2025 – Der etwas andere Jahresrückblick Teil I

Jänner – März

Angesichts der auch 2025 großen Masse an Veröffentlichungen haben wir natürlich nicht die Möglichkeiten, alle Promos in unserem Postfach zu berücksichtigen.
Hinzu kommt auch, dass wir Fans sind, also nicht nur für dieses Fanzine die Musik hören, die wir lieben und leben, sondern diese auch dementsprechend (als Droge) privat konsumieren. Aus dieser Situation machen wir nun das beste draus.

Die Idee war es einen knackigen Überblick über Veröffentlichungen zu bieten, welche uns persönlich am Herzen liegen und (nicht nur hier) etwas untergegangen sind. Dabei haben wir uns, der Ordnung halber, zwei Rahmenbedingungen gesetzt:
Erstens werden Alben ausgeklammert, die wir schon rezensiert haben. Des weiteren berücksichtigen wir nur Sachen, die dieses Jahr, egal ob physisch oder digital, unsere Sammlungen bereichert haben.

Unterstützt werde ich hierbei von Voicu, was nicht nur ein breiteres musikalisches Spektrum abdecken wird, sondern auch zwei unterschiedliche Charaktere vereint. Alleine dass der Kollege seine Musik hauptsächlich digital konsumiert und ich dieses Jahr mal wieder mein Schallplattenregal aufstocken musste, sollte Bände sprechen.

Rein digitalen Konsum über Portale oder den Kauf eines Downloads kann ich als Jäger und Sammler nur gutheißen und unterstütze dies! Denn was viele gerne übersehen:
Von Portalen wie Spotify profitiert eine kleinere Band bei einigen Wiedergaben von mehreren Hörern monetär zumeist mehr als vom Verkauf einer limitierten LP, auch ein legal erworbener Download spart nicht nur dem Hörer Geld, sondern auch der jeweiligen Band, da weitere Herstellungskosten wegfallen.

Da wir beide absolute Nerds sind, kam wie jedes Jahr einiges dabei zusammen, so dass wir uns entschieden haben, die ganze Geschichte in Quartale aufzuteilen, damit es übersichtlich bleibt.
Los geht es mit den ersten drei Monaten. Wir hoffen, dass Ihr Spaß bei schmökern haben und das eine oder andere für Euch entdecken werdet!

Jänner

cover artwork BESNA Krásno

BESNA 🇸🇰 – Krásno (Black Metal, Post-Metal, Post-Black / Progressive Metal)
(Independent, 16.01.2025)
Ein Album, das von Beginn an Elemente aus Black Metal, Ambient, Post-Metal sowie elektronische und progressive Einflüsse miteinander verbindet. Zwischen melodischen und aggressiven Momenten, schönen Melodien und dynamischen Ausbrüchen entfaltet sich leidenschaftliche, stark emotional aufgeladene Musik mit vielen einprägsamen Passagen. Die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Stilen wirken natürlich und organisch: Verzweiflung, depressive Stimmungen, aber auch positive, hoffnungsvolle Momente entwickeln sich über die gesamte Spielzeit hinweg. Dazu kommen schwere Passagen und klar blackmetallische Ausbrüche. Das Ergebnis ist durchgehend hochwertige Musik. Songs wie „Hranice“, „Paracelsus“ oder „Mesto Spí“ gehören zu den ersten, die beeindrucken, doch letztlich überzeugt das gesamte Album. Trotz zahlreicher Tempo- und Stilwechsel bleibt „Krásno“ ein geschlossenes, kohärentes Werk. (4/5) Voicu

Tokyo Blade - Time Is The Fire - ArtworkTokyo Blade 🇬🇧 – Time Is The Fire (Heavy Metal/NWOBH)
(Dissonance Productions, 17/01/25)
Bei mir macht den Anfang die aktuelle TOKYO BLADE. Diese wurde von vielen Kollegen anderer Magazine als zu lang und inkonsistent kritisiert. Nach drei Durchläufen, spätestens beim Anblick des zweifarbigen Doppelvinyl sollte man jedoch feststellen, dass es sich im Grunde um zwei Alben handelt. Die Originalbesetzung ist in Topform, vor allem Allan Marsh ist in der Form seines Lebens. Während die ersten sieben Lieder es schaffen, den Bandstil zeitgemäß (»Feeding The Rat«,»Moth In The Fire«, »The 47«) und progressiv (»Are You Happy Now«) darzubieten, huldigt man ab »The Devil In You« alten Helden wie Whitesnake, Thin Lizzy sowie musikalischen Weggefährten, ohne diese zu kopieren. »Time Is The Fire« ist heiß und das zweitbeste Werk in der Banddiskografie dieser Legende! (4,5/5) Daniel

cover artwork Hazzerd The 3rd Dimension

HAZZERD 🇨🇦 – The 3rd Dimension (Thrash Metal)
(M-Theory Audio, 17.01.2025)
Moderat eingängiger Thrash Metal mit vielen soliden Headbanging-Momenten, insgesamt jedoch überwiegend im Midtempo angesiedelt. Gute kompositorische Fähigkeiten mit starkem Old-School-Feeling, stellenweise stilistisch näher am klassischen Heavy Metal. Die Kanadier von HAZZERD liefern ein Album ab, das ihre Diskografie konsequent fortsetzt – sowohl stilistisch als auch in der Herangehensweise an Songwriting. Das Gitarrenduo bringt überzeugende Riffs und gelungene Solos ins Spiel, während die Vocals typisch thrashig bleiben: bellend, angepisst, direkt. „Plagueis“ gehört zu den schnellsten und entschlossensten Tracks und zählt ebenso zu den Highlights wie der Opener „Interdimension“ oder „Parasitic“. Auch die obligatorischen Balladen haben hier ihren Platz. Keine Revolution im Thrash Metal, aber ein solides Album, das einige Durchläufe verdient. (3,5/5) Voicu

noor-mothers-guilty-pleasures-part-one- artworkNoor 🇨🇦 – Mother`s Guilty Pleasures – Part One (US Progressive Power Metal)
(Arkeyn Steel Records, 24/01/25)
Ursprünglich vor zwei Jahren selbst veröffentlicht, erbarmte sich endlich ein Label, das Debüt der Kanadier (wenn auch in begrenzter Stückzahl) für den europäischen Markt anzubieten. Und dies noch mit vier Bonüssen, besser geht es nicht! Ich fasse mich kurz: Hier irgendeinen Song herauszupicken ist wie Ketchup ohne Pommes, sinnlos! Denn was NOOR hier abliefern, ist eine Symbiose aus der Intensität solcher Ikonen wie Agent Steel, Sanctuary oder Liege Lord sowie der Magie von Heir Apparent und Crimson Glory als auch Jacobs Dream und Steel Prophet. Eine Symbiose, keine Kopie! So etwas wie »Mother`s Guilty Pleasure Part One« passiert vielleicht alle paar Jahrzehnte. Ist es ein Meisterwerk? Gewiss! Ein Standardwerk in seinem Genre? Auf jeden Fall! Das beste Album aller Zeiten? Es ist sehr nah dran! (5/5) Daniel

Ringlorn - Tales Of War And Magic - ArtworkRinglorn 🇬🇷 – Tales Of War And Magic (Heavy/Power Metal)
(Steel Gallery Records, 24/01/25)
Manchmal reicht einem auch einfache Genrekost. Das griechische Projekt RINGLORN hat mit Mark Dexter eine durchaus bekannte Größe am Mikro verpflichten können und bietet mit »Tales Of War And Magic« ein Debüt, welches mit Fantasie gespickten Texten musikalisch zwischen Euro Power Metal, Warlord- Epik und Manowar- Pathos den schmalen Pfad zwischen Epik und Kitsch beschreitet. Auf diesem kommt man zwar öfter ins Schlingern und rutscht gegen Ende mit dem Helloween- artigen Signaturesong sowie »The Black Veil Of Death« sogar vollends ab, aber Songs wie »Royal Guard«, »Warlord« und »Hallowed Swords« sind in Kombination mit Onelinern wie „Suddenly appear, guardians of steel, with unwavering might!“ oder „Hallowed are the swords by the sovereign one, brace yourselves far the ultimate battle…“ zum Fäusterecken geile Plattitüden für jeden Genrefan! (3/5) Daniel

cover artwork THE GREAT OLD ONES Kadath

THE GREAT OLD ONES 🇫🇷 – Kadath (Post-Black Metal, Atmospheric Black Metal)
(Season of Mist, 24.01.2025)
In der Welt der von H. P. Lovecraft inspirierten Bands gehören THE GREAT OLD ONES zu den überzeugendsten Vertretern. Die thematisch geschlossenen Texte verleihen ihrem Werk zusätzliche Kohärenz, während die Musik zwischen melodischen und abrasiven Passagen oszilliert. Dynamisch und stark komponiert entfaltet sich ein Album, das den Hörer auf eine intensive Reise mitnimmt. „Those From Ulthar“ setzt früh ein Ausrufezeichen, der definitive Höhepunkt ist jedoch „Leng“. Hypnotische Klanglandschaften, hervorragend eingebettete Growls und komplexe, teils sehr aggressive Strukturen prägen den Sound. Stark verhallte Leadgitarren erzeugen eine obsessive, repetitive Atmosphäre mit melancholischem Unterton. Geisterhafte Stimmen, treibende Riffs und tremolierte Gitarrenlinien treffen auf zahlreiche leidenschaftliche Momente, die die erzählerische Dimension der Musik unterstreichen. Kraftvolle Black-Metal-Passagen stehen gleichberechtigt neben emotionalen, ambienten Teilen. Die Komplexität und dramatische Tiefe des Albums erschließen sich nach und nach und machen „Kadath“ zu einem äußerst lohnenden Hörerlebnis – eine konsequente Fortsetzung der sehr inspirierten Diskografie der Band. (4/5) Voicu

Wretch - Visitors - ArtworkWretch 🇺🇸 – Visitors (US Power Metal)
(Arkeyn Steel Records, 24/01/25)
WRETCH haben drei Probleme: Das eigentliche Label ist nicht mehr, sechs Jahre zwischen zwei Alben bedeuten wieder von null anzufangen und das größte ist Reborn, welches nicht nur das Debüt der Band war, sondern ein Genreklassiker ist. Dass »Visitors« auf einem Label erscheint, welches sich normalerweise der Restauration und Veröffentlichung von US Progressive Power Metal Demos und Perlen widmet, spricht nicht nur Bände. Es ist vor allem ein Statement für die Band, welche mit Juan Ricardo einen der besten Sänger des Genre und mit Gründungsmitglied und Gitarrist Nick Giannakos die personifizierte US Metal- Shreddingkunst im Line Up beherbergt. Das auf 500 Stück limitierte fünfte Studioalbum der unter diesem Namen (mit einer zwölfjährigen Pause) seit mittlerweile 41 Jahren bestehenden Formation schließt dabei da an, wo The Hunt und Man Or Machine aufgehört hatten. »The Voice« ballert nicht nur in bekannter Manier, der Solopart ist einer der besten in der jüngeren Metalgeschichte, »Mad Butcher Of Kingsbury Run« und »Trapped In A Lucid Dream« sind makellose Klassiker, und und zwar nicht nur die Band betreffend! Der Rest zeigt auf, dass man trotz aller Härte Melodien einbringen kann, die wie in »Chernobyl«, Gänsehaut verursachen. Und dass die Amis weiterhin ein Garant für herausragende Qualität bleiben. (4,5/5) Daniel

Februar

dream-theater-parasomnia-artworkDream Theater 🇺🇸 – Parasomnia (Progressive Disney Metal)
(InsideOut Music, 07/02/25)
„Ja“, das Cover erinnert an das legendäre Zweitwerk. Und „ja“, der Rauswurf von Mike Mangini als auch die Rückkehr von Mike Portnoy war eine einzige, offensichtlich rein geschäftliche Entscheidung. Und ebenfalls bejahe ich den Vorwurf, dass »Parasomnia« auf Nummer sicher geht. Ein letztes „ja“ gibt es für die Unterstellung, dass das sechszehnte Studioalbum der Erfinder dessen, was die meisten heute als Progressive Metal verstehen, eine Wichsvorlage für den neuen/alten Schlagzeuger ist. Aber was für eine! Da James LaBrie keine Zwanzig mehr ist, lässt er Raum für ein düsteres, über fünf Minuten langes Intro und hält sich auch so eher bedeckt, »A Broken Man« spielt wie das Abschlussepos grandios mit Jazzelementen und Songs wie »Night Terror« und »Midnight Messiah« sind so dynamisch und spannend wie lange nicht mehr. Alleine der Longtrack »The Shadow Man Incident« zeigt die neu gewonnene Frische auf. »Parasomnia« ist ein wenig wie Spiderman: No Way Home und setzt auf Nostalgie. Hier hat man es jedoch (im Gegensatz zum Film) geschafft, mit einigen wenigen Überraschungen für Langlebigkeit zu sorgen und mit der neu gewonnenen Frische das Fundament für weitere grandiose Alben zu gießen. Im Bandkosmos ist die Scheibe daher locker im oberen Mittelfeld zu verorten. Progressiv im eigentlichen Sinn ist hier freilich nichts, aber guten Disney Metal (dazu bitte meine Blutgott Review!) kann halt nur eine Band! (4/5) Daniel

cover artwork PHRENELITH Ashen Womb

PHRENELITH 🇩🇰 – Ashen Womb (Death Metal)
(Dark Descent Records, 07.02.25)
Die dänischen Dark-Death-Metal-Meister PHRENELITH haben mit „Ashen Womb“ ihr drittes Full-Length-Album vorgelegt – und wie zu erwarten handelt es sich um ein durch und durch solides Death-Metal-Werk. Die dänische Band, wie auch die vielen anderen Projekte von David Torturdød, liefert keine schwachen Veröffentlichungen ab, sondern steht für ehrlichen, morbiden, grotesken und bedrohlichen Death Metal. Das Album besitzt eine intensive Atmosphäre, einen sehr schweren Grundton und einen finsteren Klang. An der Grenze zum Doom Metal angesiedelt, dominiert ein langsames, aber zermürbendes Tempo, getragen von einem dichten Sound, starken Riffs und insgesamt dämonischen, widerwärtigen Vocals. Der permanente aggressive Zugriff, die Dissonanzen und der apokalyptische Charakter sorgen für ein geschlossenes Gesamtbild. Im Vergleich zu früheren Werken wirkt „Ashen Womb“ stellenweise technischer, bleibt aber klar in den vertrauten Klanglandschaften der Band. Das Album funktioniert als Ganzes hervorragend: eine konstant erdrückende Atmosphäre von Anfang bis Ende – genau das macht seinen Reiz aus. Keine Überraschungen, keine Experimente, sondern ein Festhalten an Massivität und Unnachgiebigkeit. „Ashen Womb“ ist ein sehr starkes Album, reiner, unverfälschter Death Metal. (4,5/5) Voicu

cover artwork OBSCURA A Sonication

OBSCURA 🇩🇪 – A Sonication (Technical / Melodic Death Metal)
(Nuclear Blast, 07.02.25)
Gemessen an den Maßstäben, die sich OBSCURA selbst gesetzt haben, ist „A Sonication“ nicht zwingend ein gutes Album – aber dennoch ein wichtiges, sowohl für die Band als auch im musikalischen Kontext des Jahres. Sehr melodisch angelegt und stellenweise hart an der Grenze zur Überladenheit, erinnert das Album hier und da an frühere OBSCURA-Veröffentlichungen. Das technische Niveau bleibt beeindruckend, wird jedoch klar hinter den melodischen Ansatz zurückgestellt. Viele der Songs wirken uninspiriert, kompositorisch gehetzt und teilweise erzwungen. Gleichzeitig gibt es Ausnahmen: Stücke wie „In Solitude“ oder „The Sun Eater“ transportieren genau das Gefühl, das man von einer OBSCURA-Veröffentlichung erwartet, und lassen den Geist früherer Werke aufleben. Ein spaltendes Album, begleitet von Diskussionen und internen Turbulenzen, das dennoch einige wenige, aber erwähnenswerte Momente bereithält. Trotz aller Schwächen ist es eine Veröffentlichung, die man nicht ignorieren kann.(2,5/5) Voicu

cover artwork SAOR Amidst The Ruins

SAOR 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 – Amidst The Ruins (Atmospheric Folk / Black Metal)
(Season of Mist, 07.02.25)
In konsequenter Fortführung der früheren Alben gelingt SAOR mit „Amidst The Ruins“ erneut eine nahtlose Verbindung von Folk-Elementen und atmosphärischem Black Metal. Das Album ist nicht nur ein typisches Werk der Band, sondern zählt auch zu ihren stärkeren Veröffentlichungen. Traditionelle Instrumente und folkgeprägte Melodielinien prägen eine unheimliche, dichte Atmosphäre und formen komplexe, vielschichtige Klanglandschaften, in denen der Folk-Anteil dauerhaft präsent ist. Sehr lange Stücke eröffnen mit repetitiven Strukturen, wobei die folkloristischen Elemente häufig dominieren und der Black Metal stellenweise in den Hintergrund tritt. Flöten, Dudelsäcke, traditionelle A-cappella-Gesänge – das komplette Instrumentarium wird konsequent eingesetzt. Für Hörerinnen und Hörer mit einer Affinität zu keltisch geprägter Musik ist das Album nahezu Pflichtprogramm. Gleichzeitig kann die starke Dominanz des Folk-Anteils und die ausgeprägte Repetition den Fokus der Musik in andere Richtungen lenken. Dennoch handelt es sich um ein relevantes Werk innerhalb des Genres. (3/5) Voicu

cover artwork Mantar Post Apocalyptic Depression

MANTAR 🇩🇪 – Post Apocalyptic Depression (Sludge Metal)
(Metal Blade Records, 14.02.25)
Das deutsche Duo MANTAR knüpft mit „Post Apocalyptic Depression“ erneut an seinen typischen Sound an: Rock’n’Roll-Energie, Punk-Attitüde und melodische Elemente treffen auf angepisste, leicht aggressive Musik. Das Album bietet gute musikalische Ideen, zahlreiche eingängige Momente, starke Riffs und ein ausgearbeitetes, sehr variables Drumming. Zwischen ruhigen, repetitiven Songs wie „Dogma Down“ und dissonanteren Stücken wie „Axe Death Scenario“ spannt sich ein breites Spektrum, das im epischen Finale „Cosmic Abortion“ kulminiert. Nicht auf dem Niveau einiger früherer Veröffentlichungen, aber dennoch ein Album, das alten Fans der Band und des Genres einige sehr unterhaltsame Momente bietet. (3,5/5) Voicu

cover artwork Novarupta Astral Sands

NOVARUPTA 🇸🇪 – Astral Sands (Blackened Sludge Metal, Post-Metal)
(Suicide Records, 14.02.25)
Zwischen hypnotischen Klanglandschaften und simpleren, aggressiveren Passagen bewegt sich „Astral Sands“, das neue Werk des Göteborger One-Man-Projekts NOVARUPTA. Das Album kombiniert Groove-orientierte Rhythmen, meditative Abschnitte und melodische Ansätze. Gute Riffs sind durchgehend vorhanden, ohne zwingend sehr melodisch zu sein. Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen hat sich der Sound stärker in Richtung moderner, eingängiger Songs verschoben, während die atmosphärische Tiefe früherer Werke zunehmend von bloß verlangsamter Musik ersetzt wird. Ein interessantes Experiment in eine neue Richtung, das es jedoch über weite Strecken nicht schafft, dauerhaft zu fesseln. Verdünnt, repetitiv und insgesamt nur noch ein Schatten der frühen Alben, bietet „Astral Sands“ dennoch einige gut ausgearbeitete und spannende Passagen und verdient zumindest ein paar Durchläufe. (2,5/5) Voicu

Claymorean - Eternal Curse - ArtworkClaymorean 🇷🇸 – Eternal Curse (Power/Heavy Metal)
(Stormspell Records, 17/02/25)
Wer die Serben schon einmal persönlich treffen durfte, weiß wie herzlich, bescheiden und dankbar Sie sind. Wer im Reviewarchiv gräbt, weiß, dass Alex und ich bei CLAYMOREAN gespaltener Meinung waren. Doch spätestens seit dem Erscheinen von »Eternal Curse« hat man sich nicht nur versöhnt. Mehr noch, das sechste Album der Serben vereint alle. Selbst die aus reinen Stahl geschmiedetenTrue Metal Brothers mit der entfernten, verstoßenen und verhassten Wackenvervandtschaft! Denn obwohl die Band um Frontherrin Dejana Betsa Garčević offensichtlich dem US Metal zugetan ist, schafft es Ihr Ehemann und Bassist als erfahrener Produzent, das Ganze in ein relativ zugängliches Konzept zu zwängen. Hymnen wie »By This Sword We Rule«, »Under The Sign Of The Cross«, »Battle Born«, »300«, »Wind Before The Storm« und das Titellied würden nicht nur beim KIT, sondern auch auf der Hauptbühne zu später Stunde beim WOA funktionieren. Dabei unterschreitet man zu keinem Zeitpunkt den sich selbst gesteckten, qualitativen Anspruch, sondern schafft es, trotz tiefgründiger kompositorischer Komplexität, oberflächlich eingängig zu erscheinen. Wem das nicht genug ist, der darf sich am abschließenden »Bannockburn« ergötzen, ein fast zehnminütiges, intensives Epos. Die Benotung erscheint etwas hoch gegriffen zu sein, doch nach wenigsten (bis dato!) einhundert Durchläufen dieses fesselnden Bollwerkes seit Erscheinen, bin ich mir in zwei Dingen halbwegs sicher. »Eternal Curse« begeistert beide Seiten: die Metal Fans und jene, die sich dafür halten. Zudem ist es, aufgrund dieses Umstandes, mindestens eines der besten Power Metal- Alben des Jahrzehnts! Anchecken, zugreifen, niederknien! (5/5) Daniel

vultures vengeance - dust age - artworkVultures Vengeance 🇮🇹 – Dust Age (US Heavy Metal)
(High Roller Records, 21/02/25)
Man stelle sich eine Mixtur aus Crimson Glory, Running Wild in ihrer kreativen Hochphase, Fates Warining zu Night On Bröcken – Zeiten und frühen Queensryche vor und garniert wird dies mit Tim Baker am Mikro. Auch wenn mich das Eröffnungsstück aufgrund der extremen Nähe zu den Freibeutern des Power Metals immer noch rausholt, bevor ich insbesondere mit »Queen Of The Last Light«, »Reign Of Severance«, »City Of A Thousand Blades« und »The Foul Mighty Temple Of Man« in epische Sphären vordringe, wo noch kein Metaller zuvor gewesen ist, haben VULTURES VENGEANCE hier mit »Dust Age« nicht nur ein makelloses Stück Edelstahl geschmiedet, sondern einen unverkennbaren Stil entwickelt, der frischen Wind in das Genre bringt. (4,5/5) Daniel

cover artwork Grima Nightside

GRIMA 🇷🇺 – Nightside (Atmospheric Black Metal)
(Napalm Records, 28.02.25)
GRIMA, ausgewiesene Meister des atmosphärischen Black Metal, erschaffen mit „Nightside“ eine kalte, dunkle Klangwelt mit stark melodischer Ausrichtung. Ihre Musik ist zugleich depressiv und erdrückend, technisch versiert und immer wieder von aggressiver Intensität durchzogen. Sorgfältig ausgearbeitet und voller Ausdruckskraft vermittelt das Album eine düstere, melancholische Stimmung, die durch dezente Folk-Einflüsse zusätzlich vertieft wird. Tremolo-geführte Leadgitarren ergänzen die frostigen Vocals und formen ein fesselndes, dunkles Klangbild. Die große Stärke von „Nightside“ liegt in seiner Geschlossenheit: Das Album wirkt als organische Einheit, die Musik fließt natürlich und hält die Aufmerksamkeit konstant aufrecht. Auch in weniger melodischen Momenten bleibt das Album musikalisch und kompositorisch überzeugend – ein starkes und relevantes Werk. (4,5/5) Voicu

März

Throne Of Iron - Adventure Two - ArtworkThrone Of Iron 🇺🇸 – Adventure Two (US Heavy Metal)
(No Remorse Records, 07/03/25)

Gewiss sind die Amis mit ihren lyrischen Anleihen bei Videospielen und dem musikalischen Augenzwinkern nichts für die Philosophen, den Geschichtsprofessoren und Genderstudenten der Szene, die entweder den Sinn des Lebens zu begreifen versuchen, ihn erforschen oder ihrem Leben einen geben wollen. THRONE OF IRON leben schlicht das Leben und stießen schon in ihrem ersten Abenteuer auf zwiespältige Reaktionen, fünf Jahre später ist es nicht anders. Musikalisch bietet man wieder US Heavy Metal, der einen extrem hohen Spaßfaktor hat und sich zwar gelegentlich nicht allzu ernst nimmt, aber die Musik immer! Die Hauptzeugen dafür sind das intensive »The City Of Brass« und der dynamische Rausschmeißer »The Ninth Level«. Weitere Belege sind das brachiale »Detect Evil« , welches durch Agent Steel – Vibes besticht, das hart stampfende »Divine Smite« mit einen Ohrwurmrefrain vom Allerfeinsten und das Hauptriff in »The Oath«, das einen ewig verfolgt. Wie ich es schon beim Vorgänger schrieb, braucht man für echten Heavy Metal „…ein paar Verrückte, eine gute Idee, viel Herzblut, Talent und viel Freude beim Hören.“ All diese Dinge bietet »Adventure Two« auf jeden Fall! (4/5) Daniel

jethro tull - curious ruminant - artworkJehtro Tull 🇬🇧 – Curious Ruminant (Progressive/Folk Rock)
(Inside Out Music, 07/03/25)
Der virtuose Altmeister schafft auf dem dritten Werk seit der Reaktivierung von JETHRO TULL zwei Sachen, die selbst ich als Hardliner nicht für möglich gehalten hätte. Nach dem guten, aber enttäuschenden The Zealot Gene und dem starken, aber in Teilen überhastet wirkenden Rockflöte legt er innerhalb von nur drei Jahren das dritte Album der letzten Bandphase vor und überzeugt in allen Bereichen! Selbst der Sprechgesang fügt sich harmonisch in die durchgehend starken Kompositionen ein, wie unter anderem der folkig rockende Opener, das flotte »The Tipu House« und das melancholische »Savannah Of Paddington Green« darlegen. Auch wenn Anderson im Titeltrack, wie auf den beiden Vorgängern, gesanglich etwas steif wirkt, insgesamt ist eine Einsicht herauszuhören, dass er es stimmlich nicht mehr schafft, das Niveau zu halten. So ersetzt an den dramaturgisch entsprechenden Stellen (»Stygian Hand« , das abschließende, fast rein instrumentale Epos und »Over Jerusalem«) sein immer noch überragendes Flötenspiel den Gesang. Und das funktioniert hervorragend. »Curious Ruminant« setzt musikalisch vor allem auf die Folkphase der Band, zitiert aber auch aus Alben wie Benefit, Ministrel In The Gallery und etwas The Broadsword And The Beast. Dabei fühlt man in jeder Note, dass hier nicht Nostalgie für einen erhöhten Umsatz die Grundlage für die stilistische Ausrichtung war, sondern die Lust von Sir Dr. Ian Scott Anderson, einfach mal wieder in diese Richtung zu gehen. Im gesetzten Alter Einsicht zu zeigen und Bodenständigkeit zu bewahren sowie zudem eines der besten Alben der Band seit Jahrzehnten abzuliefern, zollt mir eine Menge Respekt ab! (4/5) Daniel

cover artwork CRYPTOSIS Celestial Death

CRYPTOSIS 🇳🇱 – Celestial Death (Progressive Thrash Metal)
(Century Media, 07.03.25)
Mehr symphonisch als rein technisch – oder vielleicht treffender: symphonischer, schwarz gefärbter Thrash – stellt „Celestial Death“ eine deutliche und zugleich positive stilistische Weiterentwicklung im Vergleich zum Debüt dar. Komplexe Klanglandschaften, verschachtelte Kompositionen und ein vielschichtiger Sound führen CRYPTOSIS konsequent in progressive Gefilde. Die Riffs sind stark, die Synthesizer verleihen Tiefe, und das Songwriting zeigt sich abenteuerlustig, eingebettet in ein dystopisches Gesamtkonzept, das hervorragend zur Musik passt. Die Umsetzung ist auf hohem Niveau und demonstriert sowohl technisches Können als auch musikalische Reife. „Absent Presence“ überzeugt als atmosphärisches Highlight mit schwarzen Ambient-Anleihen, während „In Between Realities“ deutlich aggressiver und technischer ausfällt. Mit „Cryptosphere“ erreicht das Album schließlich einen Höhepunkt, ein Paradebeispiel für dynamischen, technisch versierten Thrash mit einprägsamen Riffs. Mit diesem Album spielt die Band klar in einer Liga mit Gruppen wie Vektor oder Coroner. Ein reifes, innovatives Werk und ein wichtiger Beitrag zum musikalischen Gesamtbild des Jahres. (4,5/5) Voicu

cover artwork Nephylim Circuition

NEPHYLIM 🇳🇱 – Circuition (Melodic Death Metal)
(Independent, 07/03/25)
Als einer der Newcomer im Melodic Death Metal und mit einer klar aufsteigenden Entwicklung seit dem Debüt präsentieren sich die Niederländer NEPHYLIM mit „Circuition“ als deutlich gereifte Band mit einem geschlossenen, kohärenten Sound. Episch angelegt, melodisch, zugleich dicht instrumentiert, drängen sich Vergleiche mit Insomnium, Be’lakor oder klassischen Göteborg-Einflüssen nahezu auf. Die Kompositionen wirken inspiriert, verbinden symphonische Elemente mit ausgeprägtem Melodieverständnis und liefern genügend starke Momente, um Genre-Fans abzuholen. Die Leadgitarren setzen in „Grand Denial“ melancholische Akzente, während „Withered“ mit soliden Riffs und dramatischem Gesang zu den Highlights zählt. (3,5/5) Voicu

cover artwork WHITECHAPEL Hymns In Dissonance

WHITECHAPEL 🇺🇸 – Hymns In Dissonance (Deathcore)
(Metal Blade Records, 07/03/25)
Eine der prägendsten Bands des Deathcore meldet sich 2025 mit ihrem neunten Album zurück. Seit „The Valley“ von 2019 haben WHITECHAPEL kontinuierlich an Profil gewonnen, und auch „Hymns In Dissonance“ zählt zu den stärkeren Veröffentlichungen ihrer Karriere. Der Sound ist äußerst dynamisch, geprägt von Wechseln zwischen unterschiedlichen Tempos und Stimmungen, getragen von dominanten Growls und zugleich überraschend melodischen, melancholischen Clean-Passagen. Massive Instrumentierung, überzeugende Kompositionen und ein sicheres Gespür für eingängige wie brachiale Momente bestimmen das Album. Stücke wie „Diabolic Slumber“, „A Visceral Retch“ oder der Titelsong „Hymns In Dissonance“ bündeln diese Qualitäten in besonders erinnerungswürdiger Form. Phil Bozemans Leistung unterstreicht einmal mehr seinen Ruf als einer der herausragenden Vokalisten des Genres. WHITECHAPEL bestätigen ihren Status als feste Größe mit konstant hoher Qualität. (4/5) Voicu

cover artwork STEVEN WILSON The Overview

STEVEN WILSON 🇬🇧 – The Overview (Progressive Rock)
(Fiction Records, 14/03/25)
STEVEN WILSON gilt als einer der zentralen Protagonisten des zeitgenössischen Progressive Rock, und mit „The Overview“ begibt er sich hörbar auf die Suche nach jener Inspirationsquelle, die seine frühen Soloalben prägte. Das Ergebnis ist eine Rückbesinnung auf klassische Prog-Tugenden, teils deutlich in der Tradition der Vorbilder der 1970er verankert. Epische Stücke mit weit ausgreifenden Strukturen bestimmen das Album, wobei der bewusst reduzierte, grundlegende Ansatz erstaunlich gut funktioniert. Die Soundlandschaften entwickeln sich von schlicht zu komplex, parallel dazu entfalten sich die Songstrukturen organisch und nachvollziehbar. Atmosphärische Passagen wechseln mit ausladenden, detailreichen Momenten voller unerwarteter Wendungen. „The Overview“ ist sein deutlich progressivstes Werk seit „Hand. Cannot. Erase.“ und überzeugt als geschlossenes, fließendes Hörerlebnis. (4/5) Voicu

Lordi 🇫🇮 – Limited Deadition (Hard Rock/Heavy Metal)
(Reigning Phoenix Music, 21/03/25)
Die Monsterrocker dürfen bei mir nicht fehlen! Nachdem monumentalen Gesamtkunstwerk Lordiversity (das sich jeder Kritiker der Band in seiner Gänze geben sollte!) war mit Screem Writers Guild die Luft raus. Und auch »Limited Deadition« gehört nicht zu den Höhepunkten der Diskografie, siedelt sich aber im soliden Mittelfeld an. Wie gewohnt gehören die »SCG« – Intros wieder zum Konzept, genauso wie der Humor. »Syntax Terror« ist diesbezüglich musikalisch wie lyrisch mein Highlight, ja selbst potenziale Hits sind neben dem eben erwähnten Titel mit »Killharmonic Orchestra«, »Fangoria«, »Hellizabeth« und dem Titellied diesmal wieder mehr als genug vertreten. Die einen können mit LORDI nur Live, die anderen überhaupt nicht, ich nehme regelmäßig Tour und Album mit. (3,5/5) Daniel

cover artwork Imperial Triumphant Goldstar

IMPERIAL TRIUMPHANT 🇺🇸 – Goldstar (Avant-garde / Technical Black / Death Metal)
(Century Media, 21/03/25)
Im Kern dissonant, voller abrupter melodischer Brüche und stilistischer Richtungswechsel, erweist sich „Goldstar“ als forderndes Hörerlebnis. IMPERIAL TRIUMPHANT operieren erneut mit einem hochkomplexen Klangbild, bei dem technische Fertigkeiten zwar offensichtlich sind, die Kompositionen sich jedoch nicht sofort erschließen. Wie schon bei früheren Veröffentlichungen öffnet sich das Album erst nach mehreren Durchläufen und offenbart dann zunehmend seine innere Logik. Es handelt sich nicht um sofort zugängliche Musik, sondern um ein dicht gepacktes, atmosphärisch geschlossenes Werk. Akustisch geprägte, langsamere Passagen stehen massiven, aggressiven Gitarrenattacken und harschen Vocals gegenüber, mit permanentem Wechsel zwischen diesen Extremen. „Hotel Sphinx“ und das abschließende „Industry of Misery“ stechen hervor, da sie vergleichsweise klarere Strukturen aufweisen, ohne den experimentellen Charakter aufzugeben. Ein starkes Album, das den Begriff Avantgarde Metal überzeugend ausfüllt. (3,5/5) Voicu

cover artwork CULT OF FIRE The One, Who Is Made Of Smoke

CULT OF FIRE 🇨🇿 – The One, Who Is Made Of Smoke (Black Metal)
(Beyond Eyes, 26/03/25)
Eine epische Form von Black Metal, stark durch orientalische und indische Melodien geprägt. Nach einem langen, atmosphärischen Intro entwickelt sich das Album mit den folgenden Stücken zunehmend druckvoller und direkter, zugleich aber in einer langsamen, stetigen klanglichen Evolution, mit einer Schwere, die man in dieser Form auf früheren Veröffentlichungen der Band kaum gehört hat. Zwischen sehr klassischen Black-Metal-Passagen und ausgeprägt melodischen Momenten erweist sich „Mourning“ als erster klarer Höhepunkt, ein Stück, das durch seine äußerst versierte Komposition unmittelbar beeindruckt. Die beiden Pole religiös inspirierter Thematik und aggressiver Grundhaltung umkreisen sich über das gesamte Album hinweg in einem komplexen Klangbild. Raue Vocals, hypnotische Leadgitarren und geschickt in Riffs und Tremolo-Gitarren integrierte indische Melodielinien machen „Joy“ zu einem weiteren Highlight. Insgesamt ein Album, das sowohl als Höhepunkt der bisherigen Karriere gelten kann als auch als eine der relevanten Veröffentlichungen des Jahres. (4/5) Voicu

elle tea - into the fall - artworkElle Tea 🇮🇹 – Into The Fall (Heavy Metal/Hard Rock)
(Eigenproduktion, 28/03/25)
Im Unterschied zu anderen Soloprojekten benutzt der Maler, Grafiker, Multiinstrumentalist und Sänger Leonardo Trevisian ELLE TEA nicht für eine Selbstdarstellung, sondern zur Selbstverwirklichung. Vielleicht schafft er es deswegen, trotz nachdenklicher Themen wie der Selbstfindung, was für mich bisher nur eine Band aus dem Progressivegenre geschafft hat. Denn egal wie düster die Thematik ist, bei allen Veröffentlichungen des Italieners schwingt in jedem Ton positive Energie mit, die einem Hoffnung gibt. Der glasklar und warm produzierte Heavy Metal orientiert dabei an die Anfangsphase des Stils Ende der Siebziger bis Mitte der Achtziger, ist in der Darbietung nie zu soft und nie zu hart. Manchmal ist ein Stück mit vertrackten Rhythmen ausgestattet, dabei aber nie überfordernd. Das mit Bluesvibes brillierende »Into The Fall«, das treibende, mit großartigen Melodien veredelte »Alive For Revenge« und das musikalisch wie textlich ergreifende »I Gave Away« wirken hier anfänglich unfertig, weil sie einen konsequenten Schlusspunkt setzen. Beim Blick auf die Länge der Songs kommt dann jedoch die Erkenntnis, dass man aufgrund dieser fesselnden Kompositionen als Hörer einfach nur bedauert, das es schon vorbei ist. Über »Rising Winds« schwebt der Geist von The Who und wer bei »Where Light Arrives« nicht zumindest ein feuchtes Auge bekommt, kann kein Mensch sein. »Into The Fall« ist schlicht ergreifend schön! (5/5) Daniel

cover artwork AMENRA De Toorn

AMENRA 🇳🇱 – De Toorn (EP) (Sludge / Doom / Post-Metal / Hardcore)
(Relapse Records, 28/03/25)
Ein konzeptuelles Werk, bestehend aus zwei gleichzeitig veröffentlichten EPs, die sowohl den Blick der Band in die Zukunft als auch ihre Verbindung zu den eigenen Wurzeln thematisieren. „De Toorn“ präsentiert sich mit einem stark atmosphärischen Klang, extrem langsamem, erdrückendem, doomlastigem Grundtempo, wobei die gesprochenen Vocals der Musik eine ausgeprägt dramatische und beinahe theatrale Dimension verleihen. Die Spannung wird durch klare Gesangspassagen zusätzlich intensiviert. Schlichte melodische Strukturen, hoch emotionale Stücke, Traurigkeit und Trostlosigkeit werden hier sehr direkt transportiert, und wenn der Sound in der für AMENRA typischen Weise explodiert, wirkt dies fast wie eine Form von Erlösung. Der Aufbau von Spannung und anschließender Katharsis ist hier einmal mehr meisterhaft umgesetzt. „De Toorn“ funktioniert sowohl als Reflexion einer 30-jährigen Bandgeschichte als auch als vielversprechender Ausblick. (4/5) Voicu

cover artwork AMENRA With Fang And Claw

AMENRA 🇳🇱 – With Fang And Claw (EP) (Sludge / Doom / Post-Metal / Hardcore)
(Relapse Records, 28/03/25)
Die zweite EP schlägt den entgegengesetzten Weg ein und legt den Fokus klar auf die musikalischen Wurzeln der Band, auf jene rohe Kraft, die ihre Anfangsphase geprägt hat. Während das Schwesterwerk seine Songs aus ruhigen, atmosphärischen Spannungsbögen heraus entwickelt, zeigt sich „With Fang And Claw“ deutlich aggressiver, mit verzerrten Gitarren, höherer Dynamik und energiereicheren Stücken. Der Sound erinnert stark an die frühen Arbeiten der Band. Trotz aller Härte bleiben die Melodien eindringlich, getragen von der für AMENRA typischen Mischung aus Verzweiflung, Schmerz und intensiver Emotionalität. Der Klang wirkt voller, die Gitarren und die Rhythmussektion prägnanter. Geschmackssache, aber insgesamt das geschlossenere und kompositorisch stärkere der beiden Werke. Zwei kurze, aber äußerst dichte Veröffentlichungen mit zahlreichen markanten Momenten. Unabhängig von persönlicher Präferenz oder zukünftiger Ausrichtung der Band deuten beide EPs auf eine weiterhin starke Phase für AMENRA hin. (4,5/5) Voicu

lady beast - the inner alchemist - artworkLady Beast 🇺🇸 – The Inner Alchemist (US Heavy Metal)
(Dying Victim Productions, 28/03/25)
Im Gegensatz zu den meisten Bands waren LADY BEAST in den fünf Jahren zwischen The Vulture`s Amulet und »The Inner Alchemist« mit diversen Liveaktivitäten und einer EP nicht gänzlich untätig. Dies sorgte dafür, dass man nicht ganz von der Bildfläche verschwunden war und dieses Album auch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Der US Heavy Metal klingt grob umrissen wie eine Mischung aus Omen und Benedictum mit britischen Einflüssen (Priest, Maiden), bietet aber viel mehr. »Oracle`s Omen« ist als Jag Panzer/Judas Priest – Banger ein richtig starker Einstieg, »Through The Eyes« sticht durch den Gegensatz von Aggression und Melodie aus den großartigen Songs nochmals heraus und der Titeltrack, »Feed Your Fire«, »The Wild Hunt« und »Off With Her Head« sind allesamt Blaupausen für angehende Musiker, die lernen wollen wie eine Heavy Metal – Hymne zu klingen hat. An Abwechslung mangelt es dem fünften Werk der Amis auch so nicht. »Starborn« ist ein spannender Epikausflug, »Crone`s Crossroads« begibt sich in Thrash Metal – Gebiet und mit »Witch Light« gibt es ein großartiges Instrumentalstück. Eines der Heavy Metal – Alben des Jahres. (4,5/5) Daniel

cover artwork TEITANBLOOD From The Visceral Abyss

TEITANBLOOD 🇪🇸 – From The Visceral Abyss (Death / Black Metal)
(Norma Evangelium Diaboli, 28/03/25)
Eine massive, aggressive Verschmelzung von Death und Black Metal. TEITANBLOOD zählen zu den extremsten Vertretern der aktuellen Szene, und mit „From The Visceral Abyss“ setzen die Spanier ihren brutalen Kurs konsequent fort. Das Album erreicht ein Maß an Dissonanz und disharmonischen Klangstrukturen, das vor allem Fans der radikalsten Spielarten extremer Musik ansprechen dürfte. Chaotische Kompositionen treffen auf hoch technisches Instrumentalspiel, bewusst vollständig ohne melodische Ankerpunkte, was für einen Teil der Hörerschaft genau den Reiz ausmacht. In den atmosphärischen Momenten entfalten sich kriechende, unheilvolle Klangbilder, während die Stücke insgesamt hermetisch bleiben, aber dennoch die Essenz beider Genres vermitteln: rohe Energie und reine Gewalt. Eine konsequente Weiterentwicklung der Band innerhalb ihres klar definierten Nischenkosmos und ein solides, relevantes Werk für diesen Bereich. (3,5/5) Voicu

Fortsetzung folgt

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