang (Gitarre), Friedrich „Begginger“ Hecking (Drums, Backing Vocals) und Felix Thirion (Bass). Das Quartett steht für einen Sound, der bewusst auf Effekthascherei verzichtet und stattdessen auf Substanz setzt. Mit ihrer EP »Promises« legen sie nun ein kompaktes, fünf Tracks starkes Statement vor, das ihre musikalische Handschrift klar umreißt.

Zwischen Wüste und Großstadt

»Promises« bewegt sich stilistisch in einem Spannungsfeld, das sich irgendwo zwischen Desert-Rock und Alternative-Metal öffnet. Dabei gelingt ADLIND ein bemerkenswert ausgewogenes Verhältnis! Die trockene, leicht staubige Klangästhetik erinnert an weite Landschaften, während die Produktion gleichzeitig modern und druckvoll bleibt. Wichtig ist dabei, dass die Band nicht in die Falle tappt, die viele Genre-Kollegen mitnehmen. Die oft bemühte, etwas überstrapazierte Teen-Angst bleibt außen vor. Stattdessen dominieren kontrollierte Energie und ein gewisser nüchterner Blick auf Emotionen.

Die fünf Songs wirken wie bewusst gesetzte Markierungen, keine überladenen Experimente. Jeder Track hat Raum zu atmen, ohne sich zu verlieren. Diese Reduktion ist kein Mangel, sondern Teil des Konzepts.

Direkt, aber nicht simpel

Der Opener »Fly Away« setzt sofort den Ton. Ein geradliniger Einstieg, getragen von markanten Gitarren und einem Rhythmus, der sich nicht aufdrängt, sondern trägt. Austeins Stimme bleibt dabei angenehm unaufgeregt. Sie führt durch den Song, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

»Taking It Too Far Again« schiebt die Energie ein Stück weiter nach vorne. Hier zeigt sich die Band kompakter, fast schon kantiger. Die Gitarrenarbeit von Austein und Lang greift sauber ineinander, ohne sich gegenseitig zu überladen. Gerade in solchen Momenten wird deutlich, wie gut das Zusammenspiel innerhalb der Band funktioniert.

Mit »This Time« folgt ein Stück, das stärker auf Dynamik setzt. Ruhigere Passagen treffen auf kontrollierte Ausbrüche, ohne dass der Song auseinanderfällt. Es ist genau diese Balance, die »Promises« insgesamt trägt.

Klang ohne Überbau

»Redefine Happiness« gehört zu den Tracks, die besonders von der klaren Produktion profitieren. Die Instrumente stehen sauber im Raum, nichts wirkt künstlich aufgeblasen. Stattdessen entsteht eine fast schon greifbare Direktheit. Der Song selbst bleibt dabei zugänglich, ohne sich anzubiedern.

Der Titeltrack »Promises« schließt die EP ab und fasst die zuvor gesetzten Elemente noch einmal zusammen. Hier zeigt sich die Band am geschlossensten, rhythmisch präzise, melodisch klar und mit einem Gespür für Spannungsbögen, das sich über die gesamte Spielzeit entwickelt hat.

Auffällig ist, wie sehr ADLIND auf Schnörkel verzichten. Keine unnötigen Layer, keine überproduzierten Effekte. Das Ergebnis ist ein Sound, der geerdet wirkt und genau dadurch überzeugt.

Handwerk im Fokus

Ein wesentlicher Faktor für die Wirkung von »Promises« liegt im handwerklichen Niveau der Band. Friedrich Hecking liefert ein präzises, unaufgeregtes Drumming, das den Songs Struktur gibt, ohne sie zu dominieren. Felix Thirions Bass sorgt für das notwendige Fundament, bleibt dabei aber stets beweglich.

Die Gitarrenarbeit ist vielleicht das prägnanteste Element. Austein und Lang setzen auf klare Linien statt auf technische Selbstdarstellung. Riffs haben Gewicht, ohne überladen zu sein. Das verleiht den Songs eine gewisse Zeitlosigkeit, die im Genre nicht selbstverständlich ist.

Klarer Stil, begrenztes Risiko

So überzeugend die EP in vielen Momenten wirkt, bleibt sie dennoch innerhalb eines klar gesteckten Rahmens. Große Überraschungen sind nicht zu erwarten. Wer nach radikalen Brüchen oder stilistischen Experimenten sucht, wird hier nicht fündig.

Das kann man als Schwäche lesen, es lässt sich aber auch als bewusste Entscheidung interpretieren. ADLIND konzentrieren sich auf das, was sie können, und machen daraus ein stimmiges Gesamtbild. Gerade in einem Genre, das oft zwischen Überproduktion und Beliebigkeit schwankt, hat diese Haltung ihren Reiz.

»Promises« ist eine EP, die sich nicht aufdrängt, aber hängen bleibt. Sie lebt von ihrer Klarheit, ihrer Struktur und einem Sound, der ohne große Gesten auskommt. ADLIND zeigen, dass Alternative-Rock auch ohne Pathos und Klischees funktionieren kann.

Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 positioniert sich das Release solide im oberen Mittelfeld. Es ist kein revolutionäres Werk, aber ein ehrliches, gut gemachtes Stück Musik, das vor allem durch seine Konsequenz überzeugt. Wer auf geradlinigen, modernen Rock mit Substanz setzt, wird hier definitiv fündig.

Fazit: »Promises« von ADLIND ist ein Album, das durch seine Ehrlichkeit und Energie überzeugt.

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ADLIND - Promises - CD Review

Artillery – Made In Hell (EP)

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Artillery - Made In Hell - album artwork
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Band: Artillery 🇩🇰
Titel: Made In Hell
Label: Mighty Music
VÖ: 15/05/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Made In Hell
02. Ghost In The Machine
03. Into The Universe
04. The Almighty (Live)

Besetzung

Martin Steene – Vocals
Michael Stützer – Guitar
René Loua – Guitar
Peter Thorslund – Bass
Frederik Kjelstrup Hansen – Drums

Bewertung:

4/5

Wie würde eine Metalband in der Hölle klingen? Wir wissen es nicht, aber wenn eine Band wie Artillery nach über vier Jahrzehnten Bandgeschichte mit einer neuen EP um die Ecke biegt, darf man durchaus hellhörig werden. Die dänischen Thrash-Veteranen gehören nicht zu jenen Formationen, die ihren Namen nur noch als nostalgisches Etikett vor sich hertragen. Artillery waren immer dann am stärksten, wenn sie rohe Thrash-Brachailität mit technischer Eleganz verbunden haben. Genau diese Mischung zieht sich auch durch »Made In Hell«.

Vier Songs, knapp unter zwanzig Minuten Spielzeit, zwei neue Stücke, ein neu eingespielter Klassiker und ein Live-Abriss aus der Frühphase. Auf dem Papier klingt das nach typischer EP-Resteverwertung. In der Praxis wirkt »Made In Hell« aber eher wie ein Lebenszeichen mit breiter Brust. Nicht alles ist zwingend notwendig, doch vieles macht schlicht Laune.

EIN NEUER ANLAUF MIT ALTEM STAHL

Besonders interessant ist diese Veröffentlichung, weil sie die erste mit der neuen Besetzung ist. Martin Steeneübernimmt den Gesang, René Loua verstärkt die Gitarrenfront, und Frederik Kjelstrup Hansen sitzt hinter dem Schlagzeug. Zusammen mit Michael Stützer und Peter Thorslund klingt die Band nicht wie ein Museum, das noch einmal die alten Exponate poliert, sondern wie eine Maschine, die nach Wartung wieder auf Betriebstemperatur läuft.

Aufgebaut auf einem Fundament aus treibenden Drums und satten Bässen, setzen Artillery ihre Riffs wie glühende Stahlträger in ein Gerüst aus klassischem Thrash Metal. Die Produktion ist modern und druckvoll, aber nicht steril. Genau das ist wichtig. Diese Musik braucht Kanten, braucht Reibung, braucht den Eindruck, dass irgendwo im Hintergrund noch Öl, Schweiß und Verstärkerhitze in der Luft liegen.

DER TITELTRACK ALS HÖLLENMARSCH

Der Einstieg mit »Made In Hell« macht sofort klar, wo der Hammer hängt. Ein orientalisch angehauchtes Gitarrenmotiv öffnet den Song, fast so, als würde kurz ein heißer Wüstenwind durch die Boxen ziehen, bevor die Band in den eigentlichen Thrash-Modus schaltet. Das Tempo bleibt über weite Strecken eher im mittleren Bereich, doch gerade dadurch bekommt der Song eine schwere, stampfende Wirkung.

Hier wird nicht kopflos gerast, sondern mit kontrollierter Wucht gearbeitet. Die Gitarren riffen eng und präzise, das Schlagzeug schiebt mit Doublebass-Druck nach vorne, und Martin Steene zeigt direkt, dass er mehr kann als nur den neuen Mann am Mikrofon zu markieren. Seine Stimme besitzt Biss, eine gewisse Rohheit und genug melodische Höhe, um sich gegen die Gitarrenwand durchzusetzen.

Inhaltlich wirkt »Made In Hell« wie eine zynische Betrachtung einer Welt, die ihre eigenen Katastrophen immer wieder neu produziert. Krieg, Gewalt und menschliche Selbstzerstörung stehen sinnbildlich im Raum. Der Song klingt nicht wie ein erhobener Zeigefinger, sondern wie eine Thrash-Metal-Sirene aus einer brennenden Fabrikhalle.

GEISTER (Die Wir riefen) IN DER MASCHINE

Mit »Ghost In The Machine« folgt der zweite neue Song, und dieser wirkt etwas moderner, nervöser und technischer. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders sauber ausgearbeitet. Ein instrumentaler Einstieg, ein starkes Lead-Motiv und tightes Riffing sorgen dafür, dass der Song nicht einfach nur als zweiter neuer Track neben dem Titelstück steht, sondern ein eigenes Gesicht bekommt.

Das Stück beschäftigt sich sinngemäß mit Entfremdung, Kontrollverlust und der Frage, was vom Menschen übrigbleibt, wenn Technik, digitale Systeme und künstliche Intelligenz immer stärker in das eigene Denken eingreifen. Artillerymachen daraus keinen futuristischen Plastiktrack, sondern bleiben klar im Thrash verwurzelt. Gerade dieser Kontrast funktioniert: kaltes Thema, heiß gespielte Musik.

Auch hier fällt auf, wie gut Martin Steene in die Band passt. Er erreicht nicht zwangsläufig die Klasse früherer Sänger in deren besten Momenten, aber er bringt genügend eigene Farbe mit. Seine Stimme ist rau, flexibel und wirkt nie wie ein Fremdkörper. Dazu kommen Gitarrensoli, die nicht nur Pflichtprogramm sind, sondern echte Spannungsbögen setzen.

ALTE WURZELN, NEUER DRUCK

Mit »Into The Universe« greifen Artillery tief in die eigene Geschichte zurück. Der Song stammt ursprünglich vom Debüt »Fear Of Tomorrow« aus dem Jahr 1985 und bekommt hier eine neue Produktion spendiert. Bei Neueinspielungen alter Klassiker darf man grundsätzlich skeptisch sein. Nicht alles, was früher glühte, muss noch einmal frisch lackiert werden.

In diesem Fall funktioniert es jedoch ordentlich. Die moderne Produktion gibt dem Song mehr Druck, die Gitarren schneiden klarer durch den Mix, und das Stück wirkt weniger wie ein nostalgischer Blick zurück als wie ein Beweis, dass das alte Material immer noch Zähne hat. Hier wird das Tempo spürbar angezogen, die Riffs sind aggressiver, und die Band erinnert daran, warum sie im europäischen Thrash Metal einen festen Platz hat.

Der Song ist ein willkommenes Gegengewicht zu den beiden eher kontrolliert-mittleren neuen Stücken. Wo »Made In Hell« und »Ghost In The Machine« ihre Kraft stärker aus Aufbau und Präzision ziehen, kommt »Into The Universe«direkter aus der alten Schule. Das tut der EP gut.

LIVE-ROST STATT STUDIOLACK

Zum Abschluss gibt es mit »The Almighty« eine Live-Version eines weiteren Frühwerks. Auch hier stellt sich die Frage, ob man diesen Song in dieser Form zwingend gebraucht hätte. Für eine vollwertige neue Veröffentlichung wäre das zu wenig frisches Material. Als Abrundung einer EP funktioniert es aber.

Die Live-Aufnahme zeigt, dass Artillery auf der Bühne nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Der Song kommt schnell, aggressiv und mit klassischer Thrash-Metal-Wucht aus den Boxen. Man hört keine polierte Perfektion, sondern eine Band, die ihr altes Material mit genügend Feuer spielt. Gerade das lange Lead-Spiel im Mittelteil wirkt wie ein Gruß aus einer Zeit, in der Thrash Metal noch nicht verwaltet, sondern geschmiedet wurde.

ZWISCHEN ELEGANZ UND APOKALYPSE

Die große Stärke von Artillery liegt auch auf »Made In Hell« darin, dass die Band technische Präzision und rohe Energie miteinander verbinden kann. Viele Thrash-Bands entscheiden sich entweder für stumpfe Abrissbirne oder für verkopfte Fingerakrobatik. Artillery schaffen es, beides zusammenzubringen. Die Riffs haben Biss, die Soli besitzen Klasse, und die Songs wirken trotz aller Routine nicht gelangweilt.

Allerdings hat die EP auch ihre Grenzen. Die beiden neuen Songs sind stark, bleiben aber häufig im Midtempo verankert. Das gibt ihnen Druck, nimmt ihnen aber stellenweise etwas Raserei. Gerade bei einer Band wie Artillerywünscht man sich hin und wieder, dass der Motor komplett aufgerissen wird. Diesen Dienst übernehmen dann eher »Into The Universe« und »The Almighty«.

Dazu kommt das grundsätzliche Problem des EP-Formats. Zwei neue Songs sind ein guter Appetizer, aber kein Festmahl. Man bekommt genug, um wieder Hunger auf ein neues Album zu entwickeln, aber nicht genug, um komplett satt zu werden. In diesem Sinne ist »Made In Hell« weniger ein abgeschlossenes Kapitel als ein heißer Blick durch die Tür zum nächsten größeren Angriff.

FAZIT

»Made In Hell« von Artillery ist kein revolutionärer Neuanfang, aber ein starkes Lebenszeichen. Die neue Besetzung wirkt stabil, Martin Steene macht am Mikrofon eine überzeugende Figur, und René Loua fügt sich gut in die Gitarrenfront ein. Die beiden neuen Songs zeigen eine Band, die ihre klassischen Markenzeichen nicht vergessen hat und dennoch frisch genug klingt, um nicht nur von der Vergangenheit zu leben.

Die Neueinspielung von »Into The Universe« bringt zusätzlichen Druck, während »The Almighty« als Live-Abschluss die alten Wurzeln mit Schweiß und Bühnenenergie verbindet. Nicht alles auf dieser EP ist unverzichtbar, und ein bisschen mehr Tempo hätte den neuen Stücken gutgetan. Doch schlecht ist hier gar nichts. Im Gegenteil: Artilleryliefern eine kompakte, sauber produzierte und riffstarke Thrash-Metal-Packung ab, die Lust auf mehr macht.

Wenn »Made In Hell« ein Vorbote für ein kommendes Album ist, darf die Thrash-Gemeinde die Lauscher schon einmal spitzen. Der dänische Geschützstand ist wieder geladen.

Internet

ARTILLERY - Made In Hell - CD Review