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DISCERPTUS – Rebirth

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DISCERPTUS - Rebirth - album cover
DISCERPTUS - Rebirth - album cover

Band: DISCERPTUS 🇪🇸
Titel: Rebirth
Label: Independent
VÖ: 16/01/26
Genre: Death/Thrash/Groove Metal

Tracklist

01. Path of Isolation (Intro)
02. Rebirth
03. Morbid desire
04. Night
05. Silence of my darkness
06. Sunrise
07. Time
08. I Feel
09. Bad Blood
10. Black Lake

 

Besetzung

Antonio Carlos Rodríguez Espigares – Bass
Jorge Utrera – Drums
Jose „Cabra – Guitar
Juan Carlos Limón Calvo – Guitar
Ciro E. Sánchez Mártil – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

DISCERPTUS kommen aus Spanien und gehören zu den Bands, die sich nie auf ein einziges Subgenre festnageln lassen. Death-, Thrash- und Groove-Metal greifen bei ihnen ineinander wie Zahnräder, mal kantig, mal erstaunlich eingängig. Das aktuelle Line-up besteht aus Antonio Carlos Rodríguez Espigares am Bass, Jorge Utrera am Schlagzeug, Jose „Cabra“ und Juan Carlos Limón Calvo an den Gitarren sowie Ciro E. Sánchez Mártil am Mikrofon. Mit »Rebirth« legt die Band ihr Debütalbum vor, das den eigenen Neustart nicht bloß im Titel trägt, sondern daneben musikalisch durchzieht.

Ein Album zwischen Druck und Struktur

Schon der Opener »Path of Isolation« setzt die Richtung. Ein kurzes Intro, das düster und zurückhaltend beginnt, im Kontrast hierzu schnell Spannung aufbaut. Ein bewusst gesetzter Einstieg, der auf das Kommende vorbereitet. Direkt danach knallt der Titelsong »Rebirth« los und zeigt, wo DISCERPTUS stehen. Wuchtige Riffs, ein treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der irgendwo zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Härte pendelt. Hier wirkt nichts beliebig. Die Band klingt fokussiert und erstaunlich geschlossen.

Gerade in den ersten Minuten des Albums wird klar, dass »Rebirth« weniger auf rohe Chaosenergie setzt als auf Struktur. Die Songs sind klar gebaut, mit wiedererkennbaren Riffmotiven und sauberen Übergängen. Das gibt der Platte ein solides Fundament, nimmt ihr aber an manchen Stellen desgleichen einigermaßen von der Wildheit, die man aus Death- oder Thrash-Kontexten kennt.

Die Gitarren als treibende Kraft

Das Gitarrenduo Cabra und Limón Calvo trägt das Album hörbar. In Songs wie »Morbid Desire« oder »Night« liefern sie sich ein ständiges Wechselspiel aus drückenden Rhythmusfiguren und kurzen melodischen Linien. Besonders »Night« profitiert von dieser Dynamik. Der Song schleppt sich nicht einfach nur schwerfällig vorwärts, sondern bekommt durch kleine Leads immer von vorn neue Akzente.

»Silence of my Darkness« geht einen anderen Weg. Hier dominieren langsamere, approximativ doomige Passagen, die viel Raum für Atmosphäre lassen. Ciros Gesang wirkt hier besonders intensiv, weil er nicht permanent gegen ein Hochgeschwindigkeits-Drumming ankämpfen muss. Das ist einer der Momente, in denen DISCERPTUS zeigen, dass sie mehr können als uneingeschränkt Druck machen.

Rhythmus Arbeit mit Licht und Schatten

Jorge Utreras Schlagzeugspiel ist technisch sauber und durchgehend präsent. In den schnelleren Nummern wie »Rebirth« oder »Bad Blood« treibt er die Songs kompromisslos voran, ohne sie zu überladen. Die Doublebass sitzt, die Breaks kommen punktgenau. Trotzdem bleibt das Spiel meist eher funktional als spektakulär. Das passt zum Stil der Band, sorgt außerdem dafür, dass manche Passagen weniger im Gedächtnis bleiben.

Der Bass von Antonio Carlos Rodríguez Espigares ist solide eingebettet, tritt allerdings selten in den Vordergrund. In einem Genre, das oft von tiefen, wuchtigen Frequenzen lebt, hätte man sich hier ruhig mehr Mut zur Präsenz wünschen können. Gerade in den groovigeren Momenten wie »Time« oder »I Feel« wäre ein stärkerer Basscharakter ein Gewinn gewesen.

Zwischen Aggression und Melancholie

Mit »Sunrise« und »Time« schlägt das Album eine halbwegs nachdenklichere Richtung ein. Die Songs wirken offener, weniger verkrampft auf Härte getrimmt. Besonders »Sunrise« überrascht mit einer fast hoffnungsvollen Grundstimmung, ohne dabei die metallische Identität zu verlieren. Diese Tracks geben der Platte Luft zum Atmen und verhindern, dass alles in einer einzigen aggressiven Linie verschwimmt.

»I Feel« geht noch einen Schritt weiter in Richtung Melodie und Emotionalität. Das ist nicht unbedingt der stärkste Song auf »Rebirth«, wenngleich einer der ehrlichsten. Man hört, dass DISCERPTUS hier nahezu Persönliches transportieren wollen, wenngleich die Umsetzung stellenweise annähernd zahm wirkt.

Finale mit dunklem Nachhall

»Bad Blood« zieht das Tempo wieder an und erinnert an die Thrash-Wurzeln der Band. Hier sitzt der Groove, die Riffs sind griffig und der Refrain bleibt hängen. »Black Lake« als Abschluss ist dagegen deutlich düsterer. Ein schwerer, schleppender Song, der das Album in einer trüben, annähernd resignierten Stimmung ausklingen lässt. Ein passender Kontrast zum kämpferischen Titel »Rebirth«.

»Rebirth« ist ein Album, das mehr über Entwicklung als über Revolution erzählt. DISCERPTUS haben ihren Sound gestrafft, ihn zugänglicher und klarer gemacht, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Nicht jeder Song zündet sofort, und an manchen Stellen fehlt der letzte Funke Risiko. Trotzdem überzeugt die Platte durch ein geschlossenes Auftreten, starke Gitarrenarbeit und eine spürbare innere Logik. Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten ist »Rebirth« ein solides, ehrliches Metal-Album, das Fans von Death, Thrash und Groove gleichermaßen etwas bietet.

Fazit: Insgesamt ist »Rebirth« ein solides Album, das die Stärken von DISCERPTUS unterstreicht.

Internet

DISCERPTUS - Rebirth - CD Review

GROS ENFANT MORT – Le Sang Des Pierres

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cover artwork GROS ENFANT MORT Le Sang Des Pierres
cover artwork GROS ENFANT MORT Le Sang Des Pierres

Band: GROS ENFANT MORT 🇫🇷
Titel: Le Sang Des Pierres
Label: Moment of Collapse Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Post-Hardcore, Screamo 

Tracklist

01. Cloué au sol
02. Saigne! Saigne! Saigne!
03. Château de cartes
04. 3114
05. Étranger à la Terre
06. Paillasson 4ever
07. L’art de perdre
08. Merci les cendres
09. Le sang des pierres

Besetzung

Alexis – All instruments, Vocals

Bewertung:

4/5

Vier Jahre nach ihrem Debut-LP kehren GROS ENFANT MORT mit einem neuen Album „Le Sang Des Pierres“ zurück und erforschen weiter die Grauzonen der Existenz ohne Filter: Depression, Isolation, mentale Gesundheit in einem sehr dramatischen Werk. Besser erklärt von der Band: „Die Notwendigkeit, dieses Album zu kreieren, entstand aus Erschöpfung, aus Leere, einem langsamen, fast unsichtbaren Zusammenbruch nach Jahren der Anstrengung, einen Platz in einer feindlichen Welt zu finden.“ Oder noch klarer: „Dieses Album erkundet, was mich direkt in die Wand geführt hat: eine verschlingende Entfremdung, genährt durch soziale Erwartungen, Arbeitsplatz-Dominanz, die Absurdität der Welt, psychischen Schmerz, Trauer und das Gefühl, abgeschnitten zu sein.

Von melancholisch zu verzweifelt

Die ersten Akkorde im Album – ein distanziertes Klavier setzt eine traurige und melancholische Atmosphäre. „Cloué au sol“ ist langsam, melodisch, geladen mit Emotionen. Die Clean Vocals nehmen dann eine dramatische Wendung in volles Screamo – verzweifelt und aggressiv. Die Instrumentierung bekommt auch eine neue Dynamik, und hier wird Post Hardcore zum dominanten Sound. Ein Song mit klarer Evolution von ruhig zu offensiv und von melancholisch zu verzweifelt. Ein starker Start ins Album, impaktvoll.

GROS ENFANT MORT, primär ein Solo-Screamo/Post-Hardcore-Projekt, initiiert von Alexis (Drummer von Johk) 2019 aus Poitiers, Frankreich. Das Projekt entwickelte sich zu einer vollen Live-Band, mit ehemaligen Mitgliedern von Johk und Low Relief, die sich Alexis für Touren anschlossen, mit einem diversen Line-up von Musikern an Gitarren, Bass, Drums und Vocals. Dieses intensive Ensemble kreierte eine Atmosphäre, die an Birds in Row und Converge erinnert. Alexis ist der Initiator und Hauptkomponist, verantwortlich für alle Instrumente und Vocals für die Studioaufnahmen. Auch die Texte sind seine Aufgabe, und damit fügt er eine weitere Komplexitätsebene zur bereits verstörenden Musik hinzu.

Saigne! Saigne! Saigne!“ ist aggressiv von den ersten Noten an – die ganze Atmosphäre ist verändert, massive Schreie transformieren den ganzen Sound in einen wütenderen und vor Wut strotzenden. Aber ein Hauch von Melodie ist auch da, fungiert als kontrastierendes Element hinter dem Haupt-Sound, sehr dissonant und aggressiv. Sehr gut gespieltes und hart schlagendes Drumming, aber ansonsten minimale Instrumentierung ergänzt mit Momenten aggressiver Ausbrüche.

Kontraste zwischen Wut und versteckter Wärme

Ein insgesamt schwererer Sound wechselt sich ab mit ruhigeren, aber mit wütenden Vocals. „Château de cartes“ ist ein weiterer Song voll von widersprüchlichen und diskrepanten Sounds, aber als Atmosphäre klar auf der verzweifelten, aber aggressiven Seite. Trotzdem webt eine schöne, ferne Gitarre eine schöne melodische Linie. „3114“ ist ein klarer Schritt in Hardcore-Musik, diesmal voll aggressiv – es gibt nichts, was die Stimmung glättet oder mildert. Auch wenn der Rhythmus verlangsamt und die Instrumente fast verschwinden, halten die Vocals den dissonanten und hasserfüllten, wütenden Ansatz. Wütend, genervt, verzweifelt – die Vocals übertragen viele Emotionen durch simple aber effiziente Schreie.

Die Produktion ist sehr gut, kombiniert Klarheit und Rohheit, genau wie die Musik ist. Und den emotionalen Zuständen folgend, die durch Musik ausgedrückt werden, wechseln sich Passagen mit gutem und klarem Sound mit lärmenden und voll aggressiven ab. Auch ambientere Passagen sind sehr gut integriert. Manchmal können ferne und distanzierte Melodien gehört werden, spielend mit dieser Distanz – die Produktion schließt sich auch an, verschiedene Klangschichten mit verschiedenen Intensitäten zu formen. Insgesamt ein guter Ansatz und ein gut gemachter Job.

Der bereits etablierte Sound voll von Kontrasten setzt sich durch die nächsten Songs fort. „Étranger à la Terre“ bringt mehr Melodie ins Spiel, ein Song mit vollerem Sound, komplexerer Komposition und Instrumentierung, mit beeindruckendem Bass-Sound und insgesamt auf allen Instrumenten das Können des Musikers zeigend. „Paillasson 4ever“ kommt mit dramatischen Wendungen, insgesamt nicht melodisch, ein weiteres Beispiel für pure Wut und Verzweiflung.

Verstörende emotionale Reise ohne Erleichterung

L’art de perdre“ bleibt in der leidenschaftlichen, aber verzweifelten Stimmung, aber langsam macht eine melodische Linie Platz im Song, bis nur eine akustische Gitarre bleibt, melodisch, melancholisch und distanzierte Vocals, fast sprechend. Aber keine Erleichterung – negative Stimmungen werden immer noch durch die Melodie übertragen. Eine Wand aus Sound macht „Merci les cendres“ zu einem der aggressivsten Momente des Albums, auch wenn langsam die Instrumentierung strukturierter und scheinbar melodischer wird. Aber eine abrupte Rückkehr zur lärmenden Seite der Band macht den Song sehr dynamisch und auch zu einem der interessantesten auf dem Album.

Der finale Track, auch der Titelsong „Le sang des pierres„, startet langsam, vage melodisch. Die elende Stimmung wird perfekt von Vocals eingefangen, eine ziemlich defätistische und demoralisierte Atmosphäre, die Musik in nur ambiente Sounds transformiert – traurig, niedergeschlagen, von Trauer erfüllt. Nicht die emotionale Erleichterung, auf die man gehofft hat, sondern im Gegenteil gräbt der Song tiefer in Negativität und gequälte Gefühle. Aber genau weil der Song so klar Gefühle überträgt, ist es ein würdiges Ende eines verstörenden Albums.

Musik als Gefäßvermittler für Emotionen

Musik voll von Kontrasten, Musik voll von Wut, aber auch mit einer weichen, warmen Seite, gut versteckt hinter dem Hauptsound. Geboren aus Erschöpfung und Leere ist die Musik ein perfekter Empfänger von Gefühlen und konzipiert diese in Musik. Sehr transparent auch – das Album ist auch eine Reise in mentale Zustände, wie Alexis es erklärte: „Es spricht die heimtückische Art an, wie Depression sich festsetzt und uns graduell von anderen abschneidet, obwohl so viele durch dieselbe Verzweiflung leben, nur in verschiedenen Skalen.“ Und das ist genau, wie man sich fühlt beim Hören des Albums.

Die Musik selbst spielt eine sekundäre Rolle auf dem Album – der Hauptzweck der Arbeit ist es, Emotionen zu übertragen, und in diesem Zweck erfüllt das Album seine Rolle. Kein angenehmes Hören, aber nie als eines gedacht – es ist eine verstörende und emotional geladene Erfahrung. Aber ein gutes Album, eine komplette Arbeit, ein Sound, der sowohl angespannt als auch tief emotional ist, eine Mischung aus rohen Ausbrüchen und abrasiver Poesie.

Fazit: Verstörend und emotional überträgt „Le Sang Des Pierres“ von GROS ENFANT MORT pure Emotionen durch Musik und Texte.

Internet

GROS ENFANT MORT - Le Sang Des Pierres

DIEVERSITY – IV

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Dieversity IV album cover
Dieversity IV album cover

Band: DIEVERSITY 🇩🇪
Titel: IV
Label: El Puerto Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Modern/Melodic Death Metal

Tracklist

01. IV
02. Piece Of Mind
03. Blame Me
04. Animal
05. Gears Of Society
06. Tyrant
07. Trees Of Yesterday
08. Short Fuse
09. Free
10. The Hunt
11. Phantom Silhouette

 

Besetzung

Robin Mattner – Vocals
Daniel Heß – Guitars
Olav Langer – Guitars
Max Sommerlad – Bass
Dominik Waldorf – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Mit DIEVERSITY steht eine Band auf der Bühne, die im Melodic-Death-Metal nicht uneingeschränkt technisch überzeugt, sondern desgleichen erzählerisch zu packen weiß. Auf ihrem vierten Album »IV« beweisen Robin Mattner am Gesang, Daniel Heß und Olav Langer an den Gitarren, Max Sommerlad am Bass und Dominik Waldorf am Schlagzeug, dass die Formation sowohl Dynamik als daneben Abwechslung auf hohem Niveau beherrscht. Nach drei vorherigen Veröffentlichungen hatten Fans hohe Erwartungen – und die Band liefert sie fast vollständig ein.

 

Ein Intro, das Erwartungen weckt

 

Das Album beginnt mit »IV«, dass keine langen Aufwärmrunden benötigt. Stattdessen legt das Stück mit gut einer Minute eine dunkle, atmosphärische Grundierung, die den Hörer sofort in die Welt von DIEVERSITY zieht.

Melodie und Aggression

Der Übergang zu »Piece Of Mind« zeigt die Stärke der Band im Melodic-Death-Metal: harte Riffs, einprägsame Melodien und Mattners kraftvoller, im Kontrast hierzu variabler Gesang ergeben einen Song, der sowohl Headbanger sowie Fans komplexerer Strukturen abholt. Direkt im Anschluss schiebt »Blame Me« nach: ein Track, der mit Breakdowns arbeitet, die sich organisch in die melodischen Passagen einfügen. Die Produktion sitzt, jeder Gitarrenlauf ist klar definiert, und das Zusammenspiel zwischen Bass und Schlagzeug sorgt für ein Fundament, das nicht wackelt.

Rohe Energie trifft Gesellschaftskritik

Mit »Animal« und »Gears Of Society« verschiebt die Band den Fokus auf gesellschaftliche Themen. »Animal«, schreit förmlich nach Ungezügeltheit, während »Gears Of Society« ein mechanisches, annähernd maschinelles Gefühl erzeugt, das die Textinhalte unterstützt. Die Songs haben Tempo, Aggression und Struktur zugleich. Auffällig ist, dass die Band es versteht, die Schwere nicht nur über den Sound, sondern darüber hinaus über das Storytelling zu transportieren – eine Balance, die im Genre nicht selbstverständlich ist.

Dunkle Atmosphäre

Die Mitte des Albums wird mit »Tyrant« düsterer. Hier zeigen DIEVERSITY ihr Talent, Spannung aufzubauen. Die Gitarren wechseln zwischen schneidenden Leads und melodischen Akzenten, während Mattners Gesang die Dramatik verstärkt. »Trees Of Yesterday« dagegen ist melancholisch, beinahe hymnisch. Es ist ein Stück, das zeigt, dass die Band auch Momente der Ruhe und Reflexion beherrscht, ohne dass die Härte verloren geht. Gerade in diesen Passagen wird deutlich, wie ausgereift das Songwriting geworden ist.

Kurz und intensiv

»Short Fuse« ist ein kurzer, aggressiver Ausbruch – mehr Schlag ins Gesicht als narrative Reise – und funktioniert hervorragend als Kontrast zu den längeren Tracks. »Free« öffnet demonstrativ den Blick in Richtung Aufbruch: melodische Leads treffen auf treibende Rhythmen, und Mattner zeigt vokale Variabilität, die den Song zu einem Highlight macht. Die Mischung aus Intensität und Eingängigkeit ist hier besonders gelungen.

Hochspannung zum Abschluss

Den Abschluss bilden »The Hunt« und »Phantom Silhouette«. »The Hunt« ist ein energiegeladenes Finale, das die Aggression noch einmal nach vorne treibt. Die Gitarren wechseln zwischen schweren Riffs und melodischen Läufen, während das Schlagzeug alle Details unterstützt. »Phantom Silhouette« rundet das Album ab, ohne den Druck herauszunehmen.

Reife und Vielschichtigkeit

Mit »IV« zeigen DIEVERSITY, dass Modern/Melodic-Death-Metal mehr sein kann als bloß Geschwindigkeit und Aggression. Die Band verbindet technische Präzision, eingängige Melodien und eine dramaturgische Songstruktur. Jeder Track hat seinen Platz, kein Füllmaterial lenkt ab, und die Produktion unterstützt die Energie, ohne steril zu wirken. Kleine Schwächen gibt es bei einzelnen Übergängen, die manchmal abrupt wirken, aber sie fallen kaum ins Gewicht.

Ein Album, das Fans des Genres begeistert und zusätzlich neugierige Hörer einlädt, die nach Melodie, Härte und Ausdruck gleichermaßen suchen. Mit diesem Werk positioniert sich DIEVERSITY als feste Größe im europäischen Metal, die man nicht unbedeutend hören, sondern erleben sollte.

Fazit: Mit »IV« ist DIEVERSITY ein beeindruckendes Werk gelungen, das sowohl die Härte des Melodic-Death-Metal und die Tiefe moderner Songwriting-Elemente vereint.

Internet

DIEVERSITY - IV - CD Review

CARRION VAEL – Slay Utterly

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CARRION VAEL - Slay Utterly - album cover
CARRION VAEL - Slay Utterly - album cover

Band: CARRION VAEL 🇺🇸
Titel: Slay Utterly
Label: Unique Leader Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. 19(fucking)78
02. Truth or Consequences
03. 1912
04. 30 on 9
05. 40 Echoes Upon the Parlor
06. Lord of 74
07. Bisection 47
08. Black Chariot

 

Besetzung

Travis Lawson Purcell – Vocals
Alex Arford – Bass
Trenton Limburg – Guitar
Ryan Kurder – Guitar
Matt Behner – Drums

 

Bewertung:

3/5

CARRION VAEL stammen aus den USA und bewegen sich seit Jahren zwischen modernem Melodic-Death-Metal, klassischem Thrash-Drive und einer ordentlichen Portion Death-Metal-Wucht. Die Band setzt auf ein technisch versiertes, im Kontrast hierzu nie völlig verkopftes Songwriting. Im aktuellen Line-up stehen Travis Lawson Purcell am Gesang, Alex Arford am Bass, Trenton Limburg und Ryan Kurder an den Gitarren sowie Matt Behner am Schlagzeug. Mit »Slay Utterly« legt das Quintett nun ein Album vor, das mehr auf Direktheit als auf große Experimente setzt.

Erster Eindruck

Schon der Opener »19(fucking)78« macht klar, wohin die Reise geht. Harte Riffs, schnelles Drumming und ein aggressiver Einstieg ohne Umschweife. CARRION VAEL verschwenden keine Zeit mit langen Intros oder atmosphärischem Aufbau. Stattdessen knallen sie dem Hörer ihr Riffmaterial direkt vor den Kopf. Das wirkt zunächst roh und ungefiltert, was dem Album einen gewissen Old-School-Charme gibt. Gleichzeitig merkt man desgleichen, dass hier eher auf Druck als auf feine Details gesetzt wird.

Die Produktion ist solide, wenngleich nicht übermäßig poliert. Die Gitarren stehen klar im Vordergrund, das Schlagzeug klingt trocken und direkt, der Bass bleibt vorwiegend im Hintergrund, ist im Gegensatz hierzu hörbar präsent. Purcells Gesang bewegt sich im typischen Melodic-Death-Metal-Rahmen, mal kehlig und aggressiv, mal nahezu tiefer und schleppender. Große melodische Bögen sucht man hier eher selten, dafür gibt es konstanten Vorwärtsdrang.

Songs und Struktur

Die Tracklist wirkt auf den ersten Blick kryptisch. Titel wie »1912«, »30 on 9« oder »Bisection 47« geben kaum Hinweise auf Inhalte oder Stimmungen. Musikalisch folgt das Album jedoch einer klaren Linie. Die meisten Songs bewegen sich im mittleren bis hohen Tempo, unterbrochen von gelegentlichen Groove-Passagen, die etwas Luft verschaffen.

»Truth or Consequences« sticht mit seinem eingängigen Hauptriff hervor. Hier gelingt der Band eine gute Balance zwischen Härte und Wiedererkennungswert. »40 Echoes Upon the Parlor« geht einen Schritt weiter und arbeitet mit leicht düsteren Harmonien, die dem Song mehr Tiefe geben. In diesen Momenten zeigt sich, dass CARRION VAEL durchaus mehr können als bloß Drauflos-Geballer.

»Lord of 74« bringt einen leicht thrashigen Einschlag ins Spiel. Die Gitarrenarbeit wirkt hier kantiger, das Schlagzeug treibt mit mehr Groove. Auch »Black Chariot« am Ende des Albums bleibt im Gedächtnis, weil er das Tempo nahezu variiert und nicht nur auf Dauerfeuer setzt.

Andere Stücke wie »30 on 9« oder »Bisection 47« erfüllen eher eine funktionale Rolle. Sie halten das Album am Laufen, liefern allerdings wenig eigene Akzente. Das führt dazu, dass sich in der Mitte von »Slay Utterly« eine gewisse Gleichförmigkeit einschleicht.

Gitarren, Rhythmus und Gesang

Das Herzstück des Albums ist eindeutig die beiden Gitarren. Limburg und Kurder liefern ein dichtes Riffgeflecht, das stark auf klassischen Melodic-Death-Metal der frühen 2000er verweist. Harmonien tauchen immer wieder auf, bleiben hingegen größtenteils kurz und werden schnell von vorn von aggressiveren Passagen verdrängt. Soli gibt es, sie stehen demgegenüber nicht im Mittelpunkt, sondern dienen eher als kurze Highlights zwischen den Riffs.

Matt Behners Schlagzeugarbeit ist präzise und kraftvoll. Blastbeats werden gezielt eingesetzt, ohne das komplette Album zu dominieren. In den langsameren Passagen zeigt er ein gutes Gespür für Groove, was den Songs mehr Bodenhaftung gibt. Alex Arfords Bass ist zwar nicht spektakulär abgemischt, trägt aber spürbar zur Wucht bei.

Purcells Stimme ist rau, durchsetzungsfähig und ziemlich konstant. Er variiert wenig, was einerseits für Wiedererkennung sorgt, andererseits dazu führt, dass die Songs stimmlich spärlich eigene Charaktere entwickeln.

Stärken und Schwächen

»Slay Utterly« punktet vor allem durch seine Energie. Das Album wirkt wie ein Live-Set, das ohne große Pausen durchgespielt wird. Wer schnörkellosen Melodic-Death-Metal mit ordentlich Druck sucht, bekommt hier genau das. Die Band klingt eingespielt und sicher in dem, was sie tut.

Die Kehrseite ist die fehlende Abwechslung. Nach etwa der Hälfte der Spielzeit hat man das Gefühl, die wichtigsten Ideen bereits gehört zu haben. Es fehlt an Songs, die wirklich herausragen oder eine andere Stimmung ins Spiel bringen. Ebenfalls tragen die Songtitel wenig zur Orientierung bei, was das Wiederfinden einzelner Tracks erschwert.

Fazit: »Slay Utterly« von CARRION VAEL ist ein hörenswertes Werk für Fans des Melodic-Death-Metal, die Wert auf dunkle Atmosphäre und technische Finesse legen.

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CARRION VAEL - Slay Utterly - CD Review

DEATHRAISER – Forged In Hatred

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cover artwork DEATHRAISER Forged In Hatred
cover artwork DEATHRAISER Forged In Hatred

Band: DEATHRAISER 🇧🇷
Titel: Forged In Hatred
Label: Xtreem Music
VÖ: 22/01/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Severe Atrocity
02. Primitive Medicine
03. Everything Dies
04. Corporation Parasite
05. Empire Of Ignorance
06. Symphony Of Violence
07. Toxic Legacy
08. One Step To The Grave
09. Dead Generation

Besetzung

Thiago Rocha – Vocals, Guitar
Ramon Bedim – Guitar
Junior Gaetho – Bass
William Fernandes – Drums

Bewertung:

4,5/5

Die brasilianischen Thrasher DEATHRAISER kehren mit ihrem zweiten Album „Forged In Hatred“ zurück, fünfzehn Jahre nach ihrem Debütwerk, einem damals gut aufgenommenen LP, und jetzt verspricht das neue Werk ein weiteres energiegeladenes Album.

Unkomplizierter Old-School Thrash voller Attitüde

Ein Album, das mit gruseligen Sounds startet und einen fühlen lässt wie in einem Horrorfilm, unmittelbar gefolgt von Uptempo, soliden Thrash Metal Akkorden. „Severe Atrocity“ kommt mit guten Riffs, wütenden Vocals, schnellem Drumming und insgesamt einem direkten Ansatz – aggressiv und mit gutem Rhythmus. Unkomplizierte Art von Thrash Metal, voll von Attitüde und giftig. Alles in allem ein guter Start, solide und vielversprechend.

Mehr wie eine Fortsetzung des ersten Songs setzt „Primitive Medicine“ das gnadenlose Drumming fort – enge und präzise Gitarren, raspelnde Schreie und eine rebellische Attitüde. Galoppierende Riffs setzen ein gutes Tempo, der Song hat eine rohe Energie, die die Musik zu einem guten Headbanging macht. Ein simpler Song, sehr klar verwurzelt in Old-School Thrash Metal, gute und direkte Art von Musik.

DEATHRAISER kommen aus Leopoldina, Minas Gerais im Osten Brasiliens, 2009 gegründet, und bemerkenswert mit demselben Line-up von Anfang bis jetzt. Und noch mehr: Alle Musiker waren Kollegen vor der aktuellen Band in Merciless, einer Band, die nach ein paar Jahren in DEATHRAISER transformiert wurde. Thiago Rocha an Vocals und Gitarre, Ramon Bedim für die zweite Gitarre, Junior Gaetho am Bass und William Fernandes hinter den Drums sind eine gut geölte Maschine, und man kann das klar auf „Forged In Hatred“ hören.

Everything Dies“ ändert den Ton etwas, bleibt aber definiert durch frenetische Riffs, hart schlagende Drums und geschriene Vocals. Der Tempowechsel macht die hämmernden Drums noch präziser und verdoppelt durch ein messerscharfes Gitarrensolo zusammen eine gute und dynamische Passage. Beeindruckender Rhythmus und sehr gut synchronisierte Instrumentierung, sehr technisch gespielt. Eine komplexere Komposition mit Wendungen und Wechseln in der melodischen Linie und insgesamt ein guter Song.

Rohe Produktion passt perfekt zur Musik

Unvergessliche Riffs machen „Corporation Parasite“ von den allerersten Akkorden an zu einem herausragenden Song. Schnell, mit sorgfältig ausgearbeiteten Solos, Maschinengewehr-Drumming, konfrontativen Vocals – ein Song voll von Energie und sehr lebendig. Und wieder beeindruckt die Musikalität mit präzisem und dichtem Sound. Mit einer klassischen Thrash Metal Struktur und voller Impact kommend – ein Höhepunkt.

Die Produktion ist ziemlich roh, aber das passt sehr gut zur Musik. Das gesamte Album hat eine Old-School-Stimmung, nicht nur durch Kompositionen, sondern auch durch die Produktion. Nicht sehr ausgeklügelt, der Sound wird bewusst sehr simpel gehalten, und genau das macht die Aufnahme zu einer impaktvollen. Keine unnötigen Ornamente, keine hyperkomplexen Arrangements – wie die Musik direkt und effizient ist, so ist auch die Produktion.

Das Album setzt sich in derselben Linie für die nächsten Songs fort. „Empire Of Ignorance“ bringt mehr Wechsel zwischen direkten und technischeren Teilen, „Symphony Of Violence„, ein instrumentaler Song, lässt die Gitarren und Rhythmussektion noch heller glänzen mit simplen Riffs, aber gutem Tempo. „Toxic Legacy“ setzt wieder ein verrückt schnelles Tempo, behält aber die effiziente Art von Thrash Metal – bestrafend und abrasiv.

Melodischer, mit einem Solo startet „One Step To The Grave„, aber bald übernimmt das wahnsinnig schnelle Drumming die Kontrolle, und der Rest der Instrumente schließt sich an – der infernalische Rhythmus dominiert die Klanglandschaft. Einige Rhythmuswechsel passieren allerdings und bringen mehr Melodie, aber der Song bleibt aggressiv. Der finale Song des LP „Dead Generation“ bringt die beeindruckenden Riffs und die hochtempoierte Rhythmussektion zurück – ein weiterer Höhepunkt des Albums.

Direktheit wie in den Anfängen des Thrash

DEATHRAISER erfindet hier das Rad nicht neu, aber präsentiert eine Arbeit, die alle traditionellen Thrash Metal Prinzipien respektiert und einfach ein gutes Stück dynamische und impaktvolle Musik liefert. Ein angenehmes Hören, energetisch, gut gespielt und mit unvergesslichen Riffs und Melodien. Auch sehr beeindruckend technisch – versierte Musiker, die sehr gut zusammen funktionieren und in einer engen und präzisen Instrumentierung resultieren.

Erinnernd an die erste Periode von Kreator, aber auch andere Urväter des Genres. Und sicher sind Einflüsse von frühen Sepultura durch das Album zu hören, und diese Verbindung zu den klassischen Thrash Metal Rhythmen und Melodien ist genau das, was das Album zu einem besonderen macht – nicht nur als Nostalgie, sondern wegen der Direktheit der Thrash-Musik, wie sie in den Anfängen war, und das ist heutzutage ziemlich selten. Für Fans von altem Thrash Metal, pur und simpel, eine klare Empfehlung.

Fazit: Beeindruckend und voller Impact – das neue Album „Forged In Hatred“ von DEATHRAISER ist ein gutes Beispiel für simplen und präzisen Thrash Metal.

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DEATHRAISER - Forged In Hatred

EDENBRIDGE – Set The Dark On Fire

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EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - album cover
EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - album cover

Band: EDENBRIDGE 🇦🇹
Titel: Set The Dark On Fire
Label: Steamhammer
VÖ: 16/01/26
Genre: Symphonic Power Metal

Tracklist

01. The Ghosthip Diarues
02. Cosmic Embrace
03. Where The Wild Things Are
04. Tears Of The Prophets
05. Our Place Among The Stars
06. Set The Dark On Fire
07. Bonded By The Light
08. Divine Dawn Reveal
09. Lighthouse
10. Spark Of The Everflame – Let Time Begin
11. Spark Of The Everflame – The Winding Road To Evermore
12. Spark Of The Everflame – Per Aspera Ad Astra
13. Spark Of The Everflame – Where It Ends, Is Where It Starts

 

Besetzung

Sabine Edelsbacher – Vocals
Lanvall – Guitars, Keys, Orchestration
Sven Sevens – Guitars
Steven Hall – Bass
Johannes Jungreithmeier – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

EDENBRIDGE gehören seit über zwei Jahrzehnten zu den festen Größen im europäischen Symphonic-Metal. Gegründet von Multiinstrumentalist und Songwriter Lanvall, steht die Band für große Melodien, orchestrale Weite und die unverkennbare Stimme von Sabine Edelsbacher. Das aktuelle Line-up bringt viel Erfahrung und Präzision zusammen: Sabine Edelsbacher am Gesang, Lanvall an Gitarre, Keyboard und Orchestration, Sven Sevens an der zweiten Gitarre, Steven Hall am Bass und Johannes Jungreithmeier am Schlagzeug.

Mit »Set The Dark On Fire« knüpft die Band nicht nur an ihre eigene Geschichte an, sondern setzt sie mit frischem Schwung fort.

Ein Album wie eine Reise

Schon der Opener »The Ghostship Diaries« zieht den Hörer in eine Welt aus schwebenden Keyboards, dramatischen Chören und treibenden Gitarren. EDENBRIDGE machen hier direkt klar, dass sie nichts von ihrer epischen Erzählkunst eingebüßt haben. Die Produktion ist klar, breit und druckvoll, ohne steril zu wirken. Alles atmet, alles hat Raum, insbesondere Sabine Edelsbachers Stimme, die sich mühelos über das dichte Arrangement legt.

»Cosmic Embrace« führt diese Stimmung weiter, wirkt im Kontrast hierzu etwas hymnischer. Die Refrains sind so gebaut, dass sie sich sofort festsetzen, ohne auf billige Eingängigkeit zu setzen. Lanvalls Handschrift ist überall zu spüren: große Harmonien, viele kleine Details im Hintergrund, die man erst beim zweiten oder dritten Durchlauf richtig wahrnimmt.

Zwischen Härte und Gefühl

Mit »Where The Wild Things Are« wird es kantiger. Die Gitarren treten stärker in den Vordergrund, das Schlagzeug arbeitet mit mehr Druck, ohne die symphonische Basis zu verlieren. Gerade hier zeigt sich die Stärke des aktuellen Line-ups. Johannes Jungreithmeier spielt präzise und dynamisch, während Steven Hall dem Ganzen eine warme, erdige Basis gibt.

»Tears Of The Prophets« ist eines der emotionalen Zentren des Albums. Sabine Edelsbacher klingt hier besonders nahbar, annähernd verletzlich. Die Melodie trägt eine gewisse Melancholie, die sich langsam zu einem kraftvollen Finale aufbaut. EDENBRIDGE verstehen es nach wie vor, Pathos einzusetzen, ohne ins Kitschige zu rutschen.

Der Titeltrack als Statement

»Set The Dark On Fire« ist mehr als bloß der Namensgeber. Der Song bündelt vieles, wofür die Band steht. Große Chöre, ein treibender Rhythmus und ein Refrain, der nach Bühne und Publikum schreit. Hier wird deutlich, wie sehr EDENBRIDGE für das Live-Gefühl schreiben. Das Stück wirkt wie ein Aufruf, sich dem Licht entgegenzustellen, musikalisch wie inhaltlich.

»Bonded By The Light« und »Divine Dawn Reveal« halten das Tempo hoch, wirken dabei im Gegensatz hierzu unterschiedlich in ihrer Ausrichtung. Während ersterer eher hymnisch und geradeaus kommt, spielt letzterer stärker mit Atmosphäre und schichtweisen Arrangements. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass das Album desgleichen in der zweiten Hälfte nicht an Spannung verliert.

Ruhepunkte und große Gesten

Mit »Lighthouse« gönnt sich die Platte einen Moment zum Durchatmen. Der Song ist ruhiger, fast balladesk, aber zu keinem Zeitpunkt belanglos. Die Melodie trägt viel Sehnsucht in sich, und genau darin liegt seine Stärke. EDENBRIDGE zeigen hier, dass sie nicht allein laut und groß können, sondern daneben leise und intensiv.

Das große Finale bildet die vierteilige »Suite Spark Of The Everflame«. Diese Sequenz ist ein eigenes kleines Album im Album. Von »Let Time Begin« über »The Winding Road To Evermore« bis hin zu »Per Aspera Ad Astra« und »Where It Ends, Is Where It Starts« entfaltet sich eine musikalische Erzählung, die alle Stärken der Band bündelt. Epische Bögen, progressive Elemente, ruhige Passagen und wuchtige Höhepunkte greifen hier ineinander. Besonders beeindruckend ist, wie organisch die Teile miteinander verbunden sind, ohne sich zu wiederholen.

Klang und Identität

Die Produktion von »Set The Dark On Fire« wirkt modern, wenngleich nicht glattgebügelt. Die Orchestrierungen stehen nie im Weg der Rockinstrumente, sondern ergänzen sie. Gerade im Symphonic-Metal ist das keine Selbstverständlichkeit. Hier fühlt sich alles ausbalanciert an. Lanvall beweist erneut, dass er nicht nahezu ein guter Songwriter, sondern auch ein feiner Arrangeur ist.

Sabine Edelsbachers Stimme bleibt das emotionale Zentrum. Sie trägt die Texte mit Klarheit und Ausdruck, ohne in übertriebene Dramatik abzurutschen. Man hört, dass sie diese Songs lebt.

»Set The Dark On Fire« ist ein starkes Album, das EDENBRIDGE auf der Höhe ihres Könnens zeigt. Es vereint alles, was Fans an der Band schätzen, und bringt genug frische Ideen mit, um nicht wie eine bloße Wiederholung früherer Erfolge zu wirken. Die Mischung aus Härte, Melodie und orchestraler Weite geht hier angelegentlich gut auf.

Fazit: EDENBRIDGE‘s »Set The Dark On Fire« ist ein beeindruckendes Album, das die Grenzen des Genres auslotet und neue Maßstäbe setzt.

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EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - CD Review

ALTER BRIDGE – Alter Bridge

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ALTER BRIDGE - Alter Bridge - album cover
ALTER BRIDGE - Alter Bridge - album cover

Band: ALTER BRIDGE 🇺🇸
Titel: Alter Bridge
Label: Napalm Records
VÖ: 09/01/26
Genre: Alternative Rock/Metal

Tracklist

01. Silent Divide
02. Rue The Day
03. Power Down
04. Trust In Me
05. Disregarded
06. Tested and Able
07. What Lies Within
08. Hang By A Thread
09. Scales Are Falling
10. Playing Aces
11. What Are You Waiting For
12. Slave To Master

 

Besetzung

Myles Kennedy – Vocals, Guitar
Mark Tremonti – Guitar, Vocals
Scott Phillips – Drums
Brian Marshall – Bass

 

Bewertung:

5/5

Vier Männer, ein klarer Auftrag

ALTER BRIDGE sind längst mehr als nur die „Ex-CREED-Band mit neuem Sänger“. Myles Kennedy, Mark Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall haben sich seit ihrer Gründung als eigenständige Größe im modernen Rock und Metal etabliert. Kennedys unverwechselbare Stimme, Tremontis wuchtiges, oft überraschend melodisches Gitarrenspiel, Marshalls tief groovender Bass und Phillips’ schnörkelloses, aber kraftvolles Schlagzeug bilden seit Jahren ein eingespieltes Gefüge. Mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album »Alter Bridge« legt die Band nun ein Werk vor, das genau dieses Zusammenspiel feiert und auf den Punkt bringt.

Ein Album ohne Umwege

Schon der Opener »Silent Divide« macht klar, wohin die Reise geht. Keine lange Anlaufphase, keine überflüssigen Effekte. Ein düsterer Riff-Teppich, darüber Kennedys klare, leicht melancholische Stimme, die sich langsam zu einem kraftvollen Refrain aufbaut. Der Song wirkt wie ein Statement. Alter Bridge klingen hier selbstbewusst, fokussiert und erstaunlich frisch für eine Band, die seit zwei Jahrzehnten unterwegs ist.

»Rue The Day« zieht das Tempo an und erinnert an die härtere Seite der Band. Tremonti feuert Riffs ab, die zwischen Alternative-Rock und modernem Metal pendeln, während Phillips das Ganze mit einem treibenden Groove zusammenhält. Der Song lebt von seinem Kontrast zwischen aggressiven Strophen und einem angenähert hymnischen Refrain.

Druck und Dynamik

Mit »Power Down« und »Trust In Me« zeigt die Band ihre Stärke im Umgang mit Dynamik. »Power Down« wirkt wie ein kontrollierter Ausbruch. Der Song schiebt nach vorne, bricht fortwährend kurz ein und sammelt sich neu, bis er in einem wuchtigen Finale mündet. »Trust In Me« ist melodischer, fast nachdenklich, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Kennedys Gesang steht hier im Mittelpunkt. Er schafft es, Verletzlichkeit und Stärke in einer Stimme zu vereinen.

»Disregarded« und »Tested and Able« gehören zu den direkteren Nummern des Albums. Hier regiert der Groove. Marshall und Phillips liefern ein solides Fundament, auf dem Tremonti seine Riffs ausbreitet. Besonders »Tested and Able« bleibt mit seinem eingängigen Refrain lange im Ohr, ohne sich anzubiedern.

Die ruhigeren Momente

Mit »What Lies Within« gönnt sich das Album einen ersten echten Atemzug. Der Song ist zurückhaltender, beinahe introspektiv. Akustische Elemente mischen sich unter die elektrischen Gitarren, Kennedys Stimme klingt hier besonders nahbar. Es ist einer dieser Momente, in denen ALTER BRIDGE zeigen, dass sie mehr können als bloß Druck und Lautstärke.

»Hang By A Thread« knüpft daran an, steigert sich im Kontrast hierzu wieder zu einem kraftvollen Rocksong. Der Aufbau ist klassisch, allerdings effektiv. Leise Strophe, großer Refrain, ein Gitarrensolo, das nicht uneingeschränkt Technik zeigt, sondern echte Emotion transportiert.

Wenn die Waage kippt

»Scales Are Falling« gehört zu den spannendsten Tracks der Platte. Der Song spielt mit ungeraden Rhythmen und einem leicht düsteren Unterton. Er fühlt sich approximativ wie ein innerer Monolog an, der musikalisch in Bewegung umgesetzt wird. »Playing Aces« dagegen ist direkter, angenähert ein kleiner Stadionrocker, der live garantiert gut funktionieren wird.

»What Are You Waiting For« ist einer der emotionalen Höhepunkte. Der Song wirkt wie eine Aufforderung, endlich loszulassen und vorwärtszugehen. Kennedys Gesang trägt hier viel Dringlichkeit in sich, während die Band im Hintergrund ein breites, warmes Klangbild aufbaut.

Ein starker Abschluss

Mit »Slave To Master« endet das Album so, wie es begonnen hat. Kraftvoll, konzentriert und ohne Schnickschnack. Der Song bündelt viele der Stärken dieser Platte. Ein markantes Riff, ein prägnanter Refrain und eine Produktion, die jedes Detail klar hörbar macht, ohne steril zu wirken.

Produktion und Sound

Der Sound von »Alter Bridge« ist modern, im Gegensatz hierzu nicht glattgebügelt. Die Gitarren haben Druck, ohne zu matschen. Der Bass ist präsent und verleiht den Songs Tiefe. Das Schlagzeug klingt trocken und direkt, exakt richtig für diese Art von Rock. Vor allem Kennedys Stimme wurde hervorragend eingefangen. Sie steht immer im Vordergrund, ohne die Instrumente zu erdrücken.

Ein selbstbewusstes Statement

Dieses selbstbetitelte Album wirkt wie eine Standortbestimmung. ALTER BRIDGE müssen niemandem mehr etwas beweisen, und das hört man buchstäblich. Die Songs sind kompakt, durchdacht und emotional aufgeladen. Es gibt keine offensichtlichen Füller, keine Tracks, die man skippen möchte. Jeder der zwölf Songs trägt seinen Teil zum Gesamtbild bei.

»Alter Bridge« ist kein Experiment, sondern ein sehr klares Bekenntnis zu dem, was diese Band ausmacht. Große Melodien, harte Riffs und ehrliche Texte, die zwischen Hoffnung, Zweifel und Durchhaltewillen pendeln. Für Fans ist das Album ein Geschenk. Für Neueinsteiger ein perfekter Einstieg.

Fazit: ALTER BRIDGE beweisen mit ihrem gleichnamigen Album erneut, warum sie zu den besten Bands ihres Genres zählen.

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ALTER BRIDGE - Alter Bridge - CD Review

1986 – Carniveil

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1986 Carniveil album cover
1986 Carniveil album cover

Band: 1986 🇬🇧
Titel: Carniveil
Label: Independent
VÖ: 02/01/26
Genre: Sludge Metal/Hardcore

Tracklist

01. White Rabbit
02. Joy
03. Sweet Tooth
04. Black Mirror
05. Teanga Briste
06. Torment
07. Equus Gallows
08. Static Burn
09. One for Sorrow
10. Vipers Den
11. Afterlife Crisis

 

Besetzung

Gregory Creighton – Guitars
Ashley Fenlon – Vocals
James Gardner – Bass
Will Parish – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

1986 ist ein Vierer aus Manchester, England, der sich seit einigen Jahren mit einer eigenwilligen Mischung aus Sludge Metal und Hardcore eine kleine, treue Hörerschaft erspielt hat. Ashley Fenlon schreit und keift sich durch die Songs, als stünde jedes Wort unter Strom. Gregory Creighton legt dazu schwere, sägende Gitarrenflächen, während James Gardner am Bass eher gräbt als spielt. Will Parish hält das Ganze am Schlagzeug mit einer rohen, annähernd störrischen Direktheit zusammen. »Carniveil« ist das erste Full-Lenght-Album und es zeigt eine Band, die sich hörbar weiterentwickelt, ohne ihre Ecken glattzuschleifen.

Ein dunkler Ritt durch Sludge Metal und Hardcore

Der Sound von »Carniveil« ist dicht, körnig und bewusst nicht geschniegelt. Die Gitarren liegen wie eine Staubwolke über den Songs, zeitweilig demgemäß massiv, dass sie fast alles andere verschlucken. Genau das scheint gewollt. 1986 wollen keinen sauberen, durchhörbaren Metal liefern, sondern ein Gefühl von Enge und Druck. Die Produktion betont das noch, vor allem im Bassbereich, der oft wummert wie ein Motor im Leerlauf. Das Schlagzeug klingt trocken und direkt, was gut zu Parish’ hartem, schnörkellosem Stil passt. Fenlons Stimme sitzt eher im Mix als darauf. Sie wirkt auf keinen Fall wie ein Star im Vordergrund, sondern wie ein weiterer, wütender Bestandteil dieses Klangblocks.

Einstieg mit Biss

Der Opener »White Rabbit« macht gleich klar, wohin die Reise geht. Ein schleppendes Riff, das sich langsam aufbaut, bis Fenlon mit voller Wucht einsetzt. Der Song arbeitet viel mit Dynamik, mit kurzen Momenten von Ruhe, die dann abermals von Lärm zerfetzt werden. »Joy« zieht das Tempo an und zeigt die Hardcore-Wurzeln der Band deutlicher. Hier wird nicht lange gefackelt, der Song rast nach vorne und lässt kaum Luft zum Atmen. »Sweet Tooth« setzt dem eine giftige, beinahe punkige Note entgegen. Das Riff ist simpel, im Kontrast hierzu effektiv, und Fenlons Gesang klingt hier besonders spöttisch.

Dunkle Spiegel

Mit »Black Mirror« und »Teanga Briste« wird das Album schwerer und halbwegs sperriger. »Black Mirror« lebt von einem drückenden Groove, der sich tief ins Ohr frisst. Die Gitarren schichten sich übereinander, während der Bass darunter wie ein dunkler Strom fließt. »Teanga Briste«, dessen Titel aus dem Irischen stammt, ist einer der experimentelleren Momente der Platte. Hier spielen 1986 mehr mit Pausen und ungeraden Strukturen, was den Song zwar interessant, wenngleich weniger zugänglich macht.

Im Kern brutal

Die Mitte des Albums gehört »Torment« und »Equus Gallows«. Beide Stücke sind Paradebeispiele für das, was die Briten gut können. »Torment« ist ein zäher Brocken, der sich langsam entfaltet und dabei eine approximativ hypnotische Wirkung entwickelt. »Equus Gallows« dagegen ist direkter, mit einem treibenden Rhythmus und einem Refrain, der sich überraschend gut im Kopf festsetzt, wenngleich Fenlon ihn eher brüllt als singt. Hier zeigt sich, dass die Band durchaus ein Gespür für Songwriting hat, wenn sie das daneben hinter Lärm und Aggression versteckt.

Flackernde Energie

»Static Burn« bringt wiederum Tempo ins Spiel. Der Song klingt wie ein Kabelbrand in Zeitlupe, überall knistert es, während das Schlagzeug unnachgiebig vorantreibt. »One for Sorrow« ist danach angenähert schon melancholisch. Die Gitarren sind hier nahezu offener, die Stimmung gedrückter. Es ist einer der wenigen Momente, in denen 1986 so etwas wie Verletzlichkeit durchscheinen lassen. »Vipers Den« kehrt dann wieder zur Wut zurück. Der Track ist kurz, heftig und lässt wenig Raum für Zwischentöne.

Ein Abgang mit Fragezeichen

Der Schlusspunkt »Afterlife Crisis« fasst viele Elemente des Albums noch einmal zusammen. Langsame, schwere Parts wechseln sich mit plötzlichen Ausbrüchen ab. Der Song wirkt wie ein innerer Kampf, der nie ganz entschieden wird. Das passt gut zum Gesamteindruck von 1986, das eher Fragen aufwirft als Antworten liefert.

Stärken und Schwächen

1986, punkten auf diesem Album vor allem mit Atmosphäre und Konsequenz. Sie ziehen ihren Stil kompromisslos durch und schaffen es, eine dichte, bedrückende Welt aufzubauen, in der jeder Song seinen Platz hat. Gleichzeitig liegt hier die größte Schwäche. Über die volle Länge von elf Tracks hinweg kann sich das Klangbild einigermaßen abnutzen. Nicht jeder Song hebt sich stark genug vom vorherigen ab, und manchmal wünscht man sich einen klareren Kontrast oder eine mutigere Abwechslung.

»Carniveil« ist kein Album für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit und eine gewisse Leidensfähigkeit, belohnt im Gegensatz hierzu mit intensiven Momenten und ehrlicher, ungefilterter Energie. 1986 zeigen, dass sie ihre Mischung aus Sludge-Metal und Hardcore verstanden haben und weiter ausbauen. Für ein Meisterwerk fehlt noch annähernd Feinschliff und vielleicht der Mut, öfter aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Mit 3,5 von 5 Punkten bleibt »Carniveil« eine starke, wenn auch nicht makellose Platte, die vor allem Fans harter, düsterer Klänge zufriedenstellen dürfte.

Fazit: 1986 gelingt es mit »Carniveil« die Essenz von Sludge-Metal und Hardcore einzufangen und in einer kraftvollen, dunklen Klangwelt zu präsentieren.

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1986 - Carniveil - CD Review

SHADOWMASS – Wastelands

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cover artwork SHADOWMASS Wastelands
cover artwork SHADOWMASS Wastelands

Band: SHADOWMASS 🇬🇷
Titel: Wastelands
Label: Floga Records
VÖ: 19/01/26
Genre: Blackened Heavy/Thrash Ascendacy

Tracklist

01. Purge And The Savage Preacher
02. Visions Of Desolation
03. Adrammelech’s Laughter
04. Entropy I
05. Into Wastelands
06. ΆΡΡΗΤΟΝ
07. Fading
08. Entropy II
09. Thy Will Be Crushed

Besetzung

Kostas Fadom – bass
Stamatis Syrakos – guitars, vocals
Giannis Votsis – drums

Bewertung:

3,5/5

Unter dem Logo „Ravaging Metal Of Death“ präsentieren die griechische Band SHADOWMASS ihr zweites Album „Wastelands„. Ihr Stil ist offiziell auf so viele Arten definiert, von Blackened Heavy/Thrash Ascendancy zu Speed Metal oder einfach Blackened Thrash Metal, und sicher bringt das Metal of Death Tag eine weitere Richtung – man sollte einen komplexen Stilmix im neuen Album erwarten.

Eklektisch in zu viele Richtungen

Aggressiv, direkt und mit gnadenlosem Rhythmus empfängt das Album den Hörer. „Purge And The Savage Preacher“ bringt mit melodisch durchzogenem Sound gute Riffs und lange melodische Solos sowie einen diskreten Black Metal Einfluss, um das „Blackened“-Tag zu rechtfertigen. Viele melodische Linien durch den Song, aber der epische Refrain versucht all diese Richtungen zu versöhnen. Das Tempo ist wirklich schnell für den Großteil des Songs, und die Gitarren beeindrucken in ihrer Vielzahl von Ansätzen. Eklektisch und in zu viele Richtungen gehend, aber eine kraftvolle Eröffnung.

Weniger melodisch und mit mehr Black-Einflüssen kommt „Visions Of Desolation“ mit kohärentem Sound. Vocals zeigen viele Techniken, deren er fähig ist, von Screaming zu rauhen Clean und theatralischen Lamentationen. Auch mediterrane Einflüsse sind zu hören – einige Akkorde mit traditioneller Volksmusik haben sich in die melodische Linie eingeschlichen. Nach dem frenetischen Rhythmus vom Anfang des Albums ist das Tempo jetzt etwas langsamer, aber insgesamt ist der Song überzeugender.

SHADOWMASS kommen aus Athen, 2019 gegründet. Das Line-up besteht jetzt wie am Anfang aus Kostas Fadom (ex-Decembria, ex-Fadom) am Bass, Stamatis Syrakos (Suicidal Angels, ex-Decembria, ex-Fadom) an Gitarren und Vocals, und einem der aktivsten und geschätztesten griechischen Drummer Giannis Votsis, aka Maelstrom (unter anderem Dephosphorus, The Magus, Thou Art Lord, ex-Necromantia, ex-Dødsferd, ex-Necrochakal, ex-Fadom).

Permanenter Wechsel zwischen melodisch und aggressiv

Eine kuriose Old Heavy Metal Stimmung bringt „Adrammelech’s Laughter“ – die Vocals kommen mit warmem Ansatz, aber die Instrumentierung bringt wirklich gute Riffs. Die Oszillation zwischen aggressiv und melodisch ist hier sehr klar, das Solo ist melodisch, und eine Vocal-dominierte Passage mit sehr wenig schweren Instrumenten macht einen entscheidenden Schritt zu noch mehr Melodie, kurz bevor ein weiteres Solo einsetzt. Riffs spielen eine sehr kleine und unwichtige Rolle im zweiten Teil des Songs, ein eher Speed Metal Track. Diese Tendenz setzt sich fort mit einem Interlude „Entropy I“ mit akustischen Gitarren als Hintergrund für ein melancholisches und trauriges Solo. Atmosphärisch, aber mit einigen technischen Momenten von Gitarren und Drums.

Wieder aggressiv und mit einer guten Portion Black Metal im Sound zeigt der nächste Song „Into Wastelands“ ein anderes Gesicht der Band. Gute Riffs kehren zurück, aber nicht um zu bleiben, nur als Akzent, bevor die epische Melodie übernimmt. Dramatische Vocals und Komposition, eine karnevaleske Atmosphäre und wieder zu viele musikalische Ideen in zu viele Richtungen. „ΆΡΡΗΤΟΝ“ zeigt mit den ersten Akkorden eine Rückkehr zu Speed Metal kombiniert mit Black Metal Einflüssen. Ein Song, wo das Drumming von Maelstrom glänzt – nicht sehr laut im Gesamtmix, aber eine sehr wichtige Präsenz. Theatralische Momente, geflüsterte Vocals und sehr chaotische Instrumentierung. Aber insgesamt einer der beeindruckendsten Songs auf dem Album.

Die Produktion ist gut, aber nicht zu poliert – sie behält eine Rohheit, die gut mit dem musikalischen Ansatz funktioniert. Ein klarer Akzent fällt auf Vocals und Lead-Gitarre, und die Drums werden sehr weit hinten gehalten, aber auch so haben sie eine wichtige Rolle. Bass hat Momente, wo er glänzt, aber ansonsten keine sehr wichtige Präsenz. Für die Art von Musik mit so vielen zusammengebrachten Stilen, die sie spielen, hat die Produktion einen guten Job gemacht – der Sound ist ausbalanciert und klar und hilft der epischen Musik.

Eine dramatische Komposition, „Fading“ vermischt Rhythmus und Atmosphäre, aber hauptsächlich ein langsamer Song, überdramatisch und theatralisch, nicht unbedingt melodisch. Es gibt alle Arten von Metal-Genres im Song, von diesem Standpunkt aus ein eklektischer Mix, aber alle konvergieren zu den hyper-bombastischen Vocals. „Entropy II“ ist wie erwartet ein Interlude, melodisch, mit langsamen Gitarren – diese zwei Interludes sind die fokussiertesten Kompositionen auf dem Album. Der finale Song „Thy Will Be Crushed“ startet vielversprechend mit guten Riffs und fast geknurrten Vocals. Und beeindruckend – die melodische Linie wird für fast die Hälfte des Songs gehalten und macht ihn zu einem kohärenten musikalischen Output. Auch wenn der Sound in Heavy Metal und epische komplexe Strukturen ging und der Rhythmus verlangsamt, repräsentiert der Song das Ende des Albums auf einem Hoch.

Technisch beeindruckend, stilistisch unentschieden

Definitiv ein Album für Lead-Gitarre in allen Formen und Techniken, von Blackened zu typischen Heavy Metal Solos, von melodischen Solos zu akustischen Passagen – sicher technisch gespielt. All das ist wirklich beeindruckend, aber fühlt sich nach zu viel für ein Album an. Und auch Vocals haben einen riesigen Anteil am Band-Sound, fast gleich mit der Gitarre. Und wieder beeindruckend in Techniken und Ansätzen, zeigen echte Qualitäten. Aber wieder lassen alle möglichen Arten von Vocals, die in Metal-Musik gefunden werden können, einen sehr hektischen Eindruck.

Heavy Metal im Kern – die Thrash Metal Momente sind sehr selten und von der Band selbst in den Schatten gestellt, aber gute, wenn sie passieren. Der Black Metal Einfluss ist nur in Form von ein paar Tremolo-gepickten Solos, das Ascendancy-Tag bringt wieder einen gemischten Ansatz. Die anderen Einflüsse, die man hören kann, reichen von Metalcore zu Alternative oder Avantgarde Metal – sie folgen auch nicht konstant irgendeiner dieser Richtungen, sondern mischen sie konstant für das gesamte Album zusammen. Ein Salat von Stilen vielleicht, mehr eine unentschiedene Band ohne klare Richtung. Oder vielleicht ist das genau die Richtung, die sie folgen wollen – ein erfolgreicher Mix von allem.

Ein permanenter Wechsel zwischen melodischen und nicht-so-melodischen Momenten. Das einzige Gefühl, das man nach dem Album hat, sind die epischen, hyperepischen Songstrukturen und Kompositionen und die überdramatischen Vocals. Von diesem Standpunkt aus kein großer Erfolg. Aber in ihrer „Ascendancy“-Welt höchstwahrscheinlich ein gutes Album.

Fazit: „Wastelands“ von SHADOWMASS vermischt viele Stile episch und melodisch – komplex, aber nicht immer überzeugend.

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SHADOWMASS - Wastelands

2025 – Der etwas andere Jahresrückblick Teil IV

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Oktober – Dezember

Der vierte Teil unseres Jahresrückblicks markiert das Ende dieses Specials. Für das letzte Segment wurden ein letztes Mal die persönlichen Archive – digital und analog – durchforstet. Auch das letzte Quartal von 2025 war geprägt von starken Releases im Metal-Sektor. Sowohl etablierte Szene-Größen als auch Underground-Perlen lieferten beeindruckendes Material ab, das uns bis ins neue Jahr und darüber hinaus begleiten wird.

Als Metal-Magazin, das von der Passion freiwilliger Schreiberlinge lebt, die sich neben Beruf und Alltag Zeit fürs genaue Hinhören, Recherchieren und Grübeln nehmen, ist es oft schwierig, der Erwartung gerecht zu werden, neue Releases möglichst zeitnah zu besprechen. Mit diesem Jahresrückblick haben wir in gekürzter Form Veröffentlichungen Platz gegeben, die aus Zeitgründen leider auf der Strecke geblieben sind – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Wir hoffen, dass der Rückblick auch unsere Leserschaft inspiriert, in das eine oder andere Album aus 2025 reinzuhören. Bereits Teil I, II und III wussten mit starken Kompositionen zu überzeugen, doch auch der vierte und letzte Teil hat einiges zu bieten:

Oktober

cover artwork AGRICULTURE The Spiritual Sound

AGRICULTURE 🇺🇸 – The Spiritual Sound (Post-Black Metal)
(The Flenser, 03.10.25)
Ein Album, das ein aufmerksames und geduldiges Hören verlangt. Der erste Eindruck ist geprägt von chaotischer, aggressiver und extrem dissonanter Musik, in der Tempowechsel eher neue Spannungen erzeugen, als Entlastung zu bieten. „The Spiritual Sound“ ist sperrig, experimentell und bewusst fordernd, entfaltet jedoch mit zunehmender Laufzeit immer mehr Facetten. Was zunächst wie reiner Lärm erscheint, offenbart sich nach und nach als durchdacht komponierte, fesselnde Musik mit klarer innerer Logik. Black Metal ist stets als Grundhaltung präsent, mal in Form von Blackgaze, mal als Post-Black-Metal-Referenz, jedoch nie als klassisch direkter Ansatz. Noise Rock, Screamo, Rock, Avantgarde, experimentelle Strukturen und eine deutlich spürbare Punk-Attitüde prägen den Sound von AGRICULTURE. Unter der aggressiven, lärmenden Oberfläche verbirgt sich eine überraschend reiche musikalische Substanz mit komplexen Kompositionen und stellenweise zarten, schmerzhaft fragilen Momenten. Unerwartet, herausfordernd und zugleich beeindruckend – eine klare Empfehlung. (4,5/5) Voicu

cover artwork ORBIT CULTURE Death Above Life

ORBIT CULTURE 🇸🇪 – Death Above Life (Melodic Death/Groove Metal)
(Century Media, 03.10.25)
Als vermeintliche Erben des klassischen Göteborger Melodic Death Metal gehandelt, haben sich ORBIT CULTURE in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben gearbeitet und gelten mittlerweile als feste Größe der Szene. Auf „Death Above Life“ fällt jedoch auf, wie stark der Sound durch Programmierung geprägt ist, insbesondere bei Drums und Bass, die teilweise künstlich und überzeichnet wirken. Dadurch nähert sich die Band klanglich zunehmend modernen Metalcore- oder Deathcore-Strömungen an. Genau dieser Aspekt spricht jedoch ein jüngeres Publikum an. Die Wurzeln im melodischen Death Metal sind weiterhin erkennbar, werden aber von Album zu Album stärker überlagert. „Death Above Life“ trägt bereits zahlreiche moderne Metal-Einflüsse in sich, ohne die melodischen Linien und die grundsätzliche Schwere vollständig aufzugeben. In einer gewissen Weise wirken ORBIT CULTURE live sogar organischer als auf Platte, doch unabhängig vom Medium bleibt ihre Musik eindrucksvoll. Ein Album mit Relevanz für das Jahr 2025, auch wenn es stilistisch weiter von den Ursprüngen entfernt ist. (3,5/5) Voicu

cover artwork Vanessa Funke Requiem

VANESSA FUNKE 🇩🇪 – Requiem (Melodic Death/Gothic Metal, Atmospheric Black Metal)
(Liminal Dread Productions, 03.10.25)
Das Ein-Frau-Projekt VANESSA FUNKE hat mit dem vierten Full-Length endgültig eine größere Aufmerksamkeit verdient. Die Musik ist emotional, intensiv und zugleich aggressiv, vor allem jedoch hervorragend komponiert und umgesetzt. Melodie und Dissonanz sind ausgewogen dosiert, die Songs entwickeln sich organisch von fragilen, beinahe zerbrechlichen Passagen hin zu verzweifelten, geschrienen und wütenden Ausbrüchen. „Requiem“ basiert auf einem atmosphärisch geprägten Black-Metal-Fundament, erweitert dieses jedoch um zahlreiche weitere Einflüsse, darunter Melodic Death Metal, Gothic Metal und stellenweise auch post-metaltypische Akkordfolgen. Das Album ist stark emotionsgetrieben und nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch überwiegend düstere, depressive Themen. Der Opener „Solitude“ setzt dabei einen markanten Akzent, während sich die Dramaturgie über weitere Stücke bis hin zu „Death“ steigert, einem besonders intensiven und bewegenden Moment, bevor „Gone“ den Abschluss bildet. Vanessa Funke überzeugt dabei nicht nur als Songwriterin, sondern auch als Musikerin, die sämtliche Instrumente selbst einspielt und mit variablen Vocals – von sanftem Klargesang bis zu aggressiven Growls – eine dichte Atmosphäre erzeugt. Auch die Texte tragen maßgeblich zur Wirkung bei. Ein geschlossenes, starkes Werk und eine klare Empfehlung für Genre-Fans. (4/5) Voicu

cover artwork SANGUISUGABOGG Hideous Aftermath

SANGUISUGABOGG 🇺🇸 – Hideous Aftermath (Death Metal)
(Century Media, 10.10.25)
Massiver, aggressiver Death Metal in Reinform: SANGUISUGABOGG präsentieren mit „Hideous Aftermath“ ihr bislang stärkstes Album. Zwar waren auch die früheren Veröffentlichungen bereits überzeugend, doch hier wirkt der Sound deutlich fokussierter und ausgereifter. Technische Elemente sind klarer herausgearbeitet, die Gitarren präziser, der Bass präsenter, das Schlagzeug unermüdlich treibend und die tiefen Growls fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein. Der Schwerpunkt liegt klar auf der brachialen Wirkung, ergänzt durch punktuelle Anleihen aus dem Slam- und Technical-Death-Metal-Bereich. Insgesamt dominiert jedoch eine rohe, überwältigende Wucht, die das Album durchgehend trägt. Wer mit den früheren Releases der Band nicht vollständig warm wurde, dürfte hier endgültig überzeugt werden. „Hideous Aftermath“ ist ein durchgehend brachiales Schwergewicht und Pflichtstoff für Death-Metal-Fans. (4,5/5) Voicu

cover artwork TERZIJ DE HORDE Our Breath Is Not Ours Alone

TERZIJ DE HORDE 🇳🇱 – Our Breath Is Not Ours Alone (Post-Black Metal)
(Church Road Records, 10.10.25)
Hochwertiger Post-Black Metal aus den Niederlanden: „Our Breath Is Not Ours Alone“ erweist sich als intensive, emotionale und zugleich durchgehend aggressive Erfahrung. Gewaltige Black-Metal-Strukturen treffen auf eine ständig klagende Leadgitarre, darüber legen sich verzweifelte, wütende Schreie und tiefe Growls, die eine enorme emotionale Spannung erzeugen. Das Album zeichnet sich durch komplexe Klanglandschaften und anspruchsvolle Songstrukturen aus, besonders deutlich in der starken Eröffnungssequenz mit „Each Breath Is A Flame“, „Raise Them Towards The Sun“ und „The Shadows Of Prefiguration“, von denen jeder Track für sich ein Highlight darstellt. Stilistisch verbinden TERZIJ DE HORDE konsequent die Härte des Black Metal mit der emotionalen Wucht des Post Metal. Das Ergebnis ist eine klare Weiterentwicklung im Bandsound und ein Werk, das eine reife Band zeigt, die ihre musikalischen Mittel vollständig beherrscht. Ein Höhepunkt ihrer bisherigen Laufbahn und zugleich ein starkes Versprechen für kommende Veröffentlichungen. (4,5/5) Voicu

cover artwork INTERNAL BLEEDING Settle All Scores

INTERNAL BLEEDING 🇺🇸 – Settle All Scores (Brutal Death Metal / Slam)
(Maggot Stomp, 17.10.25)
Ein altbekannter Name im Slam- und Brutal-Death-Metal-Umfeld: INTERNAL BLEEDING sind eine Band, deren Ruf bis heute stark von ihren Veröffentlichungen der späten 90er-Jahre geprägt ist, die zu Recht als Meilensteine des Genres gelten. Seit diesem Hochpunkt folgten solide Alben, ohne jedoch nochmals an diese Klasse heranzureichen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen bei jeder neuen Veröffentlichung – auch bei „Settle All Scores“. Diese Hoffnungen werden allerdings nur bedingt erfüllt, denn das Album fügt sich stilistisch eher in die letzten Jahre der Band ein als in deren stärkste Phase. Lässt man die Erwartungshaltung beiseite, präsentiert sich „Settle All Scores“ dennoch als überdurchschnittliches Genrewerk. Die Rhythmik ist druckvoll, die Riffs massiv, die Vocals tief und wuchtig, wenngleich das Album über weite Strecken sehr linear verläuft. Die Songs bemühen sich um Dynamik und Durchschlagskraft, was stellenweise auch gelingt, insgesamt dominiert jedoch ein stetig mahlender, erdrückender Sound. Kein Quantensprung, aber ein solides Headbanger-Album, das mehrere Durchläufe rechtfertigt. (3,5/5) Voicu

Revenge 🇨🇴 – Night Danger (Speed Metal)
(Dying Victims Productions 17.10.25)
Überraschend hat sich mal wieder ein Label in unseren Breitengraden gefunden, um das aktuelle, zehnte Studioalbum der kolumbianischen Institution zu veröffentlichen. Anfangs war ich verwundert, waren doch die beiden vorangegangen Alben nicht das gelbe vom Ei. In Metal We Trust ist und bleibt ein absoluter Totalausfall, während In Venomous Vengeance allenfalls solide ist und das zu erwartende Minimum an Fanservice aufwartet, welches man von jeder altgedienten Band erwartet. Dass das Quartett mit »Night Danger« nicht ganz an ihre Hochphase von 2009 – 2012 heranreicht, sollte jedem klar sein, jedoch bietet das Werk durchweg präzise gespielten Speed Metal, der Fans der alten Werke genauso begeistern dürfte wie die der späteren Alben, bevor man von der (europäischen) Bildfläche verschwand. Der Titeltrack, »Black Sight«, »Soldiers Heart«, »Misty Night« und »Desire From Pain« sind hierbei das stärkste Material seit 13 Jahren. Und dies nur zur Einordnung: das fünfte Werk der Band ist in meiner Allzeitliste unter den Top 10 und eines der unterbewertensten Alben aller Zeiten. Die Kritik mancher Leute, dass »Night Danger« wenig abwechslungsreich daher kommt, ist korrekt. Aber mal ehrlich, es ist halt Speed Metal und Monotonie wird selten besser inszeniert als hier. (4/5) Daniel

Carach-Angren_The-Cult-Of-Kariba-CoverartCARACH ANGREN 🇳🇱 – The Cult of Kariba (Symphonic Black / Death Metal)
(Season Of Mist, 17.10.25)
CARACH ANGREN spannen in „The Cult Of Kariba“ einen thematischen und musikalischen Bogen zu ihrem 2008 erschienenen Debütalbum „Lammendam“. Dieses basiert auf der Legende der Weißen Frau von Schinveld, die im 17. Jahrhundert in einem Schloss lebte und in ein Liebesdreieck verwickelt war. Nach Streitigkeiten zwischen den beiden Männern brannte das Schloss unter mysteriösen Umständen nieder. Die Frau starb und erscheint seither als Geist in weißem Kleid bei Vollmond im Wald. Die Geschichte in „The Cult Of Kariba“ spielt sich am selben Ort ab und wird durch die finstere Figur „Kariba“, einer angeblichen Hexe und Giftmischerin, erweitert. Die Erzählung umfasst Kult­rituale, ein grausames Opfer, Karibas Wiederauferstehung und ihre zerstörerische Rache. Die musikalische Inszenierung dessen ist an Theatralik kaum zu überbieten: CARACH ANGREN beweisen abermals, dass sie Meister des atmosphärischen Horrors sind. Das ominöse Intro von „Draw Blood“ könnte aus einem Horrorfilm stammen und lässt keinen Zweifel, dass hier gleich die Hölle losbrechen wird. Musikalisch sind hier ganz eindeutig die Wurzeln von „Lammendam“ erkennbar. „The Resurrection of Kariba“ endet mit einer eindeutigen Anspielung an das Debüt. Die Worte „shadows over Lammendam“ werden im Outro geflüstert jagen einem einen kalten Schauer über den Rücken. „Ik Kom Uit Het Graf“ lehnt sich stilistisch in eine modernere Industrial-Richtung, die z. B. an „Monster“ vom letzten Album „Franckensteina Strataemontanus“ erinnern lässt. Es punktet durch die niederländischen Lyrics, die von Seregor regelrecht ausgespuckt werden. Das Lied klingt insgesamt so brutal, dass es einen mit den Ohren an jede Note fesselt. (5/5) Charlene

cover artwork Mammoth The End

MAMMOTH 🇺🇸 – The End (Hard Rock / Alternative Rock / Heavy Metal)
(BMG, 24.10.25)
Aus reiner Neugier darauf, wie das musikalische Erbe von Van Halen weitergetragen wird, fiel die Wahl auf das neue Album von MAMMOTH. „The End“ erweist sich dabei als überraschend starkes Werk innerhalb seines Genres. Wolfgang Van Halen bewegt sich mit seiner Musik permanent an der Grenze zum Heavy Metal, integriert dabei jedoch zahlreiche weitere Elemente, die von Post-Grunge bis hin zu beinahe poppigen Momenten reichen. Stark geprägt von den öffentlichen Aussagen und der offenen Anerkennung durch Eddie präsentiert sich Wolfgang als äußerst versierter Multiinstrumentalist: markante Basslinien, ein spielfreudiges, zugleich präzises Schlagzeug und selbstverständlich messerscharfe Gitarrensoli, die deutlich auf jene Tapping-Technik verweisen, die Eddie Van Halen geprägt hat und die sein Sohn überzeugend beherrscht.. Der Grundcharakter des Albums ist überwiegend melodischer, zugänglicher Rock, der von einer starken Gitarrenpräsenz getragen wird. Rock’n’Roll-Anleihen und eingängige, fast popartige Passagen stehen stets in direkter Verbindung mit Riffs und Leadgitarren, die das Klangbild dominieren. Der frühere Name Mammoth WVH wurde abgelegt, das Projekt firmiert nun schlicht als MAMMOTH. Trotz des Albumtitels „The End“ steht die Band erkennbar am Anfang ihres Weges und deutet das Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft an. (4/5) Voicu

cover artwork ASPHAGOR The Aphotic Vortex

ASPHAGOR 🇦🇹 – The Aphotic Vortex (Black Metal)
(Immortal Frost Productions, 24.10.25)
Die Tiroler Black-Metal-Band ASPHAGOR meldet sich 2025 mit ihrem mittlerweile fünften Longplayer zurück. „The Aphotic Vortex“ setzt die Richtung fort, die bereits auf den vorherigen Veröffentlichungen eingeschlagen wurde. Das Album verbindet rohe, aggressive Black-Metal-Passagen mit stark atmosphärischen Elementen, wobei diese beiden Pole nicht immer vollständig ineinandergreifen. Viele der Stücke sind sehr lang angelegt und lassen sich Zeit, ohne dabei ständig neue musikalische Akzente zu setzen. Gerade die puren Black-Metal-Momente überzeugen durch Energie und Intensität und bilden einen wirkungsvollen Kontrast zu den langsameren, teilweise triumphalen oder theatralischen Ambient-Passagen. In den Kompositionen verschmelzen unterschiedliche Stimmungen, die ein insgesamt düsteres, verzweifeltes Gefühl transportieren. Ein überdurchschnittliches Album mit einigen starken Momenten, auch wenn nicht jede Idee konsequent ausgespielt wird. (3/5) Voicu

Flaming Row 🇩🇪 – Keeper Of The Scriptures (Hüterin der Schriften) (Progressive Metal/Progressive Rock)
(Eigenproduktion, 25/10/25)
Das vierte Album von Melanie Mau und Martin Schnella wirkt anhand der Fakten überambitioniert. Alleine 27 Gastmusiker, darunter unter unter anderem Arjen Lucassen, Marcus Siepen (Blind Guardian), Sally Minnear (Tochter von Kelly Minnear), Joe Deninzon (Kansas) und Glynn Morgan (Threshold), sind auf diesem Mammutwerk zu hören.
Die Grundlage für die Geschichte ist ein eigens dafür geschriebener Fantasy Roman, deren musikalische Umsetzung es obendrein auch noch in drei Versionen (englisch, deutsch, instrumental) gibt. Die sechs Jahre Differenz zum Vorgänger The Pure Shrine wurden jedoch optimal genutzt. Weder Mau noch Schnella stellen hier ihr Ausnahmekönnen in den Vordergrund, sondern agieren songdienlich. Auch die Masse an Gästen überfrachtet die Darbietungen nicht durch etwaige Prominenz, so dass die Geschichte in »Keeper Of The Scriptures (Hüterin der Schriften)« voll zur Geltung kommt und die Musik, angereichert durch folkloristische, klassische und jazzige Elemente, trotz zeitlich ausschweifender Kompositionen nie zu verkopft wird.
Dies lässt einen sofort in die Geschichte versinken, beginnend mit dem orientalischen »Gandhara’s Legacy« bis zum großartigen Abschluss ab »Hope For A Miracle«. Interessant, zumindest für Spracheninteressierte wie mich, ist die unterschiedliche Semantik der beiden Textversionen. Vergleicht man »Die Hüterin Nita« mit seinem englischsprachigen Pendant oder »It Was Magic« mit seinem ergreifenden deutschen, offenbaren sich zwei unterschiedliche Hörerlebnisse. Während die englische Version durch das Gleichgewicht von Text und Musik eine großartige Prog Rock Oper mit Referenzcharakter ist, wirkt die deutsche durch die Betonung auf die Geschichte wie eine fantastische Theatervorführung mit musikalischer Begleitung,beziehungsweise wie ein Musical. Ein herausragendes Werk, welches den hohen Ambitionen der beiden Hauptprotagonisten mehr als gerecht wird und sich jeder geben sollte! (5/5) Daniel

Prinzip– Die größten Hits (Hard Rock/Classic Rock/Ostrock/Heavy Metal)
(Sechszehn Musikproduktion; BuschFunk, 25/10/25)
Wie im zweiten Teil angedroht, gehe ich bei der 1973 gegründeten Hardrock-Kapelle PRINZIP nun ins Detail und versuche, etwas oberflächlichen Geschichtsunterricht zu geben.
Die beiden Kollegen mögen mir die Ausschweifung bezüglich der Band verzeihen und wen das einen Scheiß interessiert, der möge diesen Artikel oder den folgenden Absatz einfach überlesen.
Aber historisch dürfen Jürgen „Matko“ Matkowitz, was die Geschichte des Heavy Metal in der DDR angeht, und PRINZIP als Hort der Musikerprominenz auf der einen, dem widerwilligen Arrangement mit einem autoritären System auf der anderen Seite, aufgrund dieser Zusammenstellung nicht fehlen.
Zumal ich, Jahrgang 1981, hier begründet nostalgisch auf die zumeist verschleierte Geschichte des Heavy Metal und Hardrock meiner untergegangenen Heimat hinweisen möchte.

Matko hatte vor allem bei der Uve Schirovka Combo und den legendären Renft seine musikalische Erfahrung gesammelt, zu den frühen Mitgliedern seiner Band gehörte unter anderem auch der Original-Citysänger Emil Bogdavonov. Nach etlichen Besetzungswechseln erblickte dann 1987 das Debüt Feuerrock das Licht der sozialistischen Republik und warf auch seine Schatten. Zum einen schlug es vor allem wegen dem Titellied, der Heavy Metal-Walze »Sieben Meter Seidenband« (nicht Proto-, fucking Heavy Metal!) und dem treibenden »Das ist unsere Musik« kommerziell wie eine Bombe beim Volk ein, zum anderen der Regierung allerdings aufs Gemüt.
Nicht nur die Vorgeschichte ehemaliger Bandmitglieder (Schlagzeuger Reinhard Mihatsch wanderte beispielsweise zum Klassenfeind aus), sondern auch der Härtegrad und das Erscheinungsbild der Band waren dem System ein Dorn im Auge. Als Konsequenz gab es einen Bandlogowechsel und mit Rainer Kirchmann (der später zur Band Pankow wechselte) einen staatlich verordneten Keyboarder.
Viele bekannte Namen kamen im Laufe der Jahre, gingen wieder oder wurden gegangen, Drummer Klaus Scharfschwerdt (später bei den Puhdys) oder auch Sänger Ralf „Bummi“ Bursi waren zum Beispiel Mitglieder dieser Band. Weitestgehend unbekannt ist indes die Tatsache, dass Matko als Licht- und Bühnentechniker sein Wissen für die Liveshows nutzte und die Band für ihre Liveshows auf Westniveau im Osten berühmt war. In seinem damaligen Studio gab er zudem Bands wie Merlin, Crystal oder Biest die Möglichkeit, erste Aufnahmen zu machen.

PRINZIP waren keine Metalband, dennoch für die Heavy Metal Szene in der DDR sowohl als Fundament in den siebziger Jahren, als auch als tragende Wand in den Achtzigern durch den Support von Produktionen extrem wichtig. Und in der Retrospektive ist es gerade Matko, der heute ein Studio in Moskau hat und in Europa ab und an noch mit seiner Lichtshow tourt, der aufzeigt, dass man sich auch in einem repressiven System verwirklichen kann, wenn man die Schlupflöcher ausnutzt.

Die Geschichte der DDR war also, wie bei jedem Staat, nicht schwarz/weiß, sondern hatte viele Facetten. So verhält es sich auch mit der Musik auf dieser Zusammenstellung. Die schon 2009 erschienene und nun durch ein paar instrumentale Bonuslieder erweiterte Veröffentlichung ist abermals sehr gelungen und lässt keine Phase der Band aus.
Die wiederaufbereiteten Versionen von »Das ist unsere Musik« oder »Sieben Meter Seidenband« klingen frisch und bedeutend besser als auf den Original-LPs. »Der Steher«, »Schlag auf Schlag« (für dessen Text es damals erneut Ärger gab), »Elfenbein« und auch »Wir reiten den Sturm« vermitteln endlich die ursprünglich gedachte Dynamik, Rocker wie »Hallo Mary Lou« knallen nun so, auch mal mit metallischer Durchschlagskraft wie bei »Traumscooter« und »Doktor, Doktor«, wie sie sollen. Die Band hat eine bewegte Geschichte hinter sich gebracht, weshalb »Die größten Hits« stilistisch zwischen Hardrock, Metal und Ostrock schwankt. Insgesamt liegt hier allerdings ein lohnenswertes, absolut gelungenes Zeitdokument vor. (historische 5/5) Daniel

Executioner Steel 🇧🇩 – Rage Of The Thunderstorm (Manowar Worshipping Metal)
(Stormspell Records, 28/10/25)
Drei Fragen sind essenziell für dieses Album:
Wann wurden Manowar zu einer Persiflage?
Wurde die Band nur verpflichtet, weil sie einen Exotenbonus hat?
Warum macht »Rage Of The Thunderstorm« mir zehnmal mehr Spaß als die letzten Machwerke von Manowar?

Frage eins ist hierbei freilich Ansichtssache. Frage zwei aber erübrigt sich schon wegen der dritten Frage. Die Die Hard Manowarriors aus Bangladesch liefern hier, solide dargeboten, einen Gottesdienst für ihre Götter ab, und zwar so wie man ein Gottesdienst sein sollte:
Emotional, ehrfürchtig, mitreißend,  und ohne zeitgeistliche Anbiederungen Feuer und Flamme für die eigentliche Sache zu sein!
Dies schaffen die Mannen um Uzzair K. Xion mit Inbrunst und vor allem viel Herz. Nichts, wirklich gar nichts erreicht hier auch nur im Entferntesten das Niveau der Originale, auch eine starke eigene Note sucht man vergebens. Im Gegenteil, auf einer Party kann man Trinkratespiele aus sämtlichen Kompositionen machen. Wer das „echte“ Lied errät, wählt das nächste Getränk, wer beim Wort „Metal“ nicht augenblicklich das Glas erhebt, schmeißt die nächste Runde. »Rage Of The Thunderstorm« ist pure Leidenschaft, verbindet und bringt Freude. Purer Heavy Metal halt. Dass mich EXECUTIONER STEEL als verprellten Manowar-Fan dermaßen mitreißen, dass ich übernächstes Jahr auf ein Manowarkonzert gehen werde, spricht Bände. Die Bewertung ist objektiv, subjektiv ist dieses Werk einfach nur pure Lebensfreude! (2,5/5 und ❤️❤️❤️❤️❤️/5) Daniel

Iron Brigade 🇺🇸 – Ill Fated Voyage(US Epic/Power Metal)
(Stormspell Records, 28/10/25)
Die aus Pittsburgh stammende Formation legte vier Jahre nach ihrer sensationellen EP ihren Albumeinstand vor, der für mich die Enttäuschung des Jahres ist. Das liegt weder daran, dass der Wechsel am Mikro von Jared Cans hinzu Daniel Butch (Sohn des Gitarristen Caden Butch) schlecht wäre noch dass auf »Ill Fated Voyage« irgendwelche Stinker sind. Im Gegenteil, Butch hat ein unglaublich starkes Dickinson/Kimball-Timbre und auch wenn manche Zeitgenossen meinen, längere Songs wie der Titeltrack oder »Herculean Destiny« könnten straffer gehalten sein, man kann sich an dem zwischen maidesken Gitarrenharmonien wie in »Afterlife Confessions« oder »All Hail The Guardians«, fetten Rhythmusbollwerken a la Visigoth (»Days Of Glory«!) und der allgemein präsenten Omen-Epik nicht satt hören. Das Problem ist die dünne, teilweise extrem übersteuerte Produktion (»Crusader«!)und der zu weit in den Vordergrund abgemischte Gesang. Mit einer ordentlichen Produktion hätte »Ill Fated Voyage« locker an Deaf Dealers Journey Into Fear heranreichen können. Dass es sich hier trotzdem um ein großartiges Album handelt, zeigt wie stark die Königsdisziplin des wahren Heavy Metal wieder ist. (4/5) Daniel

cover artwork YELLOW EYES Confusion Gate

YELLOW EYES 🇺🇸 – Confusion Gate (Black Metal)
(Sibir Records, 31.10.25)
YELLOW EYES aus New York gehören seit Jahren zu jenen Bands, die die Grenzen des Black Metal kontinuierlich ausloten und erweitern. Auch „Confusion Gate“ bildet hier keine Ausnahme und dürfte ihr bislang komplexestes und ausgefeiltestes Werk darstellen. Der Black Metal dient dabei eher als Fundament, von dem aus sich die Musik in experimentelle und avantgardistische Bereiche bewegt, gespeist aus einer Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse. Das Album entfaltet eine düstere, verstörende und zugleich kraftvolle Atmosphäre, geprägt von einer hohen Unvorhersehbarkeit. Intensive Spannungsbögen bauen sich auf, um abrupt in chaotische, dissonante Ausbrüche zu kippen, die ebenso plötzlich in ruhige, fast neofolkige Passagen übergehen – inklusive Blasinstrumenten und akustischer Saiten. „Confusion Gate“ ist ein vielschichtiges Hörerlebnis, dessen zahlreiche Details und versteckte Feinheiten sich erst nach mehreren Durchläufen vollständig erschließen. Genau diese Tiefe macht das Album zu einer der bedeutendsten Veröffentlichungen des Jahres 2025. (4,5/5) Voicu

cover artwork LUNATIC SOUL The World Under Unsun

LUNATIC SOUL 🇵🇱 – The World Under Unsun (Atmospheric Progressive Rock, Experimental Ambient)
(InsideOut, 31.10.25)
Das Solo-Projekt von Mariusz Duda, dem Kopf hinter der Progressive-Rock/Metal-Band Riverside, präsentiert mit „The World Under Unsun“ bereits sein achtes Studioalbum. LUNATIC SOUL steht für experimentellen Progressive Rock, der konsequent über Genregrenzen hinausblickt und Elemente aus Ambient, orientalischer Musik, elektronischen Klangwelten und Folk integriert. All diese Einflüsse finden sich auch auf dem aktuellen Album wieder, das sich vor allem als Reise durch elektronische Soundscapes versteht. Es ist eine introspektive Erfahrung mit langsamer, melodischer Musik, in der das Experimentelle eine zentrale Rolle einnimmt. Einflüsse von Riverside sind durchaus hörbar, vor allem im Gesang, während sich die instrumentale Seite klar anderen Klangräumen öffnet. Mariusz Duda spielt sämtliche Instrumente selbst und zeichnet für alle Aspekte des Projekts verantwortlich, was einmal mehr seine musikalische Vielseitigkeit und kreative Kraft unterstreicht. Die ruhige, friedliche Grundstimmung der Musik, kombiniert mit seinen markanten Vocals, macht das Album auch als begleitende Hintergrundmusik sehr geeignet. Dieses rund 90-minütige Ambient-Werk bietet ein leichtes, angenehmes Hörerlebnis. (3,5/5) Voicu

AVATAR – Don’t Go In The Forest AVATAR 🇵🇱Don’t Go In The Forest (Melodic Death Metal)
(Black Waltz AB, 31.10.25)
Verwurzelt im Melodic Death Metal haben AVATAR sich als experimentierfreudige Band etabliert. Ihre wohl stärksten und prägendsten Alben bisher waren „Black Waltz“ (2012), das zugleich den ikonischen visuellen Stil der Band formte, und „Hail The Apocalypse“ (2014). Groove, Melodik und Brutalität verschmolzen zu stimmigen Kompositionen, die heute noch frisch, mutig und überraschend klingen. Seitdem experimentieren AVATAR auf jedem Album in eine etwas andere Richtung. „Don’t Go In The Forest“, das aktuelle Werk, wirkt dabei zumindest geschlossener als der Vorgänger „Dance Devil Dance“ (2023). Dennoch leidet das Album unter seiner fehlenden Stringenz: Statt eines klaren Konzepts präsentiert sich die Songauswahl oft wie ein stilistisches Sammelsurium. Besonders „Captain Goat“ und „Tonight We Must Be Warriors“ fallen negativ auf. Beide Stücke wirken einfallslos und krampfhaft massenkompatibel — Atmosphäre wird zwar angedeutet, bleibt aber wirkungslos. Ganz anders „In The Airwaves“: Mit spannenden Riffs, wuchtigen Drums, durchdachtem Aufbau und kompromissloser Härte liefert der Song einen der stärksten Momente des Albums. Obwohl sich die restlichen Lieder zum Teil auch weit aus dem Fenster lehnen, funktionieren sie besser, weil sie das nötige Überraschungsmoment auf ihrer Seite haben. „Death And Glitz“ kombiniert 70er-Disco-Grooves mit schräg verzerrten Gitarren und zählt damit zu den gewagtesten Stücken der Platte. In „Take This Heart And Burn It“ und „Magic Lantern“ zeigen sich die Schweden schließlich von ihrer progressiven Seite und überzeugen mit ungewöhnlichen, kantigen Riffs. (3,5/5) Charlene 

cover artwork MOONSPELL Opus Diabolicum

MOONSPELL 🇵🇹 – Opus Diabolicum (Gothic Metal)
(Napalm Records, 31.10.25)
In der Tradition vieler Bands, die mit wachsender Bekanntheit auch musikalisch immer ausgefeilter werden, erscheint ein Live-Album mit Sinfonieorchester oft als nächster Schritt. Auch MOONSPELL haben sich in diese Richtung entwickelt, da bereits die letzten Studioalben einen deutlichen Anteil symphonischer Elemente enthielten. Mit „Opus Diabolicum“ liegt nun ein Live-Dokument vor, bei dem MOONSPELL gemeinsam mit der ORQUESTRA SINFONIETTA de LISBOA auftreten. Geboten wird eine recht typische Best-of-Setlist der Portugiesen. Der große Pluspunkt: Die Musik klingt sehr nah an einem regulären MOONSPELL-Konzert, das Orchester fungiert eher als zusätzliche Klangfarbe denn als zentrales Element. Es handelt sich nicht um Neuinterpretationen oder radikale Umarrangements, vielmehr fließen die Songs organisch, lediglich angereichert durch die symphonische Ebene. Der Sound unterscheidet sich damit zwar leicht von einem normalen Live-Auftritt, doch Fernandos Ansagen zwischen den Songs sind so vertraut wie eh und je, während der Applaus etwas zurückhaltender ausfällt, fast wie bei einem klassischen Konzert. Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes Live-Album, das einmal mehr zeigt, warum MOONSPELL als starke Live-Band gelten. Die Songauswahl umfasst viele Klassiker und typische Stücke der letzten Jahre, während die stärker black-metal-orientierten Titel fehlen. Dennoch bleibt es ein Hörvergnügen und ein sehr solides Live-Dokument. (4/5) Voicu

November

cover artwork OMNIUM GATHERUM May The Bridges We Burn Light The Way

OMNIUM GATHERUM 🇫🇮 – May The Bridges We Burn Light The Way (Melodic Death Metal)
(Century Media, 07.11.25)
Als einer der wichtigsten Namen im aktuellen Melodic Death Metal melden sich OMNIUM GATHERUM mit „May The Bridges We Burn Light The Way“ zurück. Das neue Album fügt sich nahtlos in eine durchgehend hochwertige Diskografie ein. Nicht nur das hohe Qualitätsniveau wird gehalten, auch der typische Bandsound ist voll präsent: eine ausgewogene Mischung aus Aggression und ausgeprägter Melodik, getragen von eingängigen Refrains und schnellen Tempos. Das Album ist ein Paradebeispiel für gut gemachten Melodic Death Metal, sauber komponiert und souverän gespielt. Die markanten Gitarrensolos sind wie gewohnt perfekt in die Songs eingebettet und sorgen für zahlreiche einprägsame Momente. Stücke wie „My Pain“, „The Darkest City“ oder der Titelsong „May The Bridges We Burn Light The Way“ überzeugen durch ihre enorme Eingängigkeit, wobei letztlich das gesamte Album dieses Niveau hält. Einfache, sehr effektive Refrains treffen auf etwas härtere Strophen, eine bewährte Formel im Sound der Band. Besonders hervorzuheben sind die starken Songwriting-Qualitäten und die klare Ausrichtung auf hochmelodische Passagen. Fans des Genres werden hier ein sehr gelungenes Album und eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Entwicklung finden. (4/5) Voicu

cover artwork THE HALO EFFECT We Are Shadows

THE HALO EFFECT 🇸🇪 – We Are Shadows (EP) (Melodic Death Metal)
(Nuclear Blast, 21.11.25)
Ein Release, der streng genommen hier kaum auftauchen sollte, zum einen, weil es sich um ein Cover-Album handelt, zum anderen, weil es bei weitem nicht zu den stärkeren Arbeiten der Band zählt und wohl ihr bislang am wenigsten inspiriertes Werk darstellt. Dennoch ist THE HALO EFFECT inzwischen ein so bedeutender Name im Melodic-Death-Metal-Umfeld, dass ein Ignorieren kaum möglich ist. Stanne & Co. veröffentlichen mit dieser EP Songs, die sie als Musiker geprägt haben, Musik aus ihrer Jugendzeit als Fans von Rock und verwandten Stilen. Gecovert werden Stücke von W.A.S.P., Phenomena, Kent, Broder Daniel und Danzig. Die Auswahl wirkt jedoch fragwürdig, da der Fokus stark auf sanften, emotionalen Momenten liegt, was im Kontext von THE HALO EFFECT schnell ins Übertrieben-Süßliche kippt. Metallische Elemente treten nur sporadisch auf, während Mikaels Clean-Gesang stark in den Vordergrund rückt. Die sonst so prägende Mischung aus In-Flames– und Dark-Tranquillity-Einflüssen, die den Bandsound normalerweise ausmacht, ist hier kaum noch präsent. Als nostalgisches Dokument oder als Einblick in die musikalische Sozialisation der Bandmitglieder mag die EP interessant sein, einen wirklichen Mehrwert für die Diskografie bietet sie jedoch kaum. Allenfalls für eingefleischte Fans aus Neugier einen Durchlauf wert. (2,5/5) Voicu

PATER TENEBRARUM – Meat Grinder - CoverartworkPATER TENEBRARUM 🇦🇹 – Meat Grinder (Melodic Death Metal)
(Running Wild Productions, 21.11.25)
Aus dem heimischen Underground tauchen immer wieder böse, aber äußerst erfreuliche Überraschungen auf. PATER TENEBRARUM aus Wien liefern mit ihrem zweiten Album „Meat Grinder“ ein beeindruckend stimmiges wie abwechslungsreiches Werk ab. Stilistisch im Melodic Death Metal verankert, wird die düstere Grundstimmung durch Thrash- und Groove-Elemente wirkungsvoll aufgelockert und zu dynamischen, mitreißenden Songs geformt. Für zusätzliche Abwechslung sorgt Sänger Christian, der mit tiefen bis kreischenden Vocals überzeugt. In „I Prefer You Dead“ sowie „Pictures Of Dead People“ überrascht er darüber hinaus mit starken Clean-Vocal-Passagen, die den Liedern umso mehr Charakter verleihen.
Insgesamt macht „Meat Grinder“ seinem Namen alle Ehre: Es ist brutal, druckvoll und dennoch äußerst unterhaltsam. Die Songs sind durchdacht strukturiert und kreieren eine stimmige Atmosphäre. Abgerundet wird das Werk von einem wuchtigen Sound, der die rohe Härte der 90er mit moderner Klarheit verbindet. (4,5/5) Charlene

cover artwork BLUT AUS NORD Ethereal Horizons

BLUT AUS NORD 🇫🇷 – Ethereal Horizons (Atmospheric Black Metal)
(Debemur Morti Productions, 28.11.25)
Die französischen Meister des atmosphärischen Black Metal melden sich mit ihrem sechzehnten Studioalbum „Ethereal Horizons“ zurück. Die Veröffentlichung führt den typischen Bandsound konsequent weiter und zeigt erneut, wie wirkungsvoll die Verbindung aus aggressivem Black Metal und atmosphärischen, ambienten sowie melodischen Passagen sein kann. „Ethereal Horizons“ überzeugt mit den gewohnt geisterhaften Gitarrenlinien und melancholischen Klangflächen und demonstriert eindrucksvoll, wie Dunkelheit und Licht nebeneinander existieren können. Der Hörer verliert sich in weitläufigen, schönen Soundlandschaften, nur um kurz darauf von plötzlichen Ausbrüchen roher Aggression überrascht zu werden. Dämonische Schreie wechseln sich mit beinahe engelsgleichen Chören ab, fragile Gitarrenakkorde mit massiven Riffs, ruhige Momente mit lärmenden Passagen. Das Ergebnis ist ein sehr gelungenes, fesselndes Album, das zu den stärkeren Veröffentlichungen von BLUT AUS NORD der letzten Jahre zählt und eine klare Empfehlung für Genre-Fans darstellt. (4/5) Voicu

Dezember

cover artwork PERSEFONE Live In Andorra

PERSEFONE 🇦🇩 – Live In Andorra (Progressive/Melodic Death Metal)
(Napalm Records, 05.12.25)
PERSEFONE zählen seit Jahren zu den interessantesten Bands im Progressive Death Metal. Mit einer Diskografie von mittlerweile sieben Studioalben und zwei EPs, durchgehend auf sehr hohem Niveau, ist ein Live-Album ein folgerichtiger Schritt in der Entwicklung einer Band. Ohne Zweifel die bedeutendste und talentierteste Band ihres Heimatlandes, haben die Andorraner über mehr als 20 Jahre hinweg eine einzigartige Mischung aus progressivem und melodischem Death Metal veröffentlicht, stets auf derselben musikalischen Basis fußend, aber immer wieder neue Wege findend, ihr Können zu zeigen. Das Live-Album bietet einen umfassenden Überblick über diese Jahre und verdeutlicht eher eine konstante musikalische Linie als radikale Brüche zwischen einzelnen Schaffensphasen. Der ohnehin sehr komplexe, vielschichtige Bandsound wird live zusätzlich durch die Orquestra Nacional Clàssica d’Andorra bereichert. Aufgenommen wurde das Konzert im National Auditorium of Andorra, und es ist bemerkenswert, dass sich die Band bewusst dafür entschieden hat, ihre Herkunft in der eigenen Heimat zu würdigen, auch wenn Andorra nicht zu den klassischen Zentren internationaler Metal-Acts zählt. „Live In Andorra“ ist ein starkes Live-Erlebnis mit einer beeindruckenden Setlist, die Songs aus allen Phasen der Bandkarriere umfasst. Die Produktion ist sehr gelungen, die Performance wie gewohnt auf höchstem Niveau. Alle sechs Musiker überzeugen mit Virtuosität und Präzision. Eines der besten Live-Alben des Jahres 2025 und Pflichtprogramm für Fans von Progressive Metal und Melodic Death Metal. (4,5/5) Voicu

cover artwork SCORPIONS Coming Home Live

SCORPIONS 🇩🇪 – Coming Home Live (Heavy Metal/Hard Rock)
(Universal Music, 05.12.25)
Ein wichtiges Dokument der Metal-Geschichte: Das Live-Album der SCORPIONS mit dem treffenden Titel „Coming Home Live“ ist weit mehr als nur ein Konzertmitschnitt aus Hannover, ihrer Heimatstadt. Es ist die Feier von 60 Jahren Bandgeschichte. Eine Spielzeit von rund anderthalb Stunden ist für eine Band mit einer derart umfangreichen Hitliste eigentlich knapp bemessen, dennoch wurde eine sehr sorgfältig zusammengestellte Setlist gewählt, die das Wesen der SCORPIONS hervorragend einfängt. Allein die Zahl von 60 Jahren Bandexistenz ist beeindruckend, doch hinzu kommt ihre immense Bedeutung für die Entwicklung der Rock- und Metal-Musik. Von den frühen, progressiv geprägten Anfängen über die Phase des Hard Rock bis hin zur festen Verankerung im Heavy Metal in den letzten 45 Jahren, haben SCORPIONS die Musikgeschichte nachhaltig mitgeprägt. Sie gehören zu den meistgeliebten Bands des Genres, mit unzähligen Songs, die Generationen begleitet und geprägt haben. Eine vollständige Aufzählung ihrer Klassiker würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Umso bemerkenswerter ist, wie frisch und energiegeladen die Band auch live klingt: starke Gitarrenarbeit, eine stabile Rhythmussektion und die unverwechselbare Stimme von Klaus Meine sorgen für einen kraftvollen, lebendigen Sound. Der einzige wirkliche Wermutstropfen beim Hören dieses Albums ist, nicht selbst vor Ort gewesen zu sein. Mehr als Nostalgie oder ein Blick zurück ist „Coming Home Live“ ein überzeugendes Live-Album und schlicht gute Musik. (4/5) Voicu

cover artwork GUTTURAL SLUG Ulcers In The Flesh Of Thought

GUTTURAL SLUG 🇩🇰 – Ulcers In The Flesh Of Thought (EP) (Slam/Brutal Death Metal/Deathcore)
(Unique Leader Records, 05.12.25)
Ein kurzes, aber überraschend starkes Release der dänischen Vertreter einer der extremsten Spielarten von Slam und Brutal Death Metal. Die EP überzeugt durch eine gelungene Balance aus Genre-Typik und Dynamik, ohne dabei monoton zu wirken. Die Rhythmussektion ist massiv, die Gitarren liefern zahlreiche einprägsame, tiefgestimmte Riffs, und auch der Gesang passt hervorragend ins Gesamtbild, mit extrem tiefen Vocals, die zwischen Pig Squeals, gesprochenen und beinahe geflüsterten Passagen wechseln. „Ulcers In The Flesh Of Thought“ ist reine klangliche Gewalt: unerbittlich, schwer und durchgehend druckvoll. Abrupte Breaks wechseln sich mit konstanten, erdrückenden Passagen ab. Für Fans des Genres ein durchweg intensives Hörerlebnis und eine sehr gelungene Veröffentlichung. (4/5) Voicu

cover artwork SAKIS TOLIS Everything Comes To An End

SAKIS TOLIS 🇬🇷 – Everything Comes To An End (Gothic Metal)
(Independent, 09.12.25)
In den letzten Jahren scheint SAKIS TOLIS mit seinem Soloprojekt sogar aktiver zu sein als mit seiner Hauptband Rotting Christ. Drei Veröffentlichungen in ebenso vielen Jahren deuten darauf hin, dass dieses Projekt für ihn eine besondere Form der musikalischen Erfüllung darstellt oder ihm mehr Freiheit bietet, innere Ideen auszuleben. Bereits beim ersten Hören von „Everything Comes To An End“ wird deutlich, wie sehr sich der Sound von Rotting Christ unterscheidet, aber auch von den vorherigen Soloalben. Die Musik ist stärker im Gothic Metal verankert und trägt zugleich eine klare Heavy-Metal-Schlagseite. Viele gesprochene Passagen sind enthalten, eine Ausdrucksform, die für Sakis typisch ist. Sämtliche Instrumente mit Ausnahme des Schlagzeugs werden von ihm selbst eingespielt, was erneut seine musikalische Vielseitigkeit unterstreicht. Trotz der leicht veränderten Ausrichtung bleibt das Projekt fest in der griechischen Metal-Tradition verwurzelt, inklusive folkloristischer Elemente und einer charakteristischen Atmosphäre. In gewisser Weise wirkt diese Musik näher an der mittleren Phase von Rotting Christ als an den jüngeren Bandalben und zeigt sich insgesamt dynamischer. Das Ergebnis sind durchweg gute Songs, reich an Melodie und geprägt von der unverkennbaren Handschrift eines herausragenden Musikers. (4/5) Voicu