Tracklist
01. Winter Is Coming (Heims Advenit)
02. High And Low
03. Wolf And The Queen
04. Custodians
05. Hold The Door
06. Heaven’s Falling (Dragons‘ Hymn)
07. Strangers To Myself
08. The Wall
09. Raven
10. End Of The World
Besetzung
Eira Shadowborne – Lead- und Hintergrundgesang
The Warden – Gitarre, Keyboards, Hintergrundgesang
The Oathbearer – Leadgitarre
The Keeper – Bass
The Warbringer – Schlagzeug
Power Metal at it’s best! Auf ihrem Debütalbum »Heaven’s Falling« reiten die schwedischen Newcomer Shadowborne mit Drachen, Wölfen, Raben und einer ganzen Wagenladung hymnischer Refrains in die Schlacht. Wer angesichts von Songtiteln wie »Winter Is Coming«, »Hold The Door« und »The Wall« an eine gewisse erfolgreiche Fantasy-Saga denkt, besitzt entweder bemerkenswerte Kombinationsgabe oder hat in den vergangenen Jahren nicht vollständig unter einem Felsen gelebt.
Die Schweden verbinden modernen Melodic Power Metal mit schweren Gitarren, glänzenden Synthesizern, treibenden Rhythmen und einer Sängerin, die jeden Refrain mühelos über brennende Burgen und abstürzende Drachen trägt. Inhaltlich geht es um Macht, Loyalität, Verbannung, Identität, Überleben und den Preis ungezügelten Ehrgeizes. Die Fantasywelt dient dabei als Spiegel menschlicher Konflikte und nicht nur als Ablagefläche für Schwerter, Umhänge und dramatisch wehende Haare.
Mit knapp 35 Minuten bleibt das Album erfreulich kompakt. Kein Epos wird auf zwölf Minuten gestreckt, nur weil im Studio noch ein Orchester-Preset herumlag. Shadowborne konzentrieren sich auf griffige Songs, große Melodien und Refrains, die möglichst schnell in den Kopf marschieren – dort aber gelegentlich auch die Möbel umstellen.
DER WINTER KOMMT MIT CHOR UND KEYBOARD
»Winter Is Coming (Heims Advenit)« eröffnet das Album als kurzes cineastisches Intro. Chöre, Orchestrierungen und eine zunehmend bedrohliche Atmosphäre bereiten den Einmarsch vor. Die gut anderthalb Minuten erfüllen ihren Zweck, ohne den Hörer mit einem halben Hörbuch über die Stammbäume imaginärer Königshäuser aufzuhalten.
Mit »High And Low« beginnt anschließend der eigentliche Angriff. Das Hauptriff besitzt Gewicht, während die Keyboards helle Akzente über die Gitarren setzen. The Warbringer hält den Song mit einem geradlinigen, marschierenden Rhythmus in Bewegung und bereitet damit den Boden für den ersten großen Refrain.
Aufgebaut auf einem bombenfesten Fundament aus Drums und Bass werden die Gitarren von The Warden und The Oathbearer gekonnt aufgebettet. Rhythmische Akkorde sorgen für den nötigen Druck, während melodische Leads und Synthesizer die cineastische Weite erzeugen.
Im Mittelpunkt steht jedoch Eira Shadowborne. Ihre Stimme besitzt Kraft, Klarheit und eine leicht raue Kante, die verhindert, dass die Melodien zu süßlich werden. Sie kann einzelne Zeilen kontrolliert aufbauen und den Refrain anschließend mit voller Brust öffnen. Das Ergebnis erinnert an die Schnittmenge aus Battle Beast, Beast In Black und Brothers Of Metal.
WOLF, KÖNIGIN UND DIE GANZE FANTASY-BAGAGE
»Wolf And The Queen« setzt noch stärker auf unmittelbare Eingängigkeit. Die Strophen stampfen kontrolliert voran, während Synthesizer und Gitarren bereits auf den nächsten Refrain hinarbeiten. Dieser fällt entsprechend groß aus und gibt Eira die Gelegenheit, ihre Stimme bis in höhere Lagen zu führen.
Der Song erzählt von Macht, Bindung und dem gefährlichen Verhältnis zwischen Herrscherin und Beschützer. Musikalisch lebt er vor allem vom Gegensatz zwischen schweren, relativ einfachen Rhythmusgitarren und der weit geöffneten Gesangsmelodie.
Das funktioniert ausgezeichnet, ist allerdings kaum revolutionär. Wer in den vergangenen Jahren modernen europäischen Power Metal gehört hat, kennt den Aufbau: druckvolle Strophe, kurzer Spannungsanstieg, gigantischer Chorus und ein melodisches Solo. Shadowborne führen diese bekannten Arbeitsschritte jedoch mit so viel Überzeugung aus, dass die fehlende Innovation zunächst kaum stört.
Eiras Stimme trägt auch hier den größten Teil der Komposition. Sie klingt gleichermaßen kämpferisch und melodisch und verleiht selbst den vertrautesten Textbildern genügend Autorität. Eine Königin ohne Ausstrahlung wäre schließlich auch nur eine Frau mit unbequemem Stuhl.
DIE WÄCHTER LASSEN DIE KETTEN LOS
Mit »Custodians« zieht das Tempo deutlich an. Das Schlagzeug treibt kräftiger, die Gitarren werden bissiger und die Band zeigt, dass sie nicht ausschließlich im gemächlichen Schlachtenmarsch unterwegs sein möchte.
Die schnellere Gangart bringt dringend benötigte Abwechslung in das Album. The Warbringer liefert Doublebass-Passagen und hält den Song mit energischen Akzenten auf Kurs. The Keeper verdichtet den Unterbau, während die Gitarren zwischen melodischen Leads und deutlich härteren Akkordfolgen wechseln.
Auch Eiras Gesang erhält eine rauere Färbung. Sie klingt stellenweise weniger wie eine entrückte Fantasy-Herrscherin und mehr wie eine Frontfrau, die dem gegnerischen Heer persönlich erklärt, wo sich der Notausgang befindet.
Der Refrain bleibt melodisch und zugänglich, besitzt aber mehr Schärfe als die vorherigen Stücke. Dadurch gehört »Custodians« zu den stärksten Nummern des Albums. Der Song zeigt, dass die Band ihre Melodien nicht zwangsläufig in hochglänzende Watte packen muss.
HALTET DIE TÜR – DER SYNTHESIZER KOMMT!
»Hold The Door« trägt seine popkulturelle Inspiration ungefähr so unauffällig vor sich her wie ein Drache ein brennendes Schaf. Der Titel spielt mit Opferbereitschaft, Pflicht und jenem Moment, in dem eine einzelne Person den Rückzug anderer ermöglicht.
Musikalisch gehört das Stück zu den folkloristischeren und verspielteren Momenten. Die Keyboards treten deutlicher hervor, während stampfende Rhythmen und mehrstimmige Hintergrundrufe für eine tavernenartige Kampfgesangsstimmung sorgen.
Der Refrain ist so konstruiert, dass er bereits beim zweiten Durchlauf mitgesungen werden kann. Das dürfte auf Konzerten hervorragend funktionieren. Die Hintergrundstimmen besitzen allerdings eine etwas künstliche und dünne Klangfarbe. Mehr echte Stimmen und weniger Studiovervielfältigung hätten dem Song zusätzliche Wucht verliehen.
Trotzdem macht »Hold The Door« Spaß. Das Stück nimmt sich nicht wichtiger, als es sein muss, und liefert einen kräftigen Power-Metal-Ohrwurm. Man sollte die Tür allerdings wirklich festhalten – hinter ihr drängen bereits mehrere Keyboards und mindestens drei Chöre in den Raum.
WENN DER HIMMEL FÄLLT UND DER DRACHE SINGT
Der Titelsong »Heaven’s Falling (Dragons‘ Hymn)« bildet das programmatische Zentrum der Platte. Ein schweres Riff, leuchtende Synthesizer und eine breit angelegte Gesangsmelodie verbinden sämtliche zentralen Elemente von Shadowborne.
Der Song beginnt kontrolliert und steigert sich über mehrere kleine Spannungsstufen. Die Strophen bleiben vergleichsweise zurückhaltend, damit der Refrain umso größer wirken kann. Sobald Eira die Titelzeile anstimmt, öffnet sich das gesamte Arrangement.
The Oathbearer setzt mit melodischen Leadgitarren wichtige Gegenstimmen zum Gesang. Das Solo ist technisch sauber und besitzt genügend eigene Melodie, um nicht bloß als Pflichtübung zwischen zweitem und letztem Refrain zu erscheinen.
Inhaltlich steht der Drache für eine zerstörerische, zugleich aber reinigende Macht. Feuer vernichtet bestehende Ordnungen, eröffnet dadurch jedoch die Möglichkeit eines Neubeginns. Rettung und Untergang liegen entsprechend dicht beieinander.
Der Titelsong ist zweifellos effektiv, ähnelt in seinem Aufbau und einigen rhythmischen Bewegungen jedoch stark »Wolf And The Queen«. Beide Stücke funktionieren für sich hervorragend, stehen auf dem Album aber etwas zu dicht nebeneinander. Ein markanterer Tempowechsel oder ein ungewöhnlicher Mittelteil hätte dem Drachen eine individuellere Flugroute verschafft.
FREMD IM EIGENEN SPIEGEL
»Strangers To Myself« verlässt die reine Schlachtfeldperspektive und richtet den Blick nach innen. Identitätsverlust, Zweifel und das Gefühl, sich selbst nicht mehr zu erkennen, bilden den emotionalen Kern.
Passend dazu verändert sich auch die musikalische Ausrichtung. Elektronische Klangfarben treten stärker hervor und verbinden den Power Metal mit einer deutlichen Achtzigerjahre-Schlagseite. Die Strophen wirken leichter und poppiger, bevor der Refrain erneut sämtliche Türen öffnet.
Eira zeigt hier eine weichere Seite ihrer Stimme. Sie muss nicht jede Zeile mit maximalem Druck singen, sondern arbeitet stärker mit kontrollierten Abstufungen. Gerade diese Zurückhaltung verleiht dem späteren Refrain zusätzliche Wirkung.
Der Song ist ausgesprochen eingängig und dürfte zu den Titeln gehören, die auch außerhalb der eng gesteckten Power-Metal-Zielgruppe funktionieren. Gleichzeitig tritt hier ein wiederkehrendes Problem des Albums hervor: Während die Refrains regelmäßig überzeugen, wirken manche Strophen wie funktionale Übergangsräume auf dem Weg zum nächsten großen Chorus.
Die Gitarren beschränken sich zeitweise auf relativ gewöhnliches rhythmisches Schieben, während die Keyboards den freien Raum füllen. Etwas mehr instrumentelle Eigenständigkeit innerhalb der Strophen hätte dem Song gutgetan.
AUF DER MAUER WIRD GESTAMMT
»The Wall« kehrt zum kämpferischen Power Metal zurück und besitzt einen der unmittelbarsten Rhythmen der Platte. Das Schlagzeug marschiert, die Gitarren setzen kurze, kräftige Akzente und die Gesangsmelodie lädt sofort zum Mitrufen ein.
Die Nummer erinnert mit ihrer Mischung aus Folk-Anklängen, schwerem Stampfen und hymnischer Melodie besonders deutlich an Brothers Of Metal. Auch die Verbindung aus weiblichem Leadgesang und kämpferischen Hintergrundrufen folgt einem vertrauten Muster.
Dennoch entwickelt »The Wall« genügend eigene Energie. Die Melodie ist hervorragend gesetzt, das Gitarrensolo sitzt genau an der richtigen Stelle und die kompakte Laufzeit verhindert jede überflüssige Wiederholung.
The Keeper und The Warbringer bilden ein stabiles Fundament, das den gesamten Song trägt. Der Bass könnte im Mix zwar etwas stärker hervortreten, doch gemeinsam mit dem Schlagzeug erzeugt er jene stampfende Bewegung, auf der Gitarren und Gesang sicher marschieren können.
Der Song besitzt sämtliche Zutaten für einen zukünftigen Livefavoriten. Man kann sich den Refrain bereits in einer Halle mit erhobenen Fäusten vorstellen. Irgendwo wird dabei garantiert jemand ein Trinkhorn hochhalten, obwohl niemand genau weiß, warum.
DER RABE BRINGT DIE DUNKELHEIT
Mit »Raven« wird das Album spürbar düsterer. Die Strophen arbeiten mit schwereren Gitarren, dunkleren Keyboardflächen und einer bedrohlicheren Gesangslinie. Der Rabe erscheint als Beobachter, Bote und Symbol eines unausweichlichen Schicksals.
Die Komposition nimmt sich mit mehr als vier Minuten etwas mehr Zeit als der übrige Teil der Platte. Dadurch können Atmosphäre und Spannung stärker wachsen. Die Gitarren besitzen mehr Gewicht, und auch der Bass erhält innerhalb der dunkleren Passagen etwas mehr Präsenz.
Eira liefert eine ihrer besten Leistungen ab. In den Strophen klingt ihre Stimme kontrolliert und beinahe unheilvoll, während der Refrain erneut in eine große, emotionale Melodie übergeht. Gerade dieser Gegensatz verleiht dem Song Tiefe.
»Raven« zeigt, wie gut Shadowborne klingen können, wenn sie ihre helle Power-Metal-Fassade etwas abdunkeln. Die Band muss dabei weder auf eingängige Melodien noch auf einen großen Refrain verzichten. Sie schafft lediglich mehr Spannung auf dem Weg dorthin.
Ein oder zwei weitere Stücke mit dieser düsteren Ausrichtung hätten dem Album zusätzliche Vielfalt verliehen. Zwischen all den siegreichen Hymnen tut ein Rabe, der schlechte Nachrichten bringt, ausgesprochen gut.
DAS ENDE DER WELT WIRD ZUR BALLADE
»End Of The World« beschließt das Album als emotionale Power-Ballade. Klare Gitarren, zurückhaltende Keyboards und Eiras gefühlvoller Gesang bestimmen den Beginn. Erst nach und nach wächst die Komposition zu einem größeren Finale an.
Die Sängerin steht vollständig im Mittelpunkt. Sie beginnt kontrolliert und verletzlich, steigert ihre Stimme aber zunehmend, bis die höheren Töne das Arrangement deutlich überragen. Diese Entwicklung funktioniert, weil der Song nicht bereits in der ersten Minute sämtliche verfügbaren Spuren abfeuert.
The Oathbearer liefert zum Abschluss ein melodisches Solo, das die emotionale Ausrichtung fortführt. Statt technischer Raserei gibt es lange Töne und eine klar nachvollziehbare Melodieführung.
Ganz ohne Zuckerguss kommt die Nummer allerdings nicht aus. Manche Passage bewegt sich gefährlich nahe an jener Grenze, an der aus gefühlvollem Power Metal der musikalische Abspann einer Fantasy-Hochzeit wird. Eiras starke Darbietung hält den Song jedoch zusammen und verhindert den vollständigen Absturz in den Sirupkessel.
Als Abschluss erfüllt »End Of The World« seine Aufgabe. Nach Drachen, Mauern, Wölfen und fallenden Königreichen endet die Geschichte nicht mit einem weiteren Schlachtruf, sondern mit einem persönlichen Blick auf Verlust und Vergänglichkeit.
EIRA SHADOWBORNE REGIERT DIE REFRÄNGIGKEIT
Der entscheidende Trumpf des Albums ist Eira Shadowborne. Ihre Stimme besitzt genügend Kraft für die schweren Passagen, bleibt aber melodisch und klar. Sie kann zwischen kontrollierten Strophen, raueren Akzenten und weit geöffneten Refrains wechseln, ohne ihre Identität zu verlieren.
Besonders bei »Wolf And The Queen«, dem Titelsong und »Raven« zeigt sich ihre Fähigkeit, große Melodien mit emotionaler Glaubwürdigkeit zu tragen. Sie klingt nicht wie eine Sängerin, die lediglich über ein fertiges Instrumental gelegt wurde. Die Songs sind erkennbar um ihre Stimme herum aufgebaut.
Darin liegt zugleich ein kleines Problem. Sobald die Gesangsmelodie weniger spektakulär ausfällt, treten die vertrauten instrumentalen Bauteile deutlicher hervor. Viele Strophen verlassen sich auf einfache Rhythmusgitarren und flächige Synthesizer, bis der nächste Refrain die Aufmerksamkeit wieder vollständig übernimmt.
Die Band besitzt ausgezeichnete Musiker, nutzt deren Möglichkeiten innerhalb der Strophen aber nicht immer aus. Mehr eigenständige Basslinien, markantere Rhythmusgitarren und überraschendere Keyboardmotive könnten zukünftige Songs auch außerhalb ihrer Refrains stärker machen.
FÜNF MUSIKER IM SCHATTEN DER KRONE
The Warden hält mit seinen Gitarren und Keyboards einen großen Teil der Klangarchitektur zusammen. Seine Synthesizer liefern Orchestrierungen, elektronische Akzente und die cineastische Oberfläche. Gelegentlich wirken die Sounds etwas zu glatt, doch sie geben dem Album seinen modernen Charakter.
The Oathbearer setzt mit der Leadgitarre melodische Glanzpunkte. Seine Soli sind kompakt, technisch sicher und überwiegend songdienlich. Besonders bei »High And Low«, »The Wall« und »End Of The World« bleiben die Leadmelodien über den eigentlichen Song hinaus im Gedächtnis.
The Keeper sorgt am Bass für den notwendigen Druck, wird innerhalb der dichten Produktion aber häufig von Gitarren und Keyboards verdeckt. Ein präsenterer Bassklang hätte den schweren Passagen zusätzliche Körperlichkeit verliehen.
The Warbringer spielt kontrolliert und druckvoll. Seine marschierenden Rhythmen passen zur kämpferischen Ausrichtung, während die schnelleren Passagen von »Custodians« zeigen, dass er durchaus mehr als gleichmäßiges Midtempo beherrscht.
Als Einheit klingt die Band präzise und geschlossen. Spontane Rauheit oder unberechenbare Ecken sind allerdings kaum vorhanden. Hier sitzt jeder Hieb exakt, jeder Drache startet pünktlich und selbst das fallende Königreich dürfte vorher einen Ablaufplan erhalten haben.
HOCHGLANZ ZWISCHEN FEUER UND EIS
Produziert wurde »Heaven’s Falling« von Kristoffer Göbel, während Christoffer Borg bei Far Beyond Productions Mix und Mastering übernahm. Das Album klingt entsprechend klar, laut und modern.
Gesang, Gitarren und Keyboards sind sauber voneinander getrennt. Die Refrains besitzen enorme Breite, und selbst in den dichteren Arrangements bleibt jedes zentrale Element nachvollziehbar. Die Produktion unterstützt damit die melodische Ausrichtung hervorragend.
Allerdings wirkt der Klang stellenweise beinahe zu kontrolliert. Einige Schlagzeug- und Gitarrenspuren besitzen wenig natürliche Reibung, während die Hintergrundchöre gelegentlich dünn und künstlich erscheinen. Etwas mehr organischer Schmutz hätte den Schlachten zusätzliche Gefahr verliehen.
Der moderne Hochglanz passt grundsätzlich zu Bands wie Battle Beast oder Beast In Black, deren Einfluss deutlich hörbar ist. Wer Power Metal bevorzugt, bei dem jede Lederschnalle und jedes Kettenhemd akustisch nach echtem Eisen klingt, dürfte sich hier etwas mehr Rauheit wünschen.
BEKANNTE BURGEN, STARKE MELODIEN
Die größte Schwäche von »Heaven’s Falling« ist seine starke Bindung an etablierte Genreformeln. Stampfende Rhythmen, synthetische Orchestrierungen, große Refrains und Fantasytexte gehören längst zum Grundinventar des europäischen Power Metal.
Die Nähe zu Battle Beast, Beast In Black, Brothers Of Metal und stellenweise Sabaton ist kaum zu überhören. Einige Strophen wirken, als wären sie hauptsächlich gebaut worden, um den Weg zum nächsten Chorus nicht völlig unmöbliert zu lassen.
Doch selbst der bekannteste Bauplan benötigt starke Melodien, um zu funktionieren – und genau diese besitzen Shadowborne. Nahezu jeder Refrain sitzt, die Spielzeit bleibt kompakt und Eira verleiht der Band einen deutlichen Wiedererkennungswert.
Das Debüt erfindet den Power Metal nicht neu. Es poliert seine bekanntesten Waffen, bemalt den Schild mit einem Drachen und stürmt damit sehr überzeugend auf die Bühne. Manchmal genügt genau das.
FAZIT:
»Heaven’s Falling« ist ein starkes, melodisches und ausgesprochen eingängiges Power-Metal-Debüt. Shadowborne überzeugen mit großen Refrains, druckvollen Gitarren und einer herausragenden Sängerin. Besonders »Custodians«, der Titelsong, »The Wall« und »Raven« bleiben hängen.
Die bekannten Genreformeln, einige blasse Strophen und die stellenweise sterile Produktion verhindern eine höhere Wertung. Wer bei Drachen, Schlachtgesängen und gigantischen Hooks jedoch sofort das Trinkhorn hebt, darf bedenkenlos eintreten.






