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ASARU – V.O.I.D.

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cover artwork ASARU V.O.I.D.
cover artwork ASARU V.O.I.D.

Band: ASARU 🇳🇴
Titel: V.O.I.D.
Label: Schwarzdorn Production
VÖ: 23/01/26
Genre: Black Metal

Tracklist

01. Fire – Raise the Flame
02. Earth – Condemned to Putrid Soil
03. Air – Invisible Infinite Shields
04. Wasser – Kraft des Bewusstseins
05. Liv – Fret av Verdens Blod
06. Mankind – The Parasite Spawn
07. Religion – As Man Created God
08. War – The Divine Beauty of Blood
09. Epilogue – The Fiery Grave

Besetzung

Frank Nordmann – Vocals, Guitars
Sebastian Wilkins – Drums
Petter Myrvold – Bass

Bewertung:

4,5/5

Die (jetzt) norwegische Black Metal Band ASARU kehrt nach vierzehn Jahren mit einem neuen Album „V.O.I.D.“ zurück. Ein Konzeptalbum, das in die vier Elemente (Feuer, Erde, Luft, Wasser) und ihre Gegensätze (Menschheit, Religion, Krieg) eintaucht, mit Leben als verbindendem Element und dem Grab als Epilog. Nicht unbedingt ein neues Konzept, aber ein ambitioniertes, und verdoppelt durch hochwertigen puren Black Metal ist das Resultat beeindruckend.

Rohheit trifft auf melancholische Melodien

Sehr direkt und aggressiv sind die ersten Akkorde im Eröffnungssong „Fire – Raise the Flame„, ein Song, der die Rohheit von Old-School Black Metal mit einem Hauch Melodie kombiniert, von harschen und verzerrten Akkorden zu einer melancholischen Tremolo-gepickten Lead-Gitarre, alles unter einer dunklen und abgrundtiefen Atmosphäre. Die Gitarren haben sehr gute und rhythmische Riffs, die Vocals kommen mit dämonischen Shrieks, alles in einer guten Demonstration von Black Metal.

ASARU wurden 1995 in Darmstadt, Deutschland, gegründet und hatten eine eher Underground-Aktivität bis 2007, als sie sich auflösten, nur um zwei Jahre später in Oslo, Norwegen, wiedergeboren zu werden. Das Herz und die Seele der Band ist Frank Nordmann (ex-Varulv, ex-Agathodaimon, ex-Bösedeath) an Vocals und Gitarren, der nicht nur das Projekt initiierte, sondern es mit sich nach Norwegen nahm. Mit neuen Musikern an seiner Seite reformiert, besteht das aktuelle Line-up aus Frank, Sebastian Wilkins (ex-Varulv, ex-Raven Wing) an den Drums und Petter Myrvold (Claymords) am Bass. In dieser Konfiguration veröffentlichten sie die zwei vorherigen LPs und auch das aktuelle.

Eine Alternation von schnellen Tempos und langsamen minimalistischen Passagen in kurzer und entschiedener Sequenz eröffnet den nächsten Song „Earth – Condemned to Putrid Soil„, aber nach dem guten und originellen Start bleibt der Song in einer sehr langsamen und atypisch atmosphärischen Passage. Ein experimentellerer Sound, aber mit zu vielen Tempowechseln fühlt es sich mehr nach einer unentschiedenen Richtung an, kein Song auf denselben Standards wie der Rest des Albums. „Air – Invisible Infinite Shields“ bleibt ziemlich langsam, aber strukturierter, eine schöne Lead-Gitarre webt eine melodische Linie, ein klagender femininer Gesang bringt ein seltsames Gefühl in die Song-Atmosphäre. Außer Wind-Hintergrundgeräuschen, die sporadisch im Song erscheinen, ist die Verbindung zum Konzeptuellen sehr dünn und nicht sehr klar durch die Musik.

Aggressive Energie und dichte Instrumentierung

Endlich aggressiver kommt „Wasser – Kraft des Bewusstseins“ mit einer sehr guten Melodie von der Lead-Gitarre, tatsächlich ein Dialog zwischen zwei Gitarren, verdoppelt durch solide Riffs und die infernalischen Vocals. Ein voller Sound, sehr dicht mit guter Balance zwischen melodisch und verzerrt. Abrasivität verwandelt sich in eine introspektivere Passage, aber die soliden Riffs halten den Song auf gutem Level, ohne die ambiente Seite die Kontrolle übernehmen zu lassen. Ein guter Song, voll von Dynamik und Energie, ein klarer Höhepunkt.

Die Produktion ist gut, kein roher Sound, aber auch nicht zu poliert, typisch für das Genre in letzter Zeit. Die Instrumentierung ist sehr dicht und sehr gut eingefangen, ausbalanciert und in der Lage, das gesamte Konzept zu übertragen. Auch in den aggressiveren Passagen, wenn alle Instrumente sehr dicht zusammen gemixt kommen, bleibt jede Note klar und am perfekten Platz.

Nachdem man durch die vier Elemente gekommen ist, kommt Leben als Transitelement zwischen Natur und Mensch. „Liv – Fret av Verdens Blod„, ein Titel auf Norwegisch übersetzt wie „Leben – Verängstigt durch das Blut der Welt„, und um dieses Statement auszudrücken, schüttelt der Song tatsächlich alle melodischen oder atmosphärischen Einflüsse ab und kommt sehr brutal, direkt, überträgt ein Gefühl von Verzweiflung und Aggressivität. Aber musikalisch ein weiteres gutes Beispiel für direkten Black Metal, ein weiterer Höhepunkt.

Komplexe Komposition mit progressiven Elementen

Der erste Song, der sich auf Menschen bezieht, kommt mit einem neuen Level an Aggressivität. „Mankind – The Parasite Spawn“ überträgt ungefilterten Hass durch sehr kraftvolle Akkorde, aber diesmal nehmen die melodischen und ambienten Passagen in trauriger Stimmung einen guten Anteil des Songs ein und bringen etwas zu viel Kontrast. Aber bleibt ein verstörender Song durch seinen komplexen Ansatz und ausgeklügelte Komposition. Fast progressiv in Teilen, auch die Clean Vocals unterstreichen diesen Ansatz. Ein Song, der im zweiten Teil den wütenden Angriff der Eröffnungssequenz erheblich verwässert.

Wie von einer Black Metal Band erwartet, bringt „Religion – As Man Created God“ einen ziemlich gewalttätigen Sound – aggressiv und verzerrt, kalter und dunkler Ansatz mit frenetischem Drumming und verzweifelten, dämonischen Growls. Nicht sehr melodisch, bis die erwartete atmosphärische Passage startet, aber auch hier dominiert ein klares Gefühl von Wut mit trüben Vocals. „War – The Divine Beauty of Blood“ bringt erneuerte Wut, und die Gitarren mit sehr aggressiven Tremolos unterstreichen das. Aber eine leicht offenere, traurige und schmerzvolle melodische Linie kommt langsam in den Song, die Atmosphäre ist stark von diesen Gefühlen beeinflusst. Hämmernde Drums und verzweifelte Schreie ähneln den Texten in einer angespannten und verstörenden finalen Passage des Songs. Aber musikalisch ein weiterer Höhepunkt.

Der finale Song „Epilogue – The Fiery Grave„, unheimlich und melancholisch, weniger aggressiv, und mit den Vocals von Gastmusikerin Anna Malarz (Thy Worshiper), die einen delikaten Touch hinzufügen – die Atmosphäre spiegelt wieder den Songnamen wider. Von akustischen Gitarren getriebene Passagen wechseln sich ab mit dissonanten, sprechende Vocals mit infernalischen Shrieks, scheinbar ein chaotischer Song, aber tatsächlich ein sehr gut strukturierter und komponierter. Eine Opus für das Album, ein würdiges und beeindruckendes Ende.

Vierzehn Jahre Wartezeit wert

Themen von Elementen, Menschheit und Untergang erkundend spielt die konzeptuelle Thematik offensichtlich eine zentrale Rolle auf dem Album, aber auch wenn nicht unbedingt in Melodie transponiert, gibt die textliche Reise ein Gefühl von Einheit. Aber die Musik, die kommt, um all diese Konzepte auszudrücken, ist sehr gut – Black Metal von höchster Qualität. Permanent verflochtene Riffs mit Lead-Gitarre entwickeln sich zusammen in dissonante Passagen oder in melodische Richtungen. Die Clean Vocals in Formen von Chören und kurzen Passagen bringen eine bizarre und kontrastierende Stimmung ins Spiel, nicht wirklich mit der Musik verbunden, und das ist wahrscheinlich die einzige echte Kritik am Album.

Insgesamt ein komplexes Hören – die Klanglandschaft ist sehr dicht und mit vielen Elementen, die die Songs definieren. Sehr komplexe Musik, aber eine, die vom ersten Hören beeindruckt, aber sich zu neuen Wahrnehmungsebenen nach ein paar Durchläufen öffnet und mehr und mehr Schichten gut durchdachter Musik offenbart. Sehr gut komponiert, es ist die Wartezeit von vierzehn Jahren wert. Technisch beeindruckend, auch die Songwriting-Fähigkeiten der Musiker sind beeindruckend.

Fazit: Mit „V.O.I.D.“ liefern ASARU eine komplexe Black Metal Reise – dichte Klanglandschaft, komplizierte Riffs, aggressiv und atmosphärisch.

Internet

ASARU - V.O.I.D.

ARCHVILE KING – Aux Heures Désespérées

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cover artwork ARCHVILE KING Aux Heures Désespérées
cover artwork ARCHVILE KING Aux Heures Désespérées

Band: ARCHVILE KING 🇫🇷
Titel: Aux Heures Désespérées
Label: Les Acteurs de l’Ombre Productions
VÖ: 23/01/26
Genre: Black/Thrash Metal

Tracklist

01. Riposte
02. Le Chant Des Braves
03. L’Excusé
04. Le Carneval Du Roi Des Vers
05. Sépulture
06. Aux Heures Désespérées
07. À Ces Batailles Abandonnées
08. …Et Aux Hommes Misérables

Besetzung

Baurus – all instruments, vocals

Bewertung:

2,5/5

Die französische Band ARCHVILE KING meldet sich mit ihrem zweiten Album „Aux Heures Désespérées“ zurück, einem Werk, das laut Eigendefinition „die Wildheit des Thrash Metal mit den berauschenden Melodien des Black Metal verbindet“.

Zwischen Atmosphäre und Angriff

Atmosphärisch, fast filmisch, mit fernem, schwebendem Klangteppich beginnt der Opener „Riposte“, der kurz darauf in eine ziemlich aggressive Riff-Attacke mit gutem, treibendem Rhythmus übergeht. Eine Leadgitarre stellt die Verbindung zum Black Metal her, melodisch, beweglich, mit Tempowechseln – eine gelungene Mischung aus Geschwindigkeit und Melodie und insgesamt ein starker Einstieg.

Die aus Nantes stammende Formation ARCHVILE KING ist dabei faktisch ein Ein-Mann-Projekt. 2019 von Baurus gegründet, spielt er alle Instrumente und übernimmt auch Gesang, Songwriting und Texte. Über frühere Bandaktivitäten oder weitere Hintergründe ist nichts bekannt – das Projekt ist bewusst von einer gewissen Mystik umgeben.

Deutlich langsamer und noch stärker auf Atmosphäre fokussiert ist „Le Chant Des Braves“ mit hektischem Schlagzeug, direkterem Zugriff und einer melancholischen Grundstimmung. Repetitiv aufgebaut, ohne den Überraschungsmoment des Openers, basiert der Song im Wesentlichen auf einer einzigen, von der Leadgitarre vorgetragenen Akkordfolge, die endlos wiederholt wird. Der Klang wirkt hier weniger dynamisch als zuvor; man könnte fast vermuten, dass kein Bass vorhanden ist, da sich alles im hohen Frequenzbereich abspielt, verstärkt durch die sehr hoch angesetzte Tremolo-Gitarre. Das Ergebnis ist ein gleichförmiger, flacher Sound, dem es an Tiefe fehlt – ein klarer Produktionsaspekt. Auch die Vocals bleiben recht linear, ohne Variationen oder Wechsel der Ausdrucksweise.

Wie zu erwarten, beginnt „L’Excusé“ wieder atmosphärisch und melodisch, bevor – vorhersehbar – aggressivere Leadgitarren und wütende, schrille Schreie einsetzen. Die zentrale melodische Linie wirkt jedoch wie eine direkte Fortsetzung der vorherigen Stücke, echte Unterschiede sind kaum auszumachen. Stilistisch ist der Song fest im Black Metal verankert; die vereinzelten Thrash-Einflüsse anderer Stücke fehlen hier vollständig.

Wiederholung als Prinzip

In denselben Bahnen bewegt sich das Album mit „Le Carneval Du Roi Des Vers“ weiter: ein cineastisches Intro mit kriechenden, unheilvollen Sounds, die jedoch kaum mit der folgenden Musik verknüpft sind. Danach ein langsamer Auftakt, gefolgt von Riffs und Tremolo-Leads. Das Tempo stimmt, aber die Melodien ähneln dem zuvor Gehörten zu stark. Dieses Grundrezept setzt sich in „Sépulture“ fort, wobei der Song zumindest eine neue Idee einbringt: Das langsame, melodische Anfangsthema kehrt in der Mitte wieder, dazu kommen deutlichere Thrash-Metal-Elemente. Auch die melodische Linie wirkt emotionaler, was den Track zu einem der authentischeren Momente des Albums macht.

Etwas dissonanter fällt die Eröffnung des Titeltracks „Aux Heures Désespérées“ aus. Auffällig ist, dass gerade diese kurzen Intros die abwechslungsreichsten Passagen des Albums darstellen, während die eigentlichen Melodien immer ähnlicher werden. Rasende Schlagzeugpassagen wechseln mit komplett schlagzeuglosen Abschnitten, darüber eine klagende, weinende Leadgitarre und verzweifelte Schreie. Ein galoppierender Rhythmus im zweiten Teil erzeugt eine fast triumphale Stimmung, die in bizarrer Weise im Kontrast zur trostlosen Melodik steht.

À Ces Batailles Abandonnées“ beginnt mit einem noch längeren Intro, bringt ansonsten aber keine wirklichen Neuerungen. Die Musik wird zunehmend melancholischer, und im Verlauf des Albums verdrängen emotionale Akkorde immer stärker die aggressiveren Elemente. Der Schlusstrack „…Et Aux Hommes Misérables“ unterstreicht diesen Weg, indem er ausschließlich auf Ambient, Synths und Naturgeräusche setzt – ein introspektives Ende mit hellen, beinahe triumphalen Melodien.

Zwischen Epik und Eintönigkeit

Zu melodisch und zu repetitiv, stellenweise fast kitschig und zu sehr auf einen melancholisch-melodischen Grundton fixiert: „Aux Heures Désespérées“ leidet unter einer extrem gleichförmigen Struktur. Zwar sind durchaus gute musikalische Ideen vorhanden, doch durch ihre ständige Wiederholung verlieren sie schnell an Wirkung. Stilistisch sind die Dissection-Einflüsse unüberhörbar, noch näher liegt jedoch der Vergleich zu Lamp of Murmuur: dieselbe epische, übermelodische Form von Black-Thrash, derselbe Hang zu märchenhaft-ritterlichen Bildern, der sich auch im Cover-Artwork widerspiegelt.

Originell wirkt das alles kaum, die Songs unterscheiden sich wenig voneinander, und auch die Produktion – mit zu leise gemischten Drums und faktisch nicht vorhandenem Bass – verstärkt den monotonen Eindruck. Der immer gleiche, dünne Klang nutzt sich schnell ab und macht das Album auf Dauer anstrengend zu hören. Es fehlt an Vielfalt, an echten Kontrasten und letztlich auch an einer eigenen, klaren Identität.

Fazit: Vorhersehbar und klanglich einförmig, verbindet „Aux Heures Désespérées“ Atmosphäre mit überbordender Melodik, überzeugt in Summe jedoch nicht.

Internet

ARCHVILE KING - Aux Heures Désespérées

DISCERPTUS – Rebirth

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DISCERPTUS - Rebirth - album cover
DISCERPTUS - Rebirth - album cover

Band: DISCERPTUS 🇪🇸
Titel: Rebirth
Label: Independent
VÖ: 16/01/26
Genre: Death/Thrash/Groove Metal

Tracklist

01. Path of Isolation (Intro)
02. Rebirth
03. Morbid desire
04. Night
05. Silence of my darkness
06. Sunrise
07. Time
08. I Feel
09. Bad Blood
10. Black Lake

 

Besetzung

Antonio Carlos Rodríguez Espigares – Bass
Jorge Utrera – Drums
Jose „Cabra – Guitar
Juan Carlos Limón Calvo – Guitar
Ciro E. Sánchez Mártil – Vocals

 

Bewertung:

3,5/5

DISCERPTUS kommen aus Spanien und gehören zu den Bands, die sich nie auf ein einziges Subgenre festnageln lassen. Death-, Thrash- und Groove-Metal greifen bei ihnen ineinander wie Zahnräder, mal kantig, mal erstaunlich eingängig. Das aktuelle Line-up besteht aus Antonio Carlos Rodríguez Espigares am Bass, Jorge Utrera am Schlagzeug, Jose „Cabra“ und Juan Carlos Limón Calvo an den Gitarren sowie Ciro E. Sánchez Mártil am Mikrofon. Mit »Rebirth« legt die Band ihr Debütalbum vor, das den eigenen Neustart nicht bloß im Titel trägt, sondern daneben musikalisch durchzieht.

Ein Album zwischen Druck und Struktur

Schon der Opener »Path of Isolation« setzt die Richtung. Ein kurzes Intro, das düster und zurückhaltend beginnt, im Kontrast hierzu schnell Spannung aufbaut. Ein bewusst gesetzter Einstieg, der auf das Kommende vorbereitet. Direkt danach knallt der Titelsong »Rebirth« los und zeigt, wo DISCERPTUS stehen. Wuchtige Riffs, ein treibendes Schlagzeug und ein Gesang, der irgendwo zwischen aggressivem Shouting und kontrollierter Härte pendelt. Hier wirkt nichts beliebig. Die Band klingt fokussiert und erstaunlich geschlossen.

Gerade in den ersten Minuten des Albums wird klar, dass »Rebirth« weniger auf rohe Chaosenergie setzt als auf Struktur. Die Songs sind klar gebaut, mit wiedererkennbaren Riffmotiven und sauberen Übergängen. Das gibt der Platte ein solides Fundament, nimmt ihr aber an manchen Stellen desgleichen einigermaßen von der Wildheit, die man aus Death- oder Thrash-Kontexten kennt.

Die Gitarren als treibende Kraft

Das Gitarrenduo Cabra und Limón Calvo trägt das Album hörbar. In Songs wie »Morbid Desire« oder »Night« liefern sie sich ein ständiges Wechselspiel aus drückenden Rhythmusfiguren und kurzen melodischen Linien. Besonders »Night« profitiert von dieser Dynamik. Der Song schleppt sich nicht einfach nur schwerfällig vorwärts, sondern bekommt durch kleine Leads immer von vorn neue Akzente.

»Silence of my Darkness« geht einen anderen Weg. Hier dominieren langsamere, approximativ doomige Passagen, die viel Raum für Atmosphäre lassen. Ciros Gesang wirkt hier besonders intensiv, weil er nicht permanent gegen ein Hochgeschwindigkeits-Drumming ankämpfen muss. Das ist einer der Momente, in denen DISCERPTUS zeigen, dass sie mehr können als uneingeschränkt Druck machen.

Rhythmus Arbeit mit Licht und Schatten

Jorge Utreras Schlagzeugspiel ist technisch sauber und durchgehend präsent. In den schnelleren Nummern wie »Rebirth« oder »Bad Blood« treibt er die Songs kompromisslos voran, ohne sie zu überladen. Die Doublebass sitzt, die Breaks kommen punktgenau. Trotzdem bleibt das Spiel meist eher funktional als spektakulär. Das passt zum Stil der Band, sorgt außerdem dafür, dass manche Passagen weniger im Gedächtnis bleiben.

Der Bass von Antonio Carlos Rodríguez Espigares ist solide eingebettet, tritt allerdings selten in den Vordergrund. In einem Genre, das oft von tiefen, wuchtigen Frequenzen lebt, hätte man sich hier ruhig mehr Mut zur Präsenz wünschen können. Gerade in den groovigeren Momenten wie »Time« oder »I Feel« wäre ein stärkerer Basscharakter ein Gewinn gewesen.

Zwischen Aggression und Melancholie

Mit »Sunrise« und »Time« schlägt das Album eine halbwegs nachdenklichere Richtung ein. Die Songs wirken offener, weniger verkrampft auf Härte getrimmt. Besonders »Sunrise« überrascht mit einer fast hoffnungsvollen Grundstimmung, ohne dabei die metallische Identität zu verlieren. Diese Tracks geben der Platte Luft zum Atmen und verhindern, dass alles in einer einzigen aggressiven Linie verschwimmt.

»I Feel« geht noch einen Schritt weiter in Richtung Melodie und Emotionalität. Das ist nicht unbedingt der stärkste Song auf »Rebirth«, wenngleich einer der ehrlichsten. Man hört, dass DISCERPTUS hier nahezu Persönliches transportieren wollen, wenngleich die Umsetzung stellenweise annähernd zahm wirkt.

Finale mit dunklem Nachhall

»Bad Blood« zieht das Tempo wieder an und erinnert an die Thrash-Wurzeln der Band. Hier sitzt der Groove, die Riffs sind griffig und der Refrain bleibt hängen. »Black Lake« als Abschluss ist dagegen deutlich düsterer. Ein schwerer, schleppender Song, der das Album in einer trüben, annähernd resignierten Stimmung ausklingen lässt. Ein passender Kontrast zum kämpferischen Titel »Rebirth«.

»Rebirth« ist ein Album, das mehr über Entwicklung als über Revolution erzählt. DISCERPTUS haben ihren Sound gestrafft, ihn zugänglicher und klarer gemacht, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen. Nicht jeder Song zündet sofort, und an manchen Stellen fehlt der letzte Funke Risiko. Trotzdem überzeugt die Platte durch ein geschlossenes Auftreten, starke Gitarrenarbeit und eine spürbare innere Logik. Mit einer Bewertung von 3,5 von 5 Punkten ist »Rebirth« ein solides, ehrliches Metal-Album, das Fans von Death, Thrash und Groove gleichermaßen etwas bietet.

Fazit: Insgesamt ist »Rebirth« ein solides Album, das die Stärken von DISCERPTUS unterstreicht.

Internet

DISCERPTUS - Rebirth - CD Review

GROS ENFANT MORT – Le Sang Des Pierres

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cover artwork GROS ENFANT MORT Le Sang Des Pierres
cover artwork GROS ENFANT MORT Le Sang Des Pierres

Band: GROS ENFANT MORT 🇫🇷
Titel: Le Sang Des Pierres
Label: Moment of Collapse Records
VÖ: 23/01/26
Genre: Post-Hardcore, Screamo 

Tracklist

01. Cloué au sol
02. Saigne! Saigne! Saigne!
03. Château de cartes
04. 3114
05. Étranger à la Terre
06. Paillasson 4ever
07. L’art de perdre
08. Merci les cendres
09. Le sang des pierres

Besetzung

Alexis – All instruments, Vocals

Bewertung:

4/5

Vier Jahre nach ihrem Debut-LP kehren GROS ENFANT MORT mit einem neuen Album „Le Sang Des Pierres“ zurück und erforschen weiter die Grauzonen der Existenz ohne Filter: Depression, Isolation, mentale Gesundheit in einem sehr dramatischen Werk. Besser erklärt von der Band: „Die Notwendigkeit, dieses Album zu kreieren, entstand aus Erschöpfung, aus Leere, einem langsamen, fast unsichtbaren Zusammenbruch nach Jahren der Anstrengung, einen Platz in einer feindlichen Welt zu finden.“ Oder noch klarer: „Dieses Album erkundet, was mich direkt in die Wand geführt hat: eine verschlingende Entfremdung, genährt durch soziale Erwartungen, Arbeitsplatz-Dominanz, die Absurdität der Welt, psychischen Schmerz, Trauer und das Gefühl, abgeschnitten zu sein.

Von melancholisch zu verzweifelt

Die ersten Akkorde im Album – ein distanziertes Klavier setzt eine traurige und melancholische Atmosphäre. „Cloué au sol“ ist langsam, melodisch, geladen mit Emotionen. Die Clean Vocals nehmen dann eine dramatische Wendung in volles Screamo – verzweifelt und aggressiv. Die Instrumentierung bekommt auch eine neue Dynamik, und hier wird Post Hardcore zum dominanten Sound. Ein Song mit klarer Evolution von ruhig zu offensiv und von melancholisch zu verzweifelt. Ein starker Start ins Album, impaktvoll.

GROS ENFANT MORT, primär ein Solo-Screamo/Post-Hardcore-Projekt, initiiert von Alexis (Drummer von Johk) 2019 aus Poitiers, Frankreich. Das Projekt entwickelte sich zu einer vollen Live-Band, mit ehemaligen Mitgliedern von Johk und Low Relief, die sich Alexis für Touren anschlossen, mit einem diversen Line-up von Musikern an Gitarren, Bass, Drums und Vocals. Dieses intensive Ensemble kreierte eine Atmosphäre, die an Birds in Row und Converge erinnert. Alexis ist der Initiator und Hauptkomponist, verantwortlich für alle Instrumente und Vocals für die Studioaufnahmen. Auch die Texte sind seine Aufgabe, und damit fügt er eine weitere Komplexitätsebene zur bereits verstörenden Musik hinzu.

Saigne! Saigne! Saigne!“ ist aggressiv von den ersten Noten an – die ganze Atmosphäre ist verändert, massive Schreie transformieren den ganzen Sound in einen wütenderen und vor Wut strotzenden. Aber ein Hauch von Melodie ist auch da, fungiert als kontrastierendes Element hinter dem Haupt-Sound, sehr dissonant und aggressiv. Sehr gut gespieltes und hart schlagendes Drumming, aber ansonsten minimale Instrumentierung ergänzt mit Momenten aggressiver Ausbrüche.

Kontraste zwischen Wut und versteckter Wärme

Ein insgesamt schwererer Sound wechselt sich ab mit ruhigeren, aber mit wütenden Vocals. „Château de cartes“ ist ein weiterer Song voll von widersprüchlichen und diskrepanten Sounds, aber als Atmosphäre klar auf der verzweifelten, aber aggressiven Seite. Trotzdem webt eine schöne, ferne Gitarre eine schöne melodische Linie. „3114“ ist ein klarer Schritt in Hardcore-Musik, diesmal voll aggressiv – es gibt nichts, was die Stimmung glättet oder mildert. Auch wenn der Rhythmus verlangsamt und die Instrumente fast verschwinden, halten die Vocals den dissonanten und hasserfüllten, wütenden Ansatz. Wütend, genervt, verzweifelt – die Vocals übertragen viele Emotionen durch simple aber effiziente Schreie.

Die Produktion ist sehr gut, kombiniert Klarheit und Rohheit, genau wie die Musik ist. Und den emotionalen Zuständen folgend, die durch Musik ausgedrückt werden, wechseln sich Passagen mit gutem und klarem Sound mit lärmenden und voll aggressiven ab. Auch ambientere Passagen sind sehr gut integriert. Manchmal können ferne und distanzierte Melodien gehört werden, spielend mit dieser Distanz – die Produktion schließt sich auch an, verschiedene Klangschichten mit verschiedenen Intensitäten zu formen. Insgesamt ein guter Ansatz und ein gut gemachter Job.

Der bereits etablierte Sound voll von Kontrasten setzt sich durch die nächsten Songs fort. „Étranger à la Terre“ bringt mehr Melodie ins Spiel, ein Song mit vollerem Sound, komplexerer Komposition und Instrumentierung, mit beeindruckendem Bass-Sound und insgesamt auf allen Instrumenten das Können des Musikers zeigend. „Paillasson 4ever“ kommt mit dramatischen Wendungen, insgesamt nicht melodisch, ein weiteres Beispiel für pure Wut und Verzweiflung.

Verstörende emotionale Reise ohne Erleichterung

L’art de perdre“ bleibt in der leidenschaftlichen, aber verzweifelten Stimmung, aber langsam macht eine melodische Linie Platz im Song, bis nur eine akustische Gitarre bleibt, melodisch, melancholisch und distanzierte Vocals, fast sprechend. Aber keine Erleichterung – negative Stimmungen werden immer noch durch die Melodie übertragen. Eine Wand aus Sound macht „Merci les cendres“ zu einem der aggressivsten Momente des Albums, auch wenn langsam die Instrumentierung strukturierter und scheinbar melodischer wird. Aber eine abrupte Rückkehr zur lärmenden Seite der Band macht den Song sehr dynamisch und auch zu einem der interessantesten auf dem Album.

Der finale Track, auch der Titelsong „Le sang des pierres„, startet langsam, vage melodisch. Die elende Stimmung wird perfekt von Vocals eingefangen, eine ziemlich defätistische und demoralisierte Atmosphäre, die Musik in nur ambiente Sounds transformiert – traurig, niedergeschlagen, von Trauer erfüllt. Nicht die emotionale Erleichterung, auf die man gehofft hat, sondern im Gegenteil gräbt der Song tiefer in Negativität und gequälte Gefühle. Aber genau weil der Song so klar Gefühle überträgt, ist es ein würdiges Ende eines verstörenden Albums.

Musik als Gefäßvermittler für Emotionen

Musik voll von Kontrasten, Musik voll von Wut, aber auch mit einer weichen, warmen Seite, gut versteckt hinter dem Hauptsound. Geboren aus Erschöpfung und Leere ist die Musik ein perfekter Empfänger von Gefühlen und konzipiert diese in Musik. Sehr transparent auch – das Album ist auch eine Reise in mentale Zustände, wie Alexis es erklärte: „Es spricht die heimtückische Art an, wie Depression sich festsetzt und uns graduell von anderen abschneidet, obwohl so viele durch dieselbe Verzweiflung leben, nur in verschiedenen Skalen.“ Und das ist genau, wie man sich fühlt beim Hören des Albums.

Die Musik selbst spielt eine sekundäre Rolle auf dem Album – der Hauptzweck der Arbeit ist es, Emotionen zu übertragen, und in diesem Zweck erfüllt das Album seine Rolle. Kein angenehmes Hören, aber nie als eines gedacht – es ist eine verstörende und emotional geladene Erfahrung. Aber ein gutes Album, eine komplette Arbeit, ein Sound, der sowohl angespannt als auch tief emotional ist, eine Mischung aus rohen Ausbrüchen und abrasiver Poesie.

Fazit: Verstörend und emotional überträgt „Le Sang Des Pierres“ von GROS ENFANT MORT pure Emotionen durch Musik und Texte.

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GROS ENFANT MORT - Le Sang Des Pierres

DIEVERSITY – IV

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Dieversity IV album cover
Dieversity IV album cover

Band: DIEVERSITY 🇩🇪
Titel: IV
Label: El Puerto Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Modern/Melodic Death Metal

Tracklist

01. IV
02. Piece Of Mind
03. Blame Me
04. Animal
05. Gears Of Society
06. Tyrant
07. Trees Of Yesterday
08. Short Fuse
09. Free
10. The Hunt
11. Phantom Silhouette

 

Besetzung

Robin Mattner – Vocals
Daniel Heß – Guitars
Olav Langer – Guitars
Max Sommerlad – Bass
Dominik Waldorf – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

Mit DIEVERSITY steht eine Band auf der Bühne, die im Melodic-Death-Metal nicht uneingeschränkt technisch überzeugt, sondern desgleichen erzählerisch zu packen weiß. Auf ihrem vierten Album »IV« beweisen Robin Mattner am Gesang, Daniel Heß und Olav Langer an den Gitarren, Max Sommerlad am Bass und Dominik Waldorf am Schlagzeug, dass die Formation sowohl Dynamik als daneben Abwechslung auf hohem Niveau beherrscht. Nach drei vorherigen Veröffentlichungen hatten Fans hohe Erwartungen – und die Band liefert sie fast vollständig ein.

 

Ein Intro, das Erwartungen weckt

 

Das Album beginnt mit »IV«, dass keine langen Aufwärmrunden benötigt. Stattdessen legt das Stück mit gut einer Minute eine dunkle, atmosphärische Grundierung, die den Hörer sofort in die Welt von DIEVERSITY zieht.

Melodie und Aggression

Der Übergang zu »Piece Of Mind« zeigt die Stärke der Band im Melodic-Death-Metal: harte Riffs, einprägsame Melodien und Mattners kraftvoller, im Kontrast hierzu variabler Gesang ergeben einen Song, der sowohl Headbanger sowie Fans komplexerer Strukturen abholt. Direkt im Anschluss schiebt »Blame Me« nach: ein Track, der mit Breakdowns arbeitet, die sich organisch in die melodischen Passagen einfügen. Die Produktion sitzt, jeder Gitarrenlauf ist klar definiert, und das Zusammenspiel zwischen Bass und Schlagzeug sorgt für ein Fundament, das nicht wackelt.

Rohe Energie trifft Gesellschaftskritik

Mit »Animal« und »Gears Of Society« verschiebt die Band den Fokus auf gesellschaftliche Themen. »Animal«, schreit förmlich nach Ungezügeltheit, während »Gears Of Society« ein mechanisches, annähernd maschinelles Gefühl erzeugt, das die Textinhalte unterstützt. Die Songs haben Tempo, Aggression und Struktur zugleich. Auffällig ist, dass die Band es versteht, die Schwere nicht nur über den Sound, sondern darüber hinaus über das Storytelling zu transportieren – eine Balance, die im Genre nicht selbstverständlich ist.

Dunkle Atmosphäre

Die Mitte des Albums wird mit »Tyrant« düsterer. Hier zeigen DIEVERSITY ihr Talent, Spannung aufzubauen. Die Gitarren wechseln zwischen schneidenden Leads und melodischen Akzenten, während Mattners Gesang die Dramatik verstärkt. »Trees Of Yesterday« dagegen ist melancholisch, beinahe hymnisch. Es ist ein Stück, das zeigt, dass die Band auch Momente der Ruhe und Reflexion beherrscht, ohne dass die Härte verloren geht. Gerade in diesen Passagen wird deutlich, wie ausgereift das Songwriting geworden ist.

Kurz und intensiv

»Short Fuse« ist ein kurzer, aggressiver Ausbruch – mehr Schlag ins Gesicht als narrative Reise – und funktioniert hervorragend als Kontrast zu den längeren Tracks. »Free« öffnet demonstrativ den Blick in Richtung Aufbruch: melodische Leads treffen auf treibende Rhythmen, und Mattner zeigt vokale Variabilität, die den Song zu einem Highlight macht. Die Mischung aus Intensität und Eingängigkeit ist hier besonders gelungen.

Hochspannung zum Abschluss

Den Abschluss bilden »The Hunt« und »Phantom Silhouette«. »The Hunt« ist ein energiegeladenes Finale, das die Aggression noch einmal nach vorne treibt. Die Gitarren wechseln zwischen schweren Riffs und melodischen Läufen, während das Schlagzeug alle Details unterstützt. »Phantom Silhouette« rundet das Album ab, ohne den Druck herauszunehmen.

Reife und Vielschichtigkeit

Mit »IV« zeigen DIEVERSITY, dass Modern/Melodic-Death-Metal mehr sein kann als bloß Geschwindigkeit und Aggression. Die Band verbindet technische Präzision, eingängige Melodien und eine dramaturgische Songstruktur. Jeder Track hat seinen Platz, kein Füllmaterial lenkt ab, und die Produktion unterstützt die Energie, ohne steril zu wirken. Kleine Schwächen gibt es bei einzelnen Übergängen, die manchmal abrupt wirken, aber sie fallen kaum ins Gewicht.

Ein Album, das Fans des Genres begeistert und zusätzlich neugierige Hörer einlädt, die nach Melodie, Härte und Ausdruck gleichermaßen suchen. Mit diesem Werk positioniert sich DIEVERSITY als feste Größe im europäischen Metal, die man nicht unbedeutend hören, sondern erleben sollte.

Fazit: Mit »IV« ist DIEVERSITY ein beeindruckendes Werk gelungen, das sowohl die Härte des Melodic-Death-Metal und die Tiefe moderner Songwriting-Elemente vereint.

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DIEVERSITY - IV - CD Review

CARRION VAEL – Slay Utterly

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CARRION VAEL - Slay Utterly - album cover
CARRION VAEL - Slay Utterly - album cover

Band: CARRION VAEL 🇺🇸
Titel: Slay Utterly
Label: Unique Leader Records
VÖ: 16/01/26
Genre: Melodic Death Metal

Tracklist

01. 19(fucking)78
02. Truth or Consequences
03. 1912
04. 30 on 9
05. 40 Echoes Upon the Parlor
06. Lord of 74
07. Bisection 47
08. Black Chariot

 

Besetzung

Travis Lawson Purcell – Vocals
Alex Arford – Bass
Trenton Limburg – Guitar
Ryan Kurder – Guitar
Matt Behner – Drums

 

Bewertung:

3/5

CARRION VAEL stammen aus den USA und bewegen sich seit Jahren zwischen modernem Melodic-Death-Metal, klassischem Thrash-Drive und einer ordentlichen Portion Death-Metal-Wucht. Die Band setzt auf ein technisch versiertes, im Kontrast hierzu nie völlig verkopftes Songwriting. Im aktuellen Line-up stehen Travis Lawson Purcell am Gesang, Alex Arford am Bass, Trenton Limburg und Ryan Kurder an den Gitarren sowie Matt Behner am Schlagzeug. Mit »Slay Utterly« legt das Quintett nun ein Album vor, das mehr auf Direktheit als auf große Experimente setzt.

Erster Eindruck

Schon der Opener »19(fucking)78« macht klar, wohin die Reise geht. Harte Riffs, schnelles Drumming und ein aggressiver Einstieg ohne Umschweife. CARRION VAEL verschwenden keine Zeit mit langen Intros oder atmosphärischem Aufbau. Stattdessen knallen sie dem Hörer ihr Riffmaterial direkt vor den Kopf. Das wirkt zunächst roh und ungefiltert, was dem Album einen gewissen Old-School-Charme gibt. Gleichzeitig merkt man desgleichen, dass hier eher auf Druck als auf feine Details gesetzt wird.

Die Produktion ist solide, wenngleich nicht übermäßig poliert. Die Gitarren stehen klar im Vordergrund, das Schlagzeug klingt trocken und direkt, der Bass bleibt vorwiegend im Hintergrund, ist im Gegensatz hierzu hörbar präsent. Purcells Gesang bewegt sich im typischen Melodic-Death-Metal-Rahmen, mal kehlig und aggressiv, mal nahezu tiefer und schleppender. Große melodische Bögen sucht man hier eher selten, dafür gibt es konstanten Vorwärtsdrang.

Songs und Struktur

Die Tracklist wirkt auf den ersten Blick kryptisch. Titel wie »1912«, »30 on 9« oder »Bisection 47« geben kaum Hinweise auf Inhalte oder Stimmungen. Musikalisch folgt das Album jedoch einer klaren Linie. Die meisten Songs bewegen sich im mittleren bis hohen Tempo, unterbrochen von gelegentlichen Groove-Passagen, die etwas Luft verschaffen.

»Truth or Consequences« sticht mit seinem eingängigen Hauptriff hervor. Hier gelingt der Band eine gute Balance zwischen Härte und Wiedererkennungswert. »40 Echoes Upon the Parlor« geht einen Schritt weiter und arbeitet mit leicht düsteren Harmonien, die dem Song mehr Tiefe geben. In diesen Momenten zeigt sich, dass CARRION VAEL durchaus mehr können als bloß Drauflos-Geballer.

»Lord of 74« bringt einen leicht thrashigen Einschlag ins Spiel. Die Gitarrenarbeit wirkt hier kantiger, das Schlagzeug treibt mit mehr Groove. Auch »Black Chariot« am Ende des Albums bleibt im Gedächtnis, weil er das Tempo nahezu variiert und nicht nur auf Dauerfeuer setzt.

Andere Stücke wie »30 on 9« oder »Bisection 47« erfüllen eher eine funktionale Rolle. Sie halten das Album am Laufen, liefern allerdings wenig eigene Akzente. Das führt dazu, dass sich in der Mitte von »Slay Utterly« eine gewisse Gleichförmigkeit einschleicht.

Gitarren, Rhythmus und Gesang

Das Herzstück des Albums ist eindeutig die beiden Gitarren. Limburg und Kurder liefern ein dichtes Riffgeflecht, das stark auf klassischen Melodic-Death-Metal der frühen 2000er verweist. Harmonien tauchen immer wieder auf, bleiben hingegen größtenteils kurz und werden schnell von vorn von aggressiveren Passagen verdrängt. Soli gibt es, sie stehen demgegenüber nicht im Mittelpunkt, sondern dienen eher als kurze Highlights zwischen den Riffs.

Matt Behners Schlagzeugarbeit ist präzise und kraftvoll. Blastbeats werden gezielt eingesetzt, ohne das komplette Album zu dominieren. In den langsameren Passagen zeigt er ein gutes Gespür für Groove, was den Songs mehr Bodenhaftung gibt. Alex Arfords Bass ist zwar nicht spektakulär abgemischt, trägt aber spürbar zur Wucht bei.

Purcells Stimme ist rau, durchsetzungsfähig und ziemlich konstant. Er variiert wenig, was einerseits für Wiedererkennung sorgt, andererseits dazu führt, dass die Songs stimmlich spärlich eigene Charaktere entwickeln.

Stärken und Schwächen

»Slay Utterly« punktet vor allem durch seine Energie. Das Album wirkt wie ein Live-Set, das ohne große Pausen durchgespielt wird. Wer schnörkellosen Melodic-Death-Metal mit ordentlich Druck sucht, bekommt hier genau das. Die Band klingt eingespielt und sicher in dem, was sie tut.

Die Kehrseite ist die fehlende Abwechslung. Nach etwa der Hälfte der Spielzeit hat man das Gefühl, die wichtigsten Ideen bereits gehört zu haben. Es fehlt an Songs, die wirklich herausragen oder eine andere Stimmung ins Spiel bringen. Ebenfalls tragen die Songtitel wenig zur Orientierung bei, was das Wiederfinden einzelner Tracks erschwert.

Fazit: »Slay Utterly« von CARRION VAEL ist ein hörenswertes Werk für Fans des Melodic-Death-Metal, die Wert auf dunkle Atmosphäre und technische Finesse legen.

Internet

CARRION VAEL - Slay Utterly - CD Review

DEATHRAISER – Forged In Hatred

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cover artwork DEATHRAISER Forged In Hatred
cover artwork DEATHRAISER Forged In Hatred

Band: DEATHRAISER 🇧🇷
Titel: Forged In Hatred
Label: Xtreem Music
VÖ: 22/01/26
Genre: Thrash Metal

Tracklist

01. Severe Atrocity
02. Primitive Medicine
03. Everything Dies
04. Corporation Parasite
05. Empire Of Ignorance
06. Symphony Of Violence
07. Toxic Legacy
08. One Step To The Grave
09. Dead Generation

Besetzung

Thiago Rocha – Vocals, Guitar
Ramon Bedim – Guitar
Junior Gaetho – Bass
William Fernandes – Drums

Bewertung:

4,5/5

Die brasilianischen Thrasher DEATHRAISER kehren mit ihrem zweiten Album „Forged In Hatred“ zurück, fünfzehn Jahre nach ihrem Debütwerk, einem damals gut aufgenommenen LP, und jetzt verspricht das neue Werk ein weiteres energiegeladenes Album.

Unkomplizierter Old-School Thrash voller Attitüde

Ein Album, das mit gruseligen Sounds startet und einen fühlen lässt wie in einem Horrorfilm, unmittelbar gefolgt von Uptempo, soliden Thrash Metal Akkorden. „Severe Atrocity“ kommt mit guten Riffs, wütenden Vocals, schnellem Drumming und insgesamt einem direkten Ansatz – aggressiv und mit gutem Rhythmus. Unkomplizierte Art von Thrash Metal, voll von Attitüde und giftig. Alles in allem ein guter Start, solide und vielversprechend.

Mehr wie eine Fortsetzung des ersten Songs setzt „Primitive Medicine“ das gnadenlose Drumming fort – enge und präzise Gitarren, raspelnde Schreie und eine rebellische Attitüde. Galoppierende Riffs setzen ein gutes Tempo, der Song hat eine rohe Energie, die die Musik zu einem guten Headbanging macht. Ein simpler Song, sehr klar verwurzelt in Old-School Thrash Metal, gute und direkte Art von Musik.

DEATHRAISER kommen aus Leopoldina, Minas Gerais im Osten Brasiliens, 2009 gegründet, und bemerkenswert mit demselben Line-up von Anfang bis jetzt. Und noch mehr: Alle Musiker waren Kollegen vor der aktuellen Band in Merciless, einer Band, die nach ein paar Jahren in DEATHRAISER transformiert wurde. Thiago Rocha an Vocals und Gitarre, Ramon Bedim für die zweite Gitarre, Junior Gaetho am Bass und William Fernandes hinter den Drums sind eine gut geölte Maschine, und man kann das klar auf „Forged In Hatred“ hören.

Everything Dies“ ändert den Ton etwas, bleibt aber definiert durch frenetische Riffs, hart schlagende Drums und geschriene Vocals. Der Tempowechsel macht die hämmernden Drums noch präziser und verdoppelt durch ein messerscharfes Gitarrensolo zusammen eine gute und dynamische Passage. Beeindruckender Rhythmus und sehr gut synchronisierte Instrumentierung, sehr technisch gespielt. Eine komplexere Komposition mit Wendungen und Wechseln in der melodischen Linie und insgesamt ein guter Song.

Rohe Produktion passt perfekt zur Musik

Unvergessliche Riffs machen „Corporation Parasite“ von den allerersten Akkorden an zu einem herausragenden Song. Schnell, mit sorgfältig ausgearbeiteten Solos, Maschinengewehr-Drumming, konfrontativen Vocals – ein Song voll von Energie und sehr lebendig. Und wieder beeindruckt die Musikalität mit präzisem und dichtem Sound. Mit einer klassischen Thrash Metal Struktur und voller Impact kommend – ein Höhepunkt.

Die Produktion ist ziemlich roh, aber das passt sehr gut zur Musik. Das gesamte Album hat eine Old-School-Stimmung, nicht nur durch Kompositionen, sondern auch durch die Produktion. Nicht sehr ausgeklügelt, der Sound wird bewusst sehr simpel gehalten, und genau das macht die Aufnahme zu einer impaktvollen. Keine unnötigen Ornamente, keine hyperkomplexen Arrangements – wie die Musik direkt und effizient ist, so ist auch die Produktion.

Das Album setzt sich in derselben Linie für die nächsten Songs fort. „Empire Of Ignorance“ bringt mehr Wechsel zwischen direkten und technischeren Teilen, „Symphony Of Violence„, ein instrumentaler Song, lässt die Gitarren und Rhythmussektion noch heller glänzen mit simplen Riffs, aber gutem Tempo. „Toxic Legacy“ setzt wieder ein verrückt schnelles Tempo, behält aber die effiziente Art von Thrash Metal – bestrafend und abrasiv.

Melodischer, mit einem Solo startet „One Step To The Grave„, aber bald übernimmt das wahnsinnig schnelle Drumming die Kontrolle, und der Rest der Instrumente schließt sich an – der infernalische Rhythmus dominiert die Klanglandschaft. Einige Rhythmuswechsel passieren allerdings und bringen mehr Melodie, aber der Song bleibt aggressiv. Der finale Song des LP „Dead Generation“ bringt die beeindruckenden Riffs und die hochtempoierte Rhythmussektion zurück – ein weiterer Höhepunkt des Albums.

Direktheit wie in den Anfängen des Thrash

DEATHRAISER erfindet hier das Rad nicht neu, aber präsentiert eine Arbeit, die alle traditionellen Thrash Metal Prinzipien respektiert und einfach ein gutes Stück dynamische und impaktvolle Musik liefert. Ein angenehmes Hören, energetisch, gut gespielt und mit unvergesslichen Riffs und Melodien. Auch sehr beeindruckend technisch – versierte Musiker, die sehr gut zusammen funktionieren und in einer engen und präzisen Instrumentierung resultieren.

Erinnernd an die erste Periode von Kreator, aber auch andere Urväter des Genres. Und sicher sind Einflüsse von frühen Sepultura durch das Album zu hören, und diese Verbindung zu den klassischen Thrash Metal Rhythmen und Melodien ist genau das, was das Album zu einem besonderen macht – nicht nur als Nostalgie, sondern wegen der Direktheit der Thrash-Musik, wie sie in den Anfängen war, und das ist heutzutage ziemlich selten. Für Fans von altem Thrash Metal, pur und simpel, eine klare Empfehlung.

Fazit: Beeindruckend und voller Impact – das neue Album „Forged In Hatred“ von DEATHRAISER ist ein gutes Beispiel für simplen und präzisen Thrash Metal.

Internet

DEATHRAISER - Forged In Hatred

EDENBRIDGE – Set The Dark On Fire

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EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - album cover
EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - album cover

Band: EDENBRIDGE 🇦🇹
Titel: Set The Dark On Fire
Label: Steamhammer
VÖ: 16/01/26
Genre: Symphonic Power Metal

Tracklist

01. The Ghosthip Diarues
02. Cosmic Embrace
03. Where The Wild Things Are
04. Tears Of The Prophets
05. Our Place Among The Stars
06. Set The Dark On Fire
07. Bonded By The Light
08. Divine Dawn Reveal
09. Lighthouse
10. Spark Of The Everflame – Let Time Begin
11. Spark Of The Everflame – The Winding Road To Evermore
12. Spark Of The Everflame – Per Aspera Ad Astra
13. Spark Of The Everflame – Where It Ends, Is Where It Starts

 

Besetzung

Sabine Edelsbacher – Vocals
Lanvall – Guitars, Keys, Orchestration
Sven Sevens – Guitars
Steven Hall – Bass
Johannes Jungreithmeier – Drums

 

Bewertung:

4,5/5

EDENBRIDGE gehören seit über zwei Jahrzehnten zu den festen Größen im europäischen Symphonic-Metal. Gegründet von Multiinstrumentalist und Songwriter Lanvall, steht die Band für große Melodien, orchestrale Weite und die unverkennbare Stimme von Sabine Edelsbacher. Das aktuelle Line-up bringt viel Erfahrung und Präzision zusammen: Sabine Edelsbacher am Gesang, Lanvall an Gitarre, Keyboard und Orchestration, Sven Sevens an der zweiten Gitarre, Steven Hall am Bass und Johannes Jungreithmeier am Schlagzeug.

Mit »Set The Dark On Fire« knüpft die Band nicht nur an ihre eigene Geschichte an, sondern setzt sie mit frischem Schwung fort.

Ein Album wie eine Reise

Schon der Opener »The Ghostship Diaries« zieht den Hörer in eine Welt aus schwebenden Keyboards, dramatischen Chören und treibenden Gitarren. EDENBRIDGE machen hier direkt klar, dass sie nichts von ihrer epischen Erzählkunst eingebüßt haben. Die Produktion ist klar, breit und druckvoll, ohne steril zu wirken. Alles atmet, alles hat Raum, insbesondere Sabine Edelsbachers Stimme, die sich mühelos über das dichte Arrangement legt.

»Cosmic Embrace« führt diese Stimmung weiter, wirkt im Kontrast hierzu etwas hymnischer. Die Refrains sind so gebaut, dass sie sich sofort festsetzen, ohne auf billige Eingängigkeit zu setzen. Lanvalls Handschrift ist überall zu spüren: große Harmonien, viele kleine Details im Hintergrund, die man erst beim zweiten oder dritten Durchlauf richtig wahrnimmt.

Zwischen Härte und Gefühl

Mit »Where The Wild Things Are« wird es kantiger. Die Gitarren treten stärker in den Vordergrund, das Schlagzeug arbeitet mit mehr Druck, ohne die symphonische Basis zu verlieren. Gerade hier zeigt sich die Stärke des aktuellen Line-ups. Johannes Jungreithmeier spielt präzise und dynamisch, während Steven Hall dem Ganzen eine warme, erdige Basis gibt.

»Tears Of The Prophets« ist eines der emotionalen Zentren des Albums. Sabine Edelsbacher klingt hier besonders nahbar, annähernd verletzlich. Die Melodie trägt eine gewisse Melancholie, die sich langsam zu einem kraftvollen Finale aufbaut. EDENBRIDGE verstehen es nach wie vor, Pathos einzusetzen, ohne ins Kitschige zu rutschen.

Der Titeltrack als Statement

»Set The Dark On Fire« ist mehr als bloß der Namensgeber. Der Song bündelt vieles, wofür die Band steht. Große Chöre, ein treibender Rhythmus und ein Refrain, der nach Bühne und Publikum schreit. Hier wird deutlich, wie sehr EDENBRIDGE für das Live-Gefühl schreiben. Das Stück wirkt wie ein Aufruf, sich dem Licht entgegenzustellen, musikalisch wie inhaltlich.

»Bonded By The Light« und »Divine Dawn Reveal« halten das Tempo hoch, wirken dabei im Gegensatz hierzu unterschiedlich in ihrer Ausrichtung. Während ersterer eher hymnisch und geradeaus kommt, spielt letzterer stärker mit Atmosphäre und schichtweisen Arrangements. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass das Album desgleichen in der zweiten Hälfte nicht an Spannung verliert.

Ruhepunkte und große Gesten

Mit »Lighthouse« gönnt sich die Platte einen Moment zum Durchatmen. Der Song ist ruhiger, fast balladesk, aber zu keinem Zeitpunkt belanglos. Die Melodie trägt viel Sehnsucht in sich, und genau darin liegt seine Stärke. EDENBRIDGE zeigen hier, dass sie nicht allein laut und groß können, sondern daneben leise und intensiv.

Das große Finale bildet die vierteilige »Suite Spark Of The Everflame«. Diese Sequenz ist ein eigenes kleines Album im Album. Von »Let Time Begin« über »The Winding Road To Evermore« bis hin zu »Per Aspera Ad Astra« und »Where It Ends, Is Where It Starts« entfaltet sich eine musikalische Erzählung, die alle Stärken der Band bündelt. Epische Bögen, progressive Elemente, ruhige Passagen und wuchtige Höhepunkte greifen hier ineinander. Besonders beeindruckend ist, wie organisch die Teile miteinander verbunden sind, ohne sich zu wiederholen.

Klang und Identität

Die Produktion von »Set The Dark On Fire« wirkt modern, wenngleich nicht glattgebügelt. Die Orchestrierungen stehen nie im Weg der Rockinstrumente, sondern ergänzen sie. Gerade im Symphonic-Metal ist das keine Selbstverständlichkeit. Hier fühlt sich alles ausbalanciert an. Lanvall beweist erneut, dass er nicht nahezu ein guter Songwriter, sondern auch ein feiner Arrangeur ist.

Sabine Edelsbachers Stimme bleibt das emotionale Zentrum. Sie trägt die Texte mit Klarheit und Ausdruck, ohne in übertriebene Dramatik abzurutschen. Man hört, dass sie diese Songs lebt.

»Set The Dark On Fire« ist ein starkes Album, das EDENBRIDGE auf der Höhe ihres Könnens zeigt. Es vereint alles, was Fans an der Band schätzen, und bringt genug frische Ideen mit, um nicht wie eine bloße Wiederholung früherer Erfolge zu wirken. Die Mischung aus Härte, Melodie und orchestraler Weite geht hier angelegentlich gut auf.

Fazit: EDENBRIDGE‘s »Set The Dark On Fire« ist ein beeindruckendes Album, das die Grenzen des Genres auslotet und neue Maßstäbe setzt.

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EDENBRIDGE - Set The Dark On Fire - CD Review

ALTER BRIDGE – Alter Bridge

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ALTER BRIDGE - Alter Bridge - album cover
ALTER BRIDGE - Alter Bridge - album cover

Band: ALTER BRIDGE 🇺🇸
Titel: Alter Bridge
Label: Napalm Records
VÖ: 09/01/26
Genre: Alternative Rock/Metal

Tracklist

01. Silent Divide
02. Rue The Day
03. Power Down
04. Trust In Me
05. Disregarded
06. Tested and Able
07. What Lies Within
08. Hang By A Thread
09. Scales Are Falling
10. Playing Aces
11. What Are You Waiting For
12. Slave To Master

 

Besetzung

Myles Kennedy – Vocals, Guitar
Mark Tremonti – Guitar, Vocals
Scott Phillips – Drums
Brian Marshall – Bass

 

Bewertung:

5/5

Vier Männer, ein klarer Auftrag

ALTER BRIDGE sind längst mehr als nur die „Ex-CREED-Band mit neuem Sänger“. Myles Kennedy, Mark Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall haben sich seit ihrer Gründung als eigenständige Größe im modernen Rock und Metal etabliert. Kennedys unverwechselbare Stimme, Tremontis wuchtiges, oft überraschend melodisches Gitarrenspiel, Marshalls tief groovender Bass und Phillips’ schnörkelloses, aber kraftvolles Schlagzeug bilden seit Jahren ein eingespieltes Gefüge. Mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album »Alter Bridge« legt die Band nun ein Werk vor, das genau dieses Zusammenspiel feiert und auf den Punkt bringt.

Ein Album ohne Umwege

Schon der Opener »Silent Divide« macht klar, wohin die Reise geht. Keine lange Anlaufphase, keine überflüssigen Effekte. Ein düsterer Riff-Teppich, darüber Kennedys klare, leicht melancholische Stimme, die sich langsam zu einem kraftvollen Refrain aufbaut. Der Song wirkt wie ein Statement. Alter Bridge klingen hier selbstbewusst, fokussiert und erstaunlich frisch für eine Band, die seit zwei Jahrzehnten unterwegs ist.

»Rue The Day« zieht das Tempo an und erinnert an die härtere Seite der Band. Tremonti feuert Riffs ab, die zwischen Alternative-Rock und modernem Metal pendeln, während Phillips das Ganze mit einem treibenden Groove zusammenhält. Der Song lebt von seinem Kontrast zwischen aggressiven Strophen und einem angenähert hymnischen Refrain.

Druck und Dynamik

Mit »Power Down« und »Trust In Me« zeigt die Band ihre Stärke im Umgang mit Dynamik. »Power Down« wirkt wie ein kontrollierter Ausbruch. Der Song schiebt nach vorne, bricht fortwährend kurz ein und sammelt sich neu, bis er in einem wuchtigen Finale mündet. »Trust In Me« ist melodischer, fast nachdenklich, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Kennedys Gesang steht hier im Mittelpunkt. Er schafft es, Verletzlichkeit und Stärke in einer Stimme zu vereinen.

»Disregarded« und »Tested and Able« gehören zu den direkteren Nummern des Albums. Hier regiert der Groove. Marshall und Phillips liefern ein solides Fundament, auf dem Tremonti seine Riffs ausbreitet. Besonders »Tested and Able« bleibt mit seinem eingängigen Refrain lange im Ohr, ohne sich anzubiedern.

Die ruhigeren Momente

Mit »What Lies Within« gönnt sich das Album einen ersten echten Atemzug. Der Song ist zurückhaltender, beinahe introspektiv. Akustische Elemente mischen sich unter die elektrischen Gitarren, Kennedys Stimme klingt hier besonders nahbar. Es ist einer dieser Momente, in denen ALTER BRIDGE zeigen, dass sie mehr können als bloß Druck und Lautstärke.

»Hang By A Thread« knüpft daran an, steigert sich im Kontrast hierzu wieder zu einem kraftvollen Rocksong. Der Aufbau ist klassisch, allerdings effektiv. Leise Strophe, großer Refrain, ein Gitarrensolo, das nicht uneingeschränkt Technik zeigt, sondern echte Emotion transportiert.

Wenn die Waage kippt

»Scales Are Falling« gehört zu den spannendsten Tracks der Platte. Der Song spielt mit ungeraden Rhythmen und einem leicht düsteren Unterton. Er fühlt sich approximativ wie ein innerer Monolog an, der musikalisch in Bewegung umgesetzt wird. »Playing Aces« dagegen ist direkter, angenähert ein kleiner Stadionrocker, der live garantiert gut funktionieren wird.

»What Are You Waiting For« ist einer der emotionalen Höhepunkte. Der Song wirkt wie eine Aufforderung, endlich loszulassen und vorwärtszugehen. Kennedys Gesang trägt hier viel Dringlichkeit in sich, während die Band im Hintergrund ein breites, warmes Klangbild aufbaut.

Ein starker Abschluss

Mit »Slave To Master« endet das Album so, wie es begonnen hat. Kraftvoll, konzentriert und ohne Schnickschnack. Der Song bündelt viele der Stärken dieser Platte. Ein markantes Riff, ein prägnanter Refrain und eine Produktion, die jedes Detail klar hörbar macht, ohne steril zu wirken.

Produktion und Sound

Der Sound von »Alter Bridge« ist modern, im Gegensatz hierzu nicht glattgebügelt. Die Gitarren haben Druck, ohne zu matschen. Der Bass ist präsent und verleiht den Songs Tiefe. Das Schlagzeug klingt trocken und direkt, exakt richtig für diese Art von Rock. Vor allem Kennedys Stimme wurde hervorragend eingefangen. Sie steht immer im Vordergrund, ohne die Instrumente zu erdrücken.

Ein selbstbewusstes Statement

Dieses selbstbetitelte Album wirkt wie eine Standortbestimmung. ALTER BRIDGE müssen niemandem mehr etwas beweisen, und das hört man buchstäblich. Die Songs sind kompakt, durchdacht und emotional aufgeladen. Es gibt keine offensichtlichen Füller, keine Tracks, die man skippen möchte. Jeder der zwölf Songs trägt seinen Teil zum Gesamtbild bei.

»Alter Bridge« ist kein Experiment, sondern ein sehr klares Bekenntnis zu dem, was diese Band ausmacht. Große Melodien, harte Riffs und ehrliche Texte, die zwischen Hoffnung, Zweifel und Durchhaltewillen pendeln. Für Fans ist das Album ein Geschenk. Für Neueinsteiger ein perfekter Einstieg.

Fazit: ALTER BRIDGE beweisen mit ihrem gleichnamigen Album erneut, warum sie zu den besten Bands ihres Genres zählen.

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ALTER BRIDGE - Alter Bridge - CD Review

1986 – Carniveil

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1986 Carniveil album cover
1986 Carniveil album cover

Band: 1986 🇬🇧
Titel: Carniveil
Label: Independent
VÖ: 02/01/26
Genre: Sludge Metal/Hardcore

Tracklist

01. White Rabbit
02. Joy
03. Sweet Tooth
04. Black Mirror
05. Teanga Briste
06. Torment
07. Equus Gallows
08. Static Burn
09. One for Sorrow
10. Vipers Den
11. Afterlife Crisis

 

Besetzung

Gregory Creighton – Guitars
Ashley Fenlon – Vocals
James Gardner – Bass
Will Parish – Drums

 

Bewertung:

3,5/5

1986 ist ein Vierer aus Manchester, England, der sich seit einigen Jahren mit einer eigenwilligen Mischung aus Sludge Metal und Hardcore eine kleine, treue Hörerschaft erspielt hat. Ashley Fenlon schreit und keift sich durch die Songs, als stünde jedes Wort unter Strom. Gregory Creighton legt dazu schwere, sägende Gitarrenflächen, während James Gardner am Bass eher gräbt als spielt. Will Parish hält das Ganze am Schlagzeug mit einer rohen, annähernd störrischen Direktheit zusammen. »Carniveil« ist das erste Full-Lenght-Album und es zeigt eine Band, die sich hörbar weiterentwickelt, ohne ihre Ecken glattzuschleifen.

Ein dunkler Ritt durch Sludge Metal und Hardcore

Der Sound von »Carniveil« ist dicht, körnig und bewusst nicht geschniegelt. Die Gitarren liegen wie eine Staubwolke über den Songs, zeitweilig demgemäß massiv, dass sie fast alles andere verschlucken. Genau das scheint gewollt. 1986 wollen keinen sauberen, durchhörbaren Metal liefern, sondern ein Gefühl von Enge und Druck. Die Produktion betont das noch, vor allem im Bassbereich, der oft wummert wie ein Motor im Leerlauf. Das Schlagzeug klingt trocken und direkt, was gut zu Parish’ hartem, schnörkellosem Stil passt. Fenlons Stimme sitzt eher im Mix als darauf. Sie wirkt auf keinen Fall wie ein Star im Vordergrund, sondern wie ein weiterer, wütender Bestandteil dieses Klangblocks.

Einstieg mit Biss

Der Opener »White Rabbit« macht gleich klar, wohin die Reise geht. Ein schleppendes Riff, das sich langsam aufbaut, bis Fenlon mit voller Wucht einsetzt. Der Song arbeitet viel mit Dynamik, mit kurzen Momenten von Ruhe, die dann abermals von Lärm zerfetzt werden. »Joy« zieht das Tempo an und zeigt die Hardcore-Wurzeln der Band deutlicher. Hier wird nicht lange gefackelt, der Song rast nach vorne und lässt kaum Luft zum Atmen. »Sweet Tooth« setzt dem eine giftige, beinahe punkige Note entgegen. Das Riff ist simpel, im Kontrast hierzu effektiv, und Fenlons Gesang klingt hier besonders spöttisch.

Dunkle Spiegel

Mit »Black Mirror« und »Teanga Briste« wird das Album schwerer und halbwegs sperriger. »Black Mirror« lebt von einem drückenden Groove, der sich tief ins Ohr frisst. Die Gitarren schichten sich übereinander, während der Bass darunter wie ein dunkler Strom fließt. »Teanga Briste«, dessen Titel aus dem Irischen stammt, ist einer der experimentelleren Momente der Platte. Hier spielen 1986 mehr mit Pausen und ungeraden Strukturen, was den Song zwar interessant, wenngleich weniger zugänglich macht.

Im Kern brutal

Die Mitte des Albums gehört »Torment« und »Equus Gallows«. Beide Stücke sind Paradebeispiele für das, was die Briten gut können. »Torment« ist ein zäher Brocken, der sich langsam entfaltet und dabei eine approximativ hypnotische Wirkung entwickelt. »Equus Gallows« dagegen ist direkter, mit einem treibenden Rhythmus und einem Refrain, der sich überraschend gut im Kopf festsetzt, wenngleich Fenlon ihn eher brüllt als singt. Hier zeigt sich, dass die Band durchaus ein Gespür für Songwriting hat, wenn sie das daneben hinter Lärm und Aggression versteckt.

Flackernde Energie

»Static Burn« bringt wiederum Tempo ins Spiel. Der Song klingt wie ein Kabelbrand in Zeitlupe, überall knistert es, während das Schlagzeug unnachgiebig vorantreibt. »One for Sorrow« ist danach angenähert schon melancholisch. Die Gitarren sind hier nahezu offener, die Stimmung gedrückter. Es ist einer der wenigen Momente, in denen 1986 so etwas wie Verletzlichkeit durchscheinen lassen. »Vipers Den« kehrt dann wieder zur Wut zurück. Der Track ist kurz, heftig und lässt wenig Raum für Zwischentöne.

Ein Abgang mit Fragezeichen

Der Schlusspunkt »Afterlife Crisis« fasst viele Elemente des Albums noch einmal zusammen. Langsame, schwere Parts wechseln sich mit plötzlichen Ausbrüchen ab. Der Song wirkt wie ein innerer Kampf, der nie ganz entschieden wird. Das passt gut zum Gesamteindruck von 1986, das eher Fragen aufwirft als Antworten liefert.

Stärken und Schwächen

1986, punkten auf diesem Album vor allem mit Atmosphäre und Konsequenz. Sie ziehen ihren Stil kompromisslos durch und schaffen es, eine dichte, bedrückende Welt aufzubauen, in der jeder Song seinen Platz hat. Gleichzeitig liegt hier die größte Schwäche. Über die volle Länge von elf Tracks hinweg kann sich das Klangbild einigermaßen abnutzen. Nicht jeder Song hebt sich stark genug vom vorherigen ab, und manchmal wünscht man sich einen klareren Kontrast oder eine mutigere Abwechslung.

»Carniveil« ist kein Album für nebenbei. Es fordert Aufmerksamkeit und eine gewisse Leidensfähigkeit, belohnt im Gegensatz hierzu mit intensiven Momenten und ehrlicher, ungefilterter Energie. 1986 zeigen, dass sie ihre Mischung aus Sludge-Metal und Hardcore verstanden haben und weiter ausbauen. Für ein Meisterwerk fehlt noch annähernd Feinschliff und vielleicht der Mut, öfter aus der eigenen Komfortzone auszubrechen. Mit 3,5 von 5 Punkten bleibt »Carniveil« eine starke, wenn auch nicht makellose Platte, die vor allem Fans harter, düsterer Klänge zufriedenstellen dürfte.

Fazit: 1986 gelingt es mit »Carniveil« die Essenz von Sludge-Metal und Hardcore einzufangen und in einer kraftvollen, dunklen Klangwelt zu präsentieren.

Internet

1986 - Carniveil - CD Review