Band: Sacred Steel Date: 19.6. 2014 Venue: Livestage, Innsbruck

Donnerstag, 19 Juni 2014, Fronleichnam.
Wie jedes Jahr zuckelten fromme Schäfchen verzückt der Heiligen Messe entgegen, um die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie zu feiern.

Gut, weit mehr Leute haben sich wahrscheinlich vor irgendeine Art von Bildschirm geknallt, sich Biere durch die Krallen wachsen lassen und Erwachsenen Männern in bunten T-Shirts beim Ballspielen zugesehen.

Ich dagegen schloss mich jenen Schweinehunden mit WM-Desinteresse und mangelndem Glaubensbekenntnis an, die an jenem Tag stattdessen das „Sacrament of Steel“ feierten. Das Mysterium des Stahls wurde (– nach Entrichtung eines lächerlichen Obulus von fünfzehn Euronen für den Fährmann an der Abendkasse –) um Punkt 17 Uhr beschaulich mittels Auflegen kuttengeweihten Edelstahls durch fachkundige Killernietenexperten zeremoniell eingeleitet. Der traditionell gesinnte Hörer durfte sich nun seinen heiligen Pflichten hingeben: Die Kutte und den Patronengürtel spazieren tragen, Bier trinken, Merchandise bestaunen und weiter Bier trinken.

(c) Christoph Marberger

Schließlich um etwa halb acht wurde es Zeit für den leibhaftigen geheiligten Stahl, die Bühne zu betreten. Sacred Steel starteten gleich voll durch mit dem amtlichen Smasher „Maniacs of Speed“ vom grandiosen „Hammer Of Destruction“ Album. Die vor der Bühne versammelte Meute ging dann auch gleich mit, was bis zum Ende des gut zweistündigen Sets so bleiben sollte.
Kein Wunder, denn selbstverständlich haben Gerrit „Siren“ Mutz und seine Mannen wie angekündigt eine mit Bandklassikern gespickte Setlist aus sämtlichen Veröffentlichungen dargeboten („Wargods of Metal“ mit zwangsverpflichtetem Gastsänger – das hat man nun davon, so mit seinem Eunuchenschrei anzugeben). Schmerzlich vermisst habe ich in der Songauswahl lediglich meine persönlichen Favoriten „Master of Thy Fate“ und „The Skeleton Key“, aber nach 18 Jahren Bandgeschichte ist es unvermeidlich, dass etwas unter den Tisch fällt. Mir hat die Darbietung jedenfalls in kürzester Zeit die Mundwinkel zu einem Dauergrinser nach oben gefetzt, so dass ich trotz fahrtechnisch bedingtem Alkoholmangels mehr Nähe zur Bühne suchte, um beim Mitgröhlen von Textfragmenten mitmachen zu dürfen (Ich habe ja schon an anderer Stelle Alkohol als eigentlich unverzichtbare Bedingung für Ausgelassenheit bei der Tiroler Seele genannt, und darf an dieser Hypothese mit Überzeugung festhalten Ausnahmen bestätigen nur die Regel).

(c) Christoph Marberger

Abgesehen vom gekonnten Herunterzocken von mit den Jahren noch gereiften Underground-Metalhits
unterhielt insbesondere Urgestein Mutz mit seinem fetzigen Humor. Sacred Steel sind schon die etwas andere True-Metal Band: Statt ausufernden Reden darüber, wie geil man ist und wie toll die Fans sind, gab es zwischen den Tracks spontane Possen. (Mein Favorit: „Komm trink den Jägermeister, ist auch kein Schwein drin.“).

Danach und auch davor gab es wie angekündigt Gelegenheit zum Meet&Greet mit der Band bei einem gepflegten Bier. Die lokalen Veranstalter von „Alpine Steel“ haben hier wirklich einen gelungenen Abend mit einer hochmotivierten Undergroundlegende samt gemütlichem Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Als Manko könnte man lediglich die geringe Anzahl der erschienenen Gäste nennen. Wo wart ihr denn nur alle? Möget ihr zur Strafe auf alle Ewigkeit realistische Alpträume von halbnackten Männern träumen, die euch jagen und „Leave the hall“ hinterherschreien.

 

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Wenn mir irgendwas von Manowar nicht gefällt, konsumiere ich es solange, bis ich endlich nach mehreren Durchläufen erkenne, welche Großtat die New Yorker wieder geleistet haben. Leider habe ich diese Geduld nicht bei anderen Bands, tut mir leid für euch.

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