Tracklist
01. To Float, To Flow, To Brush Your Teeth
02. Accepting the Limits
03. Dancing in the Rain
04. Kings
05. The Window
Besetzung
Bob G Castro
FYRES ist im Kern das Projekt von Bob G Castro. Produzent, Songwriter und Multi-Instrumentalist, der hier alles selbst in der Hand hält. Komposition, Aufnahme, Arrangement. Man hört, dass das kein Nebenbei-Projekt ist, sondern ein sehr bewusst gebautes Album. Castro bewegt sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Alternative Metal und Post-Rock. »Like Waves« ist sein bislang geschlossenstes Statement.
Zwischen Schwere und Weite
»Like Waves« lebt von Kontrasten. Massive Gitarrenflächen stehen neben offenen, annähernd schwebenden Passagen. Das Album wirkt weniger wie eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher wie ein zusammenhängender Fluss. Der Titel ist dabei Programm. Die Stücke kommen und gehen, bauen Druck auf, ziehen sich zurück, kehren in veränderter Form wieder.
Post-Rock-Elemente geben dem ganzen Raum zum Atmen, während der Alternative-Metal-Unterbau für Erdung sorgt. FYRES verzichtet auf plakative Hooks und einfache Refrains. Stattdessen geht es um Dynamik, Texturen und Stimmungen.
Der Opener »To Float, To Flow« ist ein Statement. Langsam aufbauend, angenähert, meditativ, mit einem trockenen Humor im Titel, der sich auch musikalisch widerspiegelt. Gitarren schweben, Drums halten sich zurück. Erst nach und nach schiebt sich Gewicht ins Arrangement. Der Song macht klar, dass Geduld hier belohnt wird. Kein klassischer Einstieg, im Kontrast hierzu ein stimmiger.
Zwischen Wucht und Weite
»Accepting the Limits« schallt Dunkler, kantiger, direkter. Hier kommt der Alternative-Metal-Aspekt stärker durch. Die Riffs sind präzise, ohne überladen zu wirken. Der Track arbeitet viel mit Spannungsbögen, steigert sich, bricht wiederum ab. Inhaltlich passt der Titel gut zur Musik. Es geht um Akzeptanz, um Grenzen, ohne Resignation. Einer der fokussiertesten Momente des Albums.
Der emotionalste Track der Platte. Weniger Druck, mehr Atmosphäre. Gitarren werden zu Flächen, fast schon ambient, das Schlagzeug bleibt zurückhaltend. »Dancing in the Rain« wirkt wie ein kurzer Blick nach innen. Kein Song, der sich aufdrängt, aber einer, der hängen bleibt. Gerade in der Mitte des Albums sorgt er für Balance.
Thematische Vielfalt
Der kraftvollste Song auf »Like Waves« ist »Kings«. Hier sitzt jeder Akzent. Die Produktion ist dicht, im Gegensatz hierzu, nicht überproduziert. Castro zeigt hier seine Stärke als Arrangeur. Die Übergänge sind fließend, die Dynamik stimmt. »Kings« klingt selbstbewusst, ohne pathetisch zu werden. Ein klarer Höhepunkt.
Der Abschluss wirkt wie ein Ausatmen. Ruhiger, offener, mit viel Raum zwischen den Noten. »The Window« fasst die Stimmung des Albums gut zusammen. Melancholisch, allerdings nicht hoffnungslos. Der Song lässt bewusst Fragen offen und verzichtet auf ein großes Finale. Eine kluge Entscheidung.
Ein Album voller Kontraste und Tiefe
Die Produktion ist sauber, warm und detailreich. Man hört, dass hier jemand am Werk ist, der sein Handwerk versteht. Kein Element drängt sich unnötig nach vorne. Gitarren, Bass und Drums greifen ineinander, ohne einander zu erdrücken. Besonders die Dynamik verdient Lob. Leise Passagen bleiben spannend, laute verlieren nie die Kontrolle.
»Like Waves« ist kein Album für den schnellen Konsum. Es fordert Aufmerksamkeit, Zeit und ein gewisses Maß an Offenheit. Wer sich darauf einlässt, bekommt ein stimmiges, durchdachtes Werk, das zwischen Alternative-Metal und Post-Rock eine eigene Handschrift entwickelt. Bob G Castro zeigt, dass ein Solo-Projekt nicht nach Kompromiss klingen muss.
FYRES liefern mit »Like Waves« ein Album, das wächst. Mit jedem Durchlauf entdeckt man neue Details, neue Übergänge, neue Stimmungen. Kein lauter Paukenschlag, sondern eine Platte mit Tiefe und Haltung. Vier von fünf Punkten sind hier mehr als gerechtfertigt.
Fazit: »Like Waves« zeigt, dass FYRES ein vielversprechendes Projekt ist, das noch für Aufsehen sorgen wird.

