Band: Ruthless
Titel: They Rise
Label: Pure Steel Records
VÖ: 2015
Genre: US Power Metal
Bewertung: 4/5
Written by: Lex

2015. Es ist das Zeitalter der fliegenden Autos. Robocops patrouillieren. Verstrahlte Mutanten-Cyborgs kämpfen gegen genetisch optimierte Supersoldatinnen mit Riesenmöpsen. Leider keine Spur von diesem ganzen coolen Zukunftszeug, diese ganzen verdammten B-Sci-Fi-Trasher haben uns betrogen. (Ja, Nymphoid Barbarian in Dinosaur Hell, auch du bist gemeint).

Der Mangel an dystopischen Zuständen bringt aber auch einige Vorteile. So können wir zwar nicht erleben, wie Bikinibabes gegen Stop Motion Dinosaurier aus dem Inneren der Erde kämpfen, aber immerhin veröffentlichen im Zuge der Retrowelle uns völlig unbekannte Heavy Metal Fossilien nach einer Pause von nur 30 Jahren endlich ein weiteres Album. Im Falle von RUTHLESS hieß das letzte Album „Discipline Of Steel“ (1986). Es hatte die Art von Albumartwork, aufgrund dessen ich ein Album als Underground-Klassiker einstufe ohne es auch nur einmal gehört zu haben: Ein Skelettschädel mit Föhnfrisur und Cartoonaugen, dahinter überkreuzen sich ein Morgenstern und eine Axt, der Albumtitel in blutiger Schrift auf ein Cartoon-Schwert geschrieben, und haufenweise aufgetürmte Skelette drum herum falls das noch nicht gut genug sein sollte. Das neue Albumcover ist da leider ein bisschen erwachsener und zeigt nur einen muskelbepackten Kapuzendämonen, der auf einer Horde Ghouls surft, die gerade einen Friedhof platt machen. Ein Friedhof unter dem offensichtlich ein Lavastrom fließt. Magma Cemetary, ist der Bandname noch frei? Klingt zunächst nicht schlecht, aber ein wahrer Künstler hätte dem Vollmond im Hintergrund eine Föhnfrisur verpasst und vielleicht noch irgendwo ein Ufo untergebracht.

Genug abgeschweift, kommen wir zur Musik: Das ist echter Power Metal. Nicht der zuckersüße Euro-Dreck, sondern der echte US-Shit, der die Vorzüge von Heavy und Thrash Metal vereint. „Defender“ und „Laceration“ übertreffen meine Erwartungen an dieses Album gewaltig. „Laceration“ weist sogar stilistisch in Richtung des motherfucking Sanctuary Debuts. „They Rise“ mit seinem leichten Doom-Faktor mit Candlemass-Beigeschmack hätte ich nach diesen IPhone-Vergewaltigungs-Old School Nummern nicht erwartet. Damit steht schon mal fest, dass „They Rise“ zu einem Drittel sehr geil ist. Außerdem fällt positiv das Organ von Sammy deJohn auf: Der Typ klingt einfach so Metal, dass die harmlosesten Wörter irgendwie true klingen. Eine geglückte Kreuzung aus dem Typ von Overkill und Matt Barlow von Iced Earth. Das macht sich beim folgenden „Circle Of Trust“ bezahlt: Der bisher schwächste Track, aber es ist schon Hammer wenn so etwas Lächerliches wie ein „Circle of Trust“ auf einmal irgendwie richtig Heavy Metal klingt, einfach nur weil Sammy DeJohn es so Heavy Metal artikuliert. Nachdem der „Hang Man“ mich auch nicht ganz so begeistert, geht´s mit dem ruhigen „Time Waits“ wieder steil nach oben. „Out Of The Ashes“ und „Frustration“ bilden dann die Achillesferse des Albums. “Circle Of Trust” und “Hang Man” steigen somit in der Anatomie auf, denn vier Achillesfersen wären zwei zuviel. Sagen wir „Hang Man“ wird zum Willi und „Circle Of Trust“ wird zur kahlen Stelle auf dem Haupt. Jetzt kommts drauf an. Hier steht Ruthless, der Metal Warrior aus der fernen Vergangenheit. Blut fließt aus dem Cut auf dem Circle Of Trust, der mal seine Föhnfrisur war. Andere würden jetzt ihren Hang Man einziehen und einfach in das Zeitportal zurück verschwinden, aus dem sie gekommen sind. Nicht Ruthless. Ruthless macht seine fürs Finale zurückgehaltene Kettenfaust-Combo „Systematic Terror“. Das gibt blaue Flecken auf dem Dracheneuter, denn das saß wieder. Verdammte Drachen, sie werden´s nie lernen dass man sich nicht mit Langhaarigen in schwarzen T-Shirts anlegt. Aber damit ist´s noch nicht getan. Einfach nur um dem Artenschutz den Mittelfinger zu zeigen, greift Ruthless in seinen Blast-From-The-Past-Utility-Belt und stopft ihm eine fette Fünf-Tracker-Bombeaus dem Jahrgang 1984 in den Rachen, die er liebevoll die „Metal Without Mercy EP“ getauft hat.

Besser ich brech jetzt ab bevor ich noch unnötig poetisch werde. Bands die nach einem Vierteljahrhundert plötzlich ihr erstes Demo aufnehmen, nach dem sie´s in den Achtzigern nur zu einem kultigen Tape aus dem Kinderzimmer gebracht haben, sind heute keine Seltenheit mehr. Und an die biographisch verwandten Kollegen von HELL kommen RUTHLESS mit „They Rise“ nicht dran. Trotzdem eine gute Scheibe im alten US Metal Stil, und der ist von der Retrometalwelle nicht so gut abgedeckt wie die englische Schule. So richtig durchschnittlich sind nur zwei Tracks („Out Of The Ashes“ und „Frustration“). „Defender“, „Laceration“, „They Rise“, „Time Waits“ und „Systematic Terror“ sind dafür richtig geil. Also warum sollten die altgebliebenen unter den Metallern nicht die Kutten über ihr ranziges Gewebe werfen, sich ein paar verbliebene Haarsträhnen über ihren Circle Of Trust kämmen und zu „They Rise“ ihre imaginierten Schwerter schwingen? Time waits for no man… Sollte man sich zu Herzen nehmen von einer Band die 30 Jahre für zwei Alben brauchen.

Tracklist:

01. Defender
02. Laceration
03. They Rise
04. Circle Of Trust
05. Hang Man
06. Time Waits
07. Out Of The Ashes
08. Frustration
09. Systematic Terror

Bonus: Metal Without Mercy EP
10. Gates Of Hell
11. Metal Without Mercy
12. Bury The Axe
13. The Fever
14. Mass Killer

Besetzung:

Sammy DeJohn (vocals)
Kenny McGee (guitars)
Dave Watson (guitars)
Marc McGee (bass)
Jason VanSlyke (drums)

Internet:

Ruthless Website

Ruthless @ Facebook

Ruthless @ Reverbnation

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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